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Schlagwortarchiv für: Gewitterlage

Erste große Gewitterlage 2026?

28. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch BORIS sorgte in den letzten Tagen für viel Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen. Vor allem im Südwesten und Süden gab es gebietsweise bereits fünf Hitzetage mit Höchsttemperaturen von über 30 Grad in Folge. Auch am heutigen Donnerstag dürfen sich alle Sonnen- und Wärmeliebhaber freuen. Erneut gibt es vielerorts Sonnenschein von früh bis spät. Lediglich ganz im Süden vom Südschwarzwald bis zum Alpenrand besteht ein geringes Gewitterrisiko. Dazu gehen die Temperaturen allerdings insgesamt etwas zurück. Nur noch in einigen Niederungen im Südwesten wird die 30 Grad-Marke erreicht oder leicht überschritten. Sonst werden meist 23 bis 29 Grad erwartet, in Küstennähe bleibt es deutlich kühler.

Vorhersage für Freitag, den 29.05.2026 um 12 UTC. Das Frontensystem eines Tiefs bei den Färöer-Inseln nimmt zunehmend Einfluss auf den Nordwesten Deutschlands.

Am Freitag zeichnet sich dann aber bereits die erste kleinere, aber durchaus signifikante Änderung ab. Ein kleines Tief verlagert sich von den Färöer-Inseln nach Südskandinavien und beeinflusst mit seinem Frontensystem den Nordwesten Deutschlands. Gleichzeitig schwächt sich der Hochdruckeinfluss weiter ab, sodass die Luftmasse zunehmend labilisiert wird.

Im Vorfeld der Front strömt von Süden sehr warme bis heiße sowie zunehmend feuchte Luft heran. So können ab dem Nachmittag mit Heranrücken des kleinen kurzwelligen Troges einzelne, aber kräftige Schauer und Gewitter entstehen. Da neben einem hohen Energiegehalt auch die Windscherung erhöht ist, können sich organisierte Strukturen sowie einzelne Superzellen ausbilden. Damit steigt bei Gewittern neben der Gefahr von Starkregen, auch das Risiko für größeren Hagel und schweren Sturmböen (Bft 10) an. Bei solchen Windgeschwindigkeiten können Bäume umstürzen und Gegenstände umhergewirbelt werden. Es besteht dann im Freien Lebensgefahr. Der Schwerpunkt befindet sich am Abend voraussichtlich in Niedersachsen und dem Norden Nordrhein-Westfalens. In der Nacht zum Samstag verlagern sich die Gewitter nach Osten und Südosten. Erst im Laufe der zweiten Nachthälfte schwächen sich diese allmählich ab. Im Süden merkt man davon allerdings kaum etwas. Dort setzt sich das ruhige und hochsommerlich warme-bis heiße Frühsommerwetter fort.

Gewitterzutaten für Freitag, den 29.05.2026 um 18 UTC. Im Nordwesten überlappen sich die Felder mit hoher Feuchte, Labilität und Windscherung.

Dies ändert sich jedoch am Wochenende. Am Samstag befindet sich über der Mitte Deutschlands eine markante Luftmassengrenze. Diese trennt trockene und kühle Luft im Norden von feuchter und sehr warmer Subtropikluft im Süden. Bodennah zeichnet sich eine Tiefdruckrinne ab, an der kräftige Hebungsimpulse entstehen. Dort entstehen im Tagesverlauf vermehrt Schauer und kräftige Gewitter. Im Gegensatz zum Vortag liegt das Hauptaugenmerk auf den Starkregen. Ursache dafür ist die geringere Windscherung und die langsamere Verlagerung der Gewitterzellen im Vergleich zur Lage am Freitag im Nordwesten. Neben heftigem Starkregen kann es lokal auch zu Hagel mit größeren Hagelansammlungen kommen.

Am Sonntag bleibt uns in der Südhälfte voraussichtlich die feuchtlabile Subtropikluft erhalten. Dort bilden sich somit erneut teils kräftige Schauer und Gewitter. Örtlich besteht weiterhin Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel. Erst am Montag sorgt ein von Westen heranrückendes Hochdruckgebiet für eine vorübergehende Wetterberuhigung. Doch bereits am Dienstag könnte uns nach jetzigem Stand schon wieder die nächste Gewitterlage bevorstehen. Das ruhige Frühsommerwetter macht somit erst einmal Pause!

Aktuelle Informationen zu den bevorstehenden Gewitterlagen finden sie auf unserer Webseite und in der Warn-Wetter App.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Erste-grosse-Gewitterlage-2026.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-28 13:48:332026-06-10 19:58:17Erste große Gewitterlage 2026?

Aufgaben der Vorhersage- und Beratungszentrale – Teil 2

14. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mediendienst:
Der Medienmeteorologe tritt am Morgen seinen Dienst an und ist dann bis in die Mittagsstunden einem relativ straffen Programm ausgesetzt. Zuerst muss der Wetterbericht fürs Deutschlandradio überarbeitet werden. Im Anschluss folgt der allgemeine Wetterbericht für Deutschland und ein erstes Posting auf den Plattformen der sozialen Medien. Dieses Posting sollte mit einem schön gestalteten und aussagekräftigen Bild garniert werden. Im weiteren Verlauf wird der Pressetext verfasst, der an verschiedene Medienanstalten verschickt wird. Dabei geht es darum, das Wetter möglichst anschaulich für die Bevölkerung zu beschreiben. Danach folgt die Kernaufgabe des Mediendienstes, nämlich die Erstellung eines Wetterclips beziehungsweise eines Unwetter- oder Hitzeclips. Diese Clips werden bei entsprechenden Wetterlagen auf YouTube, in der WarnWetter-App und auf der Homepage hochgeladen. Dafür wird mit einer Software ein Wetterfilm erzeugt, der dann im betriebseigenen TV-Studio vorgetragen und aufgenommen wird. Am Mittag und Nachmittag wird der Deutschlandwetterbericht fortlaufend aktualisiert und ein Thema des Tages verfasst. Außerdem gibt es bei Unwetterlagen einen extra Bericht für Medienanstalten. Des Weiteren müssen weitere Postings erzeugt und Kundenmails beantwortet werden. Ebenso kann den ganzen Tag über das Telefon klingeln, weil beispielsweise ein Radiosender ein Interview will oder eine Zeitung Informationen für einen Artikel braucht. Gelegentlich kommt auch ein Fernsehteam vorbei, um Aufnahmen zu machen. Der Mediendienst ist also sehr vielfältig und der Kundenkontakt ziemlich ausgeprägt. 

Warnproduktion:
Dieser Dienst ist äußerst facettenreich und es werden viele unterschiedliche Aufgaben bearbeitet. Am frühen Morgen steht ein hydrologischer Bericht für ganz Deutschland und im Speziellen nochmals für das Rheineinzugsgebiet an. Danach erstellt man im Bedarfsfall Grafiken für das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) und die Deutsche Bahn (DB). Interessant für diese Kundengruppen sind vor allem großräumig zu erwartende Unwetterereignisse mit gewissem Schadenspotenzial. Daran anschließend nimmt der Meteorologe dann das weltweite Wetter in Betracht und dafür nutzt er zum Beispiel auch den Extreme Weather Index (EWI). Dieser Index dient zur Abschätzung von außergewöhnlichen Wetterereignissen weltweit und wird dazu genutzt, frühzeitig Unwetterereignisse zu erfassen. Diese Erkenntnisse werden dann entweder mündlich oder in Form eines Berichtes an das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum weitergeleitet, damit dort beispielsweise Hilfsaktionen koordiniert werden können. Im Warnproduktionsdienst werden weitere deutschlandinterne oder internationale Sonderaufgaben bearbeitet. Derzeit werden beispielsweise verschiedene Berichte zum aktuellen Wetter und die Windverhältnisse für die Ukraine erstellt. Auch für die international stationierte Bundeswehr wird Zuarbeit geleistet. Der Dienst ist somit sehr anspruchsvoll, da man sich in viele unterschiedliche Themenbereiche einarbeiten muss und sehr gute Geografiekenntnisse unbedingt erforderlich sind. 

Evaluierungs- und Analysedienst:
Dieser Dienst ist in zwei Blöcke aufgeteilt. Am Morgen und am frühen Nachmittag stehen die Bodenanalysekarten an. Es ist quasi eine Art „Malen nach Zahlen“ für den Bereich Europa und Nordatlantik. Neben der Positionierung von Hoch- und Tiefdruckgebieten werden auch Fronten sowie Isobaren in die Karte eingezeichnet. Nachdem dies früher alles noch mit Stift und Papier erfolgte, nutzt man mittlerweile ein grafisches Visualisierungstool.

Der zweite Part dieses Dienstes, der zwischen den Analysen und auch am Nachmittag gemacht wird, ist die Evaluierung. Dabei sollen Produkte auf Herz und Nieren geprüft und mögliche Fehler beziehungsweise Verbesserungsvorschläge dokumentiert werden. Das können Untersuchungen zu neu entwickelten Radarprodukten, neuen Wettermodellfeldern oder Weiterentwicklung von bestehenden Produkten sein. Des Weiteren dient dieser Dienst der Unterstützung des Guidancemeteorologen oder des Supervisors vor allem bei komplexen Warnlagen. Außerdem übernimmt der Meteorologe bei Ausfall der Außenstellen deren Arbeit, wie beispielsweise die Erstellung von Wetter- und Warnlageberichten sowie von akuten Warnungen. 

Nachtdienste:
Neben dem Supervisorennachtdienst gibt es noch zwei Nachtdienste, die nachts die Aufgaben der Außenstellen von Essen, Leipzig und Potsdam übernehmen. Neben der Erstellung der Guidance sind sie dann für akute Warnungen im Zuständigkeitsbereich der Außenstellen, für die Erstellung von Warnlage- und Wetterberichten, für die telefonische Beratung und für eine Reihe von Sonderaufgaben verantwortlich. 

Das heutige Thema des Tages und das Thema des Tages von vergangenem Samstag (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/5/10.html) boten einen Überblick über die verschiedenen Schichten in der VBZ. Nicht weiter aufgeführt wurden eine Reihe von Sonderaufgaben, wie beispielsweise die Erstellung von Ausbreitungsrechnungen im Bedarfsfall und die Übernahme von Projektarbeiten, die einen immer größeren Raum im Dienstplan einnehmen. Die Arbeit in der VBZ ist also sehr spannend, anspruchsvoll und nicht langweilig, da man sich immer wieder mit neuen Aufgaben befassen und sich in neue Themengebiete einarbeiten muss. 

 

Dipl. Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-14 14:49:462025-05-17 15:10:31Aufgaben der Vorhersage- und Beratungszentrale – Teil 2

Vor 10 Jahren: Zweiter Tornadoausbruch im „Unwetter-Mai“ von 2015

13. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vergangene Woche wurde an dieser Stelle bereits über den Tornadoausbruch am 5. Mai 2015 im Nordosten Deutschlands berichtet, der sich in diesem Jahr zum zehnten Mal jährte. Diese Unwetterlage sollte aber erst der Startschuss eines denkwürdigen Unwetter-Monats sein. Nur eine Woche nach dem berüchtigten „Bützow-Tornado“ kam es am 12. und 13. Mai 2015 zur nächsten, folgenschweren Unwetterlage. Schwere Gewitter brachten neben schweren Sturmböen, Starkniederschlägen und großem Hagel auch wieder mehrere, starke Tornados, die für Verwüstungen sorgten. 

Abbildung 1: DWD-Bodenanalyse vom 12. und 13. Mai 2015, 12 und 18 UTC. Quelle: DWD 

Wie schon bei der ersten Unwetterlage zu Beginn des Monats handelte es sich auch bei der zweiten am 12. und 13. Mai 2015 um eine hochenergiereiche und dynamische Gewitterlage. Den Gewittern stand nicht nur eine sehr warme, feuchte und instabile Luftmasse zur Verfügung, sondern auch viel Windscherung, also mit der Höhe rasch an Stärke gewinnende und in ihrer Richtung variierende Winde. Die DWD-Analyse vom 12. Mai (14 Uhr) verdeutlicht, wie Deutschland zwischen Tief BENEDIKT über dem Nordmeer und Hoch TINA über Südosteuropa in eine Südwestströmung gelangte, mit der feucht-warme Mittelmeerluft herangeführt werden konnte (Abb. 1, links). Zugleich griff aber auch die Kaltfront von BENEDIKT über, die einen markanten Luftmassenwechsel von Nordwesten her einleitete. Unmittelbar vor der Kaltfront konnte sich in der warmen Luft eine sog. Konvergenzlinie ausbilden, also ein schmaler Bereich zusammenströmender und folglich zum Aufsteigen gezwungener Luft. Die Konvergenzlinie konnte somit als Trigger für die Gewitterentstehung fungieren. Es bildete sich eine markante, mehrere 100 Kilometer lange Gewitterlinie aus (Abb. 2, rechts). Aufgrund der Windscherung konnten sich die Gewitter organisieren, was bedeutet, dass sie stärker und langlebiger wurden. Auch einige Superzellen, also stark rotierende Gewitterzellen, waren mit dabei. Diese brachten nicht nur großen Hagel bis 4 cm Durchmesser, sondern produzierten auch mindestens vier Tornados in Arfurt in Hessen, in Kirchgandern und Nohra in Thüringen sowie in Alten in Sachsen-Anhalt. Die Tornados wurden als IF0 bis IF1.5 mit Windgeschwindigkeiten von 90 bis 180 km/h klassifiziert. 

Abbildung 2: Radarbilder vom 12. Mai 2015, 15 und 17 UTC, und beispielhafte DWD-Warnkarte während des Ereignisses. Unwetterwarnungen sind rot, die Warndreiecke markieren Bundesländer mit einer Unwettervorabinformation. Quelle: DWD 

Am 13. Mai flutete kühlere Meeresluft weite Teile Deutschlands, zudem brachte Hoch ULRIKE eine Wetterberuhigung. Im äußersten Süden allerdings hielt sich die feucht-warme und instabile Luft und wiederholt konnte sich auf der warmen Seite der Luftmassengrenze im Bereich einer Tiefdruckrinne eine Konvergenzlinie ausbilden (Abb. 1, rechts). Zudem war die Windscherung noch etwas stärker und die Bedingungen für Superzellen und Tornados noch etwas günstiger als am Vortag. Besonders herausragend war eine Superzelle, die am Abend vom Elsass her nach Südwestdeutschland und u. a. auch über Freiburg im Breisgau zog. Dort richtete Hagel bis zu 5 cm Durchmesser größere Schäden an. Sich weiter über den Schwarzwald südostwärts verlagernd produzierte die Zelle noch mindestens zwei Tornados der Stärke IF2 bis IF2.5 (220 bis 250 km/h) bei Lenzkirch und Bonndorf. Ein weiteres System über Bayrisch Schwaben wurde eingangs der Nacht „tornadisch“. Auf eine Strecke von 10 Kilometern zwischen Stettenhofen und Affing richtete der als IF3 (~290 km/h) eingestufte Tornado schwere Schäden an. Autos wurden versetzt, Wände und Mauern eingerissen und einige Gebäude unbewohnbar. 

Alle Blitze und eine beispielhafte Warnkarte vom 13. Mai 2015. Unwetterwarnungen sind rot, extreme Unwetterwarnungen sind violett, die Warndreiecke markieren Bundesländer mit einer Unwettervorabinformation. Quelle: DWD 

Den Betroffenen wird diese Unwetterlage sicher noch in Erinnerung sein, aber vielleicht auch dem ein oder anderen „Wetterbegeisterten“ unter den Lesern. Allen anderen soll dieser Artikel vor Augen führen, welche Naturgewalten sich schon im Mai in Form von schweren Gewittern entfalten können. 

Schäden nach dem Tornado in Affing am 13. Mai 2015. Quelle: DWD/Siemens 

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Vor-10-Jahren-Zweiter-Tornadoausbruch-im-22Unwetter-Mai22-von-2015-teil-1-.png 759 1965 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-13 14:32:372025-05-17 14:48:38Vor 10 Jahren: Zweiter Tornadoausbruch im „Unwetter-Mai“ von 2015
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