Schlagwortarchiv für: Meereisbildung

DWD trifft auf Filmlegende!

Was standen beim DWD die Münder vor Staunen und Ungläubigkeit offen, als vor wenigen Tagen die Anfrage eintrudelte, ob der Deutsche Wetterdienst Teil eines neuen Films von und mit Terence Hill sein möchte. Tja, tatsächlich! Terence Hill plant mit seiner Produktionsfirma „Terence Hill Media“ zu Ehren des zehnten Todestages seines kongenialen Filmpartners und guten Freundes Bud Spencers einen neuen Film unter anderem in Deutschland zu drehen.

Warum gerade in Deutschland? Nun, das erklärt sich einerseits schlicht durch Terence Hills Vita. 1939 kam er in Venedig als Mario Girotti auf die Welt. Nur wenige Jahre später zog die Familie mit ihm ins sächsische Lommatzsch, dem Ort, aus dem Hills Mutter stammt. Dort überlebten sie das Bombardement auf Dresden zum Ende des Zweiten Weltkriegs und flüchteten anschließend wieder zurück nach Italien. Andererseits war der spätere Filmerfolg Bud Spencers und Terence Hills nicht nur in Italien, sondern auch insbesondere in Deutschland enorm groß und ihr Kultstatus hält dort auch heute noch ungebrochen an.

Und wieso um alles in der Welt wurde der DWD als Drehort ausgewählt? Nach den vor allem in Italien großen Erfolgen seiner letzten beiden Serien „Die Bergpolizei“ und „Don Matteo“, in denen er als Förster beziehungsweise als Priester der örtlichen Polizei stets unter die Arme griff, soll nun das Thema „Wetter“ in den Fokus rücken. Als leidenschaftlicher Segelflieger war das Wetter für Terence Hill schon immer von großem Interesse. Es sei daher schon lange Zeit sein Wunsch gewesen, diese Thematik in einen Film mitaufzunehmen.

Über die Handlung im Detail ist bisher – zumindest auf Seiten des DWD – noch nicht wirklich viel bekannt. Im Großen und Ganzen soll es aber wohl um die gezielte Manipulation von Wettermodellen und -prognosen innerhalb der EMO (Europäische Organisation für Meteorologie) gehen. Terence Hill spielt dabei einen pensionierten Wetterberater, der von Interpol auserkoren und in einer Geheimoperation in verschiedene Wetterdienste eingeschleust wird, um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen.

Zudem teilte uns die Produktionsfirma mit, dass es sich um einen tendenziell eher lustigen Film handeln solle, der den Geist und Witz aus der Hochzeit der Spencer-Hill-Filme in den 70er-Jahren aufgreift. Demnach wird auch die ein oder andere Prügelszene im Film vorhanden sein. Das belegt auch ein Foto, das uns zugespielt wurde. Darin ist zu erkennen, wie die Stuntcrew bereits die Choreografie für die klassische Abschlusskeilerei einstudiert. Vor Ort sollen dann auch einzelne Kolleginnen und Kollegen aus der Vorhersage- und Beratungszentrale eingebunden werden. Es ist also gut möglich, dass so manche Nase, die Sie vielleicht aus unseren Unwetterclips kennen, einen ordentlichen Hieb auf selbige einstecken muss.

DWD trifft auf Filmlegende 1

Stuntcrew probt Choreografie für Prügelszene im neuen Film von und mit Terence Hill.

Die deutsche Version des Filmtitels soll übrigens aus der deutschen Fangemeinde heraus entstehen. Im Rennen sind bisher unter anderem: „Petrus außer Rand und Band“, „Zwei Fäuste und ein Donnerschlag“ sowie „Ein Downburst für ein Halleluja“. Wenn Ihnen auch noch ein treffender Titel einfallen sollte, schicken Sie ihn uns gerne an die „Thema-des-Tages“-Mailadresse tdt@dwd.de oder direkt an april.scherz@haha.de.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Polynjen – besondere Orte in polaren Gebieten

Eine Polynja ist ein von Meereis umgebenes Gebiet mit offenem Wasser. Der Begriff wird heute als geographischer Begriff für ein Gebiet mit nicht gefrorenem Meerwasser innerhalb eines ansonsten zusammenhängenden Packeises oder Festeises verwendet. Es handelt sich um ein Lehnwort aus dem Russischen „polynya“ (полынья), das sich auf ein natürliches Eisloch bezieht. Es wurde im 19. Jahrhundert von Polarforschern übernommen, um befahrbare Abschnitte des Meeres zu beschreiben.

Es gibt zwei Haupttypen von Polynjen: Küsten-Polynjen, die das ganze Jahr über in der Nähe der antarktischen und arktischen Küsten zu finden sind sowie Polynjen auf offener See, die an bestimmten Orten, insbesondere rund um die Antarktis, eher sporadisch inmitten des Eisfeldes auftreten.

Küsten-Polynjen entstehen durch zwei Hauptprozesse: Eine Polynja mit sensibler Wärme wird thermodynamisch angetrieben und tritt typischerweise auf, wenn durch den Aufstieg von warmem Wasser die Oberflächentemperatur auf oder über dem Gefrierpunkt gehalten wird. Dies verringert die Eisbildung und kann sie sogar ganz zum Erliegen bringen.

Eine Polynja mit latenter Wärme entsteht durch die Einwirkung von sogenannten katabatischen Winden. Dies sind Fallwinde, die das Eis von einer festen Grenze wie einer Küstenlinie, festem Eis oder einer Eisbrücke wegtreiben.

Polynjen besondere Orte in polaren Gebieten 1

Schema der Bildung einer Polynja durch Einwirkung von Fallwinden; Quelle: Deutscher Wetterdienst, Sachgebiet See– und Polarwetterdienst

Die Polynja entsteht zunächst, wenn einjähriges Packeis von der Küste weggetrieben wird. Dadurch entsteht ein Bereich mit offenem Wasser, in dem sich neues Eis bildet. Dieses neue Eis wird dann ebenfalls in Windrichtung zum einjährigen Packeis getrieben. Wenn es das Packeis erreicht, verbindet sich das neue Eis mit dem Packeis. Dieser Prozess setzt sich im Laufe der Zeit fort. Diese sogenannten Latentwärme-Polynjen sind daher eine wichtige Quelle für die Meereisbildung in der Antarktis.

Latentwärme-Polynjen sind Gebiete mit hoher Eisbildung und daher potentielle Orte der Dichtwasserbildung in beiden Polarregionen. Die hohen Eisbildungsraten innerhalb dieser Polynjen führen dazu, dass große Mengen an Salzlake in die Oberflächengewässer abgegeben werden. Dieses salzige Wasser sinkt dann ab. Damit stellen Latentwärme-Polynjen eine wesentliche Quelle für antarktisches Tiefenwasser dar. Damit ist das dichte Wasser mit hohem Salzgehalt gemeint, das in der Tiefseeschicht des Südlichen Ozeans vorkommt. Es spielt eine wichtige Rolle im globalen Umwälzströmungssystem, welches als thermohaline Zirkulation bekannt ist. Die Ausscheidung von Sole während der Meereisbildung an diesen Polynjen erhöht den Salzgehalt des Meerwassers, das dann als antarktisches Tiefenwasser auf den Meeresboden absinkt.

Küstennahe antarktische Polynjen entstehen, wenn Eismassen von der Küste abdriften und sich in Windrichtung bewegen. Dadurch entsteht ein frei liegender Bereich mit Meerwasser, welcher anschließend unter Ausscheidung von Sole zufriert und eine weitere Eismasse bildet. Im Gegensatz dazu ist die Frage offen, ob die Polynjen der Arktis genug Dichtwasser produzieren können, um einen wesentlichen Teil des dichten Wassers zu bilden, das für den Antrieb der thermohalinen Zirkulation erforderlich ist. Beispiele für küstennahe Polynjen sind die Ellesmere-Polynja aus dem Jahr 2020 (3000 km²). Diese Polynja ist ungewöhnlich, da die Eisdicke dort sonst 5 Meter beträgt. Weitere Beispiele sind die Laptewsee-Polynja, die Kosmonautensee-Polynja, die sich besonders zwischen 1973 und 1986 gebildet hat und 1980 eine maximale Größe von 137.700 km² aufwies) und die Rossmeer-Polynja mit einer Größe von 20.000 km².

Küstenferne Polynjen auf offener See entstehen, wenn bestimmte atmosphärische Bedingungen über vorbestimmten ozeanographischen Gebieten auftreten. Solche atmosphärischen Bedingungen sollten die Eisdrift in entgegengesetzte Richtungen begünstigen, um das Eisfeld aufzubrechen. Polare Tiefdruckgebiete sind ein typischer atmosphärischer Auslöser für das Auftreten von küstenfernen Polynjen auf offener See, da die zyklonalen Winde das Eis in entgegengesetzte Richtungen vom Zentrum des Tiefs wegdrücken. Auch Kaltfronten, an denen zwei Strömungen mit entgegengesetzter Richtung aufeinandertreffen, sind ideal für die Entstehung einer Polynja auf offener See. Eine andere Entstehungstheorie ist, dass wärmeres Tiefenwasser durch Erhebungen des Meeresbodens, beispielsweise eines submarinen Plateaus, zur Oberfläche abgelenkt wird und damit eine Meereisfläche von unten beginnt, anzuschmelzen. Eine solche bekannte küstenferne Polynjen ist die Weddell-Polynja aus den Jahren 1975 bis 1977 (Größe 350.000 km²) und 2017, die nahe des untermeerischen Maud Rise-Plateaus entstand, sowie Beaufortsee-Polynja aus dem Jahr 2006.

Polynjen besondere Orte in polaren Gebieten 2

Weddell-Polynja zwischen 1973 und 1976, Quelle: NASA, über Universität Toronto, Kanada

Einige Polynjen, wie beispielsweise die North-Water-Polynja zwischen Kanada und Grönland, treten jedes Jahr zur gleichen Zeit und am gleichen Ort auf. Da Tiere ihre Lebensstrategien an diese Regelmäßigkeit anpassen können, sind diese Arten von Polynjen für die ökologische Forschung von besonderer Bedeutung. Im Winter bleiben Meeressäugetiere wie Walrosse, Narwale und Belugas, die nicht nach Süden wandern, dort. Es ist bekannt, dass Eisbären bis zu 65 Kilometer durch das offene Wasser einer Polynja schwimmen können. Polynjen haben im Laufe der Geschichte auch menschliche Gemeinschaften unterstützt. So dient beispielsweise die North Water-Polynja, die größte und biologisch produktivste Polynja der Arktis, als wichtige Nahrungsquelle in einer ansonsten kargen Region und ermöglicht seit Jahrtausenden die Existenz menschlicher Gemeinschaften in den hohen Breitengraden dieser Region. Sie könnte den ersten Siedlern Grönlands als Sprungbrett gedient haben, als diese vor 4500 Jahren das heutige Nordkanada durchquerten. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die North Water-Polynja im Laufe der Geschichte den Thule, Inuit, Nordmännern und westlichen Entdeckern geholfen hat. Heute ermöglicht die North Water-Polynja die Existenz der nördlichsten Siedlungen Grönlands wie Qaanaaq, Qeqertat und Siorapaluk.

Polynjen besondere Orte in polaren Gebieten 3

Satellitenbild der North Water-Polynja zwischen Nordkanada und Nordgrönland im Mai 2015, Quelle: NASA, über Wikimedia Commons

Das Vorhandensein von offenem Wasser in einem ansonsten eisbedeckten Gebiet kann zu einer lokal begrenzten Blüte von Meeresalgen führen, die auch als Polynja-Blüte bezeichnet wird. Zwar kommen Algengemeinschaften häufig unter Meereis vor, wie Eisalgen zeigen, doch ist die Wachstumsrate des Phytoplanktons im offenen Wasser einer Polynja wesentlich höher. Die Hauptursachen für Polynja-Blüten sind Sonnenlicht und Nährstoffe. Insbesondere ermöglicht das Fehlen von Meereis, dass Licht, eine notwendige Komponente für die Photosynthese, tiefer in das Wasser eindringen kann und so ein verstärktes Phytoplanktonwachstum im Vergleich zu den umgebenden, eisbedeckten Gewässern ermöglicht. Darüber hinaus ist die Bildung von Polynjen typischerweise mit Auftrieb verbunden. Dieser Prozess transportiert nährstoffreiches Wasser vom Meeresboden an die Oberfläche. Der Zufluss an Nährstoffen in Verbindung mit erhöhter Lichteinstrahlung führt häufig zu Polynja-Blüten.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst