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Schlagwortarchiv für: Schafskälte

Nicht so schönes Wochenende?

11. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Aktuell zeigt die Bodenwetterkarte zwar den Einfluss eines Hochdruckgebietes, wer aber aus dem Fenster guckt, der sieht oft dichte und dunkle Wolken oder gar Regen und Gewitter. Dazu ist es recht frisch für fast Mitte Juni. Die Temperaturen liegen am Nachmittag meist zwischen 16 und 20 Grad.

Grund für das wenig sommerliche Wetter ist das Bodentief ROSI über der Norwegischen See. Es ist auch in höheren Luftschichten gut ausgeprägt und die Ausläufer reichen bis nach Deutschland. Dabei gelangt aus Westen subpolare Meeresluft zu uns, die nicht nur kühl sondern auch feucht ist.

links: Karte Europa und Nordatlantik mit Frontenanalyse des DWD vom 11.06.2026 6 UTC; rechts: Vorhersage Höhenwetterkarte aus ICON für den 11.06.2026 12 UTC

An der Konstellation ändert sich auch am morgigen Freitag wenig. Zwar wird ROSI dann unter Auflösungserscheinungen den Weg über Skandinavien ostwärts nehmen. Auf dem Atlantik stehen aber neue Tiefdruckgebiete bereit, um die Wetterregie bei uns zu übernehmen. Aus Westen breiten sich bereits in der Nacht zum Freitag schauerartige Regenfälle zu uns aus, die im Tagesverlauf auch den Osten und Südosten Deutschlands erreichen. In der Nacht zum Samstag ziehen die Niederschläge dann allmählich ostwärts ab. Bis dahin regnet es am Alpenrand recht langanhaltend, sodass regional über 30 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden zusammenkommen.

Am Samstag liegen wir zwischen Tiefdruckgebieten über Skandinavien und einem Hochdruckgebiet, das von der Biskaya bis nach Tunesien reicht, in einer straffen nordwestlichen Strömung. Dabei wird in den Norden und Osten kühle und feuchte Luft geführt, die immer wieder für Schauer und auch Gewitter sorgt. Im Südwesten kommt dagegen trockene und milde Luft an und bei viel Sonnenschein steigt die Temperatur verbreitet auf sommerliche Werte über 25 Grad. Etwas ungemütlich ist der bundesweit frische bis starke Wind, der in Böen auf den Bergen und an den Küsten durchaus stürmisch sein kann. Er dämpft das Wärmeempfinden, wobei im Norden bei Maxima von 16 bis 20 Grad kaum von Wärme gesprochen werden kann.

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage von Isobaren und Fronten für Samstag, den 13.06.2026 12 UTC

Am Sonntag verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt nach West- und Nordwesteuropa und der Tiefdruckeinfluss aus Nordosten gewinnt. Damit wird die milde Luft wieder nach Frankreich und in die Schweiz gedrängt und auch im Südwesten setzt sich wieder kühlere Luft durch. Mit etwas Glück werden am Hochrhein noch knapp über 25 Grad erreicht. Da der Anteil an trockener Luft aber überwiegt, sind Schauer zwischen Eifel und Bodensee unwahrscheinlich. Anders sieht es nördlich des Mains aus. Da fließt die kühle und feuchte Luft weiter ungehindert ein und es kommt wiederholt zu Schauern, im Nordosten auch zu Gewittern. Die Höchstwerte liegen zwischen 16 und 20 Grad. Da der Druckgradient dort weiterhin recht hoch ist, ist auch der Wind noch frisch unterwegs. Nach Süden hin fächert der Gradient mit abziehendem Hoch auf und der Wind lässt deutlich nach.

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage von Isobaren und Fronten für Sonntag, den 14.06.2026 12 UTC

Fazit: Wie immer ist die Ansicht des „schönen“ Wetters subjektiv. Für den Fan von Sonne und Wärme lohnt sich am Wochenende ein Ausflug in den Südwesten Deutschlands. Wen dichte Wolken und mindestens zeitweise Nässe nicht stören, der ist im Nordosten gut aufgehoben. Alle, die sich an wechselhaftem Wetter erfreuen, werden dazwischen sicher glücklich.

Dipl. Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Nicht-so-schoenes-Wochenende-1.png 802 2242 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-11 19:18:032026-06-15 22:47:59Nicht so schönes Wochenende?

Nach Gewitterlage: Wechselhafte Wetterwoche

31. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tief Mechthild sorgt heute vor allem in der Mitte und im Süden für einen turbulenten Sonntag. Das kleinräumige, schwach ausgeprägte Tief schaufelt noch einmal feuchte und sehr warme Luft in den Süden und die Mitte Deutschlands. So kam es bereits in den Morgenstunden im Westen zu kräftigen Gewittern. Diese verlagerten sich am Vormittag teils unter Abschwächung nach Osten in die mittleren Landesteile. Ab dem Mittag kommt es von Südniedersachsen über die mittleren Landesteile bis in den Süden vermehrt zu kräftigen Gewittern. Örtlich besteht dabei Unwettergefahr durch Hagel um 3 cm und heftiger Starkregen um 30 l/qm innerhalb 1 Stunde. Stellenweise sind auch vor allem in den südlichen Landesteilen schwere Sturmböen bis 100 km/h nicht ausgeschlossen. Dadurch kann es lokal zu Schäden durch Hagelschlag, kleinräumigen Überflutungen und umgestürzten Bäumen kommen. In der Fläche wird diese Gewitterlage allerdings nicht so stark ausfallen wie die Lage am vergangenen Freitag im Nordwesten.

Analysekarte für Sonntag, den 31.05.2026 um 12 UTC. Tief Mechthild liegt mit seinem Zentrum über Nordwestdeutschland.

Am Montag verabschiedet sich Tief Mechthild nach Polen und wir gelangen zumindest vorübergehend unter schwachen Hochdruckeinfluss. Damit ist die Unwettergefahr erst einmal gebannt. Vor allem im Südosten und Osten fällt aber noch schauerartiger, teils auch gewittriger Regen.

Am Dienstag ist es mit dem kurzzeitig stabilen Wetter im Westen schon wieder vorbei. Das Hoch verabschiedet sich und macht Platz für ein Frontensystem eines neuen Tiefdruckgebietes mit seinem Zentrum über den Britischen Inseln. Damit kommen im Westen teils kräftige Regengüsse samt Blitz und Donner auf. Im Osten ist es tagsüber voraussichtlich noch weitgehend trocken und sonnig. In der Nacht breiten sich die Niederschläge ostwärts aus. Stellenweise ist mehrstündiger Starkregen mit Niederschlagsmengen bis 30 l/qm innerhalb von 6 bis 12 Stunden möglich.

Und auch am Mittwoch und Donnerstag setzt sich das wechselhafte Wetter mit teils kräftigen schauerartigen Niederschlägen und einzelnen Gewittern fort. Verantwortlich hierfür ist ein kräftiger Höhentrog über Nordwesteuropa. Dieser ist am Boden mit mehreren Tiefs verbunden, deren Frontensysteme Deutschland beeinflussen. Dies sorgen bei uns für wechselhaftes zu Schauer und Gewittern neigendes Wetter. Die Temperaturen liegen dabei meist nur noch um oder knapp über 20 Grad. Badewetter mit hochsommerlichen Temperaturen ist somit erst einmal nicht in Sicht.

Am Freitag könnte auf den Nordwesten des Landes ein markanter Kurzwellentrog übergreifen. Damit könnte es zu kräftigen Schauern und Gewittern kommen. Dann wäre auch eine größere Gewitterlage möglich. Die Entwicklung ist aber noch sehr unsicher.

Ensemblevorhersage der Temperatur in 850 hPa, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 hPa für Frankfurt am Main. Ab dem kommenden Wochenende ist sowohl ein Anstieg bei der Temperatur als auch beim Geopotential erkennbar. Gleichzeitig nehmen aber auch die Unsicherheiten stark zu.

Am kommenden Wochenende nehmen die Modellunsicherheiten weiter zu. In der Ensemblevorhersage zeichnet sich jedoch eine Tendenz zu höherem Geopotential mit hohem Luftdruck am Boden ab. Dies würde ab dem Wochenende vor allem im Süden erneut zu stabilem Frühsommerwetter führen. Allerdings gibt es auch einige Modellösungen, die ein Fortbestand der aktuellen Wetterlage sehen. Außerdem gibt es Andeutungen, dass sich zu Beginn der neuen Wochen eine Troglage über Mitteleuropa aufbaut. Dies würde niederschlagsreiches und kühles Wetter bei uns bedeuten.

Synoptische Übersicht im Modellvergleich für den kommenden Samstag, den 06.06.2026 um 12 UTC. Hoher Luftdruck macht sich in Bodennähe breit. Allerdings werden die Stärke und Position des Hochs unterschiedlich berechnet.

Wohin der Fahrplan ab dem Wochenende geht, ist somit noch sehr unsicher. Eines ist aber sicher: An Spannung mangelt es beim Wetter in nächster Zeit nicht.

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Wechselhafte-Wetterwoche-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-31 14:52:492026-06-15 20:34:55Nach Gewitterlage: Wechselhafte Wetterwoche

Wenn die Schafe frieren…

12. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Seit einigen Tagen rückt polare Kaltluft immer näher an Deutschland heran und hält nun vollends Einzug in weite Landesteile. Dabei erstrecken sich die Hochs „Xenophilius“ und „Yogi“ vom Nordatlantik bis nach Mitteleuropa und ins Europäische Nordmeer. Die Tiefdruckgebiete „Swantje“ und „Uljana“ über Nordeuropa sorgen hingegen für eine nördliche Strömung, die die kalte Luft aus polaren Regionen über das Europäische Nordmeer und die Nordsee bis nach Deutschland führt.

Auf ihrem Weg über das Wasser wird die Luft zwar etwas erwärmt, dennoch ist die Temperatur für die Jahreszeit etwas zu kalt. Derzeit liegt die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur im Flächenmittel in Deutschland etwa bei 16 Grad Celsius, wenn man von der klimatologischen Referenzperiode von 1991 bis 2020 ausgeht. Am gestrigen Dienstag, dem 11. Juni, betrug die deutschlandweite Mitteltemperatur hingegen unter 12 Grad Celsius. Am heutigen Mittwoch (12. Juni) kann die Tagesmitteltemperatur sogar noch etwas niedriger ausfallen.

Die Abkühlung wird jedoch nicht nur durch den fehlenden Wärmeinhalt der zugeführten Luftmasse hervorgerufen. Besonders bei wie derzeit vorherrschendem ruhigem Wetter mit schwachen Luftdruckgegensätzen ergibt sich ein Teil aus der nächtlichen Ausstrahlung. So konnte beispielsweise in der vergangenen Nacht zum Mittwoch punktuell in sogenannten „Kältelöchern“ sogar leichter Frost in Bodennähe beobachtet werden.

Ein waschechter Bauer, aber auch der regelmäßige Thema-des-Tages-Leser vermutet nun wahrscheinlich schon, dass es sich bei der derzeitigen kühlen Witterung um die Schafskälte handeln muss, eine meteorologische Singularität oder auch Witterungsregelfall genannt. Darunter werden Wetterlagen zusammengefasst, die zu bestimmten Zeiten im Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten. Sie weisen eine deutliche Abweichung von einem glatten Verlauf von Temperatur und/oder Niederschlag auf, was sich auch im vieljährigen Mittel widerspiegelt. Eine dieser Witterungsregelfälle ist die Schafskälte.
Merkmal der Schafskälte ist, wie schon der Name suggeriert, ein kühler Witterungsabschnitt, der häufig Mitte Juni eintritt. Je nach genauer Definition dieser Singularität kann die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens des Ereignisses recht unterschiedlich sein. Definiert man für die Schafskälte den Zeitraum 10. bis 12. Juni, so liegt die Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Lufttemperatur bei etwa 80 Prozent, für eine überdurchschnittliche Niederschlagsaktivität bei rund 55 Prozent. Aufgrund des Klimawandels nimmt allerdings die Eintrittswahrscheinlichkeit für diese Kaltluftperiode immer weiter ab.

Was haben aber nun Schafe mit der kühlen Witterung zu tun? Da die Hirten traditionell zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren, kann es den frisch „rasierten“ Schafen – je nach Intensität der Schafskälte – nun ziemlich kalt werden. Bei besonders kalten Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus gefährlich, weshalb Muttertiere und Lämmer erst nach dem Kälteeinbruch geschoren werden. Dies bescherte diesem Witterungsregelfall seinen Namen.

Lange hält die aktuelle Schafskälte jedoch nicht an. Zum Freitag fließt bereits wieder wärmere Luft aus südwestlicher Richtung ein. Zwar wird es im Laufe des bevorstehenden Wochenendes wieder wechselhafter mit zeitweiligen Niederschlägen, dennoch liegen die Höchstwerte bis Sonntag meist wieder zwischen 20 und 25 Grad. Nächtlicher Bodenfrost ist dann ebenfalls kein Thema mehr. Zu Beginn der neuen Woche werden insbesondere in der Südosthälfte auch wieder Sommertage mit Höchstwerten von deutlich über 25 Grad erwartet.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/06/DWD-Wenn-die-Schafe-frieren….png 720 1014 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-06-12 20:10:142024-06-20 11:47:52Wenn die Schafe frieren…
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