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Schlagwortarchiv für: Sommersonnenwende

Mitternachtsdämmerung

20. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Als Dämmerung bezeichnet man die Zeit vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang. In dieser Zeit steht die Sonne bereits unter dem Horizont, ihr Licht ist jedoch durch Streuung in der Atmosphäre noch sichtbar. Die Dämmerung bildet somit den Übergang zwischen Tag und Nacht.

Dabei werden drei Dämmerungsphasen unterschieden. Unmittelbar nach Sonnenuntergang beginnt die bürgerliche Dämmerung. Während dieser Phase nimmt die Helligkeit allmählich ab, bis die ersten hellen Sterne und Planeten sichtbar werden. Sie endet, wenn die Sonne etwa 6 ° unter dem Horizont steht.

Anschließend folgt die nautische Dämmerung. In dieser Phase werden zunehmend schwächere Sterne sichtbar. Sie endet, sobald die Sonne 12 ° unter dem Horizont steht.

Es folgt die astronomische Dämmerung, die endet, wenn die Sonne einen Stand von 18 ° unter dem Horizont erreicht hat. Erst danach beginnt aus astronomischer Sicht die vollständige Nacht.

Rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni sind die Dämmerungsphasen auf der Nordhalbkugel besonders lang. Ursache ist die flache Bahn, auf der die Sonne den Horizont schneidet. Dadurch sinkt sie vergleichsweise langsam unter den Horizont, sodass der Übergang von Tag zu Nacht deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als zu anderen Jahreszeiten. Die kürzesten Dämmerungszeiten treten dagegen in der Nähe der Tagundnachtgleichen im März und September auf.

Weiter nördlich werden die Nächte sogar noch heller. Nördlich des 61. Breitengrads sinkt die Sonne während der Nacht nicht tiefer als 6 ° unter den Horizont. Die bürgerliche Dämmerung endet dort somit überhaupt nicht mehr. Solche Nächte werden als „Weiße Nächte” bezeichnet. Besonders bekannt sind die Weißen Nächte von St. Petersburg. In Deutschland kann dieses Phänomen lediglich ansatzweise auf einigen Nordseeinseln sowie im äußersten Norden Schleswig-Holsteins beobachtet werden.

Grafik „Mitternachtsdämmerung Europa“ von Aeroid, via Wikimedia Commons (wikipedia.org), lizenziert unter CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org).

Der Zeitpunkt von Sonnenauf- und Sonnenuntergang sowie der Dämmerung hängt nicht nur von der geografischen Breite, sondern auch von der geografischen Länge ab. So wird es am östlichen Rand Deutschlands mehr als eine halbe Stunde früher dunkel als am westlichen.

Darüber hinaus wird die Intensität der Dämmerung von der Zusammensetzung der Atmosphäre beeinflusst. Insbesondere Aerosole wie Staubpartikel, Rauch oder Vulkanasche in höheren Luftschichten können die Lichtstreuung verstärken und dadurch besonders intensive oder farbenprächtige Dämmerungserscheinungen hervorrufen.

Mitternachtsdämmerung mit Leuchtenden Nachtwolken über Offenbach.

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Mitternachtsdaemmerung-2.png 1095 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-20 15:26:262026-06-21 19:53:51Mitternachtsdämmerung

Sonnengruß zum Sommeranfang

21. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Während in der Meteorologie schon seit drei Wochen von Sommer gesprochen wird, hat nun auch der kalendarische Sommer begonnen. Und zwar exakt heute, am 21. Juni 2025 um 04:42 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) – mit der Sommersonnenwende, jenem Moment, an dem die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis (23° 26′ nördlicher Breite) steht. Für Hatha-Yogis könnte man sagen: Mutter Erde hat heute früh ihre Wirbelsäule exakt in Tadasana über dem Wendekreis aufgerichtet – ruhig, zentriert und im Gleichgewicht zwischen Licht und Schwerkraft. 

Illustration der unterschiedlichen Tageslängen zur Sommersonnenwende am 21. Juni. 

In Schweden wird dieser astronomische Höhepunkt traditionell mit Blumenkränzen, Volkstänzen und jeder Menge Hering gefeiert – in Deutschland neigen wir wohl eher zum Genuss von Grillwürstchen bei den sommerlich heißen Temperaturen heute. Egal wie: Es ist der Moment im Jahr, an dem unsere nördliche Halbkugel maximal der Sonne zugewandt ist. Und auch wenn sich der genaue Zeitpunkt der Sonnenwende in den verschiedenen Zeitzonen unterscheidet – in Los Angeles war sie beispielsweise schon am 20. Juni um 19:42 Uhr Ortszeit – findet das Ereignis physikalisch betrachtet überall gleichzeitig statt. Zeitzonen sind menschengemacht, die Sonne kennt nur das Jetzt. Und das ist sehr yogisch.
Dass sich Yogis besonders frühmorgens auf die Matte begeben, ist kein Zufall. In der Stille der Dämmerung, wenn die Luft noch kühl ist und die Welt langsam erwacht, lässt sich die Verbindung zur Natur besonders intensiv spüren. Doch ausgerechnet zur Sommersonnenwende, dem längsten Tag des Jahres, ist der Sonnenaufgang nicht am frühesten. In München beispielsweise ging die Sonne am 15. Juni um 05:12 Uhr auf – heute, am 21. Juni, war sie erst um 05:13 Uhr über dem Horizont. Nur wer mit einer sehr präzisen inneren Uhr praktiziert, bemerkt diese astronomischen Nuancen. Für alle anderen gilt: Die Sonne ist da, also los – der Sonnengruß ruft. 

Und auch beim Sonnenuntergang wird’s paradox: Trotz maximaler Tageslänge verabschiedet sich die Sonne erst einige Tage nach der Sonnenwende am spätesten. In Hamburg-Mitte zum Beispiel erreicht der Sonnenuntergang am 24. Juni 2025 um 21:54:12 Uhr seinen spätesten Zeitpunkt. Ursache dafür sind zwei himmlische Tatsachen: die Neigung der Erdachse und die leicht elliptische Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Diese sorgen dafür, dass sich die tägliche Sonnenlaufbahn nicht exakt gleichmäßig verändert – ein kosmisches Spiel aus Tempo und Winkel. Wenn das mal kein Anlass für eine achtsame Gehmeditation ist. Auf jeden Fall ist der Energiefluss heute enorm, was zumindest bei den Photovoltaikanlagen ablesbar ist. Der längste Tag überschneidet sich dieses Jahr mit einem ganztags nahezu wolkenfreien Himmel.
Übrigens: Wer meint, im Sommer sei die Erde der Sonne besonders nah, liegt falsch. Tatsächlich ist unser Planet im Juni etwa fünf Millionen Kilometer weiter von der Sonne entfernt als im sonnenschwachen Dezember. Die Jahreszeiten verdanken wir nicht der Distanz, sondern dem Kipp der Erdachse – einem 23,5°-Neigungswinkel, der unser Klima rhythmisiert. Ein bisschen wie die Balancehaltung im Yoga: Nur durch bewusstes Aus-dem-Gleichgewicht-Kommen entsteht Bewegung und Wachstum. 

Wettervorhersage mit Maximaltemperaturen für den morgigen Sonntag, den 21.06.2025 

Wer glaubt, der längste Tag sei auch automatisch der heißeste, irrt gewaltig. Ähnlich wie beim Yoga, wo die Wirkung mancher Asanas erst in der Ruhe danach spürbar wird, hinkt die Atmosphäre dem Sonnenmaximum hinterher. Zwar erhalten wir zur Sommersonnenwende die meiste Sonnenenergie pro Tag, aber die Lufttemperatur folgt mit Verzögerung. Warum? Weil die Erde – insbesondere die Ozeane – Zeit brauchen, um sich aufzuheizen. Es wird tagsüber noch eine ganze Weile mehr Energie aufgenommen als nachts wieder abgestrahlt wird. Deshalb liegt das Hitze-Maximum oft erst im Juli. 

Auch das aktuelle Wetter zeigt sich ganz im yogischen Sinne von „Tapas“, der Entfachung eines inneren Feuers: Schon heute knackten viele Orte im Westen Deutschlands die 30-Grad-Marke. Am morgigen Sonntag erwarten uns landesweit Temperaturen zwischen 30 und 37 Grad (siehe Thema des Tages vom 20.06.2025). Da wird selbst der „herabschauende Hund“ zur schweißtreibenden Prüfung – besonders auf aufgeheizten Stadtbalkonen oder in der überfüllten Wiese im Park. „Hot Yoga“ wird dann für viele zur unfreiwilligen Variante. 

Yogierender Wetterfrosch. 

Doch genau hier kommt der wahre Yoga-Geist zum Tragen: Akzeptanz. Wenn der Asphalt flimmert und der Schweiß neue Wege über den Körper findet, hilft kein Widerstand. Nur Hingabe. Ob im „Fisch“, im „Kamel“ oder schlicht in der Bauchlage – wer atmen kann, kann praktizieren. Auch wenn’s klebt.
Also: Namasté. Mögen eure Asanas stabil stehen, eure Sonnencreme halten – und euer Herz offenbleiben, egal wie hoch das Thermometer klettert. 

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Sonnengruss-zum-Sommeranfang-1.png 945 1294 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-21 10:06:022025-06-27 10:15:06Sonnengruß zum Sommeranfang

Der längste Tag des Jahres

20. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In Skandinavien ist der längste Tag des Jahres ein Grund zum Feiern. In Schweden (und hier in Deutschland bei IKEA) begeht man das Midsommar-Fest, in Finnland heißt das Fest „Juhannus”, in Norwegen feiert man Midtsommer und auf Island die „Jónsmessa”. Bei uns ist man da eher nüchterner unterwegs – sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinne.

Besonders genießen lässt sich die Tageslänge logischerweise im äußersten Norden. Ein Blick nach Sylt verrät: Sonnenaufgang war hier heute um 4:46 Uhr, Sonnenuntergang ist um 22:09. Theoretisch sind also laut diesen Zeiten 17 Stunden und 23 Minuten Sonnenschein möglich. Im äußersten Süden Deutschlands (hier stellvertretend Oberstdorf/Allgäu) dagegen nur fast 16 Stunden (Sonnenaufgang 5:22 Uhr, Sonnenuntergang 21:19), was aber immer noch ein guter Wert ist. Alle diese Angaben können allerdings etwas schwanken, je nachdem welche Berechnungsmethode für diese astronomischen Größen verwendet wird.

Allerdings macht vor allem dem Süden das Wetter ein Strich durch die Rechnung. Regen und eventuell einzelne Gewitter am Abend vermiesen den Blick auf die Sonne, während man sich im hohen Norden über einen Mix aus Sonne und Wolken bis zum späten Abend freuen darf – ohne Regen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Zeiten des frühesten bzw. spätesten Sonnenauf- bzw. -untergangs nicht mit der Sonnenwende zusammenfallen, sondern gegeneinander versetzt sind. Tatsächlich war der Tag des frühesten Sonnenaufgangs bereits am 16. Juni. Der Tag des spätestens Sonnenuntergangs ist dagegen erst sechs Tage nach der Sonnenwende am 26. Juni. Die Ursache dieses Effektes liegt in der Ekliptik (Schiefe) der Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Dieser Effekt führt am Ende zu den beschriebenen Abweichungen.

Mit der heutigen Sonnenwende beginnt nun auch der astronomische Sommer, nachdem der meteorologische Sommer bereits am 1. Juni seinen Anfang gefunden hat. Zumindest erweckt auch das Wetter den Eindruck, der Jahreszeit entsprechend im Laufe der nächsten Woche etwas sommerlicher daherzukommen. Dann erwartet uns zumindest bis kommenden Mittwoch verbreitet Hochdruckwetter mit warmen bis heißen Temperaturen von meist 25 bis 30°C. Bis dahin gilt es, noch eine unbeständige Phase abzuwarten. Insbesondere am morgigen Freitag erwartet uns eine überregionale Schwergewitterlage im Osten Deutschlands. Erst am Sonntag beruhigt sich das Wettergeschehen zusehends.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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