Schweißtreibender QUIRIAKUS
Es hätte so schön sein können. Nachdem Tief JUSTINE kühlere Luft zu uns geschaufelt hat, wäre die Freude über eine längere Phase mit Höchstwerten unter 30 °C sicherlich groß gewesen. Höchstwerte von knapp unter 30 °C im August werden eigentlich als „sehr warm“ bezeichnet. In diesem Ausnahmesommer ist man aber geneigt, dafür den Ausdruck „kühl“ zu verwenden. Neben den „kühleren“ Temperaturen stand auf der einen oder anderen sommerlichen Wunschliste sicherlich auch ein schöner Landregen. Der hätte nicht nur die Vegetation mit dringend benötigtem Wasser versorgen, sondern ebenso – wenn auch mit einer gewissen Verzögerung – die Flusspegel ansteigen lassen können.

Bodendruck- und Frontenvorhersagekarte für Freitag, 07.08.2026, 12 UTC (Basis: ICON von Donnerstag, 06.08.2026, 00 UTC + 36)
Beim Blick auf die kommenden Tage zeichnet sich in den Vorhersagemodellen allerdings ein deutlich anderer Ablauf an. Von Westen schiebt sich das Hoch QUIRIAKUS zu uns nach Mitteleuropa (Abbildung 1), schon am Wochenende wandert es dann weiter nach Polen. Da sich dann zudem über der Iberischen Halbinsel ein Tiefdruckgebiet etabliert, kann zwischen den beiden Druckgebilden von Süden bzw. Südwesten wieder wärmere Luft advehiert werden.

Prognostizierte Höchsttemperaturen für Samstag 08.09.2026 (links) und Sonntag, 09.08.2026 (rechts); beides nach MOSMIX
Damit steigen die Temperaturen wieder an. Dies zeigt die Abbildung 2. Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf MOSMIX, einem auf dem DWD-Modell ICON und dem Modell IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage basierenden Kombiprodukt, bei den die Ergebnisse nochmal statistisch überarbeitet werden. Während am Samstag bei den Höchsttemperaturen in Deutschland bei 32 °C meist Schluss ist (im Raum Mannheim/Ludwigshafen werden Temperaturen jenseits der 32 °C-Marke ganz vorsichtig angedeutet), stößt die 32 °C-Isotherme am Sonntag schon wieder bis in den Raum Berlin und nach Hannover vor. Dann kann es im Rhein-Main-Gebiet, am Neckar und an einigen Rheinabschnitten auch schon wieder an die 35 °C warm werden. Und während die Nordosthälfte am Samstag wohl noch fast überall Spitzenwerte unter 28 °C aufweisen wird, gilt dies am Sonntag nur noch für das Küstenumfeld. Damit dürfte QUIRIAKUS für einige Schweißtropfen sorgen.
Neben den hohen Temperaturen droht auch wieder ein trockenes Wochenende. Es gibt nur geringe Chancen auf ein paar Tropfen, am größten sind diese in und an den Alpen, an den Küsten und im Südwesten. Als Hochdruckgebiet sorgt QUIRIAKUS für Absinken und Wolkenauflösung, und auch wenn ihm aus der Höhe die dynamische Unterstützung durch einen Höhenrücken fehlt, so zeigt sich doch sehr oft die Sonne.

UV-Index (links) und Waldbrandgefahrenindex (rechts) für Samstag, 08.08.2026
Das bildet sich auch in weiteren DWD-Produkten ab, beispielsweise im UV-Index oder im Waldbrandgefahrenindex (WBI), beide in Abbildung 3 zu sehen. Der UV-Index, in der Abbildung 3 auf der linken Seite dargestellt, ist im Süden höher als im Norden, weil sich am Samstag auf der Nordflanke des Hochs in den Norden ein paar Wolkenfelder schieben. Am Sonntag dürfte der UV-Index dann etwas gleichmäßiger verteilt sein, wenngleich man abwarten muss, wie stark sich die hohen Wolkenfelder, die von den Modellen simuliert werden, letztendlich bemerkbar machen. Auf der rechten Seite der Abbildung 3 findet sich dann der WBI für Samstag. Mit niedrigen Werten heben sich der Südosten sowie größere Teile des Nordostens hervor, also die Regionen, die in den vergangenen sieben Tagen recht viel Niederschlag abbekommen haben. Perspektivisch sollten diese Werte aber wieder ansteigen, da – wie gesagt – kaum Regen zu erwarten ist. Folglich könnte im Süden und in der Mitte, wo der WBI schon aktuell mit Stufe vier auf der zweithöchsten Stufe rangiert, auch wieder die Stufe 5 erreicht werden.

Höchsttemperatur (oben) sowie Niederschlag (unten) für Wiesbaden für die kommenden 10 Tage, jeweils mit statistischen Unsicherheitsintervallen
Das dies nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, sieht man in Abbildung 4. Sie zeigt für Wiesbaden die erwartete Temperaturentwicklung in rot (oben) sowie die erwarteten Niederschläge (unten), jeweils mit den dazugehörigen Unsicherheitsintervallen. Schwache Niederschlagssignale zeigen sich nur aus dem Sonntag heraus und zu Beginn der Woche. Dazu pendeln die Höchstwerte wieder um 30 °C, teils kratzen sie sogar an der 35 °C-Marke. Im Vorteil ist diesbezüglich der Norden, dort wird es nicht ganz so heiß.
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2026
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