• Login
  • Registrieren
Windinfo.eu
  • NEWS
  • CHAT
  • WINDWARNER
  • WETTER
    • Regenradar
    • Isobarenkarte Europa
    • Föhndiagramme
    • Wassertemperatur in Europa
    • Wettervorhersage Videos
    • Langzeitprognose
    • Windskala – Windrechner
  • WEBCAMS + SPOTS
    • Webcam Finder
      • Webcam Ostsee
      • Webcam Nordsee
      • Webcam Alpsee
      • Webcam Altmühlsee
      • Webcam Ammersee
      • Webcam Bodensee
      • Webcam Bostalsee
      • Webcam Brombachsee
      • Webcam Brückelsee
      • Webcam Chiemsee
      • Webcam Edersee
      • Webcam Eibsee
      • Webcam Epplesee
      • Webcam Forggensee
      • Webcam Förmitztalsperre
      • Webcam am Kochelsee
      • Mandichosee – Lechstaustufe
      • Webcam Norderney
      • Webcam Rügen
      • Webcam Simssee
      • Webcam Staffelsee
      • Webcam Starnberger See
      • Webcam Tegernsee
      • Webcam Walchensee
      • Webcam Wörthsee
    • Webcam Finder
      • Webcam Achensee
      • Webcam Attersee
      • Webcam Mattsee
      • Webcam Mondsee
      • Webcam Millstättersee
      • Webcam Neusiedlersee
      • Webcam Ossiachersee
      • Webcam Traunsee
      • Webcam Wolfgangsee
      • Webcam Zell am See
      • Webcam Genfer See
      • Webcam Luganersee
      • Webcam Silsersee
      • Webcam Silvaplaner See
      • Webcam Urnersee
      • Webcam Zürichsee
      • Webcam Comersee
      • Webcam Gardasee
      • Webcam Kalterer See
      • Webcam Lago Maggiore
      • Webcam Lago di Santa Croce
      • Webcam Reschensee
      • Webcam Sardinien
      • Webcam Trieste
      • Webcam Vieste – Gargano
  • ACTIVITY
  • GROUPS
    • MEMBERS
  • Menü Menü

Storm Splitting – Wenn Gewitter sich scheiden lassen

23. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Essentiell für die Entstehung von Superzellen und damit auch die Grundlage für einen Storm Split ist eine vorhandene vertikale Windscherung in der Atmosphäre. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Hauptformen: der Geschwindigkeits- und der Richtungsscherung. Die Geschwindigkeitsscherung beschreibt Veränderungen in der Windgeschwindigkeit mit zunehmender Höhe, während sich bei der Richtungsscherung die Windrichtung in den verschiedenen Höhenschichten verändert. Beide Prozesse führen dazu, dass in der Atmosphäre sogenannte horizontale Vorticity, also horizontal rotierende Luftwirbel, entstehen (siehe Abbildung 2). 

Abbildung 1: Beispiel für einen (doppelten) Storm Split im Radarbild östlich Reims im Nordosten Frankreichs am 14.06.2025 (Quelle:DWD) 

 

 

Abbildung 2: Die Bildung von horizontaler Vorticity durch Geschwindigkeits- und Richtungsscherung in vereinfachter Darstellung (Quelle: Aaron Gentner) 

Um das Phänomen des Storm Splits möglichst verständlich zu erklären, betrachten wir zunächst den einfachsten, idealisierten Fall. Dabei liegt ausschließlich vertikale Geschwindigkeitsscherung vor. Das bedeutet: Der Wind weht in allen Höhen aus der gleichen Richtung, in diesem Fall aus Westen. In einem solchen Szenario bewegen sich auch die Wolken gerade von West nach Ost – stets parallel zum mittleren Windscherungsvektor. Die durch die Geschwindigkeitsscherung erzeugte horizontale Vorticity steht dabei perfekt senkrecht zur Zugrichtung des Sturms, weil sie in diesem Fall Nord-Süd ausgerichtet ist. Diese senkrechte Ausrichtung wird als crosswise Vorticity bezeichnet. Gelangt nun der horizontal rotierende Luftwirbel in den Aufwindbereich eines Gewitters, wird er davon nach oben in die Zelle hineingesogen. Dabei kippt die Vorticity durch die vertikale Bewegung in eine aufrechte Position und bildet jetzt eine vertikale Rotation. 

Es entsteht also ein Wirbelpaar an den Flanken des Aufwinds. Auf der einen Seite entsteht dementsprechend eine antizyklonale Drehung (im Uhrzeigersinn), während die andere Seite zyklonal (gegen den Uhrzeigersinn) rotiert. Die vertikale Rotation hat einen entscheidenden Effekt: An den beiden Flanken bilden sich lokale Tiefdruckbereiche (Stichwort Zentrifugalkraft), ähnlich wie bei einem Wasserwirbel, der entsteht, wenn man die Badewanne ablaufen lässt. Statt Wasser strömt hier allerdings Luft nach, angetrieben durch die Druckgradientkraft. Diese Luftbewegung führt an beiden Flanken zur Bildung eines neuen Aufwindbereichs, wodurch zwei neue, getrennte Zellen entstehen. 

Ein weiterer Mechanismus kann diesen Aufspaltungsprozess zusätzlich beschleunigen: Wenn sich durch den ursprünglichen Aufwind bereits genügend Niederschlag in der Wolke gesammelt hat, fällt dieser herab und erzeugt einen zentralen Abwind. Dieser verdrängt das ursprüngliche Aufwind-Maximum und „drückt“ die beiden neuen Zellen zusätzlich auseinander. In der Folge spaltet sich der ursprüngliche Sturm also in zwei Richtungen auf. Bei einer rein westlichen Windscherung zieht die eine Zelle, der sogenannte left mover (LM), nach Nordwesten ab. Die andere, der right mover (RM), bewegt sich weiter nach Südwesten. Diese Namensgebung basiert auf der relativen Abweichung der Zugrichtungen beider Zellen vom ursprünglichen Kurs. 

Wenn sich die Zugrichtung eines Sturms zunehmend von der mittleren Windscherung unterscheidet, trifft der Sturm auf eine verstärkte Komponente sogenannter streamwise Vorticity. Dabei handelt es sich um Wirbel in der Umgebungsluft, deren Rotationsachse nicht mehr senkrecht, sondern zunehmend parallel zur der Zugrichtung des Sturms verläuft. Das macht es einfacher die vorhandene Rotation in den bestehenden Aufwind einzufangen, weil die Wirbelachse jetzt direkter mit der Aufwindachse zusammenfällt. Diese wird dann vertikal gestreckt, weshalb sich die Rotationsgeschwindigkeit des Aufwinds deutlich erhöht. Das ist vergleichbar mit dem Pirouetten-Effekt bei einer Eiskunstläuferin, die ihre Arme anzieht. Auf diese Weise entsteht eine rotierende Aufwindstruktur, die sogenannte Mesozyklone – das zentrale Merkmal einer Superzelle. 

Im zuvor beschriebenen Fall mit rein crosswise ausgerichteter Vorticity (senkrecht zur Zugrichtung) wird dieser Prozess auf beiden Seiten des Aufwinds gleich stark ausgelöst. Es entstehen zwei Superzellen mit unterschiedlicher Zugbahn, da die Druckverteilung innerhalb der Zellen weiterhin eine Abweichung vom mittleren Windfeld bewirkt. Theoretisch wären diese beiden Superzellen spiegelbildlich. Allerdings gibt es noch einen weiteren Einflussfaktor, nämlich die Corioliskraft. Diese, durch die Erdrotation verursachte Scheinkraft, wirkt auf der Nordhalbkugel verstärkend auf die zyklonale (rechtsdrehende) Rotation der RM-Superzelle und abschwächend auf die antizyklonale (linksdrehende) Rotation der LM-Superzelle. Das bedeutet, dass die RM-Superzelle meist etwas stärker ausgeprägt ist als die LM-Superzelle. Auf der Südhalbkugel kehrt sich dieses Verhalten natürlich um. 

Tatsächlich wird in der Praxis meist auch ohne den Einfluss der Corioliskraft eine der beiden Superzellen bevorzugt, während die andere in ihrer Entwicklung gehemmt wird. Die zuvor beschriebene symmetrische Aufspaltung ist eher die Ausnahme. Denn wie bereits erwähnt, tritt neben der Geschwindigkeitsscherung meistens auch Richtungsscherung auf. Diese beeinflusst maßgeblich die Orientierung der Vorticity (streamwise vs. crosswise) in der Umgebungsluft. 

Das hat direkte Auswirkungen auf die Entwicklungschancen der entstehenden Zellen. Dreht der Wind mit zunehmender Höhe beispielsweise von Süd auf West, entsteht eine rechtsdrehende (zyklonale) Richtungsänderung. In diesem Fall trifft die rechtsläufige Zelle auf eine stärkere Komponente an streamwise Vorticity, also förderlicher Rotation, die sich effizient in vertikale Rotation und damit in eine stabile Mesozyklone umwandeln lässt. Die linksläufige Zelle hingegen hat meist nur Zugang zu mehr crosswise Vorticity, die für die Entstehung einer starken, rotierenden Superzelle weniger günstig ist. Daher bleibt sie oft schwächer oder löst sich schnell wieder auf. 

Solche rechtsdrehenden Windscherungsprofile treten insbesondere auf der Nordhalbkugel häufig auf – weshalb RM-Superzellen dort typischerweise dominieren. Auf der Südhalbkugel ist das Muster wiederum umgekehrt. In besonders extremen Fällen, bei denen eine sehr ausgeprägte Richtungsänderung mit der Höhe vorliegt, kann der Aufwind auf einer Seite sogar so stark unterdrückt werden, dass sich die Teilung des Gewitters gar nicht sichtbar vollzieht. Stattdessen entsteht direkt eine einzelne, dominante Superzelle. 

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass in den beiden Storm-Splits aus Abbildung 1 die linke Superzelle etwas schwächer ausgeprägt ist – obwohl der zugehörige Hodograph (siehe Abbildung 3) überwiegend auf Geschwindigkeitsscherung hinweist. Denn selbst leichte Richtungsänderungen mit der Höhe können ausreichen, um eine der beiden Zellen zu begünstigen. In diesem Fall die rechtsdrehende Superzelle. 

Abbildung 3: Hodograph in der Nähe des in Abbildung 1 gezeigten Storm Splits, zwei Stunden zuvor (Quelle:DWD) 

An dieser Stelle noch ein paar erklärende Worte zum Begriff Hodograph: Ein Hodograph ist eine grafische Darstellung der Windvektoren in Abhängigkeit von der Höhe. Dabei werden sowohl Windrichtung als auch -geschwindigkeit für verschiedene Höhenniveaus als Punkte in ein Koordinatensystem eingetragen und miteinander verbunden. Verläuft die Verbindungslinie gerade, bedeutet das: Die Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe zu, die Windrichtung bleibt jedoch konstant. Es liegt also reine Geschwindigkeitsscherung vor. Eine gekrümmte Linie hingegen zeigt, dass sich auch die Windrichtung mit der Höhe ändert, was ein Hinweis auf Richtungsscherung ist. Diese Krümmung ist entscheidend für die Entstehung von streamwise Vorticity und beeinflusst damit maßgeblich Art und Stärke der Rotation in einer Gewitterzelle. Im oben gezeigten Beispiel (Abbildung 1) erkennt man im zugehörigen Hodographen eine leichte Winddrehung in den unteren drei Kilometern von Süd auf Südwest, was durch die gekrümmte Linie in diesem Höhenbereich deutlich wird. Darüber hinaus verlaufen die Windvektoren relativ einheitlich in nordöstliche Richtung. Das deutet auf eine dominante Windrichtung aus Südwesten und damit überwiegend Geschwindigkeitsscherung hin. 

Um abschließend nochmal zur Einleitung zurückzukommen: Laut ESWD-Datenbank waren in diesem Fall beide Superzellen nach der Trennung eher launisch unterwegs. Die linke der beiden Zellen konnte neben den typischen Gewitterbegleiterscheinungen vor allem mit Hagelgrößen bis 3 cm auf sich aufmerksam machen, die rechte Superzelle schmiss dagegen mit bis zu 4 cm großen Eisklumpen um sich. 

Hochschulpraktikant B. Sc. Aaron Gentner in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Storm-Splitting-Wenn-Gewitter-sich-scheiden-lassen-1.png 684 2450 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-23 10:28:432025-06-27 10:38:50Storm Splitting – Wenn Gewitter sich scheiden lassen

Auf Hitze folgen Gewitter und Sturm

22. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Höchstwerte für den heutigen Tag stehen zwar noch aus. Dass der bisherige Jahreshöchstwert von 35,5 Grad in Kitzingen vom 14.06.2025 übertroffen wird, ist aber praktisch sicher. Sehr wahrscheinlich übertreffen gleich mehrere Stationen diesen Wert, selbst an den Küsten werden bei ablandigem südlichem Wind häufig 30 Grad und mehr erreicht. Doch diese kurze, aber markante Hitzewelle findet schon bald ihr Ende. Von Nordwesten nähert sich die Kaltfront von Tief „ZIROS“ und erreicht Niedersachsen heute Abend. In der Nacht zum Montag schwenkt diese südostwärts und liegt Montagfrüh von Brandenburg über Thüringen bis nach Baden-Württemberg. Im Vorfeld der Kaltfront und mit der Kaltfront selber kommt es gebietsweise zu Gewittern, die kräftig, örtlich sogar unwetterartig ausfallen können. Dabei kann es zu großem Hagel um 3 cm Durchmesser, heftigem Starkregen um 25 Liter pro Quadratmeter (l/qm) und schweren, vereinzelt sogar orkanartigen Böen bis 105 km/h kommen. 

Abb. 1: Wahrscheinlichste Regionen mit starken und schweren Gewittern inklusive ihrer Begleiterscheinungen. Sonntag und Nacht auf Montag 22./23.06.2025. (Quelle:DWD) 

Turbulenter Montag 

Nächtliche Schauer und Gewitter ziehen am Montag zwar nach Osten ab. Südöstlich einer Linie Erzgebirge-Hochrhein entstehen ab dem Mittag jedoch neue, kräftige Gewitter, die örtlich Unwetterstärke erreichen, das heißt mit heftigem Starkregen über 25 l/qm, großem Hagel und schweren Sturmböen einhergehen. Weitere „Wetterschwerpunkte“ sind der Norden und Osten. Dort schwenken sehr wahrscheinlich vom Mittag (Niedersachsen, Schleswig-Holstein) bis Abend (Brandenburg, Sachsen) linienhaft angeordnete Gewitter von West nach Ost über die Region hinweg. Mit dieser Linie sind Sturmböen wahrscheinlich, örtlich können schwere Sturmböen bis 100 km/h auftreten. Während solche Windgeschwindigkeiten im Winterhalbjahr nichts Besonderes darstellen, sind sie im Sommer, zumindest wenn sie gebietsweise auftreten, eher selten. Im Gegensatz zum Winter bieten die belaubten Bäume eine große Angriffsfläche. Die Gefahr herabstürzender Äste oder umfallender Bäume ist so deutlich höher. Auch befinden sich mehr Gegenstände in Gärten und auf Terrassen, die zum Spielball des Windes werden könnten. 

Deutschlandkarte mit eingefärbten Regionen. Ocker für markante Gewitter: Norden und Süden. Rot für teils schwere Gewitter: Südostdeutschland (Quelle:DWD) 

Stürmisch auch ohne Gewitter 

Doch nicht nur mit Schauern und Gewittern kommt es zu starken Böen. Auch abseits davon wird es verbreitet Windböen (Bft 7) und stürmische Böen (Bft 8) aus Südwest bis West geben. Dafür sorgt allein der große Druckgradient zwischen Tief „ZIROS“ über Norwegen und Hoch „Zora“ über Südosteuropa. Am windigsten wird es abseits von Schauern und Gewittern am Mittag und Nachmittag. Dann sind die untersten Luftschichten am wärmsten und ein Impulsaustausch mit Luftschichten in einer Höhe von ein und zwei Kilometer, wo starke Westwinde wehen, geht am einfachsten vonstatten. Das bedeutet, dass die starken Winde in der Höhe „heruntergemischt“ werden und Sturm- oder gar schwere Sturmböen den Boden erreichen. Siehe dazu Abbildung 3, das die Windgeschwindigkeiten in etwa 1500 Meter Höhe für den morgigen Montag zeigt. 

Abb. 3: Windgeschwindigkeiten für 1500 Meter Höhe am 23.06.2025. Modell: ICON6_NEST (Quelle:DWD) 

Im Laufe des Montagabends beruhigt sich dann das Wetter. Die Linie über Ostdeutschland verlässt die Republik nach Osten und die Gewitter im Südosten schwächen sich ab und lösen sich letztlich auf. Abseits der Küsten lässt der Westwind zudem deutlich nach. 

Wetterberuhigung und neue Hitze 

Der Dienstag verläuft dann deutlich ruhiger. Im Norden und Osten ist es am Dienstag zwar nochmals windig, an den Küsten auch stürmisch. Die Intensität vom Montag wird allerdings nicht erreicht. Zudem gibt es gebietsweise Regen oder Schauer. Im Süden ist es unter Hochdruckeinfluss freundlich und trocken. Die Temperaturunterschiede zwischen Norden und Süd sind groß: Maximal 18 Grad gibt es in Flensburg und 31 Grad am Kaiserstuhl. 

Am Mittwoch verstärkt sich der Hochdruckeinfluss. Die Temperaturen machen ein Satz nach oben und erreichen um 20 Grad an den Küsten und bis 35 Grad am Oberrhein. 

 

M.Sc.Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Auf-Hitze-folgen-Gewitter-und-Sturm-1.png 1125 2000 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-22 10:17:092025-06-27 10:27:42Auf Hitze folgen Gewitter und Sturm

Sonnengruß zum Sommeranfang

21. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Während in der Meteorologie schon seit drei Wochen von Sommer gesprochen wird, hat nun auch der kalendarische Sommer begonnen. Und zwar exakt heute, am 21. Juni 2025 um 04:42 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) – mit der Sommersonnenwende, jenem Moment, an dem die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis (23° 26′ nördlicher Breite) steht. Für Hatha-Yogis könnte man sagen: Mutter Erde hat heute früh ihre Wirbelsäule exakt in Tadasana über dem Wendekreis aufgerichtet – ruhig, zentriert und im Gleichgewicht zwischen Licht und Schwerkraft. 

Illustration der unterschiedlichen Tageslängen zur Sommersonnenwende am 21. Juni. 

In Schweden wird dieser astronomische Höhepunkt traditionell mit Blumenkränzen, Volkstänzen und jeder Menge Hering gefeiert – in Deutschland neigen wir wohl eher zum Genuss von Grillwürstchen bei den sommerlich heißen Temperaturen heute. Egal wie: Es ist der Moment im Jahr, an dem unsere nördliche Halbkugel maximal der Sonne zugewandt ist. Und auch wenn sich der genaue Zeitpunkt der Sonnenwende in den verschiedenen Zeitzonen unterscheidet – in Los Angeles war sie beispielsweise schon am 20. Juni um 19:42 Uhr Ortszeit – findet das Ereignis physikalisch betrachtet überall gleichzeitig statt. Zeitzonen sind menschengemacht, die Sonne kennt nur das Jetzt. Und das ist sehr yogisch.
Dass sich Yogis besonders frühmorgens auf die Matte begeben, ist kein Zufall. In der Stille der Dämmerung, wenn die Luft noch kühl ist und die Welt langsam erwacht, lässt sich die Verbindung zur Natur besonders intensiv spüren. Doch ausgerechnet zur Sommersonnenwende, dem längsten Tag des Jahres, ist der Sonnenaufgang nicht am frühesten. In München beispielsweise ging die Sonne am 15. Juni um 05:12 Uhr auf – heute, am 21. Juni, war sie erst um 05:13 Uhr über dem Horizont. Nur wer mit einer sehr präzisen inneren Uhr praktiziert, bemerkt diese astronomischen Nuancen. Für alle anderen gilt: Die Sonne ist da, also los – der Sonnengruß ruft. 

Und auch beim Sonnenuntergang wird’s paradox: Trotz maximaler Tageslänge verabschiedet sich die Sonne erst einige Tage nach der Sonnenwende am spätesten. In Hamburg-Mitte zum Beispiel erreicht der Sonnenuntergang am 24. Juni 2025 um 21:54:12 Uhr seinen spätesten Zeitpunkt. Ursache dafür sind zwei himmlische Tatsachen: die Neigung der Erdachse und die leicht elliptische Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Diese sorgen dafür, dass sich die tägliche Sonnenlaufbahn nicht exakt gleichmäßig verändert – ein kosmisches Spiel aus Tempo und Winkel. Wenn das mal kein Anlass für eine achtsame Gehmeditation ist. Auf jeden Fall ist der Energiefluss heute enorm, was zumindest bei den Photovoltaikanlagen ablesbar ist. Der längste Tag überschneidet sich dieses Jahr mit einem ganztags nahezu wolkenfreien Himmel.
Übrigens: Wer meint, im Sommer sei die Erde der Sonne besonders nah, liegt falsch. Tatsächlich ist unser Planet im Juni etwa fünf Millionen Kilometer weiter von der Sonne entfernt als im sonnenschwachen Dezember. Die Jahreszeiten verdanken wir nicht der Distanz, sondern dem Kipp der Erdachse – einem 23,5°-Neigungswinkel, der unser Klima rhythmisiert. Ein bisschen wie die Balancehaltung im Yoga: Nur durch bewusstes Aus-dem-Gleichgewicht-Kommen entsteht Bewegung und Wachstum. 

Wettervorhersage mit Maximaltemperaturen für den morgigen Sonntag, den 21.06.2025 

Wer glaubt, der längste Tag sei auch automatisch der heißeste, irrt gewaltig. Ähnlich wie beim Yoga, wo die Wirkung mancher Asanas erst in der Ruhe danach spürbar wird, hinkt die Atmosphäre dem Sonnenmaximum hinterher. Zwar erhalten wir zur Sommersonnenwende die meiste Sonnenenergie pro Tag, aber die Lufttemperatur folgt mit Verzögerung. Warum? Weil die Erde – insbesondere die Ozeane – Zeit brauchen, um sich aufzuheizen. Es wird tagsüber noch eine ganze Weile mehr Energie aufgenommen als nachts wieder abgestrahlt wird. Deshalb liegt das Hitze-Maximum oft erst im Juli. 

Auch das aktuelle Wetter zeigt sich ganz im yogischen Sinne von „Tapas“, der Entfachung eines inneren Feuers: Schon heute knackten viele Orte im Westen Deutschlands die 30-Grad-Marke. Am morgigen Sonntag erwarten uns landesweit Temperaturen zwischen 30 und 37 Grad (siehe Thema des Tages vom 20.06.2025). Da wird selbst der „herabschauende Hund“ zur schweißtreibenden Prüfung – besonders auf aufgeheizten Stadtbalkonen oder in der überfüllten Wiese im Park. „Hot Yoga“ wird dann für viele zur unfreiwilligen Variante. 

Yogierender Wetterfrosch. 

Doch genau hier kommt der wahre Yoga-Geist zum Tragen: Akzeptanz. Wenn der Asphalt flimmert und der Schweiß neue Wege über den Körper findet, hilft kein Widerstand. Nur Hingabe. Ob im „Fisch“, im „Kamel“ oder schlicht in der Bauchlage – wer atmen kann, kann praktizieren. Auch wenn’s klebt.
Also: Namasté. Mögen eure Asanas stabil stehen, eure Sonnencreme halten – und euer Herz offenbleiben, egal wie hoch das Thermometer klettert. 

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Sonnengruss-zum-Sommeranfang-1.png 945 1294 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-21 10:06:022025-06-27 10:15:06Sonnengruß zum Sommeranfang

Hitzeintermezzo am Wochenende – Temperatursturz zum Wochenstart

20. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hoch ZORA hat das Wettergeschehen in Deutschland weiterhin fest im Griff! Zwar verlagert es seinen Schwerpunkt am morgigen Samstag von Norddeutschland ins südöstliche Mitteleuropa, Tiefdruckgebiete haben aber noch keine Chance, sich durchzusetzen. Die Betonung liegt auf „noch“. Denn über dem Nordatlantik, genauer gesagt knapp südlich von Grönland, lauert bereits Tief ZIROS. 

Abb. 1: Luftdruck am Boden (weiße Linien) und Temperatur in rund 1500 m Höhe (Farbfläche) für Freitag, 20.06.2025, 20 Uhr (ICON-Prognose). Quelle: DWD 

Dieses Tief nimmt Kurs Richtung Südskandinavien und wird ab Sonntagabend einen Wetterwechsel einleiten, der sich gewaschen hat – so viel schon mal vorweg. Zunächst einmal gelangt aber zwischen ZORA und dem herannahenden ZIROS aus Südwesten zunehmend heiße Luft nach Deutschland. 

Abb. 2: Luftdruck am Boden (weiße Linien) und Temperatur in rund 1500 m Höhe (Farbfläche) für Sonntag, 22.06.2025, 20 Uhr (ICON-Prognose). Quelle: DWD 

Während am heutigen Freitag gerade mal am Oberrhein die 30-Grad-Marke knapp erreicht wird, wird das am Samstag vor allem in der Westhälfte vermehrt der Fall sein. Entlang des Rheins sind dann lokal schon bis zu 33 Grad drin. Der astronomische Sommeranfang drückt also direkt auf’s Gaspedal! 

Der Sonntag legt noch eine ordentliche Schippe drauf. Verbreitet werden Höchstwerte zwischen 30 und 35 Grad erwartet. Eine Spur heißer wird es Richtung Südwesten, wo lokal sogar erst bei 37 Grad Schluss sein kann mit dem Temperaturanstieg. Freibäder und Badeseen dürften prall gefüllt sein und das Lieblingseis sollte wahrscheinlich im Rekordtempo gegessen werden, wenn man es noch im einigermaßen festen Zustand genießen will. Wer der Hitze innerhalb Deutschlands entfliehen möchte, findet wohl nur in den Hochlagen der Gebirge, auf den Nord- und Ostseeinseln sowie an der Grenze zu Dänemark Höchstwerte unter 30 Grad vor. Hitzeliebhaber sollten dagegen genießen, was das Zeug hält, denn von mehr als einem Intermezzo kann man hierbei nicht sprechen. 

Am Sonntagabend greift nämlich die Kaltfront von Tief ZIROS auf den Westen und Nordwesten Deutschlands über, die ihrem Namen mehr als gerecht wird! Zunächst einmal wird es in ihrem Vorfeld erste kräftige Schauer und Gewitter geben, die sich bis Montag in die Südosthälfte vorarbeiten und lokal Unwetterpotenzial mit sich bringen. Die Temperatur stürzt förmlich ab. Im Norden und Westen sind am Montag nicht einmal mehr 25 Grad drin und im Nordseeumfeld bekommt man selbst mit der 20-Grad-Marke schon Schwierigkeiten. Damit liegen die Höchstwerte dort oftmals um mehr als 10 Kelvin niedriger als noch am Vortag. In der Südosthälfte bleibt es zwar sommerlich warm, 30 Grad dürften aber auch dort nicht mehr erreicht werden. 

Abb. 3: Höchsttemperatur für Sonntag, 22.06.2025 (links) und Montag, 23.06.2025 (rechts) (MOSMIX-Prognose). Quelle: DWD 

Doch damit nicht genug: Neben Schauern, Gewittern und Temperatursturz wird es zudem auch noch sehr windig bis stürmisch. Gerade im Norden und Westen wird sich der Wochenstart damit fast schon herbstlich anfühlen im Vergleich zum hochsommerlichen und heißen Sonntag. 

Die Wetterumstellung hin zu einer für unsere Breiten klassischen Westwetterlage wird voraussichtlich die ganze nächste Woche anhalten. Immer wieder werden daher Tiefausläufer mit zeitweiligem Regen ostwärts durchziehen, die vor allem den Norden betreffen, hin und wieder aber auch bis in den Süden ausgreifen. Dazu stellt sich ein Nord-Süd-Gefälle beim Temperaturniveau ein. Während es im Süden (und zumeist wohl auch in der Mitte) sommerlich warm bis heiß bleibt, halten sich die Höchstwerte im Norden eher in einem Bereich zwischen 20 und 25 Grad auf. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Hitzeintermezzo-am-Wochenende-1-1-2.jpg 720 892 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-20 10:50:542025-06-27 10:04:48Hitzeintermezzo am Wochenende – Temperatursturz zum Wochenstart

Die städtische Wärmeinsel

19. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Sommerhoch ZORA sorgt in weiten Teilen West- und Mitteleuropas für ruhiges Sommerwetter. Vor allem in der Südwesthälfte des Landes scheint die Sonne teils sogar von einem wolkenlosen Himmel. Dazu bewegen sich die Temperaturen auf sommerlichem Niveau. In einigen Niederungen des Südwestens wurden am gestrigen Mittwoch ein Hitzetag mit einer Höchsttemperatur von über 30 Grad registriert. Und auch heute sind dort wieder ähnliche Höchstwerte zu erwarten. Die Nächte sind aber aktuell noch gut geeignet, um die überhitzten Innenräume einmal ordentlich durchzulüften. Meist liegen die Tiefstwerte unter 15 Grad. Lediglich in einigen Ballungszentren im Südwesten wurden in der Früh höhere Temperaturen gemessen. Grund dafür ist unter anderem der städtische Wärmeinseleffekt. 

Durch die großräumige Versiegelung in Großstädten wird der Wasserhaushalt gestört. Während über Grünflächen in ländlichen Gebieten an einem trockenen und heißen Sommertag starke Verdunstung stattfindet, ist dieser Effekt innerhalb von Großstädten stark reduziert. Dadurch wird der Verbrauch von Wärmeenergie signifikant verringert. Somit ist die Temperatur bei stabilen, windschwachen Hochdrucklagen im Sommer in den Großstädten oft höher als im Umland. Gleichzeitig wird durch die versiegelten Flächen ein Großteil der einfallenden Solarstrahlung absorbiert, während im ländlichen Gebiet in Abhängigkeit des Vegetationstyps dieser Effekt meist geringer ist. 

So bildet sich in dicht besiedelten Ballungsräumen ein lokales, flaches, thermisches Tiefdruckgebiet aus. Da im Umland der Stadt vergleichsweise höherer Luftdruck vorherrscht, ergibt sich eine Strömung vom Umland in die Stadt. Je nach Bebauung kann dieser Flurwind bis in die äußeren Stadtbereiche vordringen und dort nicht nur für eine Abkühlung, sondern auch für eine bessere Lufthygiene sorgen. Dies ist vor allem in der Nacht der Fall, da zu dieser Zeit die Temperaturdifferenz zwischen Umland und Stadt am stärksten ausgeprägt ist. Dazu tragen die dunklen Oberflächen wie Asphalt bei. Aufgrund ihrer geringen Albedo speichern diese Wärme und geben diese bei Nacht wieder ab. Gleichzeitig kühlt sich das Umland bei klaren Bedingungen in den windstillen Nächten rasch ab. Zusätzlich wird die Lufttemperatur in der Stadt von der anthropogenen Wärmefreisetzung beeinflusst. Emissionen aus Verkehr und Industrie modifizieren nicht nur die Zusammensetzung der Luft, sondern auch deren Temperatur. 

Schematische Darstellung des Stadtklimas. (Quelle: DWD/Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg)

Der städtische Wärmeinseleffekt konnte in der vergangenen Nacht beobachtet werden. Während die Temperatur in München Stadt heute Morgen um 06 Uhr bei lauen 15,9 Grad lag, kühle es im Umland wesentlich stärker ab. So verzeichnete die Wetterstation in Oberhaching zur selben Zeit eine Temperatur von 11,9 Grad. Bei einer längeren Hitzeperiode und bei windstillen und klaren Bedingungen kann die Temperaturdifferenz in der Früh zwischen Umland und Stadt noch größer ausfallen. Im Extremfall sind dann Temperaturunterschiede von bis zu 10 Grad möglich. 

In Berlin waren die Unterschiede heute Morgen dagegen kaum vorhanden. Sowohl die Station Berlin Alexanderplatz als auch die Station am Berliner Flughafen Schönefeld registrierten rund 16 Grad. Grund dafür war ein relativ starker Nordwestwind, welcher für Durchmischung sorgte und somit die Temperaturunterschiede teilweise ausglich. 

Auch in den kommenden Tagen bleibt uns das ruhige Hochdruckwetter erhalten. Zudem flaut auch der Wind im Nordosten vorübergehend wieder etwas ab, sodass der städtische Wärmeinseleffekt auch in Berlin wieder zu beobachten sein wird. Da sich der Hochdruckschwerpunkt allmählich nach Osten verlagert, steigen die Temperaturen am Wochenende insgesamt an. Somit sind in den Ballungszentren vor allem im Westen und Südwesten vermehrt Tropennächte möglich. Dies wird auch aufgrund der allmählich feuchteren Luftmasse zu einer zunehmenden Wärmebelastung der Stadtbevölkerung führen! 

Vorhersage der Tiefsttemperatur im Südwesten für das kommende Wochenende. Vor allem in der Nacht zum Montag werden häufiger Tropennächte erwartet. (Quelle:DWD)  

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Die-staedtische-Waermeinsel-1.jpg 1500 2000 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-19 21:29:292025-06-19 21:29:29Die städtische Wärmeinsel

Der Schlüssel zur Klimageschichte: Klimaproxys – Teil 2

18. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO
  1. Sedimentgesteine:

    Bereits die geomorphologischen Merkmale von (Sediment-)Gesteinen können wertvolle Informationen für die Rekonstruktion früherer Klimabedingungen liefern. Die Geomorphologie befasst sich mit der Form und Entwicklung der Erdoberfläche, also mit der Entstehung und Veränderung von Landschaften. Charakteristische Landschaftsformen wie Gletscherkratzspuren (Abbildung 1) entstehen beispielsweise, wenn Gletscher andere Gesteine über das darunterliegende Material bewegen und dabei linienförmige Rillen hinterlassen. In Regionen wie Afrika, Südamerika, Indien und Australien lassen sich parallele Schleifspuren nachweisen, die unter heutigen klimatischen Bedingungen ungewöhnlich erscheinen. Diese Spuren gelten jedoch als Belege für die Existenz des ehemaligen Superkontinents Gondwana und seine weitreichende Vergletscherung während der Karbon-Perm-Eiszeit vor etwa 360 bis 260 Millionen Jahren. Weitere geomorphologische Strukturen mit klimatischer Aussagekraft sind Wellenrippel (Abbildung 1), die durch Wasser- oder Windbewegung entstehen, Gletschermoränen, Dünen sowie alte Flussterrassen. 

Abbildung 1: Links: Gletscherkratzspuren in Gesteinen nahe dem Moiry-Gletscher in der Schweiz; Rechts: Wellenrippel in einem Gestein aus der Perm-Zeit, Nomgon, Mongolia. (Quelle: Mangouste48 – CC BY-SA 4.0 & Matt Affolter – CC BY-SA 3.0) 

Aber auch die innere Beschaffenheit von Sedimentgesteinen – etwa deren Farbe, Korngrößenverteilung, Sortierung und Zusammensetzung – bietet wichtige Hinweise auf vergangene Umwelt- und Klimabedingungen. So entstehen feinkörnige Ablagerungen oft durch äolische Ablagerung (Wind) in Trockenperioden, während grobsortierte Sedimente mit eingelagerten Klasten (feste Gesteinsbruchstücke) und organischem Material typisch für Überschwemmungen sind.

Im Inneren von Sedimenten – besonders in Schichten am Boden von Seen und Meeren – verbergen sich weitere natürliche Archive. Die Sedimente lagerten sich über Jahrtausende hinweg ab und konservierten dabei eine Vielzahl biologischer Spuren in Form von (Mikro-)Fossilien wie Foraminiferen, Schalen und Muscheln, Korallen, Pollen oder Blätter, die als Klimaproxys dienen können. Korallen beispielsweise, die (ähnlich wie Bäume) jährliche Wachstumsringe ausbilden, lassen anhand der Dicke und Zusammensetzung Rückschlüsse auf Wassertemperaturen, Nährstoffverfügbarkeit und sogar das Auftreten von Stürmen sowie El-Niño-Ereignisse ziehen. Kalkschalen enthalten Sauerstoff, dessen Isotopenverhältnis in diesem Fall von den Wassertemperaturen abhängig ist. Auch Spurenelemente wie Magnesium oder Strontium, die im Kalk enthalten sind, korrelieren mit den Wassertemperaturen. Aus pflanzlicher Sicht verraten uns die Form und Größe fossiler Blätter weitere Details. Große, glattrandige Blätter deuten auf ein warmes und feuchtes Klima hin – typisch für tropische Regenwälder. Im Gegensatz dazu weisen kleine, gezackte Blätter auf ein kühles, trockeneres Klima hin, wie man es in gemäßigten Breiten findet. Verschiedene eingeschlossene Pollen zeigen, welche Vegetation und damit welches Klima damals vorherrschend war. So konnte man zum Beispiel in der Eifel den abrupten Klimaumschwung von der Kaltzeit zur heutigen Warmzeit (vor rund 12.000 Jahren) anhand von Pollenanalysen aus Sedimenten der Meerfelder Maare nachweisen (Litt & Stebich 1999). Während der Jüngeren Dryas dominieren Pollen von kleinen Sträuchern und Gräsern, was auf kalttrockene, tundrenartige Bedingungen hinweist. Mit Beginn des Holozäns nimmt die Häufigkeit von Birke und Kiefer zu, gefolgt von wärmeliebenden Baumarten wie Hasel und Ulme, was den Wechsel zu milderen, waldreichen Verhältnissen zeigt.

Klimaproxys spiegeln aber oft nicht nur eine einzelne Größe wie Temperatur oder Niederschlag wider, sondern eine Kombination verschiedener Umweltfaktoren. Diese Zusammenhänge müssen wissenschaftlich entschlüsselt werden – dafür nutzen Wissenschaftler in der sogenannten Paläoklimatologie ausgeklügelte statistische Modelle. Ihre Aufgabe ist es außerdem, aus den Proxys quantitative Daten, also tatsächliche numerische Werte zu ermitteln. Da Proxys keine Klimavariablen direkt messen, ist eine Umrechnung erforderlich. Dieser Prozess heißt Kalibrierung und erfolgt meist auf zwei Arten: Die erste ist die zeitliche Kalibrierung. Hier wird eine Zeitspanne genutzt, in der sowohl Proxy-Daten als auch direkte Wetteraufzeichnungen vorliegen, also meist die letzten 100 Jahre. Mithilfe statistischer Methoden (z.B. Regressionsanalysen) wird ein mathematischer Zusammenhang hergestellt, der es erlaubt Proxy-Werte in Klimagrößen umzuwandeln. Nach mehrmaligen Validierungstests um Unsicherheiten zu verringern, kann diese Beziehung auf frühere Zeiten ohne Messdaten übertragen werden. Die Zweite wird als räumliche Kalibrierung bezeichnet. Dabei wird geprüft, ob das geografische Muster der Proxy-Daten mit bekannten räumlichen Klimamustern (z.B. Temperaturverteilungen) übereinstimmt. Sie stellt sicher, dass die Verteilung der Proxys sinnvoll ist und für großräumige Rekonstruktionen genutzt werden kann. Das bedeutet: Beide Kalibrierungsarten sind komplementär. Für zuverlässige Klimarekonstruktionen braucht es also gut kalibrierte Proxys, die sowohl zeitlich als auch räumlich stimmige Ergebnisse liefern. In manchen Fällen wird auch eine Proxy-zu-Proxy-Kalibrierung verwendet. Etwa, wenn keine direkten Messdaten, aber andere gut verstandene Proxys zur Verfügung stehen.

Wie so oft in der Wissenschaft gibt es auch hier einige Unsicherheiten. Denn Proxys reagieren nicht nur auf das Klima, sondern auch auf andere Umweltfaktoren – etwa menschlichen Einfluss, Vulkanausbrüche, tektonische Prozesse oder biologische Aktivitäten wie Bioturbation. Solche Einflüsse können die ursprünglichen Klimasignale verändern oder überlagern. Auch die Klimasensitivität eines Proxys, also wie stark er auf klimatische Veränderungen reagiert, kann sich im Lauf der Jahrhunderte verändern. So zeigen manche Baumringdaten nach 1950 keine klare Reaktion mehr auf ansteigende Temperaturen. Zudem beruhen Kalibrierungen meist auf relativ kurzen Zeiträumen und können daher durch äußere Einflüsse verfälscht sein. All das macht die Interpretation von Proxy-Daten anspruchsvoll – aber nicht unmöglich, weshalb Klimaproxys dennoch das zentrale Werkzeug der Paläoklimatologie bleiben. Sie liefern oft die längsten und verlässlichsten Klimaaufzeichnungen, da die Unsicherheiten minimiert werden können. Dafür kombinieren Forschende verschiedene Proxys im sogenannten Multi-Proxy-Ansatz. So lassen sich lokale Störeinflüsse ausgleichen und robustere Klimasignale gewinnen. Weltweite Proxy-Datenbanken sorgen für eine gute räumliche und zeitliche Abdeckung, während Klimamodelle helfen, die physikalischen Zusammenhänge besser zu verstehen und die Daten korrekt zu deuten. Verbesserte Datierungsmethoden und experimentelle Studien machen die Ergebnisse zusätzlich belastbar und schaffen so eine solide Grundlage für die Rekonstruktion der Klimageschichte, wie in Abbildung 2 gezeigt. 

Abbildung 2: Temperaturanomalien bis zum Jahr 0 im Vergleich zu 1961-1990. Farbige Linien stellen geglättete Ergebnisse für 7 verschiedene statistische Berechnungsmethoden dar, die auf globaler Sammlung von Paläoklimadaten (Proxys) basieren. Graue Schattierung zeigt den Unsicherheitsbereich, das 2,5 & 97,5 Perzentil ist durch schwarzgepunktete Linien gekennzeichnet. Die schwarze Kurve zeigt die instrumentellen Daten für 1850 – 2017.(Quelle: PAGES 2k Consortium 2019.) 

 

  1. Sc. Aaron Gentner
    Deutscher Wetterdienst
    Vorhersage- und Beratungszentrale
    Offenbach, den 18.06.2025
    Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Der-Schluessel-zur-Klimageschichte-Klimaproxys-–-Teil-2-1.png 720 2039 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-18 21:09:252025-06-19 21:18:19Der Schlüssel zur Klimageschichte: Klimaproxys – Teil 2

ICON-RUC – Wetterupdate im Stundentakt

17. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Rückgrat unserer Wettervorhersage ist unser globales Wettermodell ICON (ICOsahedral Nonhydrostatic Model). Dabei werden weltweit Wetterdaten wie Temperatur, Druck und Feuchtigkeit von Wetterstationen, Wetterballons, Flugzeugen und Satelliten gesammelt. Diese dienen als Ausgangsdaten für Gleichungen, mit denen das Wetter dann numerisch in die Zukunft berechnet wird. ICON verwendet dafür ein mathematisches Gitter aus Vielecken, sogenannten Ikosaedern, das die Erdoberfläche besser darstellt als ein klassisches Rechteckgitter. Dieses Modell wird alle 6 Stunden neu berechnet. 

Die Deutsche Modellkette von ICON zu ICON-EU bis ICON-D2 mit Ikosaeder-Gitter. (Quelle:DWD) 

Für Europa und Umgebung wird ein Ausschnitt mit einer Auflösung von 6 km berechnet (ICON-6 oder ICON-EU). Darin eingebettet wird, für den Mitteleuropa-Ausschnitt alle 3 Stunden mit aktuellen Daten nun als sogenanntes Lokalmodell ICON-D2 mit einer noch höheren Auflösung von etwa 2 km berechnet, um eine genauere lokale Vorhersage für die nächsten zwei Tage zu bekommen. Dabei fließen auch Daten aus aktuellen Radarmessungen ein. Dies hat unter anderem den Vorteil, dass insbesondere Gewitterzellen, die durch das globale, grobmaschigere Modell durchfallen können, vom Lokalmodell besser simuliert werden können. 

Gewitterlagen sind in der Regel sehr dynamisch. Schon kleine Änderungen können große Auswirkungen auf die Vorhersage haben. So können innerhalb weniger Minuten neue Gewitterzellen entstehen, die meist lokal begrenzt sind, aber vor Ort große Auswirkungen, z. B. durch Starkregen, Sturmböen und Hagel, haben können. Um auf die veränderten atmosphärischen Bedingungen schnell zu reagieren, ist der Abstand von drei Stunden zwischen den Modellrechnungen von ICON-D2 häufig zu lang. Hier kommt ICON-RUC ins Spiel. Dabei steht RUC für (Rapide Update Cycle) Durch eine stündliche Aktualisierung und eine hohe räumliche Auflösung kann das Modell kurzfristige Wetterveränderungen sehr präzise darstellen. So lassen sich bei zum Beispiel bei sommerlichen Gewitterlagen die Regionen besser eingrenzen, in denen die Gewitteraktivität besonders hoch ist. 

Das Besondere an ICON-RUC ist, dass es die mikrophysikalischen Prozesse bei der Niederschlagsbildung mithilfe des sogenannten 2-Momenten-Schemas besser berechnen kann. Dabei wird einerseits die Anzahl der Teilchen berücksichtigt, also wie viele Regentropfen oder Eiskristalle sich in einem bestimmten Luftvolumen befinden. Andererseits werden auch die Masse und das Volumen der Teilchen berücksichtigt, also wie groß oder wie schwer sie sind. Dadurch ergeben sich deutlich realistischere Radarbilder in den Modellsimulationen. Unter anderem ist es nun möglich, die Hagelmasse und die Größe der Hagelkörner mittels dieses Modells zu berechnen. Durch dieses Schema erhofft man sich auch eine genauere Vorhersage von Starkregen und Schneefall. 

Die 2-Stunden-Vorhersage der simulierten Radarreflektivität von ICON-D2 (links) und ICON-RUC (Mitte) sowie die gemessene Radarreflektivität (rechts) zeigen die Gewitter in Mittelsachsen bei Dresden am Sonntagabend (15.06.2025). 

Auch weitere Eigenschaften von Gewitterzellen wie Rotation, Aufwindgeschwindigkeiten und Wassergehalt lassen sich ermitteln. Sie geben Hinweise auf die Intensität sowie auf Begleiterscheinungen wie Hagel, Starkregen und Sturmböen. In Zukunft ist es das Ziel, die vom ICON-RUC simulierten Gewitterzellen mit den aktuellen, im Radar beobachteten Zellen zu verschneiden, um einen nahtlosen und bruchfreien. Übergang von Nowcasting (Kürzestfristvorhersagen, die die nächste Stunde umfassen) zu Modellvorhersagen für die nächsten Stunden zu erreichen. 

Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/ICON-RUC-–-Wetterupdate-im-Stundentakt-1.png 1444 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-17 18:54:162025-06-19 19:02:15ICON-RUC – Wetterupdate im Stundentakt

Rückblick auf die Gewitterlage vom vergangenen Wochenende

16. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hoch XARA sorgte für das erste hochsommerliche Wochenende mit Höchsttemperaturen, die vor allem am Samstag verbreitet um oder über 30 Grad lagen. Spitzenreiter war dabei Kitzingen mit einem Höchstwert von 35,5 Grad. Doch bereits am Samstag nahm der Einfluss von XARA langsam ab. Das Hoch verlagerte sich mit seinem Schwerpunkt in Richtung Baltikum. Davor wurde aber nochmals ein Schwall heißer und vor allem auch feuchter Subtropikluft herangeführt. Gleichzeitig näherte sich Tief XHEVAT von Westen. Im Vorfeld der Kaltfront von XHEVAT bildete sich eine Tiefdruckrinne aus, an der es bereits am Vormittag von Nordfrankreich bis nach Belgien zu teils kräftigen Gewittern kam.

Da weite Teile des Bundesgebietes aber noch unter dem Höhenrücken lagen, kam es nur vereinzelt zur Auslöse von Schauern und Gewittern. Lediglich im Westen sorgte ein schwach ausgeprägter Kurzwellentrog für die nötigen Hebungsprozesse, um kräftigere Gewitter entstehen zu lassen. Aufgrund der sehr energiereichen Luftmasse, aber nur einer geringen vertikalen Windscherung, stand dabei der Starkregen im Fokus. Die pulsierenden Gewitterzellen sorgten lokal für unwetterartige Niederschlagsmengen. An der Station Wünnenberg-Eilern in Westfalen wurde sogar eine Stundenmenge von 59 Liter pro Quadratmeter verzeichnet. Dies entspricht dem Warnkriterium „extremes Unwetter“.

Analyse der Großwetterlage für Sonntag, den 15. Juni um 00 UTC. Im Vorfeld der Kaltfront ist eine schwache Tiefdruckrinne mit einer Konvergenzzone über Deutschland erkennbar. (Quelle: DWD) 

In der Nacht auf Sonntag kam die Kaltfront etwas weiter nach Osten voran. Am Morgen lag diese bereits im äußersten Westen Deutschlands. Zuvor bildeten sich über Nordfrankreich kräftige Gewitter aus. Aufgrund von etwas günstigeren Scherungsbedingungen konnten diese sich besser organisieren. Am frühen Morgen erreichten die Gewitter den Westen und Südwesten des Landes. Auch dort lag das Hauptaugenmerk in der sehr feuchten und energiereichen Luftmasse auf den Starkregen. Ein Cluster aus Multizellengewitter sorgte vor allem rund um die Eifel für teils unwetterartige Niederschlagsmengen. An der Grenze zu Luxemburg wurden örtlich um 40 Liter pro Quadratmeter innerhalb von wenigen Stunden registriert.

Am Vormittag entspannte sich die Situation vorübergehend etwas. Während im Nordwesten bereits die deutlich kühlere Meeresluft eingeflossen ist, wurde vor der herannahenden Kaltfront nochmals feuchtheiße Luft aus dem Mittelmeerraum herangeführt. Damit entwickelten sich ab dem Nachmittag im Osten und Süden vermehrt kräftige Gewitter. Die sehr feuchte und energiereiche Luftmasse brachte ein sehr hohes Starkregenpotential mit sich. Aufgrund der relativ geringen Windscherung war dagegen das Risiko für Orkanböen und sehr großen Hagel gering. 

Radarbild, sowie die einstündige Niederschlagssumme bis Sonntag 18 UTC. In Aue im Erzgebirge brachte der Gewitterkomplex 65 Liter pro Quadratmeter innerhalb von nur einer Stunde. (Quelle: DWD) 

Somit wurde bereits am Vormittag eine Vorabinformation für schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel für den Süden und Südosten und für den Erzgebirgsraum ausgegeben. Gerade im Erzgebirgsraum sorgte ein sich nur sehr langsam bewegender Gewitterkomplex für extreme Niederschlagsmengen. So registrierte die Wetterstation in Aue im Erzgebirge eine Stundenmenge von 65 Liter pro Quadratmeter. Innerhalb von wenigen Stunden kamen dort insgesamt sogar 96 Liter pro Quadratmeter zusammen. Dies sorgte in der Region für großräumigere Überschwemmungen. Zudem traten örtlich größere Hagelansammlungen auf. Stellenweise kam es außerdem zu Sturmböen (Bft 9). Aber auch in Bayern entwickelten sich ab dem Nachmittag unwetterartige Gewitter. Dort wurde das Unwetterkriterium ebenfalls vor allem bezüglich Starkregens gebrochen. Teilweise kam es zudem zu größerem Hagel mit einem Korndurchmesser um 3 cm. Im Laufe des Abends entspannte sich die Unwettersituation im Osten deutlich. In Südostbayern gab es aber bis in die Nacht hinein noch weitere kräftige gewittrige Regenfälle.
 

24 Stunden Niederschlagsmenge für Samstag und Sonntag. Während am Samstag vor allem der Westen von kräftigen Gewittern mit Starkregen betroffen war, lag der Schwerpunkt am Sonntag im Süden und Osten. (Quelle: DWD) 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Rueckblick-auf-die-Gewitterlage-vom-vergangenen-Wochenende-1.png 710 1000 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-16 18:44:112025-06-19 18:52:44Rückblick auf die Gewitterlage vom vergangenen Wochenende

Erste Tornadozwischenbilanz 2025

15. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Einleitung 

Nachdem die diesjährige Tornadosaison etwas Mühe hatte in Gang zu kommen, kamen in den zurückliegenden gut zwei Wochen einige neue Fälle in die Datenbank. Gesammelt werden die Tornadofälle in Deutschland unter anderem in der europäischen Unwetterdatenbank (eswd.eu) oder über die Tornadoliste Deutschland (tornadoliste.de). Letztere Seite sammelt auch viele Verdachtsfälle und sogenannte plausible Fälle. Diese plausiblen Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt nochmal genauer unter die Lupe genommen, die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr hoch, dass diese noch bestätigt werden. 

Tornadofälle bisher 

Insgesamt gab es bereits 13 bestätigte Tornados und sechs plausible Fälle. Das ist eine gute Gelegenheit, um einmal zu schauen, was bisher schon passiert ist. 

Das Bild zeigt alle im Jahr 2025 bisher bestätigten Tornadofälle sowie die plausiblen Fälle in Deutschland. 

Den ersten bestätigten Tornado des Jahres gab es am 30. März in Uenze in Brandenburg. Dies war ein relativ kurzlebiger Tornado der Stärke IF1 (~150 km/h). Schäden wurden auf einer Länge von 1.3 km erfasst. Dann gab es auch aufgrund beständiger Hochdrucklagen eine längere Pause. 

Interessant wurde es wieder am ersten Maiwochenende. Nun waren wieder Tiefausläufer am Zuge und auch die für organisierte Gewitter und Tornados so wichtige Zutat Windscherung war recht üppig vorhanden. Bei Windscherung ist es ausschlaggebend, dass sich der Wind bezüglich Richtung und Stärke möglichst stark mit der Höhe ändert. So kam es am 2.Mai zu einem schwachen Tornado in Oppenwehe, am 3.Mai wurden dann zwei Tornados in Hessen (Biebertal, Stolzhausen bei Bebra), sowie einer im sächsischen Vogtland (Unterheinsdorf) registriert, wobei die beiden hessischen Tornados eine Stärke von IF1.5 (~180 km/h) hatten. Die Vorortuntersuchung wurde von der Vereinigung TorKUD (Tornado Kartierung und Untersuchung Deutschland) unter anderem mit Drohnen durchgeführt. Solche Aufnahmen ermöglichen es, ein genaues Schadensmuster zu erstellen und daraus abzuleiten, ob es sich tatsächlich um einen Tornado gehandelt hat. TorKUD ist damit ebenfalls ein wichtiger Partner des DWD.
Schließlich wurde noch am 4.Mai. auf Usedom eine Wasserhose beobachtet. 

Bisher aktivste Tornadophase und stärkster Tornado des Jahres 

Nach einer weiteren hochdruckbedingten Pause folgte die bisher aktivste Tornadophase in Deutschland. Los ging es am 28.05.2025. An diesem Tag sind insgesamt mindestens vier Tornados aufgetreten, drei davon in Hessen (Bieber, Steinau an der Straße und in Hessisch-Lichtenau)) und ein weiterer in Untertheres bei Schweinfurt in Unterfranken. Vor allem bei dem Fall in Nordhessen gab es größere Gebäudeschäden, da der Tornado auf einer Strecke von 1.4 km über bebautes Gebiet gezogen ist. 

Der bisher stärkste Tornado der Saison trat am 4. Juni in Donaustetten bei Ulm auf. Auf einer Strecke von 15.5 km wurden Schäden bis in einen Bereich von IF2 (~220 km/h) festgestellt. Damit war dies auch der erste signifikante Tornado im Jahr 2025 (im Schnitt gibt es etwa vier starke Tornado im Jahr in Deutschland, mind. IF2). Die Schadenanalyse wurde wieder von TorKUD durchgeführt und zeigte eine maximale Tornadobreite von 310 m. Am stärksten war unter anderem eine Baumallee und eine Wohnsiedlung betroffen. In der Siedlung gab es an einem Haus beträchtliche Schäden. Das Hausdach und Teile des Dachstuhls wurden stark beschädigt. 

Im Bild sind die Schadensspur (oben links) sowie einige Schadensbilder des starken Tornados in Messtetten bei Ulm zu sehen. 

Zuletzt gab es noch zwei Tornados in Mecklenburg-Vorpommern. Am 07.06. war die Gemeinde Glewitz (südlich von Stralsund) betroffen (Stärke IF1) und am 10.06. die Stadt Greifswald (IF0.5). Der Grund für die gehäuften Tornadomeldungen und Verdachtsfälle war die sehr dynamische Wetterlage der vergangenen Wochen. 

Auch am gestrigen Samstag möglicherweise ein Tornado 

Auch gestern haben unsere Tornadoexperten beim DWD (tornado@dwd.de) zahlreiche Beobachtungen eines weit nach unten reichenden Funnels erreicht. Betroffen war ein Gebiet zwischen Bad Lippspringe und Altenbeken in Ostwestfalen. Zwar liegen bisher keine Meldungen über Schäden vor, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass auch am Boden ein Wirbel vorhanden war. Möglicherweise wurde aber nur unbewohntes Gebiet getroffen, sodass mögliche Auswirkungen nur mit einer Vor-Ort Untersuchung zu ermitteln sind. 

Ausblick 

Auch unter Berücksichtigung der plausiblen, noch nicht bestätigten Fälle, hält sich die Anzahl der Tornados bisher noch in Grenzen. Zur durchschnittlichen Anzahl von 49 Tornados im Jahr, sind noch einige Fälle nötig. Es folgen aber noch zweieinhalb Sommermonate und auch im September ist die Tornadowahrscheinlichkeit noch erhöht. Zudem kann es besonders im August und September auch häufig Wasserhosen an Nord- und Ostsee geben. Um jetzt schon die aktuelle Saison zu bilanzieren, ist es also noch viel zu früh. 

Im Bild oben sind die tornado stripes zu sehen. Sie zeigen die Entwicklung der Tornadozahlen in Deutschland im Vergleich zum Mittelwert zwischen 2000 und 2024. Darunter ist der Jahresgang der Tornadoaktivität in Deutschland zu sehen. Die große Anzahl an Tornados im August kommt vor allem durch Wasserhosen zu Stande.  

Nachdem es heute vor allem im Osten und Süden nochmal ordentlich zur Sache geht (mit allerdings nur geringem Tornadopotential), kehrt dann zu Beginn der neuen Woche wieder Ruhe ein und es steht eine möglicherweise wieder längere Tornadopause bevor. 

Dipl.-Met. Marcus Beyer 

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Erste-Tornadozwischenbilanz-2025-1.png 911 707 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-15 18:33:052025-06-19 18:43:28Erste Tornadozwischenbilanz 2025

Gewitterlage mit (großen) Unsicherheiten

14. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Unser Sommerhoch XARA verlässt uns, es liegt am heutigen Samstagmittag schon über der zentralen Ostsee und kommt in den kommenden Stunden auch noch weiter nach Osten voran, aber man merkt beim Blick auf die Wetterkarten auch, dass ihm allmählich die Puste ausgeht und es sich entsprechend abschwächt.

Damit betritt Tief XHEVAT die Wetterbühne über Mitteleuropa. Seine Front überquert uns von West nach Ost und sie bringt in ihrem Vorfeld, aber auch mit der Frontpassage selbst teils kräftige Gewitter. Das sehen alle Modelle so. Aber schon der Blick auf nur ein Detail zeigt doch deutliche Unterschiede.

Dieses Beispiel soll der Niederschlag am heutigen Nachmittag und frühen Abend sein, zu finden in den Abbildungen eins und zwei. Sie zeigen die Prognosen des 3-stündigen Niederschlages von sechs verschiedenen Vorhersagemodellen, in Abbildung eins ist es das Zeitfenster bis 15 UTC (entspricht 17 MESZ), in Abbildung zwei das Zeitfenster bis 18 UTC (entspricht 20 MESZ). 

3-stündiger Niederschlag bis 15 UTC (17 MESZ) für die sechs Vorhersagemodelle ICON6_Nest (oben links), ICON-D2 (oben Mitte), AROME (oben rechts), EZMW (unten links), GFS (unten Mitte) und UK10 (unten rechts) 

In Abbildung eins fällt der große rote Klecks im oberen rechten Bild südlich des Ruhrgebiets auf. Das zugehörige Modell (AROME) stammt von unseren französischen Kolleginnen und Kollegen und fällt auf den ersten Blick völlig aus dem Rahmen. Das gilt aber nur für die mit über 50 l/qm in drei Stunden exorbitant hohen Niederschlagsmengen, denn das Muster der Niederschlagsverteilung findet sich auch im Bild unten rechts wieder, beim Modell UK10 des Britischen MetOffice. Zumindest über Nordrhein-Westfalen. Dagegen lässt der Schauer- und Gewitterstreifen von der Saar bis in den Westerwald, den AROME ebenfalls anbietet, das UK10 völlig kalt.

Auffällig ist bei beiden Niederschlagsclustern auch, dass sie eine Nord-Süd-Orientierung haben. Die bieten auch unser DWD-Modell ICON-D2 (oben Mitte) und das amerikanische GFS (unten Mitte) an. Aber verglichen mit der hier einfach mal willkürlich als Benchmark definierten Position der AROME-Niederschläge liegen diese etwa 100 km weiter westlich (ICON-D2) oder 200 km weiter süd-südwestlich (GFS). Und die beiden Fehlenden, unser ICON6_Nest (oben links) und EZMW (unten links)? Die sind scheinbar beide so gar nicht auf Regen getrimmt.

Aber man muss eines hinzufügen: Je feiner die Auflösung des Modells, je kleiner also die Gitterweite bei den Berechnungen, desto besser werden die konvektiven Niederschlagsspitzen aufgelöst. Da ist zum Beispiel das EZMW (unten links) mit relativ grober Auflösung klar im Nachteil. Und während das EZMW in diesem Vergleich noch mit dem Modellauf von heute Nacht um 00 UTC antritt, sind die anderen Modelle teils deutlich später angestoßen worden. 

3-stündiger Niederschlag bis 18 UTC (20 MESZ) für die sechs Vorhersagemodelle ICON6_Nest (oben links), ICON-D2 (oben Mitte), AROME (oben rechts), EZMW (unten links), GFS (unten Mitte) und UK10 (unten rechts) 

All diese Überlegungen und Erklärungen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Modellunterschiede für den vergleichsweise kurzen Vorhersagezeitraum bemerkenswerte groß ausfallen. Und das gilt auch für das Zeitintervall bis 18 UTC (Abbildung 2). Jetzt ist es das amerikanische GFS (unten Mitte), das mit viel roter Farbe über dem östlichen Ruhrgebiet die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dort ist auch UK10 (unten rechts) am aktivsten, aber bei weitem nicht so niederschlagsaffin wie GFS. Interessant: Der Schwerpunkt von GFS liegt exakt dort, wo auch AROME seinen Niederschlagsschwerpunkt positioniert hatte – nur eben drei Stunden später. Hier ergibt sich also eine räumliche Konsistenz über die verschiedenen Zeitfenster hinweg. Aus dem Rahmen beim 18 UTC-Vergleich fällt ICON-D2 mit einer einzelnen Zelle über dem Taunus – dort wo es laut der übrigen Modelle weitgehend trocken bleiben soll.

Zurückzuführen sind diese Unterschiede auf viele divergierende Modelldetails, beispielsweise in der Höhenströmung, in der Verlagerungsgeschwindigkeit der Kaltfront von Tief XHEVAT, in der Feuchte, der Labilität der Atmosphäre oder der Bodendruckverteilung, um hier nur einige zu nennen. Eines ist aber klar: Diese Frontpassage mit ihren teils kräftigen Gewittern wird noch einige Überraschungen für uns parat halten. 

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Gewitterlage-mit-grossen-Unsicherheiten-1.png 630 1002 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-14 18:25:082025-06-19 18:32:22Gewitterlage mit (großen) Unsicherheiten
Seite 42 von 230«‹4041424344›»
Search Search

Neueste Beiträge

  • VPN auf Reisen: Wetter prüfen und clever packen
  • Schweißtreibender QUIRIAKUS
  • Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel
  • Wetter, Waldbrand, Wasserdurst
  • Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

Kategorien

  • Allgemein (91)
  • Brand News (45)
  • Stories (10)
  • Tipps & Tricks (4)
    • Gesundheit (3)
  • Wetter (2.317)
    • Thema des Tages (2.299)
    • Wetterlexikon (1.341)
      • Klima (1.015)
    • Wind (579)

Archiv

  • August 2026 (7)
  • Juli 2026 (36)
  • Juni 2026 (31)
  • Mai 2026 (32)
  • April 2026 (29)
  • März 2026 (32)
  • Februar 2026 (28)
  • Januar 2026 (31)
  • Dezember 2025 (31)
  • November 2025 (31)
  • Oktober 2025 (31)
  • September 2025 (30)
  • August 2025 (31)
  • Juli 2025 (31)
  • Juni 2025 (32)
  • Mai 2025 (31)
  • April 2025 (33)
  • März 2025 (36)
  • Februar 2025 (27)
  • Januar 2025 (32)
  • Dezember 2024 (31)
  • November 2024 (30)
  • Oktober 2024 (33)
  • September 2024 (30)
  • August 2024 (31)
  • Juli 2024 (32)
  • Juni 2024 (30)
  • Mai 2024 (30)
  • April 2024 (30)
  • März 2024 (32)
  • Februar 2024 (29)
  • Januar 2024 (31)
  • Dezember 2023 (31)
  • November 2023 (30)
  • Oktober 2023 (31)
  • September 2023 (29)
  • August 2023 (35)
  • Juli 2023 (34)
  • Juni 2023 (35)
  • Mai 2023 (32)
  • April 2023 (30)
  • März 2023 (30)
  • Februar 2023 (28)
  • Januar 2023 (33)
  • Dezember 2022 (30)
  • November 2022 (30)
  • Oktober 2022 (31)
  • September 2022 (30)
  • August 2022 (32)
  • Juli 2022 (31)
  • Juni 2022 (32)
  • Mai 2022 (32)
  • April 2022 (30)
  • März 2022 (32)
  • Februar 2022 (27)
  • Januar 2022 (31)
  • Dezember 2021 (31)
  • November 2021 (30)
  • Oktober 2021 (34)
  • September 2021 (30)
  • August 2021 (30)
  • Juli 2021 (33)
  • Juni 2021 (31)
  • Mai 2021 (30)
  • April 2021 (33)
  • März 2021 (33)
  • Februar 2021 (30)
  • Januar 2021 (38)
  • Dezember 2020 (39)
  • November 2020 (33)
  • Oktober 2020 (38)
  • September 2020 (32)
  • August 2020 (33)
  • Juli 2020 (22)
  • Juni 2020 (22)
  • Mai 2020 (16)
  • April 2020 (13)
  • März 2020 (15)
  • Februar 2020 (15)
  • Januar 2020 (16)
  • Dezember 2019 (9)
  • November 2019 (13)
  • Oktober 2019 (13)
  • September 2019 (16)
  • August 2019 (7)

Schlagwörter

Bodenseeschifferpatent Druckgradienten Eis Frost Gewitter Herbstwetter Hitze Hitzewelle Hochdruck Hochdruckeinfluss Hochdruckgebiet Hochnebel Hurrikan Kaltfront Klimawandel Luftdruckmuster Meereisrückgang Nebel Niederschlag Regen SBF-Binnen SBF-Binnen unter Segeln SBF-See Schnee Sommer Sommerzeit Sonnenschein Sportboot-Patente Sportbootführerschein Starkregen Sturm Sturmböen Sturmtief Temperatur Thema des Tages Tiedruckgebiet Tiefdruckgebiet Tiefdruckgebiete Trockenheit Wetter Wetterumschwung Wettervorhersage Wind Winter Winterwetter
Search Search
© Copyright - Windinfo.eu
  • Link zu Facebook
  • Link zu Youtube
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen