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Augustnächte mit Sternschnuppen

3. August 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der August ist im gregorianischen und damit unserem Kalender der achte Monat des Jahres und hat 31 Tage. Im alten Rom begann das Jahr noch mit dem Monat, der bei uns heutzutage der März ist. Somit war der August der sechste Monat und hieß „Sextilis“. Mit der julianischen Kalenderreform wurde der Beginn des Kalenderjahrs auf den 01. Januar vorverlegt und seither ist der August der achte Monat. Seinen neuen Namen erhielt der „Sextilis“ durch Kaiser Augustus, da er in diesem Monat sein erstes Konsulat antrat. Ursprünglich hatte der August noch 29 Tage, aber mit der Kalenderreform durch Caesar verlängerte sich der Monat um zwei Tage. Andere Bezeichnungen für diesen Monat sind Erntemonat, Ährenmonat oder Sichelmonat.

Wie eingangs erwähnt, ist der August der letzte meteorologische Sommermonat. Die Nächte werden wieder spürbar länger und auch anhand der Tageslänge wird erkennbar, dass der Herbst allmählich vor der Tür steht. Beträgt die Tageslichtdauer in Frankfurt am Main am 01. August noch rund 15 Stunden und 14 Minuten, so liegt diese am 31. August nur noch bei 13 Stunden und 32 Minuten. Der Sonnenaufgang verschiebt sich im Laufe des Monats um rund 45 Minuten nach hinten, der Sonnenuntergang ist am Ende des Monats rund eine Stunde früher als noch zu Beginn des Monats.
Dass es abends früher dunkel wird, hat zwangsläufig nicht nur Nachteile. Vielmehr hat man dann bereits früher am Abend die Chance, ein alljährliches Himmelsspektakel zu beobachten – die Perseiden.

Die Perseiden zählen zu den stärksten Meteorströmen. Meteorströme sind als eine Art Teilchenwolke zu verstehen und werden auch als Meteorschauer oder Sternschnuppenschwärme bezeichnet. Bei diesen Teilchen handelt es sich meist um Staub oder auch um eishaltige Gesteinsreste eines Kometen. Im Fall der Perseiden handelt es sich um den Kometen 109P/Swift-Tuttle. Durchquert die Erde auf ihrer Umlaufbahn einen solchen Meteorstrom/Kometenschweif, so können diese Teilchen in die Erdatmosphäre eindringen. Aufgrund der hohen Reibung fangen diese an zu glühen. Dieses Glühen nehmen wir dann als Sternschnuppen wahr.

Die Perseiden haben ihren Anfangspunkt (Radiant) im Sternbild Perseus, welches namensgebend für diesen Meteorstrom ist. Perseus befindet sich unweit vom Sternbild Kassiopeia, das aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Buchstaben W als „Himmels-W“ bezeichnet wird. Die ersten Sternschnuppen der Perseiden kann man bereits seit dem 17. Juli beobachten. Die Aktivität nahm dann von Tag zu Tag zu. Die Perseiden erreichen ihr Maximum in der Nacht vom 12. auf den 13. August. Dann können bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde beobachtet werden, wenn die Sichtbedingungen es zulassen. In lichtverschmutzten Gebieten sind es wesentlich weniger. Meist liegt die maximale Rate nur bei 20 bis 40 Sternschnuppen pro Stunde. Nachfolgend nimmt die Aktivität allmählich wieder ab und am 24. August endet dann die Zeit der Perseiden.
Die Perseiden werden auch als „Tränen des Laurentius“ bezeichnet. Dessen Gedenktag ist am 10. August, vereinzelt auch am 11. August, also kurz vor dem Perseiden-Maximum und somit namensgebend.

Doch wie sieht es in den kommenden Nächten hinsichtlich der Sichtbedingungen aus, auch wenn es noch ein paar Tage bis zum Perseiden-Maximum dauert? Vom Mond ist zumindest aktuell keinerlei Helligkeit zu erwarten, denn am morgigen Sonntag ist Neumond. Für alle Sternschnuppenfans ist dies nicht die schlechteste Nachricht. Dies ändert sich natürlich in Richtung Monatsmitte, also auch in den Nächten rund um das Perseiden-Maximum, denn am 19. August ist bereits wieder Vollmond. In besagter Nacht geht der Mond aber gegen 23:20 Uhr MESZ unter. Für alle Nachteulen stellt der Mond also kein Hinderungsgrund für die Sternschnuppenjagd dar.

Dieses Wochenende tut sich zwar die ein oder andere Wolkenlücke am Nachthimmel auf, aber vor allem zu Beginn der neuen Woche ist dann verbreitet mit gering bewölktem oder klarem Himmel zu rechnen. Bei 16 bis 11 Grad, örtlich allerdings auch nur 10 bis 8 Grad, lässt sich das Sternegucken dann ausgiebig genießen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.08.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-08-03 19:53:522024-08-04 20:05:06Augustnächte mit Sternschnuppen

Deutschlandwetter im Juli 2024

2. August 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juli 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,5 °C +2,0 Grad
2 Dresden-Hosterwitz Sachsen 21,2 °C +3,4 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 20,9 °C +1,4 Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,7 °C +2,0 Grad
2 Schierke Sachsen-Anhalt 15,6 °C +2,0 Grad
3 Carlsfeld Sachsen 15,8 °C +3,0 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Holzkirchen Bayern 265,7 l/m² 171 %
2 Rettenberg-Kranzegg Bayern 262,9 l/m² 132 %
3 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 243,7 l/m² 146 %

Besonders trockene Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Radeberg-Kleinerkmannsdorf Sachsen 26,2 l/m² 66 %
2 Dresden-Hosterwitz Sachsen 31,3 l/m² 45 %
3 Oberdachstetten Bayern 33,0 l/m² 58 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Lindenberg Brandenburg 283 Stunden 123 %
2 Manschnow Brandenburg 279 Stunden 122 %
3 Schipkau-Klettwitz Brandenburg 271 Stunden 123 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 186 Stunden 105 %
2 Lüdenscheid Nordrhein-Westfalen 186 Stunden 97 %
3 Nörvenich-Niederbolheim Nordrhein-Westfalen 187 Stunden 100 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-08-02 19:54:522024-08-04 20:04:54Deutschlandwetter im Juli 2024

Das Wetter bei den Olympischen Spielen 2024

1. August 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bis jetzt wurde das Wetter bei den Olympischen Spielen durch Unbeständigkeit geprägt. Am heutigen Donnerstag musste das Gehen-Rennen der Männer und in Folge auch der Frauen aufgrund von Wetter um eine halbe Stunde verschoben werden. Ein Gewitter zog über Paris hinweg. Mit im Gepäck ein kräftiger Regenguss. Der Triathlon der Frauen musste ebenfalls verschoben werden, um einen ganzen Tag. Aufgrund der Starkregenereignisse in den vorangegangenen Tagen wurde zu viel Schmutz aus der Stadt in die Seine geschwemmt, sodass die Wasserqualität für den Sport zu schlecht war. Durch den erhöhten Wasserstand des Flusses war die Strömung zudem stärker als erhofft, was zusätzlich Einfluss auf den Wettkampf hatte.
Im Bodendruckfeld sah und sieht die aktuelle Wetterlage recht unspektakulär aus. Es bestehen kaum Luftdruckgegensätze. Jedoch hatte sich über Frankreich eine schwül-heiße Luftmasse etabliert. In dieser Luft konnten die Temperaturen in der Stadt am Dienstag auf über 37 Grad klettern. Auch gestern wurde es mit bis zu 34 Grad heiß in Paris. In der aktuellen Bodenanalyse lässt sich zwischen Hochdruckgebieten eine schwache Tiefdruckrinne erkennen, die sich über den Norden Frankreichs gelegt hat. In dieser konvergenten Strömung konnte sich das schon angesprochene Gewitter entwickeln, dass heute Morgen bei den Wettbewerben für Verzögerungen geführt hat. Im Tagesverlauf muss auch weiter noch mit Schauern und Gewitter gerechnet werden. Der Schwerpunkt der Gewitteraktivität verlagert sich aber allmählich mit der Tiefdruckrinne ostwärts.

Nicht nur die hohen Tageshöchstwerte und zahlreiche Schauer und Gewitter haben den Sportlern und Fans in den letzten Tagen zu schaffen gemacht. Durch die hohen Taupunkte konnte sich die Luft bodennah in den Nächten nicht gut abkühlen. Sowohl in der Nacht zum Mittwoch als auch in der Nacht zum Donnerstag lagen die Minimumtemperaturen bei über 20 Grad. Diese sogenannten tropischen Nächte sind für den Körper besonders belastend, da die nächtliche Regeneration gehemmt wird. Dabei haben es die Athleten am Stadtrand angenehmer als die im Stadtzentrum. Bei einer Großstadt wie Paris ist das Stadtklima deutlich ausgeprägt. Die Minimumtemperatur in der Innenstadt lag in der vergangenen Nacht bis zu 4 Kelvin höher als beispielsweise am Wettkampfort der Reiter am Schloss von Versailles (siehe Abbildung 2). Ausschlaggebend für die erhöhten Tagesminima ist der Effekt der Städtischen Wärmeinsel. Die fehlende Vegetation und viele versiegelte Flächen sorgen tagsüber für eine stärkere Aufheizung der Oberflächen. Durch die vertikale Struktur der Häuser wird die Wärmestrahlung nachts zwischen den Häuserwänden reflektiert. Im Vergleich zur Umgebung erfolgt die Ausstrahlung also nicht so effizient und die Temperaturen in der Innenstadt können nicht so schnell sinken wie in der ländlicheren Umgebung.

In den kommenden Tagen wird es nicht mehr ganz so heiß. Rückseitig der abziehenden Tiefdruckrinne stellt sich eine nordwestliche Strömung ein. Mit dem Nordwestwind werden etwas kühlere Luft mit niedrigeren Taupunkten advehiert und die schwüle Luftmasse verdrängt. In der Nacht zum Freitag klingen letzte Schauer und Gewitter ab. Es herrscht zunächst aufgelockerte Bewölkung vor. Später ist es oft bedeckt. In den Frühstunden des Freitags kann es vor allem am Stadtrand teils neblig-trüb sein. Vereinzelt fällt etwas Sprühregen. Die Tiefstwerte liegen um 18 Grad. Anfangs weht mäßiger Nordwestwind, der im weiteren Verlauf der Nacht einschläft. Am Freitagvormittag wird es zunehmend sonnig. Tagsüber sind lockere Quellwolken vorherrschend und es besteht nur noch ein geringes Schauerrisiko. Der Schwerpunkt liegt dabei östlich der Seine. Die Temperaturen erreichen sommerliche 27 bis 29 Grad, bei schwachem bis mäßigen Nordwestwind. Zum Wochenende wird es dann zunehmend trockener. Schauer sind nur noch die Ausnahme. Bei einem Wechsel von Sonne und Wolken erreichen die Tageshöchstwerte um 25 Grad. Nachts kühlt es auf etwa 15 Grad ab.

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.08.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/08/DWD-Das-Wetter-bei-den-Olympischen-Spielen-2024.png 3114 4389 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-08-01 22:04:152024-08-04 20:04:44Das Wetter bei den Olympischen Spielen 2024

Nächtliche Temperaturgegensätze – des einen Freud, des anderen Leid

31. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit den ansteigenden Lufttemperaturen im Freien wurde auch die Wärme in den Innenräumen wieder ein mehr oder weniger belastendes Thema. Neben dem Verhindern einer starken Aufheizung der Räume tagsüber, ist es besonders wichtig die nächtlichen Stunden für einen Abkühlen der Wohnungen und Häuser zu nutzen.

Das Wetter spielte dabei aber nicht jedem in die Karten. Während im Norden und Osten in den beiden vergangenen Nächten die Temperatur zum Teil auf Werte unter zehn Grad sank, blieb sie in der Nacht zum Mittwoch in der Südwesthälfte örtlich die gesamte Zeit über der 20-Grad-Marke. Einige Stationen registrierten somit eine Tropennacht. Besonders warm war die vergangene Nacht in Stötten (BW) auf 734 Meter Höhe auf der Schwäbischen Alb. Mit 21,9 Grad Celsius war es an keiner Station des Messnetzes vom Deutschen Wetterdienst wärmer. Bemerkenswert ist der Tiefstwert des Feldbergs im Schwarzwald. Auch dort wurde mit 20,7 Grad Celsius auf immerhin knapp 1500 Meter Höhe eine Tropennacht registriert. Die bislang einzige Tropennacht 2024 an dieser Stelle. Am Fuß des Schwarzwaldes im Oberrheingraben auf 200 bis 300 Meter sanken die Temperaturen dagegen auf Werte um 18 Grad ab. Alle Stationen in Deutschland mit einer Tropennacht lagen oberhalb von 450 Metern.

Bei windschwachen Nächten ist diese Temperaturverteilung mit den höchsten Minima in mittleren und teilweise sogar hohen Lagen und niedrigeren Werten in den Tälern üblich. Durch den schwachen Wind fehlte die Durchmischung der verschiedenen Luftschichten und die kältere und damit relativ schwere Luft konnte sich in den Tälern sammeln. Diese dem Normalen verkehrte oder auch inverse Temperaturschichtung nennt man Inversion.

Dem gegenüber standen Regionen im Norden und Osten Deutschlands, die einstellige Nachtwerte meldeten. Besonders kühl war die Nacht zum Dienstag. In Brandenburg sanken die Temperaturen bis auf 7 Grad (Schipkau-Klettwitz 7,2 Grad), noch kühler war es in prädestinierten Tallagen im Erzgebirge. In Deutschneudorf-Brüderwiese stoppte das Thermometer erst bei 3,8 Grad. In der Nacht zum Mittwoch sanken die Temperaturen in Nordfriesland unter die 10 Grad-Marke. Am kühlsten war es in Hattstedt (SH) mit 9,4 Grad.

Die tiefen Temperaturen waren möglich, weil es zum einen sternenklar war und die Wärme über Strahlung gut an das Weltall abgegeben werden konnte. Weitere Gründe waren der angesprochene schwache Wind und relativ trockene Luft. Denn die Luft kann sich nur soweit abkühlen, bis sie vollständig gesättigt ist, sprich bis zum Taupunkt. Eine weitere Abkühlung ist dann nur möglich, wenn Feuchtigkeit abgegeben wird zum Beispiel durch Tau an Vegetation oder Reif in Frostnächten.

In der kommenden Nacht bleibt es bei der bekannten Temperaturverteilung. Besonders in den Regionen, wo es tagsüber nicht ganz so warm war, also im Norden, sinken die Werte wieder nahe oder sogar unterhalb der 10-Grad-Marke. Im Südwesten wird es dagegen erneut örtlich zu einer Tropennacht kommen. Das Kühlen der Räume wird also weiterhin im Süden erschwert. Erst im Laufe der Woche werden auch im Süden die Nächte kühler.

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/08/DWD-Naechtliche-Temperaturgegensaetze-–-des-einen-Freud-des-anderen-Leid.png 989 949 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-31 20:49:372024-08-04 20:04:30Nächtliche Temperaturgegensätze – des einen Freud, des anderen Leid

Aus den Augen, aus dem Sinn? – (Sturm-)Tief KIRSTI

30. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Eine mehrtägige, landesweite Hochdruckphase – das gab es die letzten Wochen beziehungsweise besser Monate kaum. Aber nun ist Hoch HALIL da, das bereits am gestrigen Montag verbreitet für ruhiges und sonniges Sommerwetter sorgte. Dem steht der heutige Dienstag in nichts nach, ganz im Gegenteil: Mit verbreitet 28 bis 35 Grad wird es noch ’ne ganze Ecke wärmer. Die Zeichen stehen also auf Freibad-, Badesee- und Eisdielenbesuch.

Ganz anders sah es am vergangenen Wochenende aus. Im Bereich einer quer über Deutschland liegenden Luftmassengrenze kam es zu kräftigen Regenfällen. Los ging es bereits in der Nacht zum Samstag als ein kleinräumiges Tief entlang der Luftmassengrenze nordostwärts zog und so in einem Streifen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland bis nach Thüringen und den Norden Sachsen-Anhalts verbreitet 15 bis 30 l/qm in wenigen Stunden brachte, wobei lokal auch noch deutlich mehr gemessen wurde. Ähnliche Mengen gab es auch in der Nacht zum Sonntag, als mit KIRSTI bereits das nächste Tief über die Mitte des Landes ost-/nordostwärts zog. Dieses Mal war sogar ein noch größeres Gebiet betroffen, das sich etwa von der Eifel und dem Schwarzwald bis zur Oder aufspannte. In einem Streifen vom Harz bis in den Berliner Raum kamen sogar 30 bis rund 60 l/qm Regen innerhalb weniger Stunden vom Himmel.

Nachdem KIRSTI Sonntagfrüh ostwärts abgezogen war, sorgte HALIL von Westen her für eine zunehmende Wetterberuhigung. So weit, so gut: HALIL ist nun in aller Munde und für KIRSTI gilt eher der Ausspruch „Aus den Augen, aus dem Sinn.“. Dabei war es durchaus wichtig, seinen Blick auch weiterhin auf dieses Tief zu halten. Im Laufe des Sonntags mauserte sich KIRSTI nämlich zu einem optisch höchst ansprechendem Wolkenwirbel.

Da könnte man glatt vergessen, dass es dabei um die Entwicklung eines ausgewachsenen Sturmtiefs handelte – ein dort für die Jahreszeit eher seltenes Ereignis. Dessen volle Wucht bekam vor allem das Baltikum zu spüren. Einige lettische Stationen meldeten Regenmengen von 50 bis 100 l/qm in gerade einmal 12 Stunden! In Riga beispielsweise fielen zwischen Sonntagabend und Montagmorgen 97,2 l/qm in 12 Stunden. Normalerweise fallen dort knapp 80 l/qm – im gesamten Juli wohlgemerkt! Der lettische Wetterdienst hatte im Vorfeld für Riga und weitere Teile des Landes die höchste Warnstufe ausgegeben.

Dazu kommt – was ein Sturmtief letztlich ausmacht – natürlich noch der Sturm. Auf seinem Weg ins Baltikum beziehungsweise nach Osteuropa sank der Druck im Kern des Tiefs bis Montagvormittag auf 992 hPa. Über Deutschland zeigten die Barometer dank Hoch HALIL dagegen bis zu 1026 hPa, es hatte sich also ein ordentlicher Druckgradient entwickelt. In der Folge kam es in weiten Teilen Litauens und in der Westhälfte Lettlands wiederholt zu Sturmböen zwischen 65 und 85 km/h. In Riga wurden um 4 Uhr Montagfrüh sogar knapp 100 km/h gemessen.

Medienangaben zufolge waren durch den Sturm in Lettland und Litauen rund 200.000 Haushalte ohne Strom. Dazu wurden Bäume entwurzelt und in Folge der hohen Regenmengen kam es zu Überflutungen. Traurigerweise wurde in der Nähe von Vilnius ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen. Mittlerweile ist KIRSTI nach Russland abgezogen und hat sich dabei deutlich abgeschwächt. Damit gelangt das Baltikum nun auch in den Einflussbereich von Hoch HALIL und das Wetter beruhigt sich. Ob in der Region für das Sturmtief aber ebenfalls der Ausspruch „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ gilt, darf bezweifelt werden…

Diplom Meteorolge Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Sturm-Tief-KIRSTI.png 720 716 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-30 20:46:262024-08-04 20:04:18Aus den Augen, aus dem Sinn? – (Sturm-)Tief KIRSTI

W:O:A 2024

29. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Was im Jahr 1990 in noch kleinem Rahmen und einer Kiesgrube begann, entwickelte sich rasch zu einem der größten Heavy-Metal-Festivals Europas – das Wacken Open Air. Seit gestern kann man auf das Festgelände und dem Ruf folgten einige Tausend begeisterte Fans. Ab Mittwoch gibt es die ersten Livekonzerte. In der Vergangenheit gab es während der Veranstaltung am ersten Augustwochenende häufig Regen oder Schauer und Gewitter. Diese weichten Wiesen und Wege auf und sorgten nicht selten für unfreiwillige Schlammbäder. Im letzten Jahr mussten die Veranstalter sogar die Zufahrt aufgrund schlechten Wetters sperren.

In diesem Jahr hat eine schwäbische Firma mehrere Tausend Quadratmeter Aluminiumplatten verlegt, damit mögliche Regenfälle den Untergrund nicht aufweichen und die Festivalbesucher weitgehend schlammfrei durch das verlängerte Wochenende kommen.

Dabei sind die Wetteraussichten dieses Jahr gar nicht so schlecht. Die ersten Tage sind bestimmt von Hochdruckeinfluss samt Wärme und Sonne. Schwacher bis mäßiger nördlicher Wind sorgt für Abkühlung in den Nächten. Ab Wochenmitte lässt der Hochdruckeinfluss nach. Die Luft wird mit zunehmend westlicher Strömung deutlich angefeuchtet. Allerdings liegt der Norden Deutschlands noch im Bereich des höheren Luftdrucks und unter einem Höhenkeil. Damit sind trotz zunehmender Wolken in eher stabiler Schichtung keine Schauer zu erwarten.

In der Nacht zum Freitag nähert sich ein Trog von Westen her und es ziehen dichtere Wolken auf. Erste Schauer können den Weg in den Kreis Steinburg finden. Gewitter sind derzeit eher unwahrscheinlich, die feucht-warme Luft hält sich mehr über der Mitte und dem Süden Deutschlands auf. Nach Norden hin ist die Luft stabiler und relativ gesehen trockener, sodass nur einzelne Schauer auftreten. Am Freitag selbst schwenkt der Trog von West nach Ost über das Land hinweg. Dabei sind wiederholt Schauer möglich. Die Intensität ist jedoch gering. Gegen Nachmittag brechen die Wolken zusehends auf und es trocknet ab.

Allerdings liegt am Wochenende ein Tiefdruckgebiet bei den Britischen Inseln. Es führt aus Südwesten feucht und warme Luft in die Region. Ab Samstagmittag steigt die Gefahr von Schauern und gegen Abend sind einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. In der Nacht zum Sonntag zieht aus heutiger Sicht eine Frontalzone von West nach Ost über die Region. Dann sind verbreitet Regenfälle zu erwarten, wenn auch nur leichter Natur. Am Sonntag tagsüber beruhigt sich die Lage wieder.

Wer sich also auf ein Schlammbad in Wacken freut, der muss bis zum Wochenende warten. Die Aussichten stehen dann nicht so schlecht.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-WOA-2024.png 653 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-29 18:37:542024-08-04 20:04:06W:O:A 2024

Arbeiten bei problematischen Wetterlagen

29. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wetterbedingte Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz

Die Natur kennt kein schlechtes Wetter, aber manchmal treten unvorhersehbare Situationen auf.. Angesichts des sich verändernden Klimas und ungünstiger Wetterbedingungen wird die Gewährleistung der Sicherheit am Arbeitsplatz noch wichtiger. Welche problematischen Wetterlagen gibt es und was ist zu tun?

Die Klima- und Naturfrage ist heute wirklich höchst aktuell. Dadurch entstehen immer mehr Stellenangebote im Naturschutz für Quereinsteiger, die für euch interessant und für unseren Planeten von großer Bedeutung sein könnten.

Wetterbedingte Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz

Wetterbedingte Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz

Problematische Wetterlagen

Produktive Arbeit erfordert komfortable Arbeitsbedingungen. Dabei berücksichtigen wir das Wetter selten, was ein Fehler ist. Extreme Hitze, Kälte, starker Wind, Regen, Schnee und Eis können zu gefährlichen Situationen führen, die geeignete Maßnahmen erfordern. Hier findet ihr nützliche Tipps für mögliche Situationen, um Wetterschutz zu gewährleisten – kurz und klar

Extreme Hitze

Arbeiten unter extremen Hitzebedingungen erfordert besondere Aufmerksamkeit für Sicherheitsmaßnahmen, um Hitzschlag, Austrocknung und andere hitzebedingte Probleme zu vermeiden. Was zu tun ist:

  • Zugang zu Trinkwasser sicherstellen.
  • Leichte und atmungsaktive Kleidung verwenden.
  • Ventilatoren nutzen.
  • Pausen in schattigen oder kühlen Räumen organisieren.
  • Die Anzeichen von Hitzschlag und Austrocknung sowie die Erste-Hilfe-Maßnahmen untersuchen.
  • Wetter-Apps verwenden.

Wenn die Lufttemperatur im Büro über 26 Grad liegt, muss der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Es wäre besonders gut, einen Arbeitsplan zu haben, der es euch ermöglicht, die heißesten Stunden des Tages zu vermeiden. Als „unzumutbare“ Hitze am Arbeitsplatz gelten nur die Büro-Temperaturen ab 35 Grad.

Extreme Kälte

Kälte kann ebenfalls ernsthafte Probleme verursachen. Um Erfrierungen, Unterkühlung und andere Kälteprobleme zu vermeiden, ist Folgendes notwendig:

  • Für warme Kleidung und Schuhe sorgen.
  • Heizungen und andere Mittel verwenden, um eine angenehme Temperatur am Arbeitsplatz aufrechtzuerhalten.
  • Beheizte Bereiche für Pausen organisieren.
  • Geräte und Werkzeuge verwenden, die die Notwendigkeit eines längeren Kontakts mit kalten Oberflächen minimieren.
  • Warme Getränke trinken und kalorienreiche Lebensmittel essen, um Energie zu erzeugen.
  • Alkohol und Koffein vermeiden, die zur Austrocknung beitragen können.
  • Mitarbeiterschulungen zum Erlernen der Anzeichen von Erfrierungen und Unterkühlung sowie der Erste-Hilfe-Maßnahmen für Erkältungsverletzungen.

Auf diese Weise kann das Risiko von Erkältungen erheblich reduziert und die Sicherheit bei extremer Kälte gewährleistet werden.

Starker Wind

Starker Wind kann ebenfalls Verletzungen und andere Gefahren verursachen. In diesem Fall solltet ihr:

  • Schutzbrillen und Helme verwenden.
  • Alle leichten und beweglichen Gegenstände sichern.
  • Die Arbeit auf Höhe begrenzen.
  • Es vermeiden, in oder in der Nähe von instabilen Objekten zu arbeiten, die vom Wind abgetragen werden können.
  • Häufige Pausen an windgeschützten Orten organisieren und die windigsten Perioden des Tages vermeiden.
  • Anzeichen von windbedingten Gefahren sowie Erste-Hilfe-Maßnahmen für durch Wind verursachte Verletzungen untersuchen.
  • Regelmäßig die Wettervorhersage überprüfen und darauf vorbereitet sein, dass sich die Bedingungen ändern.

Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist auch sehr wünschenswert. Denkt daran, dass ihr bei starker Witterungsbeeinträchtigung die Arbeit unterbrechen müsst!

Starkregen

Solche Bedingungen können romantisch wirken, jedoch nur, wenn ihr zu Hause oder in einem komfortablen Büro arbeitet. Für andere Fälle gibt es grundlegende Empfehlungen:

  • Wasserdichte Kleidung und Schuhe, Kopfbedeckung und Handschuhe verwenden.
  • Man muss sicherstellen, dass die Arbeitsbereiche über ein gutes Entwässerungssystem verfügen, um Wasseransammlungen zu verhindern.
  • Auf rutschigen Oberflächen und in der Nähe von elektrischen Leitungen nicht arbeiten.
  • Sicherstellen, dass alle elektrischen Geräte isoliert und vor Wasser geschützt sind.
  • Häufige Pausen an trockenen und regengeschützten Orten vereinbaren.
  • Sich über Bedrohungsmaßnahmen informieren.
  • Gefahrenzeichen und Hilfe bei regnerischen Witterungsfällen untersuchen.

Wie überall, ist hier Wetterüberwachung auch sehr wichtig. Man muss mit der aktuellen Wettervorhersage auf dem Laufenden bleiben.

Schneereiches und eisiges Wetter

Schneereiches und eisiges Wetter

Schneereiches und eisiges Wetter

Wir lieben schöne Winter mit Schnee, aber sie können auch unerwartete Herausforderungen mit sich bringen. Was ist zu tun?

  • Der Wettervorhersage folgen.
  • Warme und wasserdichte Kleidung und rutschfeste Schuhe im Voraus vorbereiten.
  • Eine spezielle Brille oder Maske verwenden, um das Gesicht vor Schnee und Wind zu schützen.
  • Aufgrund der geringeren Sichtbarkeit bei schlechtem Wetter, reflektierende Elemente auf der Kleidung verwenden oder eine Taschenlampe tragen.
  • Regelmäßig Schnee und Eis in den Arbeitsräumen reinigen.
  • Frostschutzmittel verwenden.
  • Sich vorsichtig bewegen und nicht beeilen, um Stürze und Verletzungen zu vermeiden.
  • Sich mit den Regeln für das Verhalten bei Schneestürmen vertraut machen.

So kann man unangenehme Folgen trotz der Schwierigkeiten bei solchem Wetter vermeiden.

Verantwortlichkeit

Bei schlechtem Wetter ist die Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen bei der Arbeit von größter Bedeutung.

Die Rolle des Arbeitgebers besteht hier darin, zu lernen und zu informieren, die notwendigen Mittel und Notfallpläne bereitzustellen, Frühwarnsysteme zu verwenden und den Arbeitsprozess zu organisieren.

Zu den Aufgaben des Mitarbeiters gehören die Einhaltung der Anweisungen, die Verwendung von Schutzmitteln und die Meldung von Problemen.

Die aktive Beteiligung von Arbeitgebern und Mitarbeitern an der Arbeitsplatzsicherheit trägt dazu bei, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen und die Arbeitseffizienz zu verbessern.

Bild von Egor Myznik auf unsplash.com
Bild von Fahrizal Dido Rachmansyah auf unsplash.com

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/wetterbedingte-sicherheitsmassnahmen-am-arbeitsplatz.jpg 717 1077 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-29 13:50:302024-08-04 20:03:55Arbeiten bei problematischen Wetterlagen

Kurzes Hitzeintermezzo!

28. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Während es am Samstag in Verbindung mit einer quer über Deutschland liegenden Luftmassengrenze zu teils kräftigen Regenfällen kam, beruhigt sich das Wetter am heutigen Sonntag rasch wieder. Verantwortlich hierfür ist Hoch „HALIL“, das sich in Richtung Mitteleuropa verlagert. Damit kann sich die eingeflossene kühle Meeresluft mit zunehmenden Sonnenanteilen allmählich erwärmen.

Zu Wochenbeginn legt sich „HALIL“ direkt über Deutschland und sorgt bei uns für lupenreines Hochsommerwetter. Dabei kann sich die Luft vor allem in den Niederungen im Südwesten bereits auf um oder knapp über 30 Grad erwärmen. Im Norden und Nordosten sind einzelne harmlose Quellwolken unterwegs. Aber auch hier überwiegt der freundliche Gesamteindruck. Allerdings sind dort die Temperaturen mit nur knapp über 20 Grad gedämpft. Ansonsten werden verbreitet 24 bis 31 Grad erreicht. Bei einem Besuch im Freibad oder bei längerem Aufenthalt im Freien um die Mittagszeit sollte dabei unbedingt an geeigneten Sonnenschutz gedacht werden, da der  in der trockenen und teils sehr klaren Luftmasse erhöht ist.

Am Dienstag verlagert sich das Hoch „HALIL“ langsam nach Osten. Damit gelangt auf dessen Westseite heiße und auch wieder etwas feuchtere Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum in den Südwesten und Westen Deutschlands. Somit steigen die Temperaturen dort verbreitet auf 30 bis 35 Grad an. Nur im äußersten Norden und Nordosten bleibt es mit Höchstwerten um 25 Grad angenehmer. Dazu dominiert der Sonnenschein. Das Schauer- und Gewitterrisiko bleibt auch im Südwesten über dem Bergland sehr gering. Grund dafür ist eine stabile Schichtung in der mittleren Troposphäre. Diese entsteht aufgrund von Absinkbewegungen durch einen flachen  über Deutschland.

In der Nacht zum Mittwoch gehen dann die Temperaturen vor allem in den Ballungsräumen im Südwesten nur langsam zurück. Damit wird dort örtlich eine Tropennacht mit Tiefsttemperaturen von über 20 Grad erwartet. In Richtung Nordosten kann es aber in der deutlich trockeneren Luftmasse besser auskühlen, sodass dort die Tiefsttemperaturen auf teils sogar unter 15 Grad absinken werden.

Zur Wochenmitte verabschieden sich unser Hochsommerhoch „HALIL“ sowie der dazugehörige Höhenrücken allmählich nach Osten. Damit gelangen wir auf die Vorderseite eines flachen  über Westeuropa in eine südwestliche Strömung. Somit können sich am Mittwoch im Tagesverlauf bevorzugt im Bereich der südwestdeutschen Mittelgebirge erste, teils kräftige Schauer und Gewitter entwickeln. Diese können örtlich auch unwetterartig ausfallen. In der Nacht zum Donnerstag sowie am Donnerstag tagsüber treten dann von Westen her verbreiteter Schauer und kräftige Gewitter auf. Damit wird pünktlich zum Start in den letzten meteorologischen Sommermonat wieder eine wechselhafte und kühlere Wetterphase eingeleitet!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-Kurzes-Hitzeintermezzo-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-28 18:41:502024-08-04 20:03:43Kurzes Hitzeintermezzo!

Die Olympischen Spiele sind eröffnet und der Himmel weint!

27. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am gestrigen Freitagabend wurden um 22:53 Uhr die 33. Olympischen Spiele in Paris von Präsident Emmanuel Macron offiziell eröffnet. Dabei zog die Eröffnungsshow die internationalen Medien in den Bann. Allerdings wurde die atemberaubende und spektakuläre Zeremonie von teils kräftigem Dauerregen überschattet, sodass das Regencape das wichtigste Utensil des Abends darstellte. Laut den verschiedenen Messstationen in und um Paris kamen während der Eröffnungsveranstaltung um 10 Liter Regen pro Quadratmeter vom Himmel. Südlich von Paris waren es gebietsweise sogar 15 bis 30 l/qm in 6 Stunden, in Eole-Viabon 33 l/qm/6h (vgl. Abb. 1a).

Verantwortlich für das regnerische Wetter war der Tiefausläufer von Tief JOHANNA, welches bei Island seine Kreise dreht. Ausgehend von diesem zog sich eine Luftmassengrenze über Norwegen, Schweden, Polen und Deutschland hinweg bis nach Paris. Sie trennt dabei kühlere Atlantikluft im Norden von sehr warmer Subtropikluft südlich des Tiefausläufers. Da sich an der Luftmassengrenze getreu dem Motto der Olympischen Spiele die warme und die kalte Luft duellieren, kommt es zu Wellen und der Bildung kleinräumiger Tiefs, welche die Niederschläge regional noch intensivieren können (vgl. Abb. 2).

 

Die gleiche Luftmassengrenze war schließlich auch über Deutschland aktiv. Ab dem frühen Freitagabend erfassten kräftige Niederschläge auch den Südwesten und Teile der Mitte von Deutschland. Vor allem im Umfeld der Mosel und der Lahn sowie von Wittgenstein bis nach Kassel regnete es ordentlich. Die Station Burgwald-Bottendorf im Landkreis Waldeck-Frankenberg registrierte über 6 Stunden 56 l/qm. Aber auch in Breidenbach (Marburg-Biedenkopf) und Winningen (Mayen-Koblenz) fielen beachtliche 29 l/qm/6h (Vgl. Abb. 1b).

Zurück zum sportlichen Hotspot dieser Tage. Im Raum Paris bleibt es auch am heutigen Samstag nicht trocken. Die Luftmassengrenze bleibt zunächst noch stabil und recht stationär und tangiert den Hauptschauplatz der Olympischen Spiele am Rande. Resultierend kommt es bei vielen Wolken immer wieder zu Regenfällen (vgl. Abb. 3).

 

Doch der Regen ist zunehmend angezählt. Denn vom Ostatlantik macht sich das Hoch HALIL auf den Weg in die südliche Nordsee bzw. Norddeutschland. Resultierend wird die Luftmassengrenze nach Süden Richtung Alpen abgedrängt, wo ihr schließlich die Kraft ausgeht und sich auflöst. Frankreich und somit auch Paris liegen demnach auf der Süd- bzw. Südwestflanke von HALIL und auf der Ostflanke einer schwachen Tiefdruckzone über der Iberischen Halbinsel und dem Golf von Biskaya. In der Folge gelangt aus dem westlichen und zentralen Mittelmeerraum zunehmend sehr warme bis heiße Luft bis nach Paris (vgl. Abb. 4). Am Sonntag werden schon Höchstwerte um 26 Grad erwartet. Am Montag klettern die Temperaturen dann auf rund 31 Grad. Unter Hochdruckeinfluss lösen sich zudem die Wolken auf und die Sonne kann vom nahezu wolkenlosen Himmel strahlen. Am Dienstag soll die Hitze in Paris bei Werten um 34 Grad ihren Höhepunkt erreichen. Neben der Hitze nimmt aber auch die Schwüle deutlich zu. Im Tagesverlauf mehren sich zudem die Quellwolken am Himmel und das Gewitterrisiko nimmt deutlich zu.
Auch in Deutschland sorgt Hoch HALIL für ein heißes Hochsommerintermezzo. Von Sonntag bis Mittwoch kann rund drei Tage die Sonne strahlen und die Temperaturen vorübergehend auf sommerliche bis heiße Werte von 25 bis 35 Grad (Dienstag) hieven.

Der Blick zu den Olympischen Spielen nach Paris ist grundsätzlich aber etwas zu kurz gedacht. Denn zahlreiche Wettkämpfe finden über Frankreich verteilt oder sogar in Übersee statt. Daher nun auch ein kurzer Wetterblick über den Tellerrand hinweg. Neben dem Großraum Paris finden in Frankreich Wettkämpfe in Lille (Handball, Basketball), Marseille (Segeln, Fußball), Nantes (Fußball), Saint-Étienne (Fußball), Nizza (Fußball), Lyon (Fußball) und Bordeaux (Fußball) statt.
Am Sonntag liegen vor allem die Städte im Westen und Norden auf der sonnigen Sommerseite. Rund um die Alpen und das Zentralmassiv sind dagegen im Tagesverlauf Quellwolken mit Schauer und einzelnen Gewittern möglich. In deren Einflussbereich wären demnach vor allem die Spielstätten in Lyon, Saint-Etienne und Nizza. Im Südosten Frankreichs sowie an der Atlantikküste bei Bordeaux steigen dabei die Temperaturen schon auf 30 bis 36 Grad.
Am Montag bleiben die Regionen von den Pyrenäen über das Zentralmassiv bis zu den Alpen im Wetterfokus. Im Tagesverlauf sind dort erneut Schauer und teils kräftige Gewitter möglich. Von der Atlantikküste bis nach Benelux sollte es dagegen nochmals ein recht sonniger Hochsommertag werden. Dabei wird in Frankreich bei Temperaturen zwischen 27 Grad an der Nordsee und bis 39 Grad im Südwesten der wohl heißeste Tag der Woche erwartet.
Am Dienstag wird es bei Temperaturen in der Spitze zwischen 28 und 36 Grad zwar landesweit nochmals heiß, doch die Sonne bekommt zunehmend Probleme, sich gegen die dichtere Quellbewölkung durchzusetzen. Stattdessen muss überall mit Schauern und einzelnen kräftigen Gewittern gerechnet werden. Allenfalls Marseille scheint etwas außen vor.

Zum Schluss noch ein Schlenker nach Tahiti, wo die Surfwettbewerbe stattfinden. Französisch-Polynesien liegt im Südpazifik etwa mittig zwischen Australien und Südamerika (etwas dichter an Australien). Obwohl auf der Südhalbkugel derzeit Winter herrscht, macht sich auf Tahiti das warme Pazifikwasser bemerkbar und produziert zunächst stetig Höchstwerte um 26 Grad. Allerdings sorgt die feuchte Luft auf jeden Fall bis Mittwoch wohl jeden Tag für Schauer und Gewitter. Nicht zu vergessen der Wind, der beim Surfen von wesentlicher Bedeutung ist. Durch ein Tief südwestlich von Tahiti weht dieser durchaus kräftig aus Ost und erreicht in Böen auch abseits von Gewittern 55 bis 85 km/h (Bft 7-9).

Diplom Meteorologe Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Riesige Waldbrände in Kanada

26. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Eigentlich ist Kanada ja aus europäischer Sicht ein wunderschönes Reiseziel. Besonders die landschaftliche Schönheit der Rocky Mountains – gerade in den Nationalparks, die auch aus diesem Grunde Nationalpark sind – kann es einem antun. Vielleicht gibt es ja in dieser Rubrik sogar Leserinnen oder Leser, die z.B. dem Jasper-Nationalpark einen Besuch abgestattet haben. Dort befindet sich u.a. auch gleichnamige Städtchen mit gut 4000 Einwohnern.

Falls Sie also schon einmal dort gewesen sind und den Ort in Erinnerung behalten haben, so bewahren Sie sich diese gut auf. Denn Jasper gibt es, so wie es existiert hat, nicht mehr. Große Teile der Stadt brannten im Laufe des Mittwochs binnen kurzer Zeit bis auf die Grundmauern nieder.

Schuld daran waren mehrere Waldbrände, die seit wenigen Tagen im Nationalpark wüten und nun schlussendlich auf die Stadt übergriffen. Sie umfassen mittlerweile eine Fläche von etwa 360 km². Im Falle dieser Brände ist die Entstehungsursache noch unklar. In den allermeisten Fällen spielt aber immer menschliches Fehlverhalten in Form von fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung eine entscheidende Rolle.

Die Brände im Jasper-Nationalpark sind aber bei Weitem nicht die einzigen aktiven Wildfeuer. Bereits im Mai dieses Jahres brachen vor allem in den westlich gelegenen Provinzen Alberta und British Columbia erneut zahlreiche Waldbrände aus. Diese kamen zusätzlich zu im Frühjahr wieder aufgefachten Brandherden, die noch aus dem Jahr 2023 stammen, hinzu. Begünstigt wurde das alles durch eine wochenlang bestehende bzw. sich wiederholt regenerierende Hochdrucklage die in den betroffenen Landesteilen für teils extreme Trockenheit gesorgt hat.

Die Summe an Emissionen von Brandgasen ist dabei mittlerweile so hoch, dass die Rauchwolke im Laufe dieser Woche sogar schon über den Atlantik bis zu uns nach Mitteleuropa vordringen konnte. Wenngleich die Konzentration in der Atmosphäre gering war, so war sie doch signifikant genug, um in den Modellen und auf Satellitenbildern sichtbar zu werden. Problematisch sind vor allem die riesigen Mengen emittierten CO2. Alleine im letzten Jahr wurden fast 480 Megatonnen freigesetzt – das fünffache der üblichen durchschnittlichen Menge. Dazu kommen verursachte gesundheitliche Schäden durch die schlechte Luftqualität, die auch in großen Städten wie z.B. Edmonton zu Beeinträchtigungen führt.

Alleine in der Provinz Alberta sind aktuell noch 175 Brände aktiv, über 50 davon laut Angaben der dortigen Behörden „außer Kontrolle“. Es ist also zu erwarten, dass sich die Lage in den nächsten Wochen und Monaten nicht sonderlich bessern dürfte. Zumal es, um der Lage Herr zu werden, auch einer Gesamtumstellung der nordhemisphärischen Zirkulation bedarf, bei der sich neue Strömungsmuster einstellen, die für den Westen Kanadas deutlich mehr Niederschläge bringt, als es in den letzten gut 12 Monaten der Fall gewesen ist. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Ereignisse des Jahres 2023 nicht direkt wiederholen.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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