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Regen in Sicht?!

10. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Das vielerorts sehr trockene und hochsommerliche Wetter setzt sich auch in dieser Woche fort. Dafür verantwortlich ist eine umfangreiche Hochdruckzone namens „Oscar“, die sich mit verschiedenen Schwerpunkten von den Azoren über die Britischen Inseln und die Nordsee bis nach Nordwestrussland erstreckt. Diese drängt aktuell atlantische Tiefausläufer zuverlässig nach Norden ab. Während also in den kommenden 24 Stunden an der Küste Norwegens strichweise über 100 Liter pro Quadratmeter (kurz: l/qm) Regen fällt, setzt sich bei uns das vielfach sonnige und hochsommerlich warme Wetter fort.

Hoffnung auf großflächige Niederschläge gibt es in Deutschland weiterhin keine und somit ist auch eine Linderung der aktuell vorherrschenden Trockenheit nicht in Sicht. Dabei wäre eine längere „Abkühlung“ dringend nötig.

Dies zeigt auch die bisherige Niederschlagsbilanz des Sommers. Im Flächenmittel kamen seit 01. Juni 2022 rund 103 Liter pro Quadratmeter vom Himmel. Was in Norwegen jetzt innerhalb eines Tages niedergeht, sah Deutschland also in 2,5 Monaten. Auch der Vergleich zu anderen trockenen Sommern in Deutschland spricht Bände: Im Jahr 1911 fielen im Schnitt 124 l/qm, im Jahr 2018 waren es knapp 130 l/qm. Theoretisch ist es also noch möglich, dass der aktuelle Sommer rekordverdächtig wird. Im klimatologischen Mittel (1961-1990) sollen hierzulande übrigens im Flächenmittel 239 l/qm an Regen fallen. Davon gab es bisher erst rund 43%.

Wann ist der nächste Regen nun in Sicht?

Am Freitag und am Wochenende nähert sich von Osteuropa her ein Tief, das meist nur in höheren Luftschichten ausgeprägt ist. Dadurch bilden sich im Osten und Südosten tagsüber einige Quellwolken, aus denen es zumindest vereinzelt auch mal schauern oder blitzen kann. Flächige Niederschläge werden aber erst einmal nicht erwartet. Stattdessen legen die Höchstwerte im Wochenverlauf bei viel Sonnenschein noch etwas zu und steigen im Westen auf Werte von rund 34 Grad.

Zum Start in die neue Woche deutet sich in den aktuellen Modellprognosen ein möglicher „Lichtblick“ in Form eines Wetterwechsels an. Dann könnte auch bei uns tiefer Luftdruck vom Nordostatlantik her wieder vermehrt für Schauer und Gewitter sorgen. Wie viel Regen der tiefe Luftdruck bringt, ist allerdings noch sehr unsicher. Dies zeigt sich deutlich, wenn man den gestrigen Modelllauf des IFS (Wettermodell des Europäischen Zentrums für Mittelfristvorhersage) mit dem heutigen Vergleich. Dargestellt in der Grafik zum Thema des Tages (siehe https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2022/8/10.html) sind dabei die akkumulierten Niederschlagsmengen bis Donnerstag in einer Woche (18.08.2022). Insbesondere im Süden und Osten konnte man nach dem gestrigen Lauf (linke Abbildung) noch gebietsweise 20 bis 30 l/qm erwarten, in der Spitze waren es am Alpenrand sogar über 80 l/qm. Den aktuellen Modellprognosen vom 10.08. nach zu urteilen, bleibt es im Osten nun nahezu vollständig trocken, am Alpenrand werden örtlich noch rund 10 l/qm vorhergesagt.

Das Fazit? Die Chancen auf Regen sind in der kommenden Woche durchaus gegeben. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Für eine detaillierte Beschreibung des Wetterablaufs ist es aber aus heutiger Sicht noch etwas zu früh.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/08/DWD-Regen-in-Sicht.png 720 1146 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-08-10 17:21:542022-08-10 17:28:22Regen in Sicht?!

Was ist eine Fallböe?

9. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Auch wenn Unwetter diesen Sommer vergleichsweise selten sind, so traten am Freitag im Vorfeld von einer Kaltfront besonders im Süden dennoch einige schwere Gewitter auf. Eines davon traf am Freitagabend Bad Wurzach in Oberschwaben. Dabei wurde ein Hallendach abgedeckt und ein Schaden in Millionenhöhe verursacht. Schnell machte der Verdacht eines Tornados die Runde. Nähre Untersuchungen konnten dies jedoch nicht bestätigen. Doch ein weiteres Phänomen, das in Zusammenhang mit schweren Gewittern steht und häufiger vorkommt als Tornados, scheint in diesem Fall wahrscheinlicher. Die Rede ist von sogenannten „Fallböen“ (engl. Downburst).

Obwohl Fallböen ebenso starke Schäden verursachen können wie Tornados, sind sie dennoch vielen Leuten unbekannt. Fallböen sind wie auch Tornados meist mit schweren Gewittern verbunden, wobei auch bei den Fallböen die stärksten Ereignisse häufig im Zusammenhang mit rotierenden Gewitterzellen, den sogenannten „Superzellen“, auftreten. Dennoch unterscheiden sich Fallböen physikalisch wesentlich von Tornados. Tornados sind stark rotierende Luftwirbel mit vertikaler Drehachse, die sich aus einer Schauer- oder Gewitterwolke entwickeln und Verbindung mit dem Boden aufnehmen. Oft sieht man dabei ausgehend von der Gewitterwolke einen bis zum Boden reichenden auskondensierten rotierenden Wolkentrichter oder Schlauch. Downbursts oder Fallböen hingegen entstehen, wenn kalte Luft in einem Gewitter nach unten fällt, auf den Boden trifft und sich dort in linearer Richtung ausbreitet. Dabei können Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 km/h erreicht werden.

Doch wie genau kommt es zu dieser fallenden kalten Luft? Innerhalb starker Gewitter bilden sich in den höheren Wolkenschichten oft größere Hagelkörner. Haben diese eine gewisse Größe erreicht, kann sie der Aufwind in der Gewitterwolke nicht mehr in der Wolke halten und sie beginnen herab zu fallen. Beim Fallen gelangen die Hagelkörner in tiefere und wärmere Luft. Sie beginnen zu schmelzen, sobald die Lufttemperatur über den Gefrierpunkt steigt. Zum Teil entstehen dabei Regentropfen. Fallen diese in trocknere Schichten, setzt schnell Verdunstung ein. Dies geht umso schneller, je trockener die Luft ist. Sowohl beim Schmelzen des Hagels, als auch bei der Verdunstung der Regentropfen wird der Luft Energie in Form von Wärme entzogen, wodurch sie sich abkühlt. Da nun die kalte Luft schwerer ist, als die umgebende Warmluft, wird sie nach unten beschleunigt und trifft dann irgendwann auf den Boden. Von weitem sieht es oft so aus, als ob ein „Sack“ aus dem Gewitter herausfällt (siehe Abbildung). Trifft die Luft auf den Boden auf, so breitet sie sich dort horizontal aus. In diesem Downburst hat man häufig die stärksten Niederschläge sowie auch Hagel. In unmittelbarer Nähe sieht ein Downburst wie eine „weiße Wand“ aus, die sich rasend schnell bewegt. Das Schadenspotenzial von Downbursts ist häufig sogar größer als das von Tornados, da meist eine größere Fläche betroffen ist und nicht eine schmale Schneise der Verwüstung, wie sie meist ein Tornado hinterlässt.

Solche Sturmschäden wie in Bad Wurzach werden, genauso wie auch Tornados und andere Unwetterbegleiterscheinungen (großer Hagel, Blitzschäden, Schneestürme, Lawinen usw.), werden nach ihrer Untersuchung in einer europäischen Unwetterdatenbank, der European Severe Weather Database (ESWD (www.eswd.eu)), erfasst und der Öffentlichkeit sowie der Forschung zur Verfügung gestellt.

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-08-09 16:44:502022-08-09 16:52:15Was ist eine Fallböe?

Perseiden

8. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Jedes Jahr von Anfang bis Mitte August ist es wieder so weit. In den klaren Nächten lassen sich zahlreiche Sternschnuppen beobachten. Sie gehören zum wohl bekanntesten Meteorstrom, den Perseiden. Im Volksmund werden sie auch „Tränen des Laurentius“ genannt, weil sei um den 10. August herum auftreten, und es sich dabei um den Namenstag des heiligen Laurentius von Rom handelt. Sie entstehen durch die Auflösungsprodukte des Kometen 109P/Swift-Tuttle, der auf seiner Bahn um die Sonne Staub hinterlassen hat. Jedes Jahr um den 12. August kreuzt die Erde diese Kometenbahn, wobei die Staubkörner, die kaum einen Millimeter groß sind, in die Erdatmosphäre eindringen. Sie verglühen in der Hochatmosphäre und ionisieren dabei die Luft, was zur Leuchterscheinung führt, die wir Sternschnuppe oder Meteor nennen. Die Meteore kommen dabei scheinbar aus dem Sternbild Perseus, das dem Meteorstrom seinen Namen gibt und am Abend tief im Nordosten zu finden ist und bis zum Morgen im Osten höher steigt. Als Orientierung kann der sehr helle „Stern“, den man derzeit im Osten sieht, dienen. Es handelt sich dabei um den Planeten Jupiter. Von dort aus geht man auf gleicher Höhe noch etwas Richtung Norden. Um die Sternschnuppen beobachten zu können, genügt es, wenn man grob in diese Richtung blickt.

Die Perseiden sind nicht der einzige Meteorstrom, der im Laufe eines Jahres auftritt. Die Geminiden, die Mitte Dezember auftreten, sind in Anzahl und Helligkeit weitaus beeindruckender. Sie sind jedoch im Vergleich zu den Perseiden relativ unbekannt, da man sich in den kalten Winternächten in der Regel nicht lange draußen aufhält.

Das Maximum der Perseiden erreicht uns in der Nacht vom 12. auf den 13. August gegen 3 Uhr morgens. In diesem Jahr wird jedoch eine unterdurchschnittliche Aktivität mit etwa 100 Meteoren pro Stunde erwartet. Diese 100 Meteore wird man bei Weitem nicht alle sehen. Viele sind zu lichtschwach. Hinzu kommt noch, dass dieses Jahr der Vollmond die Beobachtung erschwert. Bei der Beobachtung sind erfahrungsgemäß etwa 2-3 helle Sternschnuppen in 10 Minuten realistisch. Seit 2018 weisen die Perseiden ein zweites, stärkeres Maximum auf, das diesmal allerdings in die Vormittagsstunden fällt und somit nicht beobachtet werden kann. Auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind, so lohnt sich auch vor dem Maximum ein Blick in den Himmel in den nächsten Nächten, denn der Aktivitätszeitrum erstreckt sich vom 17. Juli bis 24. August, sodass sich bereits vor dem Maximum zahlreiche Sternschnuppen beobachten lassen. Die nächsten Nächte werden zudem in Deutschland weitestgehend klar. Ob in der Nacht zum Freitag im Südosten ein paar Wolken im Südosten den Blick zum Himmel trüben, ist noch unsicher.

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Regen rund ums Mittelmeer

7. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Bei uns ist das Wetter für die kommende Woche recht schnell durchdekliniert: Weitgehend trocken, viel Sonne und, zwar zögerlich, aber doch kontinuierlich, ansteigende Temperaturen. Das bedeutet, dass schon am morgigen Montag (8.8.) im Südwesten wieder 30 oder 31 Grad erreicht werden. Und die 30-Grad-Marke schiebt sich im Wochenverlauf immer weiter nach Norden und Osten, am kommenden Freitag sollte sie dann wieder sehr verbreitet gerissen werden, mit Spitzenwerten, die am Donnerstag und Freitag bei bis zu 33 Grad liegen.

Das Wetter rund ums Mittelmeer kann zumindest bei den Temperaturen noch ein bisschen was drauflegen. Insbesondere im Zentrum der Iberischen Halbinsel, in Griechenland und der Türkei sowie in Albanien liegen die Höchstwerte um, teilweise aber auch deutlich über 35 Grad. Ähnliches gilt auch für die Afrikanische Mittelmeerküste.

Letztere kann bezüglich des Niederschlages (oder besser bezüglich der Trockenheit) in der kommenden Woche, zumindest abschnittsweise, durchaus mit Deutschland mithalten. So soll es z. B. in Ägypten ebenso trocken bleiben wie an der Küste Algeriens. Dies legen u.a. die Modellergebnisse des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) nahe, wobei andere Vorhersagemodelle durchaus ähnliche Ergebnisse liefern. Die beigefügte Abbildung (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2022/8/7.html) zeigt für die Mittelmeerregion die aufsummierten Niederschläge des IFS (Vorhersagemodell des EZMWF) bis in die Nacht zum kommenden Samstag.

Auffällig sind vor allem die Regenfälle, die es in Italien, aber auch auf dem Balkan, in Griechenland und von dort bis in die Türkei und ans Schwarze Meer geben soll. Dafür verantwortlich ist nicht nur recht niedriger bodennaher Druck, sondern auch ein größerer Tiefdruckkomplex in der Höhe, der u.a. in etwa 5,5 km Höhe, aber auch in anderen Höhenschichten zu erkennen ist. Für die Entwicklung von Schauern und Gewittern spielt dem niedrigen Druck ein großes Feuchteangebot in die Karten. Die Wassertemperaturen liegen im Mittelmeer bei bis zu 30 Grad, entsprechend hoch ist die Verdunstung und damit auch die verfügbare Feuchte.

Ein Ergebnis dieser Konstellation ist das verbreitete Auftreten von Schauern und Gewittern. Fast erinnert die Situation an den Herbst, in dem es im Mittelmeerraum immer wieder zu teils heftigen Schauern und Gewittern kommt. Dabei liefert das warme Oberflächenwasser nicht nur die Feuchte, sondern erwärmt auch noch die untersten Luftschichten und verstärkt damit zusätzlich die Labilisierung der Atmosphäre.

Wendet man den Blick der Iberischen Halbinsel zu, so sorgen dort tiefer Luftdruck am Boden und ein kleinräumiges Höhentief über der Biskaya und Galizien für Hebung. Entsprechend sollen die Nordhälften Spaniens und Portugals, und insbesondere die Pyrenäen, einiges an Regen abbekommen, wobei im Binnenland oftmals der Mangel an Feuchte auch die Niederschlagsmengen limitiert. Apropos Niederschlagsmengen: Bezüglich der Verteilung und der Intensitäten liefert die Grafik mit den darin angegebenen Mengen rund ums Mittelmeer wohl eher ein weichgezeichnetes Bild. Das ist ein Problem, das viele global rechnende und damit meist grob aufgelöste Modelle plagt. Einerseits wird es wohl nicht die gesamten niederschlagsaffinen Regionen treffen, und wenn es eineEcke trifft, dann auch nicht über den gesamten Zeitraum hinweg. Wie auch bei uns sind Schauer und Gewitter im Mittelmeergebiet oft lokal eng begrenzt, d. h. punktuell gibt es viel Regen, nicht weit weg davon bleibt es aber trocken. Andererseits fällt in kräftigen Gewittern wahrscheinlich einiges mehr als die in der Grafik angegeben Mengen. Ob es über 100 l/qm werden, wie sie vom Modell in Rumänien angedacht werden, bleibt abzuwarten. Genau dort soll sich am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag der Kern des o. e. großräumigen Höhentiefs intensivieren und für die entsprechenden, in der Grafik angegebenen Spitzenniederschläge sorgen. Ob das genau so kommt bleibt abzuwarten.

Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.08.2022

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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-08-07 14:51:022022-08-07 14:57:58Regen rund ums Mittelmeer

Es sprudelt wieder

6. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Nach einem knappen Jahr Pause spuckt seit drei Tagen die Erde am Fagradalsfjall im Südwesten Islands wieder Feuer und Rauch. Gegen Mittag des 3. August 2022 gab der dafür zuständige isländische Wetterdienst „Veðurstofa“ eine Mitteilung heraus, dass eine neue Eruption begonnen hat. Dem Ereignis gingen dabei in den Vortagen und -wochen zahlreiche Erdbeben, sogenannte Schwarmbeben, voraus. Das stärkste Beben ereignete sich dabei am 31. Juli in der Nähe des Örtchens Grindavík mit einer Magnitude von 5,7. Für ein von Magmafluss verursachtes Beben ist das schon recht viel, dementsprechend blieb es auch nicht ganz folgenlos. So flogen im dortigen Supermarkt unter anderem zahlreiche Verpackungen und Flaschen aus den Regalen. Spürbar war es allemal, auch bis in die Hauptstadt Reykjavík hinein.

Es schien also relativ klar, dass dort in nächster Zeit etwas passieren würde. Weitere Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch waren unter anderem bereits an den Vortagen aufsteigender Dampf und Rauch an der Eruptionsstelle. Mittels eines sogenannten Interferogramms basierend auf Radarbildgebung des Satelliten Sentinel-I ließ sich in diesem Zeitraum auch eine Wölbung und Verformung der Erdoberfläche nachweisen. Schließlich steigerte sich die Erdbebenaktivität immer weiter, bis es zur neuen Eruption kam.

Wie aber begann das ganze Schauspiel überhaupt? Dafür muss man gedanklich ein gutes Jahr zurückspulen bis in den Spätwinter 2021. Die Gegend um den Fagradalsfjall zeigte sich zuvor schon seit einigen Jahren relativ unruhig. Immer wieder kam es rund um den alten Schildvulkan, der zum größeren Vulkansystem Krýsuvík gehört, auf der Halbinsel Reykjanes zu Schwarmerdbeben. Nachdem die Erdbebentätigkeit im Februar und Anfang März 2021 immer heftiger wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Eruption beginnen würde. Dabei würde es sich schließlich um den ersten Vulkanausbruch seit über 800 Jahren auf der Halbinsel Reykjanes handeln.

Am Abend des 19. März 2021 war es dann endlich soweit. Am Südhang des Fagradalsfjall, in den Geldingadalir, öffnete sich eine Spalte, aus der kontinuierlich Lava floss. In den Folgetagen und -wochen wuchsen anschließend rasch mehrere Krater und es bildete sich schnell ein umfangreiches Lavafeld. Mit der Zeit verlagerte sich das Eruptionsgeschehen immer wieder und es öffneten und schlossen sich wiederholt verschiedene Spalten in der Erdoberfläche. Ende April und Anfang intensivierte sich die Vulkantätigkeit nochmals signifikant, dabei konnten aus den inzwischen entstandenen Kratern Fontänen mit einer Höhe von bis zu 500 Metern beobachtet werden. Diese Aktivität beruhigte sich aber rasch wieder. Im Anschluss daran war hauptsächlich nur noch ein großer Krater aktiv, aus dem inzwischen Lava in weitere Seitentäler abfloss. Seit Anfang September 2021 kam auch dieser Krater zur Ruhe und es floss – wenn überhaupt – nur noch sehr wenig Lava aus. Mitte Dezember 2021 wurde der Ausbruch schließlich für beendet erklärt, nachdem über drei Monate hinweg keine neue Lava mehr gefördert wurde. Aufgrund anhaltender Erdbebenaktivität konnte aber schon zu diesem Zeitpunkt nie ausgeschlossen werden, dass es nicht erneut zu einer Eruption kommen würde.

Die Vulkanologen bei der Veðurstofa gehen davon aus, dass sich um die Eruptionsstelle langsam aber stetig ein neuer Schildvulkan aufbauen wird. Wenn dem so ist, würde dies bedeuten, dass die Eruptionstätigkeit – sicher auch mit Unterbrechungen – noch über viele Jahre anhalten wird. Eine gute Gelegenheit also, dem Fagradalsfjall mal einen Besuch abzustatten, denn kaum irgendwo auf der Welt lässt sich ein Vulkanausbruch derart gut und verhältnismäßig gefahrlos aus nächster Nähe beobachten.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 06.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Wespen – nützliche Nervensägen oder nervige Nichtsnutze?

5. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Was für ein Hitzesommer! An dieser Stelle haben wir in den vergangenen Tagen und Wochen bereits mehrfach auf die außergewöhnlich heiße und trockene Witterung in weiten Teilen Deutschlands hingewiesen. Gerade im Zuge verstärkter Freizeitaktivitäten hat man mittlerweile aber mehr „Begleiter“ um sich herum als einem lieb ist. Die Rede ist vom derzeitigen „Ansturm“ der Wespen.

Egal ob beim gemütlichen Grillfest mit der Familie, im Freibad mit Freunden oder beim Gassi gehen mit dem Hund, die Plagegeister sind überall – und damit sind nicht die eigenen Kinder gemeint ;)! Da spielen gefühlt weder die Tageszeit noch die Frage ob pralle Sonne und komfortabler Schatten eine Rolle – sie kreisen bereits hartnäckig um ihr Objekt der Begierde. Da die Wespe tagaktiv ist, gibt es in den frühen Morgen- und späten Abendstunden allerdings schon ein Minimum des surrenden Flugverkehrs. Dabei sind nur wenige Unterarten (Deutsche und Gemeine Wespe) Menschen gegenüber aufdringlich und aggressiv – die meisten leben „friedlich“ in Wäldern und auf Wiesen und ernähren sich von Nektar und zuckerhaltigen Pflanzensäften. So verwundert es nicht, dass auch die penetranten Vertreter vor allem Jagd auf zuckerhaltige Lebensmittel machen – die Klassiker schlechthin sind süße Limonaden und Obstkuchen (Apfel, Birne, Zwetschgen). Aber auch Deftiges wie Bratwürste und Pommes stehen auf der Speisekarte ganz oben. Sie folgen also lediglich ihrem Instinkt.

Doch lässt sich statistisch überhaupt belegen, dass wir es in diesem Jahr mit einer besonders hohen Wespenpopulation zu tun haben? Nein. Eine Wespenzählung oder zumindest grobe Schätzung wäre aufgrund der Vielzahl und Verbreitung der Nervensägen viel zu aufwändig und ungenau. Daher muss die subjektive Wahrnehmung herhalten, die naturgemäß sehr unterschiedlich sein kann. Schädlingsbekämpfer vermelden allerdings volle Auftragsbücher und kommen teilweise kaum hinterher – zumindest ein Indiz. Widmen wir uns im Folgenden einmal unserer Hauptexpertise. Waren denn die meteorologischen Bedingungen in den vergangenen Monaten förderlich für die Wespenvölker? Die Insekten lieben Wärme und Trockenheit, am besten schon während des Larvenstadiums im Frühjahr.

Zur Erinnerung: Das war in diesem Jahr zwar nicht rekordverdächtig warm, wie beispielsweise 2018, mit einer deutschlandweiten Mitteltemperatur (März, April, Mai) von mehr als 10 Grad aber vor allem sehr sonnenscheinreich und trocken. Diese Witterung setzt sich – bis auf wenige Ausnahmen – in den Sommermonaten bisher nahtlos fort. Gerade im Südwesten des Landes, wo es im Juli so gut wie gar nicht geregnet hat und die Sonne über 300 Stunden schien, häufen sich derzeit die Berichte über besonders viele und aggressive Wespen. Natürlich tragen auch die heftigen, wenngleich zum Glück meist nur kurzen Hitzeeinschübe mit Rekordwerten nahe 40 Grad ihren Teil dazu bei.

Fällt zu viel Regen, schimmeln die Nester und die Völker sterben. Den eigenen Flüssigkeitsbedarf ziehen sie aus ihrer Nahrung. Wasser benötigen sie eigentlich nur für ihre Nester: Zum Bau (Papiernester aus Zellulosefasern) sowie zur Kühlung (siehe DWD Wetterlexikon „Verdunstung“). Mit den tieferen Temperaturen im Herbst – spätestens mit den ersten Nachtfrösten – sterben die Völker. Nur die Königin überlebt, überwintert und gründet im Frühjahr ein neues Wespenvolk. Etwa ab Mai bauen sie ihre Nester und schwärmen wieder aus. Dann beginnt die Jagd auf ein leckeres Stück Kuchen und einen Schluck Limo aufs Neue.

Bei allem Groll soll aber dringend darauf hingewiesen werden, dass Wespen unter Artenschutz stehen (nicht jedoch Deutsche und Gemeine Wespe!) und in der Natur wichtige Aufgaben übernehmen – wie die Beseitigung von faulem Obst, morschem Holz und toten Insekten. Ziehen Sie demzufolge im Falle eines ortsnahen Wespennestes immer einen Experten zu Rate, damit Sie den Rest des Sommers entspannt genießen können. Oder sorgen sie abseits der Sitzgelegenheiten für ein gezieltes Ablenkungsmanöver, an dem sich die Wespen fröhlich laben dürfen. Und aufgepasst: In vielen Bundesländern steht auf das grundlose Töten von Wespen inzwischen ein sattes Bußgeld von mehreren tausend Euro, im Einzelfall sogar bis weit in den fünfstelligen Bereich hinein.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.08.2022

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Ist das schon der Klimawandel? (Attributionsforschung – Teil 2)

4. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Am heutigen Donnerstag werden zum wiederholten Male in diesem Sommer Höchstwerte nahe 40 Grad erreicht. „Ist das schon der Klimawandel?“ oder „Ist das eine Folge der Erderwärmung?“ Sicherlich wurden mit diesen oder ähnlichen Fragen in den vergangenen Tagen wieder viele Meteorologen und Klimaforscher konfrontiert, wie immer bei extremen Wetterlagen. Sei es von Freunden und Bekannten, die selbst von einem Extremwetter heimgesucht wurden oder wenn in den Nachrichten mal wieder von Unwettern oder Ernteausfällen durch Dürreperioden berichtet wird. Spätestens bei der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021 ergriffen Klimaaktivisten und selbst Politiker unterschiedlicher Parteien die Chance, im Wahlkampf diese Tragödie als eindrucksvolles Beispiel zu verwenden, um eine nachhaltigere und engagiertere Klimapolitik zu fordern. Aber ist das wirklich so, dass diese Naturkatastrophe ein klares Zeichen für den bereits stattgefundenen Klimawandel war? Im Thema des Tages vom 27. Juni (siehe Link am Ende des Textes) haben wir bereits erklärt, dass man es sich so einfach nicht machen darf.

Manch einem mag es vielleicht so erscheinen, als gäbe es heutzutage im Sommer nur noch Extreme. Mal sind es verheerende Überschwemmungen wie im letzten Jahr, mal unerträgliche Hitzewellen oder langanhaltende Dürreperioden wie in diesem Jahr. Doch haben sich tatsächlich bereits heute Wetter und Klima hin zu häufigeren und zunehmend schlimmeren Extremereignissen verändert? Werden sich diese mit fortschreitender Erderwärmung weiter verschlimmern? Diesen Fragestellungen gehen die Klimawissenschaften mit sogenannten „Attributionsstudien“ nach. Dabei handelt es sich um ein noch sehr junges Forschungsfeld, welches wir im heutigen Thema des Tages vorstellen wollen.

Der Begriff „Attribution“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Zuordnung (von Zusammenhängen)“. In der Klimaforschung wird konkret untersucht, ob der fortschreitende Anstieg der globalen Lufttemperatur bereits heutzutage zu einer geänderten Häufigkeit von Extremereignissen geführt hat. Bei den Studien wird von einem Ursache-Wirkungs-Prinzip ausgegangen. Dazu blickt man mit Klimamodellen mehrere Tausend Jahre in die Vergangenheit zurück. In diesen Simulationen werden die klimatischen Bedingungen bis in vergangene Zeiten, für die es keine (präzisen und flächendeckenden) Messungen gibt, künstlich erzeugt. Da Wetter- und Klimaextreme per Definition selten auftreten, benötigt man für belastbare statistische Aussagen einen so langen Zeitraum.

Für den notwendigen Vergleich zwischen dem Klima der Vergangenheit, den heutigen klimatischen Verhältnissen und denen der Zukunft wird ein weiterer wissenschaftlicher Kunstgriff vollzogen. Sämtliche Simulationen des vergangenen Klimas werden zunächst nur mit natürlichen Klimaantrieben durchgeführt (z.B. Vulkanausbrüche, Änderung der solaren Einstrahlung, …). So erhält man die klimatischen Verhältnisse, die sich ohne den Einfluss des Menschen entwickelt hätten. Anschließend berücksichtigt man in den Klimasimulationen zusätzlich anthropogene (d.h. vom Menschen verursachte) Einflüsse wie den Ausstoß von Treibhausgasen (z.B. CO2, Methan), um ein realitätsnahes Klima zu berechnen.

Um die Bandbreite der natürlichen Variabilität von Extremereignissen abschätzen zu können, werden diese Simulationen mehrfach durchgeführt. So erhält man einen ausreichend großen Datensatz für statistische Analysen. Durch den direkten Vergleich der Klimata mit und ohne anthropogenem Einfluss lassen sich etwaige Unterschiede bezüglich der Häufigkeit von Wetter- oder Witterungsextremen dem menschlichen Handeln „zuordnen“. Damit wären wir zurück bei der namensgebenden „Attribution“ und dem Prinzip „Ursache-Wirkung“. Die Auswertung erfolgt in der Regel in Form einer Auszählung aller dem aktuellen Wetterphänomen (z.B. eine Hitzewelle) sehr ähnlichen Ereignisse. Mit dieser Methode kann man also geänderte Eintrittswahrscheinlichkeiten eines betrachteten Extremereignisses im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bestimmen und diese dem Klimawandel zuordnen. Für eine Einschätzung der zukünftig zu erwartenden Verhältnisse können Simulationen unter Hinzunahme der anthropogenen Treibhausgasemissionen aus unterschiedlichen Klimaszenarien durchgeführt und im Hinblick auf Extremereignisse ausgewertet werden.

Bei Attributionsstudien muss allerdings beachtet werden, ob die eingesetzten Klimamodelle überhaupt in der Lage sind, die untersuchten Extremereignisse realitätsgetreu abzubilden. Analysen von kleinräumigen Phänomenen wie Gewitter mit Starkregen sind erst seit der Entwicklung der neuesten Generation der sogenannten konvektionserlaubenden regionalen Klimamodelle möglich. Diese Modellrechnungen sind allerdings rechentechnisch äußerst aufwändig und erfordern daher sehr leistungsstarke Großrechner.

Zusammengefasst geben uns die Erkenntnisse aus der Attributionsforschung also Aufschluss über den tatsächlichen Einfluss des Klimawandels auf Extremereignisse. Mit ihnen kann selbst für individuelle Extremwetterlagen (z.B. die Flutkatastrophe 2021, mehr dazu im nächsten Teil) analysiert werden, ob und in welchem Maße der Klimawandel deren Intensität beeinflusst hat und ob die Eintrittswahrscheinlichkeit für solche Ereignisse bereits zugenommen hat.

Weltweit besteht für diese Thematik bei Politik und Gesellschaft ein sehr hohes Interesse, weil die Attributionsforschung auch dafür verwendet werden kann, um Aussagen für die Zukunft abzuleiten. So helfen sie politischen Entscheidungsträgern bei der Konzipierung von Klimaanpassungsstrategien und ermöglichen es uns, die Veränderung von Extremereignissen bei unterschiedlichen Klimaprojektionen abzuschätzen (z.B. bei Einhaltung des 1,5- oder 2-Grad-Ziels oder beim Verfehlen dieser Ziele).

Im dritten und letzten Teil dieser Themenreihe stellen wir demnächst die wesentlichen Ergebnisse von Attributionsstudien zu Extremwetterlagen der jüngeren Vergangenheit vor.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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„Schwitzen für Fortgeschrittene“ – die nächste Runde

3. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Die nächste Hitzewelle steht in den Startlöchern! Naja, mit Blick in den Südwesten muss man genaugenommen sagen, dass es vor allem dort zum Teil auch schon in den vergangenen Tagen immer wieder mal heiß war mit Spitzenwerten bis zu 33 Grad am letzten Sonntag entlang des Oberrheins. Am gestrigen Dienstag konnten dann auch einige Regionen am Niederrhein, in der östlichen Mitte und zwischen Main und Donau mit bis zu 32 Grad einen heißen Tag verbuchen. Alles in allem war das aber nichts weiter als ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch folgt. Denn zwischen Tief HEIDELORE über dem Nordmeer und Hoch NORMEN über Mitteleuropa wird weiter fleißig heiße Luft aus Südwesten nach Deutschland geschaufelt.

Heute werden in der Folge bei viel Sonnenschein verbreitet 30 bis 36 Grad erwartet, am Donnerstag dann sogar bis zu 39 Grad, was gleichzeitig aber auch schon den Höhepunkt der Hitzewelle markiert. Die Kaltfront von Tief HEIDELORE greift im Laufe des Donnerstags nämlich auf den Westen und Nordwesten Deutschlands mit lokal unwetterartigen Schauern und Gewittern über. Diese weiten sich in der Nacht zum Freitag auf die Nordwesthälfte aus und kommen am Freitag langsam in die Südosthälfte voran, wobei es vorab auch schon im Voralpenland „knallen“ kann.

Während sich die Luft vor allem im Süden und Südosten am Freitag nochmals auf bis zu 35 Grad aufheizt, erfährt Deutschland ansonsten eine deutliche Abkühlung. In der Nordwesthälfte wird oftmals nicht einmal mehr die 25-Grad-Marke erreicht und in den Wochenendnächten werden die Außenthermometer dort teilweise sogar nur einstellige Tiefstwerte anzeigen (weiterhin heiß hergehen wird es wohl nur nahe des Dörfchens Wacken in Schleswig-Holstein 😉 ).

Am Samstag räumen Schauer und Gewitter dann auch im Süden und Südosten die heiße Luft aus. Es bleibt dort mit 25 bis 30 Grad aber sommerlich warm. Im Norden sind die 25 Grad dagegen weiterhin unerreichbar. In weiten Teilen des Landes hat sich das Wetter dabei beruhigt, denn von Westen hat dann Hoch OSKAR die Geschicke übernommen (was im Nordwesten bereits am Freitag der Fall ist). Und während der Sonntag im äußersten Süden noch unbeständig ausfallen dürfte, wird er ansonsten seinem Namen doch größtenteils gerecht, auch wenn sich die ein oder andere Wolke am Himmel als dekorativer Sonnenbegleiter zeigt.

Dekorativ ist auch das Stichwort für die kommende Woche, denn diesen Charakter muss man den Wolken nach aktuellem Stand auch dann attestierten. Es bleibt also wohl weitgehend trocken und dazu hochsommerlich warm bis heiß.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 03.08.2022

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Deutschlandwetter im Juli 2022

2. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juli 2022*

1. Platz Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) 22,7 °C Abweich. +3,2 Grad

2. Platz Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) 22,5 °C Abweich. +3,5 Grad

3. Platz Ohlsbach (Baden-Württemberg) 22,4 °C Abweich. +4,0 Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2022*

1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 15,2 °C Abweich. +2,5 Grad

2. Platz Carlsfeld (Sachsen) 15,3 °C Abweich. +2,5 Grad

3. Platz Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 15,4 °C Abweich. +2,2 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2022**

1. Platz Ruhpolding-Seehaus (Bayern) 157,5 l/m² 67 Prozent

2. Platz Bischofswiesen-Winkl (Bayern) 154,0 l/m² 69 Prozent

3. Platz Marktschellenberg (Bayern) 148,5 l/m² 63 Prozent

Besonders trockene Orte im Juli 2022**

1. Platz Wittlich (Rheinland-Pfalz) 0,5 l/m² 1 Prozent

2. Platz Trier-Petrisberg (Rheinland-Pfalz) 0,7 l/m² 1 Prozent

3. Platz Leiwen (Rheinland-Pfalz) 0,8 l/m² 1 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2022**

1. Platz Lahr (Baden-Württemberg) 369 Stunden 142 Prozent

2. Platz Rheinfelden (Baden-Württemberg) 368 Stunden 148 Prozent

3. Platz Rheinau-Memprechtshofen (Baden-Württemberg) 358 Stunden 155 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2022**

1. Platz Glücksburg-Meierwik (Schleswig-Holstein) 176 Stunden 88 Prozent

2. Platz Emden (Niedersachsen) 177 Stunden 90 Prozent

3. Platz Cuxhaven (Niedersachsen) 187 Stunden 87 Prozent

oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Meteorologe Denny Karran

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 02.08.2022

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Blitze – nicht nur gefährlich schön, sondern auch informativ

1. August 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Blitze: Tagsüber ein beeindruckendes, wenngleich gefährliches Naturphänomen, in der Nacht ein Feuerwerk der vielfältigen Formen. Doch sehen die Blitze nicht nur schön aus, sondern liefern dem Beobachter vor allem bei nächtlicher Dunkelheit einige Informationen über das nahende Gewitter. Auch der Donner ist eine imposante Begleiterscheinung des Gewitters, doch klammern wir diesen im heutigen Thema des Tages aus bzw. können einige Informationen im unten verlinkten Anhang aus einem früheren Thema des Tages entnommen werden.

Die Entstehung von Blitzen wurde ja bereits oft beschrieben, wird innerhalb der wissenschaftlichen Kommune weiterhin heiß debattiert, wenngleich die grobe Entstehung unstrittig ist und wird hier in groben Abrissen dargestellt: Innerhalb eines Gewitters sorgen turbulente Auf- und Abwinde für die benötigte Ladungstrennung mit einem Überhang von negativer Ladung im mittleren und unteren Bereich einer Gewitterwolke und positiver Ladung im oberen Bereich der Wolke (siehe Bild A im Anhang). Die Voraussetzung für die Bildung eines elektrischen Feldes ist somit gegeben. Unter der Gewitterwolke bildet sich zudem ein Bereich positiver Ladung mit einer erhöhten Konzentration entlang exponierter Gegenstände (jedoch nicht darauf beschränkend, weshalb u.a. auch kleinere Objekte vom Blitz getroffen werden können). Klingt übersichtlich, ist es in der Realität aber nicht, denn in Feldstudien wurden innerhalb einer Gewitterwolke nicht selten mehrere „Schichten“ mit unterschiedlicher Geometrie/Ausrichtung und Ladung beobachtet, zwischen denen der Blitz entsteht. Bevorzugt entwickelt sich der Blitz im Graupelbereich eines Aufwindes zwischen -10 und -20 Grad, der sogenannten „gemischten Phasenregion“, oder auf Englisch „mixed phase region“.

Die meisten Blitze verbleiben innerhalb einer Gewitterwolke und werden als „intra cloud (IC)“ bzw. „cloud to cloud lightning (CC)“ bezeichnet. Sobald der Blitzkanal den Boden erreicht bzw. vom Boden aus als sogenannter „return stroke“ (sichtbarer Blitzkanal) erhellt wird, sprechen wir von einem „Wolke-Bodenblitz“, oder „cloud to ground lightning (CG)“, von denen es die positive und negative Variante gibt. Die bipolaren Gesellen, die also die Ladungseinheit während ihres Auftretens wechseln, lassen wir mal außen vor. In den meisten Fällen nähert sich der Erdoberfläche ein negativ geladener sogenannter „steeped leader“, also ein erdwärts wandernder und mit dem Auge nicht sichtbarer Funke und sorgt für einen erdgerichteten Elektronentransport. Mit anderen Worten ausgedrückt: die Erdoberfläche gewinnt zusätzliche Elektronen. Ein negativer Wolke-Bodenblitz ist geboren. Umgekehrt erreichen wir eine Abnahme der Elektronen in Bodennähe und folgerichtig erhalten wir einen positiven Wolke-Bodenblitz.

Doch wenden wir uns nun von der Theorie ab und der Beobachtung zu. Nähert sich ein Gewitter, dann kann man besonders in der Dunkelheit der Nacht erkennen, wie die Blitzrate von teils nur schwach aufleuchtenden IC oder CC Blitzen rasch zunimmt. In solch einem Fall kann man von einem kräftigen oder sich verstärkenden Aufwind ausgehen, denn die durch Aufwinde und Graupelbildung forcierte Ladungstrennung ist in vollem Gange. Da Aufwinde und Abwinde nicht selten pulsieren, muss in der Folge mit Passage des Gewitters die Möglichkeit eines kräftigen Abwindes mit Regen/Hagel und heftigen Böen in Betracht gezogen werden. Natürlich lässt sich das am besten mit einem Wetterradar verfolgen, das aber z.B. in WLAN-freien Gebieten nicht immer zur Verfügung steht. Im Umkehrschluss bedeutet aber Blitzarmut nicht unbedingt, dass wir einen schwachen Aufwind haben, denn besonders intensive Aufwinde, wie z.B. bei Superzellen (siehe Link), können wenigstens temporär von geringer Blitzaktivität begleitet sein, da der Aufwind zu stark ist für eine effektive Graupelbildung. Dieses Phänomen der Blitzarmut ist aber nur ein vorübergehendes, denn diese Art der Gewitter wird nicht selten von besonders intensiven Blitzentladungen begleitet.

Gewitter, die mit heftigen Regenfällen einhergehen, können ebenso durch Blitzarmut auffallen, da die Luftmasse zu warm ist für den Aufbau einer effektiven/hochreichenden gemischten Phasenregion. Blitzarme Gewitter bedeuten also nicht gleichzeitig schwache Gewitter.

Eine weitere Informationsquelle ist das optische Verhalten von Blitzen. Wenn eine Blitzentladung erfolgt und der Blitz zu flackern scheint, dann handelt es sich um mehrere sogenannte „return strokes“ und ist in den meisten Fällen ein Anzeichen für einen negativen CG. Sollte jedoch nur ein solider und nicht flackernder Blitzkanal zu sehen sein, dann kann man in den meisten Fällen von einer positiven Entladung ausgehen. Da die positive Entladung in höheren Bereichen der Gewitterwolke entsteht, ist sie nicht selten intensiver und heißer und somit auch schadensträchtiger als der negative CG. Dabei treten die positiven Entladungen häufig in der Winterzeit, in Verbindung mit Superzellen oder in der Endphase eines Gewitters auf (Stichwort: „end of storm oscillation, EOSO“). Im Vergleich zu den negativen Blitzen treten die positiven aber in einer deutlich geringeren Anzahl auf. Die positiven Blitze weisen auch meist einen sehr glatten Blitzkanal ohne Verästelungen auf. Mit dieser Information könnte man es wagen, die im Anhang beigefügten Blitzbilder in negative CGs (Bild B und C) und positive CGs (Bild D und ggf. E) zu unterteilen. Natürlich ist das nur eine Vermutung, da von einem statischen Bild nicht ersichtlich ist, wie viele return strokes erfolgten.

Neben dem Aussehen der Blitzkanäle fallen auch immer wieder unterschiedliche Farberscheinungen auf: mal sehen die Blitze weiß, mal violett oder gelb aus. Auch hier ergeben sich zahlreiche Faktoren, wie die Blitztemperatur sowie die atmosphärischen Bedingungen, die allesamt mitentscheiden, welcher Farbton dominiert. Die Farbe Lila oder Violett tritt sehr häufig auf und wird durch eine hohe Anzahl fallender Tropfen in dieses Farbspektrum gerückt, sodass man von heftigem Niederschlag ausgehen muss. Dies war auch der Fall bei Bild B. Bei blauen Blitzen ist ein gewisser Aerosolgehalt in der Luft und sorgt mit ähnlichen Brechungseigenschaften wie bei der atmosphärischen Streuung durch Sonnenlicht für den dominanten Blauton. Es gibt Anzeichen, dass diese Blitzfarbe häufig in Verbindung mit Hagel auftritt, wobei natürlich die Hagelgröße wieder über das finale Spektrum entscheidet. Weiße Blitze (der im Grunde von allen Blitzen ausgestrahlte Farbton) deuten auf einen geringen Anteil von Schadstoffen/Aerosolen hin und sind im oberen Bereich des Temperaturspektrums zu finden. Diese Art der Blitze (und besonders wenn es sich um positive Blitzentladungen handelt) sind bei trockenen Verhältnisse zu fürchten, da sie leicht Brände entflammen können. Eine beispielhafte Entladung ist im Anhang in Bild D zu finden. Eine Gelbfärbung deutet eher auf eine hohe Konzentration von Staub hin und hebt somit das Potenzial für relativ trockene Gewitter hervor (die durch Abwinde Staub aufwirbeln).

Entladen sich Blitze mit großer horizontaler Ausdehnung (nicht selten über große Bereiche des sichtbaren Himmels), dann handelt es sich hierbei um sogenannte „crawler“ und somit um Blitzentladung entlang horizontal ausgedehnter variabler Ladungsschichten. Diese Blitze sind von optischer Schönheit und können den Ausklang eines Gewitterereignisses andeuten.

Es könnten noch viele weitere Informationen genannt werden, die den Umfang des Thema des Tages jedoch sprengen würden.

Auch wenn in der Blitzforschung noch viele Frage offen sind und die hier gezeigten Informationen sicherlich nicht allgemeingültig sind, so können sie doch die eine oder andere Zusatzinformation liefern und die Blitzbeobachtung zu einem spannenden nächtlichen Ereignis machen.

Dipl.-Met. Helge Tuschy

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.08.2022

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