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Achtung Sonnenbrandgefahr- Auch im April hat die Sonne schon viel Kraft!

12. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Entgegen des Märzes mach der April derzeit seinem Namen alle Ehre. In den der ersten Monatshälfte zeigt er schon sein ganzes Repertoire. Zu Beginn die Wintergrüße, nun der Kurztrip Richtung Sommer. Wie häufig üblich scheint der April dieses Jahr nicht zu wissen, was er will.

Am heutigen Dienstag dominiert vor allem in der Südhälfte sowie Teilen des Ostens noch vielfach die Sonne. Vor allem nach Südosten zu kann die maximal derzeit mögliche Sonnendosis nahezu abgerufen werden. Im Nordwesten ziehen dagegen häufiger Wolkenfelder durch. Am morgigen Mittwoch ist es dann bevorzugt die Südosthälfte des Landes, in der die Sonne noch länger scheinen kann. Allerdings hat sie auch dort im Tagesverlauf teilweise mit Quellbewölkung zu kämpfen. Im Westen und Südwesten kommt zudem ein weiterer Gegenspieler der Sonne auf die Karte. Dort trübt Saharastaub den Himmel und dämpft die Sonnenstrahlung (vgl. Grafik 1).

Doch gerade der Sonnenschein kann in der Frühlingsluft für den menschlichen Körper nicht nur förderlich, sondern durchaus auch schon gefährlich werden. Denn die Sonne hat im April schon richtig Kraft. Die biologisch wirksamen Spektren des Lichts reichen dabei vom infraroten über den sichtbaren bis zum ultravioletten Bereich (UV-Bereich). Dabei fördert die beispielsweise Infrarotstrahlung die Durchblutung der Haut. Das sichtbare Licht beeinflusst den Hormonhaushalt und die Psyche und stützt die sogenannten Frühlingsgefühle. Das größte Wirkungsspektrum besitzt jedoch die UV-Strahlung.

Die UV-Strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung, die an der Erdoberfläche nur wenige Prozent der gesamten solaren Strahlung ausmacht. Sie umfasst dabei den Wellenlängenbereich, der kürzer als der des sichtbaren Lichtes ist. Da die einzelnen Elementarteilchen der UV-Strahlung (Photonen) über eine sehr hohe Energie verfügen, können sie teilweise tief in biologische Systeme eindringen, Molekülverbindungen irreversibel zerstören und somit wesentlichen Einfluss auf Lebewesen nehmen. Beispielsweise wird die UV-Strahlung als Auslöser für verschiedene Hautkrebsarten angesehen.

Die Haut unterliegt als Grenz- und Kontaktorgan in besonderem Maße dem Einfluss von Umweltfaktoren und somit auch der UV-Strahlung. Zahlreiche Hautkrankheiten finden ihren Ursprung in dieser Strahlungsart oder werden von ihr verstärkt. Am bekanntesten ist in diesem Sinne wohl der Sonnenbrand, der einer Verbrennung ähnelt und nach einer vom Hauttyp abhängigen Bestrahlungszeit mit einer scharf begrenzten Rötung, Hitzegefühl, Juckreiz sowie gelegentlicher Blasenbildung und Ödemen einhergeht. Schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit haben Hautreaktionen, die nach einem jahre- oder jahrzehntelangen Zeitraum der UV-Bestrahlung auftreten. In diese Gruppe sind beispielsweise die Hautalterung oder bösartige Hauttumore einzuordnen.

Als Maß für die UV-Strahlung dient der sogenannte UV-Index, der üblicherweise als Bestrahlungsstärke (Watt pro Quadratmeter) auf einem horizontal orientierten Empfänger angegeben wird. Neben dem Ozon beeinflussen auch weitere Bestandteile der Atmosphäre, wie beispielsweise Aerosole (Schwebeteilchen in der Atmosphäre) und Wolken (Wassertröpfchen), astronomische Bedingungen wie der Sonnenstand, der orographische Standort oder auch die Bodenbeschaffenheit in Form der Albedo (Rückstrahlvermögen der solaren Strahlung, z.B. 0,95 also 95% bei Neuschnee) die Menge an UV-Strahlung am Boden.

Am heutigen Dienstag ist es noch Hoch REINER, der im Süden und Osten für viel Sonne sorgt. Entsprechend steigt dort auch der UV-Index an. In der Südhälfte erreicht er verbreitet Werte von 5, die mit einer mittleren gesundheitlichen Gefährdung einhergehen. Schon bei diesen Werten sind Schutzmaßnahmen in Form von Sonnencreme und Sonnenbrille empfehlenswert. Im Süden von Baden-Württemberg und Bayern kann der UV-Wert teilweise sogar die Stufe 6 überschreiten, was gleichzeitig eine hohe gesundheitliche Gefährdung bedeuten würde. Entsprechend sollte sich im Schatten aufgehalten werden und Sonnencreme, Kopfbedeckung sowie Sonnenbrille sollten der ständige Begleiter werden. In der Nordhälfte wird, wie schon erwähnt, die Sonnenstrahlung durch aufziehende Wolken gedämpft, sodass der UV-Index nur Werte von 3 bis 4 aufweist. Aber auch diese Werte beschreiben noch eine moderate gesundheitliche Gefährdung, die durchaus schon Schutzmaßnahmen für die Haut nötig macht (vgl. Graphik 2).

Am morgigen Mittwoch nimmt die Gefährdung der UV-Strahlung durch zunehmende Gegenspieler etwas ab. Vor allem im Nordwesten und im Küstenumfeld wird durch die dichten Wolken vielerorts nur noch eine geringe UV-Gefährdung gezeigt. Ansonsten bleiben die UV-Werte bei einer mittleren gesundheitlichen Gefährdung, wobei die größte Gefahr bei einem Indexwert von 5 weiter im Süden zu finden ist.

Wer seine Haut schon beim Baden in der Frühlingssonne nicht ausreichend schützt, kann diese schädigen.

Die UV-A Strahlung (lange Wellen) führt zwar zu einer kurzfristigen Bräune, die jedoch kaum Lichtschutz bringt. Dagegen verliert die Haut an Spannkraft und altert bei langfristiger Bestrahlung frühzeitig. Auch das Hautkrebsrisiko ist bei häufiger ungeschützter Einstrahlung deutlich erhöht. Die UV-B Strahlung sorgt hingegen eher für eine langfristigere Bräune, die auch einen echten Lichtschutz (Lichtschwiele) mit sich bringt. Gleichzeitig dringen diese Strahlen nicht so tief in die Haut ein und schädigen sie daher nicht nachhaltig.

In möglichen UV-Warnungen oder auch in den entsprechenden UV-Gefahrenkarten des DWD (siehe erster Link) wird gesondert auch auf Schutzmaßnahmen und UV-Schutztipps (zweiter Link) hingewiesen.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 12.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Achtung-Sonnenbrandgefahr-Auch-im-April-hat-die-Sonne-schon-viel-Kraft.png 573 1303 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-12 15:10:472022-04-12 15:15:36Achtung Sonnenbrandgefahr- Auch im April hat die Sonne schon viel Kraft!

Berg- und Talwind: ein tagesperiodisches Windsystem

11. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Nachdem es in den vergangenen Tagen regional noch einmal für ein spätwinterliches Intermezzo gereicht hat, zeigt der April nun zu Wochenbeginn ein anderes Gesicht. Bei Hochdruckeinfluss und südlichem Wind wird es bei deutlich milderen Luftmassen teils frühlingshaft warm. So können nun auch in den Hochlagen der Mittelgebirge sowie bis in die mittleren Lagen der Alpen Ski und Snowboard gegen Wanderschuhe getauscht werden.

Wer sich bei sonnigem Wetter auf eine Wander- oder Bergtour begibt, macht dabei sehr wahrscheinlich mit der Berg- und Talwind- Zirkulation Bekanntschaft. Diese Zirkulation ist ein tagesperiodisches Windsystem, welches bei ruhigen Hochdruckwetterlagen im Gebirge entsteht und an die Sonneneinstrahlung gekoppelt ist. Mit Tagesbeginn trifft zunächst auf die nach Osten exponierten Berghänge die Sonnenstrahlung nahezu senkrecht auf und es setzt eine starke Erwärmung des Bodens ein, ähnlich einer Herdplatte. So erwärmt der Boden die hangnahe Luft. Warme Luft dehnt sich aus, wird leichter und steigt auf. Die dünne Warmluftschicht erfährt somit thermischen Auftrieb. Zunächst steigen einzelne Warmluftblasen, im weiteren Vormittagsverlauf zunehmend kontinuierlich größere Warmluftpakete auf. In der Folge entwickelt sich ein beständiger Hangaufwind. Seine Geschwindigkeit beträgt in der Regel etwa 2 bis 3 km/h.

Das lässt sich auch in einem simplen Modell mit einem idealisierten Tal und einer Strahlungsquelle simulieren. In Abbildung 1  ist die vertikale Windkomponente nach einer Modelllaufzeit von sechs Stunden dargestellt. In der hangnahen Atmosphäre hat sich erwartungsgemäß eine positive vertikale Geschwindigkeit eingestellt. Die in Abbildung 2 den Hängen folgenden Windvektoren charakterisieren ebenfalls die aufsteigende Luft. In der Natur ist die Hangwindzirkulation selbstverständlich selten so symmetrisch. So ist die Erwärmung des Bodens stark abhängig von der Hangexposition, Gelände- oder Gesteinsform sowie dem Bewuchs.

Über dem Kammniveau trennt sich schließlich die Warmluft vom Berg und wird zur Thermik und erfährt eine weitere vertikale Beschleunigung. Mit steigender Höhe kühlt sich die Luft ab und wird relativ gesehen feuchter. Wenn sie das Kondensationsniveau (mindestens 100 % Luftfeuchte) erreicht, bilden sich meist um die Mittagszeit über den Berggipfeln und -kämmen die ersten Quellwolken. Mitunter können sich bei ausreichender Labilität auch Schauer oder Gewitter bilden. Diese Labilität wird in unserem Modell durch die sich aufweitenden Linien gleicher potentieller Temperatur (Isentropen) im Kammniveau ausgedrückt.

Über den Tälern bleibt es hingegen oft wolkenlos, da über der Mitte des Tals ausgleichend Luft absinken muss. Das zeigen auch die leicht negativen vertikalen Geschwindigkeitswerte (hellgrün) in Abbildung 1 und die zur Talmitte zeigenden Windvektoren in Abbildung 2. Beim Absinken erwärmt sich die Luft und wird somit relativ gesehen trockener.

Ein Teil der an den Hängen aufsteigenden Luft muss aber zusätzlich kompensiert werden, sodass sich ein vom Vorland taleinwärts gerichteter Wind einstellt. Dieser wird oft aufgrund der Talform noch verstärkt. Am Talende ist der vertikale Transport stärker ausgeprägt, da das Luftvolumen dort in aller Regel geringer ist und somit mit derselben zur Verfügung stehenden Energie (Sonneneinstrahlung) stärker erwärmt wird als ein größeres Talvolumen am Taleingang oder dem Vorland. In unserem einfachen Modell wird dieses Einströmen in Abbildung 2 durch die gelblichen bis rötlichen Farben gekennzeichnet. Die Luft strömt dementsprechend in die Querschnittsebene hinein in das Tal. Am oberen Rand der Talatmosphäre bildet sich meist über der Talmitte zum Ausgleich zu der am Boden taleinwärts nachströmenden Luft ein talauswärts gerichteter Wind (negative Geschwindigkeitswerte in Abbildung 2), der über dem Vorland des Tals in einem Absinken endet.

Ab dem späten Nachmittag, spätestens aber sobald die Sonne untergegangen ist, schlafen Hang- und Talwind ein und das System startet in umgekehrter Richtung. Nachts kühlen sich die Berghänge und die bodennahe Luft deutlich stärker und schneller ab als die Luft im Tal. Die kühlere Luft ist schwerer und fließt daher die Berghänge hinab ins Tal. Der spürbar kühle nächtliche Bergwind ist zumeist etwas schwächer als der Talwind am Tage.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 11.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Berg-und-Talwind-ein-tagesperiodisches-Windsystem.png 603 605 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-11 16:02:092022-04-11 16:05:04Berg- und Talwind: ein tagesperiodisches Windsystem

Es geht bergauf!

10. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Eine extrem wechselhafte Woche geht zu Ende. Von Sturm über Dauerregen, Gewitter und Schnee bis in tiefe Lagen war alles, was das Wetter zu bieten hat, dabei. Viele fragen sich nun, wann es endlich, vor allem mit den winterlichen Wettererscheinungen, vorbei ist. Auf diese Frage kann man schon mal mit „sehr bald“ antworten.

Jedoch verbleibt Deutschland am heutigen Sonntag noch in der Zufuhr maritimer Polarluft am Rande eines umfangreichen Tiefdruckgebietes mit mehreren Kernen (NASIM I und II und ORTRUD int. DIEGO) über Skandinavien. D.h. das windiges Aprilwetter mit Regen-, Graupel- und Schneeschauern in höheren Lagen setzt sich dabei fort. Lediglich im Südwesten des Landes macht sich schon das Hoch REINER bemerkbar. Dort und später auch ganz im Westen werden kaum Schauer erwartet und die Sonne setzt sich häufiger durch. Die Höchstwerte liegen noch im einstelligen Bereich zwischen 6 und 9 Grad, nur in der Westhälfte des Landes werden bis 13 Grad erreicht.

In der Nacht zum Montag liegt der Schwerpunkt des Hochs genau über Deutschland. Dies hat zu Folge, dass kaum Wind weht und der Himmel verbreitet aufklart. Somit sinken die Temperaturen verbreitet in den Frostbereich zwischen 0 und -5 Grad, in einigen Tälern der Mittelgebirge und der Alpen über Schnee bis -8 Grad. Lediglich an der Nord- und Ostsee bleibt es frostfrei.

Nach kalter Nacht klettern die Temperaturen am Montag durch die schon kräftige Aprilsonne im Westen und Südwesten auf Werte zwischen 15 und 20 Grad. Sonst werden Höchstwerte zwischen 10 und 15 Grad erwartet, nur an der Ostsee bei auflandigem Wind liegen sie im einstelligen Bereich. Ferner gelangt durch die Verlagerung des Hochschwerpunktes nach Südosteuropa zusammen mit dem Tief PAMELA (int. EVELYN) südwestlich von Irland mit einer südlichen Strömung zunehmend warme Luft nach Deutschland. Dies macht sich auch schon in der Nacht zum Dienstag in Westdeutschland bemerkbar, denn dort bleibt es trotz weniger Wolken frostfrei. Sonst tritt erneut leichter Frost bis -3 Grad auf.

Am Dienstag scheint neben einigen hohen Wolkenfelder die Sonne und die Temperaturen steigen verbreitet auf Werte zwischen 20 und 24 Grad an. Lediglich im Nordosten ist es mit 11 bis 19 Grad etwas kühler. Jedoch könnten die hohen Wolkenfelder und der mitgeführte Saharastaub die angegebenen Temperaturwerte etwas dämpfen. In der Nacht zum Dienstag bleibt es für viele frostfrei, lediglich an den östlichen Mittelgebirgen und an den Alpen tritt stellenweise leichter Frost auf.

Der Mittwoch wird wahrscheinlich mit Höchstwerten zwischen 18 und 24 Grad der wärmste Tag der neuen Wochen. Am Oberrhein könnte mit etwas Glück die 25-Grad-Marke (Sommertag) geknackt werden. Allerdings ziehen schon im Tagesverlauf in der Nordwesthälfte einzelne Schauer und Gewitter durch, die sich in der Nacht zum Donnerstag dann langsam nach Südosten ausweiten.

In der zweiten Wochenhälfte scheint es nach heutiger Sicht wieder etwas kühler und leicht wechselhaft zu werden. Eine nachhaltige, durchweg sonnige und warme Witterungsphase ist es also nicht in Sicht.

Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.04.2022

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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-10 12:54:132022-04-10 12:56:36Es geht bergauf!

Von rekordverdächtigen Blitzen

9. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Mit dem höheren Sonnenstand und den steigenden Temperaturen nimmt hierzulande die Gewitterhäufigkeit allmählich wieder zu. So traten bereits in den vergangenen Tagen häufiger Gewitter in Erscheinung. Ein faszinierendes „Nebenprodukt“ der Gewitter stellt dabei der Blitz dar. Und dieser ist nicht ganz ungefährlich. Zwar sind es häufig die Begleiterscheinungen wie heftiger Starkregen, Orkanböen, großer Hagel oder Tornados, die enorme Schäden anrichten. Aber auch ein Blitzschlag kann ein Haus in Flammen aufgehen lassen oder sogar tödlich enden. Trotzdem faszinieren uns diese Gewalten der Natur immer wieder aufs Neue.

Bei der Bildung eines Gewitters steigen feuchte und energiereiche Luftmassen rasant in die Höhe auf. Dabei wird die Luft mit zunehmender Höhe schnell abgekühlt, sodass es zur Kondensation des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes kommt. Entsprechend bilden sich Quellwolken, die schließlich zu einem ausgewachsenen Kumulonimbus (Gewitterwolke) heranwachsen. Im sogenannten Aufwindbereich des Kumulonimbus werden sehr viele Wassertröpfchen und Eiskristalle mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h in eisige Höhen – zum Teil in über 10 km Höhe – katapultiert, um anschließend wieder in Richtung Erde zu fallen. Auf ihrem Weg durch die Gewitterwolke stoßen sie dabei aneinander, wodurch es zu einer elektrischen Ladungstrennung innerhalb der Wolke kommt. So entstehen zum einen positive Ladungen, die sich im oberen Bereich der Wolke ansammeln, zum anderen konzentrieren sich negative Ladungen im unteren Bereich. Die Spannungen sind dabei erheblich und können bis zu 1.000.000.000 Volt betragen. Um den enormen Ladungsunterschied innerhalb der Wolke bzw. zwischen Wolke und Erdboden wieder auszugleichen, kommt es schließlich zu Entladungen in Form von Blitzen.

Die Weltorganisation für Meteorologie (kurz: WMO) verkündete im Februar dieses Jahres mit der Hilfe neuer Satellitentechnologie gleich zwei neue Blitz-Weltrekorde: Zum einen wurde der längste Blitz der Welt über dem südlichen Teil der USA zwischen Texas und Mississippi am 20. April 2020 mit einer Länge von sagenhaften 768 km registriert. Der Fehlerbereich liegt dabei bei plus/minus 8 km. Dies entspricht einer Strecke etwa von Kiel in Schleswig-Holstein bis Garmisch-Patenkirchen in Bayern. Damit wurde der alte Rekord vom 31. Oktober 2018 über dem südlichen Brasilien mit einer Länge von rund 709 km um 59 km übertroffen.

Zum anderen wurde auch der Blitzrekord über die längste Andauer geknackt. Am 18. Juni 2020 dauerte ein Blitz entlang der Grenze zwischen Argentinien und Uruguay etwas mehr als 17,10 Sekunden an. Der Fehlerbereich der Messung liegt bei Zweitausendstel (als Zahl: 0,002) Sekunden. Der vorige Rekord von 16,73 Sekunden über dem nördlichen Argentinien vom 4. März 2019 wurde hierbei um 0,37 Sekunden übertroffen.

Durch die fortschreitende Technologisierung ist es aber eigentlich kein „Wunder“, dass neue Blitzrekorde aufgestellt werden. Während vorangegangene Rekorde noch mit Hilfe von bodengestützten Beobachtungen registriert wurden, die in ihrer Detektionsreichweite eine gewisse Begrenzung besitzen, half beim Beobachten der jüngsten Rekorde eine neue satellitenbasierte Technologie. Mit dieser neuen Technologie lassen sich deutlich größere geografische Areale abdecken und überwachen. Aber auch hier gibt es noch einige Begrenzungen, weswegen laut den Forscher, die an der Untersuchung beteiligt waren, durchaus größere Phänomene existieren könnten. Diese sollten mit längeren Datenreihen und verbesserter Technologien schließlich ebenfalls beobachtet werden.

Die Rekorde zeigen wieder einmal, wie faszinierend, aber auch, wie gefährlich solche Naturgewalten sein können. Blitze überwinden zum Teil große Distanzen in kürzester Zeit. Der Ort des Auftretens der rekordverdächtigen Blitze ist dabei allerdings keinesfalls Zufall. Die „Great Plains“ in Nordamerika und das „La Plata“-Becken in Südamerika sind für ihre langlebigen Gewitterkomplexe, sogenannte mesoskalige konvektive Systeme (kurz: MCS), bekannt. Dort, in vergleichsweise flachem Terrain, trifft idealerweise sehr feuchte und warme Meeresluft auf kalte und trockene Festlandsluft. In Deutschland blockieren beispielsweise meist die Alpen den direkten Zustrom sehr feuchter und warmer Mittelmeerluft.

Auch hierzulande sollten Gewitter in der näheren Umgebung nicht unterschätzt werden, wenngleich solche rekordverdächtigen Blitze in Deutschland nicht auftreten. Blitze suchen sich in der Regel den Weg des geringsten Widerstands in der Atmosphäre. Dieser Weg führt nicht immer auf direktem Weg aus der Wolke zum Erdboden. Und so kann es vorkommen, dass ein Blitz bei einem ausgewachsenen Gewitter in Deutschland vereinzelt auch gut und gerne 10 bis 20 Kilometer neben dem Zentrum der Gewitterwolke, also quasi „aus heiterem Himmel“ einschlägt. Deswegen ist es ratsam, bei aufziehenden Gewittern immer frühzeitig Schutz zu suchen.

Grafiken zu den rekordverdächten Blitzen finden Sie im Pressebericht der WMO unterhalb des Thema des Tages.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Vom Winter in den Sommer?

8. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Bereits im Thema des Tages vor zwei Tagen wurde an dieser Stelle davon berichtet, dass der April tief in seine Trickkiste greift und sein ganzes Repertoire abruft, was er beim Wetter so zu bieten hat. Dabei wurde auf den Sturm, den Dauerregen, den Schnee und das „Aprilwetter“ eingegangen, welche uns noch bis zum Samstag oder Sonntag beschäftigen werden. Die Geschichte kann aber noch weitergeschrieben werden. So ist es möglich, dass innerhalb weniger Tage gebietsweise erst Winterwetter herrscht und dann plötzlich fast schon der Sommer ausbricht.

Das Winterwetter zeigt sich vor allem am morgigen Samstag. Nicht wenige Menschen werden sich beim morgendlichen Blick aus dem Fenster vielleicht verwundert die Augen reiben, dass da draußen so „komisches weißes Zeugs“ die Landschaft bedeckt. Dabei handelt es sich tatsächlich um Schnee, der im zurückliegenden Winter in einigen Regionen Deutschlands ziemlich selten gefallen ist.

Die „weiße Überraschung“ (die dann ja keine mehr ist, weil Sie hier gespoilert wurde) könnte es vor allem in den mittleren und südwestlichen Landesteilen zum Teil bis in tiefe Lagen geben. Grob gesagt kommen dafür die Bereiche zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland, dem südlichen Hessen über das nördliche Bayern bis zum westlichen Erzgebirge sowie die Regionen zwischen dem Schwarzwald, dem nordöstlichen Baden-Württemberg und dem mittleren Bayern und der Alpenrand in Frage. Während oberhalb 300 bis 400 m recht sicher Schnee fällt (und liegen bleibt), muss weiter unten im Tiefland für die Herstellung einer Schneelandschaft aber schon „alles passen“.

Möglich wird der neuerliche kleine Wintereinbruch durch die Kombination der Tiefs ORTRUD und NASIM. Während ORTRUD am heutigen Freitag von Frankreich über Süddeutschland nach Osten zieht und vor allem der Südhälfte neuen Regen und Sturm bringt, schaufelt NASIM, die am gestrigen Donnerstag für den Sturm bei uns sorgte, von Norden her kalte Luft nach Deutschland. Etwa über der südlichen Mitte Deutschlands treffen Niederschläge und kalte Luft in der Nacht zum Samstag aufeinander, was den Schneefall dort ermöglicht.

Ganz anders sieht das Wetter in der kommenden Woche aus: Statt Tiefdruckeinfluss heißt es dann wieder vermehrt Hochdruckeinfluss. Dabei dreht die Strömung auf südliche Richtungen, womit deutlich mildere Luft aus südlichen Gefilden zu uns geführt wird. Folglich steigen die Tageshöchsttemperaturen von Südwesten her außer an den Küsten bis Mittwoch zunehmend verbreitet auf 16 bis 23 Grad (siehe rechter Teil der Grafik). Bei 23 Grad sind wir aber auch nicht mehr so weit entfernt von einem (meteorologischen) Sommertag, für den die Tageshöchsttemperatur 25 Grad oder mehr betragen muss. Allerdings ist nach jetzigem Stand die Chance für das lokale Auftreten eines Sommertags doch eher gering. Die höchsten Temperaturen sind allerdings ausgerechnet im nördlichen Baden-Württemberg und im nördlichen Bayern zu erwarten, also dort, wo es morgen noch schneien kann!

Statt Winterjacke, Schal, Mütze und Handschuhe können also in der neuen Woche T-Shirt und vielleicht auch die kurze Hose oder ein Rock ausgekramt werden. Ob wir auch Ostern im T-Shirt herumlaufen und Eier suchen können, ist noch nicht geklärt. Einen neuerlichen Winter- oder Kaltlufteinbruch zeigen die Modelle aktuell nicht, allerdings soll es ab Mitte der kommenden Woche insbesondere in der Nordhälfte wieder etwas wechselhafter werden und die Temperaturen allgemein leicht zurückgehen. Das frühlingshafte Temperaturniveau bleibt dabei jedoch erhalten.

Dipl.-Met. Simon Trippler

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Vom-Winter-in-den-Sommer.jpg 550 1328 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-08 16:04:012022-04-08 16:07:28Vom Winter in den Sommer?

Abseits des normalen Wetteralltags

7. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Zugegeben, unseren Alltag machen Wetterberichte für diverse Lebensgruppen aus. Vorhersagen für die Medien, Agrarwirtschaft und Luftfahrt gehören genauso dazu wie die Vorhersagen für die breite Bevölkerung oder den Straßenwinterdienst. Manchmal gibt es aber auch ungewöhnliche Anfragen.

Immer wieder haben wir Anfragen von Feuerwehren, die bei einem Feuer auf eine genaue Prognose von Wind und Niederschlag am Einsatzort für die kommenden Minuten und Stunden angewiesen sind. Ab und zu ruft auch die Polizei an und bittet uns um Hilfe, weil sie eine vermisste Person sucht und vor allem nachts das Wetter und insbesondere die Temperatur einen entscheidenden Einfluss auf die Überlebenschancen hat.

Eher ungewöhnlich war der Grund einer Wetteranfrage der Polizei vor wenigen Wochen. Die Dienststelle hatte eine Leiche gefunden. Der Zeitpunkt des Ablebens und auch die genauen Umstände gaben Rätsel auf. Bei der Rekonstruktion der letzten Stunden vor dem Tod kann das Wetter wichtige Hinweise liefern. Eine Anfrage der Polizei letzten Sommer ließ uns hinterher schmunzeln. Die Dienststelle fragte nach dem Wetter am Wochenende, weil man auf Gebirgsstraßen Motorradfahrer kontrollieren wollte. Der Aufwand lohne aber nur bei schönem Wetter, da nur dann eine ausreichend große Anzahl unterwegs sei, die man kontrollieren könne.

Wir stehen auch im täglichen Austausch mit dem GMLZ, dem gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern, das in seinem Lagebericht unsere Erkenntnisse zum deutschen und internationalen Wetter verarbeitet. Sobald ein Sturmtief international sichtbar ist, schauen wir uns die Wetterlage genau an und versuchen aus den Modellen und der Klimatologie vor Ort mögliche Auswirkungen abzuschätzen. Bei größeren Schäden an der Infrastruktur rückt nicht selten ein deutsches Team zur Hilfe aus. Je früher die Prognose gestellt wird, umso zeitiger kann sich ein Hilfsteam bereitmachen.

Auch für die Bundeswehr haben wir international immer einen Blick auf interessantes Wetter. Wann immer die Hilfe deutscher Organisationen im Ausland gebraucht wird, versorgen wir diese zumeist über das GMLZ mit Wetterprognosen. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine fertigen wir auch dafür täglich Wetterberichte und berechnen die mögliche Ausbreitung von radioaktiven Stoffen.

Eine Wettervorhersage findet also in vielen Bereichen Anwendung und so lernt der Meteorologe/die Meteorologin im täglichen Geschäft viel über die Welt und auch andere Berufe.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.04.2022

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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-07 13:57:412022-04-07 14:00:00Abseits des normalen Wetteralltags

April zeigt seine Zähne

6. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Nachdem der März vor allem durch Sonnenschein glänzen konnte, zeigt uns der April nun, wozu er wettertechnisch fähig ist. Kalte Luftmassen über Nordeuropa und warme Luftmassen über Südeuropa prallen genau über Mitteleuropa aufeinander. Turbulentes Wetter ist die Folge. Über Nordwesteuropa hat sich das veritable Sturmtief NASIM gebildet. Es sorgt in Deutschland in den kommenden Tagen für stürmisches und nasses Aprilwetter. NASIM verlagert sich bis Donnerstagabend in die östliche Ostsee und sein Frontensystem überquert uns dabei.

Am heutigen Mittwoch ist es noch vergleichsweise ruhig. Über der Südosthälfte zeigt sich gelegentlich die Sonne. Abgesehen von einzelnen Schauern am Nachmittag zwischen Oberrhein und Alpen bleibt es trocken. In der Nordwesthälfte machen sich im Tagesverlauf jedoch schon die Ausläufer NASIM´s bemerkbar und es breitet sich schauerartig verstärkter Regen aus. Der Südwestwind weht schon deutlich spürbar. Sturm gibt es bereits, vor allem im Bergland.

Deutlich in den Fokus rückt der morgige Donnerstag. Dann wird es von Nordwesten her verbreitet stürmisch mit Böen zwischen 60 und 75 km/h aus Südwest bis West. Südlich einer Linie Rheinland-Harz-Westerzgebirge und etwa bis ins nördliche Alpenvorland sowie an der Nordseeküste drohen bis in tiefe Lagen Sturmböen sowie teils schwere Sturmböen bis 95 km/h. Auf den Bergen gibt es orkanartige Böen und Orkanböen. In den Fokus rückt auch die sehr wetteraktive Kaltfront von NASIM, die sich im Tagesverlauf südostwärts verlagert. Mit Passage der Kaltfront sowie im Vorfeld ist neben den angesprochenen Sturm auch mit kräftigem, schauerartig verstärkten Regen und mitunter einzelnen Gewittern zu rechnen. Am Mittag liegt die Kaltfront über dem Nordwesten, am Nachmittag reicht sie in etwa vom Saarland bis in den Berliner Raum und in der ersten Nachthälfte erreicht sie bereits die Donau. Rückseitig lockert es kurzzeitig auf, aber es folgen rasch Schauer nach.

Am Freitag stehen mit Heranrücken eines neuen Tiefs vom Atlantik in der Südhälfte länger anhaltende und teilweise sehr kräftige Regenfälle auf der Agenda. Im Südwesten droht dabei Dauerregen mit 20-30 l/m². Im Schwarzwald sind 30-50 l/m² denkbar. Außerdem können die Niederschläge im östlichen und zentralen Mittelgebirgsraum in Schnee übergehen. Im Norden wechseln sich Sonne, Wolken und einzelne Regen- und Schneeregenschauer ab. Der Wind bleibt vor allem im Süden sowie an der Ostsee ein größeres Thema, denn dort drohen weiterhin Sturmböen aus Südwest bis West. Auf den Bergen gibt es nach wie vor schweren Sturm. Inwiefern in der Nacht zum Samstag der Niederschlag bis in tiefere Lagen in Schneefall übergeht, muss abgewartet werden.

Auf jeden Fall wird es in den kommenden Tagen sehr nass in Deutschland. Verbreitet gibt es 10-30 l/m² Niederschlag. Schwerpunkte kristallisieren sich im Südwesten und etwa entlang des Mains mit Mengen bis 50 l/m² ab. Im Schwarzwald und eventuell im Allgäu sind auch Niederschlagssummen um 80 l/m² möglich.

Am Samstag steht dann klassisches Aprilwetter auf dem Programm, bevor zum Sonntag zumindest in der Südwesthälfte eine Wetterberuhigung einkehrt. Der April macht also sprichwörtlich die nächsten Tage wirklich was er will.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 06.04.2022

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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-April-zeigt-seine-Zaehne.jpg 569 1244 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-06 15:51:162022-04-06 15:55:10April zeigt seine Zähne

Eine turbulente Wetterwoche

5. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Sturm, Dauerregen, Schnee, Tauwetter und Gewitter: Nachdem der März viel zu trocken war und uns im gleichen Zuge auf noch nicht dagewesene Weise seine sonnige Seite gezeigt hat, geht es nun fast schon „wild“ zur Sache. Den Anfang hat bereits am gestrigen Montag (4. April 2022) Tief „Mirella“ gemacht. Mit einem ordentlichen Schwung Westwind brachte „Mirella“ deutlich mildere Luft nach Mitteleuropa, sorgte dabei aber gleichzeitig den ganzen Tag über für stürmische Verhältnisse. Oft wurden dabei Windgeschwindigkeiten zwischen 60 und 80 Kilometer pro Stunde erreicht, also Windstärken zwischen 7 und 9 Beaufort. An den Küsten wehte der Wind noch etwas stärker, hier ging es hoch bis auf 90 Kilometer pro Stunde. Naturgemäß ragten die Gipfel dabei noch weiter heraus. „Spitzenreiter“ war wie so oft der Brocken, auf dem ein Wert von 144 Kilometern in der Stunde registriert wurde.

Auch am heutigen Dienstag sowie morgen am Mittwoch geht es weiterhin verhältnismäßig windig zur Sache. Dies zwar bei weitem nicht mehr in derartigen Größenordnungen, aber ganz lassen sich die Nachwehen von „Mirella“ nicht vernachlässigen. Mit dem Abzug Richtung nördliche Ostsee und Finnland ist „Mirella“ trotzdem bald Geschichte. Allerdings währt eine etwaige Pause nur kurz, denn mit Tief „Nasim“ rückt bereits der nächste Sturmkandidat heran.

„Nasim“ befindet sich aktuell vor der schottischen Küste und erreicht uns in den Früh- und Vormittagsstunden des Donnerstags. Mit einem Kerndruck von unter 975 Hektopascal – so jedenfalls vermitteln es die aktuellen Modellrechnungen – ist „Nasim“ ein ganz ordentliches Kaliber von Sturmtief, das von der Nordsee herangezogen kommt. Das bleibt natürlich nicht folgenlos. Mit im Gepäck hat „Nasim“ unter anderem eine markante Kaltfront, die uns im Laufe des Donnerstags überquert und neben schweren Sturmböen auch kräftigen Starkregen und wohl auch den ein oder anderen Blitz mitbringt. Aber auch abseits der Kaltfront kommt es erneut zum verbreiteten Auftreten von Sturmböen, alleine schon bedingt durch den kräftigen Luftdruckgradienten. Aller Voraussicht nach hat „Nasim“ aber auch noch einen Ableger in Form eines kleinen Randtiefs, die am Rande des Tiefs mitläuft und vor allem in der Südhälfte für eine deutliche Windintensivierung sorgen könnte. Ein verbreitetes Auftreten von schweren Sturmböen im bayrischen und baden-württembergischen Raum lässt sich damit aktuell erst einmal nicht ausschließen. Üblicherweise sind diese kleinräumigen Randtiefentwicklungen aber immer mit entsprechenden Unsicherheiten behaftet, sodass man erst noch abwarten muss, bevor es konkreteres zu vermelden gibt.

Aber auch nach „Nasim“ ist noch nicht Schluss, im Gegenteil. Am Freitag geht es dann gleich munter weiter. Die Kaltfront mit den starken Niederschlägen bleibt im Südwesten Deutschlands liegen und wird durch ein neues Tief von Frankreich her erneut verstärkt. Daraus resultiert eine nicht zu verachtende Dauerregenlage mit Schwerpunkt um den Schwarzwald herum, die sogar unwetterartige Niederschlagssummen bringen könnte. Je nach Tiefentwicklung gibt es auch Szenarien zu berücksichtigen, in denen diese Niederschläge in Form von Schnee fallen können und in der Region nochmals nennenswerte Neuschneemengen bringen. Zu guter Letzt ist es auch nicht ausgeschlossen, dass damit für den süddeutschen Raum nochmals ein stürmischer Tag bevorsteht.

Insgesamt sind aber besonders die letztgenannten Entwicklungen mit entsprechenden Unsicherheiten behaftet. Es bleibt also weiterhin spannend, und eine aufmerksame Verfolgung der weiteren Wetterentwicklung im Laufe dieser Woche ist geboten.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.04.2022

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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Eine-turbulente-Wetterwoche.png 1705 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-05 15:55:412022-04-05 15:59:19Eine turbulente Wetterwoche

Rekordfrost für April

4. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Der Winter gab sich in den vergangenen Tagen ein bemerkenswertes, spätes Stelldichein in Deutschland. Schnee und Nachtfrost sind zwar prinzipiell nichts Ungewöhnliches für den April. Vor allem der Frost tritt in der ersten Monatshälfte in aller Regelmäßigkeit auf. Doch die Tiefsttemperaturen in den beiden vergangenen Nächten auf Sonntag und auf Montag bewegten sich dann doch ziemlich weit unten auf der „Machbarkeitsskala“. Vereinzelt wurden sogar Monatsrekorde für das tiefste Temperaturminimum gebrochen.

Damit es nachts stark auskühlen kann, bedarf es nicht nur eines niedrigen Ausgangsniveaus der Temperatur, sondern auch windschwacher und bewölkungsarmer Bedingungen in den Nächten. Das ist eine meteorologische Konstellation, die infolge eines Kaltluftvorstoßes im April nun wirklich nicht allzu selten anzutreffen ist – deswegen auch diese Regelmäßigkeit des Frostes. Das Besondere der vergangenen Tage aber war, dass sich zudem regional eine nicht unerhebliche Schneedecke ausbilden konnte. Diese wirkt wie eine Isolierdecke und verhindert, dass die im April mitunter schon ziemlich warmen Böden ihre Wärme an die darüber liegende Luft abgeben. Es ist wie mit einer Daunendecke, die die Körperwärme nachts im Bett und das Schlafzimmer kalt hält.

Am Sonntagmorgen herrschte vor allem über der Nordhälfte, am Montagmorgen dann im Süden verbreitet mäßiger Frost zwischen -5 und -9 °C, bevorzugt über den angesprochenen Schneeflächen örtlich sogar strenger Frost unter -10 °C. Die tiefsten Werten wurden am Sonntagmorgen in Wernigerode-Schierke mit -10,5 °C, am Montagmorgen in Meßstetten-Appental mit -14,6 °C gemessen. Auf der Zugspitze ging es sogar runter bis auf -18,4 °C.

Die Zugspitze hält auch den deutschen Monatsrekord mit -24,2 °C. Dieser Rekord war zwar nicht in Gefahr, dennoch muss man bis mindestens zum April 2003 zurückgehen, um ähnlich markante Frostnächte zu finden. Zudem wurden an einigen Orten zumindest Stationsrekorde gebrochen, es war also zumindest örtlich im April noch nie so kalt wie in den vergangenen Nächten. Die folgende Tabelle zeigt die Rekorde für Stationen mit mehr als 30-jährigen Messreihen:

02./03.04.2022

Eslohe (NW) -10,0 °C (alt: -9,9 °C vom 12.04.1986)

Burgwald-Bottendorf (HE) -9,0 °C (alt: -8,3 °C vom 09.04.2003)

Genthin (ST) -7,8 °C (alt: -7,7 °C vom 09.04.2003)

Kyritz (BB) -7,5 °C (alt: -7,1 °C vom 10.04.1990)

Manschnow (BB) -6,6 °C (alt: -6,4 °C vom 02.04.2013)

03./04.04.2022

Memmingen (BY) -8,8 °C (alt: -8,7 °C vom 08.04.2003)

Augsburg (BY) -8,1 °C (eingestellt: -8,7 °C vom 08.04.2003)

Elzach-Fisnacht (BW) -6,5 °C (alt: -6,0 °C vom 21.04.1991)

Wutöschingen-Ofteringen (BW) -5,9 °C (alt: -5,2 °C vom 01.04.2020)

Emmendingen-Mundingen (BW) -5,6 °C (alt: -5,1 °C vom 22.04.1997)

Nun stellt sich die Großwetterlage aber auf eine sogenannte „zyklonale Westlage“ um. Dabei dreht die Strömung großräumig auf westliche Richtung, sodass die über dem Nordatlantik wie auf einer Perlenschnur aufgereihten Tiefdruckgebiete nach Europa gelenkt werden können. Mit der Winddrehung auf West wird die kalte Polarluft verdrängt und von milderer, wolkenreicher Meeresluft ersetzt. Der heutige Montag markiert dabei den Startschuss für eine turbulente Wetterwoche mit milderen Temperaturen, vor allem aber kräftigen Niederschlägen, Tauwetter und Sturm.

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.04.2022

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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Rekordfrost-fuer-April.png 913 1612 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-04 13:56:232022-04-04 14:00:15Rekordfrost für April

Kaltlufteinbrüche im Frühjahr – Teil 1: Später Schnee

3. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen wurde in dieser Rubrik ja bereits (mehrfach) auf den bevorstehenden späten Wintereinbruch hingewiesen. Nun neigt sich das „Wintermezzo“ langsam dem Ende entgegen. Letzte Schneefälle klingen im Tagesverlauf an den Alpen langsam ab und die Schneetiefs Jana und Lotte südlich der Alpen lösen sich endgültig auf. Die Schneehöhen heute Morgen konnten sich aber nochmals sehen lassen mit beispielsweise 27 cm in Niederstetten (auf rund 450m, Baden-Württemberg) oder auch knapp 10 cm in Augsburg und München. Dabei galt wie zuvor schon in der Mitte und im Norden des Landes, dass auf Wegen und Straßen teilweise so gut wie gar nix liegen geblieben ist.

Dieses Phänomen ist bereits in den ersten Februarwochen vermehrt sichtbar und verstärkt sich im Laufe des Frühjahrs mit höherem Sonnenstand entsprechend weiter. Trotz vielerorts kompakter Bewölkung, reicht die durchdringende diffuse Einstrahlung aus, um dunkle Asphalt- und Betonflächen rasch zu erwärmen. Zudem war die eingeflossene Kaltluft insbesondere nach Abzug der Niederschläge sehr trocken, so dass der vorhandene Schnee förmlich unter den Schlitten der herumtollenden Kinder „verschwand“ – also nicht nur schmolz (Änderung des Aggregatzustandes von fest zu flüssig), sondern gar sublimierte (fest zu gasförmig). Dementsprechend war der Spuk ganz im Sinne der Sommerliebhaber und fluchenden Autofahrer schnell wieder vorbei. Gerade wo sich aber nach einige Schneereste halten konnten (schattige Wiesen und Wälder, Tallagen, Nordhänge), wurde es in der vergangenen Nacht bitterkalt mit teils strengem Frost. So meldete beispielsweise Wernigerode eine Tiefsttemperatur von -10,5 Grad. Ähnliche Größenordnungen sind in der kommenden Nacht zum Montag auch im Süden des Landes zu erwarten.

Im privaten Kreis, aber auch bei den Medien kommt in diesem Zusammenhang schnell die Frage auf: Ist das noch normal? Sind das vielleicht sogar Rekorde? Aus dem Nähkästchen geplaudert kann ich Ihnen sagen, dass darüber natürlich auch in der Kollegenschaft umgehend debattiert wird. Die Meinungen sind allerdings vielfach durch einprägsame – um nicht zu sagen – einschneidende Erlebnisse in Kindheitstagen mitunter subjektiv verzerrt. Es herrscht jedoch genereller (subjektiver) Konsens, dass die Neigung zu späten Kaltlufteinbrüchen im Frühjahr (egal ob mit oder ohne Schnee) in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Oder täuscht dieser Eindruck etwa, weil die Winter generell milder geworden sind? Spielt uns unser Bewusstsein einen Streich, wenn bereits früh im Jahr T-Shirt taugliche Temperaturen (wie jüngst erst vor rund einer Woche in weiten Landesteilen) erreicht werden, die einen „Rückfall“ umso empfindlicher erscheinen lassen? Dieser Frage wollen wir in einem Mehrteiler in den kommenden Wochen einmal genauer auf den Grund gehen, der sich rund um Kaltlufteinbrüche im Frühjahr drehen wird.

Den Auftakt bildet das Thema „später Schnee“. Untersuchen wir im ersten Schritt doch erst einmal, wann deutschlandweit die Rekorde für den am spätesten gefallenen und auch liegengeblieben Schnee beobachtet wurden. Dabei spielt die Schneehöhe an sich zunächst noch keine Rolle. Erfasst wird lediglich, wenn es sich um eine Schneehöhe echt größer 0 cm handelt. Zudem darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Datenbasis vor allem die Erfassung der Schneehöhe um 06 UTC am Morgen zu Grunde liegt. Ist Schnee mal kurzzeitig zwischen 07 und 08 UTC vorhanden gewesen, flutscht dieser in der Statistik durch. Aus genannten Gründen im oberen Absatz (Stichwort: Globalstrahlung) sind Schneeakkumulationen tagsüber aber im späten Frühjahr zunehmend unwahrscheinlich und in der Mehrzahl auf die Nachtstunden beschränkt.

Die Daten sind in der beiliegenden Grafik auf der Deutschlandkarte eingetragen. Schnell wird klar: Eine Schneedecke Anfang April ist bei Weitem nicht ungewöhnlich (Die Schneehöhen waren es aber sehr wohl, mehr dazu in den weiteren Teilen dieser Reihe). Teilweise wurde im vergangenen Jahrhundert, aber selbst auch in jüngerer Vergangenheit noch Wochen später einen nennenswerte Schneehöhe gemessen. Im Mittel sprechen wir dabei von einem Zeitraum von der letzten Aprildekade bis zur ersten Maidekade. Je nach Höhenlage verschiebt sich dieser Zeitraum entsprechend nach hinten. Auf dem Hohenpeißenberg (auf knapp 1000 m, Bayern) beispielsweise liegt der absolute Rekord für die späteste Schneedecke erst am 03. Juni, gemessen im Jahr 1962. Grundsätzlich ist die zeitliche und räumliche Variabilität aber sehr hoch und ein Einzelereignis kann sämtliche Rekorde ins Wanken bringen. So war exemplarisch Ende April 1985 so ein „Event“, woraus die Rekorde in Essen, Stuttgart und Freiburg resultieren. Nebenbei bemerkt war die Wetterlage damals recht ähnlich zum aktuellen „Schneebringer“.

Unbestritten ist der Zusammenhang, der die Statistik zugleich auch „verwässert“: Je länger die Zeitreihe ist, sprich je weiter sie auch in die Vergangenheit zurückreicht, desto später sind entsprechend die Rekorddaten gelagert. Ein Schneefallereignis am 11.05.1897 auf Husum wirkt heutzutage tatsächlich „wie aus einer anderen Zeit“.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 03.04.2022

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