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Der Supertaifun „Surigae“

Die diesjährige Taifunsaison im Pazifik bietet bereits sehr früh im Jahr ein meteorologisches Spektakel. Sturm „Surigae“ hat sich zu einem Supertaifun entwickelt. Mit etwas Glück kommen die Philippinen relativ ungeschoren davon, aber ganz gebannt ist die Gefahr noch nicht.

Im Gegensatz zum Atlantik, wo Hurrikans in der Regel zwischen Juni und November erwartet werden, kennt der Pazifik keine derartige Saison. Hier können sich das ganze Jahr über tropische Stürme entwickeln. Allerdings findet die Hauptaktivität ebenfalls erst später im Jahresverlauf, meist zwischen Juli und November, statt. Schon aus diesem Grund ist es bemerkenswert, was sich zurzeit östlich der Philippinen abspielt. Dort tobt in der Philippinischen See der Supertaifun „Surigae“.

Begonnen hat die Entwicklung von „Surigae“ etwa vor einer Woche inmitten des Pazifik, etwa 1000 km südlich der Insel Guam. Dort entwickelten sich in einer Umgebung mit sehr wenig Windscherung und Wassertemperaturen von 28 bis 29 Grad konvektive Regenbänder. Diese Entwicklung führte dazu, dass dieses System am 10. April 2021 zunächst als „Tropische Depression“ eingestuft wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt war absehbar, dass sich diese Depression in philippinische Gewässer bewegen würde.

Drei Tage später – wir schreiben den 13. April 2021 – war das System weiter nach Westen in Richtung der Philippinen gezogen. Dabei entwickelte es sich in der Zwischenzeit zunehmend weiter. Das heißt, die Konvektion verstärkte sich zusehends, was sich vor allem auf Satellitenbildern recht deutlich abzeichnete. Erkennbar ist sowas durch die Zunahme der Anzahl an Regenbändern und der Mächtigkeit der Bewölkung. Diese Intensivierung veranlasste den japanischen Wetterdienst („Japan Meteorological Agency“, JMA) dazu, das System als „Tropischen Sturm“ einzustufen und ihm den Namen „Surigae“ zu verleihen. Als weiterer Faktor kam noch hinzu, dass sich „Surigae“ in ein Gebiet mit weiterhin sehr günstigen Entwicklungsbedingungen bewegen würde (kaum Windscherung, hohe Wassertemperaturen). Der Sturm verstärkte sich also noch weiter und im Satellitenbild begann sich allmählich eine spiralförmige Struktur des Systems abzuzeichnen. Am 15. April stufte die JMA den Sturm deswegen weiter herauf. „Surigae“ war nun ein „Schwerer Tropischer Sturm“.

Am 16. April war das System so weit entwickelt, dass es als Taifun klassifiziert werden konnte. Der Verstärkungsprozess war aber immer noch nicht beendet. Zunehmend bildete sich nun ein im Satellitenbild deutlich wahrnehmbares Auge aus, wie man es klassischerweise von tropischen Wirbelstürmen kennt. Dieser Prozess ist dabei auch immer ein Hinweis auf deutliche Intensivierung eines solchen Sturms. Ein weiterer Hinweis sind die aus Satellitenbildern ableitbaren Temperaturen der Wolkenoberkante. Je kälter diese sind, desto höher sind die Wolken und desto intensiver ist die Konvektion. Bei „Surigae“ hatte sich dabei zunehmend ein geschlossener Ring sehr niedriger Wolkenoberkantentemperaturen um das Auge gebildet.

Am gestrigen 17. April bestimmte die JMA einen Kerndruck von 895 Hektopascal. Dabei sollte das zehnminütig gemittelte Windmaximum etwa 220 km/h, das einminütig gemittelte Windmaximum etwa 285 km/h betragen. Diese Windgeschwindigkeiten machen „Surigae“ zu einem Supertaifun und entsprechen nach der sogenannten Saffir-Simpson-Skala für atlantische Hurrikans der höchsten Kategorie 5. Damit ist „Surigae“ auch der stärkste in einem April jemals beobachtete Taifun.

Am heutigen 18. April befindet sich „Surigae“ etwa 750 Kilometer östlich der Philippinen auf nordwestlicher Zugbahn mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 220 km/h und Böen bis 315 km/h. Betrachtet man sich verschiedene Vorhersagemodelle, so zeichnet sich noch nicht genau ab, in welche Richtung „Surigae“ genau ziehen wird. Die Mehrheit der Modelle, allen voran das amerikanische Modell GFS, sieht den Sturm rechtzeitig in Richtung Nordosten abdrehen, bevor er die philippinische Ostküste trifft. Betroffen wären dann nur einige vorgelagerte Inseln. Das europäische Modell ECMWF dagegen zeigt durchaus noch die Möglichkeit, dass „Surigae“ noch den äußeren Nordosten der philippinischen Hauptinsel Luzon treffen könnte und dort dementsprechend heftige Schäden verursachen würde. Was also genau passieren wird, ist noch nicht ganz klar und erfordert weiter genaue Beobachtung der weiteren Entwicklung. Die wahrscheinlichere Variante ist aber diejenige, die den Taifun zeitiger nach Nordosten, weg vom philippinischen Festland drehen lässt.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.04.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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