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Schlagwortarchiv für: Sommerwetter

Von Hunden und Erfrischungen

24. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Gemäß vielen Kalendern und Büchern befinden wir uns seit dem gestrigen Donnerstag in der Zeit der sogenannten „Hundstage“. Die Hundstage gehören zu den Singularitäten, also den Witterungsregelfällen in der Meteorologie. Andere bekannte Beispiele für solche Singularitäten sind die Eisheiligen, die Schafskälte, der Siebenschläfertag, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter. Die Hundstage erstrecken sich dabei vom 23. Juli bis zum 23. August. Namensgebend ist das Sternbild „Großer Hund“, dessen Hauptstern „Sirius“ zu Beginn dieses Zeitraums seinen heliakischen Aufgang hat. Der Begriff der Hundstage dient im allgemeinen Sprachgebrauch der Benennung der heißesten Tage des Jahres.

Passend dazu wurde am gestrigen Donnerstag in den USA der „Tag der Erfrischungen“ gefeiert. Dieser Aktionstag hat allerdings kein festes Datum, sondern fällt immer auf den vierten Donnerstag im Juli. Er wurde 2015 vom Getränkehersteller Traveller Beer Company und vom Webportal nationaldaycalendar.com ins Leben gerufen und war Teil einer Marketingkampagne für Bier-Mix-Getränke. In Deutschland wurde am gestrigen Donnerstag hingegen zum ersten Mal der „Tag der Schorle“ begangen. Dieser geht auf eine Initiative von C. Rasmus und G. Sigmundczyk aus Mannheim zurück. Sie nannten bei der Wahl des Datums mehrere Gründe, die für den 23. Juli sprachen. Zum einen wäre da die Überschneidung mit dem amerikanischen „Tag der Erfrischungen“. Zum anderen laden lange Sommerabende und die laufende Weinfestsaison dazu ein, diesen Aktionstag mitzufeiern.

Daneben gab es am gestrigen Donnerstag (wie in jedem Jahr am 23. Juli) in den USA den „Tag des Vanilleeis“, der dort bereits seit den 1990er-Jahren bekannt ist. Vanille zählt zu den beliebtesten Geschmacksrichtungen beim Eis. Zudem kann Vanilleeis auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurückblicken. Manche Quellen besagen, dass Vanilleeis sogar in den USA eingeführt wurde. Damit ist ein entsprechender Aktionstag dort gar nicht mal so unberechtigt. Und wie wäre es, sich ein großes Eis zu gönnen und dieses noch mit ein paar Zuckerstreuseln zu verzieren? Passend dazu wurde am gestrigen Donnerstag in den USA sowie in Kanada der „Zuckerstreusel-Tag“ begangen. Dieser wurde 2017 von der Kanadierin Rosie Alyea ins Leben gerufen. Der 23. Juli ist dabei auch ihr Geburtstag. Auch dieser Aktionstag lässt sich als Teil einer Marketingkampagne verstehen, denn die Initiatorin vertreibt über ihr Unternehmen unter anderem Zuckerstreusel.

Am heutigen Freitag gibt es hingegen keine „erfrischenden“ Aktionstage. Manche mögen an dieser Stelle womöglich widersprechen, zumindest diejenigen, die einen Tequila als erfrischend wahrnehmen. Anders sieht es hingegen am morgigen Samstag und am Sonntag aus. Vielleicht nicht direkt erfrischend, aber durchaus passend für einen lauen Sommerabend gibt es am morgigen Samstag in den USA den „Käse-und-Wein-Tag“. Erfrischender wird es da schon am Sonntag, am „Tag des Kaffee-Milchshakes“.
Doch wie präsentiert sich das Wetter über das Wochenende? Werden tatsächlich Erfrischungen gebraucht?

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Freitag, den 24.07.2026 12 UTC

Hoch NORBERT beschert uns momentan recht freundliches und ruhiges Wetter. So sorgt er auch am morgigen Samstag in weiten Teilen des Landes für viel Sonnenschein. Bei Höchsttemperaturen zwischen 25 und 33 Grad wird es zudem sommerlich warm bis heiß. Im Südwesten und am Alpenrand ist zum Nachmittag und Abend allerdings mit einzelnen Schauern und Gewittern zu rechnen. Ganz im Norden ziehen hingegen zeitweise Wolkenfelder durch und einzelne Schauer sind möglich. Die Höchsttemperaturen liegen dort zwischen 21 und 25 Grad.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Samstag, den 25.07.2026

Auch am Sonntag treten südlich der Donau einzelne, direkt am Alpenrand wiederholt Schauer und Gewitter auf. Zudem kommt im Norden Deutschlands schauerartiger, teils gewittriger Regen auf, der sich im Tagesverlauf süd-/südostwärts ausweitet und zum Abend in etwa eine Linie von Main und Mosel erreicht. Nur in einem Streifen von Baden-Württemberg bis zum Erzgebirge bekommt man die Sonne auch etwas länger zu Gesicht und Schauer und Gewitter treten weniger häufig auf. Allerdings kann der Westwind insbesondere im Südwesten zeitweise böig auffrischen. Im Norden und Nordwesten liegen die Höchsttemperaturen zwischen 20 und 24, sonst zwischen 24 und 31 Grad.

Die neue Woche beginnt zunächst unbeständig und die Höchsttemperaturen verbleiben vorübergehend unter der 30-Grad-Marke. Ab Dienstag nehmen die längeren Sonnenanteile von Südwesten her aber rasch wieder zu und auch Höchsttemperaturen von 30 Grad und mehr werden bereits am Mittwoch in weiten Teilen des Landes wieder erreicht.

Zusammengefasst kann man sich also insbesondere am morgigen Samstag eine Erfrischung gönnen. Ab Dienstag scheinen Erfrischungen jeglicher Art dann hingegen tatsächlich gebraucht zu werden.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Von-Hunden-und-Erfrischungen-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-24 13:40:112026-07-28 17:20:54Von Hunden und Erfrischungen

Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

17. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen und bis zum Wochenende haben wir es mal wieder mit teils kräftigen Gewittern zu tun. Und wie so häufig verteilen sich die Gewitter nicht gleichmäßig über das Land. Einzelne Regionen bekommen kräftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar nichts. Manchmal gibt es selbst auf wenigen Kilometern räumlicher Distanz sehr große Unterschiede. Manch ein Gewitter- oder Gartenfan bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie „kracht“ oder der Garten wieder einmal nicht gewässert wird. Aber stimmt das auch?

Gewitterverteilung über Deutschland.

In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter vorkommen. Dazu zählen alle Gebirgsregionen. Dort werden die Luftmassen bei der Anströmung durch das Gebirge zwangsweise gehoben und die in Gewitterwolken immer vorhandene Aufwärtsbewegung auf diese Weise verstärkt.

Das lässt sich im Sommer gut beobachten, wenn über den Bergen bereits Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es im Süden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die Gewitter dort auch zahlreicher. Zusätzlich kommen im Süden Deutschlands häufiger feuchte und warme Luftmassen von Süden her an, die den Norden teilweise gar nicht erst erreichen oder nur in abgeschwächter Form. Damit wird die Entstehung von Gewittern im Süden zusätzlich begünstigt. Gleichwohl kommen aber überall in Deutschland Gewitter vor.

Der „Kulisseneffekt“

Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort scheinbar immer vorbeiziehen, lässt sich in den allermeisten Fällen gut erklären. Verantwortlich dafür ist der sogenannte „Kulisseneffekt“.

Der „Kulisseneffekt“ entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort herum mächtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese in mittleren Breiten bis etwa 12 km hohen Wolken lassen sich bis zu einer Entfernung von 50 km und mehr beobachten. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich herum Gewitterwolken zu sehen, ist damit sehr hoch. Die Gewitterzellen selber bzw. dessen Kerne sind jedoch oft nur sehr klein, was gut im Regenradar zu erkennen ist. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, von dem Gewitter getroffen zu werden, relativ klein. Es entsteht der Eindruck, die Gewitter würden vorbeiziehen, wenn man wieder mal nicht getroffen wurde.

24-stündiger Niederschlag über dem Südwesten Deutschlands am 17. Juli 2026, 8 Uhr MESZ. Südlich von Karlsruhe im Kern einer Zelle 50-60 l/qm Regen, 8 km weiter aber nur 2-5 l/qm. Der weiße Strich zeigt die Entfernung.

Ausnahme Lee von Gebirgszügen

In einigen Regionen kann der „Kulisseneffekt“ in bestimmten Wettersituationen aber nicht als Erklärung für vorbeiziehende Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges gemeint.

Schon kleinere Gebirgszüge können dabei als sogenannte „Wetterscheide“ fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, während abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Der gleiche Standort kann bei anderer Anströmung natürlich trotzdem von einem Gewitter getroffen werden.

Dass die Gewitter also immer vorbeiziehen, ist eher ein subjektives Empfinden. Beim nächsten Gewitter knallt es dann vielleicht heftig.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Warum-ziehen-die-Gewitter-immer-an-mir-vorbei.jpg 768 606 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-17 15:11:442026-07-20 10:20:40Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

7. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während in weiten Teilen Südwesteuropas weiterhin eine außergewöhnliche Hitzewelle das Wetter bestimmt, präsentiert sich Deutschland in den kommenden Tagen von seiner vergleichsweise angenehmen Sommerseite. Verantwortlich dafür ist eine großräumige Wetterlage mit Hoch JOCHEN im Westen und einer Tiefdruckzone über Nordeuropa. Wer seinen Urlaub derzeit auf Sizilien verbringt, kann neben hochsommerlichen Temperaturen sogar ein besonderes Naturschauspiel erleben: Der Ätna zeigt sich erneut aktiv und sorgt mit seiner Eruption für beeindruckende Bilder.

Ätna-Ausbruch vom 06.07.2026. Quelle: Alessandro Micalizzi

Die Zweiteilung des Wettergeschehens über Deutschland bleibt zunächst bestehen. Während sich Hoch JOCHEN von Südwesten her zunehmend bemerkbar macht, befindet sich der Norden und Nordosten des Landes noch im Einflussbereich von Tief BERNADETTE, das von Südnorwegen zum Baltikum zieht und sich dort mit Tief AUSYNJA vereinigt. Zum Wochenende setzt sich der Hochdruckeinfluss immer mehr durch und bleibt voraussichtlich auch darüber hinaus wetterbestimmend.

Da sich der Schwerpunkt des Hochs über den Britischen Inseln befindet, gelangt zwar warme, aber keine extrem heiße Luft nach Deutschland. Anders sieht die Lage in Frankreich und Spanien aus: Dort sorgt die eingeflossene Heißluft erneut für Spitzenwerte von über 40 Grad und eine erhebliche Wärmebelastung.

Am heutigen Dienstag zeigt sich der Himmel vor allem im Norden und Osten häufig wolkig bis stark bewölkt. Gebietsweise fällt dort auch etwas Regen. Im übrigen Land wechseln sich Sonne und Wolken ab. Die Temperaturen erreichen im Nordosten lediglich 18 bis 25 Grad, während sonst 28 bis 32 Grad und am Oberrhein örtlich bis zu 35 Grad gemessen werden. Dazu weht besonders im Norden und Osten ein frischer Nordwestwind mit starken bis stürmischen Böen. Im Küstenumfeld sowie im Bergland sind vereinzelt auch Sturmböen möglich.

Wetter- und Temperaturkarte, am Dienstag 07.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Mittwoch ziehen zunächst noch zahlreiche Wolkenfelder über Deutschland hinweg. Von Westen lockert die Bewölkung jedoch zunehmend auf. Regen bleibt die Ausnahme und fällt höchstens noch vereinzelt an den östlichen Alpen. Die Temperaturen ändern sich im Norden und Osten kaum, während im Südwesten mit 27 bis 32 Grad die große Hitze des Vortages bereits etwas gedämpft wird. Im Nordosten macht sich der Nordwestwind weiterhin mit starken bis stürmischen Böen bemerkbar.

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 08.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Donnerstag gewinnt Hoch JOCHEN weiter an Einfluss. Zwar ziehen vielerorts noch Wolkenfelder durch, diese bleiben aber meist harmlos. Vor allem im Südwesten scheint häufig die Sonne und die Temperaturen steigen dort erneut über 30 Grad. Im übrigen Land werden angenehme 22 bis 28 Grad erreicht. Der Wind weht nur noch schwach bis mäßig aus nördlichen Richtungen.

Von Freitag bis Sonntag steht dann verbreitet ruhiges Sommerwetter auf dem Programm. Die Sonne zeigt sich häufiger und auch im Norden steigen die Temperaturen wieder an. Meist werden 25 bis 30 Grad erreicht, im Westen und Südwesten örtlich 32 bis 36 Grad. Lediglich an den Alpen besteht insbesondere am Samstag ein geringes Risiko für einzelne Gewitter. Der Wind spielt dabei kaum noch eine Rolle.

Aussichten vom Donnerstag, den 09.07.2026 bis Samstag, den 11.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Trotz der sommerlichen Temperaturen bleiben die Nächte vielerorts angenehm frisch. Dadurch kann in den Morgenstunden gut gelüftet werden und auch die Wärmebelastung hält sich zunächst in Grenzen. Lediglich im Südwesten steigen die nächtlichen Tiefstwerte zum Wochenende örtlich auf knapp 20 Grad an, sodass die Nächte dort zunehmend tropisch anmuten.

Worauf viele Regionen Deutschlands dagegen weiterhin vergeblich warten, ist ergiebiger Regen. Auch in den kommenden Tagen sind nennenswerte Niederschläge nicht in Sicht. Die Trockenheit setzt sich daher in Teilen des Landes fort und die Waldbrandgefahr bleibt vielerorts erhöht. Während also Südwesteuropa unter extremer Hitze leidet, profitiert Deutschland vorerst von einer deutlich gemäßigteren Sommerwitterung – allerdings um den Preis anhaltender Trockenheit.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Zwischen-Sommerhoch-und-Tiefdruckeinfluss-–-Deutschland-bleibt-von-der-grossen-Hitze-verschont-1.jpg 1365 2048 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-07 17:07:062026-07-14 00:04:24Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

Ein Blick auf die Pflanzenwelt – Phänologie

6. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Haben Sie es auch schon gesehen? Die Getreideernte hat zum Teil schon begonnen. Und irgendwie kommt zumindest der Autorin das sehr zeitig vor. Um das genau einordnen zu können, beschäftigen wir uns mal wieder mit der Phänologie.

In der Phänologie werden die Jahreszeiten mit Hilfe der Wachstumsphasen ausgewählter Pflanzenarten bestimmt. Im Gegensatz zur kalendarischen Definition, bei der der Sonnenstand den Beginn der einzelnen Jahreszeiten bestimmt und damit wenig Variabilität aufweist, hängen die phänologischen Jahreszeiten von den Entwicklungsstadien der Pflanzenwelt ab, also vom Blühbeginn, dem Beginn der Blattentfaltung, dem Reifegrad der Früchte und schließlich im Herbst von der Laubverfärbung und dem Laubfall. Mit Hilfe dieser sogenannten Leitphasen unterschiedlicher Pflanzenarten werden Frühling, Sommer und Herbst jeweils in 3 Phasen unterteilt.

Um feststellen zu können, wann und wo die entsprechenden Wachstumsphasen auftreten, gibt es ein deutschlandweites Netzwerk meist ehrenamtlicher Beobachter. Entsprechende Grafiken zur aktuellen Pflanzenentwicklung können auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes abgerufen werden (Link siehe unten). Und auch in unserer WarnWetter-App können Pflanzenmeldungen abgesetzt und angeschaut werden.

Abb. 1. Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zum Blühbeginn der Sommer-Linde, Stand: 06.07.2026, 01:26 UTC

Die phänologische Leitphase für den Hochsommer ist die Blüte der Sommer-Linde. Abbildung 1 zeigt die Deutschlandkarte mit den entsprechenden Meldungen. Dabei gingen viele Blüh-Meldungen seit Ende Mai/Anfang Juni ein, in höheren Lagen zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb erst Ende Juni. Im Deutschlandmittel ergibt sich daraus (vorläufig) ein Blühbeginn am 14.6. Im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (17.6.) also leicht früher als normal. Das lässt sich anhand der sogenannten Phänologischen Uhr (Abbildung 2) ablesen, die aus den Eintrittszeiten charakteristischer Vegetationsstadien erstellt wird und somit das phänologische Jahr abbildet. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit. Im äußeren Ring der in Abbildung 2 dargestellten phänologischen Doppeluhr ist der langjährige mittlere Verlauf der phänologischen Jahreszeiten dargestellt. Im Vergleich dazu ist im inneren Ring der Verlauf des aktuellen Jahres, also 2026, abgebildet. Die Dauer einer phänologischen Jahreszeit (in Tagen) wird sowohl beim äußeren als auch beim inneren Ring direkt im Ring bzw. im jeweiligen Ringabschnitt angegeben.

Abb. 2: Phänologische Uhr mit Darstellung der phänologischen Jahreszeiten, aktuell Hochsommer, Stand: 30.06.2026 (Aktualisierung 1x wöchentliche, dienstags)

Abb. 3: Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zur Ernte von Wintergerste, Stand: 06.07.2026, 01:21 UTC

Nun nochmal zur beginnenden Ernte auf den Getreidefeldern. Wie in Abbildung 3 zu sehen, sind tatsächlich bereits einige Meldungen zur Ernte von Wintergetreide, vor allem von Wintergerste, eingegangen. Schaut man sich die tagesaktuellen Meldungen der letzten zwei Wochen in der App unter Pflanzenmeldungen an, sind diese im Vergleich zum vieljährigen Deutschlandmittel um 8 bis 10, teils auch um 15 Tage verfrüht. Der subjektive Eindruck eines recht frühen Starts in die Ernte trügt also nicht. Die Leitphase Blühbeginn Sommer-Linde für den Hochsommer ist nur wenig verfrüht. In Bezug auf andere phänologische Kenngrößen wie der Getreideernte hatte aber wohl die Hitzewelle Ende Juni einen größeren Einfluss und sorgt für teils mehr als 10 Tage Vorsprung gegenüber dem Klimamittel.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Ein-Blick-auf-die-Pflanzenwelt-Phaenologie-1.png 670 425 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-06 13:58:522026-07-14 00:03:52Ein Blick auf die Pflanzenwelt – Phänologie

Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

5. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch JOCHEN sorgt im Südwesten des Landes aktuell für meist ruhiges Sommerwetter. Gleichzeitig wird die Nordosthälfte immer wieder von Frontensystemen beeinflusst, die für schauerartige, teils auch gewittrige Niederschläge sorgen. Dazu weht ein zeitweise starker Nordwestwind. Vor allem an exponierten Küstenabschnitten treten einzelne stürmische Böen (Bft 8) auf.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Sonntag, den 05.07.2026 um 12 UTC. (Quelle:DWD)

Zu Wochenbeginn verstärkt sich die Wetterzweiteilung zwischen dem Südwesten und dem Nordosten des Landes. Im Südwesten gibt es bei viel Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen um 30 Grad bestes Badewetter. Im Nordosten sorgt dagegen ein heranziehender kurzwelliger Trog für neue, teils auch länger anhaltende Niederschläge. Damit liegen dort die Höchsttemperaturen lediglich bei maximal 20 Grad. In Verbindung mit einem weiterhin recht lebhaften Nordwest- bis Westwind stellt sich in dieser Region zumindest gefühlt bereits eine frühherbstliche Witterung ein.

Zur Wochenmitte dehnt sich der Höhenrücken über Westeuropa allmählich nach Osten aus, sodass in der zweiten Wochenhälfte auch die Nordosthälfte vermehrt unter Hochdruckeinfluss gerät. Der ausgeprägte Rücken wird dabei von zwei Trögen flankiert. Außerdem ergeben sich im Geopotentialfeld kleinere Schwachstellen, die mit schwach ausgeprägten Bodentiefs in Verbindung stehen. Damit strömen in der zweiten Wochenhälfte im Vorfeld dieser Tiefdruckstörungen über Westeuropa zunehmend sehr heiße Luftmassen von Südwesten nach Deutschland. Dabei bestehen aber noch größere Unsicherheiten. Die genaue Lage dieser Druckgebilde ist nicht nur für die Entwicklung potenzieller Gewitter wichtig, sondern auch für die Temperaturentwicklung.

Am Donnerstag liegt das Bundesgebiet voraussichtlich noch verbreitet unter Hochdruckeinfluss. Damit herrscht in weiten Landesteilen bei viel Sonnenschein bestes Badewetter. In den Niederungen des Südwestens tritt bereits eine starke Wärmebelastung auf. Entlang des Oberrheins sind Spitzenwerte von knapp 35 Grad möglich.

Am Freitag kommt die Hitze voraussichtlich noch etwas weiter nach Nordosten voran. Im Südwesten strömen zudem auch feuchtere Luftmassen heran, sodass vor allem über dem südwestdeutschen Bergland erste kräftige Gewitter mit lokalem Unwetterpotenzial möglich sind. Die Höchstwerte liegen am Freitag verbreitet bei 30 bis 35 Grad. In den Niederungen im Südwesten kann es stellenweise auch noch etwas heißer werden. Lediglich in Küstennähe und im Nordosten wird die Hitzegradmarke von 30 Grad voraussichtlich nicht erreicht.

Temperaturvorhersage für Deutschland von Donnerstag bis Samstag, den 11.07.2026. (Quelle:DWD)

Am Wochenende nehmen die Unsicherheiten weiter zu. Nach aktuellem Stand ist jedoch eine weitere leichte Zunahme der Hitze sowie eine Ausdehnung nach Norden und Nordosten am wahrscheinlichsten. In der Südwesthälfte sind in den Niederungen Spitzenwerte um 35 Grad häufig zu erwarten. Durch die heiße und teils auch sehr feuchte Luftmasse steigt die Wärmebelastung deutlich an. Vor allem hinsichtlich der Intensität und Ausdehnung der Hitze bestehen jedoch noch größere Unsicherheiten. Eine extreme Hitzewelle mit verbreitet neuen Rekordwerten, wie wir sie Ende Juni dieses Jahres erlebt hatten ist allerdings unwahrscheinlich. Trotzdem stehen uns vor allem im Südwesten einige sehr heiße Tage bevor. Damit ist wieder einmal Schwitzen angesagt!

Ensemblevorhersage der Temperatur in 1,5 Kilometer Höhe, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 Hektopascal für Hamburg und Stuttgart. In beiden Regionen ist ein großer Unsicherheitsbereich erkennbar. Trotzdem ist Hitze über das kommende Wochenende vor allem im Südwesten recht wahrscheinlich. Nur bezüglich der Intensität und Andauer gibt es noch einige Fragezeichen. (Quelle:ECMWF)

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Erwartet-uns-eine-neue-Hitzewelle-1.png 911 1275 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-05 14:51:402026-07-14 00:03:45Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

Weichenstellung auf Sommerwetter!

21. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Der Sommer steht in den Startlöchern – zumindest, was das Wetter angeht. Hauptverantwortlich hierfür zeigt sich Hoch ZENO. ZENO ist nämlich gerade dabei, seinen Schwerpunkt bis zum morgigen Freitag von Frankreich nach Mitteleuropa zu verlagern. Und dort angekommen wird es dem Hoch anscheinend so gut gefallen, dass es sich dort die kommenden Tage bequem macht.

Die Folge: Nach einem in der Nordosthälfte Deutschlands zum Teil noch recht bewölkten Freitag sorgt ZENO über das Pfingstwochenende hinweg und bis in die neue Woche hinein verbreitet für viel Sonnenschein. Dadurch kann sich die vorherrschende Luftmasse in den kommenden Tagen stark erwärmen. Niederschläge sind bundesweit betrachtet so gut wie keine zu erwarten.

Prognose der Luftdruckverteilung für Freitag, 22.05.2026, 14 Uhr (MESZ). Dargestellt sind die Isobaren (schwarze Linien), der Luftdruck in hPa, die Zentren von Hoch- (H) und Tiefdruckgebieten (T) sowie die Fronten (blaue Dreiecke: Kaltfront, rote Halbkreise: Warmfront, violette Kombination: Okklusion.

Blicken wir mal etwas genauer auf die Temperaturentwicklung: Nachdem am morgigen Freitag in der Südwesthälfte verbreitet ein Sommertag, also ein Tag mit Höchstwerten von mindestens 25 Grad verzeichnet werden wird, wird dort am Samstag in einigen Regionen die 30-Grad-Marke geknackt – zum ersten Mal in diesem Jahr. Dass der erste Hitzetag (Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad) zeitlich sehr variabel ist, zeigt ein Blick auf die vergangenen drei Jahre: 2025 war dies am 2. Mai der Fall (Waghäusel-Kirrlach, 30,4 Grad), 2024 sogar schon am 6. April und damit so früh wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn (Ohlsbach, 30,1 Grad) und 2023 dagegen erst am 8. Juni (Potsdam, 30,7 Grad).

Doch zurück zu 2026: Über die Pfingstfeiertage legt die Temperatur noch eine kleine Schippe drauf: In der Südwesthälfte verbreitet 29 bis lokal 33 Grad, in der Nordosthälfte nicht ganz so heiße, aber meist immer noch sommerlich warme 25 bis 29 Grad.

Prognose von Höchsttemperatur und Wetter für Pfingstsonntag, 24.05.2026

Wer der Hitze entfliehen will, wählt als Ausflugsziel am besten den äußersten Norden, wo zeitweise auch mal ein paar dichtere Wolkenfelder durchziehen und die Temperatur „nur“ auf Werte zwischen 23 und 26 Grad ansteigt. Noch etwas kühler (oder für mancheinen auch angenehmer) wird es standesgemäß an den Küsten bei auflandigem Wind und Höchstwerten um 20 Grad. Alternativ bieten natürlich auch die Hochlagen der Gebirge etwas kühlere Bedingungen.

In den Nächten kühlt die Luft übrigens meist noch ziemlich gut ab. Die Tiefstwerte liegen weitgehend zwischen 15 und 8 Grad und laden damit zum Durchlüften ein.

Zusammengefasst herrscht über Pfingsten also meist bestes Grill- und Ausflugswetter. Auf eine Sache sollte man aber unbedingt achten: den Sonnenschutz! Aufgrund der starken Einstrahlung wäre ansonsten ein Sonnenbrand quasi vorprogrammiert. Durch das Ausbleiben nennenswerter Niederschläge nimmt zudem auch die Waldbrandgefahr zu. Besonders hoch wird oder ist sie bereits im Süden und Osten Deutschlands.

Prognose verschiedener Gefahrenindizes. Links: UV-Index für Samstag, 23.05.2026. Rechts: Waldbrandgefahrenindex für Pfingstsonntag, 24.05.2026.

Und wie geht’s nach Pfingsten weiter? Richtung Mitte nächster Woche nehmen die Unsicherheiten in Sachen Temperaturentwicklung deutlich zu. Es sieht derzeit so aus, als ob die über uns befindliche Hochdruckzone ihren Schwerpunkt Richtung Britische Inseln verlagert. Auf der Ostflanke des Hochs könnte dann wieder kühlere Luft nach Deutschland einströmen. Nennenswerte, flächige Niederschläge sind dabei aber wohl weiterhin nicht zu erwarten.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Weichenstellung-auf-Sommerwetter-1-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-21 17:34:462026-06-09 17:49:08Weichenstellung auf Sommerwetter!

Blick nach vorne – Sommerwetter?

17. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Für all diejenigen, die auf Wärme und freundliches Wetter hoffen, gibt es Licht am Ende des Tunnels. Nach einer „durchwachsenen“ ersten Wochenhälfte macht sich vom Südwesten Europas hoher Luftdruck auf den Weg zu uns. Doch noch sind die Unsicherheiten für das Wetter zu Pfingsten groß.

Bodendruckkarte mit Fronten für den 21.05.2026. Piktogramme zur Veranschaulichung.

Zuvor heißt es aber auf jeden Fall nochmal Regenjacke und Regenschirm bereithalten. Am Montag wird es vor allem im Westen und in der Mitte Deutschlands gebietsweise nass. Die Sonne zeigt sich dort meist nur kurz und es gibt einige Schauer und örtlich auch Gewitter, lokal kann es vorübergehend kräftig regnen. Im Osten sorgt Hoch YGGLEV dagegen für freundliches Wetter.
Von Dienstag bis Donnerstag kommt es dann verbreitet zu Schauern und lokalen Gewittern. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 16 und 22 Grad. Ein Fingerzeig auf die weitere Entwicklung gibt es am Donnerstag im Südwesten des Landes. Dort setzt sich immer mehr die Sonne durch und Schauer sind seltener. Zugleich geht es mit den Temperaturen besonders entlang des Oberrheins nach oben. Örtlich kommt man dort wahrscheinlich in die Nähe des Schwellwerts für einen Sommertag von 25 Grad. Letztmalig wurden am 10. dieses Monats mindestens 25 Grad irgendwo in Deutschland erreicht.

Der Auslöser für die Änderung der Großwetterlage liegt weit entfernt von Mitteleuropa. Statt eines Hochs über den Azoren liegt ein Tief nördlich der Inselgruppe. Über dem Atlantik stößt so zur Wochenmitte Kaltluft weit nach Süden vor. Als Ausgleichsbewegung strömt weiter östlich warme Luft nach Norden. Diese Warmluft stützt sowohl am Boden als auch in höheren Luftschichten ein Hoch über Frankreich. Die Kombination aus einem Hoch sowohl in der Höhe als auch am Boden führt dazu, dass dieses Hoch keine Eintagsfliege ist – was vom sogenannten Zwischenhoch unterscheidet. Für uns in Deutschland wird entscheidend sein, wie weit nach Osten das Hoch an Einfluss gewinnt und ob an der Nordostflanke ein Tief in der Höhe nach Süden rutschen kann und uns so „in die Suppe spuckt“.

Animation des Geopotenzials in 500 Hektopascal für Donnerstag bis Pfingstsamstag.

Je nachdem wo, das Hoch mit seinem Schwerpunkt zu liegen kommt, liegt Deutschland auf der „kalten“ Ostflanke des Hochs oder nahe seinem Zentrum. Ostflanke heißt, die Strömung kommt mehrheitlich aus nördlichen Richtungen. Zentrumsnah bedeutet, dass sich die Luft durch die kräftige Einstrahlung bis auf sommerliche Werte erwärmen kann. Je weiter westlich bzw. südwestlich in Deutschland gelegen, desto höher sind die Chancen auf Wärme. Besonders für den Osten und Nordosten lässt sich noch keine Aussage treffen.

Ensembles des Models IFS, Startdatum 17.05.2026. Gitterpunkt für Berlin und Freiburg.

Fazit: Für das Wetter am langen Pfingstwochenende sind damit noch viele Lose im Topf. Im Lostopf für den Westen und Südwesten Deutschlands sind dabei allerdings deutlich mehr Sonnenlose als im Lostopf für den Osten und Nordosten des Landes. Mehr Klarheit bringen die nächsten Tage. Bildlich gesprochen sorgen neue Modellsimulationen für weniger Lose in den Töpfen bis am Ende nur noch eines übrig bleibt.

Master of Science in Meteorologie Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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