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Langes Eltern-Wochenende

8. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nachdem in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Tiefdruckgebiete das Wetter in Deutschland beeinflusst haben, setzt sich nun Hochdruckgebiet THOMAS durch. Es sorgt für zunehmend trockenes und sonniges Wetter. In der Höhe fließt auch deutlich mildere Luft ins Land, die sich durch Absinkprozesse im Hoch allmählich in tiefere Lagen durchsetzt. Bis Samstag liegt THOMAS über Deutschland, verlagert sich aber mehr und mehr in den Norden Europas. Am Sonntag weicht der Hochdruckeinfluss allmählich zunehmendem Tiefdruckeinfluss von Westen her.

Am Donnerstag (Vatertag, Christi Himmelfahrt) liegt THOMAS mit einem Druck von etwas über 1025 Hektopascal über dem Norden Deutschlands. Sein Einfluss reicht allerdings über die Nordsee bis kurz vor Island, über die Britischen Inseln bis zum nahen Atlantik, über Osteuropa bis nach Russland und nach Süden bis ans Mittelmeer. Es ist also ein recht ausgedehntes Hochdruckgebiet. Auch am Freitag reicht der Hochdruck von Skandinavien bis nach Mallorca und von Irland bis nach Südrussland. Das Zentrum mit mehr als 1025 Hektopascal wird dann über der Nordsee und den Niederlanden liegen. Um das Hoch herum strömt die Luft im Uhrzeigersinn, das heißt bodennah wird die Luft zunächst nicht wärmer. Allerdings spannt sich in der Höhe ein Keil ausgehend von Nordafrika auf. Er führt in höheren Luftschichten zunehmend warme Luft nach Deutschland. Da im Hochdruckgebiet die Luft absinkt, wird es so von Tag zu Tag trotz nördlichen Windes etwas wärmer bei uns.

Am Donnerstag (oben in obiger Grafik) erreicht die Temperatur Höchstwerte um 22 Grad, lediglich im äußersten Norden mit auflandigem Wind und unter dichteren Wolken ganz im Süden ist es etwas kühler. Dort ist zeitweise und örtlich auch etwas Regen möglich, der aber insgesamt nur sehr gering ausfällt. Die Sonne scheint vor allem in einem Streifen von der Oder bis an die Saar über längere Zeit. In der Nacht geht die Temperatur meist auf 9 bis 6 Grad zurück. Im Südosten kann es vor allem in geschützten Lagen kühler werden. Frost oder Frost in Bodennähe ist aber nicht wahrscheinlich.

Am Freitag (unten in obiger Grafik) erwärmt sich die Luft verbreitet auf über 20 Grad. Im Südwesten sind teilweise Höchstwerte um 25 Grad möglich. Nur an den Küstenabschnitten mit auflandigem Wind ist es weiterhin kühler, da die Nord- und auch Ostsee derzeit noch frisch sind. Niederschläge sind am Freitag selten. Lediglich im äußersten Norden und Nordosten sind im Zusammenhang mit der schwachen Front eines Tiefs über Nordrussland vereinzelt ein paar Spritzer Regen oder schwache Schauer möglich. Am meisten Sonne gibt es am Freitag im Westen und Süden des Landes.

Am Samstag schwächt sich das Hochdruckgebiet langsam ab. Es erstreckt sich aber weiterhin über weite Teile Nord- und Mitteleuropas. Im Nordosten und Osten liegen noch Frontenreste eines Tiefs über Russland. Am Sonntag zieht sich der hohe Luftdruck weiter nach Nordeuropa zurück. Von Westen her rückt allmählich tieferer Luftdruck näher. Die Strömung dreht auf östliche Richtung. In der Höhe fließt weiterhin warme Luft zu uns, in 850 Hektopascal (also etwa 1400 Metern Höhe über Meer) erreichen den Süden und Südwesten am Sonntag 10 bis 12 Grad.

Die Frontenreste im Nordosten und Osten sorgen am Samstag für zahlreiche Wolken, Regen fällt aber nur zeit- und gebietsweise und in geringer Menge. Durch die Wolken ist die Sonnenausbeute im Osten geringer und liegt teils nur bei 7 von rund 15 möglichen Stunden. Dennoch wird es mit 20 bis 23 Grad angenehm warm. Im Westen und Südwesten erreicht die Temperatur bei 10 bis 12 Stunden Sonne häufig mehr als 25 Grad. Somit stellt sich im Westen und Südwesten am Samstag oft ein Sommertag ein. Bei anhaltend nördlichem Wind sind die Küstenabschnitte temperaturmäßig die „Verlierer“. Über die 10 bis 13 Grad kühle Ostsee wird beständig kühle Luft an Land geführt. Auch die Nordsee ist nicht wärmer und so gilt für die Küsten und Inseln dort das Gleiche.

Am Sonntag (Muttertag) ist die Front abgezogen und auch im Osten setzt sich wieder häufiger die Sonne durch. Insgesamt gibt es aber im Tagesverlauf mehr Quellwolken und vor allem über dem Bergland sind Schauer oder einzelne Gewitter möglich. Sie sorgen in einer eher undynamischen Lage für Hebung und lösen so möglicherweise Regenfälle aus. Nach Norden und Osten hin ist die Schauerneigung gering, es gibt dort weniger hohe Berge. Die Niederschlagsmengen sind in der Fläche betrachtet gering und es wird auch im Süden und Westen bei weitem nicht jeden treffen. Aber die Neigung zu Schauern steigt und der potentiell niederschlagbare Wasseranteil liegt bei 20 bis 25 Litern pro Quadratmeter. Wo es also schauert oder gewittert, kann in kurzer Zeit Starkregen auftreten. Mit der warmen Höhenluft geht auch die Temperatur noch etwas nach oben und so sind am Sonntag im Westen teils bis zu 27 Grad möglich. Nach Osten hin werden nach derzeitigem Stand bis zu 24 Grad erreicht. Durch den nachlassenden Nordwind profitieren auch einige Küstenabschnitte von zunehmender Milderung.

Alles in allem stehen uns wettertechnisch ein paar ruhige Tage ins Haus. Die Sonne scheint recht häufig und es wird zunehmend wärmer. Dabei fällt nur zeit- und gebietsweise wenig Regen. Am Sonntag ist die Schauer- und Gewitterneigung vor allem im Bergland erhöht, bis dahin besteht jedoch keine Wettergefahr.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Langes-Eltern-Wochenende-scaled.jpg 905 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-08 18:20:032024-06-27 09:23:16Langes Eltern-Wochenende

Satellitenmeteorologie (Teil 1) – Die 12 Augen der Wettersatelliten

7. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wettersatelliten sind in der heutigen modernen Meteorologie nicht mehr wegzudenken. Sie liefern zum einen wichtige Beobachtungsdaten für Wettervorhersagemodelle, die für eine präzise numerische Wettervorhersage unerlässlich sind. Mit ihrem Blick aus dem Weltall auf unsere Erde leisten sie außerdem unschätzbare Dienste bei der Wetteranalyse und der Kürzestfristvorhersage. Unter letzterem versteht man die Vorhersage des Wetters der kommenden Stunden, für die man nicht zwangsläufig Vorhersagemodelle benötigt. Die Satelliten machen alle 15 Minuten Aufnahmen von unserer Erde, die uns Meteorologen einen schnellen Überblick geben, wo sich beispielsweise aktuell in der Atmosphäre Wolken befinden. Auf einem Blick können wir so Tiefdruckgebiete identifizieren, um die sich die Wolkenbänder schlängeln. Mittels zeitlicher Abfolge vergangener Bilder können wir sogar abschätzen, in welche Richtung sich die Wolken und die dazugehörigen Tiefs bewegen werden, ob sich die Wolken auflösen oder verdichten, wo in Kürze Gewitter entstehen könnten und vieles mehr.

Im heutigen Tagesthema zeigen wir, was Wettersatelliten alles sehen bzw. messen können. (Auf die der Satellitenmeteorologie zugrunde liegenden Strahlungstransporttheorie soll an dieser Stelle bewusst verzichtet werden, damit auch Leserinnen und Leser ohne Physikstudium oder Physikleistungskurs nicht den Durchblick verlieren.) Das wichtigste Messgerät der der Wettersatelliten ist das sogenannte Radiometer, das die von der Erde zurückgesandte Strahlung misst. Ein Radiometer ist eine Art Multifunktions-Kamera, die weit mehr aufnehmen kann als unser menschliches Auge, nämlich die von der Erde abgegebene Strahlung im solaren (sichtbaren) und infraroten (thermischen) Spektralbereich.

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Astronaut und blicken von der ISS auf die Erde. Was Sie sehen würden, ist ein Abbild unseres blauen Planeten im für das menschliche Auge sichtbaren (solaren) Spektralbereich (Wellenlängen zwischen 380 und 780 Nanometer). Unser Auge erkennt also eine ganze Bandbreite an Wellenlängen, die es unterschiedlichen Farben zuordnet. Die Radiometer der Wettersatelliten funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip, nur bestehen sie nicht nur aus einem „Auge“, sondern aus gleich zwölf Augen, den sogenannten Kanälen. Jeder der zwölf Kanäle empfängt einen bestimmten von der Erde emittierten Wellenlängenbereich. Die Kanäle messen dabei die Intensität der empfangenen Strahlung, ohne diese Farben zuzuordnen. So entstehen Schwarz-Weiß-Bilder, bei denen weiß eine hohe Strahlungsintensität und schwarz eine geringe Strahlungsintensität bedeutet. Drei der zwölf Kanäle empfangen – ähnlich zum menschlichen Auge – Strahlung im solaren (kurzwelligen) Bereich, aber mit einer jeweils kleineren Bandbreite als unser Auge. Weitere acht Kanäle empfangen Strahlung im thermischen (langwelligen) Strahlungsbereich und damit Informationen, die unser Auge nicht erfassen kann. Jeder dieser elf Kanäle sieht für sich betrachtet zwar weniger als unser Auge, in der Kombination aller Kanäle erfasst ein Radiometer aber weitaus mehr Informationen von der Erde als der sehende Mensch. Das zwölfte Auge des Radiometers, der HRV-Kanal (High Resolution Visible), ist das Adlerauge unter den Kanälen, es sieht besonders scharf, also mit einer höheren Auflösung im gesamten sichtbaren Spektralbereich.

 

Jeder der einzelnen Kanäle liefert den Meteorologen ganz individuelle Informationen. Die sichtbaren Kanäle geben uns beispielsweise Auskunft über die räumliche Verteilung und Dicke der Wolken, sowie dort, wo keine Wolken vorhanden sind, auch über die Beschaffenheit der Erdoberfläche (Abbildung 1, HRV-Kanal). Die Kanäle im thermischen Strahlungsbereich sind hingegen sensitiv für bestimmte Strahlungstemperaturen. Da die Temperatur in der Atmosphäre gewöhnlich mit der Höhe abnimmt, kann mithilfe der erfassten Strahlungstemperaturen an den Oberkanten von Wolken auf die Wolkenhöhe geschlossen werden. Somit kann unterschieden werden, ob es sich um flache tiefe Wolken, um hohe Schleierwolken oder um mächtige hochreichende Wolken handelt (Abbildung 2, IR8.7-Kanal). Einige der infraroten Kanäle messen zudem in Absorptionsbereichen atmosphärischer Gase wie Ozon, Kohlenstoffdioxid (CO2) oder Wasserdampf. So kann man die Ozonkonzentration in der Atmosphäre bestimmen oder erhält Auskunft darüber, in welchen Bereichen der Atmosphäre sich viel oder wenig Wasserdampf befindet. Zudem kann man noch eine Fülle weiterer Informationen aus den einzelnen Kanälen selbst oder aus einer Kombination verschiedener Kanäle gewinnen, was allerdings den Rahmen dieses Themas sprengen würde.

Im nächsten Teil dieser Reihe erfahren Sie, wie man mit einer geschickten Technik farbige Bilder erzeugen kann, die den Meteorologen weitere Möglichkeiten die Wetteranalyse bieten.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Satellitenmeteorologie-Teil-1-–-Die-12-Augen-der-Wettersatelliten.png 714 1208 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-07 20:51:152024-06-27 09:28:53Satellitenmeteorologie (Teil 1) – Die 12 Augen der Wettersatelliten

Wolkenklassifikation

6. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wolken zeigen sich in verschiedensten Gestalten: Mal als filigrane Schleier, mal als mächtige Ambosse oder bedrohliche Walzen. Eine Wolke ist eine vergleichsweise dichte Ansammlung winziger Wassertröpfchen oder Eiskristalle in der Luft. Wasser kondensiert dabei an Staubpartikeln, die als Kondensationskeime dienen, bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 %. Die unglaubliche Vielfalt ihrer Erscheinungsformen machte es zunächst nahezu unmöglich, eine systematische Klassifikation von Wolken zu erstellen. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte der englische Pharmazeut und Amateurmeteorologe Luke Howard mit seinem Klassifikationsschema Ordnung in dieses Durcheinander. Er ordnete die Wolken ähnlich wie in der Biologie in Familien, Gattungen, Arten und Unterarten ein.

Seine Klassifizierung ist auch heute noch als internationales Standardwerk anerkannt und soll im Folgenden kurz erläutert werden. Die Wolkenfamilien werden zunächst nach ihrer Höhe über dem Boden (Stockwerk) klassifiziert: Es gibt hohe Wolken, die sich in mittleren Breiten in einer Höhe von 7 bis 13 km befinden, mittelhohe Wolken in einer Höhe von 2 bis 7 km und tiefe Wolken in einer Höhe von 0 bis 2 km. Zusätzlich gibt es Wolken mit großer vertikaler Ausdehnung, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken. Pro Familie gibt es in der Regel zwei Gattungen: haufenförmige Wolken (Cumulus) und schichtförmige Wolken (Stratus). In höheren Stockwerken gibt es eine weitere Gattung, die aus reinen Eiskristallen bestehende Schleierwolken (Cirrus). In den unteren Schichten gibt es auch Mischformen zwischen Stratus und Cumulus (Stratocumulus). Insgesamt ergeben sich 10 Gattungen. Der Name einer Wolke setzt sich aus dem Namen des Stockwerks und der Gattung zusammen. Für hohe Wolken wird der Präfix „Cirro-„, für mittelhohe Wolken „Alto-“ und für vertikal mächtige Wolken „Nimbo-“ verwendet. Bei tiefen Wolken wird der Präfix weggelassen.

 

Die Arten beschreiben dann die Gestalt der Wolken, wie zum Beispiel, ob sie linsenförmig (lenticularis) oder schichtartig (stratiformis) sind. In den Unterarten werden weitere Eigenschaften wie Lichtdurchlässigkeit und Anordnung beschrieben. Als Beispiel einer Klassifikation sei die Wolke „Altocumulus stratiformis perlucidus“ genannt. Dabei handelt es sich um eine mittelhohe, flache Haufenwolke, die sich über eine große Fläche erstreckt und kleine Lücken zwischen den Wolkenteilen aufweist, durch die man den Himmel sieht. Umgangssprachlich sind diese als „Schäfchenwolken“ bekannt.

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Wolkenklassifikation-1.jpg 663 1705 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-06 18:27:022024-06-27 09:31:52Wolkenklassifikation

Erste Höhepunkte der Tornadosaison in den USA

5. Mai 2024/in Thema des Tages/von WINDINFO

Manche würden sagen, dass es fast schon wie eine Pilgerreise anmutet: Jedes Jahr machen sich aus Deutschland – aber auch aus vielen anderen europäischen Ländern und sogar aus Australien – jede Menge Stormchaser auf den Weg in die Vereinigten Staaten, um dem Höhepunkt ihrer Leidenschaft zu frönen. Die Monate April und Mai sind in den USA Tornadozeit. Vor allem in den Bundesstaaten des mittleren Westens, hauptsächlich in Texas, Oklahoma und Kansas, aber auch in den angrenzenden Staaten, treten in dieser Jahreszeit häufig schwere Gewitter auf, die entsprechend oft mit Tornados einhergehen.

Doch warum genau in dieser Jahreszeit? Eine der speziellen Charakteristiken in den USA sind die fehlenden Gebirge in Ost-West-Ausdehnung, sodass polare Luftmassen aus Richtung Kanada direkt mit tropischen Luftmassen vom Golf von Mexiko interagieren können. Gerade in dieser Übergangsjahreszeit sind die Gegensätze dabei noch recht ausgeprägt. Das führt in der Folge oft zur Bildung dynamischer Druckgebiete in Form von Höhentrögen und Bodentiefs. Günstigerweise findet das ganze unter Beteiligung des Jetstreams statt, denn damit wird eine Gewitterzutat bereitgestellt, die unabdingbar ist für die Bildung von Superzellen und Tornados: Windscherung. Und davon gibt es dort reichlich. Dabei bezeichnet die Windscherung die Änderung des Windes mit zunehmender Höhe in Bezug auf Richtung und Geschwindigkeit. Dabei gilt grob gesagt: Je mehr Windscherung vorhanden ist, desto besser können sich strukturierte Gewitter in Form einer Superzelle bilden, die dann im Anschluss für die Tornadobildung sorgen.

Dabei zeichnet sich mittlerweile ein leichter, aber doch signifikanter klimatischer Trend ab. Mittlerweile ist immer häufiger zu beobachten, dass a) die Tornadosaison früher beginnt, oft schon Ende Februar und März und b) sich die betroffenen Gebiete zunehmend nach Osten verschieben. Oftmals werden mittlerweile auch die Bundesstaaten Arkansas, Mississippi, Tennessee, Alabama, Louisiana, Georgia und Kentucky sowie Ost-Texas von schweren Tornadolagen getroffen. Diese Region bezeichnet man dabei auch als „Dixie Alley” (siehe Abbildung 1).

In der aktuellen Saison kam es bereits schon mehrfach zu einigen recht heftigen Ausbrüchen mit zahlreichen Tornados auch abseits der bisher erwähnten Gebiete:

• 13.-15. März: Tornadoserie mit insgesamt 33 Tornados, davon acht der Stärke EF2 oder EF3. Insgesamt 4 Todesopfer in den Bundesstaaten Indiana und Ohio.
• 25.-28. April: Tornadoserie mit insgesamt 135 Tornados, davon 16 der Stärke EF2, 8 der Stärke EF3 und 1 Tornado der Stärke EF4 in Texas, Oklahoma, Kansas, Nebraska, Iowa und Missouri. Insgesamt 6 Todesopfer. Der Ort Sulphur (Oklahoma) wurde schwer verwüstet.

Darüber hinaus gab es noch weitere, meist kleinere Ausbrüche mit einer niedrigen zweistelligen Anzahl an Tornados bis Ende April. Insgesamt zeichnet sich die Saison bisher als eher lebhaft ab. Nachfolgend noch einige Eindrücke der bisherigen Ereignisse.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Erste-Hoehepunkte-der-Tornadosaison-in-den-USA.png 1058 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-05 18:33:432024-06-27 09:37:02Erste Höhepunkte der Tornadosaison in den USA

Wechselhaft und mäßig warm

4. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Zurzeit gestaltet sich das Wetter in Deutschland wechselhaft bei gemäßigten Temperaturen.

Nach dem Unwettertief FLURINA, welches am Donnerstag für schwere Gewitter in Teilen Deutschlands gesorgt hat und am Freitag noch das Wetter beeinflusst hat, nähert sich am heutigen Samstag das nächste Tief GULLA von Frankreich heran. Der Tag zeigt sich unterschiedlich bewölkt, gebietsweise scheint häufig die Sonne. Gegen Abend greift das Frontensystem von Tief GULLA auf Westdeutschland über und bringt dort gebietsweise schauerartiger, teils gewittriger Regen. Auch von Ostbayern bis nach Vorpommern können sich am späten Nachmittag und Abend einzelne starke Gewitter entwickeln. Ansonsten bleibt es meist niederschlagsfrei. Die Höchstwerte liegen zwischen 15 und 20 Grad, im Osten örtlich bis 23 Grad. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Süd bis Südost.

In der Nacht zum Sonntag wird dann der Schwerpunkt der Niederschläge im Nordwesten und Südwesten des Landes erwartet. Auch im Osten sind anfangs einzelne Schauer und Gewitter unterwegs, bei Tiefstwerten zwischen 6 und 11 Grad.

Am Sonntag liegt Tief GULLA mit dem Kern über der Deutschen Bucht. Gebietsweise bleibt es wechselhaft mit Schauern und Gewittern. Zwischendurch zeigt sich auch mal die Sonne, bei Höchstwerten zwischen 15 und 22 Grad. Etwas kühler ist es im Nordwesten. Der Wind weht lebhaft aus westlichen Richtungen.

Auch die neue Woche beginnt wechselhaft. Dabei ist es vor allem im Süden und in der Mitte häufig nass. Im Norden hingegen mit der Winddrehung auf Nordost gelangt trockenere Luft und der Hochdruckeinfluss nimmt dabei zu. Dort bleibt es ab Dienstag auch trocken und die Sonne setzt sich auch häufiger durch. Am Temperaturniveau ändert sich dabei nur wenig. Lediglich im Norden besteht ab der Nacht zum Mittwoch örtlich Frostgefahr in Bodennähe.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Wechselhaft-und-maessig-warm.png 914 1284 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-04 18:18:332024-06-27 09:40:09Wechselhaft und mäßig warm

Gewittertief „Flurina“

3. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am gestrigen Donnerstag, den 02. Mai 2024, bildete sich auf der Vorderseite eines Höhentroges eine Tiefdruckrinne aus, die von Baden-Württemberg über Rheinland-Pfalz und Hessen bis zum Westausgang des Ärmelkanals reichte. Eingebettet in diese Tiefdruckrinne lag das Tief „Flurina“. Dies wirkte zunächst noch recht harmlos, schien doch anfangs bei teils sommerlichen Temperaturen häufig die Sonne. Dabei konnte sich allerdings im Bereich der Tiefdruckrinne ordentlich Energie aufbauen. Zusammen mit einer ausreichend verfügbaren Feuchte bildeten sich so im Tagesverlauf zahlreiche kräftige Gewitter aus. Wegen der eher schwachen Höhenströmung ergab sich eine geringe Zuggeschwindigkeit der Gewitterzellen, was die Gefahr für Starkregen deutlich erhöhte. So blieb es nicht nur bei markanten Gewittern mit Starkregen, lokal eng begrenzt musste sogar vor extrem heftigem Starkregen gewarnt werden. Auch Hagel konnte zeitweise beobachtet werden, wie man beispielsweise den Nutzermeldungen aus der WarnWetter-App entnehmen konnte.

Im Laufe des Abends wuchsen die Gewitter immer weiter zusammen, sodass sich auch größere Bereiche mit Starkregen formierten, im Laufe der Nacht ließ die Intensität dann aber allmählich nach. Bis zum heutigen Freitagvormittag hielten die Regenfälle im Westen an, um bis zu den Mittagsstunden dann in Richtung Niederlande abzuziehen.

Besonders betroffen von den Gewittern waren Gebiete in Baden-Württemberg, Nordwest-Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen sowie im westlichen Nordrhein-Westfalen. Der Spitzenreiter aus dem DWD-Messnetz am gestrigen Tag war die Station in Bad-Neuenahr mit 59 Litern pro Quadratmeter (kurz: l/qm) innerhalb einer Stunde, gemessen gegen 19 Uhr. Dies entspricht ungefähr dem Niederschlag eines Monats, der dort innerhalb von einer Stunde niederging.

Gleichzeitig ist dies auch die Station mit dem größten Tagesniederschlag. Dort kamen innerhalb von nur 24 Stunden 89 l/qm zusammen. Auch in Bad Camberg im Hintertaunus (Hessen) fielen 86 l/qm, in Dahlem-Schmidtheim in der Eifel (NRW) kamen rund 80 l/qm zusammen. Die radarbasierte Niederschlagssummenabschätzung deutet an, dass die Mengen punktuell sogar noch etwas höher ausgefallen sein können.

Am heutigen Freitagmorgen wird auch das Ausmaß der Schäden allmählich klar. Nicht nur im bereits 2021 von einer Flutkatastrophe heimgesuchten Bad Neuenahr liefen Keller voll und wurden Straßen überflutet, in zahlreichen weiteren Orten kam es zu ebenfalls zu Überschwemmungen. Tückisch waren beispielsweise vollgelaufene Unterführungen, die mit dem Auto nicht mehr zu durchfahren waren. So mussten vereinzelt Menschen aus ihren schwimmenden Autos gerettet werden. Besonders dramatisch traf es zahlreiche Bewohner in Bad Homburg. Diese wurden in ihren Häusern eingeschlossen, weil der Wasserpegel des Eschbach rasant angestiegen war. Innerhalb von einer Stunde stieg der Pegel von 40 cm auf 254 cm an. Im baden-württembergischen Bisingen verwandelten sich hingegen die Straßen in reißende Flüsse. Dort sorgten die Unwetter ebenfalls für große Schäden.

Am heutigen Freitag zieht das Unwettertief „Flurina“ über die Nordsee in Richtung Großbritannien ab. Der Regen im Westen Deutschlands klingt dabei ab und es setzen sich einige Auflockerungen durch. Anders sieht es im Osten und Nordosten Deutschlands aus. Dort hält sich noch die wärmere und feuchtere Luft. In dieser bilden sich am Nachmittag erneut örtliche Gewitter. Lokal eng begrenzt ist auch unwetterartiger Starkregen dabei nicht ganz ausgeschlossen.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Gewittertief-Flurina.gif 480 854 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-03 20:26:312024-06-27 09:42:52Gewittertief „Flurina“

Gewitter mit heftigem Starkregen am Donnerstag!

1. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Viel Sonnenschein nur einzelne harmlose Wolkenfelder und frühsommerliche Temperaturen. So gestaltet sich der heutige Tag der Arbeit. Lediglich im Bereich der westdeutschen Mittelgebirge sind ab dem Nachmittag einzelne Gewitter mit lokalem Starkregen, kleinem Hagel und stürmischen Böen möglich. Verantwortlich dafür ist eine über Westdeutschland, die sich im Tagesverlauf etwas nach Westen verschiebt.

Da die Luftmasse vor allem in höheren Schichten recht trocken ist und ein markanter synoptischer Hebungsimpuls zunächst fehlt, sind nur vereinzelte Gewitter im Bereich der Mittelgebirge möglich. Die Osthälfte liegt dagegen unter dem Einflussbereich einer Hochdruckzone über Nord- und Osteuropa. Deshalb sind dort in der stabil geschichteten Luftmasse keine Gewitter möglich und wir dürfen uns bei angenehmen Temperaturen häufig auf einen lupenreinen Maifeiertag freuen. Zum Donnerstag kommt die Tiefdruckrinne in Verbindung mit einem über Westeuropa liegenden nach Nordosten voran.

Dabei bildet sich eine Konvergenzlinie aus, die am Nachmittag in etwa von Schwaben über Südhessen bis nach Nordrhein-Westfalen reicht. Dadurch wird die recht feuchte Luftmasse zum Aufsteigen gezwungen und es bilden sich im Vergleich zum Vortag deutlich häufiger teils kräftige Schauer und Gewitter. Durch die relativ schwachen Höhenwinde verlagern sich diese nur langsam und können in Verbindung mit zunehmender Feuchte große Regenmengen produzieren.

Somit nimmt die Gefahr von unwetterartigem Starkregen deutlich zu. Örtlich können dabei Niederschlagsmengen um 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit fallen. Aufgrund der zur Konvergenzlinie nahezu parallelen Verlagerung ist teils auch mehrstündiger Starkregen mit noch höheren Mengen nicht ausgeschlossen. Örtliche Überflutungen sind deshalb am Donnerstag durchaus möglich.

Zudem ist lokal auch Hagel mit von der Partie. Aufgrund der geringen vertikalen  können die Gewitter am morgigen Tag nicht zu Superzellen heranwachsen. Deshalb ist großer Hagel sehr unwahrscheinlich. Größere Hagelansammlungen sind aber gerade auch aufgrund eines recht hohen Energie- und Flüssigwassergehalts dennoch lokal nicht auszuschließen. Auch der Wind wird morgen eine eher untergeordnete Rolle spielen. In kräftigeren Entwicklungen und auf der Vorderseite der Rinne im Osten sind zwar stürmische Böen, in kräftigen Gewittern auch Sturmböen mit dabei, schwere Sturmböen oder gar Orkanböen sind aber nicht zu erwarten. Somit liegt das Hauptaugenmerk eindeutig auf den Starkregen!

Das Tiefdruckzentrum (FLURINA) der Rinne verlagert bis zum Abend über Westdeutschland nach Benelux. Dadurch überquert die Kaltfront des Tiefs den Südwesten Deutschlands, weshalb eine Stabilisierung eintritt und die Schauer und Gewitter im Süden in Regen übergehen. Zudem fließt deutlich kältere Luft ein. Die Bewohner der Nordosthälfte dürfen sich dagegen auch morgen wieder über viel Sonnenschein und frühsommerliche Temperaturen freuen. Dort nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit erst am Freitag deutlich zu.

M.Sc. (Meteorologe) Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Gewitter-mit-heftigem-Starkregen-am-Donnerstag.png 683 960 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-01 18:51:032024-06-27 09:46:51Gewitter mit heftigem Starkregen am Donnerstag!

Feiertags- und Ausflugswetter

30. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die kommende Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wird als Walpurgisnacht bezeichnet und soll aus vorchristlichen Bräuchen abstammen bzw. leitet sich von der heiligen Walburga ab, deren Heiligsprechung am 1. Mai gefeiert wurde. Traditionell wird der Nacht nachgesagt, dass sich Hexen zu großen Festen auf dem Blocksberg (gemeint ist der Brocken) oder anderen Anhöhen treffen. Als „Tanz in den Mai“ finden in dieser Nacht an vielen Orten Feierlichkeiten und Veranstaltungen statt, die den Anbruch der warmen Jahreszeit feiern. Und dieses Jahr kann man konstatieren, dass das Wetter für sämtliche Freiluftveranstaltungen in der kommenden Nacht ziemlich gute Voraussetzungen liefert. Wir liegen überwiegend im Einflussbereich einer Hochdruckzone über Nord- und Osteuropa, in der sehr warme und überwiegend trockene Luftmassen herangeführt werden. Die feuchtere, labilere Luftmasse liegt vorderseitig eines Tiefs über Westeuropa im Prinzip westlich von uns. Lediglich der äußerste Westen unseres Landes weist etwas mehr Wolken auf. Eventuell kann auch ein Schauer auftreten oder Ausläufer von schauerartigem, teils gewittrigem Regen streifen, der von Frankreich nordwärts über Benelux zieht. Im großen Rest des Landes ist es meist gering bewölkt oder sternenklar und trocken. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 und 6 °C, gegen Mitternacht noch häufig zwischen 19 und 15 °C.

Und auch zum morgigen Mittwoch, dem ersten Tag des Monats Mai, gibt es nur wenig Änderungen im Wettergeschehen. Die westlichen Landesteile liegen weiterhin in einer etwas feuchteren, labileren Luftmasse, in der vor allem über dem westlichen Bergland im Tagesverlauf einzelne Schauer oder vereinzelt auch mal ein Gewitter nicht ausgeschlossen werden können. Allerdings sind die Hebungsprozesse, die zur Auslösung von Schauern und Gewittern nötig sind, sehr begrenzt. Insgesamt steht damit also ein überwiegend freundlicher, teils sonniger Tag ins Haus. Etwas mehr Bewölkung ist im Westen zu finden inklusive dem erwähnten, geringen Schauer- und Gewitterrisiko. Hinzu kommt ein zeitweise stark bis stürmisch auflebender Wind in den östlichen Landesteilen und durch leichten Föhn auch an den Alpen. Mit Ausnahme des Küstenumfeldes und des höheren Berglandes werden verbreitet sommerliche Höchstwerte zwischen 25 und 29 °C erwartet. Der 1. Mai ist zum einen ein gesetzlicher Feiertag, der „Tag der Arbeit“. Ein Gedenktag für die arbeitende Bevölkerung, an dem teilweise auch zu Kundgebungen und Demonstrationen aufgerufen wird. Außerdem existieren häufig bäuerliche Maibräuche, die auf verschiedene Weise dem Frühling, der aufblühenden Natur und der Fruchtbarkeit huldigen. Heutzutage wird der für einen Großteil der Bevölkerung arbeits- und schulfreie Tag auch häufig als Familienausflugstag genutzt. Der morgige Maifeiertag steht wie beschrieben wettertechnisch also unter einem guten Stern für sämtliche Freiluftaktivitäten. Während die Regenjacke meist zu Hause bleiben kann, sollte man den Sonnenschutz, in welcher Form auch immer, nicht vergessen. Es werden gebietswiese hohe UV-Indizes erwartet…

Dipl. Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Warum der „Wonnemonat Mai“ nur ein ganz großes Missverständnis ist

29. April 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

In dieser Woche starten wir in den Mai, den fünften Monat im gregorianischen Kalender. Er soll nach der römischen Göttin Maia benannt sein, die am ersten Tag dieses Monats dem Priester Volcanalis ein Opfer gebracht haben soll. Nach anderen Quellen leitet sich der Name von Iuppiter Maius ab, dem Wachstum bringenden Jupiter, der obersten Gottheit der römischen Religion.

Landläufig wird der Mai gerne als „Wonnemonat“ bezeichnet. In der heutigen Zeit wird „Wonne“ in diesem Kontext häufig mit sommerlicher Wärme und Sonnenschein assoziiert. Das Bild von einem Mai, der stets sonnig und „mollig warm“ zu sein hat, wird auch allzu gerne von den Medien gezeichnet. Doch dieser übermäßigen Erwartungshaltung wird der Mai selten gerecht. Doch warum ist das so?

Wir wollen uns der Frage zunächst aus sprachhistorischer Sicht nähern. Der Begriff „Wonnemonat“ geht ganz ursprünglich auf das althochdeutsche Wort „wunnimanod“ zurück, was mit „Weidemonat“ übersetzt werden kann. Der Ausdruck wies darauf hin, dass man in diesem Monat das Vieh erstmals nach einem langen Winter wieder auf die Weide lassen konnte – übrigens bei Wind und Wetter! Mit „Wonne“ im heutigen Verständnis hat die Bezeichnung also nichts zu tun. Schon früh wurde das Wort in Richtung des heutigen „Wonnemonats“ umgedeutet. Mit „Wonne“ im ursprünglichen Sinne beschreibt man ein besonders starkes Gefühl von Freude und Glück. Eine spezielle Form davon sind die sogenannten Frühlingsgefühle, die in uns aufkommen, wenn das intensiver werdende Sonnenlicht auf unsere Haut trifft und die Ausschüttung des „Glückshormons“ Endorphin in Gang kommen lässt. Damit wäre der Bogen vom Weide- zum sonnig-warmen Wonnemonat geschlagen.

Dass ganz alleine der Mai als Wonnemonat diese Frühlingsgefühle erwecken soll, damit tut man dem Monat dennoch Unrecht – und damit kommen wir zu den astronomischen und meteorologischen Aspekten. Die Sonne gewinnt im Mai weiter und deutlich spürbar an Kraft, immerhin nähern wir uns schon dem astronomischen Sonnenhöchststand zur Sommersonnenwende am 20. Juni. So erreicht die Sonnenenergie Werte wie im Juli und August. Dennoch ist es lange nicht warm wie im Hochsommer, denn der Temperaturverlauf hinkt dem Verlauf des Sonnenstandes ein bis zwei Monate hinterher. Das liegt daran, dass Land-, insbesondere aber Wassermassen zunächst viel von der Energie „schlucken“, um sich zu erwärmen. Somit können zum einen über dem Kontinent lagernde Kaltluftreservoire bei richtiger Strömung bis zu uns angezapft werden, zum anderen dämpft der kalte Seewind die Erwärmung über Land noch deutlich. Erst wenn sich alles aufgeheizt hat, kommen die höchsten Temperaturen des Jahres. Die Mitteltemperatur auf Basis des Referenzzeitraumes 1991-2020 liegt am 1. Mai bei etwa 11,5 °C, was dem Wert von Anfang Oktober entspricht. Bis zum Monatsende steigt sie aber deutlich auf gut 15 °C an, was dann schon vergleichbar mit den Verhältnissen Anfang September ist.

Auch ein Blick in die Historie zeigt, dass der Mai weniger ein „Wonnemonat“ als ein weiterer „Übergangsmonat“ ist, der von Spätwinter bis Frühsommer alles bieten kann. Die beiden kältesten Mai-Monate seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen 1902 und 1941 wiesen eine Mitteltemperatur von 8,8 °C und 9,2 °C auf. Frost und Schnee waren vor allem in der ersten Monatshälfte an der Tageordnung, „Sommertage“ mit Temperaturen über 25 °C gab es bis Monatsende dagegen nicht. Die wärmsten Mai-Monate 1898 und 2018 dagegen schafften es auf eine Mitteltemperatur von 16 °C. Sommertage über 25 °C gab es fast überall reichlich und sogar erste Hitzetage mit Temperaturen über 30 °C wurden registriert.

Sie sehen, dass die Erwartungen, die man heute häufig an den sogenannten „Wonnemonat“ Mai stellt, auf linguistischen Missverständnissen beruhen und meteorologisch selten erfüllbar sind. Es wird spannend sein, zu beobachten, welchen Weg der diesjährige Mai einschlagen wird.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Wüstenstaub aus der Sahara

28. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Derzeit erstreckt sich ein Tiefdruckkomplex mit mehreren Tiefkernen vom nahen Nordostatlantik und der Nordsee bis zur Iberischen Halbinsel und ins westliche Mittelmeer. Auf dessen Vorderseite wird mit einer südwestlichen Strömung in den kommenden Tagen Warmluft aus subtropischen Breiten nach Deutschland geführt. Aber nicht nur die Warmluft gelangt nach Deutschland. Bereits am gestrigen Samstag (27.04.2024) konnte man im Satellitenbild im Bereich Nordafrikas aufgewirbelten Saharastaub erkennen, der nun mit der südwestlichen Strömung auch nach Mitteleuropa transportiert wird.

Dieser Wüstenstaub besteht überwiegend aus winzigen Sandkörnchen (Quarz), die sowohl einen direkten als auch einen indirekten Einfluss auf die Sonneneinstrahlung besitzen. Der direkte Einfluss besteht darin, dass die Atmosphäre durch den Staub getrübt und damit die Einstrahlung am Boden reduziert wird, da die eingestrahlte Energie an den Partikeln zum Teil unmittelbar ins Weltall zurückgestreut wird. Der „Otto-Normal-Wetterkonsument“ nimmt entsprechend die Sonne auch an einem sonst wolkenfreien Himmel nur als milchig-trübe Scheibe wahr.

Der indirekte Einfluss ist darauf zurückzuführen, dass die Staubpartikel zur Wolkenbildung beitragen. Diese Teilchen sind nämlich hygroskopisch, also wasseranziehend. Das bedeutet, dass sie als Kondensationskeime dienen. Der in der Luft enthaltene Wasserdampf kann an den Teilchen zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Wenn durch den zusätzlichen Eintrag von Saharastaub nun mehr hygroskopische Aerosole in die Luft gelangen, kann dadurch die Wolkenbildung angeregt werden. Durch diese sozusagen „zusätzlich“ gebildeten Wolken kommt es dann ebenfalls zu einer Reduzierung der Sonneneinstrahlung. Genau dieses Phänomen konnte man am heutigen Sonntagmorgen (28.04.2024) anhand der Wolken mit Rippenmuster über Süddeutschland beobachten – ein deutliches Zeichen für Saharastaub in der Luft.

Ein weiteres Zeichen, dass uns der Wüstenstaub bereits erreicht hat, dürfte der farbenfrohe Sonnenaufgang am heutigen Morgen gewesen sein. Zahlreiche Nutzerbilder erreichten uns über WarnWetter-App, die das Farbenspiel in der Frühe festhielten.

Um solche „Saharastaub-Events“ zu prognostizieren, entwickelt der Deutsche Wetterdienst zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie ein Modellsystem, das die Ausbreitung von Mineralstaub berechnet, das sogenannte ICON-ART. Die optische Dicke, die in Abbildung 3 als Darstellung verwendet wird, beschreibt grob gesagt die Trübung der Atmosphäre durch Mineralstaub. Die Ergebnisse bestätigen, dass der Saharastaub Deutschland bereits erreicht hat und sich in den kommenden Tagen weiter ausbreiten wird, bevor er in Richtung Nordsee abzieht.

Zwar handelt es sich den aktuellen Prognosen nach nicht um ein außergewöhnlich starkes Ereignis, dennoch könnte der Wüstenstaub das Wetter der kommenden Tage durchaus beeinflussen. Durch seinen Einfluss auf die Wolken ist es möglich, dass er die Gefahr von Gewitter im Westen etwas dämpft. Außerdem könnte sich der Himmel in der Osthälfte trotz klarer Verhältnisse milchig-trüb einfärben oder die Wolkenanteile entgegen den Prognosen etwas zunehmen, was wiederum die Sonnenanteile dämpft. Inwieweit so zur Mitte der Woche in den östlichen Landesteilen örtlich die 30-Grad-Marke erreicht wird, bleibt also abzuwarten. Wie dem auch sei, weite Teile Deutschlands bekommen in den kommenden Tagen einen kleinen Vorgeschmack auf den nahenden Sommer. Daran ändert auch der Eintrag von Saharastaub in die Atmosphäre nichts.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.04.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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