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Eisstau – Überflutungsgefahr durch angestautes Eis

26. Januar 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ende Dezember 2023 sowie Anfang des neuen Jahres war es bei uns in Mitteleuropa ungewöhnlich mild und es regnete länger andauernd. Im Thema des Tages vom 18. Januar 2024 wurde auf diese milde und feuchte Witterungsperiode näher eingegangen und der hydro-klimatologische Bericht vorgestellt (siehe ). Als sich die Witterung Anfang Januar umstellte und in Deutschland eisige Frostnächte vorhergesagt wurden, erreichten uns zahlreiche Anfragen, wie sich der Frost auf das Hochwasser in Teilen Deutschlands auswirken würde. Im Zuge dessen wurden Erinnerungen an lang zurückliegende Winter wach, in denen Eisstaus auf Flüssen bei uns in Deutschland mit Beginn einer milden Witterungsphase zu Überflutungen führten (siehe ).

Gefriert das Wasser eines Flusses im Winter und steht zum Ende der Jahreszeit die warme Witterung bevor, steigt die Gefahr für Eisstau und das Risiko für Überflutungen in der Umgebung. Eisstaus entstehen, wenn die Eismassen in einem Fluss dessen Transportkapazität übersteigen. Der Prozess beginnt, wenn ein Fluss in strengen Wintern komplett von einer dicken Eisschicht überzogen wird. Das von Ufer zu Ufer reichende Eis wächst weiter und kann Tage, Wochen oder sogar Monate bestehen bleiben. Natürlich verändert es sich mit jeder Wetteränderung, dehnt sich aus oder schmilzt.

Durch folgende Prozesse bricht diese massive Eisschicht im Verlauf des Winters/Frühlings auf und die Eisschmelze setzt ein: Zum einen sorgen steigende Temperaturen und die zunehmende solare Einstrahlung dafür, dass das Eis zu tauen beginnt. Zum anderen lassen aufkommender Regen sowie Schneeschmelze den Wasserstand steigen, was wiederum Druck auf das Eis ausübt und zu einem Aufbrechen der Eisfläche führt.

Manchmal taut das Eis durch längere Wärmeperioden nur allmählich, bricht auf, fließt ab und stellt für das Flusssystem sowie die Infrastruktur keine größere Gefahr dar. Zuweilen kann es aber auch passieren, dass die Eisschmelze weniger organisiert erfolgt. Dann kann es zum sogenannten „Eisstau“ kommen. Eisschollen türmen sich im Fluss und an den Ufern auf und es kommt nicht selten zu Überflutungen in der näheren Umgebung.

Wie genau passiert diese unorganisierte Eisschmelze?

Wenn das Eis zu schmelzen beginnt, bricht es in große Schollen auf und bewegt sich mit dem fließenden Wasser flussabwärts. Es kann über die Ufer treten, wodurch sich die Eismenge im Fluss verringert. Gelangt es aber an Engstellen im Fluss, wie einer Flussbiegung, stößt es an Brückenpfeiler oder rutscht es über sehr flache Stellen des Gewässers mit geringem Gefälle, können die Eisschollen verkanten, dadurch ihre Geschwindigkeit verringern und letztlich sogar komplett stoppen. Das Wasser fließt hingegen weiter und transportiert weitere Eisschollen, die sich dann nach und nach zurückstauen. Findet das Wasser im Flussbett keinen Weg mehr unter dem Eis hindurch und an den Eisschollen vorbei, staut es sich flussaufwärts und ergießt sich über das angrenzende Land. Dies führt schlussendlich zu Hochwasser im Fluss und kann in schwerwiegenden Überschwemmungen in der Umgebung münden, da Wasser, Eis und Geröll aus dem Flussbett verdrängt werden.

Ein Eisstau kann sich nur durch Abschmelzen oder durch genug Druck aufgrund steigender Wasserpegel auflösen. Bis das Eis nicht komplett abgeschmolzen ist, kann ein Eisstau jedoch immer wieder entstehen. Setzt sich das aufgestaute Eis beim Abtauen sehr plötzlich in Bewegung, ist die Gefahr einer aufkommenden Flutwelle recht groß. Dass es beim Auflösen eines Eisstaus nur kaum oder gar keine Auswirkungen gibt, ist aber ebenfalls durchaus möglich.

Eisstaus kommen bei uns in Deutschland selten vor. Die Winter sind oft zu mild. In Kanada oder den USA hingegen sind Eisstaus mit Überschwemmungen im Winter häufiger an der Tagesordnung, wie jüngst in kleinerem Umfang nahe Florence, Colorado/USA (siehe ).

Dipl.-Met. Julia Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Eisstau-Ueberflutungsgefahr-durch-angestautes-Eis.png 691 1322 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-26 13:33:552024-02-21 14:54:20Eisstau – Überflutungsgefahr durch angestautes Eis

Auf Sturm JITKA folgt KATRIN

25. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Mit Sturmtief JITKA schwang sich die aktuelle Sturmserie (siehe dazu auch das ) am gestrigen Mittwoch (24.01.) zu ihrem Höhepunkt auf. Die Analyse des Bodenluftdruckes und der Fronten von 7 Uhr (Abbildung 1) zeigt JITKA als ausgewachsenes Sturmtief mit Kern über der Norwegischen See. Es wies dabei einen minimalen Luftdruck von etwa 970 hPa auf. Ihm gegenüber Stand ein nicht weniger imposantes Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Spanien und einem maximalen Luftdruck von über 1040 hPa. Zwischen diesen beiden Hauptdarstellern auf der europäischen Wetterbühne herrschte demnach ein Luftdruckunterschied von rund 70 hPa, wobei sich dieser vor allem auf West- und Mitteleuropa konzentrierte, wie man an der dichten Drängung der Isobaren, der Linien gleichen Luftdruckes erkennt. Gerade dort musste folglich mit der höchsten Sturmgefahr gerechnet werden.

Mit Blick auf Deutschland kann man festhalten, dass es ziemlich verbreitet zu Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h gekommen ist (Abbildung 2). Die stärksten Böen traten mit Passage einer Kaltfront bzw. bei Schauern auf. Im Zuge dessen kam es örtlich zu schweren Sturmböen bis 100 km/h, ganz vereinzelt sogar zu orkanartigen Böen bis 110 km/h. Ähnliche Windgeschwindigkeiten konnten auch an einigen Abschnitten der Küsten beobachtet werden. Auf exponierten Berggipfeln traten vielfach Orkanböen auf. Demnach war es ein nennenswertes, markantes, wenngleich für das Winterhalbjahr kein ungewöhnliches Sturmereignis. Entsprechend „handelsüblich“ vielen die Auswirkungen aus: Einige umgestürzte Bäume, blockierte Straßen und Gleise sowie regionale Stromausfälle. Am Mittwochnachmittag kam es an der Nordsee und in der Elbe bei Hamburg zu einer Sturmflut. Am Mittwochnachmittag und -abend ließ der Wind allmählich nach, nur an der Ostsee und im nordostdeutschen Binnenland hielt die Sturmlage leicht abgeschwächt bis zum heutigen Donnerstagvormittag an.

Mittlerweile hat sich JITKA zum Baltikum verabschiedet und verliert weiter an Einfluss auf unser Wetter. So lässt auch der teils noch starke Wind im Nordosten am Donnerstagnachmittag immer mehr nach. Dem Sturmtief JITKA folgt das kleine Zwischenhoch DARIO, das seine Wirkung aber nicht so recht entfalten kann, da die nächsten atlantischen Tiefausläufer im Tagesverlauf bereits von Westen her bei uns aufschlagen. Auf der Vorhersagekarte für Donnerstagmittag (Abbildung 3) erkennt man einen umfangreichen Tiefdruckkomplex über dem nahen Nordostatlantik und Nordeuropa, an dessen Südflanke sich ein kleines Randtief KATRIN bilden soll. Dieses Tief wird sich verstärken und bis Freitagmittag nach Südskandinavien ziehen. Dabei verschärfen sich die Luftdruckgegensätze über uns wieder, womit der Wind wieder einen deutlichen Zahn zulegt und insbesondere in der Nordhälfte Deutschlands in Böen stark bis stürmisch weht. Mit Passage von KATRINS Kaltfront zwischen Vormittag und späten Nachmittag und insbesondere bei teils intensiven schauerartigen Verstärkungen muss vorübergehend mit Sturmböen bis 85 km/h gerechnet werden. Ganz vereinzelt sind sogar schwere Sturmböen bis 100 km/h nicht auszuschließen. Dann besteht wieder die Gefahr umstürzender Bäume, die Straßen und Schienenwege blockieren können.

Zum Wochenende scheint die Sturmserie dann aber tatsächlich zu reißen. Zum einen zieht KATRIN sehr zügig nach Osten ab. Zum anderen plustert sich das ihr folgende Hoch ENNO über Mitteleuropa so richtig auf und vermag sich – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – erfolgreich gegen die Tiefdruckgebiete zur Wehr zu setzen. Es beschert uns ein ruhiges, trockenes und zumindest teilweise auch freundliches Wochenend- und Freizeitwetter.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Auf-Sturm-JITKA-folgt-KATRIN.png 768 1010 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-25 15:54:382024-02-21 14:49:24Auf Sturm JITKA folgt KATRIN

Jahresvorausschau 2023 – Ein Rückblick

24. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Sturmtief JITKA hat Deutschland am heutigen Mittwoch fest im Griff. Was es mit JITKA auf sich hat, wurde im gestrigen Thema des Tages bereits detailliert beschrieben und am morgigen Donnerstag wird es an dieser Stelle eine Nachlese zu diesem Sturm geben.

Wir sitzen heute also gewissermaßen zwischen den Stühlen und möchten daher ein ganz anderes Thema aufgreifen. Wie Sie wahrscheinlich wissen, gibt es in dieser Rubrik seit einigen Jahren zum Jahresende eine humoristisch „angehauchte“ Vorausschau auf das neue Jahr. Im Nachgang wirklich unter die Lupe genommen, wurden diese „Prognosen“ allerdings noch nie. Das wird sich jetzt ändern! Gehen wir doch das letzte Jahr einfach mal Monat für Monat durch und schauen, ob wirklich alles Kokolores war oder sich nicht doch ein Glückstreffer eingeschlichen hat 😉
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Januar 2023:
Nach einem sehr milden Jahresstart kommt der Winter zum Ende des Monats mit voller Wucht zurück! Weite Teile des Landes sind in ein weißes Kleid gehüllt.

Gar nicht mal so schlecht! Nach verbreitet 14 bis knapp 20 Grad an Neujahr stellte das Wetter in der zweiten Monatshälfte tatsächlich auf Winter um. Vor allem in der Mitte und im Süden gab es dann immer wieder mal Dauerfrost und am Morgen des 22.1. lag dort sogar recht verbreitet Schnee oder zumindest Schneepampe. Ob das jetzt unter „voller Wucht“ läuft…naja.
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Februar 2023:
Massives Tauwetter bei der Biathlon-WM in Oberhof. Das deutsche Team versucht mit dem Umstieg auf Wasserski die bis dato norwegische Dominanz zu brechen.

Lagen zu Beginn der WM am 6.2. noch 20 bis 40 cm Schnee in den Hochlagen des Thüringer Walds, meldete zum Ende am 19.2. die Schmücke gerade mal noch 12 cm und die übrigen Stationen so gut wie gar nichts mehr – Haken hinter Tauwetter! Ein Materialwechsel des deutschen Teams ist dagegen nicht überliefert, dagegen die zumindest bei den Männern ungebrochene Dominanz der norwegischen Biathleten.
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März 2023:
Nach intensiven Wartungsarbeiten an der Wetterstation in Lingen wird diese wieder ins Messnetz des DWD integriert.

Kurzum: Fehlschuss! Der alte Standort wurde durch Lingen-Baccum endgültig ersetzt.
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April 2023:
„Dem Osterhase schmelzen die Eier weg!“, titelt ein großes deutsches Boulevardblatt. Bei Sonne pur und Höchstwerten bis 27 Grad zu den Feiertagen ist Schokolade aber vielleicht wirklich nicht die beste Wahl für’s Osternest.

17,1 Grad am Ostersonntag und 20,7 Grad am Ostermontag lautete der deutschlandweite Temperaturhöchstwert. Mancherorts verblieb die Temperatur sogar im einstelligen Bereich. Der Familienplanung des Osterhasen setzte das Wetter also kein jähes Ende.
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Mai 2023:
Charles III wird in der Westminster Abbey zum König gekrönt. Hoch QUEENIE sorgt für Kaiserwetter.

Das wär’s gewesen! Viel hat nicht gefehlt, QUEENIE verschwand allerdings schon Ende April von der Wetterkarte. Am 6.5. lag England dagegen im Einflussbereich eines Tiefdruckkomplexes um XAVER und YANNIS. Die Folge: Grauer Himmel und Regen bei bis zu 15 Grad… Kaiserwetter sieht anders aus!
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Juni 2023:
Gemäß dem Motto: „Was die FIFA kann, können wir schon lang!“ vergibt das IOC die Olympischen Winterspiele 2030 nach…Kairo. Der Schnee wird aus den Skigebieten Saudi-Arabiens geliefert.

Die Vergabe erfolgt wohl erst im Laufe dieses Jahres – der Punkt bleibt also offen! 😉
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Juli 2023:
Neuer Temperaturrekord in Deutschland! 42,6 Grad, gemessen in … ohoh … Lingen. Die Station wird darauf hin vorsorglich wieder aus dem Messnetz entfernt und in ein Museum für Messtechnik umgewandelt.

Weder einen neuen Deutschlandrekord, noch ein neues Museum für Messtechnik brachte 2023 hervor. Heiß wurde es im Juli aber trotzdem mit einem Spitzenwert von 38,8 Grad in Möhrendorf-Kleinseebach.
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August 2023:
Tornado-Outbreak in Deutschland! Das Cellbroadcasting wird das erste Mal operationell eingesetzt und funktioniert sogar. Vielleicht waren die zum Teil massiven Schäden auch gerade deshalb zum Glück rein materieller Natur.

Tatsächlich kam das Cellbroadcasting hin und wieder zum Einsatz, auch Tornados gab es einige (Stand heute: 29). Einen Outbreak wie zum Beispiel 2022 gab es allerdings zum Glück nicht.
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September 2023:
Schneeregen zum Wiesnstart in München! Keine Chance für die „Alkoholübersättigten“ bei den rutschigen Bedingungen den Westhügel (meist auch als „Kotzhügel“ bekannt) zu erklimmen.

„Die Fundsachen werden dominiert von Sonnenbrillen statt Regenschirmen“ konnte man in der Zeitung lesen. Das sagt schon alles. Meist traumhaftes Spätsommerwetter bei Höchstwerten von zum Teil über 25 Grad. Auf das Wetter kann man eine misslungene Besteigung des „Kotzhügels“ wahrhaftig nicht schieben.
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Oktober 2023:
Ringförmige Sonnenfinsternis in Teilen Amerikas am 14. Oktober! Atemberaubende Bilder erreichen uns dabei von Fischern auf dem Golf von Mexiko im wolkenlosen Auge von Hurrikan MARGOT.

MARGOT war zwar tatsächlich ein Hurrikan (Kat.1), aber bereits im September unterwegs und zwar mitten über dem Atlantik, weit weg vom Golf von Mexiko. Ein wolkenloses Auge über dem Golf entwickelte dagegen Kat.4-Hurrikan IDALIA Ende August, Fotos davon von einem Boot aus wird es aber wohl keine geben.
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November 2023:
Sturmtief VICCO fegt am 12. November über Deutschland hinweg – „passend“ zu Loriots 100. Geburtstag. Die Medienwelt vergibt den Beinamen HEINZELMANN und titelt: „Es bläst und saugt der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur…“.

Am 12.11.2023 befanden wir uns tatsächlich mal unter schwachem Zwischenhocheinfluss in der ansonsten sehr tiefdruckgeprägten Zeit. Zu den „blasenden Heinzelmännern“ zählten in den folgenden fünf Tagen JASPER, KNUD und LINUS.
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Dezember 2023:
Mildester Dezember seit Aufzeichnungsbeginn! Die Weihnachtsmänner fluchen unter ihren dicken Anzügen und hoffen auf bessere Zeiten…

Der mildeste Dezember war es zwar nicht, aber „immerhin“ unter den Top 10 seit 1881. An Heilig Abend und den beiden Weihnachtsfeiertagen gab es aber vielfach zweistellige Höchstwerte. In Piding im Berchtesgadener Land wurden am 24. und 25.12. sogar knapp 17 Grad erreicht! Dass sich da der ein oder andere Weihnachtsmann über seinen dicken Anzug beschwert hat, ist also durchaus im Bereich des Möglichen 😉
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Fazit: Der ein oder andere Randtreffer war zwar dabei, die Fehlschüsse liegen aber deutlich in der Überzahl. Mal sehen, wie 2024 läuft 😉

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-24 17:58:082024-02-21 14:45:07Jahresvorausschau 2023 – Ein Rückblick

Stürmische Zeiten

23. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

IRIS und JITKA, zwei Namen, die diese Woche für Schlagzeilen gesorgt haben bzw. dies noch machen werden. Erneut wird der Nordatlantik seinem Ruf gerecht, im Winter immer wieder die Brutstätte für mächtige Sturmtiefs zu sein, die auf ihrem Weg nach Osten auch Teile Europas beeinflussen. So auch aktuell! Betrachten wir zunächst kurz nochmal die Grundpfeiler, auf denen solch mächtige Sturmtiefs getragen werden.

Kurz zusammengefasst sorgen erhebliche Temperaturgegensätze von Süd nach Nord über dem Nordatlantik für die Ausbildung eines kräftigen Höhenjets. Ein Jet ist ein Bereich mit besonders kräftigen Höhenwinden, die die Dynamik und rasante Entwicklung solcher Sturmtiefs fördert. So auch in diesem Fall (siehe Bild 1). Bei IRIS erstreckte sich der umfangreiche und intensive Höhenjet über den gesamten Nordatlantik, während dieser bei JITKA direkt nach Deutschland gerichtet sein wird.

Zudem werden über dem Nordatlantik nahezu ungehindert tropische Luftmassen vorderseitig der Tiefdruckgebiete bzw. Tröge nach Norden geführt. Diese Luftmasse wird dabei gehoben und es bilden sich Wolken.
Durch die Freisetzung latenter Wärme und in Verbindung mit kräftiger Warmluftadvektion können sich ungewöhnlich intensive Hochdruckgebiete ausbilden. Dieses Mal kommt solch ein Hochdruckgebiet über Südwesteuropa zum Liegen und bringt z.B. den küstennahen Bereichen im Osten Spaniens sommerliche Temperaturwerte. Forciert durch dieses blockierende Bollwerk kommt es über dem Nordatlantik und Europa momentan zu keinen nennenswerten Verlagerungen der Keile und Tröge, sodass wiederholt auf ähnlicher Zugbahn kräftige Tiefdruckgebiete nach Nordwesteuropa geführt werden können. Neben den tropischen Luftmassen sorgt auch ein weiterhin viel zu warmer Nordatlantik in den Tropen und Subtropen (teils 1 bis 2 Kelvin über der klimatologischen Norm von 1991 bis 2020) für einen zusätzlichen Input von Feuchte, die wiederum indirekt die Intensität der Antizyklone stützt. Wem dies nun zu schnell und zu oberflächlich war, der möge sich nochmals in Ruhe das  durchlesen.

Im Folgenden betrachten wir nun die beiden Sturmtiefs. IRIS (international ISHA) tobte bereits von Sonntag zu Montag über Nordwesteuropa und sorgte beim britischen Wetterdienst Met Office für eine seltene Ausgabe einer roten Wetterwarnung für Teile Schottlands.

IRIS entwickelte sich bereits am Freitag über dem Südosten der USA im Umfeld eines ausgeprägten Temperaturgradienten mit arktischen Luftmassen im Norden und tropischen im Süden. Das Bodentief zog in der Folge unter rascher Intensivierung über den warmen Golfstrom nach Nordosten und überquerte nachfolgend als kräftiges Sturmtief den Nordatlantik (Kerndruck durchweg unter 970 hPa) und traf von Sonntag auf Montag auf Irland, Großbritannien und Schottland.

Zwar sind diese Regionen im Herbst und Winter solch kräftige Tiefdruckpassagen gewöhnt, doch machte diesen Sturm besonders sein ausgesprochen umfangreiches Sturmfeld so erwähnenswert, überstrich es doch im Grunde all die genannten Bereiche mit markanten Böen von Bft 9 bis Bft 10. Normalerweise fallen die Bereiche mit den kräftigsten Winden kompakter aus. Von Irland bis Schottland wurden immer wieder auch orkanartige Böen oder Orkanböen von Bft 11 bis 12 gemessen.
Bisher sind leider schon vier Todesopfer zu beklagen, zehntausende Menschen waren zeitweise vom Stromnetz abgeschnitten und der Flugverkehr wurde erheblich beeinträchtigt. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nun aber nicht, denn schon rollt das nächste Sturmtief heran, das den Namen JITKA (international JOCELYN) trägt.

Somit treten wir aus der Vergangenheit in die Zukunft.

Wie auch schon bei IRIS sind die Bedingungen über dem Nordatlantik weiterhin sehr günstig für die Entwicklung kräftiger Sturmtiefs, die vor allem gestützt durch einen kräftigen Höhenjet ihren langen Weg über den Nordatlantik ohne größere Intensitätsverluste antreten können. JITKA entwickelte sich am Sonntag vor Neufundland in ähnlichen thermischen Gegensätzen wie IRIS, überquert aktuell den Nordatlantik, um heute und in der kommenden Nacht zum Mittwoch erneut Nordwesteuropa zu treffen.

JITKA geht ebenfalls mit einem umfangreichen Sturmfeld einher und dürfte vor allem den Regionen von Irland bis Schottland erneut Böen bis in den Unwetterbereich bringen. Im Vergleich zu IRIS zieht JITKA zunächst sogar auf einer noch etwas nördlicheren Zugbahn. Der Unterschied jedoch ist der, dass JITKA zum Mittwoch nicht nordostwärts nach Skandinavien abdriftet, sondern über den Süden Norwegens/Schwedens geführt wird und somit Deutschland recht nahekommt. Gleichzeitig bildet er im Lee des Norwegischen Gebirges ein zweites Bodentiefzentrum aus, sodass ein zonal (West-Ost) sehr ausgedehntes Bodentief nördlich von Deutschland vorbeizieht und somit auch uns ein umfangreiches Sturmfeld beschert. In Bild 4 ist zu erkennen, dass die Windgeschwindigkeiten in 850 hPa (grob 1500 m über Grund) von Schottland bis Tschechien verbreitet im Bereich von Bft 10 bis 12 liegen.

Sollte man sich über die Ausdehnung des Sturmfeldes wundern, dann hilft einem die Übersicht in Bild 5 weiter (Fähnchen stellt die Lage von Deutschland dar). Sowohl bei IRIS, als auch bei JITKA sorgt eine ungewöhnlich intensive Antizyklone über Südwesteuropa dafür, dass der Bodendruckgradient bzw. der Gradient im Geopotenzial über eine so große Region und so lange Zeit aufrechterhalten wird. Um noch deutlicher zu werden: Was sich momentan über Spanien aufbaut, ist z.B. für das 500 hPa Geopotenzial und die 850 hPa Temperatur für den jeweiligen numerischen Gitterpunkt, mit Blick auf die Reanalyse von 1950 bis 2022 für diesen Monat beispiellos und das sehr deutlich. Und wieder umrunden ungewöhnlich warme und feuchte Luftmassen diese Antizyklone (siehe Bild 5 und Link 1). Von daher dauert dieses Ereignis besonders im Nordosten Deutschlands auch längere Zeit an, nämlich so lange, wie JITKA die Antizyklone auf ihrer Nordflanke umrundet.

Was erwarten wir nun ausgangs der Nacht zum Mittwoch und am Mittwoch tagsüber in Deutschland?

Mit Passage der Warmfront von JITKA während der Nacht zum Mittwoch nimmt der Wind im Warmsektor dramatisch an Geschwindigkeit zu mit Werten in 850 hPa (rund 1,5 km über Grund) von 55 bis teils über 75 kt (100 bis über 140 km/h). Entsprechend der Lage im Warmsektor sind daher zunächst bevorzugt die Berglagen von dem intensivsten Wind betroffen, sodass dort im Verlauf der Nacht durchweg volle Sturmstärke zu erwarten ist. Exponiert sind auch schwere Sturmböen bis Orkanböen zu erwarten. Auf dem Brocken nähern wir uns mit 130 bis 140 km/h allmählich den „extremen Orkanböen“ an.
Nach Mitternacht nimmt bei einem Nord-Süd gerichteten Luftdruckunterschied zwischen Sylt und Bodensee von rund 30 hPa auch der Südwestwind über dem Nordwesten Deutschlands zu. Mit Annäherung der eher schwach strukturierten Kaltfront ausgangs der Nacht wird die Bevölkerung dort nicht nur von Böen der Stärke Bft 8 bis 9 geweckt, sondern strichweise auch von schweren Sturmböen Bft 10.

Am Mittwoch tagsüber überstreicht dann den gesamten Norden und Osten Deutschlands das markante Windfeld von JITKA in einer durchmischten postfrontalen Luftmasse, also rückseitig der Kaltfront. Die Durchmischung bedeutet, dass die Höhenwinde selbst bei einem Schauer effektiv bis in tiefe Lagen herabgemischt werden können. Stürmische Böen oder Sturmböen sind die direkte Folge, strichweise können auch bei kräftigeren Schauern schwere Sturmböen auftreten. Für die Deutsche Bucht und deren Umfeld drohen bis zum Mittag bei auflandiger Windkomponente schwere Sturmböen oder gar orkanartige Böen, bevor sich das Windmaximum zum Nachmittag zunehmend zur Ostsee verlagert. Im Bergland treten weiterhin je nach Höhenlage schwere Sturmböen bis Orkanböen auf. Etwas gemäßigter fällt das Sturmfeld im Südwesten aus und da besonders entlang des Oberrheins.

Wie bereits erwähnt, dauert das Sturmereignis im Nordosten Deutschlands bis weit in die Nacht zum Donnerstag an, während sonst steigender Bodendruck im Westen ab den späten Nachmittagsstunden des Mittwochs für eine deutliche Wetterberuhigung sorgt.

Zusammengefasst erwarten wir besonders im Norden und Osten sowie im Bergland ein markantes Sturmereignis, das teils bis in tiefe Lagen für schwere Sturmböen gut ist und in Richtung Vorpommern über 24 Stunden mit variabler Stärke andauern kann. Bleibt zu hoffen, dass sich die Schäden u.a. auch in den Wäldern in Grenzen halten!

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Stuermische-Zeiten.png 597 2064 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-23 18:16:372024-02-21 14:39:59Stürmische Zeiten

Zu nass, zu trocken oder doch im Soll – wie war es bisher im Januar?

22. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nach einem sehr nassen Start stellte sich in der zweiten Woche des neuen Jahres eine mehrtägige trockene Phase ein, in der deutlich kältere Luft in Deutschland Einzug hielt. Nachfolgend gingen viele Niederschläge in Schnee über. Am Mittwoch, den 17.01. erfolgte ein erster Vorstoß milderer Luft in den Süden Deutschlands. Dabei gingen die Niederschläge teilweise in gefrierenden Regen mit Glatteisbildung über, über der Mitte fiel teils markanter Schneefall. Im Anschluss setzte sich die kalte Periode bis zum heutigen Montag fort, an dem Tief „Iris“ eine Wetterumstellung einläutet. Bereits im wurde diese Entwicklung beschrieben. Wie sieht es nun mit der aktuellen Niederschlagsbilanz aus? Fiel der Januar bisher zu nass oder eher zu trocken aus? Oder liegt er womöglich genau im klimatologischen Mittel?

Mithilfe von Radardaten lassen sich die bislang im Januar gefallenen Niederschlagsmengen recht gut abschätzen. Diese bieten den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den Punktmessungen der Wetterstationen auch in der Fläche verfügbar sind. So werden auch lokal eng begrenzte Unterschiede sichtbar. Verschneidet man die Radardaten zusätzlich noch mit den Messwerten der Stationen aus dem DWD-Messnetz, wird die Abschätzung noch etwas genauer.

Bei der Betrachtung der Niederschlagsmenge in Deutschland seit Monatsbeginn (01. Januar) in Liter pro Quadratmeter (auch „absolute Gesamtniederschlagsmenge“ genannt; siehe Abbildung 1) fallen zunächst einmal die rot und violett eingefärbten Flächen ins Auge. In diesen Regionen sind bereits über 60 Liter pro Quadratmeter, teilweise sogar über 100 Liter pro Quadratmeter an Niederschlag gefallen. Die angezeigten Werte lassen sich bei einem Vergleich mit den Wetterstationen im DWD-Messnetz auch bestätigen. Derzeitiger Spitzenreiter ist die Station Dachsberg-Wolpadingen im Südschwarzwald. Dort wurden seit dem 01. Januar 162 Liter pro Quadratmeter gemessen. Die Radar-Auswertung zeigt in der Nähe der Station sogar vereinzelt Signale für mehr als 200 Liter pro Quadratmeter.

Anders sieht es hingegen im Osten und Nordosten Deutschlands aus. Dort dominieren die Farben Grün und Gelb. Entsprechend der Legende sind dort also meist weniger als 40 Liter pro Quadratmeter seit Monatsbeginn gefallen. Die Station, die bisher die geringste Niederschlagsmenge aufweist, ist Quedlinburg am Nordrand des Harzes in Sachsen-Anhalt mit lediglich 13 Liter pro Quadratmeter.

Aber wie ordnet man diese Niederschlagsmengen nun ein? Um die sogenannte absolute Gesamtniederschlagsmenge besser interpretieren zu können („Welche Niederschlagssummen sind viel für die Region und Jahreszeit, welche wenig?“) setzt man sie in einen klimatologischen Kontext. Dabei werden die aktuell gemessenen Daten mit den bis zum Analysetag (Montag, 22.01.2024) mittleren langjährigen Niederschlagsmengen von 1991 bis 2020 verglichen. Entsprechend erhält man bei der relativen Betrachtung eine Prozentzahl, wobei Werte unter 100 % ein Niederschlagsdefizit (rote bis hellgrüne Flächen) beschreiben, Werte über 100 % (blaue bis violette und weiße Flächen) stellen eine zu nasse Witterung dar. Die dunkelgrünen Flächen repräsentieren hingegen Regionen, in denen die Niederschläge ungefähr der im Mittel zu erwartenden Menge entspricht (siehe Abbildung 2).

Regional ergibt sich derzeit durchaus ein heterogenes Bild in Deutschland. Regionen, die ein deutliches Niederschlagsdefizit aufweisen, halten sich in Grenzen. Lediglich am unmittelbaren Alpenrand lassen die Mengen etwas zu wünschen übrig. Dort liegt der Anteil am Monatssoll lediglich um 30 %. Die Station Reit im Winkl in Bayern beispielsweise kommt derzeit auf 42 Liter pro Quadratmeter, was lediglich 32 % des Monatsmittels ausmacht. Deutlich zu nass ist es hingegen im rheinland-pfälzischen Montabaur. Dort entsprechen die bisherigen 66 Liter pro Quadratmeter bereits 197 % des Monatssolls. In einigen Regionen des Hunsrücks (Rheinland-Pfalz) oder Mittelhessens zeigt die Analyse sogar einen Anteil von rund 400 %.

In den kommenden Tagen stellt sich ein sehr wechselhaftes Wetter ein. Immer wieder ziehen Tiefausläufer über Deutschland hinweg und bringen weiteren Regen. Zwischendurch stellt sich kurzzeitig Hochdruckeinfluss ein, die Niederschlagsneigung nimmt wieder ab. Abbildung 3 zeigt die Vorhersage der akkumulierten Niederschlagsmengen bis nächsten Montag, den 29.01.2024 der Wettermodelle ICON (deutsches Modell), IFS (europäisches Modell) und GFS (amerikanisches Modell). Im Norden und Süden scheint die Niederschlagsneigung etwas höher zu sein als über den mittleren Landesteilen. Dazu sollen am Alpenrand über mehrere Tage hinweg durchaus 50 bis punktuell 100 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen. Dies sollte die dortige Niederschlagsbilanz deutlich aufbessern können.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Zu-nass-zu-trocken-oder-doch-im-Soll-wie-war-es-bisher-im-Januar.png 624 1273 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-22 16:28:362024-02-21 14:36:36Zu nass, zu trocken oder doch im Soll – wie war es bisher im Januar?

IRIS stellt das Wetter um

21. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Äußerst winterlich präsentierte sich das Wetter in der nun vergangenen Woche. Tief GERTRUD sorgte für allerlei Schlagzeilen und bescherte dem Süden und der Mitte Deutschlands einen wettertechnisch brisanten Mittwoch. Wie bereits in diversen Themen des Tages dieser Woche beschrieben, legte sich eine markante Luftmassengrenze quer über Deutschland. Diese war mit teils kräftigen Niederschlägen verbunden. Auf der kalten Seite fielen diese als Schnee, auf der warmen Seite als Regen. Im Übergangsbereich sorgte gefrierender Regen für spiegelglatte Straßen und Gehwege. Gegenstände und Pflanzen wurden von teils dicken und bizarr wirkenden Eispanzern eingehüllt.
Am Donnerstag wanderte die Luftmassengrenze dann gen Süden und bescherte auch so mancher Region noch eine dünne Schneedecke, die bis dato (fast) nur den (gefrierenden) Regen abbekommen hatte.

Nachfolgend sorgte Hoch CORVIN für eine deutliche Wetterberuhigung. Nur noch wenige Regen- oder Schneeschauer zogen über das Land und die Sonne zeigte sich teilweise länger. So manche Region hatte allerdings auch mit einer zähen Hochnebeldecke zu kämpfen. Wind- oder gar Sturmböen waren allenfalls an den Küsten oder auf einzelnen Berggipfeln ein Thema. Dies ändert sich nun aber pünktlich zum Start in die neue Woche.
Verantwortlich hierfür ist das Sturmtief IRIS, das auf dem internationalen Parkett auf den Namen ISHA getauft wurde. Dieses befand sich am heutigen Sonntagmorgen noch auf dem nahen Atlantik. Nachfolgend schickt es sich aber an, mit seinem Kern den nördlichsten Teil Schottlands zu streifen, um dann weiter in Richtung Norwegen zu ziehen. Die Tiefausläufer beeinflussen dabei das Wettergeschehen in Deutschland.

Mit IRIS stellt sich eine zyklonale Westlage ein. Damit verbunden sind neben einer deutlichen Milderung auch Niederschläge. Zudem beschert uns IRIS einen windigen bis stürmischen Start in die neue Woche.
Die Milderung äußert sich bereits in der kommenden Nacht, wenn frostige Tiefsttemperaturen nur noch im Südosten sowie in einzelnen Hochlagen zu erwarten sind. Nichtsdestotrotz können im äußersten Südosten auch noch einmal -10 Grad erreicht werden. Zum Vergleich: In der vergangenen Nacht wurden noch verbreitet Tiefstwerte im Frostbereich verzeichnet. Nur im Küstenumfeld blieb es frostfrei. Im Süden sowie in Teilen der Mitte lagen die Tiefstwerte auch im strengen Frostbereich von bis zu -17,7 Grad im thüringischen Olbersleben.
Am Tage macht sich die Milderung dahingehend bemerkbar, dass die Höchsttemperaturen bereits am morgigen Montag entlang des Rheins und im Nordwesten zweistellige Werte aufweisen. Häufig liegen die Höchsttemperaturen dann bei Werten von mehr als 5 Kelvin über denjenigen am heutigen Sonntag (Temperaturdifferenzen werden in Kelvin und nicht in Grad Celsius angegeben).

Ab der kommenden Nacht ziehen dann von Nordwesten Regenfälle herein. Diese können zeitweise mitunter kräftiger sein. In einzelnen Kältelöchern der Mittelgebirge sowie morgen Vormittag Richtung Südosten kann der Regen auch gefrierend sein und es kann vorübergehend glatt werden.
Bereits am heutigen Sonntag weht im Nordwesten sowie im Mittelgebirgsraum ein stark böiger Südwestwind. Dieser legt in der kommenden Nacht weiter zu. Am morgigen Montag weht dann im Südosten ein mäßiger, sonst ein frischer bis starker Südwestwind. Verbreitet ist mit stürmischen Böen oder Sturmböen zu rechnen. Im Bergland und an der See sind auch schwere Sturmböen darunter. An der Nordsee sind sogar einzelne orkanartige Böen möglich.

Durch die milden Temperaturen, den Regen und den Wind setzt Tauwetter ein und es geht den Schneedecken zunehmend an den Kragen. Nur in der Nacht zum Dienstag fallen die Niederschläge in den höheren Lagen teils noch einmal als Schnee.
Diese Winterfreude ist aber auch nur von kurzer Dauer, denn wettertechnisch geht es genauso weiter wie am Montag. Nach vorübergehender Windabnahme am Dienstag legt der Wind zum Mittwoch hin wieder zu. Der Mittwoch präsentiert sich dann abermals windig bis stürmisch. Zudem ist verbreitet wieder mit Regen zu rechnen. Dabei wird es dann insbesondere am Oberrhein bei 14 bis 16 Grad sehr mild.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-IRIS-stellt-das-Wetter-um.png 925 753 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-21 20:45:092024-02-21 14:28:47IRIS stellt das Wetter um

Kenntnisse der Lawinenkunde und des Wetters helfen bei der sicheren Skitourenplanung

20. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den letzten Jahrzehnten erlebte das Tourengehen einen regelrechten Boom. Auf der Suche nach Natur, Abenteuer und Einsamkeit schätzen viele Wintersportler die Freiheiten, die eine Skitour bietet. Für eine sichere Tourenplanung ist es jedoch wichtig, ein Grundverständnis vom Wetter und der Lawinenkunde zu haben. Die meteorologischen Prozesse beeinflussen die Schneedeckenzusammensetzung und die Entstehung sowie Entwicklung von Schwachschichten. Mit dem Wissen zu den in der Schneedecke ablaufenden Prozessen und dem Wettergeschehen sowie mithilfe der Angaben in den Lawinenlageberichten lassen sich die Gefahren im Gelände besser einschätzen. Zudem wird auch die Auswahl einer sicheren Skitourenroute erleichtert.

Während der vergangenen Woche häuften sich Lawinenauslösungen teils auch mit Personenbeteiligung. Bis zum gestrigen Freitag wurde von den Lawinenwarndiensten in den Hochlagen der Alpen oberhalb etwa 2000 Meter vor einer erheblichen Lawinengefahr gewarnt. Auf der fünf-teiligen Gefahrenstufenskala entspricht dies der Stufe 3. Für Wintersportler im freien Gelände ist diese Gefahrenstufe meist die kritischste Situation, bei der rund die Hälfte aller Lawinentoten zu beklagen sind. Eine optimale Routenwahl ist daher sehr wichtig. Steile Hänge der in den Lawinenbulletins angegebenen Expositionen und Höhenlagen sollten gemieden werden.

Vor allem der Windeinfluss und zeitweise frischer Neuschnee trugen in der vergangenen Woche entscheidend zur erheblichen Lawinenlage bei. Der von dem Geologen Wilhelm Paulcke in den 1930ern geprägte Satz: „Der Wind ist der Baumeister der Lawinen.“ gilt auch heute noch unverändert fort. Unter diesen Voraussetzungen bildeten sich vermehrt neue, zum Teil auch sehr störanfällige Triebschneeansammlungen. Triebschnee lagert sich an windabgewandten Hangseiten vorrangig in windgeschützten Karen oder Mulden ab. Da auf diese Weise größere Schneemengen zusammengetragen werden, können in kurzer Zeit dicke Triebschneedecken entstehen, die zudem nur sehr lose mit den alten Schneeschichten verbunden sind. Insbesondere dort, wo der Triebschnee auf Oberflächenreif oder einer lockeren Schneeoberfläche mit kantigen Schneekristallen zum Liegen kommt. Innerhalb der Triebschneeansammlung selbst weisen die Schneekristalle allerdings eine hohe Bindung auf. Nach dem Windtransport sind die Schneekristalle deformiert und ineinander verhakt, sodass sich dadurch gefährliche Schneebretter entwickeln können.

Des Weiteren wurde Mitte der Woche von Frankreich her eine markante Warmfront nordwärts über die Alpen geführt. Während es über der Mitte Deutschlands dabei zur Ausbildung einer markanten Luftmassengrenze mit einer extrem Eisregenlage und auf der Nordseite zu starken Schneefällen kam, führte der Warmlufteinschub an den Alpen zu einer deutlichen Milderung (siehe auch). Durch die Temperaturzunahme und Anfeuchtung der Schneedecke bis in mittlere und höhere Lagen bis etwa 2400 m verstärkten sich die Schneebretteigenschaften des zuvor gebildeten Triebschnees. Das erhöhte die Störanfälligkeit der Schneedecke in Bezug auf Schneebrettlawinen. Zusätzlich schwächte der Regen die Schneeoberfläche auch in windberuhigten Bereichen. Aus sehr steilem Gelände konnten sich daher vorübergehend auch feuchte und nasse Lockerschneelawinen lösen.

Am Donnerstag wurde die Luftmassengrenze als Kaltfront wieder zurück an und bis zum gestrigen Freitag auch über die Alpen geführt. Damit verbunden wurden etwa 5 bis 15 cm Neuschnee abgeladen. In einigen Staulagen war es auch noch ein wenig mehr. Auch der lebhafte nordwestliche Wind wirkte wieder mit, sodass neue frische Triebschneeansammlungen vor allem im kammnahen Steilgelände entstanden sind. Der frische Triebschnee ist zwar nicht allzu mächtig, dennoch ist die Bindung zur darunterliegenden Schneedecke nur schwach ausgeprägt.

Unter Hochdruckeinfluss hat sich die Lawinengefahr zum heutigen Samstag generell entspannt und in den Hochlagen ist eine Rückstufung auf die mäßige Gefahrenstufe (Stufe 2) erfolgt. Dennoch sind Auslösungen von Schneebrettlawinen insbesondere im kammnahen Steilgelände und in zugewehten Rinnen und Mulden durch einen oder mehrere Skifahrer möglich. Neben der Verschüttungsgefahr ist die Absturzgefahr zu beachten.

Woran lässt sich Triebschnee im Gelände erkennen? Besonders charakteristisch für Triebschnee sind seine matte (kein Glitzern der Schneekristalle) und gespannte Oberflächenstruktur sowie die scharfen Kanten, die beim Spuren entstehen. Risse in der Schneedecke, oft neben der Spur, sowie ein stumpfer Widerstand beim Befahren sind ebenfalls ein Indiz für Triebschnee.

In tieferen Lagen herrscht derzeit nur eine geringe Lawinengefahr (Stufe 1). Dennoch kann es wegen der zum Teil tiefgreifenden Durchfeuchtung der meist gering mächtigen Schneedecke noch zu einzelnen Gleitschneelawinen kommen

Besonders jenen alpinen Wintersportlern, die sich gerne im ungesicherten Gelände bewegen, seien daher die aktuellen Lawinenlageberichte der verschiedenen Alpenregionen ans Herz gelegt. Zwischen dem Lawinenwarndienst Bayern und dem Deutschen Wetterdienst besteht zudem eine enge Zusammenarbeit. Der Wetterbericht für den Deutschen Alpenraum auf der Homepage des Lawinenwarndienst Bayern wird von den Meteorologen der Regionalen Wetterberatung München verfasst, ebenso sind Lawinenlageberichte und Gefahrenstufen auf der Website und in der WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes einsehbar.
M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Kenntnisse-der-Lawinenkunde-und-des-Wetters-helfen-bei-der-sicheren-Skitourenplanung.png 851 1252 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-20 20:50:282024-02-21 14:23:33Kenntnisse der Lawinenkunde und des Wetters helfen bei der sicheren Skitourenplanung

Schnee, Eisregen, Blitzeis – Entstehung und Begriffserklärungen

19. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am Mittwoch, teils auch am gestrigen Donnerstag, brachten außergewöhnliche Wetterereignisse den normalen Alltag vieler Bundesbürger ganz schön durcheinander. „Eis-Hexe GERTRUD“ (Schlagzeile einer bekannten deutschen Tageszeitung) bescherte dem Süden und der Mitte Deutschlands gebietsweise erhebliche Glätte durch gefrierenden Regen, Eisregen und Schnee. Gemeint war Tief GERTRUD mit seiner ausgeprägten Luftmassengrenze quer über Deutschland. Diese Luftmassengrenze trennte kalte Polarluft im Norden von subtropischer Warmluft im Süden. Treffen solche unterschiedlichen Luftmassen aufeinander, ist dies meist mit kräftigen Niederschlägen verbunden, die auf der kalten Seite als Schnee und auf der warmen Seite als Regen fallen (Abbildung 1). Im Übergangsbereich kommt es oft zu einer Zone mit „unterkühltem Regen“ (umgangssprachlich als „Eisregen“ bezeichnet), der spiegelglatte Straßen und dicke Eispanzer an Gegenständen und der Vegetation verursachen kann. Wie diese unterschiedlichen Niederschlagsarten entstehen und warum nicht nur Schnee, sondern auch Regen erhebliche Glätte nach sich ziehen kann, klären wir im heutigen Thema des Tages.

Niederschlag entsteht, wenn in einer Wolke Wassertropfen und Eiskristalle zum Beispiel an Frontensystemen oder an Gebirgszügen zum Aufsteigen gezwungen werden. Dabei kühlen sich die Teilchen ab, stoßen mit anderen zusammen, verschmelzen miteinander zu größeren Teilchen oder ändern ihre Phase von Wasser zu Eis. Diese komplexen Vorgänge der Niederschlagsbildung werden im sogenannten „Bergeron-Findeisen-Prozess“ beschrieben, der heute aber nicht Thema sein soll. Um abzuleiten, welche Niederschlagsart am Boden ankommt, verfolgen wir den Weg der bereits gebildeten Niederschlagsteilchen vom oberen Bereich der Wolke bis zum Erdboden. Dieses Vorgehen wird als „Top-Down-Methode“ bezeichnet und kann anhand von gemessenen (Radiosondenaufstiege) oder vorhergesagten Vertikalprofilen von Temperatur und Taupunkt vollzogen werden.

Zunächst muss der Oberrand der Wolke bestimmt werden. Innerhalb der Wolke ist die Luft gesättigt, die Kurven von Temperatur und Taupunkt liegen also übereinander. Im Vertikalprofil von Abbildung 2 ist dies zwischen 950 hPa (ca. 500 m über Meeresniveau) und 530 hPa (ca. 5,3 km ü. NN) der Fall. Darüber gehen die Kurven auseinander, die Luft ist also nicht mehr gesättigt und es sind somit keine Wolken vorhanden. Ist die Wolkenoberkante bestimmt, kommt es auf die Temperatur in dieser Höhe an. Anders als es der Laie vermuten würde, findet man in der Wolke auch bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt weiterhin flüssige Wassertropfen vor. Diese haben trotz ihrer flüssigen Phase eine Wassertemperatur unter 0 °C und man spricht von „unterkühlten Wassertropfen“. Studien haben gezeigt, dass bei Temperaturen über -10 °C am Oberrand der Wolke diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nur aus unterkühlten Wassertropfen bestehen. Erst bei etwa -10 °C befinden sich in 60 % der Wolken Eiskristalle, bei -15 °C ist dies in 90 % der Wolken der Fall.

Im Beispiel von Abbildung 2 liegt die Temperatur am Oberrand der Wolke bei etwa -15 °C (zum Ablesen der Temperatur verfolgen Sie hierzu die diagonal von oben rechts nach unten links verlaufenden durchgezogenen Linien). Somit ist auszugehen, dass in dieser Wolke Schneekristalle gebildet wurden. Nun verfolgen wir den Weg dieser Schneeflocken bis zum Boden. Sie gelangen dabei zwar in wärmere Luftschichten, die Temperaturkurve bleibt aber bis zum Boden unter dem Gefrierpunkt (blaue Linie). Die Schneeflocken können also auf ihren Weg nach unten nirgendwo schmelzen, sodass es am Erdboden zu Schneefall kommt.

Anders sieht es im Profil von Abbildung 3 aus. Auch hier werden in der Wolke wahrscheinlich Schneekristalle gebildet, da die Temperatur am Oberrand der Wolke (ca. 570 hPa; 4,6 km ü. NN) bei etwa -12 °C liegt. In diesem Beispiel gelangen die Schneeflocken beim freien Fall in Luftschichten mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt (rote Fläche zwischen 840 und 930 hPa bzw. 1600 und 700 m ü. NN). Diese „warmen Nasen“ entstehen, wenn wärmere Luftmassen auf bodennahe Kaltluftschichten aufgleiten, wie es häufig bei Warmfronten oder Luftmassengrenzen der Fall ist. Als Faustregel kann man annehmen, dass Temperaturen von +3 °C für das komplette Schmelzen der Schneeflocken benötigt werden. Bei +1 bis +3 °C schmelzen die Schneekristalle teilweise (d.h. Schneeregen am Boden) und bei weniger als +1 Grad fällt am Boden meist (nasser) Schnee. In unserem Fall schmelzen die Schneeflocken komplett zu Regentropfen. Diese gelangen in den untersten 500 Metern wieder in kalte Luftschichten unter 0 °C (blaue Fläche). Somit werden die Tropfen wieder abgekühlt und erreichen als „unterkühlter Regen“ bzw. „Eisregen“ den Boden.

Durch den mechanischen Impuls beim Auftreffen auf den Boden oder anderen Gegenständen kristallisieren diese Wassertropfen schlagartig zu Eis. Bei hohen Regenmengen können sich dicke Eispanzer bilden, die zu Eisbruch an Bäumen und berstenden Stromleitungen führen können. Auf Straßen und Wegen kommt es zu erheblicher Eisglätte, die im Volksmund wegen ihres schlagartigen Auftretens oft als „Blitzeis“ bezeichnet wird und wogegen präventiv ausgebrachtes Streusalz auch nur begrenzt hilft. Dieses schlagartige Gefrieren können Sie übrigens selbst in einem Versuch beobachten, indem Sie Wasser in einer Plastikflasche für wenige Stunden ins Gefrierfach legen, die Flasche anschließend ganz vorsichtig herausnehmen und kurz auf den Tisch stoßen. Durch den Aufprall kristallisiert binnen weniger Sekunden das gesamte unterkühlte Wasser zu Eis.

Im dritten Beispiel handelt es sich um sogenannten „gefrierenden oder unterkühlten Sprühregen“ (Abbildung 4). Am vorletzten Donnerstag (11. Januar) und in der darauffolgenden Nacht kam es in einem Streifen von NRW über Süd-Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bis nach Berlin und Brandenburg zu spiegelglatten Straßen und zahlreihen Verkehrsunfällen. An diesem Tag wurde eine Hochnebeldecke durch einen herannahenden Trog geringfügig gehoben (siehe Thema des Tages vom 14. Januar). Die Stratus-Wolkenschicht reichte nur bis zu einer ausgeprägten Absinkinversion, in unserem Vertikalprofil in 920 hPa (ca. 800 m ü. NN). Da dort eine Temperatur von nur -3 °C vorherrscht, besteht diese Wolke aus unterkühlten Wassertropfen. Die Temperatur bleibt bis zum Boden unter dem Gefrierpunkt. Folglich kommt es am Boden zu „gefrierenden Sprühregen“, der wie Eisregen zu Glatteis führt. Anders als beim klassischen „unterkühlten Regen“ spielen hier schmelzende Schneekristalle in einer warmen Luftschicht keine Rolle.

Glätte kann zuletzt auch dann entstehen, wenn „normaler“ Regen (d.h. keine unterkühlten Tropfen) auf kalte Oberflächen trifft. Wurden Böden und Straßenbeläge während einer Kälteperiode durchgefroren, gefriert das Regenwasser ebenfalls zu Eis. Man spricht in diesem Fall von Glatteis durch „gefrierenden Regen“. Da dieser Prozess nicht so schlagartig wie bei unterkühltem Regen vonstattengeht, kann präventives Behandeln von Straßen mit Streusalz starker Glättebildung entgegenwirken.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Schnee-Eisregen-Blitzeis-Entstehung-und-Begriffserklaerungen.png 783 690 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-19 17:23:242024-02-21 14:18:32Schnee, Eisregen, Blitzeis – Entstehung und Begriffserklärungen

Hintergrundbericht zum Weihnachtshochwasser

18. Januar 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Ende des Jahres 2023 kam es in einigen Regionen Deutschlands zu länger anhaltenden und wiederholten Niederschlägen, meist in Form von Regen. Vor allem in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt fielen vom 19. Dezember 2023 bis 05.Januar 2024 teils mehr als die üblichen Niederschlagsmengen für Dezember und Januar. Zwar wurden keine Allzeitrekorde gebrochen, aufgrund der Ausdehnung der Niederschläge und der ungewöhnlich langen Andauer waren aber etliche Regionen über längere Zeit überschwemmt. In einigen Ortschaften wurden Dämme errichtet, um über die Ufer tretende Flüsse aufzuhalten.

Neben der ausführlichen Betrachtung der Wetterlage, die von Tiefdruckgebieten geprägt war, gibt es in der Ausarbeitung (Link siehe unten) auch etliche Mess- und Beobachtungswerte sowie Vergleiche zu anderen Wetterlagen und Regenperioden. Auch auf die Wiederkehrzeit der Ereignisse, also ihre Häufigkeit in der Historie und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens, wird eingegangen. Dabei wurden in kurzer Zeitspanne (7 Tage) lokal hundertjährige Wiederkehrzeiten berechnet.

Ob der Klimawandel für das Hochwasser verantwortlich ist, lässt sich nicht abschließend klären. Fakt ist, dass wärmere Oberflächentemperaturen und Meere zu mehr Feuchtigkeit in der Luft führen. Diese Feuchtigkeit macht sich dann im Niederschlag bemerkbar, der in entsprechend größerer Menge fallen kann. Statistisch betrachtet haben die Niederschläge im Zeitraum von 1882 bis 2023 in den Wintermonaten stark zugenommen. In den Sommermonaten lässt sich hingegen keine statistische Signifikanz finden.

Abschließend gibt es in der hydro-klimatologischen Einordnung noch eine Betrachtung des europäischen Wetters im gleichen Zeitraum. Denn nicht nur in Deutschland gab es überdurchschnittlich viel Regen, auch zum Beispiel in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz kam es im Dezember zu ungewöhnlich hohen Niederschlagsmengen.

Aktuell herrscht in Deutschland zunehmend Winterwetter und Hochwasser ist vielerorts kein Thema mehr. Allerdings setzt sich in der neuen Woche aus Südwesten wieder milde und feuchte Luft durch. Damit kommen wieder mehr Regenfälle auf und an kleineren Flüssen kann sich aufgrund der noch gesättigten Böden kleines Hochwasser einstellen.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Hintergrundbericht-zum-Weihnachtshochwasser.png 446 656 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-18 17:28:422024-02-21 14:14:17Hintergrundbericht zum Weihnachtshochwasser

Turbulente Zeiten

17. Januar 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Mit kräftigen Schneefällen und teils neuen Dezemberrekorden. So startete der meteorologische Winter 2023/24. Verantwortlich hierfür war eine Luftmassengrenze, die sich in den äußersten Süden hereinschob und auf der Nordseite im Alpenvorland ergiebige Schneefälle brachte. Selbst in München fiel dabei insgesamt fast ein halber Meter Schnee. Darauf folgte eine ausgeprägte Westwetterlage mit deutlich ansteigenden Temperaturen und Tauwetter, sodass die dicke Schneedecke schon bald wieder Geschichte war. Zudem kam es immer wieder zu kräftigen Niederschlägen, die bis in die Hochlagen meist als Regen fielen.

Eine besonders brisante Wetterlage stellte sich dann zu Weihnachten und zum Jahreswechsel ein. In einer strammen nordwestlichen Strömung zogen immer wieder Tiefausläufer mit ihren Niederschlagsfeldern über Deutschland. Dabei traten vor allem in den Nordweststaulagen der Mittelgebirge ergiebige Niederschläge auf. Dort kamen innerhalb von wenigen Tagen teils deutlich über 100 Liter pro Quadratmeter zusammen. Auch aufgrund der nassen Vorgeschichte stellte sich daraufhin eine größere Hochwasserlage ein. Vor allem die nordwestlichen Landesteile entlang der Weser und örtlich in den zentralen Mittelgebirgen waren davon besonders betroffen. Örtlich gab es sogar ein hundertjähriges Hochwasserereignis.

Auch im neuen Jahr scheint sich das Wetter nicht so richtig beruhigen zu wollen. Ganz im Gegenteil! Am heutigen Mittwoch stellt sich in Verbindung mit einer Luftmassengrenze erneut gebietsweise eine äußerst brisante Wetterlage ein. Vor allem in einem Streifen vom Hunsrück über das Rhein-Main-Gebiet bis zum Spessart muss in Folge von länger anhaltendem gefrierendem Regen mit extremem Glatteis und erheblichen Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr gerechnet werden. Zudem treten nördlich angrenzend von der Eifel bis zum Thüringer Wald kräftige Schneefälle mit Mengen von 15 bis 30 cm innerhalb 12 bis 24 Stunden auf, in einigen Weststaulagen lokal auch bis zu 40 cm. Aktuelle Informationen dazu finden Sie jederzeit auf unserer  oder in der Warn-Wetter-App.

Wie sieht die Entwicklung in den nächsten Tagen aus?
In der kommenden Nacht verlagert sich die Luftmassengrenze allmählich in den Süden zurück, sodass von Nordwesten die Niederschläge entlang des Mains und südlich davon im Verlauf allmählich in Schnee übergehen. Spätestens bis zum Donnerstagabend erwartet uns dann allgemein eine deutliche Entspannung. Dann treten nur noch im äußersten Süden in Alpennähe Schneefälle auf. Ansonsten setzt sich zum Wochenende ruhiges Hochdruckwetter durch. Nur noch vereinzelt treten kurze Schneeschauer auf. Interessanter wird es aber bereits wieder in der kommenden Woche. Denn dann stellt sich die Wetterlage nach derzeitigem Stand um. Es deutet sich eine zyklonale Westlage an. Dabei erwartet uns zumindest vorübergehend eine deutliche Milderung, neue Niederschläge und viel Wind. Auch die Sturmgefahr steigt dann wieder an. Somit wird die Ruhe beim Wetter nur für kurze Zeit sein. Möglicherweise ist das auch nur die Ruhe vor dem Sturm.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.01.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/01/DWD-Turbulente-Zeiten.png 661 867 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-01-17 17:36:292024-02-21 14:11:18Turbulente Zeiten
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