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Kurze Hitze hier, extreme Hitzewelle dort

9. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Am heutigen Dienstag gibt der (Hoch-) Sommer in unseren Breiten vorübergehend richtig Gas: An der Vorderseite von Tief ELKE (der Kern liegt heute etwa über der Keltischen See) werden sehr warme Luftmassen aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Deutschland geführt. Die Temperaturen steigen am heutigen Tag südlich einer Linie Emsland-Uckermark verbreitet auf Werte von mehr als 30 Grad. Im Norden sowie im Bergland bleibt es ein paar Grad kühler. Dabei trägt abseits des äußersten Nordens reichlich Sonnenschein zum hochsommerlichen Wettercharakter bei. Der noch wirksame Einfluss von Hoch DOMINIK über Nordosteuropa sorgt außerdem dafür, dass das Schauer- und Gewitterrisiko ausgesprochen gering bleibt. Nur am westlichen Alpenrand kann ein abendliches Gewitter nicht ganz ausgeschlossen werden. Bereits in der Nacht zum Mittwoch nimmt der Tiefdruckeinfluss von Westen her aber zu, die am Mittwoch von West nach Ost Deutschland passierende Kaltfront sorgt für eine leichte Abkühlung – Werte von mehr als 30 Grad sind dann nur noch im Bereich der Lausitz wahrscheinlich.

Während die Hitze bei uns also eher eine „Eintagsfliege“ ist, ist die Situation im Südwesten der Vereinigten Staaten von Amerika eine ganz andere. Bereits seit der letzten Junidekade kommt es vor allem in den Bundesstaaten Kalifornien, Nevada und Arizona zu einer massiven Hitzewelle. Ein sich kaum veränderndes Strömungsmuster ermöglicht zum einen die Heranführung von heißen Luftmassen aus Süden, zum anderen können sich diese vor Ort durch hochdruckbedingten ungestörten Sonnenschein massiv aufheizen. An den letzten Tagen wurden beispielsweise im Kalifornischen Längstal Höchstwerte zwischen 40 und 48 Grad Celsius gemessen. In der Großstadt Las Vegas (Bundesstaat Nevada) stieg das Thermometer sogar vorübergehend auf 49 Grad. Der eindeutige Hitze-Hotspot war aber einmal mehr das sogenannte „Death Valley“ in der Mojave-Wüste. Jene Touristen, die sich noch dorthin trauten, mussten mit Temperaturen von bis zu 53 Grad zurechtkommen.

Das Death Valley („Tal des Todes“) ist Teil des gleichnamigen Nationalparks und liegt zu großen Teilen in Kalifornien. Das Tal liegt tiefer als der Meeresspiegel (tiefster Punkt ist das Badwater Basin mit -86 m; gleichzeitig tiefster begehbarer Punkt der Vereinigten Staaten) und ist von hohen Gebirgsketten umgeben (bis über 4400 m). Am 10.07.2021 wurde die bisher höchste (unbestrittene) Temperatur mit 54,4 Grad in Furnace Creek gemessen. Viele Abenteuertouristen besuchen jedes Jahr diese Region und werden unübersehbar mittels Anzeigetafeln vor den Gefahren der Hitze gewarnt. Beispielsweise kann man sich in einem klimatisierten Auto lange sicher fühlen, aber was passiert, wenn die Klimaanlage ausfallen sollte? Falsche Einschätzungen führen immer wieder zu Todesfällen, auch dieses Jahr kam bei der aktuellen Hitzewelle bereits ein Motorradfahrer ums Leben. Ein Ende der aktuellen extremen Hitzeperiode ist zunächst nicht in Sicht.

Doch kommen wir nach Deutschland zurück. Die Passage der Kaltfront von Tief ELKE geht nicht geräuschlos vonstatten. Bereits in der Nacht zum Mittwoch kommen in der Westhälfte teils starke Schauer und Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel auf. Vereinzelt sind auch unwetterartige Entwicklungen, besonders im Grenzgebiet zu den Niederlanden und Belgien, möglich. Im Laufe der Nacht verlagern sich die Schauer und Gewitter zur Mitte. Am Mittwoch liegt der Schwerpunkt der Gewitter dann in der Osthälfte, dabei können ähnliche Begleiterscheinungen auftreten. Auch Unwetter durch heftigen Starkregen und Hagel sind örtlich möglich. Während es in Deutschland mit „nur“ noch sommerlichen Temperaturen weitergeht, wird die Hitze nach Südosteuropa abgedrängt – dort stellt sich eine längere Hitzewelle ein.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-Kurze-Hitze-hier-extreme-Hitzewelle-dort.png 431 819 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-09 21:37:172024-07-09 21:37:37Kurze Hitze hier, extreme Hitzewelle dort

Leuchtende Nachtwolken, die kältesten Wolken auf der Erde.

8. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Leuchtende Nachtwolken unterscheiden sich von normalen Wolken durch ihre enorme Höhe. Während normale Wolken in der Troposphäre in Höhen bis zu 15 Kilometern zu finden sind, entstehen leuchtende Nachtwolken in der Mesopausenregion, in einer Höhe von 81 bis 87 Kilometern. Diese Region ist die kälteste Zone der Atmosphäre, wo im Sommer Temperaturen von unter -150 °C erreicht werden. Diese extrem niedrigen Temperaturen sind erforderlich, damit in diesen Höhen, trotz der sehr geringen Wasserdampfkonzentration, kleine Eiskristalle an Staubpartikeln kristallisieren können, wodurch die leuchtenden Nachtwolken entstehen.

Das scheinbare Leuchten der Wolken entsteht durch gestreutes Sonnenlicht. Wenn die Sonne etwa 6 bis 16 Grad unter dem Horizont steht, erscheint der Himmelshintergrund bereits dunkel, während die Wolken aufgrund ihrer großen Höhe noch von der Sonne beschienen werden und als leuchtende Nachtwolken erscheinen.

Dieses faszinierende Phänomen wird unter anderem am Leibniz-Institut für Atmosphärenforschung (IAP) in Kühlungsborn erforscht. Das IAP verwendet dazu ein LIDAR-Gerät (Light Detecting And Ranging) in der Arktis, das Laserstrahlen aussendet und die Rückstreuung an den Wolken misst und auswertet. Die entsprechenden Daten können auf der Webseite des IAP eingesehen werden.

Zuletzt konnten sehr helle leuchtende Nachtwolken über Deutschland in der Nacht zum 29. Juni 2024 beobachtet werden. Solch helle Wolken sind hierzulande relativ selten zu sehen. Auch wenn die Aktivität derzeit wieder abgenommen hat, lohnt sich doch nachts immer wieder ein Blick Richtung Norden. Für eine eventuelle Beobachtung bietet sich heute Nacht vielerorts ein klarer Himmel.

Wenn Sie leuchtende Nachtwolken beobachten oder fotografieren möchten, empfiehlt sich die Vorhersageseite des OSWIN-VHF-Radars am Leibniz-Institut für Atmosphärenforschung.

Dieses Radar ist in der Lage, leuchtende Nachtwolken in der Mesosphäre zu detektieren. Wenn in den Grafiken nach Sonnenuntergang starke Reflektivität in etwa 85 Kilometern Höhe auftritt, ist die Chance, leuchtende Nachtwolken in Mitteleuropa zu sehen, ziemlich hoch.

Diplom Meteorologe Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-Leuchtende-Nachtwolken-die-kaeltesten-Wolken-auf-der-Erde-scaled.jpg 1402 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-08 23:06:542024-07-08 23:07:14Leuchtende Nachtwolken, die kältesten Wolken auf der Erde.

30 Grad in Sicht – aber nur vorübergehend

7. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Am gestrigen Samstag zeigte sich das Wetter in Deutschland sehr turbulent. Neben der Kaltfront des Sturmtiefs DELIA, das sich von England über die Nordsee nach Südskandinavien verlagerte, mischte auch eine vorgelagerte Konvergenz die Luftmasse ordentlich auf. Infolgedessen kam es gebietsweise zu teils kräftigen Schauern und Gewittern. An der Nordsee trat ein schwerer Sturm auf, auf den nordfriesischen Inseln und vereinzelt an der Westküste Schleswig-Holsteins wurden auch orkanartige Böen registriert. Spitzenreiter war dabei Strucklahnungshörn (Schleswig-Holstein) mit einer Böe von 115 km/h, Bft 11. Dicht darauf folgten List auf Sylt und Hallig Hooge (beide Schleswig-Holstein) mit 114 km/h, Bft 11 und 113 km/h, Bft 11. Die stärksten Gewitter traten im Süden und Osten auf. Während es nordöstlich von Bamberg gegen 14:30 Uhr MESZ zu Hagelkörnern mit Korngrößen um 4 cm kam, schüttete es in anderen Gebieten wie aus Eimern, was die nachfolgende Tabelle zeigt:

 

Ort Regenmenge Andauer
Oberschleißheim (BY) 40,7 l/qm 51 min
Nürnberg-Netzstall (BY) 30,1 l/qm 39 min
Fichtelberg Oberfranken-Hüttstadl 26,0 l/qm 56 min
Wendelstein-Kleinschwarzenlohe 25,1 l/qm 27 min

Doch nicht nur an der Nordsee wehte der Wind in Sturmstärke, sondern auch im Umfeld der kräftigen Gewitter gab es Sturm- und vereinzelt schwere Sturmböen.

Ort Windgeschwindigkeit Beaufort
Mühldorf am Inn (BY) 99 km/h 10
Hof-Plauen (BY) 94 km/h 10
Angermünde (BB) 89 km/h 10
Ergersheim-Neuherberg (BY) 87 km/h 9

An den Alpen setzte im Nachgang an die Gewitter teils länger anhaltender und schauerartig verstärkter Regen ein, so dass bis heute Früh meist zwischen 15 und 30 l/qm innerhalb von 12 Stunden vom Himmel kamen.

Nach dem turbulenten und wechselhaften Samstag kehrt am heutigen Sonntag größtenteils Ruhe ein. Von Westen her hat sich nämlich Hoch DOMINIK nach Mitteleuropa geschoben und damit die Luftmasse stabilisiert. Hinter der Kaltfront ist nun mäßig warme Atlantikluft eingeflossen. In weiten Teilen des Landes steht somit ein freundlicher Sonntag ins Haus, an dem sich Sonne und Wolken den Himmel teilen. Die Höchstwerte liegen dabei zwischen 19 und 24 Grad. Lediglich im äußersten Süden regnet es bei maximal 15 bis 19 Grad noch öfters. Im Norden spuckt Tief DELIA, das mittlerweile mit seinem Kern etwas nördlich von Oslo liegt (Stand Sonntagmittag), noch ein wenig in die Wettersuppe. Einzelne Schauer und Gewitter stehen dabei auf dem Programm.

Zum Start in die neue Woche macht sich neuerlich eine warme Luftmasse aus dem Mittelmeerraum auf den Weg nach Mitteleuropa. Sommerliche Höchstwerte über 25 Grad und viel Sonnenschein stehen dann auf dem Programm. Nur an den Küsten und im angrenzenden Binnenland bleibt uns das leicht wechselhafte Schauerwetter erhalten. Dort sowie im Westen liegen die Höchstwerte meist zwischen 20 und 25 Grad.

Am Dienstag verstärkt sich die Warmluftzufuhr zwischen einem Tief über West- und Nordwesteuropa und hohem Luftdruck über Osteuropa noch deutlich. Verbreitet wird es hinter einer nach Norden durchschwenkenden Warmfront dann hochsommerlich warm bis heiß, denn die Luft kann direkt aus Südwesteuropa nach Mitteleuropa einfließen. Allerdings ist diese Luftmasse nicht nur sehr warm, sondern auch zunehmend feucht.

Die 30-Grad-Marke stellt mit Ausnahme des Nordens und Nordwestens kein allzu großes Hindernis dar. Die Sonne lacht oftmals vom Himmel, wenngleich sich hier und da Quellwolken dazu gesellen. Diese können sich am Nachmittag und Abend über dem süd- und südwestdeutschen Bergland sowie im äußersten Westen zu teils kräftigen Schauern und Gewittern ausbauen. Im Norden und Nordwesten fallen aus zeitweise etwas dichterer Bewölkung hier und da ein paar Tropfen und 30 Grad werden dort nicht erreicht.

Ab der Wochenmitte nimmt dann das Schauer- und Gewitterrisiko landesweit wieder deutlich zu. Lokal stehen erneut Unwetter auf dem Programm. Durch die Zufuhr von sehr feuchter Luft fühlt man sich dabei oftmals wie in einer Waschküche und auch nachts bleibt es sehr mild, teilweise stehen auch wieder Tropennächte an.
Maxima von über 30 Grad werden am Mittwoch noch im äußersten Osten und Südosten erwartet, aber auch sonst stehen sommerliche Werte zwischen 24 und 29 Grad auf der Agenda. Lediglich an der Nordsee und bei auflandigem Wind an der Ostsee wird es etwas weniger warm. In den Folgetagen gehen die Höchsttemperaturen dann aber wieder Stück für Stück etwas zurück und selbst die 25-Grad-Marke, die einen Sommertag definiert, wird am Wochenende immer seltener geknackt. Am ehesten ist dies noch im Süden und Osten der Fall.

Wer stabiles und hochsommerliches Hochdruckwetter sucht, muss sich auf den Weg nach Süd- und Südosteuropa machen. Dort gibt es nämlich badetaugliche 30 bis 40 Grad und viel Sonne. In Mitteleuropa deutet sich über längere Zeit stabiles Hochsommerwetter bis auf Weiteres nicht an.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-30-Grad-in-Sicht-–-aber-nur-voruebergehend.png 431 1202 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-07 18:02:322024-07-07 18:02:5530 Grad in Sicht – aber nur vorübergehend

Tag des Bikinis

5. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Vor 78 Jahren wurde der erste Bikini der Öffentlichkeit präsentiert. Erfinder war/ist der französische Modedesigner Louis Réard. Er wählte damals das Pariser Schwimmbad Piscine Molitor für seine Modenschau. Große Schwierigkeiten bereitete ihm das Finden eines Modells. Sein Bikini – der Name ist angelehnt an das Bikini-Atoll, auf dem zu der Zeit Atomtests stattfanden – war für damalige Zeiten zu freizügig und so musste er auf Micheline Bernardini zurückgreifen. Die damals 19-jährige verdiente ihr Geld als Stripperin im Casino de Paris.

Der durchaus knappe Zweiteiler, den Louis Réard am 05. Juli 1946 vorstellt, entsetzte vor allem die internationale Presse. Das männliche Publikum erfreute sich zu einem Großteil an der dargebotenen Mode. Im Ergebnis an den Aufschrei der Medien wurde der Bikini für einige Jahre an öffentlichen Stränden und in Badeeinrichtungen verboten. Erst in den späten 60er Jahren begann sich diese Art von Bademode durchzusetzen.

Zugegeben, das aktuelle Wetter lädt kaum zum Tragen eines Bikinis im Freien ein. Die letzten Tage und Wochen waren unbeständig mit wiederholten Schauern und Gewittern – bei denen man ein Bad im Freien unbedingt vermeiden sollte – und nur mäßig warmer Temperatur. Die wenigen Tage, an denen sich die Luft auf über 25 Grad erwärmte, schafften es kaum, die Seen adäquat aufzuheizen. Die Wassertemperatur an Nord- und Ostsee liegt aktuell bei 17 bis 19 Grad. Auch die deutschen Binnenseen warten selten mir mehr als 20 Grad auf.

Leider sind die Aussichten für die kommenden Tage nicht besser. Zwar wird es am morgigen Samstag in der Osthälfte sehr warm mit Höchstwerten bis 31 Grad, von Westen her ziehen aber Schauer und Gewitter auf und ostwärts durch. Grund dafür ist Tiefdruckgebiet DELIA – aktuell mit Zentrum bei den Britischen Inseln – die aus Südwesten feuchte und warme Luft ins Land führt. Hochdruckgebiet CLAUDIO über Osteuropa hält mit feuchter und warmer Luft dagegen (siehe auch Bild unter diesem Abschnitt). Es bildet sich eine Konvergenz, die die feucht-warme Luftmasse hebt und so für Schauer und Gewitter sorgt. Eine zweite Gewitterzone stellt die Kaltfront des Tiefs dar. Sie passiert unser Land in den Nachmittags- und Abendstunden. Dahinter fließt dann deutlich kühlere Luft ein, die am Sonntag nur noch für Maxima zwischen 18 und 23 Grad sorgt.

Die Gewitter am Samstag sind für einmal keine Wasserbomben. Die grundsätzlich mäßige bis frische Strömung sorgt für Zug der Schauer- und Gewitterzellen. Das lässt nicht genug Zeit, um viel Wasser an einem Ort abzuregnen. Dennoch sind Mengen um 20 l/qm in kurzer Zeit möglich. Bei Mehrfachtreffern von Gewittern an einem Ort können die Mengen auch höher ausfallen. Neben Starkregen kann sich kleinkörniger Hagel bilden, der örtlich in größeren Mengen auftreten kann. Hagelansammlungen sind also möglich. Zudem sind in der frischen Strömung häufiger Sturmböen an den Gewittern wahrscheinlich. Vereinzelt lassen sich auch schwere Sturmböen (um 100 Kilometer pro Stunde) nicht ausschließen.

In der neuen Woche wird mit südwestlicher Strömung wieder wärmere Luft zu uns geführt, zeitgleich gelangt aber auch feuchte Luft zu uns und nach kurzer Zwischenhochphase am Montag wir müssen uns im Wochenverlauf wieder vermehrt auf Schauer und Gewitter einstellen.

Diplom Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-Tag-des-Bikinis.png 664 936 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-05 13:32:362024-07-05 13:33:03Tag des Bikinis

Wahlwetter in Großbritannien

4. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Großbritannien wählt ein neues Parlament, das im Vereinigten Königreich als Unterhaus bezeichnet wird. Seit dem Jahr 1935 fanden alle Unterhauswahlen an einem Donnerstag statt. Damit unterscheidet sich der Wahltermin bei den Untertanen von König Charles III von den Terminen in den meisten westlichen Demokratien. Dort wird überwiegend an Wochenenden gewählt, wie dies vor kurzem auch in Frankreich der Fall war.

Das heutige Wahlwetter gibt sich dabei, zumindest aktuell und gebietsweise, gar nicht wirklich britisch. Denn über weiten Teilen Englands scheint die Sonne. In der ist dazu als Zahlenwert der Sonnenschein zwischen 09 und 10 Uhr MESZ (in Minuten) angegeben. Diesbezüglich schafft es England auf 40 bis 60 Minuten, ebenso übrigens wie die Ostküste Schottlands und die beiden südschottischen Großstädte Edinburgh und Glasgow. Warum ausgerechnet der Südosten und Osten Großbritanniens so viel Sonne abbekommen, wird beim Blick auf die kleine, eingebettete Karte (entnommen aus wikipedia.de) klar. An den Gebirgszügen in Schottland, Nordengland und Wales stauen sich die von Westen und Nordwesten hereinziehenden Wolken, was an der Westküste und den dortigen küstennahen Gebieten dichte Wolken, entsprechend wenig Sonne und auch etwas Regen bedeutet (graue Wolkenbedeckung und grün-gelb-orange Radarreflektivitäten in). Insofern gibt sich das Wetter in Schottland und Wales britischer als in England.

 

Ein kleines Schmankerl zeigt sich beim Blick auf die Wolkenstrukturen über Wales. Diese zeigen ein streifenförmiges Muster, wobei die Streifen von Nord-Nordost nach Süd-Südwest verlaufen und damit senkrecht zur Windrichtung orientiert sind. Ähnliche, wenn auch nicht ganz so scharf ausgeprägt, zeigen sich die Wolkenmuster über der Irischen See. Es handelt sich dabei um, also stationäre Wellen, die bevorzugt auf der windabgewandten Seite von Gebirgen entstehen. Das wellenförmige, durch das Gebirge erzwungene Auf und Ab der Luftpakete sorgt dafür, dass in gleichmäßigen Abständen vom Gebirgskamm streifenförmige Wolken entstehen. Nebenbei bemerkt: Solche  nutzen Gleitschirm- oder Segelflieger gerne, um Höhe zu gewinnen, was sie dadurch erreichen, dass sie wolkenparallel entlang der Aufwinde der  fliegen.

Aber zurück zum Wahlwetter. Für die westliche bis nordwestliche Strömung sorgt das Tief CAPRICE, das heute Mittag vor der Küste Südnorwegens zu finden ist . Sein Frontensystem überquert den Norden Deutschlands heute von West nach Ost, auf der Rückseite der Front wird Polarluft in einem großen Bogen über Island nach Großbritannien transportiert, wobei sie sich erwärmt (schraffierte Pfeile). Auf der Karte, die von unseren britischen Kollegen stammt, ist südwestlich von Irland auch schon ein neues Tief zu erkennen, welches auf den Namen DELIA hört. DELIA sorgt insbesondere am Samstag über Deutschland für turbulentes Wetter, aber das ist eine andere Geschichte.

Für die Briten, auf denen heute unser Hauptaugenmerk liegt, stellt sich natürlich die Frage, ob der Regenschirm, möglicherweise mit Union-Flag-Muster, mit zum Wahllokal genommen werden muss. Diesbezüglich bringt mehr Klarheit.

Auf der linken Seite sind die 12stündigen Niederschlagsmengen bis heute Abend um 20 Uhr MESZ nach dem britischen Vorhersagemodell UK10, rechts die nach dem DWD-Modell ICON–EU abgebildet. Abgesehen vom Norden sollte es in England wohl trocken bleiben, relativ wenig Regen wird auch in Wales und Nordirland erwartet. In Schottland sieht dies dagegen deutlich anders aus. Kräftige Stauniederschläge haben die Modelle vor allem für den Nordwesten auf der Agenda, punktuell rechnen unsere Kollegen sogar mit mehr als 25 mm (Liter pro Quadratmeter) an Regen. Da ist ein adäquater Regenschutz sicherlich angebracht.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-Wahlwetter-in-Grossbritannien.png 628 732 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-04 16:20:162024-07-05 13:33:37Wahlwetter in Großbritannien

Wenn Druckgradienten die arktische Meereisbedeckung beeinflussen

3. Juli 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Der letzte Blick auf die Meeresbedeckung rund um die Polregionen liegt an dieser Stelle schon etwas zurück. Zeitlich gesehen näher wir uns Anfang Juli schon langsam der Mitte des nordhemisphärischen Sommer- und südhemisphärischen Winterhalbjahres an.

Zunächst schauen wir auf die Entwicklung in Arktis in den letzten Monaten. Am 13. März 2024 erreichte das arktische Meereis mit 15,12 Millionen Quadratkilometern seine maximale winterliche Ausdehnung in diesem Jahr. Dieser Wert war der vierzehntniedrigste seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1979. Nach dem Höchststand der Meereisausdehnung trat das Eis in der zweiten Märzhälfte zunächst nur langsam den Rückzug an. Verantwortlich dafür zeichnete sich das vorherrschende atmosphärische Zirkulationsmuster im März 2024. Dieses war gekennzeichnet durch einen starken Druckgradienten (hoher Druck bei Grönland steht niedrigem Druck über West- und Nordosteuropa gegenüber) über der Framstraße östlich von Grönland . Aus dieser Konstellation resultierten starke Winde aus nördlichen Richtungen, womit ein reger Meereisexport aus der Arktis nach Süden begünstig wurde, sodass eine relativ hohe Flächenausdehnung über den arktischen Gewässern erhalten blieb.

Die Meereisverluste im April und Mai lagen insgesamt im Bereich des langjährigen Durchschnitts, wobei die größten Verluste im April im Beringmeer und im Ochotskischen Meer zu verzeichnen waren. Der Mai war vor allem durch eine ungewöhnlich frühe Öffnung der östlichen Hudson Bay gekennzeichnet. Ursächlich dafür dürfte die Luftdruckverteilung im Mai gewesen sein. Hoher Druck über dem kanadischen Archipel stand niedrigerem Druck südlich davon gegenüber. Dies bedingte vermehrt östliche Winde über der Hudson Bay, die das Meereis nach Westen drückten.

Einschließlich des Mai 2024 beträgt der lineare Abwärtstrend der arktischen Meereisausdehnung für den Monat Mai 31.000 Quadratkilometer pro Jahr bzw. 2,3 Prozent pro Jahrzehnt im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Basierend auf dem linearen Trend seit 1979 hat der Mai 1,61 Millionen Quadratkilometer an Meereis eingebüßt, was in etwa der Größe von Alaska entspricht. Im Juni 2024 war vor allem in der ersten und dritten Dekade eine Beschleunigung des Meereisrückganges zu verzeichnen, während in der Monatsmitte der Eisverlust etwas langsamer von statten ging. Zum aktuellen Zeitpunkt beträgt die Meereisausdehnung 9,62 Millionen Quadratkilometer (01.07.2024). Visuell zeigt die folgende Animation den Meereisrückgang seit dem jahreszeitlichen Maximum Mitte März.

Von der Arktis legen wir nun gedanklich eine weite Strecke zur Antarktis zurück. Dort schreitet das Wachstum mit dem australischen Winter voran. Im Mai und Juni war die Wachstumsrate im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 zwar langsam, aber immer noch viel schneller als im zurückliegenden negativen Rekordjahr 2023. Am 1. Juli betrug die antarktische Meereisausdehnung 13,12 Millionen Quadratkilometer, was 1,75 Millionen Quadratkilometer unter dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 aber deutlich über der für den 01. Juli 2023 gemessenen Ausdehnung von 12,57 Millionen Quadratkilometern liegt.

Die Eiskante im Mai und Juni lag viel weiter südlich (unter der durchschnittlichen Ausdehnung) im östlichen Rossmeer-Sektor und der Amundsen-See sowie nördlich von Dronning Maud Land. Im Weddellmeer und unmittelbar westlich des Rossmeeres war die Ausdehnung höher (weiter nördlich) als im Durchschnitt. Dies hat zu einem ungewöhnlich asymmetrischen Ausdehnungsmuster um den antarktischen Kontinent geführt.

Das Negativrekordjahr 2023 beschäftigt derweil weiterhin die Wissenschaft. Eine  untersuchte das extrem niedrige antarktische Wintermaximum des vergangenen Jahres anhand von Modelldaten. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ein solches Ereignis ohne Klimaerwärmung äußerst unwahrscheinlich ist. Wird der Treibhausgasantrieb mit einbezogen, wird das Ereignis wahrscheinlicher, ist aber immer noch selten. Die Modelle deuten darauf hin, dass es nach einem solchen extremen Tiefpunkt zu einer gewissen Erholung kommt, die in der Regel im folgenden Jahrzehnt eintritt, aber zu einer neuen, niedrigeren langfristigen durchschnittlichen Ausdehnung führt.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.07.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/07/DWD-Wenn-Druckgradienten-die-arktische-Meereisbedeckung-beeinflussen.png 683 679 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-07-03 22:01:112024-07-04 10:56:11Wenn Druckgradienten die arktische Meereisbedeckung beeinflussen

Kennen wir bereits das Wetter der nächsten sieben Wochen?

26. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am morgigen Donnerstag, den 27.06.2024, ist der „Siebenschläfertag“, einer der meteorologischen Lostage. Damit einher geht die alljährliche Fragestellung, ob das Wetter am morgigen Siebenschläfertag Aufschluss über das Wetter der nächsten sieben Wochen geben kann. Einige bekannte Bauernregeln zu diesem Tag lauten nämlich:

„Ist der Siebenschläfer nass, so regnet’s ohne Unterlass.“

„Regnet’s am Siebenschläfertag, es noch sieben Wochen regnen mag / der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.“

„Wenn’s an Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet.“

„Wenn’s am Siebenschläfer gießt, sieben Wochen Regen fließt.“

„Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.“

„Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag.“

Doch was ist dran an diesen Regeln oder sind deren Inhalt eigentlich nur ein Mythos? Und was hat eigentlich das putzige gleichnamige Nagetier mit dem Siebenschläfertag zu tun?

Das Tierchen hat tatsächlich nichts mit dem Siebenschläfertag zu tun. Der Ursprung findet sich in einer frühchristlichen Legende aus der Zeit der Christenverfolgung. Nach dieser Legende flüchteten sieben Brüder, die christliche Schafhirten waren, in eine Höhle bei Ephesos, um sich so vor ihren Verfolgern zu verstecken. Daraufhin wurde die Höhle von den Verfolgern zugemauert, um die Männer verhungern zu lassen. Dort fielen sie in einen tiefen Schlaf. Nach etwa 200 Jahren wachten sie wieder auf, als ein Hirte auf der Suche nach einer Unterbringungsmöglichkeit für seine Schafe die Höhle entdeckte. Die Männer bezeugten daraufhin ihren Glauben, starben allerdings kurze Zeit später. Ihnen zu Ehren wurde in der katholischen Kirche der 27. Juni als Gedenktag gewidmet. In der griechisch-orthodoxen Kirche ist es der 04. August und in der Ostkirche der 23. Oktober.

Kann das Wetter am Siebenschläfertag Aufschluss über das Wetter der nächsten sieben Wochen geben? Das Wetter der nächsten sieben Wochen kann man tatsächlich nicht am Wetter eines einzelnen Tages festmachen. Vielmehr muss eher der Zeitraum zwischen Ende Juni und Anfang Juli als Kriterium herangezogen werden. Nach der Gregorianischen Kalenderreform wäre dieser Lostag zudem eigentlich am 07. Juli. Grundsätzlich besteht für großräumige Wetterlagen in diesem Zeitraum eine Erhaltungstendenz über mehrere Wochen. Bezieht man die Regel des Siebenschläfertages also nicht auf einen einzelnen Tag, sondern auf den genannten Zeitraum, dann bewahrheitet sich diese Regel in etwa zwei von drei Jahren.

Der Siebenschläfertag gehört damit zu den Singularitäten, also den Witterungsregelfällen in der Meteorologie. Andere bekannte Beispiele für solche Singularitäten sind die Eisheiligen, die Schafskälte, die Hundstage, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter.

Und wie wird das Wetter am morgigen Donnerstag? Interessant ist erst einmal auch noch, wie das Wetter am heutigen Mittwoch ist. Gewittertechnisch geht es heute nämlich auch schon zur Sache. Dies betrifft in erster Linie die beiden südlichen Bundesländer. Doch zunächst die guten Nachrichten. Im Norden und in der Mitte verspricht der Tag sommerlich zu werden: Sonne satt und Höchstwerte zwischen 27 und 32 Grad. Allenfalls direkt an den Küsten ist es etwas frischer. Verantwortlich für diesen sommerlichen Wetterabschnitt ist das Hoch BIE, welches sich nordöstlich von uns vorübergehend eingenistet hat.

Auch im Süden liegen die Höchstwerte bei meist sommerlichen 26 bis 30 Grad. Im äußersten Süden reicht es aufgrund der morgendlichen Gewitter allerdings „nur“ für 23 bis 26 Grad. Die Gewittertätigkeit ist insbesondere in den beiden südlichen Bundesländern bereits wieder in vollem Gange. Später können dann auch im zentralen Bergland einzelne Gewitter auftreten. Aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit steht bei diesen Gewittern hauptsächlich der (extrem) heftige Starkregen im Fokus. Dieser tritt zwar nur sehr lokal und eng begrenzt auf, dort kann es aber dann durchaus heftig werden. Dann ist mit vollgelaufenen Kellern und Tiefgaragen zu rechnen, kleine Bäche können kurzzeitig anschwellen. Verantwortlich für diese Gewitter ist ein Tief über Italien, welches vor allem in höheren Luftschichten ausgeprägt ist. Dieses transportiert feuchte und zu Gewittern neigende Luft in den Süden Deutschlands.

Nachfolgend verlagert sich dieses Tief dann allmählich nordostwärts. Am heutigen Mittwoch sind die beiden südlichen Bundesländer von den Gewittern betroffen, am morgigen Donnerstag sind es dann weite Teile des Landes. Im Norden, im Westen sowie entlang des Oberrheingrabens wird es zudem ein schwül-heißer Tag mit Höchstwerten von 30 Grad und etwas darüber.

Würde man die Siebenschläfer-Regel wortwörtlich nehmen, würden uns also sieben schwül-heiße Wochen mit wahren „Wasserbomben“ an Gewittern bevorstehen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/06/DWD-Kennen-wir-bereits-das-Wetter-der-naechsten-sieben-Wochen.png 1025 1914 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-06-26 19:32:332024-06-27 09:12:41Kennen wir bereits das Wetter der nächsten sieben Wochen?

Die Hurrikansaison 2024: Prognosen und Ist-Zustand

25. Juni 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.

Dabei definieren sich die Wirbelstürme über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (engl.: major hurricane). Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 – also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode – pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und 3 schwere Hurrikane.

Vergleichen wir diese Durchschnittswerte mal mit dem Rekordjahr 2020. Mit 30 benannten Stürmen – so viel gab es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen – entwickelten sich mehr als doppelt so viele Stürme als im Mittel. Davon mauserten sich 14 Stück zu Hurrikanen (Platz 2 nach 2005) und davon wiederum sieben zu schweren Hurrikanen (wie 2005). Letztes Jahr verlief mit 21 tropischen Systemen, was die Gesamtzahl betrifft, zwar ebenfalls überdurchschnittlich, mit 7 Hurrikanen und 3 schweren Hurrikanen lag die Saison aber voll im Soll.

Und auch für 2024 prognostizieren Experten eine überdurchschnittliche Wirbelsturmaktivität auf dem Nordatlantik. Das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) sieht für dieses Szenario eine 85-prozentige Wahrscheinlichkeit. Einer durchschnittlichen Saison räumt es dagegen nur eine 10-prozentige und für eine unterdurchschnittliche sogar nur eine 5-prozentige Chance ein (Stand Ende Mai 2024).

Den Grund dafür sieht das Klimaprognosezentrum vor allem in den extrem hohen Wassertemperaturen des Atlantiks. Rund 90 % des für die atlantische Hurrikansaison relevanten Meeresgebiets bewegt sich in Sachen Temperatur derzeit auf Rekordniveau. Zudem wird erwartet, dass die sog. El Nino Southern Oscillation (kurz: ENSO; siehe ) nach einer der stärksten jemals beobachteten El Nino Phasen in ein La Nina Ereignis umschwenkt. Dabei handelt es sich kurz gesagt um ein großräumiges Zirkulationsmuster über dem Pazifik, dass in dieser Form (La Nina) zu einer Abnahme der Windscherung in den Tropen führt und damit förderlich für eine rege Sturmtätigkeit über dem Nordatlantik ist. Dazu werden schwache Passatwinde und ein verstärkter westafrikanischer Monsun prognostiziert – alles Faktoren, die die Entwicklung von tropischen Wirbelstürmen begünstigen.

In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum dieses Jahr von 17 bis 25 benannten Stürmen aus, wovon 8 bis 13 zu Hurrikanen und davon wiederum 4 bis 7 zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen. Und damit sind sie nicht alleine, sondern gliedern sich in die Vorhersagen anderer Einrichtungen problemlos ein, wie die folgende Tabelle zeigt.

Tatsächlich war dieses Jahr bisher nur ein benannter tropischer Sturm unterwegs (Alberto). Der Sturm traf am 20.06. auf die Ostküste Mexikos und sorgte dort sowie auch an der texanischen Küste für zum Teil enorme Überschwemmungen. Mit Blick auf die Prognosen steht in den nächsten Wochen und Monaten wohl noch einiges an Ungemach an. Bleibt zu hoffen, dass so viele Stürme wie möglich über Wasser bleiben, fernab von bewohnten Gebieten, und schlicht als höchst fotogene Modelle für die Satelliten fungieren.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.06.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/06/DWD-Seit-dem-1.-Juni-laeuft-sie-offiziell-wieder-Die-Hurrikansaison.-Den-aktuellen-Stand-und-die-Prognosen-dazu-lesen-Sie-im-heutigen-Thema-des-Tages.jpg 534 1079 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-06-25 23:00:352024-06-27 09:17:13Die Hurrikansaison 2024: Prognosen und Ist-Zustand

Es grüßen die Seefahrer

24. Juni 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Das Forschungsschiff Polarstern fährt seit der Indienststellung 1982 in die Polargebiete und damit an die abgelegensten Orte dieser Welt. Die Polarstern wird vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) betrieben, mit der Hamburger Reederei F. Laeisz. Der Eisbrecher mit zwei bordeigenen Helikoptern wechselt etwa halbjährlich zwischen der Arktis und Antarktis und dient der Erforschung der Polarmeere. Weiter stellt es auch die Versorgung der deutschen Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis sicher. Das Schiff bietet Platz für rund 100 Crewmitglieder und Wissenschaftler:innen. Mit dabei sind auch immer ein zweiköpfiges Wetterteam des Deutschen Wetterdienst. Aktuell sind der Meteorologe Patrick Suter und Frank Otte als Wetterfunktechniker für eine fünfwöchige Reise an Bord.

Nach der Werftzeit legte die Polarstern in der Nacht zum 8. Juni 2024 in Bremerhaven ab. Der Weg führte durch eine recht stürmische Nordsee und entlang der Norwegischen Südküste, weiter durch die Norwegische See nach Norden in die Framstraße. Hier findet aktuell der erste Teil der 143. Polarstern-Expedition im sogenannten „Hausgarten“ zwischen Spitzbergen und Grönland statt. Es ist insgesamt das 25. Jahr in Folge, in dem in der Framstraße, unter Leitung des AWI`s, geforscht wird. Das Gebiet ist besonders interessant, da im Ostteil der Framstraße der Westspitzbergenstrom wärmeres Wasser nach Norden bringt. Im Westteil schiebt dagegen der kalte Ostgrönlandstrom das Eis aus dem Arktischen Meer nach Süden. Dabei werden mit den erhobenen Daten die aktuell großräumigen Umweltveränderungen auf das marine Ökosystem in der Übergangszone zwischen dem Nordatlantik und dem Arktischen Ozean untersucht.

 

Wie auf Schiffen grundsätzlich üblich herrscht Dauerbetrieb. Es wird Tag und Nacht geforscht. Die Crew stellt gleichzeitig den Schiffsbetrieb sicher und unterstützt die Forschungsarbeiten. Der Arbeitsalltag des Wetterdienstes beginnt täglich um 06:15 Uhr in der Bordwetterwarte. Als Hauptaufgabe versorgen sie die Schiffsführung, die Wissenschaftler:innen und die Helikopter-Crew mit einer zweimal am Tag aktualisierten Wetterprognose. Beim morgendlichen Briefing um 08:15 Uhr wird zusammen mit dem Kapitän, dem wissenschaftlichen Fahrtleiter und der Helikopter-Crew je nach Wetter über das Tagesprogramm und Hubschrauberflüge entschieden. Für die Unterstützung der Wetterprognosen und auch gleichzeitige Validierung werden bis zu zweimal täglich Wetterballons gestartet, sowie tagsüber alle drei Stunden Wetterbeobachtungen erstellt. In diese Wetterbeobachtungen fließen automatisch gemessene Werte wie Wind, Temperatur, Feuchte und Luftdruck, aber auch Augenbeobachtungen über Wetterescheinung, Wolken, Sichtweite und Seegang ein.

Das Wetter in der Arktis zeigte sich bisher schnelllebig und wechselhaft. Wie meist während der Sommermonate sind die für die Region tonangebenden Hochs und Tiefs nur schwach ausgeprägt. Das bedeutet, dass in Sachen Wind und Seegang oftmals nur wenig los ist. Ganz anders sieht es da beim eigentlichen Wetter aus. Wiederholte und teils schnelle Abläufe von strahlendem Sonnenschein und überfallähnlichen Nebeleinbrüchen bringen den Meteorologen immer wieder vor sehr knifflige Prognosen. Besonders für die Helikopterflüge hat dieser Wechsel Konsequenzen, weil bei sehr tiefliegender Bewölkung, schlechten Sichtweiten, vereisendem Niederschlag oder sogar Nebel die Bedingungen schlagartig schlecht oder sogar potenziell gefährlich werden können. Dementsprechend intensiv sind die ständige Zusammenarbeit und der Austausch mit den beiden Helikopter-Piloten. Jeweils nachmittags werden die aktualisierten Wetterprognosen in einem weiteren Meeting auch den anderen wissenschaftlichen Fahrtteilnehmer:innen erläutert. Dementsprechend sind die Arbeitstage lang und können bei Flugbetrieb auch mal bis in die Nachtstunden andauern, wobei mit dem vorherrschenden Polartag im arktischen Sommer rund um die Uhr Tageslicht vorherrscht.

Für einen rundum zufriedenen Seefahrer:in ist Essen ein wichtiger Bestandteil an Bord. Ein herausragendes Küchenteam sorgt täglich für frische Brötchen und bis zu dreimal am Tag für warme Mahlzeiten sowie nachmittags Kaffee und Kuchen. Die Expeditionen dauern meist zwischen fünf und neun Wochen. Dabei ist es üblich, dass das gesamte Leben an Bord stattfindet und Landgänge gehören zur Ausnahme. Da die räumliche Ausdehnung begrenzt ist, besteht die Möglichkeit sich im Sportraum körperlich zu betätigen. Dazu gehören auch Wasserball im Pool oder das anschließende Aufwärmen in der Sauna. Beim Feierabend sitzt man häufig zusammen, schaut sich aktuell ein EM-Fußballspiel an, ab und zu gibt es auch einen Kino- oder Grillabend. Schöne Highlights sind die unglaublichen Eindrücke, welche man in diesen speziellen Gebieten sammeln kann. Sei das ein Eisbär, welcher von Eisscholle zu Eisscholle wandert oder die Schönheit und auch Gewalten der Natur hautnah zu erleben.

Aktuell sind auch noch zwei weitere Kollegen auf dem Forschungsschiff Meteor unterwegs. Dieses ist mit doppelter Andreas-Power am 9. Juni in Reykjavik gestartet und wird nach seismischen Untersuchungen nahe Islands am 18. Juli auf den Azoren erwartet. So nutzen wir die Möglichkeit und wünschen unseren Kollegen Andreas Tschapek und Andreas Raeke auf der Meteor für morgen einen ruhigen und schönen Feiertag.

MSc Met. Patrick Suter (von Bord der FS Polarstern)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Starke Regenfälle in der Südschweiz

22. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die gestrige Wetterlage über dem Alpenraum und auch Teilen Deutschlands wurde geprägt von einer sehr feuchten und warmen Luftmasse. Vorderseitig eines Höhentroges, der sich von der Nordsee über Frankreich bis in den Mittelmeerraum erstreckte, wurde diese sehr schwüle Luft über die Alpen geführt. Dabei kam es im Tagesverlauf wiederholt aufgrund konvektiver Einlagerungen zu teils schauerartig verstärktem Regen über der Schweiz. Zudem sorgte orographische Hebung durch den Anstau entlang des Alpenbogens für zusätzliche Verstärkung. Ausschlaggebend für die lokalen Überschwemmungen waren aber die in die Luftmasse eingelagerten Gewitter, die vorderseitig einer Kaltfront vom Nachmittag an bis in die Nacht hinein über die Kantone Wallis, Tessin und Graubünden zogen.

Vergleicht man die gemessenen 24-stündigen Niederschlagswerte, fällt ins Auge, dass die gefallenen Regenmengen in Zermatt deutlich geringer ausgefallen sind als in den Regionen des Tessin und Graubünden. Bei solchen Darstellungen des Messnetzes ist aber immer Vorsicht geboten. Bei konvektiven Lagen hängt es immer davon ab, ob „ein Topf getroffen“ wurde oder nicht. Die starke räumliche Variabilität des Niederschlags muss daher durch andere Messsysteme überprüft werden. Aber auch nach der Durchschau von Radarbildern lässt sich feststellen, dass die Niederschlagswerte im Tessin und Graubünden höher waren als im Wallis. Trotzdem wurde Zermatt aufgrund stark ansteigender Flusspegel von der Außenwelt abgeschnitten. Der rasant ansteigende Pegel des Flusses Mattervispa war dort nicht nur Resultat der gefallenen Niederschläge, sondern auch des zusätzlichen Wasserdargebots aufgrund der Schneeschmelze. Dieses Jahr liegt auf den Alpengipfel noch deutlich mehr Schnee als es letztes Jahr um die Zeit der Fall war.

In den Medien wird neben von Erdrutschen, Schlammlawinen, Murenabgänge, Sturzfluten und Hochwasser in den betroffenen Gebieten berichtet. Da stellt sich dem ein oder anderen die Frage, was das alles ist. Bei der Unterscheidung zwischen den einzelnen Begriffen ist unter anderem der Feststoffgehalt entscheidend.

Ein Erdrutsch entsteht, wenn durch Regenfälle oder auch starke Schneeschmelze der Erdboden so aufgeweicht und durchnässt ist, dass sich einzelne Bodenschichten lösen, und der Schwerkraft folgend hangabwärts gleiten. Bei Erdrutschen ist meist eine Abrisskante erkennbar. Bei Murenabgängen (auch Murgänge oder Schlammlawinen genannt) ist der Wassergehalt deutlich erhöht. Es handelt sich dabei um einen Strom aus Wasser gemischt mit Erde, Gestein und Geröll. Die Fließgeschwindigkeit kann je nach Gelände bis zu 60 Kilometer pro Stunde betragen. Aufgrund der hohen Dichte des fließenden Materials hat ein Murgang ein erhebliches Schadenspotential. Eine Sturzflut ist eine plötzlich auftretende Überschwemmung von tiefer gelegenen Regionen als Folge heftiger Starkregenfälle teils auch in Verbindung mit Schmelzwasser. Sind die Böden sehr trocken oder bereits wassergesättigt, fließen gerade bei Starkregenereignissen große Wassermassen oberflächlich ab und weiter hangabwärts zusammen. Das ist auch der Grund, warum Sturzfluten häufig nicht dort auftreten, wo das Gewitter am stärksten tobt, sondern „talwärts“ oder auch stromab eines Baches. Von einer Sturzflut spricht man allerdings erst dann, wenn zwischen verantwortlichem Niederschlagsereignis und hereinbrechender Flut weniger als sechs Stunden vergehen. Sturzfluten können aufgrund ihrer Kraft, Gegenstände bis hin zu Häusern mitreißen. An sich ist der Feststoffgehalt aber im Vergleich zu Murgängen geringer. Ob es also zu einem Erdrutsch, einem Murgang oder einer Sturzflut kommt ist nicht nur von der Regenmenge abhängig, sondern auch von der Bodenbeschaffenheit und der Topographie.

Entlang der, einem Nebenfluss des Ticino (deutsch: Tessin), ist eine solche Sturzflut letzte Nacht aufgetreten. Dabei betrug die Abflussmenge kurzzeitig mehr als das zehnfache des monatlichen Mittels für Juni. So schnell wie die Flut kam, so schnell geht sie auch wieder. Aufgrund der Oberflächenstruktur ist die Fließgeschwindigkeit einer Sturzflut in den Schweizer Alpen sehr schnell. Das Wasser fließt in tiefere Regionen ab und kann auch dort nochmal für Überschwemmungen oder Hochwasser sorgen. Aktuell muss unter anderem noch mit erhöhtem Wasserstand am Bodensee gerechnet werden.

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.06.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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