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Zum Weltnormentag: Die Standardatmosphäre

14. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am heutigen Montag ist Weltnormentag, ein Tag zu Ehren der Arbeit derjenigen, die sich tagtäglich mit der Entwicklung von Normen und Standards beschäftigen. Er wurde von der Internationalen Organisation für Normung (ISO), der International Electrotechnical Commission (IEC) und der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) initiiert. Der 14. Oktober wurde dabei nicht zufällig gewählt. Am 14. Oktober 1946 wurde nämlich auf einer Konferenz in London von Delegierten aus 25 Ländern beschlossen, eine internationale Organisation zur Erleichterung der Standardisierung zu schaffen. Aus diesem Beschluss ging ein Jahr später die ISO hervor.

Auch in der Meteorologie gibt es Normen und Standards, die sich beispielsweise in der sogenannten Standardatmosphäre wiederfinden. Sie wurde von der International Civil Aviation Organization (ICAO), zu Deutsch Internationale Organisation für zivile Luftfahrt, ins Leben gerufen und weltweit verbindlich festgelegt. Sie beschreibt den mittleren Zustand unserer Erdatmosphäre in den mittleren Breiten. Genau genommen geht es um die durchschnittliche Druck-, Temperatur- und Dichteverteilung. Diese betragen 1013,25 hPa, 15 Grad (Celsius), und 1,2250 kg pro Kubikmeter. Tages- und jahreszeitliche Schwankungen werden dabei außer Acht gelassen. Dazu wird die Luft als absolut trockenes Gas betrachtet, die relative Luftfeuchtigkeit beträgt also 0 %.

Vielleicht fragen Sie sich, wofür man denn bitte standardisierte Werte für atmosphärische Eigenschaften braucht, die in dieser Form über ein ganzes Jahr betrachtet wohl nur sehr selten gemeinsam auftreten. Nun, ihren Einsatz findet die Standardatmosphäre zum Beispiel – wie der Name ihrer Gründungsorganisation schon verrät – in der Luftfahrt. Dort werden diese Mittelwerte unter anderem zur Eichung von Messgeräten, wie den Höhenmessern in Flugzeugen, herangezogen.

Und da es in der Luftfahrt auch immer hoch hinaus geht und die Atmosphäre natürlich nicht zwei-, sondern dreidimensional ist, gibt es nicht nur für das Bodenniveau, sondern auch für höhere Luftschichten Standardwerte. Beim Luftdruck zählen dabei zum Beispiel 850 hPa in 1,5 km Höhe, 500 hPa in 5,6 km Höhe und 300 hPa in 9,2 km Höhe. Am Oberrand der Troposphäre, der auf 11 km Höhe genormt wurde und das Ende der untersten Schicht unserer Atmosphäre beschreibt, liegt der Luftdruck nur noch bei 226,32 hPa. Die Luftdichte nimmt ebenfalls Stück für Stück ab und wurde in 11 km Höhe auf 0,3692 kg pro Kubikmeter festgesetzt.

Die standardisierte Temperaturabnahme mit der Höhe beträgt 0,65 K pro 100 m (entspricht 0,65 Grad Celsius pro 100 m). In der „Realität“ entspricht dieser Wert der Temperaturabnahme von gesättigter, also feuchter Luft. Trockene Luft kühlt dagegen mit der Höhe um 1 K pro 100 m, also stärker ab. Aber zurück zum Standard. Im Druckniveau 850 hPa liegt die Temperatur damit bei 5,5 Grad, in 500 hPa bei -21,3 Grad und in 300 hPa bei -44,5 Grad. Für den Oberrand der Troposphäre ergeben sich schließlich -56,5 Grad.

Da sich in der Troposphäre unser tägliches Wettergeschehen abspielt, wollen wir unseren Höhenflug an dieser Stelle beenden. Weitere Informationen zur Standardatmosphäre finden Sie zum Beispiel im DWD-Wetterlexikon (siehe „Weitere Informationen zum Thema“).

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Zum-Weltnormentag-Die-Standardatmosphaere.jpg 420 304 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-14 20:57:282024-10-14 20:57:52Zum Weltnormentag: Die Standardatmosphäre

Historische Wetterkarten Teil 2 – Die Schneehöhen im Königreiche Bayern

13. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die erste „Schneehöhenkarte aus dem Königreiche Bayern“ findet sich aus dem Jahr 1899 in der digitalen Literatursammlung des DWD. Detailliert wurde in den damaligen Berichten zum einen die Witterung der zurückliegenden Woche oder Wochen beschrieben und die vorhandenen Messwerte genutzt, um eine übersichtliche Karte des Königreichs Bayern und der Schneehöhe zu erstellen.

Auf Seite eins des Berichts findet sich auf der oberen Hälfte der Seite eine Karte mit dem Südteil des Deutschen Kaiserreichs. Dargestellt auf der Karte sind die Linien gleicher Schneehöhe. Zwischen 0 und 10 cm Schneehöhe wurde diese in 5 cm Schritten aufgezeichnet, darüber in 10, 20 bzw. 50 cm – Schritten. Schneefreie Regionen wurden entsprechend mit „Schneefrei“ markiert. In der für dieses Thema des Tages gewählten Karte vom 15. Dezember 1901 finden sich schneefreie Regionen am Untermain und entlang des Rheins. Zu beachten ist, dass das Königreich Bayern in seiner Fläche nicht identisch mit dem heutigen Freistaat Bayern ist. So gehörten damals auch Regionen westlich des Rheins, im heutigen Rheinland-Pfalz und Saarland zu Bayern. Der große Rest des Königreichs Bayern lag dagegen verbreitet unter einer Schneedecke. Meist betrug die Schneehöhe damals um 5 cm. Deutlich mehr lag in höheren Lagen mit Spitzenwerten von bis zu 150 cm auf den Gipfeln des Bayerischen Waldes.

 

Unterhalb der Karte folgt in fein säuberlicher Handschrift eine „Allgemeine Übersicht“. In dieser wird die vergangene Luftdruckverteilung über Europa und die daraus resultierende Witterung für das Königreich Bayern beschrieben. So heißt es beispielsweise für die ersten Dezembertage: „Nur am Mittwoch, den 4. kam es im rechtsrheinischen Bayern zu stellenweisen Niederschlägen, welche im Gebirge und dessen Vorland als Schnee zu Boden gelangten.“ Im Laufe des Textes wird dem geneigten Leser sicherlich der ein oder andere Unterschied zwischen der damaligen und der heutigen Bezeichnung meteorologischer Phänomene auffallen. So wurde damals von „Depressionen“ geschrieben, wo heute das Wort „Tief“ zu finden wäre. So würde man heute auch nicht von „einer Furche tiefen Druckes“, sondern von einem Trog oder einer Tiefdruckrinne sprechen.

Die Herausarbeitung von Unterschieden soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich ein heutiger Witterungsbericht in vielen Dingen sehr ähnlich lesen würde als jener vor über 120 Jahren. Nur zum Füllfederhalter wird heute nicht mehr gegriffen und auch im Königreich Bayern dauerte es nur noch ein paar Jahre, bis die Schreibmaschine ihre Anwendung in der Erstellung der Berichte fand. 1912 war es soweit und die Berichte erhielten eine modernere Form.

Ein Sprung zurück in die Gegenwart bzw. ein Blick in die nahe Zukunft: Von Schnee im Flachland sind wir weit entfernt. Um aktuell eine Schneedecke zu sehen, bedarf es schon einer Höhe von 1500 bis 2000 m. Allein in den Alpen liegt also genug Schnee dafür. Der höchste Messwert mit 57 Zentimetern kommt dabei wenig überraschend von der Zugspitze. Und auch in der kommenden Woche ist Schnee kein Thema. Bei Höchstwerten von zum Teil über 20 Grad und nur wenig Niederschlag wird sich keine Schneeflocke in tiefe Lagen verirren und in den Alpen wird die Schneegrenze nach oben wandern.

Die gezeigten Grafiken und noch viele weitere Veröffentlichungen unterschiedlichen Alters finden Sie frei zugänglich in der digitalen Literatursammlung des DWD, kurz: DWDbib

MSc. (Meteorologe) Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Historische-Wetterkarten-Teil-2-Die-Schneehoehen-im-Koenigreiche-Bayern.png 2242 3006 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-13 21:26:082024-10-13 21:27:01Historische Wetterkarten Teil 2 – Die Schneehöhen im Königreiche Bayern

Spektakuläre Grüße von der Sonne

12. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Glücklich dürften diejenigen sein, die in der nördlichen Hälfte Deutschlands beheimatet sind. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man in der Nacht zum Freitag in den Genuss von Polarlichtern gekommen ist. Im Süden des Landes war der Himmel dagegen oftmals wolkenverhangen, entlang des Mains bis nach Mitteldeutschland regnete es sogar nochmals etwas stärker. Unpassender hätte dort der Zeitpunkt kaum sein können, denn bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr gab es nahezu überall das wunderbare Farbspektakel am Himmel zu bestaunen – oder hätte es gegeben. Wie gesagt, nicht immer ist das Wetter jedermanns Freund.

Verantwortlich für das momentan gehäufte Auftreten ist natürlich die Sonne. Genauer gesagt: Die Sonnenfleckenaktivität unterliegt einem etwa 11-jährigen Zyklus. Dieser Zyklus befindet sich aktuell auf seinem Aktivitätshöhepunkt. Dementsprechend gibt es wiederholt Sonnenflecken zu beobachten. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um Anomalien auf der Sonnenoberfläche, verursacht durch periodische Schwankungen des Magnetfelds der Sonne. Unter bestimmten Voraussetzungen bricht an diesen Stellen das Magnetfeld auch komplett zusammen. Dann kann umliegendes Plasma freigesetzt werden und als sogenannter „koronaler Massenauswurf“ (engl. „coronal mass ejection“, CME) ins All geschleudert werden. Das kommt tatsächlich relativ häufig vor, nämlich mitunter mehrfach am Tag. Dass dieser Ausstoß dabei aber genau Richtung Erde gerichtet ist, ist dagegen schon seltener. Erreichen die Plasmateilchen die Erde, wechselwirken sie mit dem Magnetfeld unseres Planeten und deformieren es stark. Dabei wird Energie freigesetzt. Grob beschrieben werden durch die Magnetfeldschwankungen elektrische Ströme in der Atmosphäre induziert. Dabei fließen Elektronen entlang des Magnetfeldes Richtung Erdoberfläche und regen dabei Atome in der oberen Atmosphäre an. Dadurch wird Licht in verschiedenen Farben emittiert, je nachdem ob es sich um Sauerstoff oder Stickstoff handelt. Meist resultieren daraus Nuancierungen von grünen und roten Farben bis ins violette. In seltenen Fällen können auch blaue Farben zu sehen sein.

Je stärker so ein Sonnensturm ausfällt, desto gravierender wird das Erdmagnetfeld deformiert. Je deformierter das Erdmagnetfeld ist, desto südlicher können Polarlichter beobachtet werden. Beim Ereignis im Mai dieses Jahres gab es sogar Berichte über Polarlichter in tropischen Gebieten. Die Stärke einer solchen Sonneneruption wird dabei in Form von Klassen angegeben und bezeichnen die freigesetzte Energie der auftretenden Röntgenstrahlung auf einer logarithmischen Skala. Die beiden höchsten Klassen werden dabei mit „M“ und „X“ bezeichnet. Stärken von mehr als 10 werden mit der nächsthöheren Klasse bezeichnet. Das heißt ein Ausbruch der Stärke „M10“ entspricht der Klasse „X1“. Die X-Klasse ist nach oben offen.

Die jetzigen Polarlichtsichtungen verdanken wir einer Sonneneruption der Stärke X1.8. Die Besonderheit lag dabei in der langen Andauer dieses sogenannten „Flares“. Damit erreichte uns ein langanhaltender Plasmastrom, der das Magnetfeld nachhaltig stören konnte und so das Polarlicht ermöglichte.

Aktuell ist noch nicht abzusehen, dass die Sonnenaktivität demnächst signifikant abnehmen wird. Daher ist durchaus damit zu rechnen, dass uns noch weitere Sonnenstürme erreichen werden und Polarlichtsichtungen ermöglichen. Im jetzt beginnenden Winterhalbjahr ist das aus Beobachtersicht mit der abnehmenden Tageslänge natürlich ziemlich praktisch. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter beim nächsten Mal wieder besser mitspielt.

PS: Schon gewusst? Polarlichter werden bei uns auch lateinisch „Aurora borealis“ genannt. Aber es gibt sie logischerweise auch auf der Südhalbkugel zu bestaunen. Dort heißen sie dann „Aurora australis“ – also „Südlicht“.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Spektakulaere-Gruesse-von-der-Sonne.jpg 1019 1518 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-12 20:50:102024-10-12 20:55:58Spektakuläre Grüße von der Sonne

Unruhiges Wochenende

11. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

iDie Regenreste des Tiefdruckgebietes KIRK ziehen noch über die Südosthälfte Deutschlands, aber von Westen her nähert sich Hochdruckgebiet VINCENT (siehe Wetteranalyse unter dem Absatz). Er sorgt leider nur kurz für Wetterberuhigung, denn Tiefdruckgebiete über dem Atlantik schieben ihn quasi im Eiltempo ostwärts über uns hinweg. Das bedeutet für den heutigen Abend und die kommende Nacht zum Samstag rasche Besserung. Es trocknet weitgehend ab und die Wolken lockern vielerorts auf. Allerdings sorgt Feuchtigkeit am Boden für die Bildung von Nebel und Hochnebel, vor allem an größeren Flüssen und in den Regionen, wo zuletzt Regen fiel.

Es gibt aber auch längere klare Abschnitte. Da KIRK auf seiner Rückseite recht kalte Luft zu uns geführt hat, droht in der Nacht zum Samstag vor allem über der Mitte und im Osten leichter Luftfrost bis -2 Grad. In Bodennähe ist in ganz Deutschland leichter Frost möglich. Natürlich immer abhängig von der Ausstrahlung der Wärme in der Nacht und der Bedeckung. Die nimmt in der zweiten Nachthälfte im Westen und Südwesten schon wieder zu.

Am Samstag liegt VINCENT bereits östlich von uns. Über Westeuropa schließen sich die Tiefdruckgebiete aus dem Nordwesten und Südwesten zusammen zu einer langen Tiefdruckzone. Aus dem Tief über dem Nordmeer tropft ein kleines Randtief über der Nordsee ab. Es bringt gegen Abend dem Nordseeumfeld Schauer und auch einzelne Gewitter. Ein Randtief über der Biskaya steuert auf der Vorderseite im Tagesverlauf mildere und feuchte Luft in den Westen und Südwesten Deutschlands. Von der Eifel bis an den Bodensee setzt in den Nachmittags- und Abendstunden Regen ein.

In der Nacht zum Sonntag zieht Tief HELMA von der Nordsee über Dänemark ostwärts. Es ist eingebettet in einen Langwellentrog, der vom Nordmeer bis kurz vor die Alpen reicht. Entsprechend breitet sich dichte Bewölkung auf das gesamte Bundesgebiet aus. Von der Nordsee ziehen Schauer oder schauerartiger Regen sowie vereinzelt auch noch Gewitter südost- und ostwärts und erfassen zum Morgen auch Oder und Neiße. Auch im Süden breiten sich die Regenfälle ostwärts aus. Der Sonntagvormittag ist verbreitet trüb und nass, am ehesten trocken ist es an der Mosel sowie westlich des Nieder- und Mittelrheins.

Doch Tiefdruckgebiet HELMA bringt nicht nur Regen, auch der Wind frischt an der Südseite des Tiefs kräftig auf. Dabei treten bereits in der Nacht zum Sonntag erste stürmische Böen oder Sturmböen an der Nordsee sowie in den Hochlagen des zentralen und östlichen Mittelgebirgsraumes auf. Am Sonntag weht dann in der gesamten Nordosthälfte Deutschlands ein kräftiger westlicher Wind mit stürmischen Böen, an der Nordseeküste und im Bergland Sturmböen sowie auf den Gipfeln von Harz und Erzgebirge teils schweren Sturmböen.

Bis zum Sonntagabend erreicht HELMA bereits das Baltikum und der Wind lässt nach. Durch von Westen zunehmenden Hochdruckeinfluss lässt auch der Regen im Tagesverlauf rasch nach. Nur an den Alpen regnet es durch Staueffekte längere Zeit. Im Norden und Nordosten gibt es im Tagesverlauf seltener und schwächer werdende Schauer, die höhenkalte Luft des Troges lässt hier eine Beruhigung erst in den Abendstunden zu. Das Temperaturniveau am Wochenende ist insgesamt der Jahreszeit angemessen.

In der neuen Woche setzt sich hoher Luftdruck in Deutschland durch. Allerdings ziehen anfangs auch noch Ausläufer von Tiefdruckgebieten vor allem über den Süden der Republik. Bei schwachem Wind bildet sich in den Nächten häufig Nebel oder Hochnebel, der sich vor allem in Flussregionen tagsüber auch nur zögerlich auflöst. Immerhin wird mit dem Hochdruck wieder wärmere Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns geführt. Die Temperatur steigt deutlich an und erreicht zur Wochenmitte voraussichtlich wieder verbreiteter die 20-Grad-Marke.

Dipl. Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Unruhiges-Wochenende.jpg 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-11 22:57:172024-10-11 22:57:37Unruhiges Wochenende

Von Singularitäten und vermeintlichen Raumschiffkapitänen

10. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vor zwei Tagen wurde der „Wettergesprächs- und Small-Talk-Tag“ in Deutschland begangen. Wie oft hören wir auf der Straße oder in der Bahn Sätze wie „Ist das mal wieder heiß/kalt“ oder „Es ist zu trocken/nass“. Oder wir Meteorologen lauschen Gesprächen über das Wetter, in denen Halbwahrheiten ausgetauscht werden und aus Höflichkeit hält man sich bei der Richtigstellung zurück. Ein beliebtes Thema bei solchen Gesprächen sind sicherlich auch die Singularitäten, also die Witterungsregelfälle in der Meteorologie. Bekannte Beispiele für solche Singularitäten sind die Eisheiligen, die Schafskälte, der Siebenschläfertag, die Hundstage, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter.

In diesem Zusammenhang wird aber sicherlich kaum der Name August Schmauß genannt. „August wer?“, fragt sich nun sicherlich der ein oder andere. August Schmauß lebte vom 26. November 1877 bis zum 10. Oktober 1954. Somit jährt sich am heutigen Donnerstag sein Todestag zum 70. Mal.

In seiner Heimatstadt München studierte er Mathematik und Physik. In seinem Berufsleben arbeitete er dann vor allem auf dem Gebiet der Meteorologie. In seiner Forschungstätigkeit führte er unter anderem in den 1920er-Jahren den Begriff der Singularität in der Meteorologie ein. Ihm zu Ehren wurde in München Oberschleißheim eine Straße benannt. Interessanterweise befindet sich die Niederlassung München Oberschleißheim des Deutschen Wetterdienstes in dieser Straße und trägt die Hausnummer 1.

Die nächste, im Volksmund mit einem Namen versehene Singularität in diesem Herbst wird der „Martini-Sommer“ bzw. „Martinssommer“ sein. Dies bezeichnet eine häufig auftretende Schönwetterperiode gegen Ende der ersten Novemberdekade

Bis dahin kann meteorologisch natürlich noch einiges passieren. Bereits in den ersten Stunden des heutigen Tages war dabei allerhand Erzählenswertes dabei. Grund hierfür ist der in den letzten Tagen bereits häufig erwähnte Ex-Hurrikan KIRK. KIRK drang allerdings nicht wie sein filmisches Pendant in unbekannte Galaxien vor, sondern kreiste als Hurrikan ganz irdisch über dem Atlantik. Zum Höhepunkt seines Hurrikan-Lebens erreichte KIRK die Kategorie 4. Inzwischen hat KIRK nicht nur eine sogenannte extratropische Umwandlung vollzogen, sondern auch auf seinem Weg in Richtung Skandinavien Mitteleuropa überquert und dies ist nicht folgenlos geblieben.

In seinem Reisegepäck hat er milde und vor allem sehr feuchte Luft, die am gestrigen Mittwoch und insbesondere in der vergangenen Nacht im Westen und Nordwesten Deutschlands für teils ergiebige Niederschläge sorgte.

 

An seiner Südflanke führte Ex-KIRK zudem ein Sturmfeld mit sich, das in der vergangenen Nacht im Süden für Rabatz sorgte. Dabei gab es stürmische Böen oder (schwere) Sturmböen, ganz vereinzelt auch orkanartige Böen. Volle Orkanstärke wurde im Hochschwarzwald erreicht.

So allmählich geht Ex-KIRK dann aber doch die Puste aus. Die ergiebigen Niederschläge haben inzwischen nachgelassen. Das Wetter zeigt sich heute aber weiterhin von seiner wechselhaften Seite mit Schauern und vereinzelten Gewittern. Das Sturmfeld hat sich unter einer deutlichen Abschwächung allmählich nordostwärts verlagert. In der Nacht zum morgigen Freitag sowie nachfolgend dann auch tagsüber ist es nur ganz im Norden noch windig, ansonsten ist nur noch zeitweise mit mäßigem West- bis Südwestwind zu rechnen.

Zum morgigen Freitag sorgt Zwischenhocheinfluss dann für eine kurzzeitige Wetterberuhigung. Bereits am Samstag kommt im Tagesverlauf von Südwesten allerdings wieder dichtere Bewölkung und nachfolgend leichter Regen auf. Trocken und freundlich bleibt es noch im Norden und Osten des Landes.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Von-Singularitaeten-und-vermeintlichen-Raumschiffkapitaenen.png 923 745 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-10 21:58:232024-10-11 23:04:57Von Singularitäten und vermeintlichen Raumschiffkapitänen

Nasser Gruß aus den Subtropen

9. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Schon der Name „Sturmtief Kirk“ lässt einen an den Parameter Sturm denken. Die Vergangenheit als Hurrikan, zumal als einer der Kategorie 4 (von 5) tut da sein Übriges. In Vergessenheit gerät da manchmal ein anderer Parameter, der mit Tiefs subtropischer oder tropischer Herkunft häufig wichtig wird: Feuchtigkeit. Zunächst einmal macht sich diese in Form feuchter, gerne auch mal schwüler Luft bemerkbar. Im Zusammenspiel mit Fronten oder auch „störenden“ Hindernissen wie Gebirgen wird aus dem Wasserdampf in der Luft schnell Niederschlag. Angesichts der Jahreszeit und Herkunft der Luftmasse erreicht uns der Niederschlag am Boden als teils kräftiger Regen.

 

So ist es auch bei Kirk, nahe seinem Tiefkern kommt es zu teils anhaltenden und kräftigen Regenfällen in Westdeutschland und in den Nachbarländern Niederlande (Süden), Belgien und Luxemburg. Bereits lange vor Durchzug des Tiefs fing es am heutigen Mittwoch (09.10.2024) über Westdeutschland zu regnen an. Dieser meist noch leichte bis mäßige Regen wird sich in den Abendstunden deutlich intensivieren. Dann fallen gebietsweise im Westen, vor allem wahrscheinlich in der Eifel große Regenmengen. In nur 12 Stunden sind 30 bis 50 l/qm wahrscheinlich, wobei örtlich voraussichtlich über 10 l/qm in einer Stunde fallen werden. Von Mittwochfrüh bis Donnerstagvormittag können dann regional sogar 50 bis 70 l/qm, in Staulagen um 80 l/qm zusammenkommen. Diese Niederschlagsmengen erfüllen das Kriterium für ergiebigen Dauerregen (Unwetter!). Bild 2 zeigt die Überschreitungswahrscheinlichkeit von 30 l/qm (markante Warnung) bzw. 50 l/qm (Unwetterwarnung) in 24 Stunden. Deutlich zeigen sich nach Lesart des Modells ICON–EU die Schwerpunkte in der Eifel, dem Hunsrück und im Sauerland.

Auf seinem Weg in den Nordosten Deutschlands geht Kirk etwas die Luft aus. Nicht nur wird das Sturmfeld schwächer, auch die Regenfälle nehmen an Intensität ab. Dennoch reicht es bis in den Osten Niedersachsens für die Überschreitung der DWD-Warnschwellen vor Dauerregen. Mehr als 30 l/qm in 24 Stunden werden zum Beispiel im Raum Hannover bis Donnerstagmittag erwartet.

So mancher, vor allem in den westlichen Landesteilen, wird sich fragen, wann es denn endlich länger trocken bleibt. Nun, zumindest für diese Woche kann der Verfasser keine Hoffnungen machen. Ein Zwischenhoch zum Freitag und Samstag kann kaum Fuß fassen, bevor dieses schon wieder an Einfluss auf Deutschland verliert und am Samstagabend von Südwesten neuerlich Regen aufzieht. Mehr Hoffnung macht da die Mittelfristprognose für die kommende Woche. Einen Ausblick dazu finden Sie in der 10-Tagesprognose(siehe „Weitere Informationen zum Thema“).

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Nasser-Gruss-aus-den-Subtropen.png 461 627 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-09 21:05:292024-10-11 23:09:46Nasser Gruß aus den Subtropen

Hurrikans, tropische Stürme und extratropische Stürme

8. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Auf seinem Weg vom mittleren Atlantik nach Westeuropa entwickelte sich KIRK zunächst zu einem starken Hurrikan der Kategorie 4, bevor er sich auf seiner weiteren Reise in Richtung Westeuropa zu einem tropischen Sturm abschwächte. Nun hat sich KIRK in ein außertropisches Tiefdruckgebiet umgewandelt und beeinflusst Teile von West- und Mitteleuropa. Da stellt sich die Frage: Worin liegt der Unterschied zwischen diesen Stürmen?

Für die Entwicklung eines tropischen Sturms benötigt es eine kleine Störung in Form von einem Gewittercluster. In Westafrika entwickeln sich an häufig größere Gewittersysteme. Diese werden in Verbindung mit dem westafrikanischen Monsun nach Westen auf den Atlantik geführt. Dort können sich diese Systeme bei geeigneten atmosphärischen Umgebungsbedingungen weiter intensivieren und sich zu einem tropischen Sturm entwickeln. Förderlich dazu sind hohe Wassertemperaturen von über 26 Grad, eine geringe vertikale, ein hoher Feuchtegehalt in den niedrigeren atmosphärischen Schichten und eine moderate Strömung in der mittleren Troposphäre. Vor allem am Anfang der Entwicklung reagiert der Sturm sensitiv auf diese atmosphärischen Umgebungsbedingungen.

Hat sich nun das diffuse chaotische Gewittersystem aufgrund von günstigen Umgebungsbedingungen besser organisiert und erreichen die Windgeschwindigkeiten mindestens 62 Kilometer pro Stunde spricht man von einem tropischen Sturm. Im Vergleich zum Hurrikan besitzt der tropische Sturm geringere Windgeschwindigkeiten und einen etwas anderen Aufbau. Während vor allem starke Hurrikans eine symmetrische Struktur mit einem klar definierten Auge und einer ausgeprägten Augenwand besitzen, ist bei einem tropischen Sturm dies nicht vorzufinden.

Verlagert sich jedoch ein Hurrikan in ein Gebiet mit ungünstigen Umgebungsbedingungen schwächt sich dieser in der Regel ab und kann sich zurückentwickeln zu einem tropischen Sturm. Dieses Schicksal erfuhr auch Hurrikan KIRK. Auf seinem Weg in den Nordatlantik schwächte er sich aufgrund deutlich geringeren Wassertemperaturen und erhöhter vertikaler Windscherung zu einem subtropischen Sturm ab. Im weiteren Verlauf wurde KIRK in die Westwindzone eingebunden. Dabei fand seine Umwandlung von einem subtropischen Sturm zu einem extratropischen Sturmtief statt.

Im Gegensatz zu tropischen Stürmen beziehen extratropische Stürme ihren Hauptantrieb aus den Temperaturgegensätzen zwischen den polaren und mittleren Breiten. Da diese Temperaturgegensätze im Herbst und Winter stärker ausgeprägt sind, treten in dieser Jahreszeit auch häufiger starke Stürme auf. KIRK wurde als subtropischer Sturm in die Westwindzone eingebunden, interagierte mit einem  und erfuhr darauf deshalb kurzzeitig auch eine leichte Intensivierung. Außerdem wurde er nach diesem Prozess, der im Fachjargon  genannt wird, deutlich beschleunigt.

Extratropische Stürme sind nämlich in die Westwindzone eingelagert und werden vom Jetstream (Starkwindband in 8 bis 10 Kilometer Höhe) gesteuert. Deshalb ist im Gegensatz zu einem tropischen Sturm eine starke Windscherung bei extratropischen Stürmen vorhanden. Tropische Stürme oder auch ein Hurrikan besitzt seine höchsten Windgeschwindigkeiten unmittelbar oberhalb der, während extratropische Stürme durch eine starke Windzunahme mit der Höhe gekennzeichnet sind.

Auch ihre Struktur beim Blick auf ein Satellitenbild unterscheidet sich deutlich von tropischen Stürmen. Während tropische Stürme schwächerer Intensität aus relativ chaotisch angeordneten Gewitterclustern bestehen, ist der Niederschlag bei extratropischen Tiefs an deren Frontensystemen gebunden. Dadurch ergibt sich ein größerer Niederschlagsbereich in Verbindung mit einer Warmfront und häufig ein schmales Niederschlagsband an der Kaltfront. Tropische Stürme sind dagegen charakterisiert durch einen warmen Kern und beziehen ihre Energie vom warmen Ozean. Frontensysteme besitzen sie nicht!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Hurrikans-tropische-Stuerme-und-extratropische-Stuerme.png 387 1308 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-08 20:41:362024-10-08 20:41:55Hurrikans, tropische Stürme und extratropische Stürme

Hurrikan – Triumvirat

7. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Kolleginnen und Kollegen vom National Hurricane Center in Miami haben aktuell alle Hände voll zu tun. Mit KIRK, MILTON und LESLIE tummeln sich aktuell gleich drei Hurrikane über dem Nordatlantik und dem Golf von Mexiko. Die Abbildung 1 zeigt deren Position um 04:57 AM EDT. Da die Eastern Daylight Time unserer Sommerzeit um 6 Stunden „hinterherläuft“, ist die Karte somit vom heutigen Montag um 10:57 MEST.

Aktuell am weitesten von jeder Landmasse entfernt zieht KIRK über dem Nordatlantik allmählich nach Osten. Er wird zur Zeit zwar noch als Hurrikan geführt, seine recht weit nördlich gelegene Zugbahn führt ihn aber zunehmend über kühlere Meeresgebiete, so dass ihm die Energiezufuhr abhanden kommt. Somit nimmt er mehr und mehr die Form einer Zyklone der mittleren Breiten an. Schon heute Abend verliert er voraussichtlich seinen Hurrikan-Status, was nichts anderes bedeutet, als dass er keine Orkanböen mehr im Gepäck hat. Obendrein zeugen auch die Wolkenformationen auf seiner Nordseite schon von großräumiger Warmluftadvektion, wie sie für großräumige außertropische Systeme typisch ist.

KIRK steht in Deutschland aber nicht wegen seiner (ohnehin zeitlich limitierten) Eigenschaften als Hurrikan im Fokus, sondern mehr aufgrund der Tatsache, dass er als kräftiges Tiefdruckgebiet bis nach Mitteleuropa wandert. Zuerst soll er den Nordwesten der Iberischen Halbinsel streifen, danach über Frankreich und Deutschland hinweg bis zur westlichen Ostsee ziehen. Inzwischen rücken die Vorhersagemodelle bezüglich der voraussichtlichen Zugbahn von KIRK auch schon etwas mehr zusammen – Unsicherheiten bleiben aber auch weiterhin. Als grobe Marschrichtung ist angedacht, dass KIRK ausgangs der Nacht zum Donnerstag von Frankreich her auf den Südwesten (Saarland, Hunsrück, Pfalz) übergreift, um dann über Hessen und Ostwestfalen hinweg Mecklenburg anzusteuern, das am Abend erreicht werden soll.

Die möglichen Auswirkungen waren schon gestern hier ein Thema, und es bleibt dabei, dass im Tiefbereich und südlich bzw. südöstlich davon bis ins Flachland Sturmböen auf der Agenda stehen, exponierte Gipfel bringen es wohl auf die volle Orkanstärke. Dazu sind auch Schauer und teils kräftige Gewitter mit von der Partie. Die Gebiete der stärksten Böen sind aber nicht identisch mit den Gebieten der stärksten Regenfälle. Letztere befinden sich im Bereich des Tiefs sowie nördlich davon, was einer sich dort einstellenden Gegenstromlage (gegensätzliche Windrichtung bodennah und in der Höhe) geschuldet ist. KIRK wird danach in Skandinavien erwartet, immer noch als Sturmtief und immer noch mit reichlich Regen im Gepäck. Abbildung 2 (Quelle: NOAA – National Oceanic and Atmospheric Administration) zeigt groß die von verschieden Modellen simulierte Verlagerung von KIRK, in den kleineren Bildern rechts erkennt man oben den Rückgang der maximalen Böen und unten den Druckanstieg.

Von KIRK nun wieder zurück zu den anderen Hurrikan-Vertretern, von denen Leslie am wenigsten Sorgen bereitet. Er verlagert sich auf dem Atlantik nach Nordwesten, wobei er einen großen Respektabstand zu allen Küstenzonen hält. Luft- und Schifffahrt werden ihn in gebührendem Abstand passieren, so dass sein Gefährdungspotential überschaubar bleibt.

Anders sieht es bei MILTON aus. Aus dem südlichen Golf von Mexiko weisen ihm die Modelle zuerst den Weg nach Osten. Dabei passiert er ausgangs der kommenden Nacht und am morgigen Vormittag unserer Zeit die Nordküste der Halbinsel Yukatan. Laut der Kollegen und Kolleginnen der NOAA tut er dies als Hurrikan der Stufe 4 (nach der Saffir-Simpson-Skala; entspricht Windgeschwindigkeiten in der Spitze über 210 km/h). In der Abbildung 3 wird er entsprechend mit dem Buchstaben „M“ für Major bezeichnet, andere Modelle erwarten ihn aber etwas schwächer.

Wie auch immer, von dort geht es unter Intensivierung weiter nach Nordosten, wo ihn einzelne Modelle sogar in die Kategorie 5 und damit in die höchste Kategorie einsortieren. Glücklicherweise soll er sich, bevor er an der Westküste Floridas auf Land trifft, schon wieder ein wenig abschwächen. Sein Zerstörungspotential dürfte aber immer noch enorm sein, und dies in einer Region, die erst vor kurzem von Hurrikan HELENE getroffen wurde.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Hurrikan-Triumvirat.png 590 796 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-07 20:42:492024-10-08 21:04:43Hurrikan – Triumvirat

Eine turbulente Wetterwoche steht uns bevor!

6. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hoch URBAN bescherte uns gebietsweise ein goldenes erstes Oktoberwochenende. Nach kühlen Nächten mit lokalem Luftfrost und teils dichtem Nebel zeigte sich bei herbstlichen Temperaturen in der Nordwesthälfte häufig die Sonne. Doch dieses weitgehend ruhige Wetter ist schon bald wieder Geschichte. Auf dem östlichen Atlantik befindet sich das kräftige Sturmtief GERDA. Die Warmfront des umfangreichen Tiefdruckgebietes nähert sich bereits in der kommenden Nacht zum Montag dem Westen Deutschlands. Gleichzeitig verabschiedet sich Hoch URBAN in Richtung Westrussland. Dies ist der Auftakt für eine milde, niederschlagsreiche und im weiteren Verlauf auch zeitweise stürmische Wetterphase.

Kleinere Randtiefs sorgen bis Mittwoch für immer wieder teils kräftige Regenfälle. Örtlich sind auch einzelne Gewitter mit dabei. Zudem kommt im Laufe des morgigen Montags in den Alpen Föhn auf, sodass direkt am Alpenrand mit Föhnunterstützung am Dienstag sogar bis zu 25 Grad möglich sind. Im Gegensatz zum aktuellen Wochenende ist dann der Südosten und Osten Deutschlands bevorzugt. Dort gibt es auch immer mal wieder längere sonnige Abschnitte und dazu zeigt das Thermometer tagsüber häufig Temperaturen um oder sogar knapp über 20 Grad an.
Richtige Spannung kommt aber ab Mittwoch in Frankreich und im weiteren Verlauf auch in Deutschland ins Wettergeschehen. Ex-Hurrikan KIRK könnte dann teils für eine schwere Sturmlage sorgen. Aktuell befindet sich KIRK noch als Kategorie 2 Hurrikan westlich der Azoren über dem Atlantik. KIRK war am frühen Samstag noch ein starker Hurrikan der Kategorie 4 mit einem Kerndruck von 943 Hektopascal und maximalen Windgeschwindigkeiten von etwa 220 km/h. Nun ist der Hurrikan allerdings in ein Gebiet mit deutlich niedrigeren Wassertemperaturen gezogen. Zudem hat die vertikale Windscherung in der Umgebung zugenommen. Dadurch hat sich seine klassische Struktur mit einem klar definierten Auge und kräftigen konvektiven Zellen um das Auge herum verändert.
Im weiteren Verlauf wird sich der Hurrikan zunächst zu einem tropischen Sturm abschwächen. Anschließend wird er zur Wochenmitte in die Westwindzone eingelagert und kurz darauf in Frankreich auf Land treffen. Dabei wandelt sich das ursprünglich tropische Tief allmählich zu einem klassischem (außertropischen) Tief der mittleren Breiten um – man spricht hierbei im Fachjargon von einer „extratropical transition“. Beim Erreichen der französischen Küste ist die Umwandlung voraussichtlich noch nicht ganz abgeschlossen und der Sturm ist eine Mischung aus einem tropischen Sturm und einem normalen Sturmtief mittlerer Breiten. Er wird damit als hybrides extratropisches Sturmtief am Mittwoch Westeuropa erreichen.

Bezüglich seiner Intensität existieren aber noch größere Unsicherheiten. Während das ICON-Modell KIRK als schweren Sturm mit einzelnen Orkanböen um 130 km/h bis ins Binnenland von Frankreich simuliert, sind die anderen Modell dagegen wesentlich defensiver. Auch was die genaue Zugbahn des Tiefs angeht existieren noch einige Unsicherheiten.
Im weiteren Verlauf verlagert sich das Sturmtief rasch über Frankreich hinweg in Richtung Deutschland. Damit nimmt der Wind voraussichtlich bereits in der Nacht zum Donnerstag im Südwesten deutlich zu. Die wahrscheinlichste Lösung nach aktuellem Stand ist, dass am Donnerstag in der Südwesthälfte und später auch in der Mitte des Landes bis ins Flachland verbreitet stürmische Böen (Bft 8), zwischenzeitlich und vor allem bei Schauern und Gewittern auch Sturmböen (Bft 9) oder sogar schwere Sturmböen (Bft 10) auftreten. Auf den Bergen sind orkanartige Böen (Bft 11) möglich. Zudem gehen mit KIRK teils kräftige Regenfälle einher. Auch einzelne starke Gewitter sind möglich.

Große Schäden wie bei einem ausgewachsenen Hurrikan wird es aber dennoch nicht geben! Trotzdem stehen uns somit nasse und zeitweise auch stürmische Zeiten bevor.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Eine-turbulente-Wetterwoche-steht-uns-bevor.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-06 21:14:012024-10-06 21:14:20Eine turbulente Wetterwoche steht uns bevor!

Hochsaison des Vogelzuges

5. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Blickt man aktuell in den Himmel – praktisch tätige Meteorologinnen und Meteorologen tun dies ja bekanntlich hin und wieder – kann man mit etwas Geduld das alljährliche Schauspiel des Vogelzuges beobachten. Besonders gut zu erkennen sind dabei jene Vogelschwärme, die im sogenannten V-Flug die Distanzen zwischen ihrer Sommerresidenz und dem Winterquartier überbrücken. Klassische Vertreter solcher Arten sind beispielsweise die Graugans oder der Kranich, die am Himmel das sehr gut erkenntliche V-Muster bilden. Doch auch viele andere Vogelarten machen sich zurzeit – mehr oder weniger gut sichtbar – auf ihren Weg in den Süden oder sind dort schon angekommen. Rund 250 Vogelarten brüten in unseren heimischen Gefilden und man schätzt, dass etwa die Hälfte davon Zugvögel sind – im Gegensatz zu den Standvögeln, die die Überwinterung weitgehend im Brutgebiet absolvieren und „Teilziehern“, die die jeweiligen örtlichen Populationen im Winterhalbjahr ersetzen (beispielsweise Kohl- und Blaumeisen). Bei den Zugvögeln wird zudem zwischen den Lang- und Kurzstreckenziehern unterschieden. Während Kurzstreckenzieher (z.B. Kranich, Kiebitz, Feldlerche und Star) „nur“ die Distanz nach West- und Südeuropa zu überbrücken haben, müssen Weißstorch, Kuckuck, Rauchschwalbe und weitere 80 Arten in die Gebiete südlich der Sahara gelangen.

Langstreckenzieher folgen dabei einem sehr genauen Plan und verlassen die heimischen Gefilde jedes Jahr zu sehr ähnlichen Terminen. Es geht sogar so weit, dass man an vielen Orten die Woche des saisonalen Abfluges detailliert festlegen kann. Man schätzt, dass sich jedes Jahr um die zwei Milliarden Individuen auf ihre lange Reise von Europa nach Afrika machen. Kurzstreckenzieher können dagegen etwas spontaner agieren und richten sich deutlicher nach der herrschenden Witterung. Ein kalter Spätsommer oder Frühherbst können den Vogelzug etwas beschleunigen, ein warmer und sonniger Spätwinter den Aufenthalt der etwa 40 Arten im Winterquartier entsprechend verkürzen. Da Kurzstreckenzieher häufig tagsüber unterwegs sind, lassen sich diese deutlich besser beobachten als beispielsweise Störche, die ihre Distanzen vor allem in der Nacht hinter sich bringen. Je nach speziellem Erfordernis (tierabhängig) wird dabei der Tagesgang der Thermik bzw. die Einstrahlung genutzt oder vermieden.

Sehr ungünstige Wetterbedingungen oder -entwicklungen können aber besonders den Langstreckenziehern erheblichen Schaden zufügen. Diese brechen zwar schon sehr früh im Jahr (August bis Anfang September) auf ihre lange Reise auf, das bewahrt diese aber nicht immer vor erheblichen wetterbedingten Schwierigkeiten. Der Anfang September 2024 stattgefundene Kaltlufteinbruch in Mitteleuropa hat beispielsweise auch dieses Jahr zu einigen gestrandeten Schwalben geführt, die die Alpen bei einer tiefen Schneefallgrenze und Dauerregen/-schneefall nicht mehr überwinden konnten. Außerdem war bei Regen und Kälte auch das Nahrungsangebot (Insekten) gering. Den Vögeln bliebt daher nur Warten übrig und den Energieverbrauch entsprechend zu senken.

Im Jahre 1974 griffen sogar Vogelschützer ein und brachten bei Kälte gestrandete Schwalbe per Auto, Zug oder Flugzeug über die Alpen nach Süden. Vor genau 50 Jahren gab es nämlich einen massiven und lange anhaltenden mitteleuropäischen Kaltlufteinbruch, der zahlreiche Mehl- und Rauschschwalben das Leben erschwerte bzw. auch kostete. Tier- und Vogelschutzorganisationen (besonders der damalige Deutsche Bund für Vogelschutz, DBV) sowie die lokale Bevölkerung wurden darauf aufmerksam und begannen nachfolgend die entkräfteten Vögel einzusammeln. Man schätzt, dass in Deutschland weit über eine Million Tiere diesen „Taxidienst“ in Anspruch nehmen durften, aus den Nachbarländern kamen noch weitere hinzu. Auch die Wetterlage der vergangenen Tage mit Schneefall bis 1500 m herab war nicht gerade günstig – allerdings wird es ab Sonntag wärmer und sonniger. Allerdings kommt an den Alpen vorübergehend Südföhn auf, sodass die Vögel etwas Gegenwind haben könnten.

Doch kommen wir zurück zu den Kurzstreckenziehern: Der augenscheinlichste Vertreter dieser Kategorie ist der Kranich. Dieser bildet mit seinen Artgenossen eine V-Formation im Himmel, wobei dessen Schenkel nicht symmetrisch sein müssen. Es wird schon länger vermutet, dass diese Anordnung der Energieersparnis dienen könnte. Die Vögel nutzen dabei den Aufwind der vor ihnen fliegenden Artgenossen. Ein Forschungsteam der Universität Wien hat diese Annahme nun mit Messungen unterfüttert (siehe Links). Dafür wurden Waldrappen mit Sensoren und Aufnahmegeräten ausgestattet und damit der Energieverbrauch aus der dynamischen Körperbeschleunigung, der Herzfrequenz und der effektiven Flügelschlagfrequenz abgeleitet. Alle drei Parameter waren im „Kielwasser“ des Vordervogels verringert. Ganz intuitiv nutzen die Kraniche also die Regeln der Physik zu ihrem Vorteil, ohne diese im Detail studiert zu haben.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Hochsaison-des-Vogelzuges.png 1416 1145 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-05 21:25:032024-10-05 21:26:51Hochsaison des Vogelzuges
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