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Kleine Gewitterkunde – Teil 3: Die Superzelle

29. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Gewitter können große Schäden verursachen und für Menschen im Freien sogar lebensgefährlich werden. Extreme Unwetter in Norditalien mit riesigem Hagel zeigten dies erst vor ein paar Tagen sehr eindrucksvoll. Dabei handelte es sich um sogenannte „Superzellen“.

Superzellen sind vielen vor allem aus dem mittleren Westen der USA bekannt. Jährlich reisen hunderte Gewitterjäger (Stormchaser) aus aller Welt in diese Region, um die majestätisch anmutenden Gewitter zu verfolgen und zu fotografieren. Durch die meteorologischen Voraussetzungen und das flache Terrain können sich Superzellen dort ungehindert entwickeln und ihre größte Stärke entfalten. Sie sind durch ihre zerstörerischen Tornados bekannt, die dort jedes Jahr über das Land ziehen und alles, was ihnen in die Quere kommt, dem Erdboden gleich machen.

Was viele nicht wissen, auch bei uns in Deutschland sind Superzellen gar nicht so selten und kommen jedes Jahr an mehreren Tagen vor. Bisweilen verursachen Superzellen auch bei uns in Deutschland eine Schneise der Verwüstung. Am 10. Juni 2019 beispielsweise entstand im Allgäu eine Superzelle und produzierte auf ihrem Weg nach Nordosten vor allem am Ammersee und im Münchner Norden Hagelbrocken von 4 bis 8 cm Durchmesser . Am 28. Juli 2013 brachte 8 cm großer Hagel einer Superzelle rund um Reutlingen mit 2,8 Mrd. Euro den bisher größten Hagelschaden der Geschichte Deutschlands und mehrere Hundert Menschen wurden verletzt. Nur ein paar Tage später, am 8. August, fand man ebenfalls bei Reutlingen mit 14 cm den größten Hagelbrocken Deutschlands. Auch beim Münchner Hagelunwetter vom 12. Juli 1984 handelte es sich um eine Superzelle. Damals kamen über der Millionenstadt bis zu 9,5 cm große und 300 g schwere Hagelgeschosse vom Himmel! Superzellen können nicht nur Hagel, sondern auch extreme Böen bis in den Orkanbereich erzeugen. Solche holzten an einer Superzelle im südlichen Rhein-Main-Gebiet auf einer etwa 25 km langen und 1 km breiten Schneise große Waldgebiete komplett ab.

Eine detaillierte Beschreibung der komplexen Luftströmungen in einer Superzelle (Abb. 1) würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, sodass nur die grundlegenden Merkmale erläutert werden. Die markanteste Eigenschaft der Superzelle ist ihr rotierender Aufwindschlauch (Updraft). Wie bereits im Thema des Tages vom 22. Juli erklärt wurde, entscheidet vor allem die Stärke der vertikalen Windscherung (Zunahme der Windgeschwindigkeit und Änderung der Windrichtung mit der Höhe), welche Gewitterform sich bildet. Superzellen entstehen in einer Region, in der eine hochreichende und starke Windscherung vorherrscht und bodennah Warmluft einfließt. Bei uns in Deutschland sind diese Voraussetzungen beispielsweise an der Vorderseite eines Höhentiefs mit Zentrum über Westeuropa gegeben. Dabei erreicht uns in tieferen Luftschichten feuchte subtropische Warmluft, also eine sehr energiereiche Luftmasse (hohe CAPE), und der Wind erfährt eine deutliche Rechtsdrehung mit der Höhe. Durch die starke Windzunahme in der unteren Atmosphäre beginnt die Luft horizontal zu rotieren. Der Updraft (rote Pfeile, Abb. 1+2) kippt nun den rotierenden Wirbel in die Senkrechte und verstärkt ihn weiter. So entsteht ein rotierender Aufwindschlauch mit einem Durchmesser von zwei bis zehn Kilometern. Diese sogenannte „Mesozyklone“ ist der eigentliche Motor der Superzelle. Durch die aufsteigende Luft erzeugt sie am Boden einen Unterdruck (kleinräumiges Tief), wodurch beständig Warmluft in die Gewitterwolke gesaugt werden und aufsteigen kann. Man erkennt diesen Vorgang oft an der sogenannten „Wallcloud„, einer Absenkung der Wolkenbasis (Abb. 2+4). Die Scherung sorgt zudem dafür, dass die ausfließende Kaltluft des Downdrafts (hellblaue Pfeile, Abb. 1+3) hinter der in die Superzelle aufsteigenden Warmluft bleibt (Böenlinie in Abb. 1). Somit kann die Superzelle kontinuierlich mit der energiereichen Warmluft gefüttert werden. Durch die Langlebigkeit und die massive Power des rotierenden Updrafts können Hagelkörner lange im Aufwindbereich verbleiben und zu immer größeren Brocken heranwachsen, bis sie aufgrund ihrer Schwere schließlich zu Boden fallen. Vor allem an der Böenlinie kann es extreme Fallböen (Downbursts) geben, die Orkanstärke erreichen können. Man erkennt sie an der sogenannten „Shelfcloud“ (Abb. 3+4). Auch durch absinkende Kaltluft aus dem Amboss (dunkelblaue Pfeile, inAbb. 1) kann es am Boden zu Sturmböen kommen.

Zwar ist eine isolierte Superzelle streng genommen auch eine Einzelzelle, sie ist aber weitaus mächtiger und langlebiger als ihr nicht-rotierendes Pendant. Im unteren Teil hat das Gewitter oft eine Ausdehnung von 20 bis 50 Kilometern, der Cirrusschirm im oberen Bereich der Wolke kann sogar einen Durchmesser von über 100 Kilometern besitzen. Superzellen existieren meist über mehrere Stunden, im Extremfall sogar sechs bis zwölf Stunden. Daher können sie über hunderte von Kilometern ziehen und selbst ohne Tornados eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Rotation der Superzelle erklärt auch die Bildung von Tornados. So majestätisch schön sie für den Beobachter aus der Ferne wirken, so gefährlich und angsteinflößend sind sie also, wenn man von ihnen getroffen wird.

Dr. rer. nat Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.07.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Kleine-Gewitterkunde-Teil-3-Die-Superzelle-1.png 774 1162 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-29 21:59:472023-07-29 22:10:23Kleine Gewitterkunde – Teil 3: Die Superzelle

Die Zugspitze wurde sein Schicksal – Teil 2

29. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Aufgaben für die Beobachter auf der Zugspitze

Direktor Erk hatte die künftigen Aufgaben des Meteorologen auf der Hochstation bereits 1898 fixiert (Erk 1898b). Wie damals üblich sollten zu den Mannheimer Stunden (7 Uhr, 14 Uhr, 21 Uhr) Luftdruck, Temperatur, Feuchte, Windrichtung und Geschwindigkeit, Niederschlag und der Bewölkungsgrad sowie die Wolkenart und der Wolkenzug aufgezeichnet werden. Dazu kam insbesondere im Winter die Kontrolle und Instandhaltung der Messinstrumente. Die Messdaten mussten noch mit den geeichten Normalinstrumenten korrigiert werden. Dann galt es Tages- und Monatsmittel von Druck, Temperatur und Feuchte sowie Dampfdruck zu berechnen.
Auch sollte die Sonnenscheindauer bestimmt werden. Schließlich sollte der Meteorologe die Föhnerscheinungen und die Zugstraßen kleiner Teildepressionen am Gebirgsfuß im bayerischen Alpenvorland beobachten. Zur „Fixierung von Wolkenbildern“ und anderer Naturerscheinungen wurde sogar ein Fotoapparat bereitgestellt.

Josef Enzensperger – der erste Zugspitzbeobachter

Die Suche nach einem geeigneten Beobachter war für Erk nicht schwierig, denn bereits am 1. Januar 1900 kam der Lehramtskandidat Josef Enzensperger als Hilfskraft an die Meteorologische Centralstation (Lüdecke 2000). Offenbar arbeitete er sehr zur Zufriedenheit des Direktors, denn er wurde bereits am 1. April zum Assistenten ernannt. Seine zusätzlichen bergsteigerischen Fähigkeiten kamen ihm nun zugute, denn er wurde am 1. Juli zum ersten Beobachter auf der Zugspitze ernannt.
Nach der feierlichen Eröffnung im Juli begannen die offiziellen meteorologischen Beobachtungen am 1. August (Enzensperger 1901). Nachdem bei Saisonende die Bergsteiger die Zugspitze endgültig verlassen hatten und das Münchner Haus geschlossen wurde, blieb Enzensperger allein mit seinem Hund Putzi als einzige Ansprache auf dem Gipfel zurück. Menschlichen Kontakt gab es nur per Telefon, falls die Leitung nicht durch Steinschlag oder Lawinen unterbrochen war.

Nun konnte Enzensperger nicht mehr nach nebenan ins Münchner Haus zum Essen gehen, sondern musste sich nun aus seinen Vorräten selbst versorgen. Das benötigte Koch- und Waschwasser bestand im Sommer aus Regenwasser und wurde im Winter aus der Schneeschmelze gewonnen. In seiner Freizeit brachte er sich auf dem Zugspitzplatt das Skifahren bei. Über Langeweile konnte er nicht jedenfalls klagen.

Bewerbung für die Südpolarexpedition

Enzenspergers Bergfreund Hans Gazert hatte ihm schon vor längerem berichtet, dass er sich auf den Arztposten der ersten deutschen Südpolarexpedition unter der Leitung von Erich von Drygalski beworben habe. Am 1. April 1900 kam die Zusage und er begann sich um die Proviantausstattung der Expedition an Bord der „Gauss“ zu kümmern, die am 11. August 1901 aufbrechen würde (Gazert 2023, Drygalski 2013). Während seiner Überwinterung auf der Zugspitze ging Enzensperger die Südpolarexpedition wohl nicht mehr aus dem Kopf. Sicherlich sah er darin eine neue Herausforderung, sodass er sich am 19. Januar 1901 telegraphisch um seine Teilnahme als Meteorologe bewarb (Wege 2000, Lüdecke 2000). Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch schon alle Posten besetzt. Als jedoch kurz vor der Abreise der Meteorologe für die Zweigstation auf den Kerguelen im Südatlantischen Ozean ausfiel, wo von der Antarktis unbeeinflusst Vergleichsdaten erhoben werden sollten, wurde Enzensperger am 28 Juli 1901 als Expeditionsmitglied aufgenommen und von der Centralstation für 1 ½ Jahre beurlaubt. Im blieben nur noch zwei Wochen, um die Reise vorzubereiten und sich von seiner Familie zu verabschieden. Zunächst reiste er zusammen mit zwei Begleitern nach Sydney, um dort den Proviant und die Ausrüstung für die Kerguelenstation sowie die Hunde aus Kamtschatka für die Südpolarexpedition zu übernehmen (Enzensperger 1905, Drygalski 2013).

Zweigstation auf den Kerguelen

Mit der vollbeladenen „Tanglin“ ging die Reise weiter zu den Kerguelen, wo sie ein Wohnhaus, die meteorologische Station und die Observatorien für magnetische Beobachtungen aufbauten. Allerdings war die chinesische Mannschaft der „Tanglin“ durch Beriberi schon zu sehr geschwächt, als dass sie kräftig zupacken konnte. Außerdem starben zwei Chinesen und wurden in der Nähe beerdigt. Die „Gauss“ kam um die Jahreswende an und Mithilfe des Schiffszimmermanns und einigen Matrosen wurde die Station schließlich fertiggestellt (Drygalski 1902).

Als die „Gauss“ am 31. Januar 1902 die Kerguelen verließ, blieben drei Wissenschaftler und zwei Matrosen zurück, die nun ihrer wissenschaftlichen Arbeit nachgingen. Zunächst erkrankte der Biologe Emil Werth, der auf der „Gauss“ angereist war, an Beriberi und später auch Enzensperger. Damals wusste man noch nicht, was die Ursache für die Erschöpfung und die angeschwollenen Gliedmaßen war, die vor allem den Meteorologen immer mehr beeinträchtigten. Bei Werth waren die Symptome glücklicherweise nicht so gravierend, aber bei Enzensperger wurde es immer schlimmer (Luyken 1903). Nachdem ihm keine Maßnahme zur Entwässerung und auch das einzig vorhandene Herzmittel nicht helfen konnten, starb er am 2. Februar 1903, sechs Tage vor seinem 30. Geburtstag.
Heute weiß man, dass Robert Kochs Theorie, Beriberi sei eine Infektionskrankheit, nicht stimmt, sondern dass Beriberi eine Vitamin B Mangelkrankheit ist. Aber warum starb der durchtrainierte kräftige Bergsteiger? Ihm wurde seine Überwinterung auf der Zugspitze zum Verhängnis, als er sich monatelang nur von Dosenkost ernährte. Dadurch wurde sein Vitamindepot heruntergefahren, das er in der kurzen Zeit bis zu seiner langen Schiffsreise erst nach Australien und dann zu den Kerguelen nicht mehr genügend auffüllen konnte. Das wenige Frischfleisch an gejagten Kaninchen konnte ihm nicht mehr helfen.
Heute erinnert eine Gedenktafel neben dem Eingang in den Meteorologischen Turm mit folgenden Worten an den ersten Beobachter.

„Zur Erinnerung an den ersten Beobachter auf der Hochstation Zugspitze J. J. Enzensperger 1900/1901“.

* Dieser Artikel ist in leicht verkürzter Form zuerst in den Mitteilungen 2/2023 der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) erschienen. Wir danken Frau Prof. Dr. Cornelia Lüdecke und Herrn Prof. Dr. Dieter Etling von der Universität Hannover ausdrücklich für die Zusammenarbeit!

Prof. Dr. Cornelia Lüdecke
Ehemals Universität Hamburg
Offenbach, den 29.07.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Literatur

Deutscher Alpenverein (Hrsg.), 1990, Josef Enzenperger: Meteorologe und Kletterer. Bearbeitet von H. Höfler. Alpine Klassiker 13, J. Berg, München, 304 S.

Erich von Drygalski, 2013, Zum Kontinent des eisigen Südens: Die erste deutsche Südpolarexpedition 1901-1903. Herausgegeben von Cornelia Lüdecke, Edition Erdmann, marixverlag, Wiesbaden, 366 S.

Enzensperger, J.J., 1901: Sieben Monate auf der Zugspitze. – Das Wetter Monatsschrift für Witterungskunde, 18, 66-71.

Enzensperger, J., 1905: Ein Bergsteigerleben: eine Sammlung von alpinen Schilderungen nebst einem Anhang Reisebriefe und Kerguelen-Tagebuch. Hrsg. vom Akad. Alpenverein München. Vereinigte Kunstanstalten in Komm., München, 276 S.
Erk, F. 1898a, Ein meteorologisches Observatorium auf der Zugspitze. Mitteilungen des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins 10, 121-123.

Erk, F. 1898b, Ein meteorologisches Observatorium auf der Zugspitze. Mitteilungen des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins 11, 133-136.

Gazert, 2023, Hans Gazert, angesehen 12.4.2023.

Lüdecke, C., 2000, Hundert Jahre meteorologische Hochstation auf der Zugspitze – Der Deutsch-Österreichische Alpenverein als Förderer der alpinen Meteorologie, Meteorologische Zeitschrift, 9 (6), 381-391.

Lüdecke, C., 2001, …die meteorologische Hochstation Zugspitze als glänzender Appendix. 100 Jahre meteorologischer Turm auf der Zugspitze. Heidelberg, Berg 2001 Alpenvereinsjahrbuch „Zeitschrift“ Band 125, 136-148.

Lüdecke, C. 2015, Deutsche in der Antarktis: Expeditionen und Forschungen vom Kaiserreich bis heute. Chr. Links, Berlin, 224 S.

Schmitt, Fritz, „Enzensperger, Josef“ in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 541 [Online-Version];

Wege, K., 2000, Die Geschichte der Wetterstation auf der Zugspitze. Geschichte der Meteorologie in Deutschland 4, Selbstverlag des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach am Main, 104 S.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Die-Zugspitze-wurde-sein-Schicksal-Teil-2.jpg 644 791 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-29 21:52:192023-07-29 21:58:46Die Zugspitze wurde sein Schicksal – Teil 2

Tag der Freude

26. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Die größte Freude für Meteorologen und Meteorologinnen ist natürlich eine korrekt eingetroffene Prognose. Aber man freut sich auch schonmal über Regen, der gegen die Büroscheiben platscht. Gerade wenn es tage- oder wochenlang trocken war. Auch der Aufzug von Gewitterzellen, die sich vom Büro im 6. Stock in Offenbach aus sehr gut beobachten lassen, bringt den ein oder anderen Freudejauchzer hervor. Da werden gestandene Männer zu kleinen Kindern, die sich die Nase am Fenster platt drücken, so wie früher am Schaufenster eines Spielzeugladens.
Freude bereiten auch die kleinen Gesten, die uns per Mail oder Nachricht in den sozialen Medien erreichen. Wenn Menschen uns von ihren Erlebnissen mit der Natur berichten, Bilder oder kurze Videos schicken. Von Zeit zu Zeit erreichen uns auch Karten oder Briefe, im Zuge der Digitalisierung hat das allerdings stark abgenommen. Manch einer hat sogar Freude daran, am Telefon der alten Dame zum zehnten Mal zu erklären, dass das Gewitter heute nicht bei ihr am Ort auftreten wird.
Ins Leben gerufen wurde der Tag der Freude wahrscheinlich in den 80er-Jahren. Von wem und aus welchem Anlass ist nicht überliefert. Im Jahre 2012 hat die UNO auch einen Weltglückstag beschlossen. Dieser wird jedes Jahr am 20 März begangen. Er steht quasi in Konkurrenz zum Tag der Freude, die wir uns aber nicht nehmen lassen wollen.
Grund zur Freude hat in dieser Woche jeder, der sich von Schauern und Gewittern begeistern lässt und dem Temperaturen über 25 Grad ein Gräuel sind. Tief UNAI über Skandinavien lenkt nämlich feuchte und kühle Luft zu uns.

Dabei ist es am heutigen Montag noch am wärmsten mit Höchstwerten bis 30 Grad in der Lausitz. Im weiteren Wochenverlauf gibt es tagsüber maximal 24 Grad, oft auch unter 20 Grad. Nachts kühlt es teils unter 10 Grad ab. Erst am Freitag dieser Woche sind wieder sommerliche Maxima der Temperatur zu erwarten. Dann werden im Süden und über der Mitte 25 bis 29 Grad erwartet. Im Norden ist es naturgemäß etwas kühler.
Schauer und Gewitter bringen bis zum Ende der Woche überall etwas Regen. Vor allem im Süden, aber auch im Norden regnet es mitunter längere Zeit. Das bereitet der Natur besondere Freude, denn das Niederschlagsdefizit, das vor allem im Osten und über Teilen der Mitte Deutschlands immer noch besteht, kann so etwas gemildert werden.

Die obige Grafik veranschaulicht das Niederschlagsdefizit. Sie vergleicht die bisher gefallene Regenmenge im Juli (links, ermittelt aus Radardaten) mit den normierten Niederschlagsmengen aus vergangenen Messungen der Jahre 1971 bis 2000. Zu erkennen ist, dass im Osten im Juli am wenigsten Niederschlag fällt. Das lässt sich auch aus den bisherigen Messungen lesen, allerdings fehlen zur Norm von 25 bis 50 Liter pro Quadratmeter im Monat noch gut 20 bis 30 Liter, und der Monat hat nur noch 7 Tage.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.07.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Tag-der-Freude.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-26 22:13:122023-07-26 22:18:40Tag der Freude

Ein Islandtief auf Island

26. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Unser geschätzter Kollege Sven Plöger war vor einiger Zeit im Auftrag des Wetters unterwegs. In mehreren Dokumentationen (je nach Thematik in mehrere Doppelfolgen aufgeteilt) ging er verschiedenen Fragestellungen zum Thema Wetter nach. In der ersten Doppelfolge ging es darum, wo unser Wetter entsteht und wie die Meere unser Wetter beeinflussen. Hierfür reiste er unter anderem nach Island und auf die Azoren und sprach dort mit Menschen über ihre Lebensgewohnheiten. In der zweiten wurde hauptsächlich der Wind und dessen verschiedene Strömungen thematisiert. Und in der dritten Doppelfolge ging es dann schließlich um die Alpen. Die Dokumentationen wurden im Auftrag der ARD ab 2015 produziert, in den Jahren 2016, 2018 und 2020 erstausgestrahlt und können in der Mediathek noch bis 2025 nachgeschaut werden (Link siehe unten). In der Zwischenzeit wurden auch bereits Bücher zur Sendung herausgegeben.

Speziell in der ersten Folge geht es um das Thema Hoch- und Tiefdruckgebiete und deren bevorzugte „Entstehungsgebiete“. Für das europäische Einzugsgebiet sind an dieser Stelle das Azorenhoch und das Islandtief zu nennen.

Unter dem Azorenhoch versteht man ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Hochdruckgebiet, welches man häufig im Bereich der Azoren antrifft und Bestandteil des subtropischen Hochdruckgürtels ist Thema des Tages vom 27.07.2016.

Sein Gegenspieler ist das Islandtief. Zwischen 60 und 70 Grad Nord zeigen mittlere globale Luftdruckverteilungen im Meeresniveau eine Zone tiefen Drucks. Diese als subpolare Tiefdruckrinne bezeichnete Zone ist besonders im Winter deutlich ausgeprägt. Über dem Nordatlantik wird im Seegebiet um Island häufig ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet angetroffen, woher auch der Name des Islandtiefs rührt .

Als Meteorologe oder Meteorologin hat man von Natur aus Interesse daran, wo die Druckgebilde entstehen, mit denen man sich so im Alltag auseinandersetzt. Da Island sowieso spannende Landschaften und vielseitige Natur zu bieten hat, gehört das Land sicherlich zu den absoluten Traumzielen in der meteorologischen Community und bei allen, die sich für Wetter, Vulkanismus, Wale, Vögel usw. begeistern. Daher war es absehbar, dass in einem Urlaub Island angesteuert werden MUSS. Da auch der Wettergott niemanden enttäuschen wollte, gab es nicht „nur“ Sonnenschein, sondern am Ende einer eindrücklichen Rundreise sorgte das Islandtief NIKOLAUS an der Südküste für Regen und vor allem Sturm.

Das Tief entwickelte sich östlich von Neufundland und wurde am 25.06.2023 auf den Namen NIKOLAUS getauft. Am 27.06.2023 erreichte das okkludierende Frontensystem mit Regen und vor allem Sturm die Südküste Islands, während die dazugehörige Warmfront ab dem 28.06.2023 allmählich Einfluss auf das Wettergeschehen in Deutschland nahm. Viel Regen kam hierbei nicht zusammen, doch sorgte die dazugehörige Bewölkung für teils ganztägig bedeckten Himmel im Nordwesten. Im Zusammenhang mit der Kaltfront konnten dann ab dem 29.06.2023 schauerartige Regenfälle und einzelne Gewitter verzeichnet werden.

Doch nun zurück nach Island und zum 27.06.2023. An diesem Morgen konnte man wahrlich von „Ruhe vor dem Sturm“ sprechen. Man muss an dieser Stelle zwar etwas differenzieren: Wenn wir hier von Sturm sprechen, dann kann es sich aus isländischer Sicht auch nur um ein mehr oder weniger laues Lüftchen handeln. Doch was für diesen Tag vorhergesagt war, war dann doch auch mehr als ein laues Lüftchen und der isländische Wetterdienst gab eine „gelbe“ Windwarnung heraus. Zum Vergleich: In Deutschland wird eine gelbe Windwarnung herausgegeben, wenn die Windböen Geschwindigkeiten von 50 km/h erreichen und/oder überschreiten. In den Hochlagen passiert das natürlich schneller als in tieferen Lagen, weswegen hierbei gerne separiert wird, wobei das an dieser Stelle nun etwas weit führen würde. Jedenfalls wurde an besagtem 27.06.2023 an Islands Südküste vor mittleren Windgeschwindigkeiten (nicht die Geschwindigkeiten der Böen!) von 55 bis 81 km/h gewarnt.

Bei einer Bootsfahrt auf der Gletscherlagune Jökulsárlón um 9 Uhr konnte man noch nichts erahnen, doch richtigerweise wurde die Gletscherwanderung, die für die Mittagsstunden angesetzt war, abgesagt. Tatsächlich ging dann auch alles sehr schnell. Als Alternative zur abgesagten Gletscherwanderung wurde die Gletscherzunge Svínafellsjökull besucht, die relativ leicht zugänglich ist. Dies war gerade einmal drei Stunden später und man konnte sich (fast) nicht mehr auf den Beinen halten. Natürlich ist es immer sehr schwer, lokal die Böen abzuschätzen, aber zu dieser Zeit konnten entlang der Südküste bereits 80 km/h und mehr gemessen werden. Im Nachmittagsverlauf nahm der Wind dann weiter zu und die Busfahrt gestaltete sich etwas ruppig, doch wie oben erwähnt, ist Wind in Island nicht gleich Wind in Deutschland, weswegen sich der Busfahrer nicht aus der Ruhe bringen ließ. Manche Straßen waren aber doch vorsorglich von einer Sperrung betroffen. Letztendlich waren dann die ein oder andere orkanartige Böe und Orkanböe dabei, mit den Spitzenwerten von 152 km/h in Reynisfjall und 176 km/h in Steinar.

Auch Regen kam etwas zusammen, wobei die Mengen meist bei unter 20 l/qm in 24 Stunden lagen. Der gefühlt waagrecht fallende leichte Regen machte das Ganze in Kombination mit den Windböen noch unangenehmer. Doch noch unangenehmer war es sicherlich an so manchem Strand, an denen man mit schwarzem Sand quasi gesandstrahlt werden konnte.

 

Isländisch, aber nicht ganz so stürmisch ist das Deutschlandwetter am heutigen Dienstag. Zwar ist heute kein Islandtief wetterbestimmend, aber ein Tiefdruckgebiet über Südskandinavien. Schauerartiger Regen über der Südhälfte, Höchsttemperaturen von teilweise keinen 20 Grad und teils böig auffrischender West- bis Nordwestwind vermitteln den Eindruck von typischem Wetter auf Island. Einzelne Gewitter stehen in der Südhälfte zwar ebenfalls auf der Agenda, die haben allerdings nicht wirklich was mit Island zu tun…

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.07.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Ein-Islandtief-auf-Island-3-scaled.jpg 2560 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-26 22:03:562023-07-26 22:12:22Ein Islandtief auf Island

Hitze, Trockenheit und Waldbrände dominieren den östlichen Mittelmeerraum!

26. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Während sich über Nord- und Nordwest- sowie Mitteleuropa eine zyklonale Westlage eingestellt hat, sodass unter Tiefdruckeinfluss wiederholt atlantische Luft in die Nordhälfte Europas strömt, sorgt ein Tief westlich des Schwarzen Meeres dafür, dass heiße Luft von Ägypten nach Griechenland und in die Türkei weht. Zudem kann sich auch von Israel, Syrien und dem Libanon bis zum Iran und Irak weiter die heiße Luft einnisten. Nachdem die Iberische Halbinsel bei Höchstwerten unter 36 Grad vorübergehend etwas „durchschnaufen“ konnte, soll sich zum Wochenende auch dort die Lage bei Hochdruckeinfluss und recht viel Sonnenschein wieder etwas verschärfen, indem die Werte wieder um 40 Grad liegen.

Am heutigen Mittwoch wird der Hitzehöhepunkt in Griechenland erwartet. Vor allem im Süden und Osten des Landes sollen die Temperaturen tagsüber auf Werte zwischen 39 und 46 Grad steigen. Aber auch im Nordwesten Griechenlands bleibt es bei Maxima von 34 bis 38 Grad heiß. Schwitzen ist am heutigen Mittwoch zudem in der Türkei angesagt. Auch dort simulieren die Modelle Höchsttemperaturen von 37 bis 44 Grad. Gleichermaßen steht die Hitze auch auf Zypern bei Werten um 40 Grad, in Syrien mit 37 bis 46 Grad, in Israel mit 32 bis 42 Grad, oder in Ägypten abseits der Küste mit 38 bis 50 Grad voll im Fokus. Aber die Hitze kommt nicht allein!

Neben der Hitze sorgen auch die starke Sonneneinstrahlung und die mit Feuchte angereicherte Luft für eine zusätzliche Belastung. Aufgrund der Sonne kann viel Mittelmeerwasser verdunsten und sich als Wasserdampf in der Luft aufhalten. Umso wärmer die Luft, desto mehr Wasserdampf kann diese aufnehmen. Je höher die Lufttemperatur ist, desto geringer wird die notwendige relative Feuchte um Schwüle zu erzeugen. Bei einer aktuellen Temperatur von ca. 17 Grad beträgt der Sättigungsdampfdruck gerade 18.8 hPa, d.h. es müssen etwa 100 % relative Feuchte herrschen, um Schwüle zu erreichen. Bei 20 Grad werden immerhin 80 %, bei 30 Grad noch 44 % und bei 40 Grad nur ca. 25 % relative Luftfeuchte benötigt, um das Milieu als schwül zu empfinden. Vor allem im Küstenumfeld der Mittelmeerstaaten beträgt die spezifische Feuchte derzeit aber 40 bis 80%, was auf eine extreme Schwüle schließen lässt. Der Körper leidet daher stark unter der Hitze und der Schwüle. Auch die Nächte können bei Tiefstwerten zwischen 27 und 20 Grad kaum für Entlastung sorgen.

Trotz der hohen Feuchte in der Luft sind Niederschläge rar. Allenfalls lokal begrenzt können einzelne heftige Gewitter ausgelöst werden und dort zu heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen führen. Diese örtlichen Schauer und Gewitter mindern daher kaum die anhaltende Trockenheit und sorgen auch nicht für eine natürliche Unterstützung beim Löschen der zahlreichen Wald- und Flächenbrände. Bis über das kommende Wochenende hinweg sind im Umfeld des Mittelmeeres kaum signifikante Regenfälle zur erwarten. Allenfalls im Norden Spaniens, in der Balkanregion oder rund ums Schwarze Meer sind in diesem Kontext nennenswerte Niederschlagsmengen möglich.

Statt den zahlreichen Feuerwehrleuten und freiwilligen Helfern eine Stütze zu sein, präsentiert sich das Wetter eher als launischer Partner, der die Brände anfacht. Verantwortlich dafür ist der stark böige, teils stürmische Wind, der vielerorts herrscht.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.07.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Hitze-Trockenheit-und-Waldbraende-dominieren-den-oestlichen-Mittelmeerraum.png 634 890 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-26 21:50:182023-07-26 22:03:10Hitze, Trockenheit und Waldbrände dominieren den östlichen Mittelmeerraum!

Sommerhalbzeit

23. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Genau heute wird im meteorologischen Sommer zur Halbzeit gepfiffen. Das ist ein guter Zeitpunkt, die ersten 45 der 91 Tage des Sommers Revue passieren zu lassen. Für eine kurze Halbzeitbilanz schauen wir uns die Abweichungen von Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer in Bezug auf die Klimareferenzperiode 1961-1990 an.

Der meteorologische Sommer 2023 startete im Juni mit viel Hochdruckeinfluss. Am Rande blockierender Hochdruckgebiete über Nordwest- und Nordeuropa wurde mit vorwiegend östlicher Strömung oft trockene und kontinental geprägte Luft zu uns geführt, die Sonne schien nicht selten von früh bis spät. Erst zur Junimitte nahm die Tiefdruckaktivität zu, in zeitweise schwül-heißer Luft kam es teils zu heftigen Gewittern, die allerdings selten flächigen Niederschlag brachten. Nach erneutem Hochdruckeinfluss im Laufe der dritten Dekade stellte sich die Wetterlage zum Monatswechsel um. Statt Hochdruckgebieten brachten sich über Nordwest- und Nordeuropa Tiefdruckgebiete in Stellung. An dessen Rand setzte sich mit vorwiegend westlicher Strömung im Norden mal mehr, mal weniger warme, nach Süden zu öfter heiße und bisweilen auch zu teils heftigen Gewittern neigende Luft durch. Flächiger Landregen blieb aber weiterhin aus.

Und was bedeutet das nun unterm Strich für die gemittelten Temperaturen, die Niederschläge und die Summe der Sonnenscheindauer?

Bezogen auf die Klimareferenzperiode von 1961-1990 kann man ganz klar festhalten, dass der bisherige Sommer deutlich zu warm ausfiel (siehe Abbildung 1, links). In der Südhälfte war es besonders warm, dort liegen die Tagesmitteltemperaturen verbreitet 3 bis 4 Grad über dem Durchschnitt. Nach Norden zu gehen die positiven Anomalien zwar zurück, sind meist +2 bis +3 Grad aber immer noch nennenswert. Mit einem Deutschlandmittel der Tagesmitteltemperatur von rund 19 °C und einer Abweichung von etwa +3,1 Grad würde der Sommer auf Platz 4 der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen landen. Bezogen auf die neue Referenzperiode 1991-2020, die dem subjektiven Empfinden wohl noch etwas näherkommt, ist der Sommer mit +2,1 Grad übrigens bisher ebenfalls deutlich zu warm!

Beim Niederschlag zeigt sich ein sehr heterogenes Bild, bedingt durch die eher kleinräumig aufgetretenen Schauer und Gewitter (siehe Abbildung 2, mittig). Teilweise war es extrem trocken, zum Beispiel vom Saarland über Rheinland-Pfalz bis nach Hessen, wo zur Hälfte des Sommers nicht selten weniger als 20 %, also erst ein Fünftel der zu erwartenden Gesamtmengen gefallen sind. Kleinräumig blieben die Regenfässer sogar fast komplett leer. Ansonsten liegen wir in den Mittelgebirgen, wo bevorzugt Schauer und Gewitter entstehen, mit 30-50 % des Niederschlags zumindest etwas näher am Soll. Mehr als 50 % und damit mehr als bis zum jetzigen Zeitpunkt üblich sind in Teilen Nordwest- und Ostdeutschlands gefallen. Die Gebiete mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen überwiegen aber, sodass im Deutschlandmittel nur knapp 35 % des gesamten Sommersolls an Niederschlag zu Buche schlagen, es also signifikant zu trocken war.

Passend dazu liegen wir bei der Sonnenscheindauer meist über 50 %, es war also quasi überall zu sonnig bisher (siehe Abbildung 1, rechts). Allerdings zeigt sich auch hier ein mehr oder weniger deutliches Südwest-Nordost-Gefälle.

Und wie geht es weiter?

Zumindest bezogen auf die Temperatur sehr schwankend, denn die durch nordeuropäische Tiefdruckgebiete geprägte, unbeständige „Westwindwetterlage“ setzt sich fort. In der Abbildung 2 erkennt man, dass die gemessene Mitteltemperatur im bisherigen Sommerverlauf (grün) immer über der Mitteltemperatur der Referenzperiode 1961-1990 (schwarz) lag. Bis Ende des Monats setzen sich diese Temperaturschwankungen auf insgesamt etwas niedrigerem Niveau als zuletzt fort, teilweise könnte es sogar mal leicht zu kühl werden. Damit dürften die starken Abweichungen der Mitteltemperaturen des Sommers zumindest etwas abschmelzen.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2023
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Sommerhalbzeit.png 720 1531 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-23 20:38:482023-07-23 20:43:18Sommerhalbzeit

Das Christkind im Juli

23. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Bereits in den vergangenen Wochen waren die anormal hohen Meeresoberflächentemperaturen ein mediales Thema. Davon betroffen ist unter anderem der äquatoriale Pazifik, vor allem im zentralen und östlichen Bereich. Üblicherweise liegen die Wassertemperaturen in diesem Bereich relativ betrachtet im eher niedrigen Bereich. Von Zeit zu Zeit aber verändern sich die Temperaturverhältnisse im dortigen Ozean derart, dass sehr warmes Wasser an die Oberfläche transportiert wird; bis hin an die peruanische und ecuadorianische Küste.

Diese veränderten Temperaturverhältnisse wirken durch die Kopplung von Ozean und Atmosphäre in der Folge auch weitreichend auf Wetter und Klima. So ist durch den steigenden Wärmeeintrag mit einer noch stärkeren Zunahme des globalen Temperaturmittelwerts über die nächsten 1 bis 2 Jahre zu rechnen. Zu erwarten sind dabei zum Beispiel noch ausgeprägtere Hitzewellen in Regionen, die davon ohnehin bereits betroffen sind. Dies ist vor allem in den tropischen und subtropischen Breiten der Fall.

Diese Zunahme an Wärmeperioden und Hitzewellen geht Hand in Hand mit starken Veränderungen der Niederschlagsverteilung über Raum und Zeit. Einerseits führt El Niño in den Wintermonaten (Dezember bis Februar) zu ausgeprägten Dürreperioden (z.B. im westpazifischen Raum), andererseits aber auch zu extremen Starkregenereignissen, die weiterhin zu Überflutungen führen (z.B. in Teilen Nordamerikas).

Aber nicht überall sind diese Veränderungen zu erwarten. Zwar lassen sich auch für Europa mögliche Temperatur- und Niederschlagsanomalien nicht ausschließen, aber es gibt diesbezüglich keine statistisch robuste Systematik. Oder mit anderen Worten: Etwaige Wetter- und Klimaextreme lassen sich nicht einfach auf ein stattfindendes El Niño-Ereignis zurückführen. Hier bedarf es der Anstrengungen der Attributionsforschung, um einzelne Ereignisse einer konkreten Ursache – wie eben El Niño oder der anthropogen verursachten Erderwärmung im Allgemeinen – zuordnen zu können.

Mögliche Auswirkungen sind in den nächsten Jahren eher auf indirekte Art und Weise im sozioökonomischen Bereich zu erwarten. Ernte- und Fischereiausfälle machen sich auch hierzulande durch steigende Preise bemerkbar. Potenziell zunehmende Dürren und Hungersnöte lassen auch keine Erwartung hinsichtlich der Abnahme des bestehenden Migrationsdrucks zu.

Welche weiteren Auswirkungen das gegenwärtige El Niño-Ereignis haben wird, lässt sich insgesamt kaum beziffern. Mit einem schnellen Ende sollte man aber nicht rechnen – die Saisonalprognosen des DWD zeigen in den kommenden Monaten weiter zunehmende Meerestemperaturen im Zentral- und Ostpazifik.

Felix Dietzsch, M.Sc
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.07.2023
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Das-Christkind-im-Juli.png 384 768 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-23 20:31:312023-07-23 20:38:23Das Christkind im Juli

Mittagshitze vs. Höchsttemperatur

23. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Hitze, also Temperaturwerte von 30 Grad und mehr, ist momentan bei uns in Deutschland kein Thema – ganz im Gegensatz zu Südeuropa bzw. dem Mittelmeerraum, worauf bereits letzten Sonntag an dieser Stelle eingegangen wurde. Aber auch bei uns ist die Kuh noch nicht vom…äh…Eis, denn die nächsten heißen Tage kommen bestimmt. Immerhin haben wir ja noch das letzte Drittel des Julis und noch den ganzen August vor uns, bevor im September die Hitzewahrscheinlichkeit dann doch allmählich abnimmt.

Immer wieder hört und liest man bei dieser Thematik von der sogenannten „Mittagshitze“, die man zurecht auch meiden sollte, wenn es irgendwie geht. Mit Blick auf den Tagesgang der Temperatur stellt man allerdings fest, dass die größte Hitze, also die Höchsttemperatur in unseren Breiten im Sommer tatsächlich meist erst abends, etwa gegen 18 Uhr erreicht wird. Aber sind Ihnen schon einmal Begriffe wie „Abendhitze“ über den Weg gelaufen? Wahrscheinlich eher nicht. Ist es jetzt mittags oder abends heißer?

Veranschaulichen wir den Tagesgang der Temperatur anhand einer Badewanne: Bei geöffnetem Abfluss drehen wir den Wasserhahn nun ein kleines Stück auf. Die Folge: Das Wasser fließt direkt über den Abfluss wieder ab. An eine Füllung der Wanne ist bei diesem Rinnsal nicht zu denken. Das ist in etwa gleichzusetzen mit den ersten einfallenden Sonnenstrahlen am Morgen. Drehen wir den Hahn nun langsam weiter auf, stellen wir fest, dass das Wasser allmählich anfängt zu steigen (entspricht dem Vormittagsverlauf). Zur Mittagszeit ist der Hahn voll aufgedreht und das Wasser (respektive die Sonneneinstrahlung bzw. die Lufttemperatur) steigt stark an.
Im Anschluss wird der Hahn nun langsam wieder zugedreht, es fließt aber immer noch mehr Wasser von oben nach, als unten abfließt – das Wasser (also die Lufttemperatur) steigt demnach immer noch, wenngleich nicht mehr so schnell (entspricht dem Nachmittagsverlauf). Erst im Laufe des Abends wird der Punkt erreicht, an dem das nicht mehr der Fall ist – der höchste Wasserstand bzw. die Höchsttemperatur ist erreicht. Es fließt nun wieder mehr Wasser ab als nach und der Wasserstand sinkt. Auf die Luft übertragen, reicht die Einstrahlung der immer tiefer stehenden Sonne nicht mehr aus, um es mit der Abkühlung der Luft aufnehmen zu können.

Und wie ist das jetzt mit der Mittagshitze, wenn es doch abends noch heißer ist? Die betrachteten Temperaturwerte werden im Schatten gemessen. Dort ist es mittags also noch kühler als abends. Befindet man sich in der Sonne, sieht das Ganze anders aus. Zur Mittagszeit steht sie in unseren Breiten am steilsten am Himmel, wodurch ihre Einstrahlung am stärksten ist, was für den Körper unter Umständen durchaus gefährlich werden kann. Abends fällt die Sonnenstrahlung dagegen deutlich flacher ein und ist dadurch auch spürbar schwächer.

Die Mittagshitze bezieht sich also auf den Aufenthalt in der prallen Sonne, die abendliche Höchsttemperatur auf die gemessenen Werte im Schatten. Beide schließen sich also nicht aus, ganz im Gegenteil.

Dipl.-Met Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.07.2023

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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-23 20:27:542023-07-23 20:31:01Mittagshitze vs. Höchsttemperatur

Kleine Gewitterkunde – Teil 1: Die Einzelzelle

23. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

In diesem Sommer gab es in Deutschland schon einige Gewittertage, auch die eine oder andere Schwergewitterlage stand schon auf dem Programm. Vielleicht ist Ihnen beim Blick aufs Radarbild schon einmal aufgefallen, dass Gewitter ganz unterschiedliche Formen annehmen können. Mal „ploppen“ Gewitter relativ wahllos auf, erzeugen ein typisches Streuselkuchenmuster auf dem Radarbild und sind jeweils nur über einem relativ kurzen Zeitraum zu sehen. Manchmal kommen aber auch Gewitter vor, die sich über Stunden halten und hunderte Kilometer zurücklegen können und bisweilen gibt es auch riesige Gewitterkomplexe, die großflächige Schäden anrichten können, wie vor gut zwei Wochen im Süden von Baden-Württemberg und Bayern.

Vor allem die atmosphärischen Verhältnisse entscheiden über den Gewittertyp. Während eine präzise Gewittervorhersage für einen bestimmten Ort nahezu unmöglich ist, werden die für Gewitter benötigten atmosphärischen „Zutaten“ von den Wettermodellen heutzutage gut erfasst. Das ermöglicht es dem Meteorologen, vorab Areale einzugrenzen, in denen mit Gewittern zu rechnen ist und welche Wettererscheinungen damit verbunden sein können.

Grundvoraussetzung für Gewitter ist ein großer Temperaturunterschied zwischen der Luft in Bodennähe und der Luft in höheren Atmosphärenschichten. Man spricht dann von einer „labilen“ Schichtung. Im Sommer wird dieser üblicherweise durch die starke Sonneneinstrahlung verursacht, die im Laufe eines Tages den Erdboden sowie die darüber liegende Luft erwärmt. Im Winter ist es genau umgekehrt. Nicht die starke Erwärmung am Boden, sondern einfließende Kaltluft in der Höhe ist der Grund für den starken vertikalen Temperaturunterschied. Zudem ist eine ausreichende Feuchtigkeit (insbesondere in unteren Atmosphärenschichten) eine essenzielle Zutat für die Bildung von Gewittern. Ganz egal, wodurch die vertikalen Temperaturgegensätze entstanden sind, ist die Atmosphäre danach bestrebt, diese auszugleichen. Zunächst beginnt die warme Luft, ausgehend von bodennahen Atmosphärenschichten, in große Höhen aufzusteigen. Ein sogenannter Aufwindbereich (engl. Updraft) als Ausgangspunkt einer jeden Gewitterzelle entsteht. Als Ausgleichsbewegung bildet sich im weiteren Verlauf ein Abwindbereich (engl. Downdraft), in dem die kühlere Luft aus der oberen Atmosphäre Richtung Boden strömt. Updraft und Downdraft haben alle Gewitter gemeinsam.

Die sogenannte „Einzelzelle“ ist die einfachste Gewitterform. Sie besteht nur aus einem einzigen Auf- und Abwindbereich und hat eine horizontale Ausdehnung von etwa zehn Kilometern. Einzelzellen entstehen meist am Rande eines Hochdruckgebiets in einem Bereich mit geringen horizontalen Luftdruck- und Temperaturunterschieden, also fernab von Fronten innerhalb einer homogenen, warmen Luftmasse. Daher bezeichnet man sie in der Fachsprache auch als „Luftmassengewitter“. Der Wind ist in allen Höhen relativ schwach, sodass sich Einzelzellen nur sehr langsam bewegen oder sogar nahezu an Ort und Stelle verweilen.

Zunächst erwärmt die Sonne den Erdboden, der in der Folge auch die bodennahe Luft aufheizt. Er fungiert ähnlich einer Herdplatte, die von unten das Wasser in einem Kochtopf erwärmt. Angenommen, wir befinden uns über flachem Terrain, dann steigen ab einer gewissen Temperatur, der sogenannten Auslösetemperatur, Warmluftblasen auf, vergleichbar mit den Luftbläschen des zu kochen beginnenden Wassers. Wie im Kochtopf ist es quasi unmöglich vorherzusagen, wo die ersten Luftblasen aufsteigen. Solange die Atmosphäre labil geschichtet ist, erfährt die aufsteigende Luft immer weiteren Auftrieb und durch deren Sogwirkung kann immer weiter Warmluft von unten nachströmen. Beim Aufstieg kühlt sich die Luft ab. Da kalte Luft weniger Wasser speichern kann als warme Luft, kondensiert der unsichtbare Wasserdampf zu Wassertropfen, wodurch anfangs eine noch harmlose Blumenkohl-förmige Kumuluswolke entsteht. Innerhalb recht kurzer Zeit wächst diese weiter in die Höhe zu einer klassischen Gewitterwolke heran (Kumulonimbus). Im Aufbaustadium fällt noch kein Niederschlag und die Gewitterwolke besteht nur aus dem Updraft (Abbildung 1), in dem die Warmluft mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 40 bis 80 km/h in die Höhe schießt. Im Reifestadium ist der Updraft voll entwickelt und die Wolke erreicht eine Höhe von mehr als acht Kilometern. Am Oberrand strömt die Luft horizontal aus, wodurch die Gewitterwolke ihre typische Ambossform (Abbildung 2) erhält. Nach einer gewissen Zeit kann der Updraft die Niederschlagsteilchen nicht mehr schwebend halten, sodass sie im Downdraft zu Boden fallen und dabei die Luft mit nach unten reißen. Erreicht die Kaltluft des Downdrafts den Boden, fließt sie horizontal und symmetrisch zu allen Seiten aus. Die Kaltluft schneidet den Aufwindbereich vom Zustrom weiterer Warmluft am Boden ab, wodurch der Updraft zum Erliegen kommt. Die Einzelzelle schaufelt sich quasi ihr eigenes Grab, weshalb sie nur eine Lebensdauer von weniger als einer Stunde besitzt. Im Auflösestadium existiert dann nur noch der Downdraft.

Einzelzellen sind klassische Wärme- oder Hitzegewitter. Sie sind unregelmäßig verteilt und treten meist am Nachmittag und Abend auf. Da sich die Luft entlang von Berghängen schneller aufheizen kann als über dem Flachland, kann die Luft entlang der Berghänge besonders leicht und frühzeitig aufzusteigen. Daher bilden sich die ersten Gewitter häufig über den (Mittel-)Gebirgen. Einzelzellen sind lokal eng begrenzt von Starkregen begleitet. In kräftigen Zellen kann es auch zu kleinkörnigem Hagel und kräftigen Böen kommen.

Welche weiteren Gewitterformen es noch gibt, erfahren Sie demnächst an dieser Stelle.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.07.2023
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/07/DWD-Kleine-Gewitterkunde-Teil-1-Die-Einzelzelle.png 317 708 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-07-23 20:22:492023-07-23 20:27:15Kleine Gewitterkunde – Teil 1: Die Einzelzelle

Zyklonale Westlage

23. Juli 2023/in Allgemein/von WINDINFO

Derzeit liegt Deutschland etwas zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite befindet sich ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über Nordeuropa und auf der anderen Seite liegt ein ausgedehntes Hochdruckgebiet über Südeuropa. Dies sorgt dort bekanntlich für eine anhaltende Hitzeperiode mit Höchstwerten jenseits der 40 Grad-Marke. Die Großwetterlage kann für Mitteleuropa mit „West zyklonal“ bezeichnet werden. Dies ist eine für die mittleren Breiten klassische Wetterlage.

Das Temperaturniveau ist dabei im Sommer meist im mäßig warmen Bereich angesiedelt. Je nachdem wie stark der antizyklonale Einfluss des Hochs (meist das Azorenhoch oder ein Ableger davon) über dem Süden und Südwesten ist, kann es dort warm bis sehr warm werden. Genau dies ist am Wochenende der Fall. Dann kann in den Süden und Südosten nochmals sehr warme Luft einströmen und die Höchstwerte steigen insbesondere am Sonntag in die Nähe der 30-Grad-Marke.

Insgesamt gestaltet sich das Wetter am morgigen Samstag zunächst noch recht freundlich. Die Sonne zeigt sich zwischen Wolkenfeldern immer wieder, im Südwesten auch sehr häufig und es bleibt trocken. Temperaturen zwischen 21 und 27 Grad werden als angenehm warm empfunden. In die Röhre schauen morgen wohl Urlauber und Anwohner an der Nordsee. Dort stehen kaum Sonne, immer wieder Regen und Höchstwerte unter der 20 Grad-Marke auf der Agenda.

In der Nacht zum Sonntag greifen Regenfälle auf den kompletten Norden über. An der Grenze zu Dänemark und an der Westküste Schleswig-Holsteins kann es je nach Modell 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter Niederschlag geben. Ansonsten liegen die Niederschlagsmengen bis Sonntagmorgen im Norden meist bei 1 bis 10 Liter pro Quadratmeter. Im Tagesverlauf weiten sich die zeitweiligen Niederschläge dann südwärts aus. Im Süden und Südosten des Landes bleibt es noch trocken. Zudem lebt der Südwestwind stark böig auf, an der Nordsee und im Bergland drohen stürmische Böen.

Zum Start in die neue Woche wird es dann überall wechselhafter und deutlich nasser, da von Westen her zunehmend Frontensysteme auf Deutschland übergreifen und mit ihren Niederschlagsgebieten auch überqueren können. Zeit- und gebietsweise kommt es dann zu schauerartig verstärkten und teils gewittrig durchsetzten Regenfällen. Am Montag drohen im Südosten nochmals kräftige Gewitter samt lokalem Starkregen. Bis Mitte der kommenden Woche fallen im Durchschnitt 10 bis 20, in den Mittelgebirgen um 40 Liter pro Quadratmeter. Ganz im Norden und am Alpenrand können die Mengen auch noch höher ausfallen. Ein Vergleich der Modelle des Deutschen Wetterdienstes (ICON6), des Zentrums für mittelfristige Vorhersage (IFS) und des amerikanischen Wetterdienstes (GFS) zeigt die unterschiedlichen Niederschlagsschwerpunkte.

Betrachtet man abschließend noch den Temperaturverlauf für die drei deutschen Städte Hamburg, Dresden und München, dann lässt sich ein Abwärtstrend der Temperaturwerte bis Mitte der nächsten Woche feststellen. Sommerliche Höchstwerte jenseits der 25-Grad-Marke stehen dann zunächst nicht mehr auf dem Plan.

Für den weiteren Sommerverlauf und insbesondere das Wetter im kommenden August kann an dieser Stelle noch keine Auskunft getroffen werden.

Dipl.-Met Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.07.2023
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