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Der „Stadion-Effekt“ eines tropischen Sturms

7. September 2023/in Thema des Tages/von WINDINFO

Bald ist wieder Wochenende und somit die Zeit für unzählige Fußballfans in die Stadien zu pilgern, um ihren Vereinen die Daumen zu drücken. Können Sie sich noch an Ihren jüngsten Besuch eines Fußballstadions erinnern? Oder haben Sie noch die Bilder im Kopf, wenn bei einem im Fernsehen live übertragenen Spiel ein Blick auf das gesamte Stadion von oben zu erhaschen war? Was gibt es doch für beeindruckende Bauwerke, wo sich das Stadion immer mehr nach Außen neigt, je höher man sitzt und letztendlich in eine riesige Öffnung mündet, die nicht selten von oben gesehen einem Auge gleicht. Der Grund für diese architektonische Ausrichtung ist u.a. der, dass die Zuschauer einerseits die oberen Plätze erreichen wollen (was bei senkrechter Ausrichtung nicht jedem sportlich visierten Fußballfan glücken dürfte), andererseits aber auch gut auf den Fußballplatz einsehen möchten und natürlich verkleinert sich auch der Fußabdruck des Stadions. Doch wieso sprechen wir im heute verfassten Thema des Tages über Fußball und nicht über das Wetter?

Auch beim Wetter gibt es ein Phänomen, dass bei entsprechender Ausprägung im Zentrum sehr einem Fußball-/Baseball– oder Footballstadion ähnelt und dieses ist im Bereich der Tropen zu finden: ein tropischer Zyklon.

Wie bereits in den Themen des Tages vom  und dem  beschrieben gibt es eine satellitengestützte Mustererkennung von tropischen Stürmen, um deren Intensität zu detektieren. Dabei fällt diese Bestimmung nicht selten komplex aus und liefert Nährboden für kritische Diskussionen. Sobald sich jedoch das Auge eines tropischen Sturms gebildet hat vereinfacht sich die Intensitätsabschätzung wieder, kann man doch mindestens von Böen in Orkanstärke ausgehen. Zur Erinnerung, je intensiver der Temperaturkontrast „Auge – Oberflächentemperatur der Gewitterwolken“ ausgeprägt ist, umso kräftiger ist die Dynamik eines Tropensturm bzw. dann Hurrikans/Taifuns/Zyklons etc.

Gerade die intensivste Phase eines Tropensturms mit einem klar definierten Auge ist diejenige, wo der Stadion-Effekt zur Geltung kommt. Wie so oft im Bereich der Tropenmeteorologie ist dessen Entstehung sehr komplex und wird hier stark vereinfacht wiedergegeben.

Zunächst muss man wissen, dass das Auge eines tropischen Sturms aus einer sogenannten „Augenwand“ besteht, in der die höchsten Windgeschwindigkeiten gemessen werden und aus einem nicht selten nahezu windstillen Inneren des Auges.

Im Auge sinkt die Luftmasse ab, erwärmt sich und trocknet ab. Uns interessiert aber vor allem das Geschehen innerhalb der Augenwand. Im unteren Bereich der Augenwand bremst die Reibung den Wind noch merklich ab, sodass z.B. die höchsten Windgeschwindigkeiten innerhalb der Grenzschicht (der Schicht direkt über dem Erdboden bzw. der Meeresoberfläche) erst in durchschnittlich 500 m über Grund erreicht werden. Oberhalb der bremsenden Grenzschicht lässt die Reibung jedoch zügig nach, sodass dort die Windgeschwindigkeit nochmals deutlich zunimmt. Zudem muss man wissen, dass ein gedachtes Luftteilchen während der Umrundung des Auges in der Augenwand unterschiedliche Kräfte spürt – die Kraft, die in das Zentrum des Sturmes zeigt (Druckgradientkraft) und Kräfte, die das Teilchen vom Zentrum wegziehen (z.B. Zentrifugalkraft). Letztere überwiegen bei Windzunahme, sodass die Teilchen mit der Höhe versuchen ein Gleichgewicht zu erreichen, indem sie in immer größeren Bahnen um das Auge zirkulieren. So entsteht ein nach oben sich aufweitender Trichter, der von oben gesehen in Form eines sich vergrößernden Auges zu erkennen ist.
Der Stadion-Effekt ist bei kräftigen Zyklonen besonders gut ausgeprägt und kann vor allem bei tiefstehender Sonne mit entsprechendem Schattenwurf mit Hilfe eines Satelliten bewundert werden. Natürlich funktioniert es auch, wenn der Wettersatellit zentrumsnah (nicht direkt) über das Auge fliegt. Doch wie sieht so ein Stadion-Effekt nun aus?

Beginnen wir mit dem erst kürzlich tobenden Taifun SAOLA, der als sogenannter „Supertaifun“ (Kategorie 4 Sturm der fünfteiligen Saffir-Simpson Skala) die Straße von Luzon westwärts durchquert und das Südchinesische Meer erreicht hat, um sich auf seinem Weg in Richtung Hong Kong allmählich abzuschwächen . Während der intensivsten Phase entstanden die beiden folgenden Bilder.

Der Wettersatellit stand äußerst günstig, um den Stadion-Effekt dieses Supertaifuns abzulichten. Im obersten Bild sieht man ein farblich verfälschtes Wasserdampfbild, wobei grüne Farben sehr feuchte Luftmassen anzeigen (Schauer und Gewitter). Im Auge, wo die Luft absinkt und abtrocknet wird die sehr trockene Luftmasse rötlich dargestellt. Dabei erkennt man, dass die Farben nicht schlagartig von sehr feucht zu sehr trocken wechseln, sondern dass es einen allmählichen Übergang gibt. Der Wasserdampfkanal 6.2, der hier zu sehen ist und für die Analyse im oberen Bereich der Troposphäre verwendet wird, misst hier also den allmählichen Abfall innerhalb der Augenwand, der dadurch entsteht, dass diese nach oben geneigt ist und nicht senkrecht abfällt.
Ähnliches sieht man im zweiten Bild (im Infrarotkanal), wo die vom Satelliten ermittelte Temperatur gezeigt wird. Diese liegt dank hochreichender Konvektion ums Auge herum bei unter -60 Grad und steigt im Auge sprunghaft auf über +11 Grad an (real mit feinerer Auflösung wurden sogar bis knapp +20 Grad gemessen). Auch hier wird die geneigte Augenwand visuell eindrücklich gezeigt.

Doch sind wir mal ehrlich – geben wir uns mit diesen Bildern wirklich zufrieden? Nein. Wir zoomen mal ordentlich in das Auge von SAOLA hinein.

Alleine die Dynamik und Struktur dieses Auges sind beeindruckend (besonders mit dem Wissen, dass der Sturm über dem offenen Meer tobte), doch beschränken wir uns darauf die Augenwand zu betrachten, die z.B. im südöstlichen Quadranten eine Neigung nach außen hin aufweist. Man kann sich hier bildlich ein Stadion vorstellen. In der Augenwand die Zuschauer und auf dem Platz im Auge die wild tobenden kleinräumigen Wirbel, die einen packenden Tanz aufführen.

Wie bitte, das ist Ihnen noch immer nicht nah genug? Gut, um Ihren Wissensdurst zu befriedigen begleiten wir die sogenannten „Hurricane Hunter“ (Meteorologen, die mit einem Flugzeug in diese Stürme fliegen und Messungen vornehmen) in den Hurrikan Epsilon aus dem Jahr 2020, der Ende Oktober im Nordatlantik tobte.

Viel eindrücklicher kann man diesen Effekt kaum mehr darstellen – oder doch? Reizen wir alles aus und beenden dieses Thema des Tages mit einer kleinen Fotocollage. Die Bilder entstanden im Jahr 2015 und sie wurden durch den ehemaligen nordamerikanischen Astronauten Terry Virts von der ISS abgelichtet. Die Bilder zeigen den Supertaifun MAYSAK, der Ende März/Anfang April 2014 im nordwestlichen Pazifik wütete.

Und wieder zeigt sich, welch Schönheit die zerstörerische Kraft eines tropischen Zyklons hat, wenn man diesen aus sicherer Entfernung betrachten kann, doch darf man nie vergessen, dass eben diese Schönheit beim Landgang Leid und Zerstörung bringt. Mit dem aktuell aktiven und bald sehr intensiven Hurrikan LEE im tropischen Atlantik wird es sicher auch in den kommenden Tagen die Möglichkeit geben den Stadion-Effekt per Satellit oder mit Bildern der Hurrikanjäger aus dem Flugzeug zu bestaunen.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.09.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/09/DWD-Der-Stadion-Effekt-eines-tropischen-Sturms.png 400 700 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-09-07 18:32:132023-09-07 18:32:26Der „Stadion-Effekt“ eines tropischen Sturms

Ο Κατακλυσμός

5. September 2023/in Thema des Tages/von WINDINFO

„Ο Κατακλυσμός” (lies: „O Kataklysmós”) ist (alt)griechisch und bedeutet „Die Sintflut”. Dies zwar vor allem im biblischen Sinne, aber metaphorisch ist das wohl keine Untertreibung dessen, was in einigen Landesteilen Griechenlands an Wassermassen bei der aktuellen Wetterlage zu erwarten ist.
Die europäische Großwetterlage ist in dieser Woche geprägt von einem Omega-Hoch. Dieses erhält den Namen aus der Form der umgebenden Höhenströmung, die einem großen Omega ähnelt (siehe Abb. 1). Flankiert wird dieses ausgeprägte Hoch von zwei recht kräftigen Tiefdruckgebieten bei Spanien und eben Griechenland. Bereits in Spanien sorgte diese Konstellation regional für heftige Überflutungen durch Starkregen, bei dem in Summe zwischen 50 und etwa 150 mm Niederschlag innerhalb weniger Stunden fielen. Ähnliches steht Griechenland in den nächsten 48 bis 72 Stunden bevor, allerdings in Verbindung mit noch wesentlich größeren Niederschlagsmengen.

Dabei kommen viele verschiedene Faktoren zusammen. Zum einen liegt das Tiefdruckgebiet über dem Mittelmeer und bewegt sich zunächst kaum von der Stelle. Zum anderen wird an dessen Vorderseite dauerhaft warme, sehr feuchte und hochreichend instabile Luft herangeführt. Diese trifft an der Ostküste des griechischen Festlandes auf etwa 500 m hohe Bergketten, sodass sich dort nahezu stationäre und wiederholt regenerierende Gewitter aufbauen, die entsprechend heftigen Starkregen über lange Zeiträume mit sich bringen. Dieser Vorgang wird von den verschiedenen Wettervorhersagemodellen in verschiedener Ausprägung simuliert. Grundsätzlich gemein ist allen diesen Vorhersagen der Ort des Eintreffens – nämlich die Region Thessalien im zentralen Griechenland – und die Heftigkeit in Form riesiger Niederschlagsmengen von vielen hundert Litern bzw. Millimetern.

Je nachdem, welches Modell man betrachtet, schwanken die Summen zwischen 400 und in der Spitze weit über 1000 mm. Einige dieser Modelle sind in Abb. 2 aufgeführt. Diverse räumlich hochaufgelöste Modelle, die die örtliche Topografie sowie die auftretenden Gewitter noch besser repräsentieren, zeigen entsprechend noch deutlich höhere Summen als in Abb. 2 ersichtlich. Einen Hinweis darauf, dass vierstellige Gesamtsummen fallen können, ergibt sich durch die Tatsache, dass bereits am heutigen Dienstag an der Station Zagorá seit den Frühstunden offenbar über 500 mm Regen gefallen sind. Zur Einordnung: Das ist mehr als die doppelte Menge in einem kürzeren Zeitraum als beim Ahrtal-Hochwasser 2021.

Überhaupt sprengen die erwarteten Niederschlagsmengen wohl so ziemlich jede Statistik. Dass innerhalb von zwei bis drei Tagen über 1000 mm Niederschlag in Modellen simuliert werden, geschweige denn tatsächlich auch fallen, liegt außerhalb der bekannten Erwartungswerte und Wiederkehrzeiten. Welches Ausmaß die Überflutungen annehmen, lässt sich dabei höchstens erahnen, gleichzeitig aber auch schlimmes befürchten.

Auch mittelfristig bleibt es in der Region weiter spannend. Im Anschluss soll das Mittelmeertief südwestwärts ziehen, wo es sich über dem offenen Mittelmeer nochmals verstärkt und sich möglicherweise zu einem sogenannten „Medicane” entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Tief, welches aufgrund der hohen Wassertemperaturen von gebietsweise über 26 °C tropischen Charakter annimmt und unter Umständen sogar eine Art Auge wie bei einem Hurrikan ausbildet (daraus leitet sich auch die Namensgebung ab). Trifft es dann nochmals auf Land, was vor allem für die nordafrikanische Küste durchaus realistisch erscheint, würde es dort am kommenden Wochenende für Sturm und weitere heftige Regenfälle sorgen.

M.Sc. Meteorologe Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.09.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/09/DWD-Ο-Κατακλυσμός.png 430 628 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-09-05 19:17:522023-09-05 19:18:04Ο Κατακλυσμός

Hurrikans auf dem Weg in Richtung Europa…

4. September 2023/in Thema des Tages/von WINDINFO

Die aktuelle Boden-Analysekarte zeigt einen ehemaligen Hurrikan mit dem Namen FRANKLIN vor den Toren Westeuropas. Dieser Wirbelsturm entwickelte sich bereits am 20. August über dem 30 Grad warmen Wasser der Karibik. Grund dafür waren über weite Teile sehr hohe Meeresoberflächentemperaturen, die zu einer Weiterentwicklung eines Gewittersystems zu einem tropischen Wirbelsturm sorgten. Die relativ starke vertikale Windscherung verhinderte allerdings eine markante Intensivierung des Sturms, sodass dieser sich lediglich zu einem Hurrikan der Kategorie 1 verstärken konnte, bevor er in der Dominikanischen Republik an Land ging.

Nach dem Landgang verlagerte sich der Sturm weiter nach Norden. Dabei konnte er sich trotz der etwas geringeren Meeresoberflächentemperaturen nach einer kurzen Abschwächung deutlich intensivieren. Ursache dafür waren wesentlich geringere Scherungswerte in dieser Region. Eine hohe Windscherung ist nämlich für die Intensivierung von tropischen Stürmen hinderlich, da dann vor allem bei einer geringen Feuchte in der mittleren Troposphäre, trockene Luftmassen in das Zentrum des Sturms eingemischt werden können. Diese Luftmassen schwächen die latenten Wärmeflüsse vom Ozean ab, sodass die Energiezufuhr teilweise gekappt wird und der Sturm sich nicht mehr weiterentwickeln kann.

FRANKLIN verstärkte sich daraufhin westlich der Bermuda-Inseln zu einem sehr starken Hurrikan der Kategorie 4 mit beachtlichen Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h. Auf seinem weiteren Pfad nach Norden gelangte der Sturm in die Westwindzone der mittleren Breiten. In dieser Zone herrschen für tropische Wirbelstürme ungünstige Bedingungen. So gelangte FRANKLIN in eine Region erhöhter Baroklinität. Diese Zonen sind charakterisiert durch eine starke vertikale Windscherung und große meridionale Temperaturunterschiede. Zudem liegen die Meeresoberflächentemperaturen in diesen Breiten bei unter 26 Grad. Das hatte zur Folge, dass sich der Wirbelsturm deutlich abschwächte. Gleichzeitig wurde er von einem Höhentrog über dem Atlantik, welcher sich südlich von Grönland befand, eingefangen und dabei in ein außertropisches Tiefdruckgebiet umgewandelt.

Bei dieser Umwandlung verlor der Sturm seinen warmen Kern, da die Wassertemperaturen des Atlantiks nicht mehr ausreichten, um ihn vom Ozean mit Energie zu speisen. Trotzdem verstärkte er sich wieder nach der Abschwächung und löste sich nicht vollständig auf. Grund dafür war die Interaktion mit dem Höhentrog in einer Zone mit erhöhten meridionalen Temperaturunterschieden. Dieser Prozess der extratropischen Umwandlung von Wirbelstürmen wird im Atlantik im Spätsommer häufiger beobachtet.

Nach der Umwandlung besitzen diese Stürme dann teilweise immer noch tropische Eigenschaften, bilden aber nach und nach Frontensysteme (Warm- und Kaltfront) aus und entwickeln einen kalten Kern. Diese hybriden Zyklonen können dann entweder direkt oder aber auch indirekt Einfluss auf unser Wettergeschehen nehmen. Sie können in manchen Fällen die Strömungskonfiguration (Lage von Höhentrögen und Höhenrücken) vor allem stromabwärts verändern und somit maßgeblich Einfluss auf unser Wetter in Mitteleuropa nehmen. Der ehemalige Hurrikan FRANKLIN, der heute auf der Bodenanalyse auftaucht, stützt die in dieser Woche vorherrschende Omegalage mit einem stationären Hochdruckgebiet direkt über Mitteleuropa. Dadurch dürfen wir uns in dieser Woche über viel Sonnenschein und sommerliche Temperaturen freuen.

Das außertropische Tief FRANKLIN wird sich bis zum Wochenende nach Süden verlagern und sich in der kommenden Woche voraussichtlich vor Portugal auflösen. Es geht aber auch anders! Am 16.10.2017 erreichte Ex-Hurrikan ORPHELIA Irland. Dabei wurden extreme Orkanböen bis zu 150 km/h registriert. ORPGELIA verlor ihre klassische Struktur als Hurrikan kurz vor Irland, hatte allerdings zumindest noch teilweise tropische Eigenschaften in sich, als sie als außertropisches Orkantief das Festland von Irland erreichte. Dies zeigt, dass ehemalige Hurrikans durchaus Einfluss auf unser Wettergeschehen haben können, wenn auch nicht immer in Form von Sturm/Orkan und starken Regenfällen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/09/DWD-Hurrikans-auf-dem-Weg-in-Richtung-Europa….jpg 1173 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-09-04 18:34:532023-09-04 22:45:38Hurrikans auf dem Weg in Richtung Europa…

Deutschlandwetter im Sommer 2023

3. September 2023/in Thema des Tages/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2023*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,7 °C +3,0 Grad
2 Mannheim Baden-Württemberg 21,2 °C +2,5 Grad
3 Freiburg Baden-Württemberg 21,1 °C +3,4 Grad

Besonders kalte Orte im Sommer 2023*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,6 °C +2,5 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 15,0 °C +2,8 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 15,4 °C +2,8 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Kreuth-Glashütte Bayern 625,4 l/m² 85 %
2 Aschau-Stein Bayern 612,4 l/m² 80 %
3 Oberstdorf Bayern 609,3 l/m² 96 %

Besonders trockene Orte im Sommer 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Satow Mecklenburg-Vorpommern 138,6 l/m² 75 %
2 Wismar Mecklenburg-Vorpommern 140,2 l/m² 79 %
3 Rülzheim Rheinland-Pfalz 145,3 l/m² 68 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Konstanz Baden-Württemberg 849 Stunden 125 %
2 Feuchtwangen-Heilbronn Bayern 818 Stunden 127 %
3 Rheinfelden Baden-Württemberg 817 Stunden 120 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Sommer 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 610 Stunden 110 %
2 Lüdenscheid Nordrhein-Westfalen 612 Stunden 120 %
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern 617 Stunden 109 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreszeitenwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwertes der jeweiligen Station (int Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst

Vorhersage- und Beratungszentrale

Offenbach, den 03.09.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-09-03 18:40:072023-09-04 22:45:31Deutschlandwetter im Sommer 2023

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da…

1. September 2023/in Thema des Tages/von WINDINFO

Es gibt den meteorologischen und den astronomischen Herbstanfang. Der meteorologische ist immer am 01. September. Dies hat statistische Gründe. Auswertungen von Jahreszeiten bezüglich Temperatur, Niederschlagsmenge, usw. sind einfacher zu erstellen, wenn man als Beispiel für den Herbst die Monate September, Oktober und November als Ganzes heranzieht. Wenn man sich hierbei auf den astronomischen Herbstanfang beziehen müsste, so müsste man den jährlich variablen Herbstanfang und das variable Ende beachten, was jede Auswertung unnötig komplizierter machen würde.

Beim astronomischen Herbstanfang handelt es sich um den Tag, an dem die Tag-und-Nacht-Gleiche gilt, also an dem überall auf der Welt Tag und Nacht zumindest theoretisch gleich lang sind. Dieser Tag wird auch als Äquinoktium (von lat. „aequus“ = gleich und „nox“ = Nacht) bezeichnet. In diesem Jahr ist das am 23. September um 08:49 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Zu diesem Zeitpunkt überquert die Sonne den Erdäquator und bringt damit der Südhalbkugel allmählich den Frühling. Wie die Jahreszeiten an sich entstehen und wie gleich nochmal die Zusammenhänge mit dem Erdorbit und der Neigung der Erdachse waren, ist im Thema des Tages vom 17.09.2021 dargelegt .

Grau und herbstlich wirkt am heutigen Freitag in weiten Teilen der Mitte Deutschlands der Blick aus dem Fenster. Dies ist durchaus eines meteorologischen Herbstanfangs würdig. Der Unterschied zu einem Tag im Oktober oder November sind die noch mit grünen Blättern behangenen Bäume. Die erhalten auch heute ihr zum Leben notwendiges Nass von oben, denn es regnet zeitweise, im Westen mitunter auch kräftiger. Die Höchstwerte auf der Temperaturskala bewegen sich in diesem Bereich am heutigen Freitag um die 20-Grad-Marke.

Anders sieht es vor allem im Südwesten aus. Dort erreichen die Temperaturwerte bei längerem Sonnenschein bis zu 26 Grad am Oberrhein. Einzelne Schauer sind zwar nicht ganz ausgeschlossen, aber diese Tatsache sollte einen nicht daran hindern, bei einem Spaziergang im Grünen etwas Sonne zu tanken. Ähnliches gilt für den Norden und Nordosten, auch wenn dort die Temperaturen bei bis zu 22 Grad nicht ganz das sommerliche Maß wie im Südwesten annehmen.

Am Samstag schauen alle Bewohner Mitteldeutschlands wieder etwas in die Röhre beziehungsweise in einen Himmel mit vielen Wolken. Im Gegensatz zum Freitag verirrt sich vielleicht doch einmal mehr der ein oder andere Sonnenstrahl durch dieselben. Wenn dann doch ein Schauer oder vereinzelt ein Gewitter durchzieht, so verlegt man seine Aktivitäten einfach kurzerhand nach drinnen. Die Temperaturwerte vermitteln bei 24 bis 26 Grad nämlich schon fast sommerlichen Charakter, also kein Grund, um letztendlich dann den ganzen Tag drinnen zu verweilen. Südlich von Main und Mosel sowie im Küstenumfeld lädt der heitere Himmel hingegen zu einem größeren Ausflug ein. An der See ist es bei 20 bis 22 Grad vielleicht etwas ratsam, eine Jacke dabeizuhaben. Im Süden sucht man hingegen bei 25 bis 28 Grad den Herbst vergeblich. Am Oberrhein sind sogar 30 Grad nicht ganz ausgeschlossen.

Am Sonntag ziehen allenfalls in der Nordosthälfte und im Südosten Bayerns Wolkenfelder über den Himmel und von Sachsen bis zum östlichen Alpenrand sind auch einzelne Schauer mit dabei. Im Rest des Landes ist es heiter bis sonnig und bei bis zu 29 Grad am Oberrhein macht der Sonntag seinem Namen alle Ehre.
Zum Start in die neue Woche scheint die Sonne dann verbreitet vom Himmel und im Südwesten tauchen dann auch die 31 Grad, vereinzelt 32 Grad, auf der Vorhersagekarte auf. Ein spätsommerlicher Ausklang also für alle Schüler, die noch Ferien haben und natürlich auch für alle, die in den nächsten Tagen ihren wohlverdienten Urlaub genießen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/09/DWD-Der-Herbst-der-Herbst-der-Herbst-ist-da….png 1024 1914 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-09-01 18:50:262023-09-04 22:43:18Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da…

Hurrikan IDALIA trifft auf Florida

30. August 2023/in Thema des Tages/von WINDINFO

Die atlantische Hurrikansaison 2023 nimmt nun zum Ende des meteorologischen Sommers deutlich an Fahrt auf. IDALIA ist inzwischen der neunte benannte Sturm und darunter der dritte Hurrikan in diesem Jahr.

Blicken wir zunächst zurück auf den bisherigen Lebenszyklus von IDALIA. Abbildung 1 veranschaulicht dabei die einzelnen Stationen. Zunächst entwickelte sich ein Tiefdruckgebiet am 24. August über dem östlichen Pazifik vor der zentralamerikanischen Küste. Als Geburtsort für einen atlantischen Hurrikan ist das schon eher ungewöhnlich, da die Wiege der meisten Tropenstürme im Atlantik in dessen tropischen Regionen zu finden ist. Wie dem auch sei, lange hielt es das bis dahin noch namenlose Tief nicht auf dem Pazifik aus und querte rasch Mittelamerika westwärts. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Nachverfolgung des Lebenszyklus in Abbildung 1. Auf dem Weg nach Norden durch die westliche Karibik begann sich das Tiefdruckgebiet zunehmend besser zu organisieren. Am 26. August, als sich die Störung in der Nähe der nordöstlichen Yucatán-Halbinsel befand, beschleunigte sich das Organisationstempo. Auf dieser Grundlage stufte das National Hurricane Center (NHC) das Tief schließlich zur Tropischen Depression „Ten“ herauf.

Unbeeindruckt von der Hochstufung drehte es zunächst eine kleine Schleife über dem Seegebiet westlich von Kuba und nahm dabei Energie vom warmen Karibischen Meer auf, sodass am Nachmittag des 27. Augustes IDALIA als Tropensturm ihre Namenstaufe erhielt. Davon inspiriert schlug IDALIA zum 28. August allmählich eine nordwärts gerichtete Zugbahn ein und passierte schließlich zum Morgen des 29. August die Westspitze Kubas. Durch hohe Meerestemperaturen von rund 31 Grad (siehe Abbildung 2), schwacher Windscherung und hohem Feuchtegehalt konnte IDALIA rasch an Intensität zulegen, so dass für diesen Hurrikan die Kategorie 1 ausgerufen wurde. Zwar ist IDALIA nicht direkt über Kuba gezogen, aber in der westlichen Provinz Pinar del Rio, die für ihren Tabakanbau bekannt ist, sorgten heftige Niederschläge für einige Überschwemmungen.

Unter Nordwärtsverlagerung in den östlichen Golf von Mexiko und weiterer Intensivierung konnte IDALIA noch am Dienstagabend die Kategorie 2 erreichen. Westlich von Florida hat sie sich über Nacht zunächst zu einem Hurrikan der Stufe 3 und in den heutigen Vormittagsstunden bis in die Kategorie 4 aufgeschwungen.

In Kürze wird IDALIA mit voller Wucht auf die Florida Panhandle (nordwestliche Regionen Floridas) zwischen den Großstädten Tallahassee und Gainsville auftreffen (siehe animierte Abbildung 3).

Nahe des Kernbereiches weist IDALIA aktuell Geschwindigkeiten von bis zu 220 km/h auf. Im erweiterten Sturmfeld werden an der Küste Floridas verbreitet Orkan oder extreme Orkanböen von 120 bis 150 km/h, in der Spitze bis 180 km/h erwartet. Mit dem Wind türmt IDALIA auch eine extreme Sturmflut auf, die im Bereich der Zugbahn mit 3,5 bis 5 Meter auf die Küsten brandet. Zudem hat IDALIA extreme Regenmengen von 100 bis 150, in der Spitze bis 250 Liter pro Quadratmeter im Gepäck, die in kurzer Zeit niedergehen (siehe Abbildung 4). Die US-Behörden im Bundesstaat Florida haben zur Vorbereitung bereits einige Bezirke evakuiert und die Bevölkerung zur Vorsicht aufgerufen.

Unter Abschwächung wird IDALIA heute Abend (Nachmittagszeit vor Ort) über den Süden Georgias hinwegziehen. Viel Regen und Sturm werden vermutlich auch weiterhin für einige Schäden sorgen. Morgen Vormittag wird IDALIA als herabgestufter Tropensturm im Bereich Charleston (South Carolina) auf den Atlantik hinausziehen.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.08.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/08/DWD-Hurrikan-IDALIA-trifft-auf-Florida.png 1538 2130 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-08-30 20:06:202023-09-04 22:46:07Hurrikan IDALIA trifft auf Florida

Unwetter vertreiben Hitze – zumindest vorübergehend

14. Juli 2023/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Eine schwere Gewitterlage erwartet uns ab dem heutigen Dienstagabend im Süden Deutschlands. Mehr dazu in unserem neuen Thema des Tages.

Weiterlesen
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Der Motor des Wetters

9. Juli 2023/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit Sturmtief POLY, der aktuellen Hitze und den möglichen kräftigen Gewittern am morgigen Sonntag hat das Wetter derzeit viel Spannendes zu bieten. Und es ergibt sich die Gelegenheit einer grundlegenden Frage nachzugehen: Woher kommt all‘ die Energie? Was treibt unser Wetter an?

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Rot, rot, rot sind alle meine Farben

9. Juli 2023/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Rote und violette Farben werden nicht nur beim Deutschen Wetterdienst verwendet, um vor Gefahren zu warnen. Warum aber ist die Farbe Rot oder Violett auch bei Hitze angebracht? Und wurden früher andere Farben verwendet?

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Gewitter der Superlative

7. Juli 2023/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nach dem Sommer auf Sparflamme soll dieser ab dem Wochenende mit einem Hitzeintermezzo zurückkommen – allerdings nicht ohne Schönheitsfehler. Teils schwere Gewitter gesellen sich zu den heißen Tagen und regional tropischen Nächten.

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