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Schweißtreibender QUIRIAKUS

6. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Es hätte so schön sein können. Nachdem Tief JUSTINE kühlere Luft zu uns geschaufelt hat, wäre die Freude über eine längere Phase mit Höchstwerten unter 30 °C sicherlich groß gewesen. Höchstwerte von knapp unter 30 °C im August werden eigentlich als „sehr warm“ bezeichnet. In diesem Ausnahmesommer ist man aber geneigt, dafür den Ausdruck „kühl“ zu verwenden. Neben den „kühleren“ Temperaturen stand auf der einen oder anderen sommerlichen Wunschliste sicherlich auch ein schöner Landregen. Der hätte nicht nur die Vegetation mit dringend benötigtem Wasser versorgen, sondern ebenso – wenn auch mit einer gewissen Verzögerung – die Flusspegel ansteigen lassen können.

Bodendruck- und Frontenvorhersagekarte für Freitag, 07.08.2026, 12 UTC (Basis: ICON von Donnerstag, 06.08.2026, 00 UTC + 36)

Beim Blick auf die kommenden Tage zeichnet sich in den Vorhersagemodellen allerdings ein deutlich anderer Ablauf an. Von Westen schiebt sich das Hoch QUIRIAKUS zu uns nach Mitteleuropa (Abbildung 1), schon am Wochenende wandert es dann weiter nach Polen. Da sich dann zudem über der Iberischen Halbinsel ein Tiefdruckgebiet etabliert, kann zwischen den beiden Druckgebilden von Süden bzw. Südwesten wieder wärmere Luft advehiert werden.

Prognostizierte Höchsttemperaturen für Samstag 08.09.2026 (links) und Sonntag, 09.08.2026 (rechts); beides nach MOSMIX

Damit steigen die Temperaturen wieder an. Dies zeigt die Abbildung 2. Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf MOSMIX, einem auf dem DWD-Modell ICON und dem Modell IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage basierenden Kombiprodukt, bei den die Ergebnisse nochmal statistisch überarbeitet werden. Während am Samstag bei den Höchsttemperaturen in Deutschland bei 32 °C meist Schluss ist (im Raum Mannheim/Ludwigshafen werden Temperaturen jenseits der 32 °C-Marke ganz vorsichtig angedeutet), stößt die 32 °C-Isotherme am Sonntag schon wieder bis in den Raum Berlin und nach Hannover vor. Dann kann es im Rhein-Main-Gebiet, am Neckar und an einigen Rheinabschnitten auch schon wieder an die 35 °C warm werden. Und während die Nordosthälfte am Samstag wohl noch fast überall Spitzenwerte unter 28 °C aufweisen wird, gilt dies am Sonntag nur noch für das Küstenumfeld. Damit dürfte QUIRIAKUS für einige Schweißtropfen sorgen.

Neben den hohen Temperaturen droht auch wieder ein trockenes Wochenende. Es gibt nur geringe Chancen auf ein paar Tropfen, am größten sind diese in und an den Alpen, an den Küsten und im Südwesten. Als Hochdruckgebiet sorgt QUIRIAKUS für Absinken und Wolkenauflösung, und auch wenn ihm aus der Höhe die dynamische Unterstützung durch einen Höhenrücken fehlt, so zeigt sich doch sehr oft die Sonne.

UV-Index (links) und Waldbrandgefahrenindex (rechts) für Samstag, 08.08.2026

Das bildet sich auch in weiteren DWD-Produkten ab, beispielsweise im UV-Index oder im Waldbrandgefahrenindex (WBI), beide in Abbildung 3 zu sehen. Der UV-Index, in der Abbildung 3 auf der linken Seite dargestellt, ist im Süden höher als im Norden, weil sich am Samstag auf der Nordflanke des Hochs in den Norden ein paar Wolkenfelder schieben. Am Sonntag dürfte der UV-Index dann etwas gleichmäßiger verteilt sein, wenngleich man abwarten muss, wie stark sich die hohen Wolkenfelder, die von den Modellen simuliert werden, letztendlich bemerkbar machen. Auf der rechten Seite der Abbildung 3 findet sich dann der WBI für Samstag. Mit niedrigen Werten heben sich der Südosten sowie größere Teile des Nordostens hervor, also die Regionen, die in den vergangenen sieben Tagen recht viel Niederschlag abbekommen haben. Perspektivisch sollten diese Werte aber wieder ansteigen, da – wie gesagt – kaum Regen zu erwarten ist. Folglich könnte im Süden und in der Mitte, wo der WBI schon aktuell mit Stufe vier auf der zweithöchsten Stufe rangiert, auch wieder die Stufe 5 erreicht werden.

Höchsttemperatur (oben) sowie Niederschlag (unten) für Wiesbaden für die kommenden 10 Tage, jeweils mit statistischen Unsicherheitsintervallen

Das dies nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, sieht man in Abbildung 4. Sie zeigt für Wiesbaden die erwartete Temperaturentwicklung in rot (oben) sowie die erwarteten Niederschläge (unten), jeweils mit den dazugehörigen Unsicherheitsintervallen. Schwache Niederschlagssignale zeigen sich nur aus dem Sonntag heraus und zu Beginn der Woche. Dazu pendeln die Höchstwerte wieder um 30 °C, teils kratzen sie sogar an der 35 °C-Marke. Im Vorteil ist diesbezüglich der Norden, dort wird es nicht ganz so heiß.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Schweisstreibender-QUIRIAKUS-1.png 514 724 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-06 17:17:412026-08-06 17:19:52Schweißtreibender QUIRIAKUS

Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

5. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

„Big whirls have little whirls,
That feed on their velocity;
And little whirls have lesser whirls,
And so on to viscosity.“

So lautet das – zumindest in der Meteorologie – berühmte Zitat des britischen Meteorologen Lewis Fry Richardson. Richardson beschäftigte sich unter anderem ausgiebig mit dem Phänomen der Turbulenz, worauf sich auch das obige Zitat bezieht. Frei übersetzt beschreibt das Gedicht das Konzept turbulenten Zerfalls atmosphärischer Strömungen aufgrund von Instabilitäten. Dabei übertragen zunächst große Wirbel ihre Bewegungsenergie auf immer kleinere Wirbel. Dieser Prozess setzt sich über eine Vielzahl von Größenskalen fort und wird als Energiekaskade bezeichnet. Erst auf den kleinsten Skalen, auf denen die viskosen Kräfte dominieren, wird die ursprünglich geordnete Bewegungsenergie der Strömung durch molekulare Reibung schlussendlich in innere Energie, sprich Wärme umgewandelt.

Für das Auftreten atmosphärischer Turbulenz gibt es eine Vielzahl bekannter und mathematisch beschriebener Instabilitäten. Das Konzept der Instabilität beschreibt dabei eine Zusammensetzung von Strömungsparametern, in denen eine kleine Störung in der Strömung – beispielsweise die Auslenkung einer Luftmasse in der Vertikalen oder in der Horizontalen – immer weiter anwächst, anstatt durch rückstellende Kräfte wieder in seine Ausgangslage zurückzukehren. Ein Beispiel für eine solche Instabilität, mit dem wir es dieser Tage häufig zu tun haben, ist die Grundlage für das Auftreten von Gewittern: die statische Instabilität. Im Kontext des oben genannten Konzepts lohnt sich erst eine Betrachtung des Gegenbeispiels, nämlich einer stabilen Ausgangslage. Eine Luftmasse in Bodennähe wird vertikal ausgelenkt, etwa durch das Überströmen eines Berges. Dabei kühlt sich die Luft entsprechend der Abnahme des Luftdrucks und der resultieren Expansion mit der Höhe mit etwa 1 °C pro 100 Meter Aufstieg ab. Kühlt sich die Luftmasse dabei mit der Höhe schneller ab als ihre Umgebungsluft, erfährt sie aufgrund ihrer höheren Dichte einen negativen Auftrieb. Die Schwerkraft wirkt dann als rückstellende Kraft, sodass die Luftmasse wieder in Richtung ihrer ursprünglichen Höhe absinkt – die Luft ist statisch stabil geschichtet. Bei Konvektion und Gewittern ist das Gegenteil der Fall, die ausgelenkte Luftmasse bleibt trotz Abkühlung mit 1 °C pro 100 Metern wärmer als ihre Umgebung. Sie erfährt einen Auftrieb aufgrund der geringeren Dichte und steigt immer weiter auf – die Luft ist statisch instabil geschichtet. Mit dem Erreichen von Wasserdampfsättigung infolge der Abkühlung und der anschließenden Kondensation von Wasserdampf in Wassertröpfchen – also der Wolkenbildung – wird latente Energie freigesetzt und das Aufrechterhalten der statischen Instabilität weiter begünstigt.

Quasi als Äquivalent zur statischen Instabilität in der Vertikalen mit der Dichte als maßgebende Größe kann in der Horizontalen die sogenannte Trägheitsinstabilität gesehen werden, mit dem absoluten Drehimpuls als maßgebende Größe. Denn ebenso wie hierbei Luftmassen mit dem „richtigen“ Impuls bei Auslenkung in der Horizontalen aus der zwischen Druckunterschieden und Corioliskraft balancierten großskaligen Strömung eine rückstellende Kraft erfahren, so gilt für Luftmassen mit dem „falschen“ Impuls erneut das oben genannte Konzept der Instabilität. Interessanterweise existiert auch eine faszinierende Kombination aus statischer und Trägheitsinstabilität. Dabei weisen Luftmassen für sich genommen sowohl statische Stabilität in der Vertikalen als auch Trägheitsstabilität in der Horizontalen auf. Erfolgt eine Auslenkung jedoch entlang einer geneigten Bahn, kann die Störung dennoch anwachsen. Diese Form der Instabilität wird als symmetrische Instabilität bezeichnet und spielt insbesondere in Frontensystemen eine wichtige Rolle. Sie ist der physikalische Mechanismus hinter der sogenannten geneigten Konvektion (slantwise convection).

Kelvin-Helmholtz Instabilitäten in der Atmosphäre des Saturn, aufgenommen von der Cassini Raumsonde der NASA. Quelle: NASA – National Aeronautics and Space Administration

Die genaue Ausprägung der Energiekaskade hin zu kleineren Skalen dieser Instabilitäten kann sehr unterschiedlich verlaufen, wir wollen hier nur – um allmählich zum Punkt zu kommen – ein gemeinsames Konzept erläutern: Die Kelvin-Helmholtz Instabilität (KHI). In gewisser Weise ist dies eine durch die genannten Instabilitäten oftmals ausgelöste weitere Instabilität auf kleineren Skalen. Abbildung 1 zeigt eine Aufnahme einer solchen KHI in der Atmosphäre des Saturn, aufgenommen vom Cassini Orbiter der NASA. Die Grundidee ist dabei folgende: Zwei Luftschichten mit 1) unterschiedlicher Dichte und 2) unterschiedlicher horizontaler Windgeschwindigkeit sind dabei derart geschichtet, dass statische Stabilität vorherrscht, und Auslenkungen durch die rückstellende Kraft wellenartig auf und ab schwingen. Die Windscherung zwischen den beiden Schichten führt jedoch zur Verstärkung von Wellen an ihrer Grenzfläche. Durch das Aufsteilen und Überschlagen dieser Wellen wird die Temperatur- und Dichteschichtung lokal so stark verformt, dass statisch instabile Bereiche entstehen. Diese führen schließlich zum turbulenten Zusammenbrechen der ursprünglich geordneten Wellenströmung.

Und jetzt zurück zum Ausgangspunkt: Das Kriterium für das kritische Verhältnis zwischen statischer Stabilität und Windscherung für das Auftreten solcher Kelvin-Helmholtz Instabilitäten, welche letzten Endes in atmosphärischer Turbulenz münden, wird beschrieben durch die sogenannte Richardson-Zahl, benannt nach Lewis Fry Richardson. Zurück zu Ausgangspunkt Nummer 2: Was hat das Ganze mit dem Klimawandel zu tun? Nun, im anfangs erwähnten Thema des Tages vom 28.07.2026 wurde erläutert, dass ein mit der globalen Erwärmung abnehmender Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten Auswirkungen auf das Wettergeschehen hat, da dieses in erster Linie auf Ausgleichsströmungen aufgrund der Temperaturunterschiede basiert. Ändern sich die Temperaturgradienten, ändert sich die großskalige Strömung. Die Jetstreams, auf deutsch auch Strahlströme, also jene Starkwindbänder, welche die großskalige Dynamik in unseren Breiten maßgeblich gestalten, liegen diesen Temperaturgegensätzen zugrunde. Nun muss man der Vollständigkeit halber, und um den letzten Bogen in dieser Ausführung zu ziehen, erwähnen, dass der Temperaturgradient nicht unmittelbar eine Windgeschwindigkeit vorgibt. Vielmehr ergibt sich aus den zugrundeliegenden Bewegungsgleichungen der Atmosphärendynamik ein Zusammenhang zwischen der horizontalen Temperaturänderung und der Änderung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe: der Windscherung. Und hier schließt sich der Kreis. Wenn sich aufgrund der globalen Erwärmung der meridionale Temperaturgradient ändert, und dadurch auch die Windscherung, so ändert dies auch die Grundvoraussetzung für das Auftreten von Instabilitäten.

Um zur allgemeinen Verwirrung und Komplexität beizutragen, verhält es sich nun so, dass im Gegensatz zu der unteren Troposphäre der Temperaturgradient in Höhen um 10 km mit der Anpassung der Atmosphäre an die globale Erwärmung nach aktuellem Wissensstand nicht abnimmt, sondern zunimmt. Höherer Temperaturgradient bedeutet höhere Windscherung, was bessere Voraussetzungen für das Auftreten von Scherungsinstabilitäten bedeutet. Dementsprechend zeigen wissenschaftliche Studien eine signifikante Steigerung der Auftrittswahrscheinlichkeit von Turbulenzen mit Fortschreiten des Klimawandels, insbesondere in den atlantischen und pazifischen Flugkorridoren der kommerziellen Luftfahrt. Nach Meinung des Autors des heutigen Thema des Tages sind ungemütlichere oder auch weniger sichere Transkontinentalflüge nicht unbedingt ganz oben einzuordnen in der Prioritätenliste von Auswirkungen des Klimawandels. Deutlich relevanter könnte die Auswirkung von häufiger auftretender Turbulenz auf die Tropopausenregion in eben diesen Höhenbereichen sein. Die Tropopause stellt nämlich konzeptionell eine Transportbarriere zwischen der Troposphäre als erdnächste Atmosphärenschicht und der darüber liegenden Stratosphäre dar. Turbulenz ist ein Prozess der durch das Mischen von Luftmassen und ihrer Eigenschaften diese Transportbarriere durchdringen kann. Ein klassisches Beispiel für die Auswirkung des Eintrags von an der Erdoberfläche emittierten Spurengasen in die Stratosphäre ist die Entstehung des Ozonlochs durch Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW). Ein weiteres sehr relevantes Thema und Gegenstand aktueller Forschung ist die nicht zu vernachlässigende Auswirkung der Mischung von Spurengasen an der Tropopause auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre – ein potenzieller Rückkopplungseffekt.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Noch-ganz-stabil.jpg 551 961 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-05 13:58:262026-08-06 17:19:49Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

4. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Gute 36 °C, im Laufe des Nachmittags wahrscheinlich 37 °C bis knapp 38 °C stehen auch heute schon wieder ganz oben auf der Temperaturhitliste. Mittlerweile zählt man schon gar nicht mehr mit, wie oft dieses Jahr schon die 35 °C-Marke geknackt wurde. Die Statistik dürfte vermutlich jeden Rahmen dessen sprengen, was man bisher kannte. Aber dabei gibt es immerhin eine gute Nachricht: Spätestens ab Donnerstag geht es mit der Temperatur erst einmal nach unten. Dann legt sich eine Kaltfront aus Richtung Nordsee diagonal über Deutschland hinweg und trennt den Nordwesten vom Südosten. Dann werden auf der kühleren Seite noch 22 bis 27 °C, auf der wärmeren Seite 28 bis 31 °C erreicht, wobei das Allgäu und das Alpenvorland ebenfalls etwas weniger warm daherkommen.

Spurlos geht dieser Temperatur- und Luftmassenwechsel nicht an uns vorüber. Heute Abend, wahrscheinlich die Nacht hindurch, und auch am morgigen Mittwoch in bereits abgeschwächter Form muss mit einigen Gewittern gerechnet werden. Hauptschwerpunkt heute Abend ist zunächst der Schwarzwald. Später entwickeln sich auch im Westen einige Gewitter. Diese ziehen allesamt nordostwärts und wachsen zu einem oder zwei größeren Clustern zusammen. Diese bleiben die Nacht hindurch aktiv und erreichen gegen Morgen den äußersten Nordosten, wo sie schließlich gen Ostsee und Polen von dannen ziehen. Hauptgefahr dabei: in erster Linie heftiger Starkregen, aber auch Hagel sowie Sturm- bis hin zu orkanartigen Böen.

Am Mittwoch zieht sich die Hauptaktivität an Gewittern auf eine Linie südlich der Donau zurück. Allerdings kann sich im Tagesverlauf auch zwischen Rhein und Elbe nochmal ein kräftigeres Gewitter bilden, das dann bis zum Abend Richtung Polen zieht. Am Donnerstag gewittert es dann hauptsächlich nur noch aus den Alpen heraus, bevor sich dann endgültig Hochdruck über das Land legt und der restlichen Wetteraktivität den Stecker zieht.

Damit kommen wir zu den ersten Folgeproblemen dieser Witterungsphase: Die anhaltende Trockenheit. Gewitter sind gut und schön, aber helfen aufgrund ihrer nur sehr begrenzten Ausdehnung nicht nachhaltig dabei, den Wasserhaushalt wieder gerade zu rücken. In vielen Landesteilen herrscht eine ausgewachsene Dürre. Im Deutschlandmittel sind bisher im Jahr etwa 360 mm Niederschlag gefallen. Das Soll für den Zeitraum 1991-2020 liegt bei knapp 450 mm zu diesem Zeitpunkt. Das heißt es fehlen statistisch gesehen bereits etwa ein bis zwei komplette Monatsniederschlagsmengen. Insbesondere der Juli war im Südwesten teilweise extrem trocken. An zwei Stationen ist nicht mal 1 mm Niederschlag gefallen während des gesamten Monats.

Monatssumme und Relative Abweichung des Monatsniederschlags für Juli 2026 in Deutschland. (Quelle: DWD)

Das hat wiederum Folgen für die Wälder. Die Waldbrandgefahr ist in größeren Teilen des Landes weiterhin enorm hoch und erreicht oftmals die zweithöchste Stufe im Waldbrandgefahrenindex. Nachdem es bislang schon einige größere Brände gab (z.B. Nationalpark Müritz), bleibt es glücklicherweise bei eher kleineren Flächenbränden. Aber auch diese halten die Feuerwehren bereits ordentlich auf Trab. Das Problem: Auch weiterhin ist keinerlei nennenswerter Niederschlag in Sicht. Entweder fällt nur sehr lokal ergiebiger Regen durch Gewitter, oder Tiefausläufer bringen in der Fläche nur wenige Millimeter, die ebenfalls nicht weiterhelfen. Eine Witterungsumstellung ist bis Ende der Mittelfrist weiterhin nicht in Sicht.

Übersicht des Waldbrandgefahrenindex für die kommenden Tage bis zum Samstag, 08.08.2026. (Quelle: DWD)

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Wetter-Waldbrand-Wasserdurst-1.png 750 1331 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-04 15:47:102026-08-06 17:19:43Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

3. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach der Hitze ist vor der Hitze in diesem Sommer, und da sind auch die Gewitter meistens nicht allzu weit weg. Denn mittlerweile hat sich eine schwülheiße Luftmasse wieder bis in die Landesmitte ausgebreitet, was an leicht gestiegenen Taupunkten mit Werten zwischen 15 und 18 Grad zu erkennen ist. Dem gegenüber ist es weiter nördlich mit rund 10 bis 13 Grad deutlich trockener.

Damit stellt sich neben der Frage nach den Höchstwerten (einfach zu beantworten: bis zu 37 Grad) rasch die weitere Frage nach Gewittern oder potentiellen Unwettern. Nimmt man die Zutatenmethode zur Hand, so wird schnell ersichtlich, dass die Labilität und das CAPE (Energie der Luftmasse) bis zur Landesmitte ausreichend vorhanden sind. Auch die Feuchte haben wir bereits thematisiert. Als drittes Zünglein an der Waage, sieht man mal von der Zusatzzutat „Scherung“ ab, kommt die Hebung zum Zuge.

Und hier wird es spannend: Je nachdem welches Modell man betrachtet, werden die möglichen Hebungsmechanismen unterschiedlich stark gewichtet. Wir erinnern uns: Hebung kann durch die Orografie, aber auch dynamisch etwa an Kurzwellentrögen oder unter linken Jeteingängen erzeugt werden.

Summa summarum kommen dann unterschiedliche Modelle auch zu variierenden Prognosen bei den Gewittern, je nachdem wie stark sie die Hebung berechnen. Hier reicht schon der Blick auf das ICON-D2 und das ICON-RUC, die beide im DWD gerechnet werden. Generell liegt die Stärke des ICON-D2 vor allem in dynamischen Gewitterlagen mit klaren Hebungsimpulsen. Sind diese in einer leicht flatternden südwestlichen Höhenströmung, so wie heute und morgen, eher schwacher Natur, so kommt das Modell durchaus an seine Grenzen und berechnet manchmal deutlich weniger Gewitteraktivität. Dem gegenüber steht das ICON-RUC, das stündlich gerechnet wird und in der Vergangenheit auch bei antriebsschwachen Wetterlagen eine höhere Gewitteraktivität vorhersagte, die nicht selten dann auch so eintraf. Das kann natürlich auch an unterschiedlichen Assimilationsverfahren und einer anderen Berücksichtigung der Feuchte liegen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Meteorologe vom Dienst vor der großen Frage steht, wo es am Ende wie stark gewittert.

Blicken wir dazu auf die aktuellen Berechnungen von ICON-D2 (09z-Lauf) und ICON-RUC (ebenfalls 09z-Lauf): Gegen 17 Uhr sind in beiden Modellen einzelne starke, möglicherweise auch schwere Gewitter über dem Südwesten Deutschlands und über dem Nordosten Hessens zu sehen.

Dargestellt ist die simulierte Reflektivität von ICON-D2 und ICON-RUC für den heutigen Montag um 17 MESZ. Bislang ergeben sich wenige Unterschiede in der Prognose.

Je später es am Abend nun wird, umso größer werden dann aber die Prognoseunterschiede. Gegen 21 Uhr wird ein sich abschwächender Gewitterkomplex über Rheinland-Pfalz im ICON-D2 berechnet, während das ICON-RUC einen starken MCS (großes Gewittersystem) mit schwerem Sturm im Rhein-Main-Gebiet sieht. Auch nachts einigen sich beide Modelle nicht: Nach ICON-D2 fallen die Gewitter tendenziell in sich zusammen, nach Lesart des ICON-RUC bleiben sie weiterhin aktiv und breiten sich immer mehr in Richtung Landesmitte aus.

Um 00 MESZ ist ersichtlich, dass sich die Gewitteraktivität nach Lesart des ICON-D2 nachts deutlich abschwächen soll, während sie nach ICON RUC nicht zum Erliegen kommt. Genaue Prognosen sind hier erst im Nowcasting möglich.

Es wird deutlich, dass solche Probleme (leider) erst im Nowcasting richtig gelöst werden können, wenn ersichtlich ist, wo die Reise hingeht. Die Modelloutputs dienen aber durchaus als guter Hinweis dafür, welches Potential in der aktuellen Wetterlage steckt.

Klar ist: Es muss heute wie auch morgen mit starken, teils unwetterartigen Gewittern gerechnet werden, die von heftigem Starkregen, größerem Hagel oder Hagelansammlungen und Böen in schwerer Sturmstärke begleitet sein können.

Bleiben Sie daher wachsam und verfolgen Sie die aktuellen Wetterwarnungen gerne unter dwd.de oder in der Warnwetter-App.

M.Sc.-Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Aktuelle-Schwierigkeiten-bei-der-Gewittervorhersage-1.png 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-03 12:35:002026-08-06 17:22:16Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

Deutschlandwetter im Juli 2026

2. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juli 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 23,8 °C +4,5 Grad
2 Ohlsbach Baden-Württemberg 23,7 °C +5,3 Grad
3 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,5 °C +4,0 Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1 Carlsfeld Sachsen 15,3 °C +2,5 Grad
2 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 15,5 °C +2,3 Grad
3 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,6 °C +2,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlags-
menge
Anteil
1 Jachenau-Tannern Bayern 170,5 l/m² 79 %
2 Waakirchen-Demmelberg Bayern 162,6 l/m² 81 %
3 Marienberg Sachsen 158,6 l/m² 173 %

Besonders trockene Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlags-
menge
Anteil
1 Kirn Rheinland-Pfalz 1,1 l/m² 2 %
2 Eschweiler-Weisweiler Nordrhein-Westfalen 1,2 l/m² 2 %
3 Henschtal Rheinland-Pfalz 1,9 l/m² 3 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenschein-
dauer
Anteil
1 Tholey Saarland 366 h 156 %
2 Saarbrücken-Ensheim Saarland 358 h 149 %
3 Rheinau-Memprechtshofen Baden-Württemberg 358 h 155 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenschein-
dauer
Anteil
1 Wangerland-Hooksiel Niedersachsen 195 h 99 %
2 Wittmundhafen Niedersachsen 197 h 101 %
3 Rotenburg/Wümme Niedersachsen 199 h 110 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes
zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode,
normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle
Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-02 14:28:162026-08-06 17:19:34Deutschlandwetter im Juli 2026

Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

1. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts wurden allgemeine sowie Erkenntnisse der Meteorologie aus Expeditionsreisen vorgestellt. In diesem Thema des Tages wird die Meteorologie um 1800 beleuchtet. Neben der Wolkenklassifikation und der Windstärkenskala gibt es viele weitere Entdeckungen von der Medizinmeteorologie bis hin zu einem Feuchtigkeitsmesser.

Beginnen wir mit meteorologischen Erkenntnissen im Bereich der Medizinmeteorologie.

Der französische Meteorologe Louis Cotte (1740−1815) wurde 1774 mit der Leitung eines medizinisch-meteorologischen Netzwerks aus französischen Tierärzten und Landärzten betraut, um den Zusammenhang zwischen der Pest und dem Wetter zu untersuchen. Das Projekt lief bis 1794.

Der polnische Schriftsteller und Wissenschaftler Stanisław Staszic (1755−1826) entwarf die Salzverdunstungstürme in Ciechocinek an der Weichsel, die errichtet wurden, um aus der in der Region reichlich vorhandenen Sole Salz zu gewinnen. Die Sole wurde an die Spitze der Türme gepumpt und tropfte dann an deren Seitenwänden herab, wo sie durch Sonneneinstrahlung und Wind verdunstete. Das Salz aus der Sole blieb zurück. Darüber hinaus wurden durch diesen Vorgang Iod und Feuchtigkeit an die Luft abgegeben. Dies veränderte das Mikroklima im Bereich der Türme und ließ es eher einer maritimen als einer kontinentalen Umgebung ähneln. Die Menschen kamen nach Ciechocinek, um die therapeutischen Eigenschaften der lokalen Luft zu nutzen. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Kurort mit vielen Sanatorien für Menschen mit verschiedenen Gesundheitsproblemen, die durch das Einatmen der Iod-reichen Luft behandelt werden konnten. Dies stellt ein frühes Beispiel für eine vom Menschen verursachte Veränderung des Mikroklimas dar.

Auch um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden mehrere Expeditionsreisen mit erwähnenswerten Beiträgen zur Meteorologie statt.

Der preußische Forschungsreisende, Naturforscher, Physiker und Geograph Alexander von Humboldt (1769−1859) gilt als der letzte Universalgelehrte auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Zu Humboldts zahlreichen wissenschaftlichen Interessen zählten auch die Meteorologie und die Klimatologie. Für eine Expedition über die Kanarischen Inseln zu den spanischen Provinzen Lateinamerikas und in die Vereinigten Staaten zwischen 1799 und 1804 verfügte von Humboldt über zwei Quecksilberbarometer, mehrere Thermometer, einen Regenmesser, zwei Hygrometer (zur Messung der Luftfeuchtigkeit), ein Cyanometer (zur Messung der blauen Farbe des Himmels), ein Hypsometer (zur Bestimmung der Siedetemperatur von Wasser in verschiedenen Höhenlagen) und ein Eudiometer (zur Messung des Gasvolumens) sowie Instrumente zur Messung des Erdmagnetfelds. Verschiedenste Messungen wurden während der Expedition durchgeführt, besonders in Quito 1802. Von Humboldt untersuchte die Entstehung und die Zugbahnen tropischer Stürme. Er führte Messungen der Meeresströmung durch, die entlang der Westküste Südamerikas fließt und als Humboldtstrom bekannt wurde. Nach 1804 verlagerte von Humboldt seine Forschungsinteressen zum Vulkanismus und zum Magnetismus. Er publizierte die wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Amerika-Expedition. 1817 veröffentlichte er eine Weltkarte der Durchschnittstemperaturen, die erste globale Klimaanalyse. 1829 unternahm er eine Expedition nach Sibirien. Dort führte er meteorologische und magnetische Messungen durch und entdeckte das, was heute als Permafrost bezeichnet wird. Nachfolgend trieb er den Aufbau eines russischen Netzwerks von magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen voran, welches bis 1835 in Nordasien etabliert werden konnte. Von Humboldt konnte anhand der gewonnenen Daten zu dem Schluss kommen, dass der größte Teil Russlands ein „kontinentales“ Klima aufweist (ein Klima, wie man es im Inneren von Kontinenten vorfindet, wo die Temperaturextreme aufgrund des fehlenden mildernden Einflusses eines Ozeans größer sind als anderswo). Von Humboldts übergeordnetes Ziel war jedoch ein weltweites Netzwerk, und zu diesem Zweck überzeugte er die britischen Behörden, permanente magnetische Observatorien in britischen Kolonien auf der ganzen Welt einzurichten: in Kanada, auf St. Helena, am Kap der Guten Hoffnung, auf Ceylon, in Jamaika und in Australien. Die Idee der internationalen Zusammenarbeit durch weltweite Netzwerke von Beobachtungsstationen, die gleichzeitig wissenschaftliche Messungen durchführen, ist eines von von Humboldts Vermächtnissen. Er war der Erste, der eine solche Idee (vor allem für magnetische Beobachtungen) formulierte und sie bis zur Vollendung umsetzte.

Der Jurist, Botaniker und Amateurastronom Francisco José de Caldas (1768−1816) aus dem Vizekönigtum Neugranada (heute Kolumbien) entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts ein Interesse an den Naturwissenschaften. Er eignete sich die Grundlagen der Astronomie und Meteorologie im Selbststudium durch Beobachtungen an, da ihm keine Bücher als Leitfaden zur Verfügung standen. Anschließend baute er ein Barometer und nutzte es zur Durchführung von Druckmessungen. Das „Hypsometer“ (oder „hypsometrisches Thermometer“) ist ein Instrument, das die Höhe indirekt messen kann, indem es mithilfe eines Thermometers die Temperatur von kochendem Wasser in dieser Höhe misst und anschließend die Zusammenhänge zwischen dem Siedepunkt von Wasser und dem Luftdruck sowie zwischen dem Luftdruck und der Höhe anwendet. Frühere Arbeiten zu diesem Instrument waren de Caldas unbekannt. Er erfand das Hypsometer unabhängig davon einige Zeit vor dem Besuch von Alexander von Humboldt in Kolumbien im Jahr 1801. Von Humboldt unterrichtete de Caldas in Meteorologie, Astronomie und Berechnungstechniken. 1804 führte de Caldas eigene Messungen in Quito durch, deren Ergebnis ähnlich denen von von Humboldts waren.

Die beiden nordamerikanischen Entdecker Meriwether Lewis (1774−1809) und William Clark (1770−1838) aus der Kolonie Virginia unternahmen von 1804 bis 1806 eine umfangreiche Entdeckungsreise durch den Westen Nordamerikas bis zum Pazifik, die heute als Lewis-und-Clark-Expedition bekannt ist. Diese Region war zu dieser Zeit größtenteils Neuland. Lewis und Clark stießen auf Flüsse, die „mit Eis zugefroren“ waren, auf heftige Winde, Sturzfluten und in den High Plains der Dakotas auf Tage mit großen Temperaturunterschieden. Lewis und Clark waren die ersten, die wissenschaftliche Wetterbeobachtungen im Westen Nordamerikas durchführten. Zu Beginn der Expedition verfügten sie über drei Thermometer, die sie sorgfältig kalibrierten. Vom 19. September 1804 bis zum 6. September 1805, dem Tag des Verlusts des letzten Thermometers, maßen sie täglich die Temperatur, jeweils bei Sonnenaufgang und erneut um 16 Uhr. Diese Temperaturmessungen wurden in den Gebieten durchgeführt, die heute South Dakota, North Dakota und Montana sind. Überzeugt vom wissenschaftlichen Wert ihrer Arbeit führten sie sorgfältige Aufzeichnungen ihrer Beobachtungen. Im heutigen Oregon notierte Lewis: „Ich bin überzeugt, dass das Klima hier viel wärmer ist als auf dem gleichen Breitengrad am Atlantik.“ In ihren Tagebüchern beschrieben sie das Winterwetter an der Küste von Oregon wegen des ständigen Regens als „schrecklich“ und „elend“. Lewis und Clark waren wahrhaftige Pioniere, sowohl als Entdecker als auch als Wissenschaftler. Ihre Erkundung des nordamerikanischen Westens war ein wegweisendes Ereignis in der US-amerikanischen Geschichte.

Der britische Marinekommandant und Polarforscher Sir John Ross (1777−1856) unternahm mehrere Expeditionen in die heutige kanadische Arktis. 1818 erreichte er den Lancaster Sound, welcher die östliche Einfahrt zur Nordwestpassage darstellt. Dort wurde er jedoch durch eine Fata Morgana getäuscht und glaubte, dass Berge den weiteren Weg nach Westen versperrten. Während dieser Expedition führte er auf Anweisung der britischen Admiralität und der Royal Society geomagnetische, meteorologische und ozeanographische Beobachtungen durch. Bei der Expedition von 1829 bis 1833 ging das Schiff 1832 im Eis verloren, und die Besatzung strandete und konnte in Felix Harbour im folgenden Jahr gerettet werden. Während dieser Reise führte Ross magnetische Beobachtungen durch und lokalisierte den magnetischen Nordpol. Außerdem machte er meteorologische Beobachtungen.

Der norwegische Astronom und Physiker Christopher Hansteen (1784−1873) war ein Pionier auf dem Gebiet des Erdmagnetismus und der Erforschung der Polarlichter. Auf einer Expedition nach Sibirien um 1830 suchte er nach einer Region mit maximaler magnetischer Intensität. Schließlich stellte er fest, dass die Polarlichter in einem Ring mit maximaler Häufigkeit um den nördlichen Magnetpol auftreten. Er richtete mehrere geomagnetische Beobachtungsstationen ein und vereinbarte mit Schiffskapitänen, das Magnetfeld weltweit zu beobachten und aufzuzeichnen. Die von ihm gesammelten Daten ermöglichten es ihm, eine der ersten Magnetkarten der Erde zu erstellen. Hansteen beobachtete in Norwegen die Aurora borealis während eines heftigen Magnetsturms, der vom 28. August bis zum 2. September 1859 auftrat. Er kam zu dem Schluss, dass „die Auswirkungen dieser Aurora auf die Telegrafenleitungen in Norwegen viel größer waren als in Frankreich und Deutschland“. Heute ist bekannt, dass starke Magnetstürme sowohl Stromnetze und die drahtlose Kommunikation als auch die Telegrafenkommunikation beeinträchtigen können.

Die folgenden Personen leisteten wichtige allgemeine Beiträge zur Meteorologie.

Der britische Mathematiker und Physiker Sir John Leslie (1766−1832) stellte 1804 fest, dass eine mattschwarze Oberfläche Wärme effektiver abstrahlt als eine polierte Oberfläche, was auf die Bedeutung der Schwarzkörperstrahlung hindeutet. 1810 gelang es ihm, Wasser künstlich zu Eis zu gefrieren.

Zu den zahlreichen Beiträgen des französischen Mathematikers und Physikers Joseph Fourier (1768−1830) gehörte der Nachweis, dass sich jede stetige Funktion in Kombinationen trigonometrischer Funktionen zerlegen lässt − eine Methode, die als Fourier-Analyse bezeichnet wird. Sie findet in der modernen numerischen Analysis und bei Berechnungen breite Anwendung. 1820 berechnete Fourier, dass die Erde kälter sein müsste, als sie es ist, wenn die einzige Wärmequelle die Sonnenenergie wäre, die von der Oberfläche des Planeten absorbiert werden kann. Er zog auch andere mögliche Wärmequellen in Betracht (die innere Wärme der Erde selbst und interstellare Strahlung), stellte jedoch fest, dass auch diese nicht genügend Wärme liefern konnten. Anschließend untersuchte er ein Experiment, das von de Saussure (siehe Teil 10 der Geschichte der Meteorologie) durchgeführt worden war. Dieser setzte Glasscheiben, die durch Luftschichten voneinander getrennt waren, in eine isolierte Vase ein und ließ Sonnenlicht in die Vase einfallen. Das Sonnenlicht durchdrang die Glasscheiben und die Luftschichten. De Saussure beobachtete, dass die resultierenden Temperaturen im Inneren der Vase in tieferen Schichten unter mehr Glasschichten höher waren. Fourier stellte die Hypothese auf, dass die Erdatmosphäre möglicherweise wie diese Glasscheiben als „Isolator“ wirke. Die Atmosphäre ist natürlich komplexer, doch Fouriers Beobachtung, für die ein Gewächshaus mit Glaswänden als Analogie dient, gilt als erste Formulierung dessen, was heute als atmosphärischer „Treibhauseffekt“ bezeichnet wird. 1822 führte Fourier in seiner „Théorie analytique de la chaleur“ die Verwendung von Dimensionen für physikalische Größen formell ein.

Der britische Pharmakologe Luke Howard (1772−1864) beschäftigte sich mit Meteorologie. Er gilt als Wegbereiter der modernen Wolkenkunde. Seine Wetterbeobachtungen führten 1818 zur Veröffentlichung seines Buches „The Climate of London“, das erste Werk, das sich mit der Klimatologie einer städtischen Umgebung befasste. Howards meteorologische Beobachtungen in und um London waren der erste Hinweis auf einen städtischen Wärmeinseleffekt. Howards wichtigster Beitrag zur Meteorologie war die Einführung des Wolkenklassifizierungssystems, das den Kern der modernen Klassifikation von Wolken bildet. Er wurde als der „Mann, der den Wolken Namen gab“ bekannt. Howard war fasziniert von der „Großen Nebelwolke“, die zwischen Mai und August 1783 den Himmel über Europa bedeckte und einen Dunst darstellte, der aus Staub und Asche der Vulkanausbrüche des Laki-Kraters in Island sowie des Asama auf Honshū in Japan bestand. Im Laufe seiner Beobachtungen stellte Howard bestimmte gemeinsame Merkmale von Wolken fest und entwickelte auf dieser Grundlage ein System zu deren Klassifikation. Im Dezember 1802 stellte er sein System der Askesian Society in London vor. Er schlug beschreibende Kategorien mit lateinischen Namen vor. Howards drei Grundkategorien waren Cumulus („Haufen“), Stratus („Schicht“) und Cirrus („Haarsträhne“). Eine vierte Kategorie, Nimbus („Regen“), bezeichnete „eine Wolke, die gerade dabei ist, sich zu Regen, Hagel oder Schnee zu verdichten“. Laut Howard „kann es keinen Regen geben, solange die Wolken, mit Ausnahme des Nimbus, ihre ursprüngliche Form beibehalten; erst durch die Beobachtung der Veränderungen und Übergänge der Wolkenform lässt sich das Wetter vorhersagen“. Howard fasste seine Arbeit 1803 in seinem „Essay on the Modifications [d. h. ‚Classification‘] of Clouds“ zusammen.

Darstellung von verschiedenen Wolken im Essay on the Modifications of Clouds von Luke Howard, Ausgabe 1803, Quelle: Ton Lindemann, Meteo-Maarssen, Maarssenbroek, Niederlande

Howards System fand rasch sowohl in Großbritannien als auch im Ausland breite Akzeptanz und verdrängte frühere Wolkenklassifikationen. Howards Werk „Seven Lectures on Meteorology“ (1837) war das erste moderne Lehrbuch zur Meteorologie.

Der britische Mediziner und Botaniker Robert Brown (1773−1858) entdeckte 1827 die Brownsche Bewegung von Pollen- und Farbstoffpartikeln im Wasser, die erst später als physikalischer Prozess verstanden wurde.

Der irische Marineoffizier und Hydrograph Sir Francis Beaufort (1774−1857) begann schon früh in seiner Karriere auf See, ein meteorologisches Tagebuch in Form von kurzen Anmerkungen zur allgemeinen Wetterlage zu führen. Diese Praxis behielt er bis zu seinem Tod bei. Beauforts Name ist allen Seefahrern aufgrund seiner Windstärkenskala und seiner Wetternotationscodes bekannt, die er in den frühen Jahren seines Kommandos, beginnend um 1805, entwickelte. Die Windstärkenskala basierte auf Beauforts Beobachtungen der Auswirkungen des Windes auf vollgetakelte Fregatten auf See und umfasste ursprünglich 14 Windstärkegrade, von Windstille bis zum Orkan. Die Wetternotation wurde 1833 zum Standard für die britische Flotte für alle Logbucheinträge gemacht. Im Jahr 1838 schrieb die britische Admiralität die Verwendung der Beaufort-Windskala mit 13 Windstärkegraden offiziell für alle Logbucheinträge der Schiffe vor. Die Beaufort-Skala ist die älteste systematische Methode zur Beurteilung von Windstärke und -geschwindigkeit. Sie wird auch heute noch in modifizierter Form von Seeleuten auf der ganzen Welt verwendet und ist darüber hinaus auch auf Landseite sehr gängig.

Sir Francis Beaufort, 1850, Stephen Pearce (1819-1904), Quelle: National Portrait Gallery, London, über Wikimedia Commons

Der Physiker und Chemiker Amadeo Avogadro (1776−1856) aus dem Piemont beschäftigte sich mit dem Zusammenhang der elektrochemischen Spannungsreihe und der Affinität der Elemente, der spezifischen Wärme von Gasen und Atom- und Molvolumina. Sein Ziel war es, die chemischen Eigenschaften der Verbindungen durch physikalische Eigenschaften zu beschreiben. Er ist vor allem für das Avogadro-Gesetz (gleiche Volumina verschiedener Gase enthalten bei gleicher Temperatur und gleichem Druck die gleiche Anzahl an Molekülen) und die Avogadro-Zahl (die Anzahl der Moleküle in einem Mol eines Stoffes) bekannt. Während seiner Lehrtätigkeit in Turin hatte er Lehrstühle in den Bereichen Statistik, Meteorologie sowie Maße und Gewichte inne.

Der Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777−1855) aus dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel beschäftigte sich mit dem Erdmagnetfeld und damit dem oberen Teil der Atmosphäre. Im Jahr 1838 bewies er, dass der überwiegende Teil des Erdmagnetfelds endogen ist, also seinen Ursprung im Erdinneren hat. Im Jahr 1839 stellte er jedoch die Vermutung auf, dass elektrische Ströme in einer leitfähigen Schicht der oberen Atmosphäre kleine Schwankungen im gesamten Magnetfeld verursachen, was er wiederum mit der Aurora borealis in Verbindung brachte.

Der dänische Physiker, Chemiker und Naturphilosoph Hans Christian Ørsted oder auch Hans Christian Oersted (1777−1851) entdeckte die magnetische Wirkung des elektrischen Stromes und gilt als Mitbegründer der Elektrizitätslehre und Elektrotechnik. Er führte Forschungen zu den Eigenschaften von Flüssigkeiten und Gasen durch, wobei sein Hauptaugenmerk auf deren Kompressibilität lag.

Neue Entwicklungen in der Messung des Taupunkts und in der Feuchtigkeitsmessung förderten die folgenden Wissenschaftler zutage:

Der schwedische Mediziner und Chemiker Jöns Jakob Berzelius oder auch Jacob Berzelius (1779−1848) entwickelte eine Methode zur Messung des Taupunkts und der relativen Luftfeuchtigkeit. Im „Traité de Chimie“ schlug er vor, dass die Temperatur eines Feuchtthermometers dem arithmetischen Mittelwert aus der tatsächlichen Lufttemperatur und der Taupunkttemperatur entsprechen sollte. Da sowohl die Feuchtthermometertemperatur als auch die Lufttemperatur (mithilfe eines gewöhnlichen Trockenthermometers) gemessen werden konnten, ließ sich anhand dieser Beziehung der Taupunkt berechnen. Mit diesen Informationen konnte er dann die relative Luftfeuchtigkeit abschätzen. Der Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner (1780−1849) aus Franken stellte um 1822 die Prinzipien des Taupunkt-Hygrometers oder Kondensationshygrometers vor. Die Erfindung des Taupunkt-Hygrometers wird jedoch allgemein dem britischen Chemiker John Frederic Daniell (1790−1845) zugeschrieben, der 1820 ein Instrument entwickelte, das zum Standard für die Feuchtigkeitsmessung werden sollte.

Taupunkt-Hygrometer nach Daniell, Holzstich, Quelle: Physikalisches Praktikum mit besonderer Berücksichtigung der physikalischen-chemischen Methoden von Eilhard Wiedemann und Hermann Ebert, 3. Auflage 1897, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig, über Wikimedia Commons

Der nächsten Teile der Serie der Geschichte der Meteorologie werden sich mit Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Instituten in Europa und bedeutenden außereuropäischen Staaten widmen, ehe weitere Persönlichkeiten mit ihren Erkenntnissen zur Meteorologie im 19. Jahrhundert vorgestellt werden.

Dipl.-Met. Markus Eifried
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Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

31. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Gewitter im Allgemeinen und Tornados im Speziellen in diesem Jahr zurückhalten, dann liegen Sie nicht falsch. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägen den Sommer 2026 in vielen Landesteilen.
Entsprechend liegt die Zahl der bisher in Deutschland bestätigten Tornados derzeit bei nur 13 Fällen. Ruft man sich die durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben. Auch der August und der September gehören zu den Monaten, in denen häufiger Tornados auftreten. Zudem kann es sein, dass einzelne Verdachtsfälle später noch bestätigt werden. Trotzdem deuten die aktuellen Zahlen stark darauf hin, dass es 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Tornadosaison geben wird.

Die Karte zeigt die bisher bestätigten Tornadofälle in Deutschland im Jahr 2026.

Einordnung des Jahres 2026 in die Statistiken seit dem Jahr 2000

Schaut man auf die Zahlen seit dem Jahr 2000, so sieht man, dass es immer wieder Phasen gab, in denen eine große Zahl an Meldungen auftrat, und andere, in denen sich nur sehr wenige Tornados in der Datenbank finden. Die Anzahl hängt stark von den jeweils vorherrschenden Großwetterlagen ab. Schaut man beispielsweise auf das Jahr 2018, so stehen dort 26 bestätigte Fälle zu Buche. Damals wie heute gab es eine ausgeprägte Dürre in weiten Teilen Deutschlands. Es mangelte schlicht an passenden Wetterlagen für das Auftreten von Tornados.

Die Grafik zeigt die jährlich aufgetretenen und bestätigten Tornadofälle seit dem Jahr 2000.

Spätestete erste Tornado im Jahr

In diesem Jahr 2026 mussten wir bereits sehr lange warten, bis überhaupt der erste Tornadoverdacht bestätigt werden konnte. Dies war am 03.06. der Fall, als von Borkum aus eine Wasserhose beobachtet werden konnte. Genauer gesagt war es nicht nur eine, sondern gleich drei. Das war das späteste Datum im Jahresverlauf für den ersten bestätigten Tornado seit dem Jahr 2000. Der bisher späteste erste Fall stammte vom 24.05.2003 (damals der Tornado von Großenhain).

Die Karte zeigt die monatliche Verteilung der jährlichen Tornadofälle seit dem Jahr 2000. Zu sehen ist auch der bisher späteste erste Tornado (2003).

Der Tornado auf dem Bodensee und die Tornados bei Glückstadt

Auch danach hielten sich die Meldungen in Grenzen. Am ehesten ist wohl noch die fotogene Wasserhose auf dem Bodensee in Erinnerung geblieben. Sie war überaus fotogen und konnte von Friedrichshafen aus beobachtet werden. Auch über unsere WarnWetter-App hatten uns zahlreiche Aufnahmen dazu erreicht.

Im Bild sieht man eine Zusammenstellung der Bilder vom Tornado über dem Bodensee am 01.07.2026 aus unserer WarnwetterApp.

Auch in einer eher ruhigen Tornadosaison können einzelne Ereignisse durchaus folgenschwer sein, wie eindrücklich die Lage am vergangenen Sonntag zeigte. Die Bedingungen für das Auftreten von Tornados waren an diesem Tag recht gut (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/7/19.html) und so konnte sich am späten Nachmittag südlich von Cuxhaven an der Nordseeküste eine Gewitterzelle bilden. Diese Gewitterzelle unterschied sich von den anderen Zellen an diesem Tag, denn sie begann zu rotieren. Mithilfe des Wetterradaren können wir diese Rotation erfassen. Im Bild sieht man die Rotationsspur der Gewitterzelle. Man erkennt, dass die Rotation im Verlauf beständig stärker wurde. Bei gleichzeitig niedriger Wolkenuntergrenze konnte sich aufgrund der günstigen Umgebungsbedingungen ein Tornado ausbilden.

Nach aktuellem Stand der Untersuchungen wurden von der Gewitterzelle insgesamt mindestens drei Tornados hervorgebracht. Die weiteren Untersuchungen dauern jedoch noch an. So muss geprüft werden, ob sich auch zwischen den drei Ereignissen noch Schäden finden lassen, die auf eine längere Schadensspur hindeuten. Zudem laufen derzeit noch Untersuchungen zur genauen Stärke der einzelnen Tornados. Momentan wird davon ausgegangen, dass einer der Tornados sogar die Stärke IF2 erreicht haben könnte (220 ± 60 km/h).

Die Karte zeigt die Rotationsspur der Gewitterzelle, die mind. drei Tornados am 26.07.2026 hervorgebracht hat.

Tornadoexperten

Aber wer untersucht diese Fälle überhaupt? Die Tornadoexpertengruppe des Deutschen Wetterdienstes ist Teil eines größeren Expertennetzwerks in Deutschland (TOREX – Tornadoexpertenverbund Deutschland). Über eine gemeinsame Plattform tauschen wir uns zu aktuellen Verdachtsfällen aus. Wir bewerten die eingehenden Informationen aus sozialen Medien, der Presse oder aus privaten Zuschriften. Anhand des Schadensmusters und im Abgleich mit Bildern unserer Wetterradare können wir Verdachtsfälle gemeinsam bestätigen – oder eben nicht. Außerdem können wir die Stärke anhand einer objektiven Skala festlegen (IF-Skala).

Zu sehen sind die Logos des Tornadoexperten-Verbunds Deutschland und der Tornadoexperten Gruppe des Deutschen Wetterdienstes.

Tornadoverdachtsfälle melden

Was in den nächsten Tagen und Wochen noch an neuen Fällen hinzukommt, lässt sich derzeit nicht absehen. Sollten Sie einmal den Verdacht haben, dass ein bestimmtes Ereignis vielleicht ein Tornado gewesen ist, so schreiben Sie uns gerne an: tornado@dwd.de.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
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Was ist eine Fallböe?

30. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Aktuell sorgt eine sehr ungewöhnliche Wetterlage für erhöhte Unwettergefahr. Besonders im Norden Deutschlands können sich kräftige Gewitter entwickeln, die sogar Orkanböen hervorbringen können. Solche extremen Windböen werden häufig vorschnell als „Windhose“ oder Tornado bezeichnet. Tatsächlich steckt jedoch oft ein anderes Phänomen dahinter: die sogenannte Fallböe oder auch der Downburst. Obwohl Fallböen ähnlich verheerende Schäden verursachen können wie Tornados, sind sie in der Öffentlichkeit deutlich weniger bekannt. Wie entstehen Fallböen und worin unterscheiden sie sich von Tornados?

Beide Phänomene treten meist im Zusammenhang mit kräftigen Gewittern auf. Besonders heftige Fallböen entstehen – ebenso wie viele starke Tornados – häufig an rotierenden Gewitterzellen, den sogenannten Superzellen. Physikalisch unterscheiden sich beide Erscheinungen jedoch grundlegend. Tornados sind stark rotierende Luftwirbel mit einer nahezu vertikalen Drehachse, die sich aus einer Schauer- oder Gewitterwolke entwickeln und Bodenkontakt haben. Häufig ist dabei ein von der Wolke bis zum Boden reichender rotierender Wolkentrichter sichtbar. Downbursts oder Fallböen entstehen dagegen durch einen sehr starken Abwind. Kühlt sich die Luft innerhalb des Gewitters stark genug ab, wird sie dichter und damit schwerer als ihre Umgebung. Sie beschleunigt nach unten, trifft auf den Boden und breitet sich anschließend fächerförmig in alle Richtungen aus. Dabei können Windgeschwindigkeiten von weit über 200 km/h erreicht werden.

Schematische Darstellung eines Downbursts. Grafik nach einer Darstellung der Federal Aviation Administration (FAA), bearbeitet und ergänzt.

Doch wodurch wird die Luft überhaupt so stark abgekühlt? In kräftigen Gewittern bilden sich in den oberen Wolkenschichten häufig größere Hagelkörner. Erreichen sie eine bestimmte Größe, kann der Aufwind sie nicht länger in der Schwebe halten und sie beginnen zu fallen. Dabei gelangen sie in tiefere und wärmere Luftschichten und schmelzen. Gleichzeitig fallen Regentropfen häufig in trockenere Luft, wo ein Teil des Niederschlags verdunstet. Sowohl das Schmelzen des Hagels als auch die Verdunstung der Regentropfen entziehen der Umgebungsluft Wärme. Dadurch kühlt sie sich ab, wird dichter und sinkt immer schneller zum Boden. Bei der heutigen Wetterlage spielt vor allem die Verdunstung des Regens in den trockenen Luftschichten unterhalb der Gewitterwolke die entscheidende Rolle. Hagel wird dabei kaum erwartet.

Warum die Verdunstungskühlung heute besonders effektiv ist und damit das Potenzial für Fallböen erhöht, zeigt die folgende Abbildung. Sie stellt einen simulierten Radiosondenaufstieg für Norddeutschland in einem sogenannten Skew-T-log-p-Diagramm dar. Auf der y-Achse ist der Luftdruck aufgetragen, der mit zunehmender Höhe abnimmt und daher als Vertikalkoordinate dient. Die x-Achse zeigt die Temperatur, ist jedoch schräg angeordnet. Die rote Kurve stellt den Temperaturverlauf der Atmosphäre dar, die grüne Kurve den Taupunkt. Die Taupunkttemperatur gibt an, auf welche Temperatur ein Luftpaket bei unverändertem Wasserdampfgehalt abgekühlt werden müsste, damit Sättigung erreicht wird. Sie ist damit ein Maß für den Feuchtegehalt der Luft.

Liegen Temperatur und Taupunkt dicht beieinander, ist die relative Luftfeuchtigkeit hoch. Im vorliegenden Fall trifft dies oberhalb von etwa 600 hPa zu. Dort befindet sich der weitgehend gesättigte Bereich der Gewitterwolke. Darunter nimmt der Abstand zwischen Temperatur- und Taupunktkurve, der sogenannte Spread, deutlich zu. Dies weist auf eine wesentlich trockenere Luftschicht hin. Fällt Niederschlag aus der Gewitterwolke in diese trockene Luft, verdunstet er besonders effizient. Die dabei benötigte Energie wird der Umgebungsluft entzogen, wodurch diese zusätzlich abkühlt. Die Luft wird dadurch dichter und sinkt mit zunehmender Geschwindigkeit zum Boden ab, was die Entstehung kräftiger Fallböen begünstigt.

Meteorologen bezeichnen ein solches Temperatur- und Feuchteprofil als inverses V, da Temperatur- und Taupunktkurve im unteren Teil des Diagramms die Form eines umgedrehten „V“ bilden. Ein derart ausgeprägtes inverses V ist für mitteleuropäische Verhältnisse vergleichsweise selten und stellt daher ein deutliches Indiz für ein erhöhtes Downburstpotenzial dar.

SkewT-Log-p-Diagramm: Simulierter Radiosondenaufstieg für Norddeutschland. Der große Abstand zwischen Temperatur- (rot) und Taupunktkurve (grün) weist auf eine sehr trockene Grundschicht hin. Verdunstender Niederschlag kühlt die Luft dort besonders effektiv ab und erhöht das Potenzial für Downbursts.

Aus größerer Entfernung wirkt dieser beschleunigte Abwind häufig wie ein aus der Gewitterwolke herabhängender Niederschlagsschacht (siehe Abbildung). Trifft die kalte Luft auf den Boden, breitet sie sich explosionsartig nach allen Seiten aus. Die stärksten Windböen treten dabei meist am Rand dieses ausströmenden Kaltluftkörpers auf. Aus unmittelbarer Nähe erscheint ein Downburst häufig als rasch heranziehende „weiße Wand“ aus Starkregen.

Das Schadenspotenzial von Fallböen kann dem von Tornados durchaus ebenbürtig sein. Während Tornados ihre Schäden meist entlang einer vergleichsweise schmalen Zugbahn verursachen, können Downbursts durch ihre fächerförmige Ausbreitung deutlich größere Flächen erfassen. Entsprechend können auch die verursachten Schäden regional erheblich sein.

Christian Herold
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Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

29. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch OLAF verlagert sich mit seinem Schwerpunkt nach Osteuropa. Damit wird der Weg für sehr heiße Luftmassen aus Südwesteuropa fei. Heute befindet sich ein Höhenrücken über dem Bundesgebiet. Zudem ist die Luftmasse sehr trocken, sodass Schauer und Gewitter nahezu ausgeschlossen sind. Lediglich in den Alpen und am Alpenrand besteht ein geringeres Gewitterrisiko. Dann sind aber aufgrund der sehr trockenen Grundschicht auch Sturmböen (Bft 9) möglich. Insgesamt erwartet uns aber heute noch einmal ein lupenreiner Hochsommertag. Optimal für einen Ausflug ins Freibad oder an den nahegelegenen Badesee. Allerdings steigt bei Höchsttemperaturen von 31 bis 38 Grad auch die Wärmebelastung vor allem im Südwesten und Westen deutlich an.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Mittwoch, den 29.07.2026 um 12 UTC. Das Hoch OLAF verlagert sich nach Osten. Damit wird der Weg frei für sehr heiße Luftmassen aus Südwesteuropa. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Donnerstag schwächt sich der Hochdruckeinfluss weiter ab. Gleichzeitig verlagert sich im Tagesverlauf von Westen ein Bodentrog mit einer eingelagerten Konvergenzzone über das Land hinweg. Dabei kommt es voraussichtlich ab dem frühen Nachmittag im Westen zur Ausbildung von Schauern und vor allem nach Norden hin auch zu einzelnen kräftigen Gewittern.

Radiosondenaufstieg mit vertikaler Temperatur- und Taupunktkurve, sowie der konvektiv potenziell verfügbaren Energie. Zu erkennen ist die extrem trockene Grundschicht, sowie eine relativ geringe konvektiv potenziell verfügbare Energie. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aufgrund der sehr trockenen Grundschicht und der relativ raschen Verlagerung der Schauer und Gewitter liegt hier das Hauptaugenmerk auf dem Wind. Grund dafür ist, dass durch Verdunstungsprozesse in der trockenen Luftmasse die Fallwinde im Bereich eines Gewitters deutlich beschleunigt werden können. Damit sind bei stärkeren Entwicklungen schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) durchaus wahrscheinlich. Örtlich sind auch Orkanböen bis 120 km/h (Bft 12) nicht ausgeschlossen. Bei diesen Windgeschwindigkeiten können Bäume entwurzelt und größerer Gegenstände durch die Luft gewirbelt werden. Bei einem Aufenthalt im Freien besteht dann Lebensgefahr!

Feuchte, Energiegehalt, Scherung und signifikantes Wetter für Donnerstag, den 30.07.2026 um 15 UTC. Die Schauer und Gewitter treffen auf eine sehr trockene Luftmasse in einer relativ gut gescherten Umgebung. Dadurch ergibt sich ein hohes Sturmpotenzial! Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aber auch abseits der Gewitter frischt der Wind mit Durchzug des markanten Bodentroges deutlich auf. Verbreitet sind für wenige Stunden stürmische Böen (Bft 8) möglich. In der Nacht ziehen die Schauer und Gewitter unter allmählicher Abschwächung rasch nach Nordosten ab. In der ersten Nachthälfte muss dort jedoch noch mit kräftigen Schauern und vereinzelten Gewittern gerechnet werden.

Morgen steigen die Temperaturen im Vorfeld des Bodentroges aber noch einmal ordentlich an. Vor allem in Unterfranken könnte örtlich die 40 Grad Marke erreicht werden. Ein neuer Allzeitrekord ist aber unwahrscheinlich! Trotzdem muss nochmals verbreitet mit einer starken Wärmebelastung gerechnet werden.

Am Freitag setzt sich von Nordwesten die kühlere Luftmasse weiter durch. Im Südosten bleibt uns die Hitze weiter erhalten. An der unteren Donau sind auch am Freitag Spitzenwerte von bis zu 38 Grad möglich. Am Freitag tagsüber treten im Übergangsbereich weitere Schauer und Gewitter auf. Diese werden voraussichtlich im Vorfeld einer herannahenden Kaltfront zum Abend von Südwesten her häufiger. Dann besteht Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel.

In der Nacht auf Samstag verlagern sich die kräftigen Schauer und Gewitter voraussichtlich in den Osten des Landes. Bezüglich der genauen Schwerpunkte bestehen aber insgesamt noch einige Unsicherheiten.

Synoptische Übersicht für Freitag, den 31.07.2026 um 18 UTC. Deutschland gelangt auf die Vorderseite eines Höhentroges über Westeuropa. Dabei kommt es auf der Vorderseite einer heranrückenden Kaltfront zur Ausbildung von kräftigen Schauern und Gewittern mit Unwetterpotenzial! Quelle: Deutscher Wetterdienst

Auch am Samstag ist nach jetzigem Stand die Schauer- und Gewittergefahr im Osten und Süden noch nicht ganz gebannt. Dort können sich erneut teils kräftige Schauer und Gewitter entwickeln. Örtlich besteht wiederum Unwettergefahr. Ansonsten macht sich aber von Nordwesten her deutlich angenehmere Luft bemerkbar. Somit werden tagsüber nur noch in den Niederungen im Süden Temperaturen um 30 Grad erwartet.

Der Hochsommer scheint sich jedoch noch nicht endgültig geschlagen zu geben. Bereits am Sonntag könnte die Hitze vor allem im Süden wieder zurückkehren. Wie stark die erneute Erwärmung ausfällt, ist derzeit allerdings noch unsicher!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Erst-grosse-Hitze-dann-schwere-Gewitter-1.png 626 877 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-29 13:23:562026-08-01 16:31:49Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

28. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das aktuelle Monatsmittel für den Juni 2026 gemessen im Mauna Loa Observatorium auf der Insel Hawaii beträgt 431,44 ppm. Die dort seit 1958 durchgeführte Messreihe ist die längste kontinuierliche direkte Messreihe der atmosphärischen CO₂-Konzentration. Aufgrund der abgelegenen Lage fern von starken lokalen CO₂-Quellen liefern die Messungen außerdem ein recht repräsentatives Hintergrundsignal der freien Troposphäre. Die daraus resultierende Keeling-Kurve, benannt nach dem US-amerikanischen Geochemiker Charles David Keeling, zeigt den langfristigen Anstieg des atmosphärischen CO₂-Gehalts.

Der beobachtete CO2 Anstieg in der Messreihe des Mauna Loa Observatorium auf Hawaii.

Kohlenstoffdioxid ist ein wirksames Treibhausgas, da es einen Teil der von der Erdoberfläche abgegebenen langwelligen Infrarotstrahlung absorbiert und anschließend in alle Richtungen – auch zurück zur Erdoberfläche – wieder emittiert. Dadurch verändert sich das Strahlungsbudget der Erde: Es verbleibt mehr eingestrahlte Energie im Klimasystem, als von der Erde ins All abgegeben wird.

So viel zum Auffrischen der grundlegenden Ausgangslage: Der Treibhauseffekt ist als physikalisches Prinzip seit gut 200 Jahren bekannt, der Zusammenhang zwischen steigender CO₂-Konzentration und einer Erwärmung des Erdklimas seit rund 130 Jahren wissenschaftlich beschrieben. Natürlich ist das Ganze weitaus komplexer. CO₂ ist keineswegs das einzige wirksame Treibhausgas, und die Reaktion des Erdsystems auf den Eingriff in den Energiehaushalt umfasst eine schier grenzenlose Anzahl miteinander verknüpfter Prozesse. Je nach Fragestellung lässt sich das Thema deshalb quasi unbegrenzt vertiefen. Der Autor nutzt hier nur aus gegebenem Anlass – Hitze, Dürre, Niedrigwasser und Waldbrände – die Gelegenheit, um das Thema Klimawandel im Bewusstsein zu behalten, und der Leserschaft vielleicht den einen oder anderen Zusammenhang näher zu bringen.

Die Animation zeigt viel wolkenlosen Himmel über Nordspanien und Südwest-Frankreich, zunehmende Bewölkung über der Biskaya, Quellwolken über Portugal sowie den Pyrenäen, und die beschriebenen Rauchfahnen der Vegetationsbrände. (Quelle EUMETSAT)

MTG Satellitenbeobachtungen der Vegetationsbrände in Spanien und nahe der französischen Atlantikküste bei Bordeaux, am Freitag den 24.07.2026.

Die anhaltende Hitze in Westeuropa, sprich vor allem in Portugal, Spanien und Frankreich hat in den letzten Tagen und Wochen zu unkontrollierten Vegetationsbrände von außergewöhnlichem Ausmaß geführt. Die Animation der Satellitenmessungen im sichtbaren Spektrum – also so wie das menschliche Auge das Ganze von oben wahrnehmen würde – zeigt eindrucksvoll wie sich die Rauchfahnen der Brände bei Bordeaux am vergangenen Freitag mit östlichen Winden weit über den Atlantik ausbreiten, bevor der Wind am Freitagnachmittag auf westliche Richtungen dreht. Zeitgleich sieht man wie die Feuer in Spanien nördlich von Madrid im Tagesverlauf an Intensität zunehmen und sich eine eindrucksvolle Rauchfahne nach Nordwesten ausbreitet. Die Animation vermittelt einen Eindruck der Dimension der Brände, wie sie aus dem Weltall zu beobachten sind – und das bereits am vergangenen Freitag. In den darauffolgenden Tagen wurde der freie Blick aus dem Weltall auf die Rauchfahnen immer wieder durch (teils von den Feuern verursachte) Bewölkung verdeckt, weshalb hier zur Veranschaulichung der vergangene Freitag gewählt wurde.

„Eine Hitzewelle macht noch keinen Klimawandel“, und „der Klimawandel ist nicht zwangsläufig die Ursache für diese oder jene Hitzewelle“. Und „Dürren und Waldbrände hat es auch schon immer gegeben“. Das sind Gedanken die sich vielleicht aufdrängen. Der menschliche Eingriff in das Erdsystem und der daraus resultierende Klimawandel verändert jedoch die Ausgangsbedingungen und damit die Wahrscheinlichkeit für extreme Ereignisse. Im Kontext der Vegetationsbrände äußert sich das in einer beobachteten Zunahme der Intensität der Brände, dem Ausmaß der Schäden an Vegetation und Ökosystemen, eine Vergrößerung der insgesamt verbrannten Fläche, und einer längeren Dauer der Feuersaison. Ausschlaggebend dafür sind nicht nur unmittelbar die erhöhten Temperaturen durch die globale Erwärmung – der europäische Klimadienst Copernicus hatte zuletzt den Juni 2026 als den weltweit zweitwärmsten und in Westeuropa als den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnung eingestuft. Hinzu kommen häufiger auftretende und länger anhaltenden Wetterextreme infolge veränderter atmosphärischer Zirkulationsmuster. Diese begünstigen unter anderem längere und intensivere Dürreperioden als Voraussetzung für extreme Vegetationsbrände.

Eine grundlegende Idee hinter möglichen Veränderungen der atmosphärischen Zirkulationsmuster ist der abnehmende Temperaturunterschied zwischen der kalten Arktis mit ihrer geringen solaren Einstrahlung und den heißen Tropen mit ihrer hohen solaren Einstrahlung. Da sich die Arktis aufgrund verschiedener Rückkopplungseffekte im Zuge des Klimawandels deutlich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, verringert sich der Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten. Die atmosphärische Zirkulation und damit das allgemeine Wettergeschehen wiederum ist wesentlich davon geprägt, diese Temperaturunterschiede auszugleichen. Da liegt es nicht fern, dass eine verstärkte arktische Erwärmung mit Veränderungen in der atmosphärischen Dynamik zusammenhängen kann. Auch hier gilt allerdings wie so oft, dass die tatsächliche Sachlage im chaotischen Wettersystem deutlich komplizierter und weiterhin Gegenstand intensiver Forschung ist.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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