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Schlagwortarchiv für: Wetterbeobachtungen

Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

7. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im europäischen Raum beleuchtet. In diesem Beitrag folgen ausgewählte Länder im asiatischen und pazifischen Raum.

Mit Ausnahme von Jerusalem begannen systematische meteorologische Messungen in Vorderasien im Vergleich zu anderen Regionen Asiens relativ spät. Im damals zum Osmanischen Reich gehörenden Jerusalem starteten 1846 systematische Niederschlagsmessungen, ab 1865 liegen Temperaturmessungen vor. Militärstationen erweiterten im Osmanischen Reich meteorologische Messungen, so ab 1915 in Beirut und ab 1918 in Bagdad. Die erste Wetterstation im Oman auf der Arabischen Halbinsel wurde in Maskat 1893 eröffnet. Im Iran wurde 1919 wissenschaftliche Meteorologie an der landwirtschaftlichen Barzegaran-Schule in Karadsch nahe Teheran gelehrt, dort 1928 ein meteorologisches Büro eingerichtet und 1929 erste systematische Beobachtungen getätigt. In Zentralasien (dem russischen Generalgouvernement Turkestan) begannen systematische Messungen 1879 in Almaty (heute Kasachstan).

Indien war lange Zeit Teil des Britischen Weltreiches. Die Britische Ostindien-Kompanie errichtete astronomische Observatorien, das erste 1792 in Madras (Chennai). Dort wurden zwischen 1793 und 1796 regelmäßig meteorologische Messungen durchgeführt, die als die ersten meteorologischen Messungen im modernen Indien gelten. Neben der Ostindien-Kompanie errichteten auch der Maharadscha von Travancore 1842 ein Observatorium. In den Provinzen wurden im 19. Jahrhundert kleinere Messstationen aufgebaut, die vorwiegend Niederschläge, aber auch andere meteorologische Parameter aufzeichneten. Auch im gebildeten Bürgertum gab es durch Professoren, Geographen, Mediziner, Armeeoffiziere, Seeleute und sogar christlichen Missionaren meteorologische Aufzeichnungen. Der britische Gelehrte, Orientalist und Numismatiker James Prinsep (1799−1840) führte zwischen 1824 und 1826 systematische Wetteraufzeichnungen in Benares (Varanasi) durch und organisierte nachfolgend zeitgleiche Aufzeichnungen in Benares, Kalkutta (Kolkata), Madras und anderen Orten. Er untersuchte auch den Luftdruck über Indien. Der britische Schiffskapitän Henry Piddington (1797−1858) untersuchte als Vorsitzender der Marine-Untersuchungsgerichte in Kalkutta anhand von Schiffsschäden, Schiffslogbüchern und Aufzeichnungen verschiedener Stürme deren Struktur. Er stellte fest, dass Stürme ein ruhiges Zentrum hatten und dass die Winde um dieses Zentrum herum auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn wehten. In seinem Werk „The Horn-Book for the Law of Storms for the Indian and China Seas“ führte er 1848 den Begriff „Zyklon“ ein, der sich vom griechischen Wort κύκλος (kyklos, was „Kreis“ oder „Ring“ bedeutet) ableitet und auf der spiralförmigen Natur der Winde basiert. 1852 wurde dem Verantwortlichen der Großen Trigonometrischen Vermessung Indiens, dem indischen Mathematiker Radhanath Sikdar (1813−1870), als erstem Inder die Leitung des astronomischen Observatoriums Kalkutta übertragen. Er veranlasste dort stündliche meteorologische Beobachtungen und die Reduktion des Luftdrucks. Ihm gelang per Triangulation auch die erste Höhenbestimmung von Peak XV im Himalaya und er stellte fest, dass dieser wahrscheinlich der höchste Berg der Welt sei (später genannt Mount Everest).

Radhanath Sikdar, Quelle: The Modern Review, 1941, Kalkutta, über Wikimedia Commons

Der britische Paläontologe und Meteorologe Henry Francis Blanford (1834−1893) untersuchte die Auswirkungen eines Zyklons, der 1864 Ostindien traf und 70.000 Opfer forderte. Er wurde zum 1867 zum meteorologischen Berichterstatter der Provinz Bengalen bestellt. 1874 wurden alle meteorologischen Beobachtungen der mittlerweile 80 Observatorien und der Messstationen der verschiedenen Provinzen unter dem Dach des India Meteorological Departments (IMD) in Kalkutta organisiert. Erster kaiserlicher meteorologischer Berichterstatter wurde 1875 Blanford. Er führte einheitliche Messstandards in allen Beobachtungsstationen ein und errichtete 1877 ein zentrales Observatorium in Alipore in Kalkutta. Das IMD verlegte sein Hauptquartier 1905 nach Shimla, einem kühleren Ort in Nordindien auf 2100 m Höhe, 1928 nach Poona (Pune) und schließlich 1944 nach Neu-Delhi.

In China wurden viele meteorologische Instrumente entwickelt und Niederschlagsmessungen über Bambusrohre reichen weit zurück. Erste Temperatur- und Windmessungen wurden Ende des 17. Jahrhunderts während einer Expeditionsreise durch Cuninghame durchgeführt (siehe Teil 8 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Von 1757 bis 1762 maß der französische Jesuitenmissionar, Astronom, Sinologe und Historiker Joseph-Marie Amiot (1718−1793) in Peking zweimal täglich Luftdruck, Bewölkung, Luftfeuchtigkeit und Windrichtung und hielt das Auftreten von Sturmereignissen fest. Eine kurze Beobachtungsreihe in Peking (von Dezember 1830 bis Juni 1831) wurde von dem russischen Astronomen Georg Albert Fuss (1806−1854) durchgeführt, der 1830 die russische Gesandtschaft in Peking begleitete. Ab dem 1. Januar 1841 führte diese Mission regelmäßige Messungen durch. Ab 1849 wurden in der mit Zustimmung der russischen Mission errichteten Sternwarte in Peking bis 1883 magnetische und meteorologische Messungen durchgeführt. Im Jahr 1873 errichteten die Jesuiten eine meteorologische Beobachtungsstation in der Nähe von Shanghai. Der chinesische Zolldienst beteiligte sich am Aufbau eines Netzwerks von Wetterstationen im Tal des Jangtsekiangs. Von der Station Wuhu in Anhui liegen ab 1880 meteorologische Messungen vor. Der Schweizer Jesuitenpriester und Meteorologe Marc Dechevrens (1845−1923) wurde 1875 Leiter des Observatoriums Zikawei (heute Xujiahui in Shanghai). Sein Interesse galt Taifunen. 1879 tangierte ein Taifun Shanghai, den Dechevrens aus Stationsmeldungen und Schiffslogbüchern analysierte. Er erkannte daraus die spiralförmige Struktur und das Auge des Wirbelsturms. Er baute ein Küstenstationsnetz auf, das unter britische Verwaltung geriet, mit deren Meldungen er Taifune prognostizierte. Er publizierte jährlich eine Zusammenfassung über aufgetretene Taifune im Ostchinesischen Meer. 1882 gab Dechevrens die erste Taifunwarnung für die chinesische Küste heraus. Neben den Jesuiten betrieben vor allem ausländische Kräfte meteorologische Messungen. Das Deutsche Kaiserreich gründete 1898 ein meteorologisches Observatorium in Tsingtau (Qingdao), welches die deutsche Marine betrieb. Einzelne Persönlichkeiten aus Industrie und Landwirtschaft, die den Nutzen von meteorologischen Erkenntnissen erkannten, trieben die Meteorologie Chinas voran. Der chinesische Industrielle Zhang Jiao (1853−1926) richtete so 1905 eine Wetterstation in Junshan in Nantong nördlich von Shanghai ein, die ab 1918 ihre gesammelten Daten mit denen anderer Stationen austauschte und damit in Konkurrenz trat zu Daten der Jesuiten aus Zikawei und denen aus Qingdao, das von den Japanern 1914 besetzt wurde und dessen Kontrolle zwischen 1918 und 1931 von der chinesischen Regierung beansprucht wurde. 1928 erfolgte die Gründung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Academia Sinica) in Nanking (Nanjing). Ein dortiges Meteorologisches Institut wurde 1929 unter der Leitung des chinesischen Geologen und Meteorologen Chu Coching oder auch Zhu Kezhen (1890−1974) eingerichtet. Er gilt als Begründer der modernen Meteorologie in China. Er veröffentlichte Arbeiten zu Taifunen.

The Zhu Kezhen (竺可桢), Quelle: Who’s Who in China 3rd edition (Seite 223), The China Weekly Review, 1925, Shanghai (中国名人录 第三版,上海密勒氏评论报,1925年, 223页), über Wikimedia Commons

In den Wirren des Bürgerkriegs wurde dessen Sitz nach Taiwan verlegt. 1949 wurde das Büro für Meteorologie der Volksrevolutionären Militärkommission der Zentralen Volksregierung in Peking gegründet.

In Tibet wurden über Jahrhunderte, wenn die Trockenheit zu stark war, aus buddhistischen Ritualen Regen über Regentänze beschworen. Lange Zeit war es für Ausländer nahezu unzugänglich. Erste vorübergehende meteorologische Messungen wurden auf der Deutschen Tibet-Expedition 1939 durch den deutschen Geophysiker Karl Wienert (1913−1992) vorgenommen. In Osttibet versuchten die Chinesen 1939, in Außenposten meteorologische Messungen vorzunehmen, die allerdings schnell isoliert waren. Erste systematische Wetteraufzeichnungen in Lhasa fanden unter chinesischer Administration 1956 statt. Auf der Insel Taiwan (Formosa) wurden 1896, unter japanischer Verwaltung, an fünf Stationen systematische Messungen aufgenommen und das meteorologische Observatorium Taipeh gegründet. Die Zentrale Wetterbehörde wurde 1941 in Chongqing auf dem Festland gegründet und 1949 zusammen mit der Kuomintang-Regierung nach Taipeh verlegt. In Hongkong wurde unter der Verwaltung des aus Irland stammenden Kolonialadministrators George Bowen (1821−1899) 1883 das Hongkong-Observatorium gegründet. Erster Direktor wurde der dänische Astronom und Meteorologe William Doberck (1852−1941). Bowen ordnete auch den Bau von Taifun-Schutzhütten an. In Macao wurden 1861 erstmals Wetterbeobachtungen aufgezeichnet. Bis 1952 war die portugiesische Marine für die Messungen verantwortlich, danach ging sie auf die Regierungsinstitution des meteorologischen und geophysikalischen Dienstes über.

In der Mongolei begannen systematische Messungen 1936 mit Gründung des Meteorologischen und Hydrologischen Dienstes.

Für lange Zeit war Japan isoliert von technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften des Westens. Mitte des 19. Jahrhunderts kam Japan in Kontakt mit der europäischen Kultur. Erste instrumentelle meteorologische Beobachtungen wurden 1862 in Yokohama, 1872 in Hakodate auf Hokkaido und 1875 in Tokio (Tokyo) organisiert. Letzteres gilt als Gründungsdatum des meteorologischen Observatoriums in Tokio. Die Tokioter Meteorologische Gesellschaft wurde 1882 gegründet und 1888 in Große Japanische Meteorologische Gesellschaft umbenannt. Erster Direktor wurde der japanische Marinemagistrat Ikonosuke Arai (1836−1909). 1883 begannen die Erstellung und Verbreitung täglicher Wetterkarten, 1884 wurden dreimal täglich landesweit Wettervorhersagen erstellt. Bis 1900 wuchs das Beobachtungsnetz auf 80 Stationen. Gut bezahltes wissenschaftliches Personal lieferte Beobachtungen in guter Qualität wie beispielweise die Aufzeichnungen verschiedener Stürme. 1901 gab der japanische Meteorologe Takematsi Okada (1874−1956) das meteorologische Buch „Moderne Meteorologie“ heraus. 1935 wurden erste Sturmwarnungen veröffentlicht.

In Korea fanden im 15. Jahrhundert systematische Niederschlagsmessungen statt (siehe Teil 5 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Im 1818 erschienenen astronomischen Werk Seongwanji wird auch auf die Wetterbeobachtung eingegangen. 1883 wurden durch die Joseon Maritime Customs systematische Wetteraufzeichnungen in Incheon, Wonsan und Busan vorgenommen. 1904 wurden diese durch das Meteorologische Observatorium in Japan kontrolliert. Korea wurde im Folgejahr zu einem japanischen Protektorat. Weitere Wetterstationen wurden 1907 einerseits durch den japanischen Administrator von Korea und andererseits durch das Koreanische Reich selbst, unter anderem in Pjöngjang, initiiert. 1910 wurden alle meteorologischen Beobachtungen über die japanische Administration von Korea koordiniert. 1945 gingen diese auf die US-Administration über. 1949 wurde das Nationale Zentrale Meteorologische Observatorium in Seoul im Bereich des Bildungsministeriums gegründet.

In Thailand wurde die Wissenschaft der Meteorologie 1905 durch den siamesischen Admiral und Mediziner Abhakorn Kiartiwongse (1880−1923) der Königlichen Siamesischen Marine eingeführt. 1912 wurde die Bedeutung der Meteorologie für die Navigation der Schiffe erkannt und in der Folge ein erstes meteorologisches Lehrbuch auf Thai veröffentlicht. 1923 wurde ein erster meteorologischer Dienst, die Abteilung für Meteorologie und Statistik, gegründet und dem Amt für Gewässerkunde im Bereich des Landwirtschaftsministeriums angegliedert. Es wurden Beobachtungsstationen in vielen Provinzen aufgebaut, um Temperatur- und Niederschlagsdaten aufzuzeichnen. Letztere wurden zur Konstruktion von Wehren zur Kontrolle von Hochwasser benötigt. 1928 wurde die meteorologische Ausbildung von Marineoffizieren an ausländische Hochschulen fortgesetzt. Nach Rückkehr der ersten Absolventen wurde ein richtiges meteorologisches Messnetz aufgebaut. 1936 wurde die Abteilung für Meteorologie und Statistik dem Hydrographischen Dienst der Königlichen Thailändischen Marine zugeordnet und in Meteorologischen Dienst umbenannt.

In Indochina (heute Vietnam, Kambodscha und Laos), damals eine Kolonie Frankreichs, fanden 1867 am Militärkrankenhaus in Saigon erste instrumentelle Wetteraufzeichnungen statt. 1877 folgten weitere Aufzeichnungen in Hải Phòng (im Norden Vietnams) und 1882 in Hue (in der Mitte Vietnams). 1898 wurde der Service Météorologique in Indochina gegründet und meteorologische Messungen auf das ganze Kolonialgebiet ausgeweitet. Erster Leiter wurde der französische Mathematiker Claude-Jean-Baptiste Ferra (1857−nach 1908). 1902 gründete die französische Kolonialverwaltung das Observatorium Phù Liễn bei Hải Phòng, an welchem ab 1904 meteorologische Beobachtungen starteten. Das Observatorium diente als meteorologische Zentralstation, um Wettervorhersagen für die Landwirtschaft und für die Schifffahrt zu erstellen. Es war auch zuständig für Sturmwarnungen, wenn im Südchinesischen Meer ein Taifun auftrat. 1906 bestand in Indochina ein Messnetz aus 16 Stationen. 1926 erfolgte eine Umorganisation des meteorologischen Dienstes in das neu gegründete Büro für Klimatologie und Agrarmeteorologie.

Wetterphänomene und Naturgefahren wurden vor Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Einführung von Messinstrumenten aus europäischen Ländern auf den Philippinen aus einer religiösen Perspektive verstanden. Erste meteorologische Messungen auf den damals zu Spanien gehörenden Philippinen starteten ab 1865. Der spanische Mathematiker und Physiker Francisco Colina (1837−1893) betrieb eine primitive Wetterstation in Manila, in dem er ein Thermometer, ein Hygrometer, ein Barometer und ein Anemometer in einem verlassenen Taubenhaus aufhängte und zwei- bis dreimal täglich Messwerte notierte. Im selben Jahr wurde ein Taifun untersucht, der Manila traf, dabei wurden teils stündlich Wetteraufzeichnungen vorgenommen. Dies gab den Ausschlag für die Errichtung eines Observatoriums in Manila (Observatorio Meteorológico de Manila) durch die Jesuiten-Mission. 1867 übernahm der spanische Jesuitenpriester und Mathematiker Federico Faura (1840−1897) die Leitung des Observatoriums. Weitere Messinstrumente wurden erworben, darunter 1869 ein Meteorograph, welcher rund um die Uhr aufzeichnete. 1879 gab Faura die erste Taifunwarnung heraus. Ab 1880 wurden weitere meteorologische Beobachtungsstationen auf den Philippinen in Betrieb genommen. 1884 verfügte die spanische Regierung, dass das Observatorium Manila zur offiziellen philippinischen Institution für Wettervorhersagen wurde. Ab 1885 wurden am Observatorium weitere Services wie die Zeitfestlegung sowie seismologische und astronomische Studien angeboten. 1897 veröffentlichte der spanische Jesuitenpriester, Astronom und Meteorologe José María Algué (1859−1930) das erste Buch über Taifune auf den Philippinen und stellte einen Barocyclonometer vor, eine Weiterentwicklung eines Aneroidbarometers, welcher die Bestimmung des Zentrums eines Taifuns und die Vorhersage der voraussichtlichen Zugbahn erlaubte. Nach Übernahme durch die Vereinigten Staaten 1898 erkannte die koloniale US-Administration 1901 das Observatorium Manila als philippinisches Wetterbüro an. 1908 wurde die erste Wetterkarte des Fernen Ostens publiziert.

Erste meteorologische Messungen von Temperatur und Niederschlag in Singapur, damals Teil des britischen Territoriums Straits Settlements, wurden zwischen 1820 und 1823 durch den britischen Administrator William Farquhar (1774−1839) durchgeführt. Die offizielle Erfassung von Wetterdaten in Singapur begann 1869 auf Initiative der Medizinischen Abteilung der Straits Settlements, deren ursprüngliches Ziel darin bestand, einen möglichen Zusammenhang zwischen der Ausbreitung von Krankheiten und dem lokalen Wetter zu untersuchen. In diesem Jahr wurde in Outram eine Wetterstation eingerichtet, um die monatlichen Niederschlagsmengen zu messen. Die Verantwortung für die Erhebung von Wetterdaten wurde 1927 einer neuen meteorologischen Abteilung unter dem malaiischen Vermessungsamt übertragen. Diese wurde 1929 zum Malayan Meteorological Service und erhielt neue Aufgaben zur Bereitstellung meteorologischer Dienste für ganz Britisch-Malaya. Im selben Jahr wurde auf dem Mount Faber eine neue Wetterstation errichtet, die zusätzlich mit der Erfassung von Temperaturdaten betraut wurde, womit die offiziellen Temperaturaufzeichnungen Singapurs begannen. Mit der Unabhängigkeit Singapurs von Malaysia im Jahr 1965 löste sich das Beobachtungsnetzwerk in Singapur vom Malayan Meteorological Service und wurde zum Meteorological Service Singapore.

Erste systematische Messungen in Indonesien, damals Niederländisch-Indien, wurden ab 1841 individuell im Botanischen Garten in Bogor auf Java durch den Leiter des örtlichen Krankenhauses, den niederländischen Mediziner Pieter Loth Onnen (1811−1865), durchgeführt. 1844 und 1845 führte ein defektes Barometer zur vorübergehenden Unterbrechung seiner Messreihe. 1864 wurden die Messungen nach Batavia (heute Jakarta) verlegt. 1866 wurde das Magnetische und Meteorologische Observatorium in Batavia in Betrieb genommen und damit eine staatliche meteorologische Behörde gegründet. Erster Direktor wurde der niederländische Mathematiker Pieter Adriaan Bergsma (1830−1882). 1879 wurde ein Niederschlagsmessnetz auf Java aufgebaut.

In Australien finden noch heute Traditionen der Wetterbeobachtung und mythologischen Wetterdeutung der indigenen Bevölkerung Beachtung. Von verschiedenen Stämmen der Aborigines und Torres Strait Islanders sind saisonale Kalender überliefert, die je nach Klimazone zwischen zwei und 13 Jahreszeiten unterscheiden. Erste moderne landbasierte Beobachtungen in den damaligen britischen Kolonien führte der britische Astronom und Linguist der Aborigines-Sprachen William Dawes (1762−1836) zwischen 1788 und 1791 in der Bucht von Sydney durch. Der britische Offizier, Kolonialadministrator und Astronom Sir Thomas Brisbane (1773−1860) veranlasste den Bau des ersten Observatoriums in Parramatta in New South Wales, welches 1821 eröffnet wurde. Regelmäßige Wetteraufzeichnungen wurden in Adelaide in Südaustralien ab 1839 durchgeführt. Erste Wetteraufzeichnungen an einem Observatorium in Hobarton im damaligen Van Diemen’s Land (heute Hobart in Tasmanien) fanden 1841 statt, 1852 folgten solche in Fremantle in Westaustralien und 1854 am ersten Observatorium in Melbourne in Victoria. Der britische Ingenieur und Astronom Sir Charles Todd (1826−1910) war verantwortlich für den Ausbau von Überland-Telegraphen-Verbindungen in Südaustralien. Er erkannte die Bedeutung meteorologischer Beobachtung und veranlasste 1855 seine Betreiber der Telegraphenstationen, meteorologische Beobachtungen zu übermitteln. So entstand ein erstes Messnetz. In Victoria wurden erste Wetterbeobachtungen 1854 aufgezeichnet. Ab 1856 wertete der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909) am Flagstaff-Observatorium in Melbourne Schiffslogbücher aus, um aus diesen Daten die optimale Schiffsroute zwischen Europa und Australien zu finden. Im Northern Territory folgten erste tägliche Aufzeichnungen in Port Darwin (heute Darwin) ab 1869. Ab 1870 erfolgte die Kommunikation standardisierter Wetterberichte in allen Kolonien mittels Telegraphie. 1877 wurde die erste Wetterkarte in der Zeitung Sydney Morning Herald veröffentlicht. Zwischen 1887 und 1903 betrieb der britische Meteorologe Clement Lindley Wragge (1852−1922) ein Messnetz, das große Teile von Queensland umfasste. Wragge war der Erste, der tropische Zyklone benannte. Neben Buchstaben des griechischen Alphabets verwendetet er hierfür Charaktere der griechischen und römischen Mythologie und sogar Namen lokaler Politiker. 1899 untersuchte er den Zyklon Mahina, bis heute einer der heftigsten Zyklone, die Queensland trafen.

Zugbahn des Zyklons Mahina, 1899, Clement Lindley Wragge, Quelle: Kerry Raymond über Wikimedia Commons

1902 versuchte Wragge erfolglos, mit Regenkanonen die Dürre in Queensland zu beenden. Fünf Jahre nach der Unabhängigkeit wurde 1906 die Verantwortung für Meteorologie und Astronomie der Bundesregierung übertragen. Der britische Meteorologe Henry Ambrose Hunt (1866−1946) wurde erster „Commonwealth Meteorologist“. 1908 erfolgte die Gründung des meteorologischen Dienstes (Bureau of Meteorology). Vorhersagen für die verschiedenen Landesteile wurden zunächst per Morsecode übertragen.

In Neuseeland waren vor der europäischen Besiedlung durch die Māori und Polynesier Passatwinde bekannt. Die Māori nutzten spezielle Wolkenformationen und -muster besonders zum Sonnenuntergang zur Vorhersage von möglichem Regen am Folgetag. Der britische Landwirt, Laienpriester und Missionar Richard Davis (1790−1863) führte in zwei Tagebüchern Wetteraufzeichnungen. Eines umfasst den Zeitraum 1839 bis 1844 in der Te Waimate Mission, das andere von 1849 bis 1851 in Kaikohe, beide im äußersten Norden von Neuseeland. Die Aufzeichnungen umfassten Temperatur und Luftdruck sowie qualitative Anmerkungen zu Windgeschwindigkeit und -richtung, Extremwetter und Bewölkung. Es gibt zwei Einträge über Schneefall, was in der Northland Region nördlich von Auckland ein sehr seltenes Ereignis ist. Die Aufzeichnungen gelten als die ältesten kontinuierlichen landgestützten Aufzeichnungen in Neuseeland. Die Royal Engineers hatten in den 1850er Jahren begonnen, regelmäßige landgestützte Beobachtungen in Auckland durchzuführen. Nach einer Serie von Schiffsunglücken richtete das Marineministerium 1861 einen Wettervorhersagedienst ins Leben. Das erste Messnetz umfasste neun Wetterstationen von der Bay of Islands auf der Nordinsel bis Dunedin auf der Südinsel. Nachdem zuvor ein experimentelles Sturmwarnsystem eingerichtet worden war, ernannte das Marine-Ministerium im Januar 1874 den britischen Meteorologen Robert Atherton Edwin (1839−1911) zum ersten offiziellen Wettervorhersager Neuseelands. Ende 1882 begannen die Zeitungen, Wetterkarten abzudrucken. Diese basierten auf den Berichten von etwa 24 Wetterstationen. Edwin sandte den großen Zeitungen täglich Berichte zusammen mit Codenummern, die einem der 24 über Neuseeland häufig auftretenden Isobarenmuster (Luftdruckmuster) entsprachen. Die Nummer gab an, welche Karte abzudrucken war. Bis 1926 blieb die Wettervorhersage eine Aufgabe der Marine, bevor ihre Eingliederung in das neu gegründete Ministerium für wissenschaftliche und industrielle Forschung erfolgte. 1927 wurde der neuseeländische Meteorologe Edward Kidson (1882−1939) zum ersten „Dominion Meteorologist“ ernannt. Seinerzeit war der neuseeländische Wetterdienst eine kleine Einrichtung mit fünf Mitarbeitern und einem völligen Mangel an qualitativ brauchbaren meteorologischen Langzeitaufzeichnungen.

Erste meteorologische Aufzeichnungen im Bereich der Inselwelt des südwestlichen Pazifiks erfolgten 1851 durch den britischen Missionar Reverend George Turner (1818−1891) am 1848 von der London Missionary Society gegründeten Malua Theological College auf der Insel Upola (Samoa). Notiert wurden Niederschlagsmengen und tägliche Temperaturmaxima. Systematische Messungen in Samoa erfolgten zu deutschen Kolonialzeiten (s.u.). Auf Fidschi begannen Temperaturaufzeichnungen 1861 in Levuka. Ab 1892 wurden an der Rarawai Mill im Nordteil der Insel auf einer monatlichen Basis meteorologische Aufzeichnungen notiert, vornehmlich um das Überschwemmungsrisiko des Flusses Ba für anliegende Zuckerrohrplantagen abzuschätzen. 1905 begannen tägliche systematische Wetteraufzeichnungen. Auf Tahiti (Französisch-Polynesien) liegen erste meteorologische Aufzeichnungen aus 1855 vor. Monatliche Durchschnittswerte für Luftdruck und Feuchte, die Hauptwindrichtung und aufgetretene Extremtemperaturen wurden in Kolonialzeitungen wie im Message de Tahiti ab 1860 veröffentlicht. 1922 richtete der französische Wetterdienst die erste Wetterstation in Pape‘ari an der Südküste ein. Auf Hawaii, damals als Sandwich-Inseln bekannt, wurden auf Expeditionen erste meteorologische Aufzeichnungen verzeichnet, so für Luftdruck und Temperatur 1794 auf dem Mauna Loa durch den britischen Botaniker Archibald Menzies (1754−1842). Erste systematische Niederschlagsmessungen initiierte 1837 der britisch-hawaiianische Mediziner Thomas Charles Byde Rooke (1806−1858) in Honolulu. Während der United States Exploring Expedition wurden auf dem Mauna Loa 1840/1841 über wenige Wochen systematisch das Wetter beobachtet. Das Eintreffen internationaler Expeditionen zum Venus-Transit 1874 markierte den Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen im Bereich des Hafens von Honolulu. Das Wachstum in der Ananas- und Zuckerproduktion machte neue Niederschlags-Messstationen notwendig. Dezentrale und private Wetterbeobachtungen wurden ab 1892 vom Hawaiian Weather Bureau zusammengeführt. Nach der Annexion 1898 wurden die Aufgaben nahtlos an den Hawaii Territory Survey übergeben, bevor 1904 der US-amerikanische Wetterdienst die Stationen übernahm.

Im Bereich der Deutschen Schutzgebiete in der Südsee wurden Überseestationen eingerichtet, deren meteorologische Messungen vielfach als die ersten in dieser Region gelten. Von besonderem Interesse waren Niederschlag und Temperatur. In Neuguinea (heute Teil von Papua-Neuguinea) wurde im ersten Verwaltungssitz Finschhafen 1886 mit meteorologischen Aufzeichnungen begonnen, eine längere Aufzeichnungsreihe startete auf dem nahegelegenen Sattelberg 1900. Vom vierten Verwaltungssitz Herbertshöhe (heute Kokopo) liegen Aufzeichnungen ab 1902 vor. Bis auf Samoa waren alle pazifischen Inseln dem Schutzgebiet Neuguinea zugeordnet. Von Jaluit auf den Marshallinseln wurden erste meteorologische Messungen 1891 getätigt. Auf Nauru (Naoero) wurde ab 1892 das Wetter aufgezeichnet, die Station lag im Südosten der Insel (heute Distrikt Meneng). Auf den Karolinen (heute Mikronesien und Palau) erfolgten erste meteorologische Beobachtungen im Bereich der Westkarolinen in Tomilhafen auf Jap (heute Colonia auf Yap) ab 1899 und im Bereich der Ostkarolinen in Kolonia auf Ponape (heute Pohnpei) ab 1900 sowie in Palau auf Malakal im Westteil von Koror 1901. Im selben Jahr starteten in Saipan auf den Marianen (heute Nördliche Marianen) meteorologische Beobachtungen. In Samoa wurde die Messstation Apia 1890 in Betrieb genommen. Der preußische Naturwissenschaftler Otto Tetens (1865−1945) errichtete dort 1902 das Geophysikalische Observatorium Apia auf der Halbinsel Mulinu’u, an welchem seismische Messungen und chronometrische Analysen durchgeführt sowie die meteorologischen Beobachtungen auf Samoa qualitätsüberprüft wurden. Heute befindet sich an dieser Stelle der samoanische Wetterdienst.

Wetterhütte der Überseestation Apia, Quellen: Archiv Deutsche Seewarte über Deutscher Wetterdienst, Otto Tetens 1903 via Christiane Niggemann durch den Sāmoa Meteorological Service

Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie werden ähnliche meteorologische Entwicklungen in ausgewählten Ländern von Amerika und Afrika beleuchtet.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

27. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben. Zeitlich rücken wir kaum vor. Neben weiteren Beiträgen zur allgemeinen Meteorologie richtet sich der Blick auf meteorologische Erkenntnisse aus verschiedenen Expeditionsreisen sowie allgemeinen frühen Wetterbeobachtungen.

Starten wir zunächst mit einem Nachtrag. Der preußische Theologe und Naturforscher Gottlob Burchard Genzmer (1716–1771) wurde 1764 Augenzeuge eines verheerenden Tornados in der Region Woldegk im Südosten von Mecklenburg. Er beschrieb dessen Auswirkungen in seiner 1765 erschienenen Publikation „Umständliche und zuverläßige Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat.“

Titelblatt des Buchs Umständliche und zuverläßige Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat (Tornado von Woldegk), 1765, Quelle: Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, über Wikimedia Commons

Nachfolgend werden die meteorologischen Erkenntnissen aus verschiedenen Expeditionsreisen geschildert.

Der britische Seefahrer, Kartograph und Entdecker James Cook (1728–1779) unternahm Reisen in den Pazifischen Ozean. Er führte Beobachtungen in einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen von der Ethnologie und Anthropologie über die Botanik und Biologie bis hin zur Glaziologie und Meteorologie durch. Cooks Schiffe machten 1773 die ersten dokumentierten Beobachtungen der Aurora australis.

Der französische Offizier und Entdecker Louis-Antoine de Bougainville (1729–1811) leitete von 1766 bis 1769 die erste französische Weltumsegelung mit zwei Schiffen, der Boudeuse und der Étoile. Die Expedition war eine der ersten großen See-Expeditionen, die eine wissenschaftliche Komponente aufwies. Die Logbücher seiner Weltumsegelung enthielten astronomische, meteorologische, hydrographische und navigatorische Aufzeichnungen, beispielsweise während seines Aufenthalts in der Magellanstraße, die Feuerland vom südamerikanischen Festland trennt.

Der britische Mathematiker und Astronom William Wales (um 1734–1798) führte vor und während einer Astronomie-Expedition 1768 bis 1769 bei Churchill an der Küste der Hudson Bay im Winter meteorologische Aufzeichnungen durch. Er war der erste Wissenschaftler im Winter an der Hudson Bay und der Erste, der regelmäßige Wetterbeobachtungen in Kanada leistete.

Der Naturforscher und Ethnologe Georg Forster (1754–1794) aus Polnisch-Preußen war Teilnehmer der zweiten Expedition von Cook von 1772 bis 1775. Die Expedition besuchte Australien, dessen Klima Forster 1786 in seinem Buch „Neuholland und die britische Kolonie in Botany Bay“ beschrieb und mit dem Südafrikas verglich: „Aus den oben genannten Breitengraden lässt sich ersehen, dass dieses Land in günstigen Klimazonen liegt. Seine nördlichen Gebiete, die 12 Grad innerhalb der Tropen liegen und somit den direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt sind, leiden gelegentlich unter übermäßiger Hitze; doch jenseits des südlichen Wendekreises bis zum 43. südlichen Breitengrad ist das Klima gemäßigt und lässt sich beispielsweise mit dem Kap der Guten Hoffnung vergleichen. Selbst der südlichste Punkt von Van-Diemen-Land [Tasmanien], der ganze 9 Grad weiter südlich liegt als das afrikanische Kap, scheint in gleichem Maße begünstigt zu sein, wahrscheinlich weil es dort keine schneebedeckten Berge gibt wie jene, die nördlich des Kaps liegen und die die Atmosphäre abkühlen und dem Wind eine durchdringende Schärfe verleihen.“ Forster wies zudem auf die allgemeinen klimatologischen Grundsätze hin, wonach die westlichen Grenzen der Kontinente in den gemäßigten Breiten stets wärmer sind als die entsprechenden Breitengrade ihrer östlichen Grenzen, und dass die Temperaturen in Meeresnähe milder sind als im Inneren der Kontinente.

Relief Gedenktafel für Georg Forster an seinem Wohnhaus in Mainz, Irmgard Biernath (1905-1998), Quelle: Dierk Schaefer, über Wikimedia Commons

Der französische Mathematiker und Physiker Gaspard Monge (1746–1818) untersuchte während der Teilnahme an einem Feldzug in Unterägypten 1798 die physikalischen Ursachen einer Fata Morgana, einer Luftspiegelung, in der Wüste. Er erklärte, dass diese mit der Schicht überhitzter Luft nahe der Wüstenoberfläche zusammenhingen: Die Grenze zwischen dieser Luft und der kühleren, dichteren Luft direkt darüber bewirkt, dass sich die Lichtstrahlen vom Himmel nach oben und in das Auge des Betrachters krümmen, anstatt sich geradlinig fortzubewegen und auf den Sand zu treffen. Dies erzeugt die Illusion von Wasser in der Ferne (der Betrachter interpretiert das Licht als Wasser auf dem Sand). Monges Abhandlung, in der er dieses Phänomen erklärte, erschien 1800 in den „Mémoires sur l’Égypte“ des Ägyptischen Instituts.

Neben Expeditionen wurden Wetterbeobachtungen wichtiger.

Der erste US-amerikanische Präsident George Washington (1732–1799) aus der Kolonie Virginia hinterließ ein gewaltiges Werk von 36 Tagebuchbänden. Diese enthalten zahlreiche Wetterbeobachtungen und Kommentare zum Wetter – ein Thema, das ihn offenbar faszinierte, wahrscheinlich aufgrund seines ländlichen Hintergrunds aus der Landwirtschaft.

Die Royal Society begann 1774 mit zweimal täglichen Beobachtungen, die von dem britischen Theologen und Bischof Samuel Horsley (1733–1806) zusammengestellt wurden. Ziel der Beobachtungen war die Untersuchung der Einflüsse von Winden und des Mondes auf die Barometerwerte.

Die beiden Gründerväter und Präsidenten der Vereinigten Staaten Thomas Jefferson (1743–1826) und James Madison (1751–1836), beide aus der Kolonie Virginia, interessierten sich für die Meteorologie. Ihr Interesse war auch auf ihren Antrieb zurückzuführen, die vom französischen Naturforscher Buffon veröffentlichte Behauptung zu widerlegen, die amerikanische Natur sei der europäischen aufgrund eines angeblich minderwertigen Klimas in gewisser Weise unterlegen (siehe Teil 9 der Serie Geschichte der Meteorologie). Von 1772 bis 1778 führte Jefferson in seinem Haus in Monticello regelmäßig Wetterbeobachtungen durch. In den Jahren 1777 und 1778 arbeiteten Jefferson und Madison zusammen und führten die ersten bekannten gleichzeitigen Wetterbeobachtungen in Amerika durch. Jefferson interessierte sich auch dafür, wie das Wetter, und insbesondere extreme Wetterereignisse, das Leben der Menschen und die Gesellschaft beeinflussen könnten.

Die nachfolgenden Persönlichkeiten lieferten allgemeine Beiträge zur Meteorologie.

Der kurhannöversch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel oder William Herschel (1738–1822) interessierte sich auch für das Klima. Er stellte Hypothesen über physikalische Prozesse auf, die das Klima beeinflussen könnten, wie beispielsweise eine Abkühlung durch Vulkan- oder Meteoritenstaubschleier in der Atmosphäre oder eine Erwärmung durch erhöhte Sonnenaktivität. Herschel legte seinen Fokus auf die Auswirkungen der Sonne und stellte fest, dass in Jahren, in denen viele Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche auftraten, oft reichhaltige Weizenernten zu verzeichnen waren. Herschel veröffentlichte zwischen 1780 und 1801 einige Artikel über mögliche Auswirkungen der Sonne auf das Klima in den „Philosophical Transactions of the Royal Society“. Der Artikel von 1801 warf die Frage auf, ob ein Zusammenhang zwischen der Sonnenaktivität (dargestellt durch das Auftreten von Sonnenflecken) und dem Getreidepreis festgestellt werden könne. Herschel konnte allerdings darauf keine schlüssige Antwort geben. In der Astronomie ist Herschel als Entdecker des Planeten Uranus bekannt.

Der Naturforscher und Bergsteiger Horace Bénédict de Saussure (1740–1799) aus der Alten Eidgenossenschaft untersuchte eingehend die Geologie, Chemie und Meteorologie der Alpen. Er war der Ansicht, dass Wetterbeobachtungen in großen Höhen in den Bergen für die Meteorologie von großer Bedeutung sein könnten, und führte sorgfältige Messungen von Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in verschiedenen Höhen durch. Er nahm sogar Barometer und Thermometer mit auf einige Berggipfel. Auf dem Gipfel des Mont Blanc stellte er beispielsweise 1787 fest, dass der Luftdruck einen Wert von „16 Zoll und eine Linie“ aufwies. Er maß zudem die Zusammensetzung und Transparenz der Luft in verschiedenen Höhen sowie die Stärke der Sonneneinstrahlung. De Saussure entwickelte viele der Instrumente, die er für seine Beobachtungen verwendete. Er baute ein Cyanometer zur Messung des Blauanteils des Himmels und ein Diaphanometer zur Beurteilung der Klarheit der Atmosphäre. Er tüftelte an Windmessern herum und passte Thermometer an, um andere Temperaturen als die übliche Lufttemperatur zu messen. Beispielsweise steckte er den Thermometerkolben in ein Stück nassen Schwamm und schwang das Thermometer dann schnell hin und her, sodass es sich im Kreis drehte. In der modernen Terminologie ist dieses Instrument als Feuchtkugelthermometer oder Psychrometer bekannt. Es misst die Feuchtkugeltemperatur, die in Kombination mit der Trockenkugeltemperatur (der üblichen Lufttemperaturmessung mit einem Thermometer, dessen Kugel nicht befeuchtet ist) zur Berechnung der relativen Luftfeuchtigkeit und des Taupunkts der Luft verwendet werden kann. De Saussure maß auch Temperaturwerte im Boden bis zu den größten Tiefen, in die er seine Thermometerstäbe treiben konnte. Er zeigte, dass die Sommerhitze sechs Monate brauchte, um eine Tiefe von 30 Fuß (9 m) im Boden zu erreichen. Er maß auch Wassertemperaturen und zeigte, dass das Wasser am Grund tiefer Seen kalt ist und sich seine Temperatur im Laufe der vier Jahreszeiten kaum verändert. Diese Messungen wurden durch eine neuartige Erfindung ermöglicht: Er verwendete Thermometer, die in isolierendes Material eingewickelt waren, sodass sich der im Boden oder See gemessene Wert kaum veränderte, wenn das Instrument an die Oberfläche gehoben wurde. De Saussure befasste sich auch mit Niederschlägen und schätzte deren Auswirkungen auf Bäche, Flüsse, Seen und Gletscher. Aufgrund seiner Arbeiten auf dem Gebiet der Hygrometrie war de Saussure der Erste, der nachwies, dass sich Luft bei steigendem Feuchtigkeitsgehalt ausdehnt und ihre Dichte abnimmt. Er experimentierte nicht nur mit einem Feuchtthermometer, sondern testete auch verschiedene Arten von Hygrometern. Diese Forschungen gipfelten um 1775 in seiner Erfindung des Haarhygrometers. In seinem 1783 veröffentlichten Buch „Essais sur l’Hygrométrie“ erörterte er die allgemeinen Prinzipien der Hygrometrie, stellte die Ergebnisse seiner Experimente mit verschiedenen Hygrometern vor und beschrieb sein Haarhygrometer.

Haarhygrometer nach Horace Bénédict de Saussure, 19. Jahrhundert, Quelle: Wikimedia Commons

Außerdem ging er auf die Prinzipien der Verdunstung ein und stellte einige meteorologische Anwendungen seiner Forschung vor. De Saussure experimentierte zudem mit einem isolierten Kasten, der mit drei Glasschichten abgedeckt war, und stellte fest, dass die durch das Glas einfallende Sonnenenergie den Kasten erwärmte. Damit entwickelte er einen frühen Solarofen. De Saussure beschäftigte sich auch mit der atmosphärischen Elektrizität. Anhand von Messungen, die zwischen 1785 und 1788 durchgeführt wurden, stellte er tageszeitliche Schwankungen der atmosphärischen Elektrizität fest.

Der Wissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) aus Hessen lehrte der an der Universität Göttingen und entwickelte sich zu einem führenden Experten der deutschen Staaten auf vielen wissenschaftlichen Gebieten, darunter Chemie, Geodäsie, Geologie, Physik, Meteorologie und Astronomie. In der Meteorologie beschäftigte er sich mit der Gewitterelektrizität.

Der französische Botaniker, Zoologe und Naturwissenschaftler Jean-Baptiste de Lamarck (1744–1829) war der Ansicht, dass das Klima zwangsläufig das Tierleben beeinflusse und daher einer der wichtigsten Umweltfaktoren im Evolutionsprozess sein müsse. Er vermutete, dass Veränderungen in der Atmosphäre auf atmosphärische Gezeiteneffekte zurückzuführen seien, die von Sonne und Mond verursacht würden. Er glaubte, dass die Gesamttiefe der Atmosphäre im Bereich von 66 bis 80 km lag, und stellte fest, dass Wolken, Winde, Regen, Gewitter, Nebel, Hagel und alle anderen gewöhnlichen Wetterphänomene auf den untersten Teil der Atmosphäre beschränkt waren (eine Schicht, deren Tiefe er auf etwa 10 km schätzte, die „Troposphäre“ in der heutigen Terminologie). Lamarck stellte 1802 in Band 3 im „Annuaire météorologique“ und in einem Aufsatz mit dem Titel „Über Wolkenformen“ das erste System zur Wolkenklassifikation vor. Er schlug zunächst fünf Wolkentypen vor, die „mit allgemein feststellbaren Ursachen zusammenhängen“: dunstige Wolken (en forme de voile); zusammengeballte Wolken (attroupés); fleckige Wolken (pommelés); besenartige Wolken (en balayeurs); gruppierte Wolken (groupés). Im „Annuaire“ von 1805 schlug er eine detailliertere Klassifizierung vor: 12 verschiedene Kategorien und insgesamt 20 verschiedene Wolkentypen. Im „Annuaire“ von 1807 schlug Lamarck die Einrichtung eines französischen zentralen Wetterdienstes vor, der Daten von verschiedenen Observatorien sammeln und diese zur Erstellung von Wettervorhersagen nutzen sollte.

Der Bergkommissarius Gottfried Erich Rosenthal (1745–1813) aus der Freien Reichsstadt Nordhausen (heute Thüringen) war ein Pionier der Meteorologie. 1780 erstieg er den Gipfel des Brocken, um mit einem Barometer Experimente durchführen zu können. Er erkannte die Möglichkeiten der barometrischen Höhenmessung und verbesserte so Landkarten und Nivellierpläne ausgewählter Orte.

Der Dichter, Politiker und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) aus der Freien Reichsstadt Frankfurt interessierte sich auch für Meteorologie. Er richtete 1775 eine erste Wetterstation im Herzogtum Weimar ein. Auf seinen Reisen durch Europa entdeckte Goethe ein einfaches Wasserbarometer, das als Wetterglas bekannt war, und führte es in den deutschsprachigen Ländern ein. Durch seine Förderung wurde das Instrument mit ihm in Verbindung gebracht und in Europa als Goethe-Barometer bekannt. Goethe war auch fasziniert von Wolken. Sein Gedicht „Ehrengedächtnis“ besteht aus den Strophen „Stratus“, „Cumulus“, „Cirrus“ und „Nimbus“, welche Bezeichnungen der heute gültigen Wolkenklassifikation darstellen.

Der Name des französischen Mathematikers und Astronomen Pierre-Simon Laplace (1749–1827) steht für eine bestimmte mathematische Funktion, die heute in der Meteorologie weit verbreitet ist: den „Laplace-Operator“. Laplace leitete aus Messungen verschiedener Ballonaufstiege eine hypsometrische Gleichung ab (eine Gleichung, die den Luftdruck mit der geometrischen Höhe in Beziehung setzt, wobei die Profile der Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit bekannt sind).

Der Lexikograph und Publizist Noah Webster (1758–1843) aus Neuengland kritisierte in seinem Aufsatz „On the Supposed Change in the Temperature of Winter“ (Über die vermeintliche Veränderung der Wintertemperatur) aus dem Jahr 1799 die damals in Amerika und Europa verbreitete Meinung, dass das Klima, insbesondere im Winter, wärmer geworden sei. Er argumentierte, dass „wir keinen Grund haben anzunehmen, dass sich die Neigung der Erdachse zur Ebene ihrer Umlaufbahn jemals verändert hat; es gibt jedoch starke Beweise für das Gegenteil. Wenn diese Neigung immer gleich geblieben ist, folgt daraus, dass die Menge der Sonnenstrahlen, die jährlich auf das jeweilige Land fällt, immer gleich gewesen sein muss. Würden wir diese Daten akzeptieren, müssten wir zu dem Schluss kommen, dass die allgemeine Temperatur jedes Klimas seit der Schöpfung bis zum heutigen Tag gleich geblieben ist, abgesehen von kleinen jährlichen Schwankungen, die auf die Positionen der Planeten im Verhältnis zur Erde oder auf die Wirkungen des Elements Feuer im Erdball und seiner Atmosphäre zurückzuführen sind“. Webster konnte nicht wissen, dass Schwankungen der Umlaufbahnparameter der Erde, die mit Klimaveränderungen zusammenhängen, tatsächlich über verschiedene Zeitskalen hinweg auftreten. Webster war jedoch der Ansicht, dass das Klima zumindest unbeständiger geworden sei und sich insbesondere als Reaktion auf landwirtschaftliche Bewirtschaftung verändern könne.

Der britische Naturforscher und Chemiker John Dalton (1766–1844) entwickelte um 1803 die erste brauchbare Atomtheorie der Materie. Er war schon früh von der Meteorologie fasziniert, führte Wetterbeobachtungen durch und legte sein ganzes Leben lang ein meteorologisches Tagebuch an. Am Ende seines Lebens umfasste dieses rund 200.000 Beobachtungen. Dalton hielt Vorträge vor der Manchester Literary and Philosophical Society zu Themen wie allgemeiner Meteorologie (z. B. Niederschlag, Tau, Verdunstung, Wolkenbildung, Verteilung und Beschaffenheit der Luftfeuchtigkeit, das Konzept des Taupunkts), der Aurora borealis und meteorologischen Instrumenten (Barometer, Thermometer und Hygrometer). In einem dieser Vorträge skizzierte Dalton 1799 den zunehmend verbreiteten Einsatz von Regenmessern in England und präsentierte Niederschlagsdaten für verschiedene Orte, wobei er darauf achtete, die Grafschaften in Binnen- und Küstengebiete zu unterteilen. Er kam zu dem Schluss, dass die Binnenlandgrafschaften weniger Regen haben als diejenigen in Meeresnähe, insbesondere im Westen Englands. Er schätzte zudem die jährliche Wassermenge, die aus den Flüssen Englands und Wales ins Meer fließt, sowie die Menge an Tau, die sich auf dem Boden absetzt. Daltons Interesse an der Meteorologie förderte seine Arbeit an Gasen. Im Jahr 1801 formulierte er sein Gesetz der Partialdrücke, das als „Dalton-Gesetz“ bekannt wurde: Der Gesamtdruck, den ein Gasgemisch ausübt, ist gleich der Summe der Drücke, die die einzelnen Gase ausüben würden, wenn sie dasselbe Volumen einnehmen würden. Er veröffentlichte dieses Ergebnis in einer Abhandlung 1802. In diesem Artikel stellte er auch einen Zusammenhang zwischen Dampfdruck und Temperatur her. Schon in seiner Jugend war Dalton von der Aurora borealis fasziniert, die er als Junge erstmals in den Regionen Kendal und Keswick in England beobachtete. In einem Buch mit dem Titel „Meteorological Observations and Essays“ fasste er seine Beobachtungen der Aurora aus den Jahren 1786 bis 1793 zusammen, einschließlich Details zu deren Erscheinungsbild, Helligkeit und Bewegung. Er kam zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen der Aurora und dem Erdmagnetfeld geben müsse.

Titelblatt eines Exemplars von John Daltons „Meteorological Observations and Essays“ aus dem Jahr 1793, Quelle: Archiv des American Institute of Physics, College Park, Maryland, Vereinigte Staaten, über Wikimedia Commons.

Das nächste Thema des Tages wird sich mit meteorologischen Entwicklungen um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen. Freuen Sie sich auf weitere meteorologische Erkenntnisse spannender Entdeckungsreisen, die Grundlage der Klassifikation von Wolken und Wind sowie Fortschritte in der Feuchtigkeitsmessung.

Dipl.- Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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