Kaltfront in Lauerstellung
Hoch FLORIAN zieht nach Osten ab und nimmt das ruhige Herbstwetter mit. Von Freitag, 16. Oktober 2026, an beginnt im Nordwesten eine markante Wetterumstellung: Eine Kaltfront greift auf Mitteleuropa über.
Bis Samstagmorgen dürfte die Front die Mitte Deutschlands erreichen. Während in der Westhälfte Regen erwartet wird, bleibt es im Osten zunächst noch trocken. Für den weiteren Verlauf am Wochenende zeigen die Vorhersagemodelle jedoch unterschiedliche Lösungen.
Orkantief nordöstlich von Island
Auf dem Satellitenbild vom Donnerstag, 15. Oktober 2026, ist ein breites Wolkenband zu erkennen. Es erstreckt sich von den Azoren über Irland, Großbritannien und Norwegen bis ins Nordmeer und gehört zu einem Orkantief nordöstlich von Island. Mit einem Kerndruck von weniger als 960 hPa ist das Tief sehr kräftig ausgeprägt.
Westlich der Front strömt über weite Teile des Nordatlantiks labil geschichtete Kaltluft ein. Sichtbar wird sie an zahlreichen Cumuluswolken, deren Anordnung an einen Streuselkuchen erinnert.

Eine Inversion begrenzt das Wolkenwachstum
Eine weitere auffällige Wolkenstruktur liegt zwischen Litauen und Rumänien sowie zwischen Zentralpolen und der zentralen Ukraine. Hohe, aus Eis bestehende Cirruswolken umschließen dort einen ovalen Bereich mit flachen Wolken. Ursache ist ein südwärts ziehendes Höhentief.
In dessen Bereich hat sich eine Inversion ausgebildet. Bei etwa 750 hPa – ungefähr 2,5 Kilometer über dem Boden – steigt die Temperatur mit zunehmender Höhe vorübergehend an. Diese stabile Schicht begrenzt das weitere Wolkenwachstum. Das ICON-EU-Modellsounding für Nordostpolen zeigt den entsprechenden Höhenbereich blau markiert.

Die Kaltfront erreicht Mitteleuropa
An dem langgestreckten Frontenzug soll sich ein kleinräumiges Tief namens IRIMA bilden. Für Freitagmittag, 16. Oktober 2026, erwarten die Modelle IRIMA an der Nordspitze Dänemarks. Von dort soll das Tief nach Nordosten weiterziehen. Der südlich anschließende Teil des Frontenzuges kann dadurch als Kaltfront auf Mitteleuropa übergreifen.

IFS und ICON zeigen unterschiedliche Regenverteilungen
Bis Samstagmorgen erwarten die Modelle die Front über der Mitte Deutschlands. In der Westhälfte soll Regen fallen, während die Osthälfte zunächst trocken bleibt. Danach driften die Niederschlagsprognosen auseinander.
Das IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage deutet die Entwicklung eines weiteren kleinräumigen Tiefs an der Front über Mitteldeutschland an. Das DWD-Modell ICON lässt die Front dagegen zunächst vergleichsweise glatt nach Südosten ziehen, ohne die Niederschläge über der Mitte oder dem Osten deutlich zu verstärken.
Auch für Sonntag unterscheiden sich die Strömungsmuster in etwa 1,5 Kilometern Höhe. Für die 24 Stunden von Sonntag- bis Montagmorgen berechnet IFS im Westen höchstens rund 5 l/m² Regen, während ICON örtlich mehr als 30 l/m² simuliert. Die Grafik zeigt die 72-stündigen Niederschlagssummen beider Modelle bis Montag, 19. Oktober 2026, 06 UTC. Welches Szenario der späteren Realität am nächsten kommt, war zum Zeitpunkt der DWD-Veröffentlichung noch offen.

Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 15.10.2026
Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 15. Oktober 2026. DWD-Text und DWD-Grafiken unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft, mit Zwischenüberschriften versehen und relative Zeitangaben durch konkrete Daten präzisiert. Die vier DWD-Grafiken wurden lokal gespeichert und inhaltlich nicht verändert.



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