Es grünt so grün
Gelb, Orange, Rot, Braun und noch erstaunlich viel Grün: Die Bäume zeigen sich Mitte Oktober farbenfroh, während viele Blätter weiterhin an den Zweigen hängen. Doch warum verfärbt sich das Laub im Herbst – und wann setzt der Blattfall ein?
Der Blick auf die phänologische Entwicklung 2026 zeigt eine leichte Verzögerung. Die Bäume reagieren dabei nicht allein auf kürzere Tage, sondern ebenso auf die Witterung und insbesondere auf kühle Nächte.

Warum sich die Blätter verfärben
Die Blattverfärbung wird im Herbst ausgelöst, wenn die Sonne immer niedriger steht, die Tageslänge kürzer wird und vor allem die nächtlichen Temperaturen in den einstelligen Bereich sinken. Dafür sollte es mehrere sehr kühle Nächte hintereinander geben.
Dann wird der in den grünen Blättern vorherrschende Farbstoff Chlorophyll schneller abgebaut. Der Baum zerlegt ihn in seine Bausteine und transportiert diese in die dicken Äste und den Stamm zurück. Dort werden sie bis zum nächsten Frühjahr eingelagert und anschließend wiederverwendet.
Die Herbstfärbung hängt somit nicht nur von der abnehmenden Tageslänge ab, sondern auch von der aktuellen Witterung.
Die Blattverfärbung ist 2026 leicht verspätet
Für den Herbst 2026 ist eine kleine Verzögerung der Blattverfärbung zu erwarten. Die aktuelle phänologische Uhr des DWD zeigt: Die Leitphase des Spätherbstes, die Blattverfärbung der Stieleiche, ist üblicherweise um den 19. Oktober abgeschlossen. Grundlage ist das Mittel der Jahre 2011 bis 2025; für den Abschluss der Leitphase sind 80 Prozent Meldestand erforderlich.
Am 16. Oktober 2026 war diese Leitphase bei einem Meldestand von 68 Prozent noch nicht vollendet. Bereits der Vollherbst hatte sich um vier Tage verzögert: Statt des üblichen 17. September wurde der entsprechende Stand 2026 erst am 21. September erreicht. Da es bis dahin noch nicht viele kalte Nächte gab, dürfte sich diese Verzögerung ungefähr gehalten haben.
Wann beginnt der Blattfall?
Als Nächstes steht der Blattfall an, der Mitte Oktober 2026 erst sehr eingeschränkt eingesetzt hatte. In der Phänologie kennzeichnet der Blattfall der Stieleiche den beginnenden Winter. Im langjährigen Mittel ist diese Leitphase am 7. November abgeschlossen – ungefähr drei Wochen nach der Blattverfärbung.
Wegen der aktuellen Verzögerung und der bis in die Mittelfrist, also für die Vorhersagetage drei bis zehn, nicht allzu kalten Aussichten erwartet der DWD, dass sich die Verzögerung auch beim Blattfall bemerkbar machen wird.
Die alte Bauernregel „Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein“ lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Wie der kommende Winter wird, können die Bäume nicht vorhersagen.
Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 16.10.2026
Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 16. Oktober 2026. DWD-Text und DWD-Abbildung unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft, mit Zwischenüberschriften versehen und grammatikalisch korrigiert. Die verwendete DWD-Abbildung wurde lokal gespeichert und inhaltlich nicht verändert.



Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!