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Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

8. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung bis um das Jahr 1800 beschrieben. In diesem Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen europäischen Raum beleuchtet. Abweichend von den bisherigen Folgen erfolgt die Gliederung hier nach Nationen. Entwicklungen im östlichen und südlichen europäischen Raum sowie außerhalb Europas und in Richtung internationaler Institutionen werden in weiteren separaten Teilen der Serie behandelt.

Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein internationales meteorologisches Messnetz an Wetterstationen eingerichtet werden sollte. Erste Versuche hierzu waren die Bemühungen der „Academia del Cimento“ in Florenz 1654, durchschlagende Ergebnisse brachte die Societas Meteologica Palatina ab 1780 zustande. Diese Gesellschaft organisierte als erste die Durchführung und Veröffentlichung weltweiter Wetterbeobachtungen.

Im Zuge sozialer Umwälzungen in Frankreich durch die und im Nachgang der Französischen Revolution 1789 gleichzeitig auftretenden Missernten legte die neue Regierung den Fokus auf die Landwirtschaft und die diese beeinflussende Meteorologie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren zahlreiche meteorologische Stationen in den Rahmen wissenschaftlicher Gesellschaften oder universitärer Schulen eingebunden, die unabhängig voneinander arbeiteten. 1854 wurde ein Messnetz zur Niederschlagsmessung eingeführt, mit dem Hochwasser an Flüssen, besonders an der Seine, prognostiziert werden sollte. 1854 zeigte der französische Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier (1811−1877), dass ein Sturm über dem Schwarzen Meer über Europa verfolgt werden konnte, dieser hätte bei Nutzung von Telegraphen vorhergesagt werden können. Dies führte zur Gründung eines meteorologischer Dienstes am zentralen Observatorium Paris 1855. Le Verrier wurde zu dessen Direktor bestellt. Nur drei Tage nach der Gründung des meteorologischen Dienstes präsentierte er die erste Wetterkarte Frankreichs. Die Koordination der meteorologischen Messungen war für ihn mit Schwierigkeiten verbunden. 1857 wurden erstmals meteorologische Beobachtungen in tabellarischer Form veröffentlicht. 1863 wurde erstmals in einer Karte eine barometrische Analyse des Vortags publiziert. Diese Karten wurden nachfolgend an Häfen verteilt.

Isobarenkarte Westeuropa vom 7. September 1863, 7 bis 8 Uhr morgens, Quelle: Météo-France via Encyclopedia of the Environment über European Meteorological Society (EMS)

Von 1864 bis 1877 wurden 58 Wetterbeobachtungsstationen in reguläre Schulen eingebunden. Um Hagelschäden einzugrenzen, wurde 1865 mit dem Studium von Gewitterwolken begonnen. Beobachter waren angehalten, aufgetretene Schäden mit den beobachteten Gewitterwolken in Zusammenhang zu bringen. Dies führte zur Analyse einer Schadenslinie, jenem Weg, welchen ein Gewitter zurücklegte. 1870 wurde das gemessene Regenwasser untersucht, um Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre zu gewinnen. 1878 wurde das Zentrale Meteorologische Büro in Frankreich gegründet. Dieses sollte die Wetterbeobachtungsstationen neu organisieren, Warnhinweise für Häfen und Landwirte ausgeben und Studien zu Bewegungen in der Atmosphäre durchführen. Erster Direktor wurde der französische Physiker und Meteorologe Éleuthère Mascart (1837−1908). Er führte einen Warndienst sowie eine klimatologische Abteilung ein und vergrößerte das Messnetz auf 160 Stationen, darunter Regional- und Bergstationen. 1898 wurde der erste französische Wetterballon gestartet. 1921 wurde das Zentrale Meteorologische Büro in ein Nationales Meteorologisches Amt aufgewertet. 1922 wurden täglich meteorologische Berichte ausgegeben.

Im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland wurden im 19. Jahrhundert zunächst nur unkoordinierte individuelle Wetterbeobachtungen durchgeführt. 1840 untersuchte die Statistik-Abteilung einen Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren, hier besonders die Anzahl von Todesfällen und meteorologischen Phänomenen. Dies veranlasste den britischen Meteorologen und Aeronauten James Glaisher (1809−1903) von der Abteilung für Erdmagnetismus und Meteorologie des Observatoriums Greenwich, die Beobachtungen der Wetterstationen zu koordinieren. So entstand 1845 ein Messnetz aus neun Stationen, 1875 war das Messnetz auf 50 Stationen angewachsen. 1848 wurden erstmals in der Londoner Zeitung „Daily News“ Wetterbeobachtungen in verschiedenen britischen Städten veröffentlicht. 1850 wurde die British Meteorological Society ins Leben gerufen. Der erste offizielle meteorologische Dienst wurde 1854 als „Meteorologische Abteilung im Handelsministerium“ in Westminster gegründet. Hauptaufgabe war das Sammeln, die Verifikation und die Analyse meteorologischer Beobachtungsdaten von Schiffen und von Küstenstationen. 1861 wurden Wettervorhersagen an Zeitungen veröffentlicht. Im selben Jahr begann der erste Direktor der meteorologischen Abteilung, der britische Marineoffizier und Meteorologe Robert FitzRoy (1805−1865), Sturmereignisse zu untersuchen. Dabei fertigte er Karten an, die er zunächst als „synoptische Karten“ bezeichnete. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „synoptikos“ ab, was so viel wie „einen Überblick gebend“ bedeutet. Auf diesen Karten waren Sturmzentren und umströmende Luftbewegungen verzeichnet.

Robert FitzRoy, um 1860, Royal Horticultural Society, Maull & Co., London, über Wikimedia Commons

Nach seinem Tod endeten die Wettervorhersagen und ein Ständiger Ausschuss führte den Dienst weiter. 1867 wurde ein Wetterdienst gegründet, welcher vom Handelsministerium getrennt war. Dieser Dienst umfasste Abteilungen für Seewetterkunde, meteorologische Telegraphenberichte und Agrarmeteorologie. Erster Direktor wurde der irische Meteorologe Robert Henry Scott (1833−1916). Zwischen 1867 und 1874 wurden Marine- und Handelsschiffe mit Barometern, Hygrometern und Thermometern ausgestattet. Damit konnten meteorologische Beobachtungen aus allen Weltmeeren von Grönland bis Australien gewonnen werden, was zur Optimierung von Routen in der Seeschifffahrt führte. Beobachtungen an Land wurden ab 1868 an mehreren Hauptobservatorien durchgeführt, unter anderem Kew (London), Falmouth (Cornwall), Stonyhurst (Nordengland), Aberdeen, Glasgow (beide Schottland) und Armagh (Nordirland). Die meteorologische Gesellschaft (heute Royal Meteorological Society) koordinierte die Sammlung der meteorologischen Daten. Diese waren maßgeblich für die spätere Theorie der Bildung der Kaltfront der Bergener Schule in Norwegen. Ein Hauptaugenmerk des meteorologischen Dienstes war die Sturmvorhersage für die Seeschifffahrt. Eine erste Sturmwarnung wurde 1868 veröffentlicht. Diese Prognosen existieren bis heute und sind unter dem Namen Shipping Forecast (Seewetterdienst) bekannt. Wetterprognosen wurden wieder ab 1879 erstellt. Erwähnenswert ist, dass Niederschlagsmessungen unabhängig davon durch die 1859 gegründete „British Rainfall Organization“ durchgeführt wurden. Deren Messnetz wuchs zwischen 1862 und 1903 von 453 auf 4200 Stationen. 1911 wurden erstmals im Seewetterdienst Vorhersagegebiete als Seegebiete definiert. 1919 wurde die Niederschlagsmessung in den britischen Wetterdienst integriert.

In Belgien waren die wichtigsten meteorologischen Aktivitäten am Königlichen Astronomischen Observatorium in Brüssel konzentriert. Dessen Direktor, der belgische Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet (1796−1874) stellte 1823 fest, dass es unmöglich sei, astronomische Beobachtungen ohne Kenntnisse der Struktur von Erde und Atmosphäre zu analysieren. 1833 starteten dort meteorologische Messungen und 1839 folgten phänologische Beobachtungen. Quetelet versuchte, statistische Erkenntnisse auf den Gebieten der Meteorologie und des Erdmagnetismus anzuwenden. Er veröffentlichte zwischen 1845 und 1857 eine ausführliche Monographie zum Klima von Belgien. Sein Nachfolger, der belgische Astronom, Geograph und Biologe Jean-Charles Houzeau (1820−1888) gründete 1878 ein Messnetz aus meteorologischen und klimatologischen Stationen, welches regelmäßige Beobachtungsdaten hoher Qualität lieferte. 1898 begann der meteorologische Dienst des Brüsseler Observatoriums als eigene Institution zu arbeiten. Erster Direktor war der belgische Astronom und Meteorologe Albert Lancaster (1849-1908).

Unter Leitung des niederländischen Wissenschaftlers Christoph Buys Ballot (1817−1890) starteten nach dem Bau eines kleinen meteorologischen Observatoriums auf der Bastion Sonnenborgh in Utrecht 1847 meteorologische Messungen im Staatsgebiet der Niederlande. Dieses Observatorium wurde 1854 zum Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI), dessen Direktor Ballot bis zu seinem Lebensende blieb. 1854 startete ein kleines Messnetz mit vier Stationen in Utrecht, Groningen, Gelder und Vlissingen mit je drei täglichen Wetterbeobachtungen, das schnell ausgebaut wurde. Durch diese Beobachtungen erkannte man den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Windrichtung, wodurch Ballot 1857 das Barische Windgesetz (Gesetz von Buys-Ballot) formulieren konnte. Durch verschiedene Kolonien besonders in Südostasien bestand reges Interesse, meteorologische Beobachtungen auf Schiffen durchzuführen. Ab 1856 wurden maritim-meteorologische Karten publiziert. Ballot ergänzte sein Messnetz um internationale Stationen und unterstützte die Einrichtung von Forschungsstationen rund um die Polarregionen im Rahmen eines Polarjahres. Ballot gilt als Begründer der Meteorologie in den Niederlanden und Initiator der internationalen Klimaforschung. Unter der Leitung des niederländischen Meteorologen Maurits Snellen (1840−1907) wurde 1897 das KNMI an seinen heutigen Standort in De Bilt verlegt.

Die Bildung eines meteorologischen Netzwerkes in den deutschen Staaten wurde durch die politische Zersplitterung im 19. Jahrhundert stark erschwert und unterblieb daher.

Der preußische Meteorologe, Geograph und Statistiker Wilhelm Mahlmann (1812−1848) organisierte 1846 ein vorläufiges, 35 Stationen umfassendes meteorologisches Beobachtungsnetz in Preußen. 1847 wurde das Königlich Preußische Meteorologische Institut (PMI) als Abteilung des Preußischen Statistischen Instituts gegründet, welches als meteorologische Zentralstelle des Beobachtungsmessnetzes diente. Die wesentlichen wissenschaftlichen Aktivitäten wurden von dem preußischen Geographen Alexander von Humboldt (1769−1859) koordiniert. Der Schwerpunkt der Forschung lag auf der Agrarmeteorologie. 1849 wurde der Physiker und Meteorologe Heinrich Wilhelm Dove (1803−1879) aus Schlesien Institutsdirektor. Dove stellte das nach ihm benannte Gesetz der Drehung der Winde auf und gilt als Begründer der heutigen Wissenschaft der Meteorologie und der Wettervorhersage. Er veröffentlichte 1828 Wetterkarten, die Windbewegungen an stürmischen Tagen zwischen 1821 und 1823 zeigen. 1865 wurde in Berlin eine „Zentralstelle für Sturmwarnungen“ eingerichtet. Eine intensivere Mitwirkung des Preußischen Meteorologischen Instituts an der internationalen Entwicklung kam erst wieder unter dem Meteorologen und Klimatologen Gustav Hellmann (1854−1939) aus Schlesien, der von 1882 bis 1885 als Interimsleiter eingesetzt war, sowie dem bayerischen Physiker und Meteorologen Wilhelm von Bezold (1837−1907), der von 1885 bis 1907 im Deutschen Reich ordentlicher Leiter des Instituts war, zustande. 1891 wurde das Observatorium in Potsdam fertiggestellt. Erdmagnetmessungen starteten 1890, meteorologische Messungen folgten ab 1893. Erster Direktor wurde der preußische Meteorologe Adolf Sprung (1848−1909).

Gebäude der Deutschen Seewarte in Hamburg-St. Pauli, auf dem Stintfang, 1881, Quelle: Georg Koppmann (1842-1909), über Wikimedia Commons

1867 wurde in Hamburg durch den Mathematiker und Ozeanographen Wilhelm von Freeden (1822−1894) aus Ostfriesland die Norddeutsche Seewarte gegründet. Sie und ihr Nachfolger, die 1875 gegründete Deutsche Seewarte, war eine Zentralanstalt zur Förderung der maritimen Meteorologie im Deutschen Reich. Erster Direktor wurde der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909). Der Deutschen Seewarte oblag der 1875 neu geschaffene Seewetterdienst, den der russisch-deutsche Geograph und Meteorologe Wladimir Köppen (1846−1940) leitete. Die Deutsche Seewarte koordinierte die Forschung der maritimen Meteorologie sowie die Sammlung von Beobachtungen über physikalische Verhältnisse des Meeres und die meteorologischen Erscheinungen auf hoher See, die in Schiffsjournalen (Logbücher) durch die Schiffskapitäne erfasst wurden. Die Prüfung meteorologischer Messinstrumente sowie Chronometer und ab 1906 die Bearbeitung der Küstenmeteorologie und des Sturmwarnungswesens waren ebenfalls wesentliche Arbeitsinhalte der Deutschen Seewarte. Dazu wurden Zweigniederlassungen, Nebenstellen und Überseestationen aufgebaut. Ab 1876 wurden tägliche Wetterkarten veröffentlicht. Die Deutsche Seewarte gilt als Vorgänger des Deutschen Wetterdienstes.

Erste tägliche Wetterkarte der Deutschen Seewarte vom 16. Februar 1876, Quelle: Wladimir Köppen (1846-1940), Foto der Deutschen Seewarte, Universität Hamburg

In Bayern hatte der bayerische Naturforscher Gabriel Knogler (1759−1838) ab 1798 die Leitung des meteorologischen Observatoriums und die erste Professur für Meteorologie an der Kurfürstlichen Baier’schen Landesuniversität zu Landshut inne. Er gab 1802 das erste deutsche meteorologische Lehrbuch „Die Meteorologie“ heraus. 1879 wurde die Königlich Bayerische Meteorologische Centralstation in München gegründet. Im selben Jahr begannen meteorologische Messungen. 1882 gab es in Bayern 45 Wetterstationen. 1883 richtete der bayerische Meteorologe Fritz Erk (1857−1909) eine meteorologische Bergstation auf dem Wendelstein ein. 1893 wurde er Direktor der Centralstation. 1900 richtete er auch die Wetterwarte auf der Zugspitze ein. 1910 übernahm der deutsche Physiker, Meteorologe und Klimatologe August Schmauß (1877−1954) die Leitung der Centralstation von Erk. 1917 wurde die Centralstation in Bayerische Landeswetterwarte umbenannt.

Auch in anderen damaligen deutschen Ländern wurden Wetterstationen eingerichtet. 1882 gab es beispielsweise in Württemberg 24 und in Baden 16 meteorologische Stationen.

Für die Einrichtung eines Wetterdienstes in Norwegen spielte der große Bedarf an Wetterberichten für die riesigen Fischereiflotten und Handelsschiffe eine entscheidende Rolle. Der Leiter des Telegraphendienstes, der norwegische Regierungsbeamte Carsten Tank Nielsen (1818−1892), stattete 1860 fünf seiner Stationen mit meteorologischen Instrumenten aus. Von diesen Stationen aus wurden Berichte per Telegraph nach Christiania (dem heutigen Oslo) und an das Pariser Observatorium gesendet, das zu dieser Zeit begann, regelmäßige Wettervorhersagen zu erstellen. Der Wetterbeobachter an der Sternwarte in Christiania war 1864 der norwegische Meteorologe und Ozeanograph Henrik Mohn (1835−1916). Er sandte der Polytechnischen Gesellschaft einen Bericht mit dem Titel „Moderne Meteorologie und Wettervorhersage“. Daraufhin begannen Vorbereitungen zur Gründung eines Departments für Meteorologie an der Universität Christiania. Das Meteorologische Institut wurde 1866 gegründet und Mohn wurde zum ersten Direktor bestellt. Er erhöhte rasch die Anzahl der Wetterstationen. Die dort gesammelten Daten erlaubten klimatologische Studien, die Mohn als „Klimaatlas für Norwegen“ 1916 publizierte. Mohn gilt als Begründer der Meteorologie und Ozeanographie in Norwegen. 1870 wurde der „Sturmatlas des Norwegischen Meteorologischen Institutes“ veröffentlicht. Das meteorologische Observatorium in Christiania wurde 1906 eröffnet. Neben anderen Messungen wurden dort auch Messungen der atmosphärischen Elektrizität durchgeführt. Um den Zustand der Atmosphäre in verschiedenen Höhen zu untersuchen, wurden 1909 in Christiania Messungen mit Versuchsballons aufgenommen.

Erste meteorologische Messungen in Schweden wurden 1722 am Observatorium in Uppsala durchgeführt. Diese Daten wurden erst 1855 veröffentlicht. Das erste meteorologische Netzwerk wurde auf Initiative des schwedischen Physikers und Meteorologen Erik Edlund (1819−1888) innerhalb der Schwedischen Akademie der Wissenschaften 1856 bis 1858 eingerichtet. Die Akademie gründete 1873 das Zentrale Meteorologische Institut (Meteorologiska Centralanstalt) in Stockholm. Erster Direktor wurde Edlund. Das Messnetz bestand 1879 aus 32 Wetterstationen. Die Schwedische Gesellschaft für Landwirtschaft gründete 1876 ein Niederschlagsmessnetz mit über 200 Stationen. Der Direktor des Observatoriums in Uppsala, der schwedische Meteorologe Hugo Hildebrand Hildebrandsson (1838−1925), hat hierzu einen besonderen Beitrag geleistet. Zu den Messungen und Beobachtungen gehörten: Gewitterwolken, Hagelschäden, nächtliche Herbst- und Frühlingsfröste sowie das Auftauen und Zufrieren vieler Flüsse und Seen in Schweden. Insbesondere wurden erstmals Mikroklimamessungen der Lufttemperatur in verschiedenen Höhen über dem Boden durchgeführt. Die Bewegungen von Cirrus-Wolken wurden beobachtet. Hildebrandsson organisierte solche Wolkenbewegungen an 21 Stationen, um die Luftströmungen in der Höhe zu untersuchen. Hildebrandsson war maßgeblich an der Klassifizierung Wolken beteiligt und gilt als Entdecker der Southern Oscillation, da ihm erstmals Zusammenhänge der Luftdruckschwankungen zwischen Sydney und Buenos Aires aufgefallen waren. 1878 wurde in Stockholm eine kleine Abteilung für nautische Meteorologie (Nautisk Meteorologiska Buran) gegründet. Die Messungen wurden auf einer kleinen Anzahl von Schiffen während der Fahrt über den Atlantik durchgeführt. 1880 wurden die ersten Wettervorhersagen veröffentlicht. 1908 wurde ein hydrographischer Dienst gegründet, der insbesondere im Bereich der Niederschläge und der Schneebedeckung eng mit dem Zentralen Meteorologischen Institut kooperierte.

Der spanische Mediziner Francisco Fernández Navarrete (1680−1742) schlug 1737 vor, ein meteorologisches Beobachtungsnetz in Spanien zu errichten. Beobachtungsberichte sollten an die Königliche Akademie für Medizin in Madrid gesendet werden. Es gingen nur wenige Berichte ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahmen astronomische und meteorologische Aspekte beim Militär und in der Marine Spaniens einen höheren Stellenwert ein. Der Seefahrer Alessandro Malaspina di Mulazzo (1754−1809) aus der Toskana und der Generalkapitän der dortigen Marine, der spanische Marineoffizier Pedro Fitz-James Stuart (1720−1791), legten 1790 einen Vorschlag zur Einrichtung eines Netzwerks von Wetterbeobachtungsstationen vor. In diesem wurden nur Wetterbeobachtungen von 1814 bis 1834 zusammengetragen und keine Messungen, was den wissenschaftlichen Wert schmälerte. 1847 wurde das Astronomische Observatorium Madrid fertiggestellt, welches als meteorologisches Zentrum für Spanien galt. 1850 wurde ein Messnetz mit 23 Wetterstationen eingerichtet, deren Organisationsgrad ab 1858 durch die Junta de Estadística, die Statistische Kommission, verbessert wurden. 1874 begannen systematische Wetterbeobachtungen und Messungen auf Schiffen.

In Portugal wurden zwischen November 1724 und Januar 1725 erstmals täglich mit Instrumenten gemessene Wetterdaten in Lissabon durch den portugiesischen Mediziner Diogo Nunes Ribeiro (1668−1744) aufgezeichnet. Am 19. November 1724 traf ein schwerer Sturm Lissabon, was in den Aufzeichnungen mit einem Druckfall des Barometers von 37 hPa in 26 Stunden ablesbar war. Aus Funchal auf Madeira liegen Aufzeichnungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag zwischen 1749 und 1753 vor, die der englische Mediziner Thomas Heberden (1703−1769) durchführte. 1853 wurde das erste Meteorologische und Geophysikalische Observatorium an der Polytechnischen Schule auf Vorschlag des portugiesischen Mathematikers Guilherme Pegado (1803−1885) gegründet, der dann zum ersten Direktor bestellt wurde. Er schlug die Etablierung eines Messnetzes vor und 1854 starteten systematische Messungen. 1856 wurde das Observatorium in den heute noch bekannten Namen Observatorium des Institutes Dom Luís umbenannt. Neben meteorologischen Beobachtungsreihen war Pegado auch an Messungen des Erdmagnetismus und atmosphärischer Elektrizität interessiert. 1865 wurden Wetterstationen auf den Azoren und auf Madeira eröffnet. Ab 1865 wurden Wettervorhersagen für Portugal erstellt, ab 1882 wurden Analysekarten veröffentlicht, die die Wettersituation darstellten. Verbindungen zu meteorologischen Beobachtungen durch Stationen in Kolonien wie Macau und Angola waren mit Schwierigkeiten verbunden. Schwerpunkte meteorologischer Forschung verlagerten sich zum Atlantik. 1901 begann ein unabhängiger meteorologischer Dienst auf den Azoren. Nach Eingliederung der Polytechnischen Schule in die Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Lissabon war das nun bezeichnete Zentrale Meteorologische Observatorium für den nationalen Klimadient verantwortlich. 1937 wurde der portugiesische Physiker Herculano Amorim Ferreira (1895−1974) von den Azoren zum Direktor des Observatoriums bestellt. Er erweiterte die meteorologischen Aufgaben des Observatoriums. 1946 wurde der nationale meteorologische Wetterdienst gegründet, dessen erster Direktor Ferreira wurde.

Über frühe meteorologische Messungen in Dänemark liegen nur wenige Erkenntnisse vor. 1742 wurde die Königliche Dänische Akademie der Wissenschaften gegründet, die kurz darauf erste meteorologische Messungen am Rundetårn-Observatorium in Kopenhagen veranlasste. Erste systematische meteorologische Beobachtungen liegen für Kopenhagen ab 1768 vor. Der dänische Physiker und Chemiker und Naturphilosoph Hans Christian Ørsted (1777−1851) schlug 1820 vor, dass systematische Beobachtungen meteorologischer Bedingungen in Dänemark durchgeführt werden sollten. Doch erst nach einem berühmten Ereignis während des Krimkriegs 1854, als ein Sturm die englisch-französische Flotte überraschte (siehe auch im Abschnitt zu Frankreich oben), kam Bewegung in die Sache. Auf Initiative des dänischen Physikers und Ingenieurs Ludwig August Colding (1815−1888) wurde 1872 das Dänische Meteorologische Institut gegründet. Colding forschte besonders zur Wärmelehre, er veröffentlichte auch ein Werk über tropische Zyklonen. Das Institut hatte unter seinem ersten Leiter, dem dänischen Meteorologen Niels Hoffmeyer (1836−1884), anfangs vier Mitarbeiter und sollte Beobachtungsdaten beschaffen, diese an die Öffentlichkeit verbreiten und die Meteorologie wissenschaftlich weiterentwickeln. Hoffmeyer erwarb sich wesentliche Verdienste durch die Zusammenstellung synoptischer Wetterkarten und durch die Untersuchung der Einwirkung und Verteilung von Land und Wasser auf Temperatur und Luftdruck an skandinavischen Küsten. 1873 wurden erstmals meteorologische Messungen auf Bornholm und 1874 auf Jütland durchgeführt. Auf den Färöer-Inseln wurde eine Wetterstation in Tórshavn 1873 in Betrieb genommen. Seit dieser Zeit liegen Temperaturdaten vor, Niederschlagsdaten folgen ab 1890. Auf Grönland wurde die erste Wetterstation in Godthåb (Nuuk) 1784 errichtet. 1807 folgten weitere in Jakobshavn (Ilulissat) in West- und Julianehåb (Qaqortoq) in Südgrönland. Die erste Wetterstation in Nordwestgrönland startete 1873 in Upernarvik mit Messungen. Aus Ostgrönland liegen seit 1895 durch die Wetterstation Ammassalik (Tasiilaq) Messdaten vor. Nordgrönland folgte erst 1948 mit einer Wetterstation in Pituffik.

Island gehörte lange Zeit zu Dänemark. Im 17. und 18. Jahrhundert war es nur wenigen Isländern vergönnt, eine naturwissenschaftliche akademische Ausbildung in Kopenhagen zu erlangen. Die Royal Society in London schickte 1664 ein Thermometer nach Island. Nur in einem Brief aus dieser Zeit wurde es erwähnt und somit ist unklar, inwieweit es eingesetzt wurde. Ungünstige Wetterbedingungen und Meereisverhältnisse führten wiederholt zu Hungerkatastrophen auf Island. Die ersten Wetterbeobachtungen führte der dänische Jurist Niels Horrebow (1712−1760) während eines Islandaufenthaltes von August 1749 bis zum Juli 1751 in Bessastaðir durch. Horrebow veröffentlichte das Werk „Tilforladelige efterretninger om Island“ (Die Naturgeschichte von Island). 1779 errichtete die Königlich Dänische Akademie der Wissenschaften ein erstes meteorologisches und astronomisches Observatorium in Lambhús nahe Reykjavík. Daneben gab es meteorologische Messungen durch Privatpersonen, beispielsweise durch den isländischen Schriftsteller und Distriktverwalter Magnús Ketilsson (1732−1803) zwischen 1779 und 1802 in Búðardalur sowie den isländischen Mediziner und Naturforscher Sveinn Pálsson (1762−1840) zwischen 1798 und 1812 im Süden Islands. Pálsson veröffentlichte ein grundlegendes Werk zur isländischen Glaziologie und Vulkanologie. 1807 wurde eine Wetterstation im Norden Islands in Akureyri eröffnet und eine siebenjährige Messreihe begann. Der isländische Mediziner Jón Þorsteinsson Thorstensen (1794−1855) führte 1820 bis 1854 in Zusammenarbeit mit der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften meteorologische Messungen in Reykjavík durch. Der isländische Handels- und Heimatwissenschaftler Árni Ólafsson Thorlacius (1802−1891) führte von 1845 bis 1891 Messungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag in Stykkishólmur durch, was den Beginn systematischer Messungen in Island markierte. 1920, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Islands, wurde Veðurstofa Íslands, der Isländische Meteorologische Dienst, gegründet. Erster Direktor wurde der isländische Physiker und Meteorologe Þorkell Þorkelsson (1876−1961).

Im nächsten Teil dieser Serie wird dieselbe Entwicklung im östlichen und südlichen Teil Europas beleuchtet.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Starke Bodentrockenheit

7. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Schon seit März sind die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag fiel von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zusammenkamen (Abbildung 1, links). Der Vergleich zum vieljährigen Mittel 1991 bis 2020 zeigt, dass in den letzten Monaten besonders in der Südhälfte Deutschlands deutlich weniger Niederschlag als üblich gefallen ist; im Süden war es gebietsweise noch nicht einmal die Hälfte des vieljährigen Mittels. Lediglich in einem Streifen vom Münsterland bis zum Erzgebirge, von Südniedersachsen bis nach Mecklenburg und im Umfeld der Nordsee fielen die Regenmengen etwa durchschnittlich aus (Abbildung 1, rechts). Auch das aktuelle, seit 1. November 2025 laufende hydrologische Jahr zeigt weit unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen: Der Zeitraum von Anfang November bis Ende Juli fiel in Deutschland seit 1882 nur zwei Mal noch trockener aus (Abbildung 2).

Abbildung 1: Niederschlagssumme im Zeitraum 01.03. bis 31.07.2026 (links) und entsprechende relative Abweichung vom vieljährigen Mittel der Referenzperiode 1991 – 2020 (rechts). (Quelle:DWD)


Abbildung 2: Niederschlagsabweichung der hydrologischen Jahre (Zeitraum Anfang November bis Ende Juli) von 1882 bis 2026 gegenüber dem vieljährigen Mittel 1991 – 2020. (Quelle:DWD)

Bereits im Frühjahr sank die Bodenfeuchte im Süden deutlich schneller als üblich, ab Anfang Mai lag die Bodenfeuchte dort markant unter dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Im Juni dämpfte Regen die Trockenheit im Süden zunächst leicht, während der extremen Hitzewelle in der zweiten Junihälfte sank die Bodenfeuchte bei sehr hoher Verdunstung jedoch schnell wieder. Seit Ende Juni wechseln sich gelegentliche Schauer und Gewitter mit längeren trockenen Phasen ab, zudem erhöhten weitere heiße Perioden erneut die Verdunstung. Die generell ungleichmäßig verteilten Niederschläge summierten sich vor allem vom Westen bis in die westliche Mitte und den Südwesten hinein auf meist nur sehr geringe Mengen. Damit verschärfte sich die Trockenheit in der Südwesthälfte Deutschlands weiter. In der Nordosthälfte liegt die Bodenfeuchte zwar großteils auch unter den jahreszeitlichen Mittelwerten, aber es besteht keine ausgeprägte Trockenheit (Abbildung 3).

Abbildung 3: Bodenfeuchte in 0 bis 60 cm Tiefe unter Gras am 06.08.2026 (links) und Abweichung der Bodenfeuchte vom Mittel 1991 – 2020 (rechts). Bei weniger als 30 % nutzbarer Feldkapazität stehen Pflanzen unter deutlichem Trockenstress. (Quelle:DWD)

Die Bodenfeuchte der oberen 60 Zentimeter lag seit Ende Mai über Deutschland gemittelt oft nur leicht über jener in den Dürrejahren 2018 und 2022 (Abbildung 4). Im Süden waren die Böden 2026 verbreitet sogar trockener als in diesen beiden Vergleichsjahren.

Abbildung 4: Verlauf der über Deutschland gemittelten Bodenfeuchte in 0 bis 60 cm Tiefe in den Jahren 2018, 2022 und 2026 sowie das Mittel 1991 – 2020 und der Wertebereich 1991 – 2025. (Quelle:DWD)

 

Bis vor einigen Wochen hielten sich die Auswirkungen der Trockenheit auf die Landwirtschaft noch in Grenzen. Getreide und Raps reiften bei den seit Mitte Juni hohen Temperaturen rasch ab und die Ernte kam schnell voran. Allerdings führte die extreme Hitze Ende Juni bei Obst zu ungewöhnlich starken Sonnenbrandschäden, also zu Schäden an den Früchten durch Überhitzung des Gewebes in der direkten Sonne. Neben Äpfeln, bei denen sonst Sonnenbrand oft erst später im Jahr ein Thema ist, waren vor allem Kirschen, Aprikosen, Zwetschgen und Erdbeeren in starkem Ausmaß betroffen.

Seit etwa Anfang Juli nehmen die Auswirkungen der trockenen Böden jedoch deutlich zu. Vor allem Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, die jetzt und in den kommenden Wochen einen hohen Wasserbedarf haben, leiden besonders in der Südhälfte Deutschlands zunehmend stark unter der Trockenheit, es drohen markante Schäden. Auch das Grünland wird vielerorts dürr, teils ist bereits ein Grünlandschnitt ausgefallen, was Futterknappheit bei der Viehhaltung verursachen kann. Bei Obst und jungen Weinreben können derzeit gebietsweise nur mit Bewässerung große Schäden abgewendet werden. Die Wälder zehren meist noch von Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten.

Die Anzahl von Tagen mit hoher Waldbrandgefahr, also an denen ein Waldbrandgefahrenindex von mindestens der Stufe 4 von 5 (hoch) erreicht wird, ist in diesem Jahr bisher weit überdurchschnittlich. Bis einschließlich 2. August traten im Deutschlandmittel bereits rund 22 solcher Tage auf, im Mittel 1991 bis 2020 sind es bis zu diesem Datum nur etwa 10 Tage (Abbildung 5). Beim Graslandfeuerindex ist dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. Bei diesem Index gab es bis zum 2. August im Deutschlandmittel 33 Tage mit einer Stufe von mindestens 4, im Mittel 1991 bis 2020 sind es lediglich 18 Tage. In den vergangenen Wochen traten bereits zahlreiche Wald- und Feldbrände auf.

Abbildung 5: Anzahl der Tage mit Waldbrandgefahrenindex (WBI) der Stufe 4 oder 5 in 2026 über Deutschland gemittelt im Vergleich mit dem bisherigen Maximum seit 1961, dem Mittelwert 1991 – 2020 und dem Vorjahr (2025). (Quelle:DWD)

Die anhaltend trockene Witterung wirkt sich auch auf Flusspegel und Grundwasserstände aus. Bei Flüssen spielen auch Einzugsgebiete, die außerhalb Deutschlands liegen, eine wichtige Rolle. Seit Jahresbeginn waren die Niederschlagsmengen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den benachbarten Ländern außerordentlich niedrig. Der Schwerpunkt der trockenen Witterung in der ersten Jahreshälfte erstreckte sich bei europaweiter Betrachtung vom östlichen Frankreich über den Alpenraum, das östliche Mitteleuropa und das Baltikum bis nach Skandinavien. Die Oberläufe von Oder, Neiße, Elbe, Salzach, Inn, Lech, Rhein und Mosel führten in der Konsequenz weniger Wasser als üblich nach Deutschland. Zudem bewirkten die unterdurchschnittlichen Schneemengen im vergangenen Winter einen stark verminderten Beitrag der Schneeschmelze zur Wasserführung einiger Flüsse im Frühjahr. Zusammen mit den sehr geringen Niederschlägen der letzten Monate führt dies aktuell zu einer extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und im Grundwasser. Nähere Informationen dazu finden sich im neuen Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS, https://niwis-online.de/) der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), in das auch Beobachtungsdaten des DWD einfließen.

Eine Entspannung der Lage ist nicht einmal ansatzweise in Sicht. Für das kommende Wochenende und die zweite Augustwoche wird überwiegend trockenes und von Süden her zeitweise heißes bis sehr heißes Wetter erwartet. Insbesondere am Sonntag und Montag sind zwar vereinzelt Schauer und Gewitter möglich, flächendeckende Niederschläge deuten sich aber weiterhin nicht an.

Bis Anfang September zeichnet sich in den Witterungsvorhersagen der Bodenfeuchte unter Gras eine starke Tendenz zu trockeneren Bedingungen im Vergleich zum Mittel der vergangenen zwanzig Jahre ab (Abbildung 6). Folglich ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft in den kommenden Wochen eher noch zunehmen und es weiterhin Perioden mit hoher Waldbrandgefahr geben wird.

Abbildung 6: Witterungsvorhersage für Bodenfeuchte unter Gras in Deutschland, wochenweise vom 10. August bis zum 6. September 2026, erstellt am 04.08.2026. Die Punktgröße symbolisiert die Vorhersagegüte. (Quelle:DWD)

Weiterführende Informationen zur Trockenheit

  • Attributionsstudie zur Trockenheit in Europa

Die internationale Expertinnen- und Expertengruppe World Weather Attribution (WWA) hat unter Beteiligung des DWD die Dürre der letzten 3 Monate im westlichen Teil Europas bzw. der letzten 6 bis 12 Monate im östlichen Teil Europas untersucht. Dabei werden die Extremereignisse mit Hilfe von Klimamodellen für eine Welt mit und eine Welt ohne menschengemachten Klimawandel simuliert und die Ergebnisse verglichen. Ein zentrales Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass die landwirtschaftlichen Dürren in Westeuropa etwa fünfmal, in Osteuropa sogar elfmal wahrscheinlicher sind als ohne Klimawandel. Mehr Details dazu unter:

https://www.worldweatherattribution.org/increasingly-hot-europe-faces-more-severe-droughts-and-growing-challenges-for-water-and-land-management/

  • Bodenfeuchteviewer

Hier finden sich neben einer interaktiven Bodenfeuchteanwendung weitere Produkte zur Bodenfeuchte sowie zu Wasserhaushaltsgrößen. Sie ermöglichen einen Überblick über die aktuelle Situation, etwa bei Starkregenphasen oder Trockenheit. Zusätzlich werden Klimavorhersagen für die kommenden Monate angeboten. Zum Bodenfeuchteviewer: www.dwd.de/bodenfeuchteviewer

  • Waldbrandgefahren- und Graslandfeuerindex

Der Waldbrandgefahrenindex (WBI) gibt das meteorologische Potential für die Gefährdung durch Waldbrand in 5 Gefahrenstufen an. Der Graslandfeuerindex (GLFI) beschreibt die Feuergefährdung von offenem, nicht abgeschattetem Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne grünen Unterwuchs, ebenfalls in 5 Gefahrenstufen. Mehr Informationen dazu: www.dwd.de/waldbrand oder www.dwd.de/landwirtschaft unter „Gefahrenhinweise“

  • Klimavorhersagen

Die Klimavorhersagen und die Vorhersagegüte werden für unterschiedliche Zeit- (Wochen, Jahreszeiten, Jahre) und Raumskalen (deutsche Regionen, Deutschland, Europa, Welt) konsistent dargestellt. Die Klimavorhersagen stehen in einer interaktiven Basis- und in einer Profiversion zur Verfügung. Diese werden ergänzt durch spezifische Klimavorhersagen. Zu den Klimavorhersagen: www.dwd.de/klimavorhersagen

  • Nutzbare Feldkapazität

Die nutzbare Feldkapazität (nFK) gibt das pflanzenverfügbare Bodenwasser in Prozent an. Bei über 100 % nFK kann der Boden kein weiteres Wasser dauerhaft gegen die Schwerkraft halten, vorübergehend kann die nutzbare Feldkapazität bei Niederschlag jedoch über 100 % steigen. Das überschüssige Wasser versickert in den Untergrund. Bei 0 % nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr entziehen (Welkepunkt), es befindet sich aber noch Restfeuchte im Boden. Ab etwa 30 % nFK kommt es bei den Pflanzen zu deutlichem Trockenstress.

Dipl.-Met. Andreas Brömser
Deutscher Wetterdienst
Agrarmeteorologie
Offenbach, den 07.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Starke-Bodentrockenheit-1-scaled.png 1629 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-07 12:58:242026-08-14 09:46:55Starke Bodentrockenheit

Schweißtreibender QUIRIAKUS

6. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Es hätte so schön sein können. Nachdem Tief JUSTINE kühlere Luft zu uns geschaufelt hat, wäre die Freude über eine längere Phase mit Höchstwerten unter 30 °C sicherlich groß gewesen. Höchstwerte von knapp unter 30 °C im August werden eigentlich als „sehr warm“ bezeichnet. In diesem Ausnahmesommer ist man aber geneigt, dafür den Ausdruck „kühl“ zu verwenden. Neben den „kühleren“ Temperaturen stand auf der einen oder anderen sommerlichen Wunschliste sicherlich auch ein schöner Landregen. Der hätte nicht nur die Vegetation mit dringend benötigtem Wasser versorgen, sondern ebenso – wenn auch mit einer gewissen Verzögerung – die Flusspegel ansteigen lassen können.

Bodendruck- und Frontenvorhersagekarte für Freitag, 07.08.2026, 12 UTC (Basis: ICON von Donnerstag, 06.08.2026, 00 UTC + 36)

Beim Blick auf die kommenden Tage zeichnet sich in den Vorhersagemodellen allerdings ein deutlich anderer Ablauf an. Von Westen schiebt sich das Hoch QUIRIAKUS zu uns nach Mitteleuropa (Abbildung 1), schon am Wochenende wandert es dann weiter nach Polen. Da sich dann zudem über der Iberischen Halbinsel ein Tiefdruckgebiet etabliert, kann zwischen den beiden Druckgebilden von Süden bzw. Südwesten wieder wärmere Luft advehiert werden.

Prognostizierte Höchsttemperaturen für Samstag 08.09.2026 (links) und Sonntag, 09.08.2026 (rechts); beides nach MOSMIX

Damit steigen die Temperaturen wieder an. Dies zeigt die Abbildung 2. Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf MOSMIX, einem auf dem DWD-Modell ICON und dem Modell IFS des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage basierenden Kombiprodukt, bei den die Ergebnisse nochmal statistisch überarbeitet werden. Während am Samstag bei den Höchsttemperaturen in Deutschland bei 32 °C meist Schluss ist (im Raum Mannheim/Ludwigshafen werden Temperaturen jenseits der 32 °C-Marke ganz vorsichtig angedeutet), stößt die 32 °C-Isotherme am Sonntag schon wieder bis in den Raum Berlin und nach Hannover vor. Dann kann es im Rhein-Main-Gebiet, am Neckar und an einigen Rheinabschnitten auch schon wieder an die 35 °C warm werden. Und während die Nordosthälfte am Samstag wohl noch fast überall Spitzenwerte unter 28 °C aufweisen wird, gilt dies am Sonntag nur noch für das Küstenumfeld. Damit dürfte QUIRIAKUS für einige Schweißtropfen sorgen.

Neben den hohen Temperaturen droht auch wieder ein trockenes Wochenende. Es gibt nur geringe Chancen auf ein paar Tropfen, am größten sind diese in und an den Alpen, an den Küsten und im Südwesten. Als Hochdruckgebiet sorgt QUIRIAKUS für Absinken und Wolkenauflösung, und auch wenn ihm aus der Höhe die dynamische Unterstützung durch einen Höhenrücken fehlt, so zeigt sich doch sehr oft die Sonne.

UV-Index (links) und Waldbrandgefahrenindex (rechts) für Samstag, 08.08.2026

Das bildet sich auch in weiteren DWD-Produkten ab, beispielsweise im UV-Index oder im Waldbrandgefahrenindex (WBI), beide in Abbildung 3 zu sehen. Der UV-Index, in der Abbildung 3 auf der linken Seite dargestellt, ist im Süden höher als im Norden, weil sich am Samstag auf der Nordflanke des Hochs in den Norden ein paar Wolkenfelder schieben. Am Sonntag dürfte der UV-Index dann etwas gleichmäßiger verteilt sein, wenngleich man abwarten muss, wie stark sich die hohen Wolkenfelder, die von den Modellen simuliert werden, letztendlich bemerkbar machen. Auf der rechten Seite der Abbildung 3 findet sich dann der WBI für Samstag. Mit niedrigen Werten heben sich der Südosten sowie größere Teile des Nordostens hervor, also die Regionen, die in den vergangenen sieben Tagen recht viel Niederschlag abbekommen haben. Perspektivisch sollten diese Werte aber wieder ansteigen, da – wie gesagt – kaum Regen zu erwarten ist. Folglich könnte im Süden und in der Mitte, wo der WBI schon aktuell mit Stufe vier auf der zweithöchsten Stufe rangiert, auch wieder die Stufe 5 erreicht werden.

Höchsttemperatur (oben) sowie Niederschlag (unten) für Wiesbaden für die kommenden 10 Tage, jeweils mit statistischen Unsicherheitsintervallen

Das dies nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, sieht man in Abbildung 4. Sie zeigt für Wiesbaden die erwartete Temperaturentwicklung in rot (oben) sowie die erwarteten Niederschläge (unten), jeweils mit den dazugehörigen Unsicherheitsintervallen. Schwache Niederschlagssignale zeigen sich nur aus dem Sonntag heraus und zu Beginn der Woche. Dazu pendeln die Höchstwerte wieder um 30 °C, teils kratzen sie sogar an der 35 °C-Marke. Im Vorteil ist diesbezüglich der Norden, dort wird es nicht ganz so heiß.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

5. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

„Big whirls have little whirls,
That feed on their velocity;
And little whirls have lesser whirls,
And so on to viscosity.“

So lautet das – zumindest in der Meteorologie – berühmte Zitat des britischen Meteorologen Lewis Fry Richardson. Richardson beschäftigte sich unter anderem ausgiebig mit dem Phänomen der Turbulenz, worauf sich auch das obige Zitat bezieht. Frei übersetzt beschreibt das Gedicht das Konzept turbulenten Zerfalls atmosphärischer Strömungen aufgrund von Instabilitäten. Dabei übertragen zunächst große Wirbel ihre Bewegungsenergie auf immer kleinere Wirbel. Dieser Prozess setzt sich über eine Vielzahl von Größenskalen fort und wird als Energiekaskade bezeichnet. Erst auf den kleinsten Skalen, auf denen die viskosen Kräfte dominieren, wird die ursprünglich geordnete Bewegungsenergie der Strömung durch molekulare Reibung schlussendlich in innere Energie, sprich Wärme umgewandelt.

Für das Auftreten atmosphärischer Turbulenz gibt es eine Vielzahl bekannter und mathematisch beschriebener Instabilitäten. Das Konzept der Instabilität beschreibt dabei eine Zusammensetzung von Strömungsparametern, in denen eine kleine Störung in der Strömung – beispielsweise die Auslenkung einer Luftmasse in der Vertikalen oder in der Horizontalen – immer weiter anwächst, anstatt durch rückstellende Kräfte wieder in seine Ausgangslage zurückzukehren. Ein Beispiel für eine solche Instabilität, mit dem wir es dieser Tage häufig zu tun haben, ist die Grundlage für das Auftreten von Gewittern: die statische Instabilität. Im Kontext des oben genannten Konzepts lohnt sich erst eine Betrachtung des Gegenbeispiels, nämlich einer stabilen Ausgangslage. Eine Luftmasse in Bodennähe wird vertikal ausgelenkt, etwa durch das Überströmen eines Berges. Dabei kühlt sich die Luft entsprechend der Abnahme des Luftdrucks und der resultieren Expansion mit der Höhe mit etwa 1 °C pro 100 Meter Aufstieg ab. Kühlt sich die Luftmasse dabei mit der Höhe schneller ab als ihre Umgebungsluft, erfährt sie aufgrund ihrer höheren Dichte einen negativen Auftrieb. Die Schwerkraft wirkt dann als rückstellende Kraft, sodass die Luftmasse wieder in Richtung ihrer ursprünglichen Höhe absinkt – die Luft ist statisch stabil geschichtet. Bei Konvektion und Gewittern ist das Gegenteil der Fall, die ausgelenkte Luftmasse bleibt trotz Abkühlung mit 1 °C pro 100 Metern wärmer als ihre Umgebung. Sie erfährt einen Auftrieb aufgrund der geringeren Dichte und steigt immer weiter auf – die Luft ist statisch instabil geschichtet. Mit dem Erreichen von Wasserdampfsättigung infolge der Abkühlung und der anschließenden Kondensation von Wasserdampf in Wassertröpfchen – also der Wolkenbildung – wird latente Energie freigesetzt und das Aufrechterhalten der statischen Instabilität weiter begünstigt.

Quasi als Äquivalent zur statischen Instabilität in der Vertikalen mit der Dichte als maßgebende Größe kann in der Horizontalen die sogenannte Trägheitsinstabilität gesehen werden, mit dem absoluten Drehimpuls als maßgebende Größe. Denn ebenso wie hierbei Luftmassen mit dem „richtigen“ Impuls bei Auslenkung in der Horizontalen aus der zwischen Druckunterschieden und Corioliskraft balancierten großskaligen Strömung eine rückstellende Kraft erfahren, so gilt für Luftmassen mit dem „falschen“ Impuls erneut das oben genannte Konzept der Instabilität. Interessanterweise existiert auch eine faszinierende Kombination aus statischer und Trägheitsinstabilität. Dabei weisen Luftmassen für sich genommen sowohl statische Stabilität in der Vertikalen als auch Trägheitsstabilität in der Horizontalen auf. Erfolgt eine Auslenkung jedoch entlang einer geneigten Bahn, kann die Störung dennoch anwachsen. Diese Form der Instabilität wird als symmetrische Instabilität bezeichnet und spielt insbesondere in Frontensystemen eine wichtige Rolle. Sie ist der physikalische Mechanismus hinter der sogenannten geneigten Konvektion (slantwise convection).

Kelvin-Helmholtz Instabilitäten in der Atmosphäre des Saturn, aufgenommen von der Cassini Raumsonde der NASA. Quelle: NASA – National Aeronautics and Space Administration

Die genaue Ausprägung der Energiekaskade hin zu kleineren Skalen dieser Instabilitäten kann sehr unterschiedlich verlaufen, wir wollen hier nur – um allmählich zum Punkt zu kommen – ein gemeinsames Konzept erläutern: Die Kelvin-Helmholtz Instabilität (KHI). In gewisser Weise ist dies eine durch die genannten Instabilitäten oftmals ausgelöste weitere Instabilität auf kleineren Skalen. Abbildung 1 zeigt eine Aufnahme einer solchen KHI in der Atmosphäre des Saturn, aufgenommen vom Cassini Orbiter der NASA. Die Grundidee ist dabei folgende: Zwei Luftschichten mit 1) unterschiedlicher Dichte und 2) unterschiedlicher horizontaler Windgeschwindigkeit sind dabei derart geschichtet, dass statische Stabilität vorherrscht, und Auslenkungen durch die rückstellende Kraft wellenartig auf und ab schwingen. Die Windscherung zwischen den beiden Schichten führt jedoch zur Verstärkung von Wellen an ihrer Grenzfläche. Durch das Aufsteilen und Überschlagen dieser Wellen wird die Temperatur- und Dichteschichtung lokal so stark verformt, dass statisch instabile Bereiche entstehen. Diese führen schließlich zum turbulenten Zusammenbrechen der ursprünglich geordneten Wellenströmung.

Und jetzt zurück zum Ausgangspunkt: Das Kriterium für das kritische Verhältnis zwischen statischer Stabilität und Windscherung für das Auftreten solcher Kelvin-Helmholtz Instabilitäten, welche letzten Endes in atmosphärischer Turbulenz münden, wird beschrieben durch die sogenannte Richardson-Zahl, benannt nach Lewis Fry Richardson. Zurück zu Ausgangspunkt Nummer 2: Was hat das Ganze mit dem Klimawandel zu tun? Nun, im anfangs erwähnten Thema des Tages vom 28.07.2026 wurde erläutert, dass ein mit der globalen Erwärmung abnehmender Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten Auswirkungen auf das Wettergeschehen hat, da dieses in erster Linie auf Ausgleichsströmungen aufgrund der Temperaturunterschiede basiert. Ändern sich die Temperaturgradienten, ändert sich die großskalige Strömung. Die Jetstreams, auf deutsch auch Strahlströme, also jene Starkwindbänder, welche die großskalige Dynamik in unseren Breiten maßgeblich gestalten, liegen diesen Temperaturgegensätzen zugrunde. Nun muss man der Vollständigkeit halber, und um den letzten Bogen in dieser Ausführung zu ziehen, erwähnen, dass der Temperaturgradient nicht unmittelbar eine Windgeschwindigkeit vorgibt. Vielmehr ergibt sich aus den zugrundeliegenden Bewegungsgleichungen der Atmosphärendynamik ein Zusammenhang zwischen der horizontalen Temperaturänderung und der Änderung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe: der Windscherung. Und hier schließt sich der Kreis. Wenn sich aufgrund der globalen Erwärmung der meridionale Temperaturgradient ändert, und dadurch auch die Windscherung, so ändert dies auch die Grundvoraussetzung für das Auftreten von Instabilitäten.

Um zur allgemeinen Verwirrung und Komplexität beizutragen, verhält es sich nun so, dass im Gegensatz zu der unteren Troposphäre der Temperaturgradient in Höhen um 10 km mit der Anpassung der Atmosphäre an die globale Erwärmung nach aktuellem Wissensstand nicht abnimmt, sondern zunimmt. Höherer Temperaturgradient bedeutet höhere Windscherung, was bessere Voraussetzungen für das Auftreten von Scherungsinstabilitäten bedeutet. Dementsprechend zeigen wissenschaftliche Studien eine signifikante Steigerung der Auftrittswahrscheinlichkeit von Turbulenzen mit Fortschreiten des Klimawandels, insbesondere in den atlantischen und pazifischen Flugkorridoren der kommerziellen Luftfahrt. Nach Meinung des Autors des heutigen Thema des Tages sind ungemütlichere oder auch weniger sichere Transkontinentalflüge nicht unbedingt ganz oben einzuordnen in der Prioritätenliste von Auswirkungen des Klimawandels. Deutlich relevanter könnte die Auswirkung von häufiger auftretender Turbulenz auf die Tropopausenregion in eben diesen Höhenbereichen sein. Die Tropopause stellt nämlich konzeptionell eine Transportbarriere zwischen der Troposphäre als erdnächste Atmosphärenschicht und der darüber liegenden Stratosphäre dar. Turbulenz ist ein Prozess der durch das Mischen von Luftmassen und ihrer Eigenschaften diese Transportbarriere durchdringen kann. Ein klassisches Beispiel für die Auswirkung des Eintrags von an der Erdoberfläche emittierten Spurengasen in die Stratosphäre ist die Entstehung des Ozonlochs durch Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW). Ein weiteres sehr relevantes Thema und Gegenstand aktueller Forschung ist die nicht zu vernachlässigende Auswirkung der Mischung von Spurengasen an der Tropopause auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre – ein potenzieller Rückkopplungseffekt.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Noch-ganz-stabil.jpg 551 961 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-05 13:58:262026-08-06 17:19:49Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

4. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Gute 36 °C, im Laufe des Nachmittags wahrscheinlich 37 °C bis knapp 38 °C stehen auch heute schon wieder ganz oben auf der Temperaturhitliste. Mittlerweile zählt man schon gar nicht mehr mit, wie oft dieses Jahr schon die 35 °C-Marke geknackt wurde. Die Statistik dürfte vermutlich jeden Rahmen dessen sprengen, was man bisher kannte. Aber dabei gibt es immerhin eine gute Nachricht: Spätestens ab Donnerstag geht es mit der Temperatur erst einmal nach unten. Dann legt sich eine Kaltfront aus Richtung Nordsee diagonal über Deutschland hinweg und trennt den Nordwesten vom Südosten. Dann werden auf der kühleren Seite noch 22 bis 27 °C, auf der wärmeren Seite 28 bis 31 °C erreicht, wobei das Allgäu und das Alpenvorland ebenfalls etwas weniger warm daherkommen.

Spurlos geht dieser Temperatur- und Luftmassenwechsel nicht an uns vorüber. Heute Abend, wahrscheinlich die Nacht hindurch, und auch am morgigen Mittwoch in bereits abgeschwächter Form muss mit einigen Gewittern gerechnet werden. Hauptschwerpunkt heute Abend ist zunächst der Schwarzwald. Später entwickeln sich auch im Westen einige Gewitter. Diese ziehen allesamt nordostwärts und wachsen zu einem oder zwei größeren Clustern zusammen. Diese bleiben die Nacht hindurch aktiv und erreichen gegen Morgen den äußersten Nordosten, wo sie schließlich gen Ostsee und Polen von dannen ziehen. Hauptgefahr dabei: in erster Linie heftiger Starkregen, aber auch Hagel sowie Sturm- bis hin zu orkanartigen Böen.

Am Mittwoch zieht sich die Hauptaktivität an Gewittern auf eine Linie südlich der Donau zurück. Allerdings kann sich im Tagesverlauf auch zwischen Rhein und Elbe nochmal ein kräftigeres Gewitter bilden, das dann bis zum Abend Richtung Polen zieht. Am Donnerstag gewittert es dann hauptsächlich nur noch aus den Alpen heraus, bevor sich dann endgültig Hochdruck über das Land legt und der restlichen Wetteraktivität den Stecker zieht.

Damit kommen wir zu den ersten Folgeproblemen dieser Witterungsphase: Die anhaltende Trockenheit. Gewitter sind gut und schön, aber helfen aufgrund ihrer nur sehr begrenzten Ausdehnung nicht nachhaltig dabei, den Wasserhaushalt wieder gerade zu rücken. In vielen Landesteilen herrscht eine ausgewachsene Dürre. Im Deutschlandmittel sind bisher im Jahr etwa 360 mm Niederschlag gefallen. Das Soll für den Zeitraum 1991-2020 liegt bei knapp 450 mm zu diesem Zeitpunkt. Das heißt es fehlen statistisch gesehen bereits etwa ein bis zwei komplette Monatsniederschlagsmengen. Insbesondere der Juli war im Südwesten teilweise extrem trocken. An zwei Stationen ist nicht mal 1 mm Niederschlag gefallen während des gesamten Monats.

Monatssumme und Relative Abweichung des Monatsniederschlags für Juli 2026 in Deutschland. (Quelle: DWD)

Das hat wiederum Folgen für die Wälder. Die Waldbrandgefahr ist in größeren Teilen des Landes weiterhin enorm hoch und erreicht oftmals die zweithöchste Stufe im Waldbrandgefahrenindex. Nachdem es bislang schon einige größere Brände gab (z.B. Nationalpark Müritz), bleibt es glücklicherweise bei eher kleineren Flächenbränden. Aber auch diese halten die Feuerwehren bereits ordentlich auf Trab. Das Problem: Auch weiterhin ist keinerlei nennenswerter Niederschlag in Sicht. Entweder fällt nur sehr lokal ergiebiger Regen durch Gewitter, oder Tiefausläufer bringen in der Fläche nur wenige Millimeter, die ebenfalls nicht weiterhelfen. Eine Witterungsumstellung ist bis Ende der Mittelfrist weiterhin nicht in Sicht.

Übersicht des Waldbrandgefahrenindex für die kommenden Tage bis zum Samstag, 08.08.2026. (Quelle: DWD)

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

3. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach der Hitze ist vor der Hitze in diesem Sommer, und da sind auch die Gewitter meistens nicht allzu weit weg. Denn mittlerweile hat sich eine schwülheiße Luftmasse wieder bis in die Landesmitte ausgebreitet, was an leicht gestiegenen Taupunkten mit Werten zwischen 15 und 18 Grad zu erkennen ist. Dem gegenüber ist es weiter nördlich mit rund 10 bis 13 Grad deutlich trockener.

Damit stellt sich neben der Frage nach den Höchstwerten (einfach zu beantworten: bis zu 37 Grad) rasch die weitere Frage nach Gewittern oder potentiellen Unwettern. Nimmt man die Zutatenmethode zur Hand, so wird schnell ersichtlich, dass die Labilität und das CAPE (Energie der Luftmasse) bis zur Landesmitte ausreichend vorhanden sind. Auch die Feuchte haben wir bereits thematisiert. Als drittes Zünglein an der Waage, sieht man mal von der Zusatzzutat „Scherung“ ab, kommt die Hebung zum Zuge.

Und hier wird es spannend: Je nachdem welches Modell man betrachtet, werden die möglichen Hebungsmechanismen unterschiedlich stark gewichtet. Wir erinnern uns: Hebung kann durch die Orografie, aber auch dynamisch etwa an Kurzwellentrögen oder unter linken Jeteingängen erzeugt werden.

Summa summarum kommen dann unterschiedliche Modelle auch zu variierenden Prognosen bei den Gewittern, je nachdem wie stark sie die Hebung berechnen. Hier reicht schon der Blick auf das ICON-D2 und das ICON-RUC, die beide im DWD gerechnet werden. Generell liegt die Stärke des ICON-D2 vor allem in dynamischen Gewitterlagen mit klaren Hebungsimpulsen. Sind diese in einer leicht flatternden südwestlichen Höhenströmung, so wie heute und morgen, eher schwacher Natur, so kommt das Modell durchaus an seine Grenzen und berechnet manchmal deutlich weniger Gewitteraktivität. Dem gegenüber steht das ICON-RUC, das stündlich gerechnet wird und in der Vergangenheit auch bei antriebsschwachen Wetterlagen eine höhere Gewitteraktivität vorhersagte, die nicht selten dann auch so eintraf. Das kann natürlich auch an unterschiedlichen Assimilationsverfahren und einer anderen Berücksichtigung der Feuchte liegen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Meteorologe vom Dienst vor der großen Frage steht, wo es am Ende wie stark gewittert.

Blicken wir dazu auf die aktuellen Berechnungen von ICON-D2 (09z-Lauf) und ICON-RUC (ebenfalls 09z-Lauf): Gegen 17 Uhr sind in beiden Modellen einzelne starke, möglicherweise auch schwere Gewitter über dem Südwesten Deutschlands und über dem Nordosten Hessens zu sehen.

Dargestellt ist die simulierte Reflektivität von ICON-D2 und ICON-RUC für den heutigen Montag um 17 MESZ. Bislang ergeben sich wenige Unterschiede in der Prognose.

Je später es am Abend nun wird, umso größer werden dann aber die Prognoseunterschiede. Gegen 21 Uhr wird ein sich abschwächender Gewitterkomplex über Rheinland-Pfalz im ICON-D2 berechnet, während das ICON-RUC einen starken MCS (großes Gewittersystem) mit schwerem Sturm im Rhein-Main-Gebiet sieht. Auch nachts einigen sich beide Modelle nicht: Nach ICON-D2 fallen die Gewitter tendenziell in sich zusammen, nach Lesart des ICON-RUC bleiben sie weiterhin aktiv und breiten sich immer mehr in Richtung Landesmitte aus.

Um 00 MESZ ist ersichtlich, dass sich die Gewitteraktivität nach Lesart des ICON-D2 nachts deutlich abschwächen soll, während sie nach ICON RUC nicht zum Erliegen kommt. Genaue Prognosen sind hier erst im Nowcasting möglich.

Es wird deutlich, dass solche Probleme (leider) erst im Nowcasting richtig gelöst werden können, wenn ersichtlich ist, wo die Reise hingeht. Die Modelloutputs dienen aber durchaus als guter Hinweis dafür, welches Potential in der aktuellen Wetterlage steckt.

Klar ist: Es muss heute wie auch morgen mit starken, teils unwetterartigen Gewittern gerechnet werden, die von heftigem Starkregen, größerem Hagel oder Hagelansammlungen und Böen in schwerer Sturmstärke begleitet sein können.

Bleiben Sie daher wachsam und verfolgen Sie die aktuellen Wetterwarnungen gerne unter dwd.de oder in der Warnwetter-App.

M.Sc.-Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Deutschlandwetter im Juli 2026

2. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juli 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 23,8 °C +4,5 Grad
2 Ohlsbach Baden-Württemberg 23,7 °C +5,3 Grad
3 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,5 °C +4,0 Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1 Carlsfeld Sachsen 15,3 °C +2,5 Grad
2 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 15,5 °C +2,3 Grad
3 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,6 °C +2,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlags-
menge
Anteil
1 Jachenau-Tannern Bayern 170,5 l/m² 79 %
2 Waakirchen-Demmelberg Bayern 162,6 l/m² 81 %
3 Marienberg Sachsen 158,6 l/m² 173 %

Besonders trockene Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlags-
menge
Anteil
1 Kirn Rheinland-Pfalz 1,1 l/m² 2 %
2 Eschweiler-Weisweiler Nordrhein-Westfalen 1,2 l/m² 2 %
3 Henschtal Rheinland-Pfalz 1,9 l/m² 3 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenschein-
dauer
Anteil
1 Tholey Saarland 366 h 156 %
2 Saarbrücken-Ensheim Saarland 358 h 149 %
3 Rheinau-Memprechtshofen Baden-Württemberg 358 h 155 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenschein-
dauer
Anteil
1 Wangerland-Hooksiel Niedersachsen 195 h 99 %
2 Wittmundhafen Niedersachsen 197 h 101 %
3 Rotenburg/Wümme Niedersachsen 199 h 110 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes
zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode,
normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle
Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-02 14:28:162026-08-06 17:19:34Deutschlandwetter im Juli 2026

Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

1. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts wurden allgemeine sowie Erkenntnisse der Meteorologie aus Expeditionsreisen vorgestellt. In diesem Thema des Tages wird die Meteorologie um 1800 beleuchtet. Neben der Wolkenklassifikation und der Windstärkenskala gibt es viele weitere Entdeckungen von der Medizinmeteorologie bis hin zu einem Feuchtigkeitsmesser.

Beginnen wir mit meteorologischen Erkenntnissen im Bereich der Medizinmeteorologie.

Der französische Meteorologe Louis Cotte (1740−1815) wurde 1774 mit der Leitung eines medizinisch-meteorologischen Netzwerks aus französischen Tierärzten und Landärzten betraut, um den Zusammenhang zwischen der Pest und dem Wetter zu untersuchen. Das Projekt lief bis 1794.

Der polnische Schriftsteller und Wissenschaftler Stanisław Staszic (1755−1826) entwarf die Salzverdunstungstürme in Ciechocinek an der Weichsel, die errichtet wurden, um aus der in der Region reichlich vorhandenen Sole Salz zu gewinnen. Die Sole wurde an die Spitze der Türme gepumpt und tropfte dann an deren Seitenwänden herab, wo sie durch Sonneneinstrahlung und Wind verdunstete. Das Salz aus der Sole blieb zurück. Darüber hinaus wurden durch diesen Vorgang Iod und Feuchtigkeit an die Luft abgegeben. Dies veränderte das Mikroklima im Bereich der Türme und ließ es eher einer maritimen als einer kontinentalen Umgebung ähneln. Die Menschen kamen nach Ciechocinek, um die therapeutischen Eigenschaften der lokalen Luft zu nutzen. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Kurort mit vielen Sanatorien für Menschen mit verschiedenen Gesundheitsproblemen, die durch das Einatmen der Iod-reichen Luft behandelt werden konnten. Dies stellt ein frühes Beispiel für eine vom Menschen verursachte Veränderung des Mikroklimas dar.

Auch um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden mehrere Expeditionsreisen mit erwähnenswerten Beiträgen zur Meteorologie statt.

Der preußische Forschungsreisende, Naturforscher, Physiker und Geograph Alexander von Humboldt (1769−1859) gilt als der letzte Universalgelehrte auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Zu Humboldts zahlreichen wissenschaftlichen Interessen zählten auch die Meteorologie und die Klimatologie. Für eine Expedition über die Kanarischen Inseln zu den spanischen Provinzen Lateinamerikas und in die Vereinigten Staaten zwischen 1799 und 1804 verfügte von Humboldt über zwei Quecksilberbarometer, mehrere Thermometer, einen Regenmesser, zwei Hygrometer (zur Messung der Luftfeuchtigkeit), ein Cyanometer (zur Messung der blauen Farbe des Himmels), ein Hypsometer (zur Bestimmung der Siedetemperatur von Wasser in verschiedenen Höhenlagen) und ein Eudiometer (zur Messung des Gasvolumens) sowie Instrumente zur Messung des Erdmagnetfelds. Verschiedenste Messungen wurden während der Expedition durchgeführt, besonders in Quito 1802. Von Humboldt untersuchte die Entstehung und die Zugbahnen tropischer Stürme. Er führte Messungen der Meeresströmung durch, die entlang der Westküste Südamerikas fließt und als Humboldtstrom bekannt wurde. Nach 1804 verlagerte von Humboldt seine Forschungsinteressen zum Vulkanismus und zum Magnetismus. Er publizierte die wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Amerika-Expedition. 1817 veröffentlichte er eine Weltkarte der Durchschnittstemperaturen, die erste globale Klimaanalyse. 1829 unternahm er eine Expedition nach Sibirien. Dort führte er meteorologische und magnetische Messungen durch und entdeckte das, was heute als Permafrost bezeichnet wird. Nachfolgend trieb er den Aufbau eines russischen Netzwerks von magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen voran, welches bis 1835 in Nordasien etabliert werden konnte. Von Humboldt konnte anhand der gewonnenen Daten zu dem Schluss kommen, dass der größte Teil Russlands ein „kontinentales“ Klima aufweist (ein Klima, wie man es im Inneren von Kontinenten vorfindet, wo die Temperaturextreme aufgrund des fehlenden mildernden Einflusses eines Ozeans größer sind als anderswo). Von Humboldts übergeordnetes Ziel war jedoch ein weltweites Netzwerk, und zu diesem Zweck überzeugte er die britischen Behörden, permanente magnetische Observatorien in britischen Kolonien auf der ganzen Welt einzurichten: in Kanada, auf St. Helena, am Kap der Guten Hoffnung, auf Ceylon, in Jamaika und in Australien. Die Idee der internationalen Zusammenarbeit durch weltweite Netzwerke von Beobachtungsstationen, die gleichzeitig wissenschaftliche Messungen durchführen, ist eines von von Humboldts Vermächtnissen. Er war der Erste, der eine solche Idee (vor allem für magnetische Beobachtungen) formulierte und sie bis zur Vollendung umsetzte.

Der Jurist, Botaniker und Amateurastronom Francisco José de Caldas (1768−1816) aus dem Vizekönigtum Neugranada (heute Kolumbien) entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts ein Interesse an den Naturwissenschaften. Er eignete sich die Grundlagen der Astronomie und Meteorologie im Selbststudium durch Beobachtungen an, da ihm keine Bücher als Leitfaden zur Verfügung standen. Anschließend baute er ein Barometer und nutzte es zur Durchführung von Druckmessungen. Das „Hypsometer“ (oder „hypsometrisches Thermometer“) ist ein Instrument, das die Höhe indirekt messen kann, indem es mithilfe eines Thermometers die Temperatur von kochendem Wasser in dieser Höhe misst und anschließend die Zusammenhänge zwischen dem Siedepunkt von Wasser und dem Luftdruck sowie zwischen dem Luftdruck und der Höhe anwendet. Frühere Arbeiten zu diesem Instrument waren de Caldas unbekannt. Er erfand das Hypsometer unabhängig davon einige Zeit vor dem Besuch von Alexander von Humboldt in Kolumbien im Jahr 1801. Von Humboldt unterrichtete de Caldas in Meteorologie, Astronomie und Berechnungstechniken. 1804 führte de Caldas eigene Messungen in Quito durch, deren Ergebnis ähnlich denen von von Humboldts waren.

Die beiden nordamerikanischen Entdecker Meriwether Lewis (1774−1809) und William Clark (1770−1838) aus der Kolonie Virginia unternahmen von 1804 bis 1806 eine umfangreiche Entdeckungsreise durch den Westen Nordamerikas bis zum Pazifik, die heute als Lewis-und-Clark-Expedition bekannt ist. Diese Region war zu dieser Zeit größtenteils Neuland. Lewis und Clark stießen auf Flüsse, die „mit Eis zugefroren“ waren, auf heftige Winde, Sturzfluten und in den High Plains der Dakotas auf Tage mit großen Temperaturunterschieden. Lewis und Clark waren die ersten, die wissenschaftliche Wetterbeobachtungen im Westen Nordamerikas durchführten. Zu Beginn der Expedition verfügten sie über drei Thermometer, die sie sorgfältig kalibrierten. Vom 19. September 1804 bis zum 6. September 1805, dem Tag des Verlusts des letzten Thermometers, maßen sie täglich die Temperatur, jeweils bei Sonnenaufgang und erneut um 16 Uhr. Diese Temperaturmessungen wurden in den Gebieten durchgeführt, die heute South Dakota, North Dakota und Montana sind. Überzeugt vom wissenschaftlichen Wert ihrer Arbeit führten sie sorgfältige Aufzeichnungen ihrer Beobachtungen. Im heutigen Oregon notierte Lewis: „Ich bin überzeugt, dass das Klima hier viel wärmer ist als auf dem gleichen Breitengrad am Atlantik.“ In ihren Tagebüchern beschrieben sie das Winterwetter an der Küste von Oregon wegen des ständigen Regens als „schrecklich“ und „elend“. Lewis und Clark waren wahrhaftige Pioniere, sowohl als Entdecker als auch als Wissenschaftler. Ihre Erkundung des nordamerikanischen Westens war ein wegweisendes Ereignis in der US-amerikanischen Geschichte.

Der britische Marinekommandant und Polarforscher Sir John Ross (1777−1856) unternahm mehrere Expeditionen in die heutige kanadische Arktis. 1818 erreichte er den Lancaster Sound, welcher die östliche Einfahrt zur Nordwestpassage darstellt. Dort wurde er jedoch durch eine Fata Morgana getäuscht und glaubte, dass Berge den weiteren Weg nach Westen versperrten. Während dieser Expedition führte er auf Anweisung der britischen Admiralität und der Royal Society geomagnetische, meteorologische und ozeanographische Beobachtungen durch. Bei der Expedition von 1829 bis 1833 ging das Schiff 1832 im Eis verloren, und die Besatzung strandete und konnte in Felix Harbour im folgenden Jahr gerettet werden. Während dieser Reise führte Ross magnetische Beobachtungen durch und lokalisierte den magnetischen Nordpol. Außerdem machte er meteorologische Beobachtungen.

Der norwegische Astronom und Physiker Christopher Hansteen (1784−1873) war ein Pionier auf dem Gebiet des Erdmagnetismus und der Erforschung der Polarlichter. Auf einer Expedition nach Sibirien um 1830 suchte er nach einer Region mit maximaler magnetischer Intensität. Schließlich stellte er fest, dass die Polarlichter in einem Ring mit maximaler Häufigkeit um den nördlichen Magnetpol auftreten. Er richtete mehrere geomagnetische Beobachtungsstationen ein und vereinbarte mit Schiffskapitänen, das Magnetfeld weltweit zu beobachten und aufzuzeichnen. Die von ihm gesammelten Daten ermöglichten es ihm, eine der ersten Magnetkarten der Erde zu erstellen. Hansteen beobachtete in Norwegen die Aurora borealis während eines heftigen Magnetsturms, der vom 28. August bis zum 2. September 1859 auftrat. Er kam zu dem Schluss, dass „die Auswirkungen dieser Aurora auf die Telegrafenleitungen in Norwegen viel größer waren als in Frankreich und Deutschland“. Heute ist bekannt, dass starke Magnetstürme sowohl Stromnetze und die drahtlose Kommunikation als auch die Telegrafenkommunikation beeinträchtigen können.

Die folgenden Personen leisteten wichtige allgemeine Beiträge zur Meteorologie.

Der britische Mathematiker und Physiker Sir John Leslie (1766−1832) stellte 1804 fest, dass eine mattschwarze Oberfläche Wärme effektiver abstrahlt als eine polierte Oberfläche, was auf die Bedeutung der Schwarzkörperstrahlung hindeutet. 1810 gelang es ihm, Wasser künstlich zu Eis zu gefrieren.

Zu den zahlreichen Beiträgen des französischen Mathematikers und Physikers Joseph Fourier (1768−1830) gehörte der Nachweis, dass sich jede stetige Funktion in Kombinationen trigonometrischer Funktionen zerlegen lässt − eine Methode, die als Fourier-Analyse bezeichnet wird. Sie findet in der modernen numerischen Analysis und bei Berechnungen breite Anwendung. 1820 berechnete Fourier, dass die Erde kälter sein müsste, als sie es ist, wenn die einzige Wärmequelle die Sonnenenergie wäre, die von der Oberfläche des Planeten absorbiert werden kann. Er zog auch andere mögliche Wärmequellen in Betracht (die innere Wärme der Erde selbst und interstellare Strahlung), stellte jedoch fest, dass auch diese nicht genügend Wärme liefern konnten. Anschließend untersuchte er ein Experiment, das von de Saussure (siehe Teil 10 der Geschichte der Meteorologie) durchgeführt worden war. Dieser setzte Glasscheiben, die durch Luftschichten voneinander getrennt waren, in eine isolierte Vase ein und ließ Sonnenlicht in die Vase einfallen. Das Sonnenlicht durchdrang die Glasscheiben und die Luftschichten. De Saussure beobachtete, dass die resultierenden Temperaturen im Inneren der Vase in tieferen Schichten unter mehr Glasschichten höher waren. Fourier stellte die Hypothese auf, dass die Erdatmosphäre möglicherweise wie diese Glasscheiben als „Isolator“ wirke. Die Atmosphäre ist natürlich komplexer, doch Fouriers Beobachtung, für die ein Gewächshaus mit Glaswänden als Analogie dient, gilt als erste Formulierung dessen, was heute als atmosphärischer „Treibhauseffekt“ bezeichnet wird. 1822 führte Fourier in seiner „Théorie analytique de la chaleur“ die Verwendung von Dimensionen für physikalische Größen formell ein.

Der britische Pharmakologe Luke Howard (1772−1864) beschäftigte sich mit Meteorologie. Er gilt als Wegbereiter der modernen Wolkenkunde. Seine Wetterbeobachtungen führten 1818 zur Veröffentlichung seines Buches „The Climate of London“, das erste Werk, das sich mit der Klimatologie einer städtischen Umgebung befasste. Howards meteorologische Beobachtungen in und um London waren der erste Hinweis auf einen städtischen Wärmeinseleffekt. Howards wichtigster Beitrag zur Meteorologie war die Einführung des Wolkenklassifizierungssystems, das den Kern der modernen Klassifikation von Wolken bildet. Er wurde als der „Mann, der den Wolken Namen gab“ bekannt. Howard war fasziniert von der „Großen Nebelwolke“, die zwischen Mai und August 1783 den Himmel über Europa bedeckte und einen Dunst darstellte, der aus Staub und Asche der Vulkanausbrüche des Laki-Kraters in Island sowie des Asama auf Honshū in Japan bestand. Im Laufe seiner Beobachtungen stellte Howard bestimmte gemeinsame Merkmale von Wolken fest und entwickelte auf dieser Grundlage ein System zu deren Klassifikation. Im Dezember 1802 stellte er sein System der Askesian Society in London vor. Er schlug beschreibende Kategorien mit lateinischen Namen vor. Howards drei Grundkategorien waren Cumulus („Haufen“), Stratus („Schicht“) und Cirrus („Haarsträhne“). Eine vierte Kategorie, Nimbus („Regen“), bezeichnete „eine Wolke, die gerade dabei ist, sich zu Regen, Hagel oder Schnee zu verdichten“. Laut Howard „kann es keinen Regen geben, solange die Wolken, mit Ausnahme des Nimbus, ihre ursprüngliche Form beibehalten; erst durch die Beobachtung der Veränderungen und Übergänge der Wolkenform lässt sich das Wetter vorhersagen“. Howard fasste seine Arbeit 1803 in seinem „Essay on the Modifications [d. h. ‚Classification‘] of Clouds“ zusammen.

Darstellung von verschiedenen Wolken im Essay on the Modifications of Clouds von Luke Howard, Ausgabe 1803, Quelle: Ton Lindemann, Meteo-Maarssen, Maarssenbroek, Niederlande

Howards System fand rasch sowohl in Großbritannien als auch im Ausland breite Akzeptanz und verdrängte frühere Wolkenklassifikationen. Howards Werk „Seven Lectures on Meteorology“ (1837) war das erste moderne Lehrbuch zur Meteorologie.

Der britische Mediziner und Botaniker Robert Brown (1773−1858) entdeckte 1827 die Brownsche Bewegung von Pollen- und Farbstoffpartikeln im Wasser, die erst später als physikalischer Prozess verstanden wurde.

Der irische Marineoffizier und Hydrograph Sir Francis Beaufort (1774−1857) begann schon früh in seiner Karriere auf See, ein meteorologisches Tagebuch in Form von kurzen Anmerkungen zur allgemeinen Wetterlage zu führen. Diese Praxis behielt er bis zu seinem Tod bei. Beauforts Name ist allen Seefahrern aufgrund seiner Windstärkenskala und seiner Wetternotationscodes bekannt, die er in den frühen Jahren seines Kommandos, beginnend um 1805, entwickelte. Die Windstärkenskala basierte auf Beauforts Beobachtungen der Auswirkungen des Windes auf vollgetakelte Fregatten auf See und umfasste ursprünglich 14 Windstärkegrade, von Windstille bis zum Orkan. Die Wetternotation wurde 1833 zum Standard für die britische Flotte für alle Logbucheinträge gemacht. Im Jahr 1838 schrieb die britische Admiralität die Verwendung der Beaufort-Windskala mit 13 Windstärkegraden offiziell für alle Logbucheinträge der Schiffe vor. Die Beaufort-Skala ist die älteste systematische Methode zur Beurteilung von Windstärke und -geschwindigkeit. Sie wird auch heute noch in modifizierter Form von Seeleuten auf der ganzen Welt verwendet und ist darüber hinaus auch auf Landseite sehr gängig.

Sir Francis Beaufort, 1850, Stephen Pearce (1819-1904), Quelle: National Portrait Gallery, London, über Wikimedia Commons

Der Physiker und Chemiker Amadeo Avogadro (1776−1856) aus dem Piemont beschäftigte sich mit dem Zusammenhang der elektrochemischen Spannungsreihe und der Affinität der Elemente, der spezifischen Wärme von Gasen und Atom- und Molvolumina. Sein Ziel war es, die chemischen Eigenschaften der Verbindungen durch physikalische Eigenschaften zu beschreiben. Er ist vor allem für das Avogadro-Gesetz (gleiche Volumina verschiedener Gase enthalten bei gleicher Temperatur und gleichem Druck die gleiche Anzahl an Molekülen) und die Avogadro-Zahl (die Anzahl der Moleküle in einem Mol eines Stoffes) bekannt. Während seiner Lehrtätigkeit in Turin hatte er Lehrstühle in den Bereichen Statistik, Meteorologie sowie Maße und Gewichte inne.

Der Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777−1855) aus dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel beschäftigte sich mit dem Erdmagnetfeld und damit dem oberen Teil der Atmosphäre. Im Jahr 1838 bewies er, dass der überwiegende Teil des Erdmagnetfelds endogen ist, also seinen Ursprung im Erdinneren hat. Im Jahr 1839 stellte er jedoch die Vermutung auf, dass elektrische Ströme in einer leitfähigen Schicht der oberen Atmosphäre kleine Schwankungen im gesamten Magnetfeld verursachen, was er wiederum mit der Aurora borealis in Verbindung brachte.

Der dänische Physiker, Chemiker und Naturphilosoph Hans Christian Ørsted oder auch Hans Christian Oersted (1777−1851) entdeckte die magnetische Wirkung des elektrischen Stromes und gilt als Mitbegründer der Elektrizitätslehre und Elektrotechnik. Er führte Forschungen zu den Eigenschaften von Flüssigkeiten und Gasen durch, wobei sein Hauptaugenmerk auf deren Kompressibilität lag.

Neue Entwicklungen in der Messung des Taupunkts und in der Feuchtigkeitsmessung förderten die folgenden Wissenschaftler zutage:

Der schwedische Mediziner und Chemiker Jöns Jakob Berzelius oder auch Jacob Berzelius (1779−1848) entwickelte eine Methode zur Messung des Taupunkts und der relativen Luftfeuchtigkeit. Im „Traité de Chimie“ schlug er vor, dass die Temperatur eines Feuchtthermometers dem arithmetischen Mittelwert aus der tatsächlichen Lufttemperatur und der Taupunkttemperatur entsprechen sollte. Da sowohl die Feuchtthermometertemperatur als auch die Lufttemperatur (mithilfe eines gewöhnlichen Trockenthermometers) gemessen werden konnten, ließ sich anhand dieser Beziehung der Taupunkt berechnen. Mit diesen Informationen konnte er dann die relative Luftfeuchtigkeit abschätzen. Der Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner (1780−1849) aus Franken stellte um 1822 die Prinzipien des Taupunkt-Hygrometers oder Kondensationshygrometers vor. Die Erfindung des Taupunkt-Hygrometers wird jedoch allgemein dem britischen Chemiker John Frederic Daniell (1790−1845) zugeschrieben, der 1820 ein Instrument entwickelte, das zum Standard für die Feuchtigkeitsmessung werden sollte.

Taupunkt-Hygrometer nach Daniell, Holzstich, Quelle: Physikalisches Praktikum mit besonderer Berücksichtigung der physikalischen-chemischen Methoden von Eilhard Wiedemann und Hermann Ebert, 3. Auflage 1897, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig, über Wikimedia Commons

Der nächsten Teile der Serie der Geschichte der Meteorologie werden sich mit Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Instituten in Europa und bedeutenden außereuropäischen Staaten widmen, ehe weitere Persönlichkeiten mit ihren Erkenntnissen zur Meteorologie im 19. Jahrhundert vorgestellt werden.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.08.2026
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Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

31. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Gewitter im Allgemeinen und Tornados im Speziellen in diesem Jahr zurückhalten, dann liegen Sie nicht falsch. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägen den Sommer 2026 in vielen Landesteilen.
Entsprechend liegt die Zahl der bisher in Deutschland bestätigten Tornados derzeit bei nur 13 Fällen. Ruft man sich die durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben. Auch der August und der September gehören zu den Monaten, in denen häufiger Tornados auftreten. Zudem kann es sein, dass einzelne Verdachtsfälle später noch bestätigt werden. Trotzdem deuten die aktuellen Zahlen stark darauf hin, dass es 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Tornadosaison geben wird.

Die Karte zeigt die bisher bestätigten Tornadofälle in Deutschland im Jahr 2026.

Einordnung des Jahres 2026 in die Statistiken seit dem Jahr 2000

Schaut man auf die Zahlen seit dem Jahr 2000, so sieht man, dass es immer wieder Phasen gab, in denen eine große Zahl an Meldungen auftrat, und andere, in denen sich nur sehr wenige Tornados in der Datenbank finden. Die Anzahl hängt stark von den jeweils vorherrschenden Großwetterlagen ab. Schaut man beispielsweise auf das Jahr 2018, so stehen dort 26 bestätigte Fälle zu Buche. Damals wie heute gab es eine ausgeprägte Dürre in weiten Teilen Deutschlands. Es mangelte schlicht an passenden Wetterlagen für das Auftreten von Tornados.

Die Grafik zeigt die jährlich aufgetretenen und bestätigten Tornadofälle seit dem Jahr 2000.

Spätestete erste Tornado im Jahr

In diesem Jahr 2026 mussten wir bereits sehr lange warten, bis überhaupt der erste Tornadoverdacht bestätigt werden konnte. Dies war am 03.06. der Fall, als von Borkum aus eine Wasserhose beobachtet werden konnte. Genauer gesagt war es nicht nur eine, sondern gleich drei. Das war das späteste Datum im Jahresverlauf für den ersten bestätigten Tornado seit dem Jahr 2000. Der bisher späteste erste Fall stammte vom 24.05.2003 (damals der Tornado von Großenhain).

Die Karte zeigt die monatliche Verteilung der jährlichen Tornadofälle seit dem Jahr 2000. Zu sehen ist auch der bisher späteste erste Tornado (2003).

Der Tornado auf dem Bodensee und die Tornados bei Glückstadt

Auch danach hielten sich die Meldungen in Grenzen. Am ehesten ist wohl noch die fotogene Wasserhose auf dem Bodensee in Erinnerung geblieben. Sie war überaus fotogen und konnte von Friedrichshafen aus beobachtet werden. Auch über unsere WarnWetter-App hatten uns zahlreiche Aufnahmen dazu erreicht.

Im Bild sieht man eine Zusammenstellung der Bilder vom Tornado über dem Bodensee am 01.07.2026 aus unserer WarnwetterApp.

Auch in einer eher ruhigen Tornadosaison können einzelne Ereignisse durchaus folgenschwer sein, wie eindrücklich die Lage am vergangenen Sonntag zeigte. Die Bedingungen für das Auftreten von Tornados waren an diesem Tag recht gut (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/7/19.html) und so konnte sich am späten Nachmittag südlich von Cuxhaven an der Nordseeküste eine Gewitterzelle bilden. Diese Gewitterzelle unterschied sich von den anderen Zellen an diesem Tag, denn sie begann zu rotieren. Mithilfe des Wetterradaren können wir diese Rotation erfassen. Im Bild sieht man die Rotationsspur der Gewitterzelle. Man erkennt, dass die Rotation im Verlauf beständig stärker wurde. Bei gleichzeitig niedriger Wolkenuntergrenze konnte sich aufgrund der günstigen Umgebungsbedingungen ein Tornado ausbilden.

Nach aktuellem Stand der Untersuchungen wurden von der Gewitterzelle insgesamt mindestens drei Tornados hervorgebracht. Die weiteren Untersuchungen dauern jedoch noch an. So muss geprüft werden, ob sich auch zwischen den drei Ereignissen noch Schäden finden lassen, die auf eine längere Schadensspur hindeuten. Zudem laufen derzeit noch Untersuchungen zur genauen Stärke der einzelnen Tornados. Momentan wird davon ausgegangen, dass einer der Tornados sogar die Stärke IF2 erreicht haben könnte (220 ± 60 km/h).

Die Karte zeigt die Rotationsspur der Gewitterzelle, die mind. drei Tornados am 26.07.2026 hervorgebracht hat.

Tornadoexperten

Aber wer untersucht diese Fälle überhaupt? Die Tornadoexpertengruppe des Deutschen Wetterdienstes ist Teil eines größeren Expertennetzwerks in Deutschland (TOREX – Tornadoexpertenverbund Deutschland). Über eine gemeinsame Plattform tauschen wir uns zu aktuellen Verdachtsfällen aus. Wir bewerten die eingehenden Informationen aus sozialen Medien, der Presse oder aus privaten Zuschriften. Anhand des Schadensmusters und im Abgleich mit Bildern unserer Wetterradare können wir Verdachtsfälle gemeinsam bestätigen – oder eben nicht. Außerdem können wir die Stärke anhand einer objektiven Skala festlegen (IF-Skala).

Zu sehen sind die Logos des Tornadoexperten-Verbunds Deutschland und der Tornadoexperten Gruppe des Deutschen Wetterdienstes.

Tornadoverdachtsfälle melden

Was in den nächsten Tagen und Wochen noch an neuen Fällen hinzukommt, lässt sich derzeit nicht absehen. Sollten Sie einmal den Verdacht haben, dass ein bestimmtes Ereignis vielleicht ein Tornado gewesen ist, so schreiben Sie uns gerne an: tornado@dwd.de.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.07.2026
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Was ist eine Fallböe?

30. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Aktuell sorgt eine sehr ungewöhnliche Wetterlage für erhöhte Unwettergefahr. Besonders im Norden Deutschlands können sich kräftige Gewitter entwickeln, die sogar Orkanböen hervorbringen können. Solche extremen Windböen werden häufig vorschnell als „Windhose“ oder Tornado bezeichnet. Tatsächlich steckt jedoch oft ein anderes Phänomen dahinter: die sogenannte Fallböe oder auch der Downburst. Obwohl Fallböen ähnlich verheerende Schäden verursachen können wie Tornados, sind sie in der Öffentlichkeit deutlich weniger bekannt. Wie entstehen Fallböen und worin unterscheiden sie sich von Tornados?

Beide Phänomene treten meist im Zusammenhang mit kräftigen Gewittern auf. Besonders heftige Fallböen entstehen – ebenso wie viele starke Tornados – häufig an rotierenden Gewitterzellen, den sogenannten Superzellen. Physikalisch unterscheiden sich beide Erscheinungen jedoch grundlegend. Tornados sind stark rotierende Luftwirbel mit einer nahezu vertikalen Drehachse, die sich aus einer Schauer- oder Gewitterwolke entwickeln und Bodenkontakt haben. Häufig ist dabei ein von der Wolke bis zum Boden reichender rotierender Wolkentrichter sichtbar. Downbursts oder Fallböen entstehen dagegen durch einen sehr starken Abwind. Kühlt sich die Luft innerhalb des Gewitters stark genug ab, wird sie dichter und damit schwerer als ihre Umgebung. Sie beschleunigt nach unten, trifft auf den Boden und breitet sich anschließend fächerförmig in alle Richtungen aus. Dabei können Windgeschwindigkeiten von weit über 200 km/h erreicht werden.

Schematische Darstellung eines Downbursts. Grafik nach einer Darstellung der Federal Aviation Administration (FAA), bearbeitet und ergänzt.

Doch wodurch wird die Luft überhaupt so stark abgekühlt? In kräftigen Gewittern bilden sich in den oberen Wolkenschichten häufig größere Hagelkörner. Erreichen sie eine bestimmte Größe, kann der Aufwind sie nicht länger in der Schwebe halten und sie beginnen zu fallen. Dabei gelangen sie in tiefere und wärmere Luftschichten und schmelzen. Gleichzeitig fallen Regentropfen häufig in trockenere Luft, wo ein Teil des Niederschlags verdunstet. Sowohl das Schmelzen des Hagels als auch die Verdunstung der Regentropfen entziehen der Umgebungsluft Wärme. Dadurch kühlt sie sich ab, wird dichter und sinkt immer schneller zum Boden. Bei der heutigen Wetterlage spielt vor allem die Verdunstung des Regens in den trockenen Luftschichten unterhalb der Gewitterwolke die entscheidende Rolle. Hagel wird dabei kaum erwartet.

Warum die Verdunstungskühlung heute besonders effektiv ist und damit das Potenzial für Fallböen erhöht, zeigt die folgende Abbildung. Sie stellt einen simulierten Radiosondenaufstieg für Norddeutschland in einem sogenannten Skew-T-log-p-Diagramm dar. Auf der y-Achse ist der Luftdruck aufgetragen, der mit zunehmender Höhe abnimmt und daher als Vertikalkoordinate dient. Die x-Achse zeigt die Temperatur, ist jedoch schräg angeordnet. Die rote Kurve stellt den Temperaturverlauf der Atmosphäre dar, die grüne Kurve den Taupunkt. Die Taupunkttemperatur gibt an, auf welche Temperatur ein Luftpaket bei unverändertem Wasserdampfgehalt abgekühlt werden müsste, damit Sättigung erreicht wird. Sie ist damit ein Maß für den Feuchtegehalt der Luft.

Liegen Temperatur und Taupunkt dicht beieinander, ist die relative Luftfeuchtigkeit hoch. Im vorliegenden Fall trifft dies oberhalb von etwa 600 hPa zu. Dort befindet sich der weitgehend gesättigte Bereich der Gewitterwolke. Darunter nimmt der Abstand zwischen Temperatur- und Taupunktkurve, der sogenannte Spread, deutlich zu. Dies weist auf eine wesentlich trockenere Luftschicht hin. Fällt Niederschlag aus der Gewitterwolke in diese trockene Luft, verdunstet er besonders effizient. Die dabei benötigte Energie wird der Umgebungsluft entzogen, wodurch diese zusätzlich abkühlt. Die Luft wird dadurch dichter und sinkt mit zunehmender Geschwindigkeit zum Boden ab, was die Entstehung kräftiger Fallböen begünstigt.

Meteorologen bezeichnen ein solches Temperatur- und Feuchteprofil als inverses V, da Temperatur- und Taupunktkurve im unteren Teil des Diagramms die Form eines umgedrehten „V“ bilden. Ein derart ausgeprägtes inverses V ist für mitteleuropäische Verhältnisse vergleichsweise selten und stellt daher ein deutliches Indiz für ein erhöhtes Downburstpotenzial dar.

SkewT-Log-p-Diagramm: Simulierter Radiosondenaufstieg für Norddeutschland. Der große Abstand zwischen Temperatur- (rot) und Taupunktkurve (grün) weist auf eine sehr trockene Grundschicht hin. Verdunstender Niederschlag kühlt die Luft dort besonders effektiv ab und erhöht das Potenzial für Downbursts.

Aus größerer Entfernung wirkt dieser beschleunigte Abwind häufig wie ein aus der Gewitterwolke herabhängender Niederschlagsschacht (siehe Abbildung). Trifft die kalte Luft auf den Boden, breitet sie sich explosionsartig nach allen Seiten aus. Die stärksten Windböen treten dabei meist am Rand dieses ausströmenden Kaltluftkörpers auf. Aus unmittelbarer Nähe erscheint ein Downburst häufig als rasch heranziehende „weiße Wand“ aus Starkregen.

Das Schadenspotenzial von Fallböen kann dem von Tornados durchaus ebenbürtig sein. Während Tornados ihre Schäden meist entlang einer vergleichsweise schmalen Zugbahn verursachen, können Downbursts durch ihre fächerförmige Ausbreitung deutlich größere Flächen erfassen. Entsprechend können auch die verursachten Schäden regional erheblich sein.

Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
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