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Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006

18. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Schon der Auftakt hatte es in sich: Ein stationäres Tief über Westdeutschland sorgte am 25. November 2005 für bis zu 45 cm nassen Schnee. Der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen und zahlreiche Strommasten brachen unter der enormen Schneelast zusammen. Dies sollte als das Münster-Schneechaos in die Geschichte eingehen.

Bereits im Dezember stellte sich eine anhaltend winterliche Witterung ein, die sich – nur kurzzeitig unterbrochen – bis in den März hinein fortsetzte. Verantwortlich dafür war unter anderem eine plötzliche Stratosphärenerwärmung Anfang Dezember. Sie begünstigte wiederholt Hochdrucklagen über Nordeuropa, die milde Atlantikluft blockierten und stattdessen kalte Kontinentalluft nach Mitteleuropa lenkten. Charakteristisch für diesen Winter war das Zusammenspiel stabiler Hochdruckgebiete im Norden mit aktiven Tiefdruckgebieten entlang der Frontalzone über Süd- und Mitteleuropa. Das Ergebnis: anhaltende Kälte bei gleichzeitig wiederkehrenden, teils kräftigen Schneefällen.

Die erste markante Frostperiode stellte sich um den Jahreswechsel ein. Besonders in der Südosthälfte Deutschlands traten verbreitet strenge Nachtfröste bis unter −20 °C auf. Zuvor gefallener Schnee sorgte für eine nahezu flächendeckende Schneedecke, die im Nordosten regional bereits eine Höhe von über 30 cm erreichte. Im Bayerischen Wald wuchs sie rasch auf über einen Meter an. Die Schneemassen führten schließlich zur Tragödie von Bad Reichenhall, wo das Dach einer Eissporthalle einstürzte.
Im Januar folgte eine weitere Stratosphärenerwärmung, welche die winterliche Großwetterlage zusätzlich stabilisierte. Eine lang anhaltende Hochdruckphase ließ die Luft in Bodennähe stark auskühlen. Vor allem im Osten und Südosten wurden wiederholt strenge Fröste bis -18 °C gemessen. Zeitweise bildeten sich ausgeprägte Inversionslagen. Selbst größere Seen froren zu. Zwischendurch sorgten Tiefausläufer immer wieder für neue Schneefälle.

Seinen Höhepunkt erreichte der Winter im Februar. In einer Nordwestlage fielen in den Staulagen der östlichen Mittelgebirge innerhalb weniger Tage mehr als ein Meter Neuschnee. Mehr als 1.000 Gebäude in den östlichen Mittelgebirgen waren durch die Schneelast gefährdet. In mehreren Landkreisen, insbesondere in Niederbayern, wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundeswehr und THW waren im Dauereinsatz, um Dächer von Schnee zu befreien. Dennoch kam es zu Einstürzen. Straßen mussten wegen Schneebruchs gesperrt werden und die Schneehöhen türmten sich mancherorts auf über zwei Meter. Auch in den Nachbarländern Tschechien und Österreich waren Ortschaften zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.

Während der Übergang zu frühlingshaftem Wetter mit Temperaturen bis 20 °C in diesem Jahr bereits Ende Februar erfolgte, zeigte sich der März 2006 nochmals von seiner winterlichen Seite. Mit einer Nordlage gelangte erneut arktische Kaltluft nach Deutschland, begleitet von atlantischen Tiefdruckgebieten. Es kam verbreitet zu kräftigen Schneefällen. In Norddeutschland wurden bis zu 40 cm gemessen, im Alpenvorland 50 bis 100 cm. Auch sonst war ein Großteil Deutschlands erneut schneebedeckt. Besonders markant war die Lage am 11. und 12. März, als im Erzgebirge über 50 cm Neuschnee fielen. Insgesamt lag das Temperaturniveau im ersten Märzdrittel etwa 4 bis 6 Grad unter dem neuen klimatologischen Mittel.

Erst ab dem 25. März setzte sich schließlich eine nachhaltige Wetterumstellung durch. Mit einer südlichen Strömung gelangten warme Luftmassen nach Deutschland und brachten Tauwetter sowie Temperaturen über 20 °C. In den Hochlagen der östlichen Mittelgebirge hielt sich die Schneedecke jedoch noch bis in den Mai hinein.

Der Winter 2005/2006 bleibt somit als einer der letzten ausgeprägten Kälte- und Schneewinter in Erinnerung.
Die folgenden Bilder entstanden am 12.03.2006 auf dem Aschberg in Klingenthal im oberen Vogtland, das letzte Bild in Carlsfeld von Mitte März 2006.

Bereits auf 700 m lag über 1,5 m Schnee.

Eingeschneite Ausfahrt mit zugewehtem Auto.

Häuser verschwinden unter Schneewehen

Die Aschbergstraße auf 800 m unpassierbar.

Bis zu 2 m Schnee auf dem Kamm.

Eingeschneites Haus in Carlsfeld im Westererzgebirge

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Als-Deutschland-im-Schnee-versank-1.jpg 1920 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-18 20:17:472026-03-18 20:20:11Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006

Christian Andreas Doppler

17. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

CAD ist nicht nur die Abkürzung für „computer-aided design“, also für ein rechnergestütztes Konstruieren und Arbeiten an (dreidimensionalen) Modellen. Es sind ebenso die Initialen eines berühmten Mannes: Christian Andreas Doppler. Heute jährt sich sein Todestag zum 173. Mal, daher wollen wir in diesem Thema des Tages ihn und seine Entdeckung ehren.

Christian Andreas Doppler war ein österreichischer Mathematiker und Physiker, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte. Er wurde 1803 in Salzburg geboren und studierte in Wien Mathematik und Physik. Das reichte ihm augenscheinlich nicht, denn dazu kam anschließend noch ein Studium der Philosophie in Salzburg.

Abbildung 1: Porträtzeichnung Christian Dopplers

Nach einigen anderen Lehrstellen, wurde er schließlich Professor in Prag und später Professor für Experimentalphysik und Direktor des Physikalischen Instituts in Wien. In Prag veröffentlichte er seine Abhandlung mit dem Titel „Über das farbige Licht der Doppelsterne und einiger anderer Gestirne des Himmels“. In diesem Text beschreibt und leitet er theoretisch her, was mit Wellen passiert, wenn sich der Sender oder der Empfänger bewegt. Heute ist uns dieser Effekt zu seinen Ehren als Dopplereffekt bekannt. Das Beispiel des vorbeifahrenden Krankenwagens haben wohl die meisten schon einmal gehört. Wenn das Fahrzeug mit dröhnender Sirene auf uns zufährt, hört sich die Tonlage anders an, als wenn es an uns vorbeigerast ist und sich nun wegbewegt. Das liegt daran, dass die Schallwellen im ersten Fall zusammengestaucht werden und die Wellenlänge kleiner wird – der Ton wird höher. Im zweiten Fall wird die Wellenlänge größer und wir hören tiefere Töne.

Das Prinzip lässt sich nicht nur auf Schall anwenden, sondern auch auf Licht. Doppler wollte dadurch erklären, wieso manche Sterne eine andere Farbe besitzen als andere. Kurioserweise ist für dieses Problem der nach ihm benannte Effekt gar nicht ausschlaggebend. Die Temperatur des Sterns ist hauptverantwortlich welche Farbe er bevorzugt abstrahlt. Für sein Problem hat er also eine Lösung gefunden, die zwar nicht stimmte, jedoch trotzdem eine wichtige Entdeckung darstellt.

Der experimentelle Nachweis des akustischen Dopplereffekts wurde 1844 von Christoph Buys-Ballot erbracht. Dabei spielten Blasmusikanten einen gleichbleibenden Ton in einer fahrenden Eisenbahn. Im Labor konnte Ernst Mach den Effekt erst 1860 und somit nach Dopplers Tod nachweisen. Der Nachweis für Licht erfolgte noch später im Jahre 1876 durch Carl Vogel.

Heutzutage wird der Dopplereffekt in vielen verschiedenen Bereichen genutzt. In der Medizin, kann die Geschwindigkeit des Blutes in unseren Gefäßen gemessen werden. Hierbei sendet man Ultraschallwellen in das Gefäß und misst das reflektierte Echo. Die sich bewegenden Blutkörperchen verändern die Frequenz der Wellen und diese Änderung lässt Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit des Blutstroms zu. In der Astronomie kann gemessen werden, wie sich ein Objekt relativ zur Erde bewegt oder ob es um sich selbst rotiert. In der Satellitenkommunikation muss immer berücksichtigt werden, dass sich durch die hohe Geschwindigkeit des Satelliten auch das ausgesandte Signal verändert.

Es wäre natürlich kein Thema des Tages, wenn nicht der Bezug zur Meteorologie hergestellt würde. Hier müssen die Dopplerradare genannt werden, die wichtige Informationen zu der Geschwindigkeit von Gewitterzellen liefern. Auch besonders kräftige Entwicklungen können besser entdeckt werden, denn Superzellen beinhalten eine Rotation. Mithilfe des Dopplereffektes können die engbeieinander liegenden entgegengesetzten Relativbewegungen sichtbar gemacht werden. Wer mehr über dieses Thema lesen möchte, kann sich in vielen vorangegangen Themen des Tages umschauen (siehe Link 1 oder Link 2).

Abbildung 2: Gedenktafel zu Ehren Christian Dopplers an dessen Geburtshaus.

Zur Ehrung Christian Dopplers steht im Arkadenhof der Universität Wien eine steinerne Büste von ihm. Außerdem ist sein Name in einer Ehrentafel verewigt und ein Hörsaal nach ihm benannt. Auch in seiner Geburtsstadt Salzburg wurde anlässlich seines 100. Geburtstages eine Informationstafel an seinem Geburtshaus und zu seinem 200. Geburtstag eine Büste in der Christian-Doppler-Klinik aufgestellt.

M.Sc. Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Christian-Andreas-Doppler-1.jpg 326 259 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-17 21:02:532026-03-17 21:03:44Christian Andreas Doppler

Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Frühling zurück

16. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die neue Woche startete am heutigen Montag mit klassischem Aprilwetter. Ein mit reichlich Höhenkaltluft angereicherter Trog in 500 hPa, d.h. tiefer Luftdruck und kalte Temperaturen in etwa 5,5 km Höhe, sorgte am heutigen Montag für abwechslungsreiches Wetter. Wir erlebten einen Mix aus etwas Sonnenschein und dichten Wolken. Dazu gesellten sich einige Schauer, teils mit Graupel. Auch das ein oder andere Graupelgewitter war mit von der Partie. Kaum Schauer gab es im Südwesten des Landes und auch im Nordwesten ließen die Schauer bis zum Abend nach. Der Regenschirm half bei den Schauern und Gewittern nur wenig, denn diese waren von starken bis stürmischen Böen begleitet, aber auch abseits von Schauern wehte zeitweise ein lebhafter Wind. Mit 7 bis 12 Grad war es am heutigen Nachmittag auch vergleichsweise kühl.

Abbildung 1: Bodendruckverteilung und Fronten am morgigen Dienstag, 17.03.2026, 12 UTC (13 Uhr mitteleuropäische Zeit, MEZ).

Bereits in der kommenden Nacht zum Dienstag lassen die Schauer und Gewitter nach und ziehen sich nach Südosten zurück. An den Alpen stauen sich allerdings die Niederschläge. Bis auf 800 m herab schneit es und es wird nochmal weiß. Stellenweise werden 5 bis 10 cm Neuschnee erwartet. Vor allem in den östlichen Bayerischen Alpen halten die Schneefälle bis morgen Nachmittag an und in höheren Lagen können bis zu 30 cm Neuschnee zusammenkommen. Während es abgesehen davon in der Osthälfte Deutschlands meist aufklart, ziehen im Westen schon neue Wolken auf, die auch etwas Regen bringen. Dabei handelt es sich um die bereits erwähnte Warmfront, die uns von Westen erreicht und deutlich mildere Luft im Schlepptau hat. Dort, wo es aufklart, gibt es verbreitet leichten Frost, im Westen unter den Wolken bleibt es hingegen frostfrei.

Abbildung 2: Wetter (tagsüber) am morgigen Dienstag, 17.03.2026.

Am morgigen Dienstag dehnt sich ein Hochdruckgebiet von Russland und Nordosteuropa weiter zu uns nach Mitteleuropa aus und wird dort LUKAS genannt (Abbildung 1). Dadurch kommen die Niederschläge und Wolkenfelder der Warmfront nicht mehr bis in den Osten voran (Abbildung 2). Auch in der Westhälfte sorgt der steigende Luftdruck dafür, dass die Regenfälle immer schwächer werden und im Tagesverlauf abklingen. Im Westen ist es also morgen noch oft grau und vielleicht auch anfangs regnerisch, während sich im Osten schon häufiger die Sonne durchsetzt. Mit Temperaturen zwischen 8 Grad in Teilen Südbayerns und 16 Grad am Niederrhein wird es schon wieder etwas milder als heute. Trotz der Wolken wird es also im Westen am wärmsten was der wärmeren Luft hinter der Warmfront geschuldet ist.

Abbildung 3: Bodendruckverteilung und Fronten am Mittwoch, 18.03.2026, 12 UTC (13 MEZ).

Diese Wetterbesserung setzt sich auch am Mittwoch fort (Abbildung 3). Zuvor müssen wir aber nochmals durch eine kalte Nacht. Mit Ausnahme des Nordwestens und entlang des Rheins, fallen die Temperaturen verbreitet unter den Gefrierpunkt. Vor allem von Bayern über Sachsen bis in den Süden Brandenburgs muss in ungünstigen Lagen sogar mit Tiefstwerten um -5 Grad gerechnet werden (Abbildung 4, links). Empfindliche Pflanzen sollten also vor Frostschäden geschützt werden. Tagsüber treibt viel Sonnenschein zusammen mit der wärmeren Luftmasse dann die Temperaturen aber in die Höhe. Am Nachmittag kommen bei strahlend blauem Himmel und Höchstwerten zwischen 12 und 18 Grad wieder Frühlingsgefühle auf (Abbildung 4, rechts). Ähnlich sieht es auch am Donnerstag aus (Abbildung 5). Vielerorts Sonnenschein und Höchstwerte zwischen 13 und 19 Grad dürften der Vegetation einen weiteren Schub geben. Nur im Norden ziehen im Tagesverlauf Wolken auf, die am Abend in Küstennähe etwas Regen bringen könnten.

Abbildung 4: Tiefstwerte (links) und Höchstwerte (rechts) der Temperatur am Mittwoch (nach MOSMIX), 18.03.2026.

In der Nacht zum Freitag und am Freitag kommen Wolken und etwas Regen weiter südwärts voran. Bei diesem Regenband handelt es sich um eine Kaltfront, die uns von Nord nach Süd überquert. Hinter ihr fließt wieder kühlere Luft ein. Die Temperaturen gehen also – zumindest vorübergehend – wieder zurück. Da sich voraussichtlich über Nordeuropa aber schon das nächste Hoch etabliert, beruhigt sich das Wetter wieder. Die Niederschläge klingen ab und die Sonne kommt am Wochenende auch wieder zeitweise zum Vorschein. Die Temperaturen erreichen aber vorerst nicht mehr das Niveau der Wochenmitte. Die Frostgefahr bleibt in den Nächten weiter bestehen.

Abbildung 5: Wetter-Aussichten von Mittwoch bis Freitag, 18. – 20.03.2026.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.03.2026
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Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

15. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das heutige Thema des Tages blickt in die Nachbarschaft der Meteorologie: die Ozeanographie. Zu den eindrucksvollsten Phänomenen, die das Meer einem Betrachter an der Küste bietet, gehören Ebbe und Flut. Diese Änderung des Wasserstandes zeigt sich auch an der Nordseeküste (und in subtiler Variante auch an der Ostsee). Neben astronomischen Ursachen ist auch die Wetterlage verantwortlich dafür, wie stark die Gezeiten ausfallen. Der Deutsche Wetterdienst am Standort Hamburg berät hierbei den Windstaudienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Windprognosen, welche dort in die Berechnung der Pegelstände an deutschen Küsten eingehen. Jedoch treten nicht an allen Punkten der Nordsee täglich Hoch- und Niedrigwasser auf. Es gibt drei Punkte, an denen der Wasserstand gleich bleibt, die sogenannten amphidromischen Punkte.

Vergleicht man den Zeitpunkt des Eintreffens eines Hochwassers an der deutschen Nordseeküste, stellt man fest, dass die Flut auf Borkum zu einem anderen Zeitpunkt eintrifft als in Cuxhaven oder Westerland. Dasselbe gilt für das Niedrigwasser, die Ebbe. Warum ist das so? Gezeiten entstehen durch gravitative Anziehung von Sonne und Mond, die jedoch nicht gleichmäßig auf die Erde einwirken, sondern auf der jeweils zugewandten Seite etwas stärker und auf der jeweils abgewandten Seite etwas schwächer ausfallen. Die Unterschiede wirken nach beiden Seiten, wobei diejenigen in und entgegengesetzt zur Mondrichtung etwa doppelt so stark ausfallen wie die in und entgegengesetzt zur Sonnenrichtung. Beobachtet man das Ganze von einem festen Punkt auf der Erde, bspw. von Cuxhaven aus, wird dieser Einfluss mit der täglichen Erdrotation ein periodischer Vorgang, der sich zweimal jeden Tag wiederholt. Da sich der Mond zusätzlich einmal im Monat um die Erde dreht, ist dessen periodischer Einfluss rund 20 bis 30 Minuten länger. Je nach Winkel zwischen Mond- und Sonnenrichtung addieren sich die Wirkungen des dominierenden Mondes und der Sonne. Mit der um die Erdachse rotierenden Streckung der Erde hebt und senkt sich die Oberfläche periodisch. Zwischen den Punkten stärkster Hebung und Senkung der Erde werden horizontale Komponenten der Gezeitenkräfte angeregt, die die stärkste Ursache der Gezeitenströmungen in den Tiefen des Ozeans ausmachen. Diese werden durch die Kontinente und die Corioliskraft beeinflusst. So gibt es Küstenabschnitte mit größeren und kleineren sich ändernden periodischen Wasserständen (Tiden), die bei günstiger Stellung des Mondes (bei Voll- und Neumond) zur Sonne auf einer Linie eine besonders große Tide, die Springtide, und bei rechtwinkliger Stellung von Sonne und Mond (bei Halbmond) eine besonders kleine Tide, die Nipptide hervorrufen.

Unterschiedliche Verteilungen der Landmassen auf dem Globus verhindern eine gleichmäßige Bewegung der Tidenwellen um die gesamte Weltkugel, so dass sich in einzelnen Meeresbecken eine oder mehrere stehende Wellen bilden, die durch die Corioliskraft in Rotation gesetzt werden.

Die Nordsee selbst ist als Randmeer zu klein und flach für die Ausbildung eigener Gezeitenwellen. Die Gezeiten werden durch eindringende Gezeitenwellen aus dem Nordatlantik ausgelöst. Sie laufen vom nordwestlichen Teil der Nordsee an der schottischen und englischen Ostküste südwärts Richtung Straße von Dover. Von dort, vom Südwestteil der Nordsee, werden sie von zur deutschen Nordseeküste ostwärts und weiter zur dänischen Westküste nordwärts gelenkt, wo sie im Skagerrak auslaufen. Dadurch, dass auch Gezeitenanteile durch den Englischen Kanal in die Nordsee einlaufen können und die oben erwähnten Gezeitenwellen hier um einen amphidromischen Punkt (siehe unten) laufen, sind die Gezeiten in den Niederlanden teilweise gesplittet, so dass mehrere kleinere Hoch- oder Niedrigwasser in kürzerer Zeit ablaufen können. Typische Gezeitenunterschiede im Bereich der deutschen Nordseeküste liegen bei 2,5 bis 4 Metern, der größte Tidenhub an der Nordsee zeigt sich im Mündungstrichter The Wash in Ostengland mit 6,8 Metern.

Die Ostsee als ein weitgehend geschlossenes Binnenmeer ist im Vergleich zur Nordsee noch flacher und ihre Verbindung zum Atlantik noch mehr begrenzt. Dementsprechend wirken gravitative Kräfte durch Mond und Sonne weit moderater, so dass typische Änderungen der Wasserstandshöhen hier bei 10 bis 30 Zentimetern liegen. Meteorologische Einflüsse auf Wasserstandsschwankungen sind von größerer Bedeutung: Starkwind kann den Wasserstand um einige Dezimeter anheben oder senken, Luftdruckunterschiede beeinflussen die Wasserhöhe, entsprechende Windrichtungen sorgen für eine Änderung der Wasserverteilung und saisonale Temperaturschwankungen wirken sich auf die Höhe des Wasserstandes aus. Letztere sind durch die Jahreszeiten geprägt: Im Sommer herrschen vorwiegend ruhige Bedingungen, im Herbst und Winter können Sturmtiefs für erhöhte Wasserstände sorgen. Bedeutender sind jedoch windbedingte Veränderungen: Bei anhaltend starkem Nordostwind wird das Wasser der Ostsee im Bereich der deutschen Küste gestaut, was für anhaltenden höheren Wasserstand sorgt. Im umgekehrten Fall sorgen dort anhaltende starke Südwestwinde für niedrigere Wasserstände.

Im Bereich der Nordsee wirken Starkwinde mitunter additiv auf Hoch- oder Niedrigwasser. Besonders die Kombination aus Flut und anhaltendem stürmischem Nordwestwind sorgt für höhere Pegelstände, während längerer stürmischer Südostwind bei Ebbe stärkeres Niedrigwasser an der Nordsee bedeutet.

Hochwasser und Niedrigwasser am Nikolaifleet (Deichstraße) in Hamburg, Quelle: BSH

Vor diesem Hintergrund versorgt der Deutsche Wetterdienst im Rahmen des Seewetterdienstes am Standort Hamburg das Kollegium im Bereich des Windstau- und Sturmflutwarndienstes des BSH mit Windprognosen für die deutschen Küsten, die zu Hoch- und Niedrigwasserterminen in die Berechnungen der Pegelstände einfließen. Für die Nordsee wird im Routinefall hierfür viermal täglich das BSH beraten, für die Ostsee erfolgt zweimal wöchentlich eine Beratung, die dann mehrere Vorhersagetage abdeckt. Im Bedarfsfall, beispielsweise bei einer Sturmflut, wird die Beratung intensiviert und die Häufigkeit erhöht, um die Vorhersage der höchsten Pegelstände der Sturmflut zu optimieren. In einem solchen Fall ist die Ausgabe und nachfolgende Kommunikation von Sturmflutwarnungen durch das BSH wahrscheinlich. Der Deutsche Wetterdienst übernimmt diese Warnungen bei der Kommunikation der Sturm-Wetterlage. Erreicht an der Nordseeküste eine Tide eine Höhe von 1,5 bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, spricht man von einer Sturmflut. Eine schwere Sturmflut hat eine Höhe von 2,5 bis 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, noch höhere Fluten bezeichnet man als sehr schwere Sturmflut. Beträgt der Wasserstand an der Ostsee 1 bis 1,24 Meter über Normalhöhennull, tritt dort eine leichte Sturmflut auf, bei 1,25 bis 1,49 Meter über Normalhöhennull eine mittlere Sturmflut, bei 1,5 bis 1,99 Meter über Normalhöhennull eine schwere Sturmflut und bei höherem Hochwasser eine sehr schwere Sturmflut.

Nicht in allen Gebieten der Nordsee ändert sich der Wasserstand täglich. Die oben angesprochene Rotation stehender Wellen durch die Corioliskraft in Meeresbecken um einen Punkt herum wird als Amphidromie bezeichnet. An diesen Punkten treffen alle Phasenlinien einer schwingenden Wasserstandshöhe (gleiche zeitliche Phase desselben Wasserstandes, also auch die Linien mit Ebbe (Schwingungstal) oder Flut (Schwingungsberg) zur selben Zeit) zusammen. Damit treten Hoch- und Niedrigwasser zusammen auf, was Schwingungen aufhebt und zu einem permanent konstanten Wasserstand führt. In der Nordsee findet man drei solcher amphidromischen Punkte: einer im Südwestteil der Nordsee zwischen East Anglia (Ostanglien) und Holland, einer im östlichen Zentralteil der Nordsee in der Mitte der Jütlandbank zwischen Nordengland und Jütland sowie einer im Nordostteil der Nordsee vor der norwegischen Küste bei Stavanger.

Amphidromiezentren in der Nordsee und Tidenzeiten nach Bergen/Norwegen

Auf den Weltmeeren findet man drei solcher amphidromischen Punkte im Bereich des Indischen Ozeans, sechs sind im Pazifik, vier außerhalb der Nordsee im Atlantik und zwei im Bereich des Südlichen Ozeans.

Gezeiten als in den Weltmeeren umlaufende Wellen, Phasenlinien und amphidromische Punkte

Im Gegensatz zu diesen Punkten, wo es kein Hoch- und Niedrigwasser gibt, findet sich der größte Unterschied zwischen Ebbe und Flut, der größte Tidenhub, mit 13 Metern an der Bay of Fundy zwischen Nova Scotia (Neuschottland) und New Brunswick (Neubraunschweig) vor dem Ostteil Kanadas. Bei Springflut sind es sogar 16 Meter.

Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Gezeiten-an-Nord-und-Ostsee-Windstau-und-Sturmflutwarndienst-und-amphidromische-Punkte-1.jpg 315 875 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-15 22:50:562026-03-15 22:52:18Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

Aprilwetter – der März übt schon mal

14. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tiefdruckgebiete dirigieren das Wettergeschehen und schicken uns auf eine meteorologische Berg- und Talfahrt in Mitteleuropa. Am heutigen Samstag liegt eine Kaltfront von Südwest nach Nordost quer über Deutschland. Sie trennt milde Luft im Osten von polarer Meeresluft im Westen. Verbreitet kommt es zu Niederschlägen, die meist als Regen, an den Alpen und in höheren Lagen der westdeutschen Mittelgebirge aber auch als Schnee fallen. Länger trocken und zeitweise freundlich ist es im Südosten des Landes. Im Osten und Südosten wird es mit 12 bis 18 Grad auch am mildesten. Der Westen muss sich mit mageren 4 bis 8 Grad begnügen.

Nutzerbilder vom Morgen des 14.03.2026 aus dem westdeutschen Bergland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Rollentausch am Sonntag, Westen im Vorteil

Am Sonntag wendet sich das Blatt. Im Westen scheint nach Abzug der Front zeitweise die Sonne und es bleibt meist trocken. Im Osten und Südosten sorgt die Kaltfront dagegen für viele Wolken und hier und da auch für etwas Regen, in höheren Lagen Schnee. Das Temperaturgefälle dreht sich um: mit 8 bis 12 Grad wird es im Westen am mildesten, im Osten und Südosten werden nur noch 6 bis 10 Grad erreicht.

Ruppige Böen und schnelle Schauer: Das Wetter-Karussell nimmt Fahrt auf

Zum Wochenbeginn stattet uns der April einen Besuch ab, zumindest was das Wettergeschehen angeht. In rascher Folge ziehen Schauer und örtliche Gewitter von West nach Ost über Deutschland hinweg. Örtlich mischt sich Graupel unter den Niederschlag. Zwischen den Schauern zeigt sich häufig, aber nur kurz die Sonne. Maximal werden 6 bis 11 Grad erreicht. Der westliche bis südwestliche Wind frischt vor allem in Schauer- und Gewitternähe stark auf, im Bergland gibt es Sturmböen.

Bodendruck und Bodenfronten von Sonntag, 15.03. bis Dienstag, 17.03. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Belohnung nach dem Schauer-Marathon

Am Dienstag setzt Wetterberuhigung ein. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss lassen die Niederschläge meist nach und die Sonne zeigt sich häufiger. Mit Höchstwerten zwischen 9 und 14 Grad wird es wieder milder als zuletzt.

Das Karussell dreht sich weiter, nimmt aber zur Wochenmitte deutlich Fahrt in Richtung Frühling auf. Wer den Montag übersteht, wird mit milden Aussichten belohnt. Vor allem im Westen werden dann wieder häufiger 15 Grad und mehr erreicht.

Prognostizierte Höchst- und Tiefsttemperatur von Samstag bis Dienstag (14.-17.03.2026). Quelle: Deutscher Wetterdienst

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Aprilwetter-der-Maerz-uebt-schon-mal-1-scaled.png 1056 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-14 22:28:062026-03-15 22:52:02Aprilwetter – der März übt schon mal

Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA?

13. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Je weiter eine Wettervorhersage in die Zukunft reicht, desto stärker verlässt sie den Bereich der konkreten Einzelprognose und bewegt sich in Richtung statistischer Abschätzung möglicher Entwicklungen. Der Grund dafür liegt in der chaotischen Natur der Atmosphäre: Schon kleine Unsicherheiten in den Anfangsbedingungen können im Laufe der Zeit zu deutlich unterschiedlichen Wetterverläufen führen. Um diese Unsicherheit abzubilden, werden in der modernen Wettervorhersage sogenannte Ensembles verwendet. Dabei wird ein numerisches Wettermodell viele Male mit leicht veränderten Anfangsbedingungen gerechnet. Interessiert man sich dann zum Beispiel für die Wetterentwicklung über Europa in einer Woche, wäre der unmittelbarste Ansatz, sich jeden einzelnen Modelllauf des Ensembles anzuschauen.

Auf Meeresniveau reduzierter Luftdruck und Temperatur auf 850 hPa der einzelnen Ensemble-Member des europäischen IFS Modells, für Europa und den 19. März 2026.( Quelle : ECMWF)

Während dieser Ansatz sämtliche Information der einzelnen Ensemble-Member erhält, ist er in der Praxis generell weder intuitiv noch übersichtlich. Zusätzlich zeigt Abbildung 1 nur einen Zeitpunkt pro Ensemble-Member. Um sich einen Überblick zu verschaffen ist es also wichtig den Output der vielen Modellläufe zu verdichten, um relevante Informationen über die mögliche Variabilität der Wetterentwicklung herauszufiltern – ein zentraler Aspekt in der heutigen Wettervorhersage.

Ein möglicher Ansatz, der direkt aus Abbildung 1 folgt, ist die sogenannte Cluster-Analyse. Dabei werden die Ensemble-Mitglieder anhand bestimmter Fehlermetriken nach ähnlichen Mustern (hier im 500 hPa Geopotenzial) gruppiert, sodass typische Szenarien in der Wetterentwicklung sichtbar werden. Abbildung 2 zeigt, dass für die Tage um den 19. März 2026 die Reichweite der möglichen Entwicklungen vergleichsweise übersichtlich ist, da sich vier repräsentative Cluster aus den einzelnen Ensemble-Mitgliedern ergeben. Diese Cluster fassen die wesentlichen Varianten der prognostizierten Wetterentwicklung zusammen und erleichtern damit die Interpretation des Ensembles erheblich.

Cluster-Analyse der Ensemble-Member, aufgeteilt auf vier ähnliche Lösungen der Großwetterlage, basierend auf der Variabilität des Geopotenzials auf 500 hPa. Dargestellt sind je drei Zeitschritte der Entwicklung pro Cluster. (Quelle: ECMWF)

Eine weitere Möglichkeit, die Informationen eines Ensembles zu verdichten, besteht darin, gezielt auf Extremwerte einzelner meteorologischer Parameter zu schauen. Einen solchen Ansatz verfolgt der sogenannte Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF. Der EFI fasst die Ensemble-Informationen zu einem bestimmten Parameter, beispielsweise der Temperatur oder des Niederschlags, in einem einzigen Wert zusammen. Er gibt Aufschluss darüber, wie ungewöhnlich ein wahrscheinlich bevorstehender Wert im Vergleich zur klimatologischen Verteilung ist.

Der EFI wird berechnet, indem die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ensemble-Mitglieder für einen bestimmten Zeitpunkt und Ort mit der entsprechenden Klimaverteilung verglichen wird. Je stärker und konsistenter sich die Vorhersagen des Ensembles von der Klimaverteilung entfernt, desto näher liegt der EFI bei Werten von plus oder minus 1:

– EFI nahe 0: Die prognostizierten Bedingungen liegen im Bereich des für die Jahreszeit üblichen Modellklimas.
– EFI deutlich positiv (z. B. > 0,7): Ein großer Teil der Ensemble-Vorhersagen liegt im oberen Extrembereich oder jenseits der klimatologischen Verteilung – ein Hinweis auf ungewöhnlich hohe Werte.
– EFI deutlich negativ: Die Prognose bewegt sich im unteren Extrembereich, etwa bei ungewöhnlicher Kälte oder sehr niedrigen Werten.

Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF IFS Ensembles für die 2 m Lufttemperatur über Zentraleuropa. Die rechte Abbildung zeigt zusätzlich den Median der Modellklimatologie der vergangenen 20 Jahre, repräsentativ für den mittleren Zustand in dieser Periode. (Quelle: ECMWF)

Der Vollständigkeit halber zeigt Abbildung 3 den EFI für die Temperatur über Zentral-Europa um den 19. März. Das Signal ist hier insgesamt nicht stark ausgeprägt, was bedeutet, dass die prognostizierten Temperaturen größtenteils im normalen Rahmen für die Jahreszeit liegen. Positive Werte über dem Ärmelkanal und der Biskaya deuten auf höhere Wahrscheinlichkeiten für lokal ungewöhnlich warme Bedingungen hin.

Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF IFS Ensembles für die 2 m Lufttemperatur über Nordamerika. Die rechte Abbildung zeigt zusätzlich den Median der Modellklimatologie der vergangenen 20 Jahre, repräsentativ für den mittleren Zustand in dieser Periode. (Quelle: ECMWF)

Während über Zentral-Europa um den 19. März nur ein schwaches EFI-Signal für außergewöhnliche Temperaturen sichtbar ist, zeigt sich über dem Westen der USA im selben Zeitraum ein deutlich ausgeprägteres Signal. Der EFI weist hier verbreitet Werte um 1 auf, was auf hohe Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten außergewöhnlich warmer Temperaturen für diese Jahreszeit hinweist. Nachdem das robuste Signal mithilfe der abstrakten EFI-Kenngröße identifiziert wurde, lohnt es sich, die zugehörige Wetterlage und konkrete Temperaturen zu betrachten. Das identifizierte Signal hängt mit einem ausgeprägten stationären Höhenrücken zusammen, der sich Ende kommender Woche über dem westlichen Nordamerika etabliert hat (Abbildung 5). Für Los Angeles in Kalifornien werden über mehrere Tage hinweg Temperaturen über 30 Grad erwartet, in Phoenix (Arizona) sogar über 36 Grad. Für weite Regionen im Westen der USA ist das gleichbedeutend mit einer mehrtägigen Abweichung vom klimatologischen Temperaturmittel um mehr als 10 Grad!

Die Strömung in der mittleren Troposphäre anhand des 500 hPa Geopotenzials, sowie die Temperatur auf 850 hPa, über Nordamerika für den 19. März 2026 um 00 Uhr UTC. (Quelle: ECMWF)

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Luftmassen

12. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Für die Idee, heute mal einen Blick auf Luftmassen zu werfen, gibt es natürlich einen Anlass. Zu sehen ist dieser auf der Fronten- und Bodendruckvorhersagekarte für den heutigen Donnerstag um 12 UTC (entspricht 13 MEZ) in Abbildung 1. Diese basiert auf dem Modelllauf unseres DWD-Modells ICON aus der vorvergangenen Nacht (11.03.2026, 00 UTC). Sehr schön ist zu erkennen, dass das steuernde Zentraltief FRITAUN Luft aus dem Bereich der Labradorsee und der Baffin Bay „anzapft“ und diese einmal quer über den Nordatlantik in Richtung Europa führt (blaue Pfeile).

Fronten- und Bodendruckvorhersage für heute, Donnerstag, 12.03.2026 (Basis: ICON-Modelllauf vom 11.03.2026, 00 UTC)

Einerseits bedeutet dies, dass die Luft aus einer subpolaren Region zu uns kommt. Andererseits verlaufen die Isobaren, also die Linien gleichen Druckes, über dem gesamten Nordatlantik recht gradlinig. Sie schlängeln oder kräuseln sich nicht, auch sind in die Strömung keine weiteren Druckgebilde eingelagert, die zu einer kräftigeren, auch vertikalen Durchmischung der Luft führen könnten. Diese beiden Faktoren sind schon ganz zentral für die Definition einer Luftmasse. Denn laut ebendieser Definition ist eine Luftmasse ein größerer Bereich der Atmosphäre, in dem die Luft gleichbleibende Eigenschaften aufweist. Dies können recht naheliegende Eigenschaften wie z. B. die Temperatur oder die Feuchte, aber auch weniger offensichtliche wie z. B. die Labilität sein.

Da Luft aus unterschiedlichen geografischen Breiten verschiedene Eigenschaften aufweist, ist im Umkehrschluss die geografische Breite eine gute Größe um Luftmassen zu unterscheiden. Das war auch schon den Wissenschaftlern an der Universität Bergen klar, die zu Beginn der 1920er Jahre erstmals versuchten Luftmassen festzulegen. Sie unterschieden dabei – nach einer anfänglich etwas gröberen Unterteilung – äquatoriale (E), tropische (T) subtropische (S) sowie subpolare (P) und arktische (A) Luft. Nach dieser Logik erhält „unsere“ aktuelle Luftmasse aus der Baffin Bay bzw. der Labradorsee als subpolare Luftmasse ein „P“.

Die Luft wird auf ihrem Weg zu uns, wie oben schon angedeutet, nicht vermischt. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht durchaus verändert wird. Hier sei einerseits die Erwärmung von arktischer oder polarer Luft genannt, beispielsweise durch solare Einstrahlung, aber auch durch warme Oberflächen (etwa Meeresoberflächen). Dieser Erwärmungsprozess wird bei der Luftmassenklassifikation mit einem angefügten „s“ gekennzeichnet. Andererseits wird, je nachdem ob die Luftmasse über Festland oder Meeresoberflächen strömt, weniger oder mehr Feuchte in die Luftmasse eingetragen. Deshalb unterscheidet man durch ein vorgestelltes „c“ oder „m“, ob es sich um eine kontinental oder maritim beeinflusste Luftmasse handelt.

Für die letztgenannte Unterscheidung kann man sich z. B. arktische Luftmassen aus der Region um den Nordpol vorstellen. Strömen diese über Skandinavien zu uns, dann handelt es sich um „cA“, also kontinentale Arktikluft. Macht die Luft aber einen kleinen Bogen und strömt westlich an Norwegen vorbei über das Nordmeer, dann wird von „mA“, also von maritimer Arktikluft gesprochen. Mit fast dem gesamten Nordatlantik überströmt auch „unsere“ aktuelle Luftmasse mehrheitlich Meer, sie bekommt damit auch ein „m“ verpasst und nennt sich folglich „mP“ für maritime Polarluft.

Sehr schön strukturiert erhält man diese Informationen auch im DWD-Lexikon oder im Thema des Tages meines Kollegen Adrian Leyser vom 06.01.2021 , insbesondere auch eine Tabelle mit allen gängigen Luftmassenbezeichnungen. Dort werden auch die letzten noch offenen Fragen geklärt, nämlich die nach der Luftmasse „Sp“ (für die mittleren Breiten) und das Präfix „“x“ bei Luftmassen, die nicht eindeutig maritim oder kontinental sind.

Akkumulierter Niederschlag bis in die Nacht zum Dienstag nach ICON-EU (links) sowie IFS (rechts), Modellläufe jeweils 12.03.2026, 00 UTC

Das Wetterlexikon wartet darüber hinaus mit den typischen Eigenschaften der verschiedenen Luftmassen auf, grob unterschieden nach Sommer und Winter. Die Luftmasse „mP“ präsentiert sich im Winter demzufolge nasskalt mit Regen, im Bergland auch mit Schnee. Und genau so könnte eine grobe Wettervorhersage für die nächsten Tage tatsächlich aussehen. Um diesbezüglich etwas präziser zu werden, ist in Abbildung 2 der akkumulierte Niederschlag bis in die Nacht zum Dienstag dargestellt, einmal nach dem DWD-Modell ICON-EU, einmal nach dem europäischen Modell IFS. Der avisierte Regen soll sich bis dahin laut der Modelle im Westen und an den Alpen auf um die 30 l/m2 akkumulieren.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Wetterumstellung ante portas!

11. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während man heute in der Osthälfte Deutschlands noch eifrig Vitamin D tanken kann, hat sich der Himmel im Westen schon ordentlich zugezogen und es hat heute Vormittag angefangen, leicht zu regnen. Über der östlichen Mitte kündigen ein paar Schauer ebenso die nahende Umstellung an, wobei dies durch Schauer und einzelne Gewitter bereits am gestrigen Dienstag erkennbar war. Diese Gewitter kann es am heutigen Mittwoch auch über Bayern und dem Osten Baden-Württembergs geben, da vorderseitig der heranziehenden Kaltfrontokklusion (okkludierte Front mit Kaltfrontcharakter) noch ein Rest feuchterer und labil geschichteter Luft liegt. Auch die Temperaturen zeugen von einer deutlichen Umstellung, denn so liegen sie im Osten häufig noch bei 17 bis 18 Grad, im Westen dagegen ist bei 11 bis 13 Grad meistens Schluss. Böiger Südwestwind lässt das ganze nochmals etwas kühler wirken.

Während es im Westen schon regnet, scheint über dem Osten noch verbreitet die Sonne. Über dem Süden haben sich derweil erste Gewitter entwickelt.

In der Nacht überquert die Front unter stetiger Abschwächung dann weite Teile des Landes und erreicht den Osten und Südosten, um sich hier aber zusehends aufzulösen. An den Alpen kann es oberhalb von 1000-1200 m sogar wieder etwas schneien.

Auf der Karte dargestellt ist die Großwetterlage am heutigen Mittwochmittag. Gut zu erkennen ist die von Nordwesten heranziehende Okklusionsfront, die die Wetterumstellung einleitet.

Ansonsten ist nach dem teils ungeständigen Mittwoch am morgigen Donnerstag erstmal wieder Durchschnaufen angesagt. Mit einem Ableger des umfangreichen Azorenhochs namens LUKAS herrscht landesweit ruhiges, teils sonniges Wetter vor mit Temperaturen von 12 bis 14, gelegentlich auch um 15 oder bis knapp 16 Grad. Der Wind spielt eine nur untergeordnete Rolle.

Wie für ein Zwischenhoch aber so üblich hat auch das nicht lange Bestand. Denn am Atlantik tut sich was, weil das umfangreiche Tief FRITAUN Verstärkung von GINA bekommt, woraus sich ein großräumiges Tiefdrucksystem entwickelt. Davon ausgehend greift eine langsam ziehende, teils sogar wellende Kaltfront am Freitag wieder auf den Westen/Nordwesten über und bringt Regenfälle, die mitunter etwas kräftiger ausfallen können.

Am Freitag sorgt eine langgestreckte, teils wellende Kaltfront für erneutes Regenwetter und ordentlich Wind.

Aufgrund der trockenen Vorgeschichte ist der Regen mehr Segen als Fluch für die Natur. Die Regenfälle liegen am Freitagmittag quer über der Nordwesthälfte, um abends und nachts auch den Osten und Südosten zu erreichen. Vorderseitig wird es einerseits nochmals mild mit bis zu 18 Grad, andererseits weht aber auch ein böiger Süd- bis Südwestwind. Rückseitig strömt dann Meereskaltluft ein, was die Schneefallgrenze kurz vor dem Abklingen der Niederschläge wieder herunterdrückt und Schneefall in einigen Gipfellagen der Mittelgebirge ermöglicht.

Am Samstag geht das Wechselspiel munter weiter, denn wieder ist es Zwischenhocheinfluss, der für meist ruhiges, wenn auch kühleres Wetter sorgt bei Höchstwerten um 7 bis 12 Grad.
Und am Sonntag? Natürlich wieder die umgekehrte Welt mit einem weiteren heranziehenden Frontensystem und neuen Niederschlägen von Nordwesten her.

Im Trend für Wiesbaden wird deutlich, dass es erstmal vergleichsweise mild bleibt mit meistens über 10, teils um 15 Grad, vor allem ab der kommenden Woche. Dazu gibt es bis einschließlich Montag immer wieder Regen, bevor es tendenziell trockener wird.

Kurz noch zum Trend für die neue Woche, der aber noch mit größeren Unsicherheiten behaftet ist: Nach einem noch unbeständigen Montag tendiert das Wetter ab Dienstag wieder mehr zu Hochdruck, womit eine „Wetterrückstellung“ bevorstehen könnte. Wie lange dieser anhält und ob die Temperaturen an die der vergangenen Tage heranreichen, ist noch mehr als ungewiss.

M.Sc.-Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Wetterumstellung-ante-portas-1.png 924 939 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-11 23:40:562026-05-11 14:06:02Wetterumstellung ante portas!

Frag doch mal die Maus

10. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am vergangenen Samstag, den 07. März, feierte die Maus aus der vom WDR produzierten „Sendung mit der Maus“ ihren 55. Geburtstag. Die von der Illustratorin Isolde Schmitt-Menzel erfundene Zeichentrickfigur hatte am 07. März 1971 ihren ersten Fernsehauftritt. Seither hilft die Maus Generationen von Kindern und junggebliebenen Erwachsenen bei der Beantwortung jeglicher Fragen. Ein kleiner Funfact: Obwohl die Sendung hauptsächlich für Kinder konzipiert ist, liegt das Durchschnittsalter der ZuschauerInnen bei knapp 40 Jahren.

Die orangefarbene Maus mit ihren braunen Ohren und ihrem charakteristischen Augenklimpern hat sich über die Jahrzehnte im Wesentlichen nicht verändert. Seit dem 05. Januar 1975 wird sie vom blauen Elefanten und seit dem 11. Januar 1987 auch von der gelben Ente begleitet. Treue Maus-Fans kennen zudem die verschiedenen Moderatoren. Die drei Dienstältesten dabei sind: Armin Maiwald (seit 1971, also von Beginn an), Christoph Biermann (seit 1983) und Ralph Caspers (seit 1999).

Der Hauptsendetermin der 30 Minuten dauernden Sendung ist in der ARD in der Regel sonntags um 09:30 Uhr, im KiKA erfolgt die Ausstrahlung sonntags um 11:30 Uhr, was der ursprünglichen Sendezeit entspricht. Inzwischen wurden mehr als 2.500 Sendungen produziert. Das Konzept ist einfach und doch genial. Bereits der Vorspann macht deutlich, um was es geht: Lach- und Sachgeschichten. Lachgeschichten sollen unterhaltsam sein, Sachgeschichten wiederum dienen der Wissensvermittlung. Getrennt werden die Elemente durch kurze Clips mit der Maus.

Bei den Sachgeschichten wird die Herstellung oder Funktionsweise von Gegenständen erläutert oder es wird erklärt, warum etwas so ist, wie es ist. Daneben werden Zuschauerfragen aufgegriffen und beantwortet. Durch die Aktion „Frag doch mal die Maus“ entwickelte sich eine separate Quizshow, die seit 2005 mehrmals im Jahr am Samstagabend zur Primetime um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird.

Bekannte Fragen hierbei sind: „Wie kommen die Löcher in den Käse?“ „Und wie die Streifen in die Zahnpasta?“ Natürlich wurden auch schon meteorologische Themen behandelt. So wurde beispielsweise die Frage beantwortet, warum der Himmel blau ist (Video zur Frage „Warum ist der Himmel blau?“).

Treuen Zuschauerinnen und Zuschauern wird insbesondere in Erinnerung geblieben sein, wie die Maus (bei einer weiteren Weltraummission auch der Elefant) Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation begleiten durfte. Daneben war besonders der Bau und die Inbetriebnahme des Flugzeugs Airbus A321 D-AIRY „Flensburg“ eindrücklich, was 2003 in neun Episoden ausgestrahlt wurde. Im Jahr 2015 war Christoph auch hier bei uns im Deutschen Wetterdienst zu Besuch mit der Frage, wie der Wetterbericht funktioniert (Video zur Frage „Wie funktioniert der Wetterbericht?“).

Interessant waren auch immer wieder die Sommerreisen oder Sommer-Sachgeschichten, bei denen über mehrere Wochen pro Sendung eine Episode ausgestrahlt wurde. Im Jahr 2022 wurde in sechs Teilen das Klima, der Klimawandel und klimafreundliches Handeln thematisiert (Beitrag mit Videos zu Klima, Klimawandel und klimafreundlichem Handeln).

Wenig verwunderlich ist, dass die Maus auch in Büchern jedweder Art vertreten ist: Von Gute-Nacht-Geschichten und Wimmelbüchern über Kochbücher bis hin zu den wissensvermittelnden Büchern der Reihe „Frag doch mal …“. Ein Band ist hierbei dem Klima und dem Wetter gewidmet. In diesem werden beispielsweise die Fragen beantwortet, was der Unterschied zwischen Wetter und Klima ist und warum es im Sommer warm und im Winter kalt ist.

Es ließe sich nun endlos weiter ausführen, was in der „Sendung mit der Maus“ alles schon erklärt wurde. Je nach Interesse wird man durch Recherche fündig. Und falls nicht: Frag doch mal die Maus! In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, liebe Maus und auf mindestens weitere 55 Jahre!

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Ozeanische Strömungen

9. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Luftströme in der Atmosphäre sind Alltag für uns Meteorologen im Vorhersagedienst. Auch in den Themen des Tages wird des Öfteren beispielsweise eine kalte Nordströmung oder eine feuchtwarme Südwestströmung erwähnt. Heute wollen wir ein Stockwerk tiefer gehen und uns die Ozeane anschauen.

Auch im Meerwasser gibt es Mechanismen, die der Atmosphäre ähneln. Die grundlegenden physikalischen Prinzipien und (Bewegungs-) Gleichungen sind sogar dieselben. Wie die Luft in der Atmosphäre hat kaltes Wasser eine höhere Dichte als warmes Wasser und sinkt somit in größere Tiefen hinab. Der ein oder andere hat hier bestimmt gestutzt – und das zurecht. Denn es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied. Wasser weist im Temperaturbereich von +4 bis 0 °C eine Dichteanomalie auf. Das heißt in diesem Intervall ist die Dichteänderung genau umgekehrt: 0 °C kaltes Wasser ist leichter als +4 °C „warmes“ Wasser.

Im Gegensatz zu Luft muss für Wasser nicht nur die Temperatur, sondern zusätzlich der Salzgehalt (auch Salinität genannt) berücksichtigt werden. Hier gilt: Je salziger das Wasser ist, desto höher ist die Dichte. Durch diese beiden Bausteine wird eine weltumspannende Zirkulation in den Tiefen der Ozeane in Gang gesetzt, die thermohaline Zirkulation genannt wird.

Abbildung 1: Skizze der thermohalinen Zirkulation, blau: Tiefsee, rot: Oberfläche. Salzgehalt des Meeres farbig hinterlegt. Markiert sind Übergangspunkte, an denen das Wasser absinkt. Quelle: Webb, Paul: „Introduction to Oceanography“, Kapitel 9 (Von Robert Simmon, NASA. Via Wikimedia Commons https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

In Abbildung 1 ist der Kreislauf skizziert. Beginnen wir an den Punkten, die mit „deep water formation“ (deutsch: Tiefenwasserbildung) gekennzeichnet sind. Diese liegen einerseits auf hohen geographischen Breiten in der Nähe der Antarktis und der Arktis. Dort kühlt das Wasser an der Meeresoberfläche ab. Wie oben beschrieben, steigt dadurch die Dichte. Gleichzeitig finden dort noch andere Prozesse statt. Teile des Meerwassers gefrieren und bilden Eis, zusätzlich spielt die Wasserverdunstung auch eine Rolle. In beiden Prozessen bleibt das Salz im Meer „übrig“, dadurch steigt der Salzgehalt und somit auch die Dichte. In Abbildung 2 ist die Verteilung der Dichte an der Meeresoberfläche dargestellt. Die angesprochenen Regionen stechen durch ihre rot eingefärbten Werte hervor.

Abbildung 2: Verteilung der jährlich gemittelten Seewasserdichte an der Meeresoberfläche. Tendenziell ist die Dichte im Bereich der Pole erhöht und am Äquator niedriger. Quelle: Webb, Paul: „Introduction to Oceanography“, Kapitel 6 (Von Plumbago via Wikimedia Commons https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Das kalte und salzige Meerwasser sinkt nun in die tieferen Ozeanschichten. In diesen Tiefen wird es dann auf verschiedenen Wegen in fast alle sieben Weltmeere transportiert (blaue Linien). Nach und nach mischt es sich mit wärmeren Wassermassen und steigt langsam an die Oberfläche. Das passiert vor allem im Pazifischen und im Indischen Ozean. Von dort tritt es seinen Rückweg an (rote Linien). Der uns wohl bekannteste Zweig dieses Systems ist der Golfstrom, der warmes Wasser von der Karibik in Richtung Europa bringt und dadurch das Klima in Nordwesteuropa milder gestaltet. Aber auch der Agulhasstrom an der Südspitze Afrikas oder der Kuroshio bei Japan gehören zu diesem System dazu.

Stellen wir uns vor wir würden uns heute ein Wasserpaket „aussuchen“ und es nachverfolgen. Um diese Weltreise zu durchlaufen würde ein Menschenleben nicht ansatzweise ausreichen. Über 1000 Jahre ist das Wasser quer durch die Ozeane unterwegs, bevor es wieder am Ausgangspunkt angelangt.
Doch auch diese Zirkulation ist äußeren Einflüssen unterworfen. Die IPCC-Berichte sammeln eine immense Menge an Informationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Klimaveränderungen. Im letzten Bericht (siehe Link 1) aus dem Jahr 2021 wird beschrieben, dass die globale Erwärmung in Folge des Klimawandels es sehr wahrscheinlich macht, dass sich der nordatlantische Teil der Zirkulation in diesem Jahrhundert verlangsamen wird. Ein Grund dafür ist, dass die Eisschmelze Frischwasser in die Bereiche führt, in denen das Wasser absinkt. Das wirkt dem Dichteanstieg entgegen und verlangsamt das System. Die Stärke dieser Abschwächung ist dabei jedoch sehr ungewiss. Ein plötzlicher Kollaps der Zirkulation tritt jedoch mit mittlerer Konfidenz nicht ein. Der komplette Stopp der Warmwasserzufuhr und ein Katastrophenszenario wie es beispielsweise im Film „The Day After Tomorrow“ thematisiert wird, ist also nicht wahrscheinlich. Trotzdem ist das Klima schützenswert, denn die Vorgänge sind komplex und mögliche Folgen oft schwer zu durchschauen.

M.Sc. (Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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