Mission impossible
Wettervorhersagen sind meist für etwa vier Tage im Voraus belastbar. Es gibt jedoch Wetterlagen, bei denen selbst eine Prognose für den übernächsten Tag große Unsicherheiten enthält. Genau das zeigt die Modelllage für Dienstag, den 20. Oktober 2026.
Auslöser ist ein sogenannter Kaltlufttropfen, ein abgeschlossenes Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten. ICON, GFS und IFS berechnen seine Zugbahn unterschiedlich. Dadurch ergeben sich für Deutschland erhebliche Unterschiede bei Temperatur, Bewölkung und Niederschlag.
Warum Höhentiefs Wetterprognosen erschweren
Vorhersagemeteorologen nutzen Messungen von Wetterstationen, Radaren und Satelliten sowie verschiedene numerische Wettermodelle. Meist lassen sich daraus eindeutige Trends ableiten. Ab dem vierten Vorhersagetag nehmen die Unterschiede zwischen den Modellen gewöhnlich zu, häufig bleibt aber ein wahrscheinliches Szenario erkennbar.
Besonders schwierig sind abgeschlossene Tiefdruckgebiete in der Höhe. Solche Höhentiefs oder Kaltlufttropfen werden von den Modellen zwar erfasst, ihre weitere Verlagerung kann jedoch sehr unterschiedlich simuliert werden. Bereits kleine Abweichungen der Zugbahn verändern das Wetter am Boden deutlich.
Ausgangslage am Sonntag
Am Sonntag, 18. Oktober 2026, reicht das umfangreiche Hoch GERHARD von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien. Südlich davon liegt eine Zone tieferen Luftdrucks mit mehreren kleinen Tiefdruckgebieten. Über dem Schwarzen Meer befindet sich ein weiteres Tief, das mit einem großen Tiefdruckgebiet über der Barentssee verbunden ist.

In den Höhenwetterkarten liegen zwei Tiefdruckgebiete sowohl auf 500 hPa, etwa 5500 Meter über dem Meer, als auch auf 300 hPa, etwa 9000 Meter Höhe und damit ungefähr auf dem Niveau des Jetstreams. Eines liegt über Frankreich, das andere stützt das Bodentief über dem Schwarzen Meer. Zusätzlich erstreckt sich vom Tief über der Barentssee ein Höhentrog bis zum Baltikum.

Am Montag sind sich die Modelle noch einig
Für Montag zeigen die drei großen Modelle ICON des Deutschen Wetterdienstes, das amerikanische GFS und das IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage zunächst ein ähnliches Bild. Aus dem Trog über dem Baltikum tropft ein Höhentief ab, zieht südwestwärts nach Polen und anschließend westwärts in den Osten Deutschlands.

Am Dienstag gehen die Lösungen weit auseinander
Für Dienstag, 20. Oktober, divergieren die Modelle deutlich. ICON und GFS lassen das Höhentief mit der kalten Höhenluft weiter westwärts bis nordwestwärts ziehen. IFS hält das Tief dagegen über dem Osten Deutschlands fest.

Auch bei Geopotential und Temperatur zeigen sich große Differenzen. Im Dreieck Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt berechnen die Modelle für 850 hPa, etwa 1400 Meter Höhe, Werte zwischen minus 2 und plus 10 Grad. Am Boden entspricht das einer möglichen Temperaturspanne von ungefähr 7 bis 13 Grad.

Entscheidend für Wolken, Regen und Temperatur
Bleibt das Höhentief wie in der IFS-Lösung im Osten, dominiert dort die Bewölkung. Eine neue Störung im Westen wird dann gebremst, sodass dort mehr Sonne möglich ist. In der kalten Höhenluft entstehen bevorzugt am Nordrand des Tiefs Schauer, die vor allem den Osten und Nordosten betreffen würden.
Zieht das Tief nach der ICON- und GFS-Lösung in den Nordwesten Deutschlands, wandern auch die Schauer nordwestwärts. Im Osten steigen dann die Chancen auf Auflockerungen und trockene Phasen. Gleichzeitig wird die Störung aus Frankreich weniger gebremst, sodass im Westen und Südwesten mehr Wolken und später Regen aufkommen können.

Die Prognose für den übernächsten Tag bleibt damit ungewöhnlich unsicher. Auch die vorherigen Modellläufe liefern kein eindeutigeres Bild, da die Modelle weitgehend an ihren jeweiligen Lösungen festhalten.
Autorin der DWD-Originalfassung:
Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 18.10.2026
Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 18. Oktober 2026. DWD-Text und verwendete DWD-Abbildungen unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert und sprachlich gestrafft; Bildunterschriften wurden vereinheitlicht. Die meteorologischen Aussagen, Zahlen und Abbildungen wurden inhaltlich nicht verändert. Die Abbildungen wurden dauerhaft lokal gespeichert.



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