Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen
Wolken erscheinen im sichtbaren Satellitenbild meist weiß – unabhängig davon, ob sie aus Wassertröpfchen, Eiskristallen oder beiden bestehen. Auch Schneeflächen können ähnlich aussehen. Mit speziell kombinierten Spektralkanälen des Meteosat-Satelliten lassen sich Wolkenarten jedoch farblich unterscheiden.
Das sogenannte Wolkentyp-RGB-Komposit macht unter anderem Nebel, tiefe Wasserwolken, hohe Eiswolken, Mischwolken und unterkühlte Wasserwolken sichtbar. Dadurch liefert es für Wettervorhersage und Flugmeteorologie deutlich mehr Informationen als ein Echtfarbenbild allein.
Warum ein weißes Satellitenbild nicht genügt
Wassertröpfchen und Eiskristalle besitzen eine hohe Albedo und reflektieren einen großen Teil des Sonnenlichts. Deshalb wirken sowohl tiefe Schönwetterwolken als auch hohe Schleierwolken im sichtbaren Licht weiß. Liegen verschiedene Wolkenschichten übereinander oder kommen im Winter Schneeflächen hinzu, ist ihre eindeutige Unterscheidung selbst für erfahrene Meteorologen schwierig.

So entsteht das Wolkentyp-RGB-Komposit
Der Flexible Combined Imager der dritten Meteosat-Generation misst nicht nur sichtbares Licht, sondern auch mehrere Spektralbereiche im nahen Infrarot. Bei der RGB-Bildauswertung werden drei Kanäle den Grundfarben Rot, Grün und Blau zugeordnet. Aus ihrer Überlagerung entstehen charakteristische Mischfarben, die Rückschlüsse auf Wolkenhöhe, optische Dicke und Wolkenphase erlauben.
| Farbkanal | Spektralbereich | Hauptinformation |
|---|---|---|
| Rot | Nahinfrarot bei 1,38 µm | Wolkenhöhe und optische Dicke |
| Grün | Sichtbares Licht bei 0,64 µm | Optische Dicke der Wolken |
| Blau | Nahinfrarot bei 1,61 µm | Wolkenphase: Wasser oder Eis |
Die Kombination trennt Wolkentypen farblich deutlich voneinander und erkennt insbesondere dünne Cirruswolken. Das Wolkentyp-RGB-Produkt von EUMETSAT ist wegen der verwendeten Sonnenlichtkanäle nur tagsüber verfügbar.

Wolkentypen am 17. Oktober 2026
Das Echtfarbenbild vom Samstagvormittag zeigt ein großflächiges weißes Wolkenband von Zentralfrankreich über Süd- bis nach Ostdeutschland. Darin lag eine Kaltfront, an der Regen fiel. Ohne zusätzliche Spektralinformationen lassen sich die verschiedenen Wolkenarten in diesem Gebiet kaum unterscheiden.

Im Wolkentyp-RGB-Komposit sind die mehrschichtigen Regenwolken der Front hellgelb dargestellt und damit klar von den umgebenden tiefen Wasserwolken in Hellblau zu unterscheiden. Weiße Bereiche weisen auf unterkühlte Wasserwolken hin. Für die Flugmeteorologie ist das wichtig, weil dort Vereisungsgefahr bestehen kann.
Von Österreich über Tschechien bis nach Polen erstreckten sich hohe Cirruswolken aus Eiskristallen. Über der Nordsee und der Straße von Dover strömten wabenförmige Kumuluswolken aus Norden ein. Grün markierte flachere Mischwolken brachten kaum oder nur wenig Regen, während gelbliche, hochreichende Wolken mit Eis im oberen Bereich kräftigere Schauer erzeugten.

Neben dem Wolkentyp-Komposit stehen weitere RGB-Produkte für spezielle meteorologische Fragestellungen zur Verfügung. Sie ergänzen klassische Satelliten- und Radarbilder, ersetzen aber weiterhin nicht die fachliche Interpretation.
Autor der DWD-Originalfassung:
Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 17.10.2026
Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 17. Oktober 2026. DWD-Text und verwendete DWD-Abbildungen unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft, mit einer Kanaltabelle ergänzt und grammatikalisch korrigiert. Die Abbildungen wurden lokal gespeichert und inhaltlich nicht verändert. Die Erläuterung der Spektralkanäle wurde mit den offiziellen EUMETSAT-Produktangaben abgeglichen.



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