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Schönes Wochenende, danach markanter Wetterumschwung

27. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Derzeit herrscht in Deutschland vergleichsweise ruhiges Winterwetter. Die gestern analysierte maskierte Kaltfront hat sich vollends aufgelöst. Dennoch halten sich über weiten Teilen Deutschlands dichte Wolkenfelder, aus denen hier und da noch etwas Niederschlag fällt. Im Norden hingegen kann sich schon zeitweilig die Sonne durchsetzen. Grund dafür ist Hoch BEATE, das zunehmend seine Fühler vom Ostatlantik her nach Mitteleuropa ausstreckt.

Am Samstag klingen die letzten Schneefälle am Alpenrand und im Bereich des Erzgebirges ab und BEATE weitet ihren Einfluss auf weitere Teile des Landes aus, sodass sich die Sonne auch in der Mitte immer häufiger durchsetzen kann. Es sind dann dort sowie im Norden etwa 2 bis 4 Stunden Sonne möglich. Während in der Nordhälfte am Sonntag bereits dichte Wolkenfelder aufziehen und den kommenden Wetterwechsel ankündigen, kann sich in der Südhälfte, nach Auflösung von Nebel- und Hochnebelfeldern, die Sonne gebietsweise für längere Zeit durchsetzen. 3 bis 5 Stunden, an den Alpen auch noch mehr Sonnenstunden können dann genossen werden und für die vergangenen trüben Tage entschädigen. Einem umfangreichen Winterspaziergang zum Auffüllen des Vitamin-D-Haushaltes steht also nichts im Wege.

Bereits in der Nacht zum Montag vollzieht sich ein markanter Wetterumschwung, denn mit einem deutlich auflebenden Westwind zieht von Nordwesten rasch eine Kaltfront heran. Diese liegt gegen Morgen in etwa auf einer Linie Saarland-Lausitz. Vor allem in der Mitte des Landes und generell in den höheren Lagen fällt Schnee. Mehr als ein paar Zentimeter Neuschnee kommen aber zunächst nicht zusammen. Im Norden weht zudem ein ruppiger Westwind mit ersten stürmischen Böen oder Sturmböen bis 80 km/h aus West.

Am Montag tagsüber kommen die Niederschläge rasch nach Süden voran und vor allem im südlichen und östlichen Bergland schneit es mitunter kräftig. Im Bayerischen Wald und im Erzgebirge sind bis Dienstagmorgen 5 bis 10, am Alpenrand 10 bis 20 cm Neuschnee möglich. In Staulagen der Alpen können die Schneemengen noch höher ausfallen. Ansonsten stellt sich am Montag wechselhaftes und sehr windiges, teils auch stürmisches Schauerwetter ein. Immer wieder treten Regen-, Schnee- und Graupelschauer auf. Im Nordosten und Norden ist das ein oder andere Graupelgewitter möglich. In der Nacht zum Dienstag beruhigt sich das Wettergeschehen etwas, weitere schauerartige Niederschläge folgen jedoch nach.

Am Dienstag und im weiteren Wochenverlauf bleibt das abwechslungsreiche Wetter erhalten. Immer wieder ziehen Niederschlags- und Wind- eventuell auch Sturmfelder über Deutschland hinweg. Besonders in den Staulagen der Berge kommt einiges an Niederschlag zusammen. Bis Freitagmittag sollen dabei je nach Modell 50 bis 80 Liter pro Quadratmeter fallen. Punktuell sind noch höhere Mengen möglich. Vor allem für die Hochlagen oberhalb etwa 600 – 900 Meter schneit es mitunter teils kräftig und länger anhaltend, wodurch insbesondere am Alpenrand, im Bayerischen Wald und im Erzgebirge durchaus ein halber bis ein Meter Schnee fallen können. Dies verbessert die Wintersportbedingungen enorm, aber auch die Lawinengefahr nimmt damit in den Alpen deutlich zu. Außerdem drohen durch den stürmischen Wind unter Umständen Verwehungen.

Im Flachland bleibt es bei nasskaltem und zeitweise sehr windigem Schmuddelwetter. Nur nachts sind unter Umständen vorübergehend nasse Schneeflocken möglich oder es kann sich kurzzeitig eine matschige Schneedecke bilden.
Eines ist sicher, Langeweile kommt beim Wetter in der kommenden Woche definitiv nicht auf.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Schoenes-Wochenende-danach-markanter-Wetterumschwung-5.png 908 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-27 18:15:282023-01-27 18:22:50Schönes Wochenende, danach markanter Wetterumschwung

Vermeintlich ruhig und doch viel los in der Wetterküche

26. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Der Süden Deutschlands befindet sich noch unter dem Einfluss des in den vergangenen beiden Themen des Tages angesprochenen Hochdruckgebiets mit dem Namen BEATE. Dort lässt sich das Wetter schnell zusammenfassen: ruhig und zu Hochnebel neigend. Heute Morgen fiel daraus bei frostigen Temperaturen auch vereinzelt gefrierender Sprühregen oder es wurde glatt durch überfrierende Nässe, aber das war es dann auch schon mit der Spannung.
Viel erzählenswerter ist hingegen das, was in der Nordwesthälfte vonstattengeht. Dort zog im Laufe der letzten Nacht eine maskierte Kaltfront in das Vorhersagegebiet. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um einen Vorboten des bevorstehenden Faschings, Karnevals, usw., sondern um eine Kaltfront, die zwar in der Höhe kältere, aber darunter wärmere Luftmassen mit sich bringt. In der Wetterkarte erkennt man dies daran, dass die Kaltfront mit nicht ausgemalten Dreiecken gekennzeichnet ist.

Heute Morgen konnte man anhand des Radiosondenaufstiegs der Station Idar-Oberstein dasselbe wie gestern beobachten: Eine gut ausgeprägte Absinkinversion in etwa 1000 Metern über Normalnull mit feuchter Luftmasse darunter, die zu Hochnebel neigt. Darüber befindet sich recht trockene Luft, die im Radiosondenaufstieg an einem starken Rückgang der Taupunkttemperatur (Feuchtemaß) erkennbar ist. Ganz anders sieht der Radiosondenaufstieg der Station Meppen aus. Hier liegen die Temperatur- und die Taupunktkurve in den unteren Schichten zwar ebenfalls übereinander, was auf eine feuchte Luftmasse hindeutet, allerdings liegt darüber keine Inversion vor. Vielmehr liegt eine sogenannte „warme Nase“ (Temperatur- und Taupunktkurve ragen über die Null-Grad-Marke) mit dem sich darunter befindlichen „kalten Fuß“ vor. Wenn Schnee aus den höheren Schichten in die „warme Nase“ fällt, schmilzt er. Fällt der nun flüssige Niederschlag in den „kalten Fuß“, bildet sich gefrierender Niederschlag.

Im Satellitenbild konnte man heute Morgen sehr viel tiefe Bewölkung vor allem im Süden erkennen, aber auch Bewölkung, die mit der Kaltfront zusammenhängt. Darin eingelagert befindet sich im Nordwesten das dazugehörige Niederschlagsband. Anhand der zahlreichen Nutzermeldungen (dafür vielen Dank an dieser Stelle, das hilft beim Bewerten der aktuellen Wetterlage am jeweiligen Ort sehr), wird deutlich, dass sich mit Eintreffen des Niederschlagsbands teilweise Glatteis bildete. Aber auch vor der Kaltfront trat Glatteis auf. Durch das Nahen der Kaltfront wurde vorderseitig die bodennahe, feuchte und zu Nebel neigende Luft gehoben, wodurch örtlich Sprühregen ausfallen konnte, der dann gefror. Je weiter das Niederschlagsband im Tagesverlauf südostwärts wanderte, desto mehr ging der Niederschlag dann in Schnee über. Rückseitig der Kaltfront rissen dann die Wolken auf und im Nordseeumfeld kam die Sonne zum Vorschein. Ein Dank geht an dieser Stelle an foto-webcam.eu für das Nutzen des Webcam-Bilds von Norderney.

Trotz Anheben der Luftmasse und der dazugehörigen Wolken durch die Kaltfront ragte die Wasserkuppe heute Mittag noch aus der Hochnebeldecke heraus und es konnten schöne Halo-Erscheinungen beobachtet werden. Weitere Informationen zu Halos finden sich unter:

Zum morgigen Wochenausklang sind vor allem entlang der Küsten längere sonnige Abschnitte zu erwarten, ansonsten bleibt es abermals trüb. Das Temperaturspektrum reicht von 0 bis 5 Grad, wobei es im Süden und Südosten vereinzelt auch leichten Dauerfrost geben kann.
Zum Start ins Wochenende scheint in der Nordwesthälfte zeitweise die Sonne. Bei ähnlichem Temperaturniveau schneit es im Süden und Südosten noch geringfügig, bevor dies zum Nachmittag hin weniger wird. Von Norden her zieht am Abend und insbesondere in der Nacht zum Sonntag dichte Bewölkung auf.
Diese verbleibt dort auch am Sonntag, weshalb dieser Wochentag dort seinem Namen leider nicht gerecht wird. Bei Höchstwerten von bis zu 6 Grad wird es dort immerhin am „wärmsten“. Allerdings frischt der Westwind auf und an der Küste kann es mitunter stürmisch werden, weshalb sich das Ganze wiederum nicht ganz so „warm“ anfühlt. Anders ist es in der Südhälfte. Dort scheint zwar teilweise länger die Sonne, allerdings verbleiben die Temperaturwerte vereinzelt ganztägig unter der Null-Grad-Marke.

M.Sc. Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Vermeintlich-ruhig-und-doch-viel-los-in-der-Wetterkueche-1-scaled.jpg 1707 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-26 18:23:282023-01-29 18:57:09Vermeintlich ruhig und doch viel los in der Wetterküche

Oben hui, unten pfui

25. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Hoch BEATE erstreckt sich vom Ostatlantik über Mitteleuropa bis nach Russland. Doch wer nun verbreitet mit schöner Wintersonne rechnet, der muss an dieser Stelle enttäuscht werden. Stattdessen hat sich eine stattliche Hochnebeldecke über Deutschland gelegt. Schuld daran ist eine massive Absinkinversion  in etwa 800-1000 Meter über Normalnull. Dort nimmt die Temperatur schlagartig von etwa -3 Grad auf +5 Grad zu, was eine massive Sperrschicht verursacht, unter der sich eine feuchte und zu Nebel und Hochnebel neigende Luftmasse halten kann. Exemplarisch dazu ist nachstehend ein Radiosondenaufstieg der Station Idar-Oberstein um 12 UTC (13 Uhr MEZ) zu sehen.

Im nachfolgenden Satellitenbild von 12 UTC (13 Uhr MEZ) sieht man sehr eindrucksvoll die kompakte Hochnebeldecke über Deutschland. Nur die allerhöchsten Mittelgebirgsgipfel sowie die Alpen ragen aus dem Hochnebel heraus.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie trüb und trist das Wetter unter der Hochnebeldecke ist, folgen nun ein paar Impressionen dazu.

Ganz anders hingegen zeigt sich das Bild in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen, denn diese Gebiete liegen über dem kompakten Hochnebel. Ein Dank geht an dieser Stelle an David Bötzel für das Bild aus Winterberg und an foto-webcam.eu.

Auch in den kommenden Tagen hat es die Sonne schwer, sich gegen die kompakte Bewölkung durchzusetzen. Am ehesten schafft sie dies am morgigen Donnerstagnachmittag ganz im Nordwesten und an den Alpen und am Freitag im Norden und Nordwesten. Im Laufe des Wochenendes findet sie dann auch in den restlichen Landesteilen nach und nach einige Lücken.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Oben-hui-unten-pfui-5-scaled.jpg 1440 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-25 18:32:432023-01-29 18:58:02Oben hui, unten pfui

Das richtige Timing

24. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Aktuell sorgt Hochdruckgebiet BEATE für ruhiges, wenn auch nebliges oder hochnebliges Wetter in Deutschland. Nur vereinzelt fällt Sprühregen, besonders dort, wo die Hochnebeldecke tief aufliegt, also im Bergland. Da kann es dann bei Dauerfrost zu Glätte durch gefrierenden Sprühregen oder auch einfach durch überfrierende Feuchtigkeit kommen. Sonst ist es weitgehend trocken. Sporadisch zeigt sich auch mal die Sonne, aber nicht überall. Vor allem die höheren Berglagen, oberhalb von etwa 1000 Meter, gucken oft aus der Hochnebeldecke heraus.

Der Hochdruckeinfluss in Mitteleuropa hält auch im weiteren Wochenverlauf an. Im Norden Europas ziehen hingegen Tiefdruckgebiete entlang. Einer der Ausläufer erreicht uns im Laufe des Mittwochabends. Er zwingt die liegende feuchte Luft in die Höhe und erzeugt somit Regen und leichte Schneefälle.

Soweit kein Problem, wären die Böden Ende Januar nicht recht kalt. In den Nächten herrscht teils Frost und das schon seit ein paar Tagen. Wenn nun der Regen auf die kalten Böden fällt, bildet sich schnell gefährliches Glatteis. Sind die Böden hingegen „warm“, weil es zum Beispiel tagsüber eine leichte Erwärmung gibt, dann gibt es keine signifikante Glättegefahr. Das Timing ist also entscheiden.

In der Nacht zum Donnerstag zieht nun eine Kaltfront von Nordwesten herein. Sie weist jedoch keine typischen Merkmale auf, denn mit und hinter ihr wird es milder, zumindest in den unteren Luftschichten. Man spricht in so einem Fall von einer maskierten Kaltfront. Die mildere Luft sorgt dafür, dass der Schneefall zunehmend in Regen übergeht beziehungsweise sich in den unteren Schichten, aus denen der Niederschlag fällt, gar nicht erst Schnee bildet, sondern unterkühlter Regen. Trifft dieser auf kalte Böden, gefriert er schlagartig und es bildet sich Glatteis.

Die Vorhersage von Glatteis in den Modellen ist schwierig. Dafür bedarf es einer feinen vertikalen Auflösung. Diese kann die unterschiedliche Temperatur der einzelnen Höhenschichten erfassen und in die Berechnung des Wetters mit einfließen lassen.

Je weiter die Front am Donnerstag landeinwärts vorankommt, umso geringer wird die Niederschlagsintensität und auch die Wahrscheinlichkeit für gefrierenden Regen. Auf der Vorderseite der Front fällt weiterhin hauptsächlich Schnee, der bevorzugt in höheren Lagen für Glätte sorgen kann. Auf der Rückseite erwärmt sich mit Tagesgang der Boden, sodass es zu gewöhnlichem Regen kommt. Im Übergangsbereich fällt Schneeregen oder Regen. Stellenweise Glätte ist nicht ausgeschlossen, Glatteis bildet sich aber voraussichtlich nicht mehr.

Bleibt festzuhalten, dass in der Nacht zum Donnerstag und in den Frühstunden in der Nordwesthälfte Deutschlands vorübergehend Glatteis auftreten kann. Weiter landeinwärts ist Glätte durch leichten Schneefall möglich.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Das-richtige-Timing-2.png 653 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-24 17:59:432023-01-24 18:12:20Das richtige Timing

Vor über 100 Jahren: Der Wettlauf um die Antarktis

23. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Der 23. Januar ist schon ein besonderer Tag. Nicht nur, dass es der Namenstag von „Hartmut“ ist (Liebe Grüße an dieser Stelle an meinen Opa!), nein, teilweise hat er sogar das Prädikat „historisch wertvoll“ verdient (also nicht mein Opa, sondern der Tag an sich). So betrat vor über 100 Jahren, am 23. Januar 1895, nachweislich als erster Mensch der Norweger Carsten Egeberg Borchgrevink (1864-1934) das antarktische Festland – und das an einem Punkt, den man vielleicht nicht unbedingt vermutet hätte. Als jemand, der selbst schon „dort unten“ war, käme einem vielleicht doch eher die antarktische Halbinsel in den Sinn. Immerhin sind es Luftlinie von der Südspitze Chiles (Kap Hoorn) über die Drake-Passage bis zur Nordspitze der Halbinsel (Prime Head) nur rund 800 km. Zugegeben, dafür ist die Meeresstraße auch berühmt-berüchtigt für ihre zahlreichen schweren Stürme und die raue See.

Um ein Vielfaches länger ist dagegen die vom Team um Borchgrevink ausgewählte Route auf der gegenüberliegenden Seite. Von Australien aus wurde das Kap Adare auf der gleichnamigen Halbinsel angesteuert, die sich im Viktorialand – einem Teil der Ostantarktis – befindet. Sie grenzt unmittelbar an das Rossmeer an. Dieses ist mehr als zur Hälfte permanent von einer festen, dicken und knapp 500.000 km² großen Eisdecke bedeckt – dem Ross-Schelfeis. Das riesige Areal ist eine der Hauptbrutstätten der Adeliepinguine. Schätzungen zufolge siedeln in dieser Gegend über 250.000 Brutpaare. Die kleinen gefiederten Freunde hegen von Natur aus keine Scheu, sondern eher Neugier gegenüber der noch nie zuvor begegneten Spezies Mensch. Die Begegnung muss ein tolles Schauspiel gewesen sein, vor allem, als Borchgrevink vier Jahre später zurückkehrte, um mit seiner Mannschaft Holzhütten für die erste Antarktis-Überwinterung überhaupt zu errichten.

Doch erstmal zurück zu dessen Vita: Carsten Egeberg Borchgrevink wurde am 1. Dezember 1864 in Oslo (damaliger Name noch Christiania) in eine adlige Familie geboren und interessierte sich schon seit frühester Jugend für geographische Entdeckungen speziell aus dem Gebiet der Polarforschung. Sein Bildungsweg führte ihn als junger Erwachsener sogar nach Deutschland. So studierte er Geologie, Forstwirtschaft und Geodäsie an der Forstakademie im sächsischen Tharandt. Anschließend entschloss er sich nach Australien auszuwandern, um dort als Landvermesser und Geologe zu arbeiten. Zu einer Zeit, da die Unabhängigkeit Australiens immer näher rückte und schließlich 1901 im „Commonwealth of Australia“ mündete, heuerte Borchgrevink kurzerhand auf der „Antarctic“ an. Dieses von einem Norwegischen Reeder ausgestattete Schiff war allerdings für einen relativ unromantischen Zweck in die Antarktis unterwegs: Zur Erschließung neuer Walfanggebiete.

Als sich schließlich am Kap Adare zur Hochzeit des Südsommers eine Bucht mit einem kleinen eisfreien Strand der Crew offenbarte, konnte Borchgrevink den Kapitän Leonard Christensen spontan davon überzeugen, anzulegen. In seichten Wasser angelangt, schwang er sich rasch über Bord, um als Erster das Festland zu betreten. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass bereits Jahrzehnte vor ihm nicht schon andere Walfänger „undokumentiert“ vor ihm da waren.

Von da an war in ihm das Entdeckerfeuer erst recht entbrannt, was 1899 schließlich in der ersten Überwinterung mündete. Trotz Todesfällen in der Überwinterungsmannschaft (Stichwort: Skorbut) und bei den Schlittenhunden unternahm er nach erfolgter Überwinterung noch einen Vorstoß vom Ross-Schelfeis zum Südpol (Southern-Cross-Expedition), den er erst auf knapp 79° Süd abbrach. Ihm zu Ehren sind in der Antarktis die Borchgrevink-Küste, der Borchgrevink-Gletscher und die Borchgrevink-Gletscherzunge im Viktorialand, der Tiefseegraben Borchgrevink-Canyon in der Somow-See, der Borchgrevink-Nunatak im Grahamland und der Gletscher Borchgrevinkisen sowie das Gebirge Carstensfjella im Königin-Maud-Land benannt. Den Wettlauf um das Erreichen des geographischen Südpols machten in der Folge der Norweger Amundsen und der Engländer Scott untereinander aus, wobei erstgenannter am 14. Dezember 1911 rund einen Monat schneller war. Es wäre ein schöner Zufall gewesen, hätte Scott ihn auch an einem 23. Januar erreicht. Es war der 17. Januar 1912.

Und was geschah noch alles an einem 23. Januar? Unter anderem 1896 – also nur ein Jahr später als unsere Geschichte über Borchgrevink – stellte Wilhelm Conrad Röntgen der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft die von ihm entdeckten X-Strahlen vor. Einige Jahrzehnte später startete mit ITOS-1 die NASA 1970 den (zur damaligen Zeit) neuesten Satelliten zur Wetterbeobachtung und Wettervorhersage. Die Maus tauchte 1972 zum ersten Mal in den „Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger“ auf und gab der Sendung von da an ihren Namen. 1989 starb an diesem Tag der spanische Maler und Hauptvertreter des Surrealismus Salvador Dali. Und auf sportlicher Seite gewann mit der deutschen Jutta Kleinschmidt 2001 zum ersten Mal eine Frau die Rallye Dakar. Außerdem wurde 2005 die AWD-Arena von Hannover mit dem Spiel Hannover 96 – Bayer 04 Leverkusen eingeweiht. Es endete 0:3 für die Gäste, Torschützen: Andrey Voronin, Dimitar Berbatov und Paul „Slawo“ Freier.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Vor-ueber-100-Jahren-Der-Wettlauf-um-die-Antarktis-1.jpg 236 630 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-23 18:46:022023-01-23 18:51:29Vor über 100 Jahren: Der Wettlauf um die Antarktis

Blick hinter die Kulissen – TV-Studio

22. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Uns erreichen immer wieder Anfragen, ob es möglich ist, den DWD mal zu besuchen und zu schauen, was wir so den ganzen Tag tun und worin unsere Aufgaben bestehen. Möglich ist das zum Tag der offenen Tür, der in den letzten Jahren leider pandemiebedingt ausfiel. Als Gegenstück haben wir in den letzten Jahren immer wieder beschrieben, was wir hier tun und wieso. Zu jeder Schicht in der Warnzentrale in Offenbach lässt sich im Archiv des „Thema des Tages“ (mindestens) ein Artikel finden. Bis neulich waren die visuellen Möglichkeiten im Tagesthema eingeschränkt. Nun können wir Ihnen mehrere Bilder zum Thema zur Verfügung stellen.

Deshalb nehme ich Sie heute mit auf einen Gang in unser TV-Studio. Was viele nämlich nicht wissen: Wir produzieren täglich Wettervideos. Veröffentlicht werden sie aber nur im Unwetterfall.

Bevor es in den Keller ins Studio gehen kann, muss der Medienmeteorologe seinen oder die Medienmeteorologin ihren Clip vorbereiten. Beim DWD verwenden wir dafür die TriVis-Software der Firma ask. In diese werden Wetterdaten und Modelle gespeist, die dann optisch ansprechend aufbereitet werden. Der Meteorologe (das generische Maskulinum steht hier und im Folgenden stellvertretend für alle Geschlechter) passt die Filme und Grafiken seinen Vorstellungen und neuesten Erkenntnissen an. Nötigenfalls kann er selbst Grafiken in TriVis erzeugen oder fertige einladen.

Wenn alle Grafiken fertig sind, werden diese gerendert und in einen Clip gepackt. Zusammen mit einem Kollegen geht es dann in den Keller, wo der Clip auf den großen Bildschirm gespielt wird. Der Meteorologe nimmt sich ein Mikrofon und einen Handsender, um in den Grafiken weiter zu springen, und stellt sich vor den Bildschirm.

Der Kollege bereitet im Nebenraum die Aufnahme vor, stellt den Tonpegel auf das richtige Maß ein und kontrolliert den korrekten Stand des Meteorologen. Dann kann die Aufnahme auch schon beginnen.

Läuft alles gut, ist der Clip nach wenigen Minuten „im Kasten“. Ab und zu muss eine Aufnahme aber auch wiederholt werden. Nach der Moderation wird im „Hinterzimmer“ an den Clip noch Intro und Outro angefügt, Ton und Bild werden noch einmal kontrolliert und gegebenenfalls angepasst und schließlich ein fertiges Video in zwei Auflösungen produziert. Diese Aufnahmen werden dann auf verschiedene Laufwerke verteilt. Im Unwetterfall geht der Meteorologe nach Cliperstellung an seinen Arbeitsplatz zurück und lädt den fertigen Film in hoher Auflösung auf YouTube und in niedrigerer Auflösung in die sozialen Medien hoch. Die Verteilung in die App erfolgt per Formular. In allen anderen Fällen landet der Clip ausschließlich im Archiv und auf der Intranetseite des Deutschen Wetterdienstes.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Blick-hinter-die-Kulissen-TV-Studio.png 849 990 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-22 19:32:522023-01-22 19:44:35Blick hinter die Kulissen – TV-Studio

Ein Schneetief geht, das nächste Schneetief kommt

21. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Ein kleinräumiges Schneetief hat am gestrigen Freitag in Westdeutschland vor allem zwischen der Eifelregion und dem Pfälzer Wald für intensive Schneefälle gesorgt. Teilweise sind in relativ kürzer Zeit über 15 cm Neuschnee gefallen. Siehe Abbildung unten.

Am heutigen Samstag steht das nächste Tief KHANG über Polen vor der Haustür. In Ostsachsen und in Teilen Bayerns schneit es bereits und diese Schneefälle weiten sich im Laufe des Tages und in der Nacht zum Sonntag weiter nach Westen und Südwesten aus. In Sachsen, im Südosten Thüringens, am Harz und an den Alpen fällt teils mäßiger Schneefall. Dabei werden 10 bis 20 cm Neuschnee erwartet, ansonsten liegen die Schneehöhe nur bei 1 bis 5 cm. Zudem frischt der nördliche Wind vorübergehend auf und in höheren Lagen der östlichen und nördlichen Mittelgebirge kann es zu Schneeverwehungen kommen. Vom Niederrhein über Nordniedersachsen, Schleswig-Holstein sowie an der Ostsee bleibt es überwiegend trocken und schneefrei, denn diese Regionen liegen mehr im Einfluss vom Hoch BEATE über Skandinavien.

Am Sonntag lassen die Schneefälle immer mehr nach, im Norden kommt die Sonne zwischen den Wolken heraus. Am Abend greift jedoch ein neues Schneefallgebiet auf den Südosten Deutschlands über, das lokal bis 5 cm Neuschnee bringen kann. Das Hoch über Skandinavien verstärkt sich und weitet sich von Norden her aus und beeinflusst das Wetter in der neuen Woche. Niederschläge sind dann keine mehr zu erwarten. Bevorzugt auf den Bergen zeigt sich häufig die Sonne, in einigen Niederungen hingegen können sich Nebel- oder Hochnebelfelder länger halten.

Es bleibt winterlich kalt mit verbreitetem Nachtfrost und tagsüber wenig über 0 Grad. Das Wasser der tagsüber angetauten Schneedecke kann nachts wieder gefrieren, sodass auch weiterhin zumindest streckenweise mit Glätte gerechnet werden muss.

Ein kurzer Ausblick in die erweiterte Mittelfrist: Ab dem kommenden Mittwoch schwächt sich der Hochdruckeinfluss ab. Von Norden her greift nach heutiger Sicht ein Frontensystem auf Deutschland über, das im Norden Regen und in der Mitte sowie später im Süden Schnee bringt. Im Übergangsbereich kann es zu gefrierendem Regen kommen.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Ein-Schneetief-geht-das-naechste-Schneetief-kommt-2.png 909 1282 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-21 18:27:312023-01-21 18:32:38Ein Schneetief geht, das nächste Schneetief kommt

Schneetiefs nehmen uns in die Zange

21. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Nachdem der Januar in diesem Jahr rekordverdächtig warm gestartet ist, kehrte in der Zwischenzeit der Winter zurück nach Deutschland. Bei niedrigen einstelligen Höchstwerten, teilweise Dauerfrost in Berglagen und nächtlichem (lokal strengem) Frost fallen die aufziehenden Niederschläge häufig als Schnee oder Schneeregen. Entsprechend schnell wurden insbesondere die Mittelgebirge und die Alpen in ein weißes Kleid gehüllt. Teilweise gab es auch bereits in tieferen Lagen eine veritable Schneedecke. Der Winter scheint sich allmählich einzugrooven.

Bereits am heutigen Freitag (20.01.2023) sorgen kleinräumige Tiefs für weitere Schneeschauer. Vor allem vom Niederrhein und der Eifel bis zum Saarland und der Pfalz zieht ein namensloses Tief südwärts und sorgt dabei für einige Zentimeter Neuschnee, insbesondere im Stau der Berglagen kann es auch kräftiger schneien. Zudem drückt eine nördliche Strömung feuchte Luft gegen die Alpen, wo die Schneefälle in der Folge sogar bis in den Sonntag hinein anhalten sollen. Ein weiteres kleines Tief namens „Ingo“ über Südschweden sorgt hingegen im äußersten Norden für einige Regen- und Schneeschauer.

Am Samstag halten die Schneefälle an den Alpen weiter an. Sonst ist es wolkig mit Auflockerungen, teilweise ziehen dichtere Wolkenfelder durch. Meist bleibt es jedoch niederschlagsfrei. Interessant wird es dann im Laufe des Samstagnachmittags: Ein steuernder Tiefdruckkomplex über Südeuropa namens „Jan“ treibt ein weiteres Tief namens „Khang“ von Griechenland über Rumänien und Polen bis nach Deutschland, wodurch wir von den Tiefs in die Zange genommen werden. Dabei kommt es verbreitet zu Aufgleitniederschlägen, die am Samstagabend den Osten Deutschlands erreichen und dort als Schnee niedergehen. Bis in die erste Nachthälfte zum Sonntag hinein frischt zudem der Wind teils stark böig auf, sodass dort insbesondere im Bergland auch Schneeverwehungen möglich sind.

In der Nacht zum Sonntag breiten sich die Niederschläge dann bis in die mittleren Landesteile aus und greifen am Sonntag auch auf den Westen über. Im Osten lassen die Schneefälle dann mehr und mehr nach und auch über dem Westen schwächen sich diese im Laufe des Sonntags allmählich ab. So wird sich am Wochenende vielerorts eine dünne Schneedecke zeigen, insbesondere
in den Mittelgebirgen und den Alpen sowie deren Staulagen können die Schneefälle auch kräftiger ausfallen. In Staulagen der Alpen sind örtlich bis zu 50 cm möglich.

Zum Start in die neue Woche nimmt dann der Hochdruckeinfluss am Montag zu und die Niederschläge klingen spätestens im Tagesverlauf vollends ab. Die Temperaturen liegen weiterhin im mäßig-kalten Bereich, in den Nächten muss mit Frost gerechnet werden. Zum Donnerstag kündigt sich dann der nächste Tiefausläufer an, der zumindest für die Mittelgebirge und für den Süden Deutschlands einen Nachschlag an Neuschnee bereithalten sollte.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Schneetiefs-nehmen-uns-in-die-Zange-1.png 716 536 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-21 18:21:472023-01-21 18:27:02Schneetiefs nehmen uns in die Zange

Januar bisher im Norden und Westen viel zu nass

19. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Der Winter hat in Deutschland oftmals Einzug gehalten und die Temperaturen haben sich mittlerweile auf ein für Mitte Januar übliches Temperaturniveau eingependelt. Doch mit der Änderung der Großwetterlage von West zyklonal auf Trog Mitteleuropa hat sich die Niederschlagsaktivität deutlich gelegt. Zudem fallen die Niederschläge nun immer häufiger in fester Form. Dadurch kann sich die Hochwassersituation, die sich vor allem an den kleinen und mittelgroßen Flüssen West-, Mittel- und Norddeutschlands (zum Beispiel Lahn, Wupper, Ruhr, Wümme) eingestellt hatte, zunehmend entspannen.

Vor allem über die Nordwesthälfte und Teilen des Ostens zogen in den ersten zwei Januarwochen einige Niederschlagsgebiete hinweg und dieser Niederschlag fiel fast durchweg als Regen. Verbreitet kamen dabei 40 bis 80 l/qm was in etwa der Niederschlagsmenge entspricht, die sonst im gesamten Januar fällt. In einigen Regionen kam somit überdurchschnittlich viel Regen vom Himmel. In großen Teilen Schleswig-Holsteins, im Emsland, in West- und Mittelhessen sowie vom Ruhrgebiet bis zur Mosel regnete es zwischen 90 und 120 l/qm. Den Vogel abgeschossen haben aber das Bergische Land, das Sauerland und der Schwarzwald, denn dort prasselten örtlich über 200 l/qm nieder. Beispielsweise wurden in Meinerzhagen (Nordrhein-Westfalen) bisher 242 l/qm registriert. Aber auch in Wipperfürth (Nordrhein-Westfalen) mit 238 l/qm, in Hückeswagen an der Bevertalsperre (Nordrhein-Westfallen) mit 219 l/qm, oder in Todtmoos (Baden-Württemberg) mit 237 l/qm fiel einiges an Regen. Da verwundert es wenig, dass es in diesen Bereichen zu mittleren Hochwasser kam. Glücklicherweise ging mit den Niederschlägen kein Abschmelzen einer Schneedecke einher, denn sonst hätte überregional eine größere Hochwasserlage gedroht.

Eher wenig Regen gab es hingegen in weiten Teilen des Südens und insbesondere im Großteil Bayerns sowie im Thüringer Becken gab es nur 5 bis 25 l/qm Niederschlag. Da dieser bis in hohe Lagen als Regen fiel, konnte sich für die Wintersportler auch keine brauchbare Schneedecke am Alpenrand ausbilden. Am wenigsten Regen fiel in Gottfrieding (Bayern) mit 6 l/qm, aber auch am Münchner Flughafen wurden beispielsweise nur 9 l/qm gemessen. Dies entspricht nur einem Siebtel bzw. Fünftel dessen, was im ganzen Januar fällt. Ein wenig aufgebessert kann die Niederschlagsbilanz dort noch werden, denn bis zum Ende des Monats ist noch Zeit.

Betrachtet man den prozentualen Anteil des aktuell bis heute Morgen (19.1.2023, 8 Uhr MEZ) gefallenen Niederschlags im Verhältnis zum vieljährigen Mittel, so fällt auf, dass es in Bayern wie vermutet bisher viel zu trocken war. Im Norden, Westen und Osten hingegen fielen bisher schon 200 bis 300 % des bis zu diesem Zeitpunkt üblichen Niederschlags. Der Januar wird in diesen Regionen also deutlich zu nass ausfallen.

Interessant ist auch, dass der Schwarzwald, in dem bis verbreitet um 150 l/qm gefallen sind, prozentual gar nicht so sehr heraussticht, denn dort fallen in einem durchschnittlichen Januar bis zu 200 l/qm. Auch die geringen Niederschläge im Thüringer Becken werden relativiert, denn auch dort liegt zum Beispiel in Erfurt die mittlere Niederschlagsmenge im Januar bei gerade einmal 25 l/qm.

In den kommenden Tagen kommt noch weiterer Niederschlag hinzu, allerdings fällt dieser oftmals als Schnee und wird damit gebunden, sodass sich zunächst keine neue Hochwassersituation einstellen dürfte.

Dipl.-Met Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Januar-bisher-im-Norden-und-Westen-viel-zu-nass-1.png 960 828 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-19 16:47:152023-01-19 16:55:17Januar bisher im Norden und Westen viel zu nass

Passend zum World Snow Day 2023 kommt der Winter zurück

18. Januar 2023/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Am heutigen Sonntag ist World Snow Day 2023. Dieser Thementag wurde vom Internationalen Ski Verband 2012 ins Leben gerufen und soll den Wintersport unterstützen. Dieser ist zugegebenermaßen in den letzten Wochen aufgrund der mauen Schneelage doch etwas zu kurz gekommen. Doch nicht nur im Bergland blieben die Skischuhe im Schrank, auch sonst waren eher Gummistiefel als dicke Winterboots angesagt. Passend also zum Weltschneetag meldet sich nun der Winter wieder zurück.
Zur synoptischen Situation:
Ein Langwellentrog erstreckt sich von Skandinavien bis nach Spanien. Der Trog wird im Westen und Osten durch einen markanten Strahlstrom in 300 hPa (also in etwa 10 Kilometern über dem Boden) mit Windgeschwindigkeiten bis zu 180 km/h flankiert. Die starken Höhenwinde sind dabei das Resultat der signifikanten Temperaturunterschiede der subtropischen Luft die sich vom Atlantik über Süd- bis nach Osteuropa erstrecken und der kühlen polaren Luftmasse über dem Norden und Nordwesten Europas. In den Langwellentrog ist am heutigen Sonntag das Sturmtief FREDERIC eingebettet. Dieses zieht am heutigen Sonntag von der Nordsee über Kattegat nach Schweden und führt auf seiner Südflanke die Luft subpolaren Ursprungs auch nach Deutschland. Und das nicht gerade auf leisen Sohlen, sondern eher mit Sprintschuhen. Vor allem im Nordseebereich sind Orkanböen um 120 km/h gemessen worden.
Da Tief FREDERIC bereits eine senkrechte Achsenneigung aufweist, hat es den Höhepunkt seiner Entwicklung bereits überschritten und schwächt sich im weiteren Verlauf ab. Dadurch gehen die Windgeschwindigkeiten in der Nacht zum Montag auch runter. Es wird mit Ausnahme der Ostseeküste und dem Bergland schwachwindig. Doch die Ruhe ist nur von kurzer Dauer.

Am linken Ausgang des antizyklonal gekrümmten Jetstreams entwickelt sich durch die zunehmende Divergenz mit der Höhe südwestlich von den Britischen Inseln das nächste Tief. Dieses hat bereits in den deutschen Vorhersagekarten den Namen GERO bekommen. International wird er als GERARD bezeichnet werden. Aber egal ob GERO oder GERARD, das Tief wird am morgigen Montag mit seinem Kern über Belgien hinweg Richtung Dänemark schreiten. Südlich des Tiefdruckkerns frischt der Wind durch den starken Druckgradienten wieder auf, sodass es morgen im Südwesten zu steifen Windböen, teils auch Sturmböen kommen wird. Am Feldberg im Schwarzwald muss mit Orkanböen gerechnet werden.
Jetzt zum Winter:
Das was FREDERIC, GERO und nachfolgend auch das nächste Tief HARTO für die Wintersportfans bringen ist kühle Luft. Die Schneefallgrenze sinkt in den nächsten Tagen von zunächst 600 Metern, auf 300 bis 400 Meter am Montag ab. Später auch bis ins Flachland. Allerdings werden die geringen Mengen an Schnee im Flachland auf dem warmen Boden meist schmelzen. Das heißt vor allem die Mittelgebirge und der Alpenraum darf sich über eine Neuschneedecke freuen. Bei den erwartenden Schneemengen lässt sich vor allem im Alpenraum durch den Tiefschnee stapfen. In den Mittelgebirgen sollen laut den Modellen 5 bis 10 cm zusammenkommen. Im Alpenraum sind um 15 cm zu erwarten.

Die Wochenvorhersagen der globalen Vorhersagemodelle (Temperatur-Anomalie ECMWF) deuten für die kommende Woche eine leicht kältere Witterung als im Vergleich zum Modellklima an. Bis Anfang Februar soll es nach den Modellen zumindest nicht signifikant zu warm werden. Es besteht also die Chance, dass der Schnee im Bergland zumindest für eine Weile auch liegen bleibt. Für die Wintersportler könnte sich also das Abstauben ihrer Ski- und Snowboardschuhe diesen Winter doch nochmal lohnen.
Beim Gang vor die Haustür sollte man in den nächsten Tagen aber Vorsicht walten lassen. Und das nicht nur, weil heute auch Tag des Schlaglochs in Großbritannien ist. Vor allem nachts und in den Frühstunden besteht nicht nur durch Schnee wieder Glättegefahr. Bei negativen Minimumtemperaturen können die Straßen und Gehwege auch durch überfrierende Nässe oder Reifbildung teilweise glatt werden.

 

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/01/DWD-Passend-zum-World-Snow-Day-2023-kommt-der-Winter-zurueck.png 1125 2000 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-01-18 18:04:032023-01-18 18:09:57Passend zum World Snow Day 2023 kommt der Winter zurück
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