Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung – Teil 2
Was geschieht, wenn in einer außergewöhnlich aktiven Hurrikansaison alle Namen der regulären Liste vergeben sind? Der zweite Teil zur Benennung tropischer Wirbelstürme erklärt die Ersatzlisten, das frühere griechische System und den Umgang mit besonders folgenreichen Sturmnamen.
Die Regeln unterscheiden sich je nach Meeresgebiet. Im Atlantik und im östlichen Nordpazifik stehen heute ergänzende Namenslisten bereit. Der zentrale Nordpazifik arbeitet dagegen seine vier Listen ohne Bindung an ein Kalenderjahr fortlaufend ab.
Wenn das Alphabet nicht ausreicht
Die sechs regulären Namenslisten für den Atlantik enthalten jeweils 21 Namen, die Listen für den östlichen Nordpazifik je 24. Nur äußerst selten reicht eine solche Jahresliste nicht aus. Im Atlantik geschah das bislang 2005 und 2020.
Für 2005 weist die offizielle Nachanalyse 28 tropische und subtropische Stürme aus: 27 benannte tropische Stürme sowie einen erst nachträglich identifizierten, unbenannten subtropischen Sturm. Nachdem die reguläre Liste erschöpft war, erhielten die folgenden Systeme Namen aus dem griechischen Alphabet. In der Rekordsaison 2020 wurden insgesamt 30 Stürme benannt; neun davon trugen griechische Buchstaben von Alpha bis Iota.
Seit 2021 ersetzen Ergänzungslisten das griechische Alphabet
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) entschied 2021, das griechische Alphabet künftig nicht mehr zu verwenden. Einige Buchstaben klingen ähnlich und können dadurch die verständliche Kommunikation von Gefahren erschweren. Außerdem lässt sich ein einzelner Buchstabe nach einem besonders verheerenden Sturm nicht so unkompliziert ersetzen wie ein Name.
Seither gibt es für den Atlantik und den östlichen Nordpazifik jeweils eine alphabetisch geordnete Ergänzungsliste. Sie kommt zum Einsatz, wenn alle Namen der regulären Liste einer Saison vergeben sind.
Besonders folgenschwere Namen werden gestrichen
Verursacht ein tropischer Wirbelsturm außergewöhnlich viele Todesopfer oder sehr große Schäden, kann sein Name auf Antrag eines betroffenen Mitgliedstaates aus der rotierenden Liste gestrichen und durch einen neuen ersetzt werden. So wird es beispielsweise keinen weiteren Atlantik-Hurrikan namens Katrina geben. Auch Eta und Iota aus der Saison 2020 wurden von der WMO wegen ihrer verheerenden Folgen als Namen zurückgezogen.

Besonderheit im östlichen Nordpazifik
Im östlichen Nordpazifik musste die Ergänzungsliste bislang noch nicht verwendet werden. Die regulären Listen wurden jedoch 1985 erweitert. Zuvor endeten sie wie im Atlantik vor den Buchstaben X, Y und Z. Nachdem die damalige Liste an ihre Grenze gelangt war, kamen Xina, York und Zelda hinzu.
Diese drei Namen wechseln jährlich mit Xavier, Yolanda und Zeke. Während die übrigen Namen der sechs Jahreslisten im Sechsjahresrhythmus wiederkehren, erscheinen die Namen mit X, Y und Z daher alle zwei Jahre.
Der Zentralpazifik wechselt einfach zur nächsten Liste
Im zentralen Nordpazifik gelten andere Regeln. Dort stehen vier Listen mit jeweils zwölf hawaiianischen Namen zur Verfügung. Ist eine Liste aufgebraucht, wird ohne Neustart zum Jahreswechsel mit dem nächsten Namen der folgenden Liste fortgefahren. Eine eigene Ergänzungsliste ist deshalb nicht erforderlich.
Namenslisten und gestrichene Namen
Das National Hurricane Center führt eine Übersicht der gestrichenen Namen. Die aktuellen Namenslisten für Atlantik und Pazifik sind dort ebenfalls abrufbar. Die Grundlagen der Benennung, die regulären Listen und den Saisonstand vom 12. Oktober 2026 erklärt Teil 1 auf Windinfo.
Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 13.10.2026
Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 13. Oktober 2026. DWD-Text unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert, sprachlich gestrafft und mit Zwischenüberschriften versehen. Die Angabe zur Saison 2005 wurde anhand der offiziellen NOAA/NHC-Nachanalyse präzisiert: 28 Stürme, davon 27 benannte tropische Stürme und ein unbenannter subtropischer Sturm. Das NASA-Bild wurde aus der NASA-Earth-Observatory-Sammlung übernommen, lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert; Bildcredit: NASA Earth Observatory / MODIS Rapid Response Team, NASA GSFC.



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