Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung – Teil 1
Während die Namensliste für tropische Wirbelstürme über dem östlichen Nordpazifik 2026 bereits weit fortgeschritten ist, bietet die Liste für den Atlantik noch deutlich mehr Spielraum. Das heutige Thema des Tages erklärt, wie die Sturmnamen vergeben werden und warum sich die Regeln je nach Meeresgebiet unterscheiden.
Namen erleichtern es Wetterdiensten, Medien und Bevölkerung, mehrere gleichzeitig aktive Stürme eindeutig auseinanderzuhalten. Aus den zunächst informell verwendeten Bezeichnungen entwickelte sich ein international geregeltes System unter dem Dach der Weltorganisation für Meteorologie (WMO).
Warum tropische Wirbelstürme Namen erhalten
Auch Hoch- und Tiefdruckgebiete über Europa tragen Namen. In Deutschland geht diese Tradition auf Karla Wege zurück, die 1954 am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin arbeitete. Tropische Wirbelstürme wurden jedoch schon früher benannt: Während des Zweiten Weltkriegs verbreitete sich die Praxis besonders unter Meteorologen von US-Armee und US-Marine, die Stürme über den weiten Flächen des Pazifiks verfolgen mussten.
Die Namen machten Lagebesprechungen und Warnmeldungen übersichtlicher. Das war vor allem wichtig, wenn mehrere Wirbelstürme gleichzeitig auftraten. 1953 begannen die Vereinigten Staaten, tropische Stürme im Atlantik mit Frauennamen zu benennen. Seit 1978 werden im östlichen Nordpazifik und seit 1979 auch im Atlantik abwechselnd männliche und weibliche Vornamen verwendet.
Wann ein Sturm einen Namen bekommt
Ein tropisches Tief erhält einen Namen, sobald es die Stärke eines tropischen Sturms erreicht. Nach der Definition des National Hurricane Center liegt dessen anhaltende mittlere Windgeschwindigkeit bei 34 bis 63 Knoten, entsprechend etwa 63 bis 118 km/h. Ab 64 Knoten beziehungsweise 119 km/h wird ein solcher Wirbelsturm im Atlantik sowie im östlichen und zentralen Nordpazifik als Hurrikan eingestuft. Im westlichen Nordpazifik heißt ein gleich starkes System Taifun.
Sechs Listen für Atlantik und östlichen Nordpazifik
Die Namen werden nicht spontan vergeben. Für den Atlantik und den östlichen Nordpazifik stellt die WMO sechs Listen bereit. Jedes Jahr kommt eine andere Liste zum Einsatz; nach sechs Jahren beginnt der Turnus erneut. Besonders folgenschwere Namen können aus der Liste gestrichen und ersetzt werden.
Die Atlantiklisten enthalten jeweils 21 Namen. Die Buchstaben Q, U, X, Y und Z bleiben aus, weil sich für alle sechs Listen nicht genügend leicht verständliche Namen finden lassen. Im östlichen Nordpazifik umfasst jede Jahresliste 24 Namen; dort werden Q und U ausgelassen. Reicht eine reguläre Liste in einer außergewöhnlich aktiven Saison nicht aus, stehen ergänzende Namenslisten bereit.
Der Zentralpazifik folgt einem eigenen System
Für den zentralen Nordpazifik zwischen 140 Grad westlicher Länge und der Datumsgrenze ist das Central Pacific Hurricane Center in Honolulu zuständig. Dort gibt es vier Listen mit jeweils zwölf hawaiianischen Namen. Sie sind nicht an Kalenderjahre gebunden, sondern werden fortlaufend abgearbeitet. Deshalb begann die Saison 2026 in diesem Gebiet nicht mit einem A-Namen, sondern mit Lala in der ersten Liste.

Stand der Saison am 12. Oktober 2026
Am 12. Oktober 2026 war die Atlantikliste beim Buchstaben I und dem Hurrikan Isaias angelangt. Im östlichen Nordpazifik war mit Simon bereits der Buchstabe S erreicht, im zentralen Nordpazifik mit Nolo der Buchstabe N.
| Gebiet | Zuletzt vergebener Name | Nächster vorgesehener Name |
|---|---|---|
| Atlantik | Isaias | Josephine |
| Östlicher Nordpazifik | Simon | Trudy |
| Zentraler Nordpazifik | Nolo | Olana |
Die vollständigen und jeweils aktuellen Listen veröffentlicht das National Hurricane Center. Hintergrundinformationen zur internationalen Benennung und zum Streichen besonders folgenreicher Namen bietet die Weltorganisation für Meteorologie.
Welche Besonderheiten bei den Listen gelten und was geschieht, wenn das Alphabet in einer sehr aktiven Saison nicht ausreicht, behandelt der zweite Teil.
Autor der DWD-Originalfassung:
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, 12.10.2026
Quelle und Lizenz: Deutscher Wetterdienst, „Thema des Tages“ vom 12. Oktober 2026. DWD-Text und DWD-Grafik unter CC BY 4.0. Für Windinfo redaktionell gegliedert und sprachlich gestrafft; die Schwellenwerte für tropische Stürme und Hurrikane sowie die historische Zuordnung der frühen Benennungspraxis wurden anhand offizieller NHC-Angaben präzisiert. Die Grafik wurde lokal gespeichert und für die Webdarstellung skaliert; ihr Inhalt blieb unverändert.



Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!